Wohlgemuth sieht Entwicklung in allen Bereichen

Der Jahresabschluss? Ernüchternd, findet sogar der Geschäftsführer Sport selbst. Die Ruhe verlieren er und seine Mitstreiter in Paderborn dennoch nicht. Und auch nicht den Blick auf das Gesamtgeschehen.

Richtet den Blick nach oben: Fabian Wohlgemuth.

Richtet den Blick nach oben: Fabian Wohlgemuth.

IMAGO/Ulrich Hufnagel

Mit großen Sprüngen und tiefen Stürzen kennen sie sich aus in Paderborn. In der jüngeren Vergangenheit erlebte der Klub den Fall in die 3. Liga genauso wie den Aufstieg in die Bundesliga. So richtig geschockt ist daher niemand über den Verlauf der Hinrunde, der für die Ostwestfalen verheißungsvoll begann, bis an die Tabellenspitze führte, nach fünf sieglosen Spielen aber letztlich auf einem vergleichsweise mageren 6. Platz zum Jahresabschluss endete.

“Es ist ein Saisonverlauf in den Extremen, damit haben wir unsere Erfahrungen im Verein”, sagt in diesem Kontext auch Fabian Wohlgemuth. “Die viel zitierte Welle, die die Mannschaft zunächst getragen hat, hat sich am Ende in einen Negativ-Run verkehrt. Mit Rückschlägen ist jede Mannschaft früher oder später konfrontiert. Bei uns ist es dieser starke Kontrast, der natürlich auch zu einer gewissen Ernüchterung führt.”

“Wir geben nur das Geld aus, das wir haben”

Der Geschäftsführer Sport hat Ende 2022 aber nicht nur aktuelle das sportliche Abschneiden im Blick, sondern richtet den Fokus auch auf das Gesamtgeschehen. “Wir verfolgen in Paderborn seit Jahren eine moderate Wachstumsstrategie. Dazu gehören auch die kleinen, aber kontinuierlich gesetzten Schritte hin zur weiteren Professionalisierung. Wirtschaftlich bedeutet das: Wir geben nur das Geld aus, das wir haben.”

In Bezug auf die Infrastruktur stehe etwa das Bemühen um bessere Trainingsbedingungen für die Mannschaft im Mittelpunkt. Hintergrund: Die Beschaffenheit der Rasenflächen am Trainingszentrum hält nicht mehr den modernsten Standards stand. Soziale Aspekte stecken derweil hinter dem Bau eines Auditoriums, einer Art Kinosaal – eine Idee von Trainer Lukas Kwasniok – in welchem Spieler und Funktionsteam künftig zu verschiedenen Anlässen zusammenkommen können.

Qualitäten und Fähigkeiten der Mannschaft sollen ausgebaut werden

Doch sollen auch Qualitäten und Fähigkeiten der Mannschaft ausgebaut werden, um einmal wieder die Hand nach der schon zweimal erreichten Bundesliga auszustrecken. Wohlgemuth: “Wir brauchen natürlich neben aller Solidität auch Visionen, die uns in der sportlichen Entwicklung begleiten und motivieren. Wir müssen uns immer wieder selbst fragen: Was ist der nächste Step?”

Trotz der Negativserie bestehen für den Manager dabei keine Zweifel an den handelnden Personen. “Das vorhandene individuelle Potenzial der Mannschaft steht für mich nicht zur Diskussion. Auch nicht die mannschaftliche Geschlossenheit. Zu einem Spitzenteam fehlt uns ganz sicher jedoch die Fähigkeit, mit Konstanz an der eigenen Leistungsgrenze zu spielen. Hier muss und wird die Mannschaft einen entsprechenden Lernprozess hinter sich bringen, Rückschläge gehören dazu.”

In der Rückrunde “neu attackieren”

Und, auch das lehrt die Vergangenheit beim SCP, auf schlechtere Phasen folgten schließlich immer wieder Höhenflüge. Entsprechend will man 2023, wenn es wieder los geht, von besagtem sechstem Platz aus neu attackieren und trotzdem zugleich wachsam sein. “Grundsätzlich bin ich Optimist und bin überzeugt vom Potenzial unserer Mannschaft”, wiederholt Wohlgemuth. “Deshalb geht der Blick immer nach vorn und nach oben. Das heißt aber nicht, dass wir nicht sorgfältig beobachten, wie eng es insgesamt in der 2. Liga zugeht.”

Michael Richter

Der Winterfahrplan der Zweitligisten

Bedingt durch die WM legt die 2. Liga mit der Rückrunde erst Ende Januar wieder los. So sind die Pläne der 18 Zweitligisten.

Ein Trainingslager in wärmeren Gefilden haben 15 der 18 Zweitligisten geplant.

Ein Trainingslager in wärmeren Gefilden haben 15 der 18 Zweitligisten geplant.

IMAGO/Zink

SV Darmstadt 98

Urlaub: 15.11. bis 4.12. und 19.12. bis 2.1. 
Trainingsauftakt: 5.12. und 3.1.
Trainingslager: 5.1. bis 15.1. in El Saler (Spanien)
Testspiele: 10.12. gegen SV Morlautern (13 Uhr), 17.12. gegen Young Boys Bern (18 Uhr), 21.1. gegen FC Wil (13 Uhr)

Hamburger SV

Urlaub: 21.11. bis 1.1. 
Trainingsauftakt: 2.1.
Trainingslager: in Planung
Testspiele: 18.11. bei Ventura County
Besonderes:
USA-Reise vom 13.11. bis 22.11.

1. FC Heidenheim

Urlaub: 16.11. bis 9.12. und 23.12. bis 1.1. 
Trainingsauftakt: 10.12. und 2.1. 
Trainingslager: 12.1. bis 22.1. in Algorfa (Spanien) 
Testspiele: 16.12. beim FC Augsburg (14 Uhr), 17.12. gegen Waldhof Mannheim (14 Uhr), 21.12. gegen FC Ingolstadt (14 Uhr)

1. FC Kaiserslautern

Urlaub: ab 12.11. 
Trainingsauftakt: 11.12., zuvor ab 5.12.: Leistungstests und individuelles Training 
Trainingslager: 3.1. bis 11.1. in Belek (Türkei) 
Testspiele: 16.12. gegen SV Wehen Wiesbaden (13.30 Uhr), Testspiele im Trainingslager noch offen

Hannover 96

Urlaub: 12.11. bis 27.11. und 10.12. bis 1.1. 
Trainingsauftakt: 28.11. und 2.1. 
Trainingslager: 7.1. bis 15.1. in Belek (Türkei) 
Testspiele: 2.12. gegen Hertha BSC und 9.12. beim SC Paderborn

SC Paderborn 07

Urlaub: 14.11. bis 4.12. sowie über Weihnachten und den Jahreswechsel 
Trainingsauftakt: 5.12. 
Trainingslager: 9.1. bis 18.1. in Alicante (Spanien) 
Testspiele: 9.12. gegen Hannover 96, 10.12. gegen VfL Osnabrück, 16.12. gegen VfL Bochum, 17.12. bei Rot-Weiss Essen, 7.1. gegen MSV Duisburg, 21.1. gegen Bielefeld, zwei weitere geplant

Fortuna Düsseldorf

Urlaub: 4.12. bis 1.1. 
Trainingsauftakt: 2.1. 
Trainingslager: 8.1. bis 15.1. in Marbella (Spanien) 
Testspiele: 19. 11., 15 Uhr: Teilnahme am “xotto-Cup” in Lohne (jeweils 45-minütiges Spiel gegen Arminia Bielefeld und Werder Bremen), 30.11. (16 Uhr, Paul-Janes-Stadion, Gegner noch offen), 6.1. gegen SV Meppen (14 Uhr, Paul-Janes-Stadion), 20.1. Testspiel in Planung, weitere im Trainingslager geplant

Holstein Kiel

Urlaub: 14.11. bis 15.12. und 23.12. bis 1.1.
Trainingsauftakt: 16.12. und 2.1.
Trainingslager: 8.1. bis 15.1. in Oliva Nova (Spanien)
Testspiele: zwei im Trainingslager und eines danach in Deutschland geplant

Hansa Rostock

Urlaub: 14.11. bis 4.12. und 23.12. bis 1.1.
Trainingsauftakt: 5.12. und 2.1.
Trainingslager: 5.1. bis 15.1. in Belek (Türkei)
Testspiele: noch keine Angaben

SpVgg Greuther Fürth

Urlaub: 17.11. bis 3.12. und 22.12. bis 1.1.
Trainingsauftakt: 4.12. (10.30 Uhr) und 2.1.
Trainingslager: 4.1. bis 12.1 in Belek (Türkei)
Testspiele: 9.12. gegen ATSV Erlangen, 15.12. beim FC Ingolstadt, 20.12. bei TSG Hoffenheim, weitere im Januar geplant

1. FC Nürnberg

Urlaub: 20.11. bis 11.12. und 23.12. bis 1.1.
Trainingsauftakt: 12.12 und 2.1.
Trainingslager: 8.1 bis 15.1 in Belek (Türkei)
Testspiele: 7.1. gegen Aue, 21.1. bei Sparta Prag, weitere im Trainingslager geplant
Besonderes: Leistungsdiagnostik bis 18.11.

Jahn Regensburg

Urlaub: 13.11. bis 4.12. und kurz vor Weihnachten bis 2.1.
Trainingsauftakt: 5.12. und 3.1.
Trainingslager: noch offen
Testspiele: 16.12. gegen SV Ried, weitere geplant

Karlsruher SC

Urlaub: 13.11. bis 4.12.
Trainingsauftakt: 5.12.
Trainingslager: 13.1. bis 22.1. in Estepona (Spanien)
Testspiele: 9.12. bei Viktoria Köln (13 Uhr), 10.12. beim VfL Bochum (13 Uhr), 16.12. beim SC Freiburg (13.30 Uhr, 4-mal 30 Minuten)

Eintracht Braunschweig

Urlaub: 14.11. bis 27.11. und 15.12. bis 3.1.
Trainingsauftakt: 28.11. und 4.1.
Trainingslager: 15.1. bis 22.1 in Spanien (Ort noch offen)
Testspiele: 29.11 und 1.12. (Gegner, Ort noch offen), 7.12. bei Hertha BSC (13 Uhr), 13.12. gegen SC Verl (12 Uhr), 8.1. gegen Halleschen FC

FC St. Pauli

Urlaub: 19.11. bis 8.12.
Trainingsauftakt: 9.12.
Trainingslager: 2.1. bis 9.1. in Benidorm (Spanien)
Testspiele: 4.1. gegen Werder Bremen, weitere geplant

Arminia Bielefeld

Urlaub: 5.12. bis 2.1.
Trainingsauftakt: 3.1.
Trainingslager: 12.1. bis 19.1. in Benidorm (Spanien)
Testspiele: 19.11. Blitzturnier in Lohne gegen Werder Bremen (14 Uhr) und Fortuna Düsseldorf (15 Uhr), 7.1. gegen SC Verl (Ort offen), 11.1. bei Borussia Mönchengladbach, 21.1. beim SC Paderborn, zwei weitere im Trainingslager geplant

1. FC Magdeburg

Urlaub: 14.11. bis 11.12. und 24.12. bis 1.1.
Trainingsauftakt: 13.12. (11 Uhr) (12.12.: Leistungsdiagnostik) und 2.1
Trainingslager: 4.1. bis 14.1. in der Türkei (Ort noch offen)
Testspiele: 21.12. (Gegner noch offen), weitere am 16./17.1. und 20./21.1. sowie im Trainingslager geplant

SV Sandhausen

Urlaub: 3.12. bis 1.1.
Trainingsauftakt: 2.1.
Trainingslager: 10.1. bis 20.1. (Ort noch offen)
Testspiele: 20.11. beim FC Basel, 2.12. gegen Eintracht Frankfurt, 7.1. gegen TuS Mechtersheim, weitere geplant

DFL terminiert die Spieltage 20 bis 25: Zwei Topspiele mit dem HSV am Samstagabend

Die DFL hat die Spieltage 20 bis 25 in der 2. Bundesliga zeitgenau terminiert. Dabei muss der Hamburger SV bei zwei Topspielen jeweils am Samstagabend antreten. 

Robert Glatzel und der HSV müssen zweimal am Samstagabend ran.

Robert Glatzel und der HSV müssen zweimal am Samstagabend ran.

IMAGO/Claus Bergmann

Der 20. Spieltag der 2. Liga wartet mit einem Topspiel auf: Heidenheim, derzeit Tabellendritter, empfängt den Hamburger SV (2.). Die Partie der beiden Tabellennachbarn hat die DFL für den Samstagabend um 20.30 Uhr vorgesehen (11. Februar).

Zum Durchklicken

Auch das nächste Auswärtsspiel des HSV hat es in sich, das Gipfeltreffen bei Spitzenreiter SV Darmstadt 98 steht am 22. Spieltag an und wurde ebenfalls als Topspiel am 25. Februar auf den Samstagabend um 20.30 Uhr gelegt.

Niedersachsen-Derby am Samstagmittag

Das Niedersachsen-Derby zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 geht am 25. Spieltag am Samstagmittag (18. März) um 13 Uhr über die Bühne.

Vier Niederlagen in Serie: Bei Paderborn “überwiegt der Frust”

Die lange Winterpause könnte für den SC Paderborn gerade zur rechten Zeit kommen, das sehen auch die Beteiligten so. Die Ostwestfalen haben nun Zeit, um an sich zu arbeiten. Der Abwärtsstrudel zuletzt sorgte für Ernüchterung.

Paderborns Uwe Hünemeier (li.) ist ebenso wie Trainer Lukas Kwasniok derzeit alles andere als zufrieden.

Paderborns Uwe Hünemeier (li.) ist ebenso wie Trainer Lukas Kwasniok derzeit alles andere als zufrieden.

picture alliance/dpa

Beim SCP läuft es schon länger nicht mehr. Vor wenigen Wochen noch Zweiter, nun auf Rang 6 – den Anschluss zu den Aufstiegsrängen hat die Mannschaft von der Pader nun verloren. Ebenso wie die vergangenen vier Ligaspiele am Stück, ein torloses Remis bei Eintracht Braunschweig war der erste Dämpfer vor der Niederlagen-Serie.

Zur SCP-Niederlage beim FCN

In Nürnberg versuchten die Beteiligten schließlich, bei “Sky” Erklärungen zu finden. Paderborns Coach Kwasniok sah schlicht “keine gute Leistung” seines Teams beim FCN, der erfahrene Innenverteidiger Uwe Hünemeier wurde deutlicher: “Wir haben zu einfache Gegentore bekommen.”

Wir haben zu einfache Gegentore bekommen.

Uwe Hünemeier

Beim 36-jährigen Routinier Hünemeier “überwiegt daher gerade der Frust”. Diesen konnte sich Torschütze Justin Justvan noch damit erklären, “in so einen Strudel reingekommen” zu sein. “Das ist dann denke ich normal.”

Justvan kritisierte aber auch und meinte: “Trotzdem müssen wir professionell bleiben.” Eventuell spielte er damit auf Angreifer Marvin Pieringer an, der kurz vor Schluss unnötigerweise Gelb-Rot sah und dem SCP nach der langen Pause zum Rückrundenauftakt am 27. Januar ab 18.30 Uhr beim ebenfalls kriselnden Karlsruher SC fehlen wird. Ausgerechnet Pieringer, der noch einen Dreier beim Club gefordert hatte.

Schallenberg will von Unsicherheit nichts wissen

Auf die zweite Saisonhälfte angesprochen wagte Justvan zumindest noch einen Ausblick: “Vielleicht tut uns die Pause jetzt ganz gut, um neue Kräfte zu sammeln”, mutmaßte er. “Ab der Rückrunde wollen wir wieder voll durchstarten und die Leistung zeigen, die wir am Anfang der Saison gezeigt haben.” Grund für Unsicherheit sah Kapitän Ron Schallenberg ohnehin nicht und schloss: “Ich glaube, wir sollten einfach im Kopf entspannt bleiben. Wir haben jetzt genug Zeit, um alles aufzuarbeiten.”

Nach Platzverweis gegen Bielefeld: DFB verkündet Huth-Sperre

Der SC Paderborn wird am Wochenende auf Jannik Huth verzichten müssen. Der Torhüter ist nach seinem Platzverweis gegen Bielefeld für ein Spiel gesperrt worden.

Geht verfrüht in die Winterpause: Jannik Huth.

Geht verfrüht in die Winterpause: Jannik Huth.

IMAGO/Jan Huebner

Dies teilte das DFB-Sportgericht am Freitag mit. Damit fehlt Jannik Huth dem SC Paderborn am Sonntag beim Gastspiel in Nürnberg (13.30, LIVE! bei kicker). Grund für die Sperre sei laut Mitteilung des DFB das “unsportliche Verhalten” des Schlussmanns gewesen. Beim 0:2 gegen die Arminia hatte Huth in der Anfangsphase einen langen Ball vor seinem Sechzehner in die Hände genommen und war anschließend von Referee Dr. Martin Thomsen wegen der Verhinderung einer klaren Torchance mit glatt Rot des Feldes verwiesen worden. 

Ersatzmann des Stammtorhüters, der in der laufenden Saison bisher 14 Zweitligaspiele absolvierte und dabei sechsmal die Null hielt, dürfte Leopold Zingerle sein. Der 28-jährige Münchner hatte Huth bereits während dessen Verletzungspause vertreten und verfügt über die Erfahrung von 28 Bundesliga- und 70 Zweitligapartien. 

Schallenberg: “Da dürfen wir nicht nur reden”

Nach vier Spielen ohne Sieg ist dem SCP07 die Leichtigkeit aus der Anfangszeit der Saison etwas verloren gegangen. Kapitän Ron Schallenberg schwört das Team nun auf ein gutes Finale in Nürnberg ein.

SCP-Kapitän Ron Schallenberg stellt klare Forderungen an seine Teamkollegen.

SCP-Kapitän Ron Schallenberg stellt klare Forderungen an seine Teamkollegen.

IMAGO/Jan Huebner

Vier Spiele ohne Sieg. Dreimal nun – gegen den HSV (2:3), in Heidenheim (0:3) und zuletzt gegen Arminia Bielefeld (0:2) – sogar verloren, so etwas hat es in der 2. Liga in Paderborn seit dem Herbst 2015 nicht mehr gegeben. “Wenn man drei Spiele in Folge verliert, ist die Tendenz eher negativ”, so Sport-Geschäftsführer Fabian Wohlgemuth, der auf den Jahreszeitpunkt verweist: “Jetzt, wo die Dinge bei anderem Wetter und fortgeschrittener Saison ein bisschen mühseliger werden, müssen wir zu unserem Geist und unserem Spiel zurückfinden.”

Extrem enttäuscht zeigte sich nach der dritten Pleite auch Stürmer Marvin Pieringer: “Die letzten Wochen waren nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir wollten in den letzten zwei Spielen alles reinwerfen und sechs Punkte mitnehmen.” Nun können es beim Finale 2022 gegen den 1. FC Nürnberg bestenfalls noch drei weitere Zähler für die Ostwestfalen werden.

Die Leichtigkeit vom Anfang der Saison fehlt vielleicht ein wenig.

Jasper van der Werff

“Die Leichtigkeit vom Anfang der Saison fehlt vielleicht ein wenig. Aber ich habe vollstes Vertrauen in die Mannschaft”, schätzt Jasper van der Werff die Situation ein. Der Verteidiger hatte für einige, auch ihn selbst, etwas überraschend von Beginn an gegen Bielefeld auflaufen dürfen, war unglücklich an beiden Gegentoren mitbeteiligt.

Dass die frühe Rote Karte, die Torhüter Jannik Huth für sein Handspiel außerhalb des Strafraums erhalten hatte, und das damit verbundene Unterzahlspiel eine “Riesenhypothek” gewesen sei, wollte Ron Schallenberg nicht abstreiten. “Aber man kann das Tor auch mit zehn Leuten verteidigen. Das tut schon weh, wenn du dir viel vornimmst und eine Reaktion zeigen willst. Da müssen wir noch einmal ran gegen Nürnberg”, fordert der Kapitän vor der Reise zu den Franken.

Schallenberg will nicht nur reden

Dort sei das Ziel klar, entsprechend beschwört der 24-Jährige Kampf und Einsatzbereitschaft seiner Mannschaft: “Wir wollen unbedingt wieder dreifach punkten. Das gäbe ein gutes Gefühl für die Winterpause. Aber da dürfen wir nicht nur reden, sondern müssen es auch machen.” Einfach in den Schoß, soviel scheint klar, fällt den Paderbornern jedenfalls nichts. Schallenberg: “Auf einer Welle wie Anfang der Saison ist es leicht. Jetzt ist es vielleicht schwieriger, da müssen wir uns reinarbeiten.”

Michael Richter

Michael Richter

“Gefährlicher” Trend: So viele Zweitliga-Herbstmeister stiegen auch auf

Der SV Darmstadt 98 spielt bis dato eine furiose Saison, gewann zehn seiner 16 Spiele in der 2. Liga. Mit dem 1:0 in Magdeburg machten die Lilien die Herbstmeisterschaft perfekt. Mehr als ein Fingerzeig mit Blick auf die Statistik – außer in der jüngeren Vergangenheit.

Zwei Beispiele, denen Darmstadt nicht nacheifern will: St. Pauli (li.) und der HSV (re.) verspielten in der Vergangenheit den Aufstieg trotz Herbstmeisterschaft.

Zwei Beispiele, denen Darmstadt nicht nacheifern will: St. Pauli (li.) und der HSV (re.) verspielten in der Vergangenheit den Aufstieg trotz Herbstmeisterschaft.

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Torsten Lieberknecht reitet mit dem SV Darmstadt 98 auf einer Welle des Erfolgs. Zehn Siege, fünf Remis, nur eine Niederlage, dazu stellen die Hessen die beste Abwehr der Liga (erst 14 Gegentore). Mit dem 1:0-Auswärtssieg bei Aufsteiger Magdeburg machten die Darmstädter die Herbstmeisterschaft in der 2. Bundesliga vorzeitig perfekt. Angesichts von bereits 35 gesammelten Punkten können die Verfolger HSV (31) und Heidenheim (30) den SVD am letzten Spieltag des Kalenderjahres am Wochenende, der gleichzeitig den Hinrundenabschluss darstellt, nicht mehr von Platz eins abfangen.

Doch welche Bedeutung hat die Herbstmeisterschaft eigentlich mit Blick auf die Geschichte der eingleisigen 2. Bundesliga? Betrachtet wird der Zeitraum ab der Saison 1981/82 – mit Ausnahme der Saison 1991/92 -, in dem sich 28 von 40 Herbstmeistern den Traum von der Bundesliga verwirklichten. Das sind starke 70 Prozent derer, die nach der Hälfte einer Saison vom Platz an der Sonne grüßten. Immerhin noch 40 Prozent der Herbstmeister (also 16 von 40) behaupteten auch am allerletzten Spieltag Rang eins.

Nur einer von sechs Herbstmeistern schaffte es zuletzt

Auch wenn Lieberknecht ohnehin andere Pläne hätte, werden sie in Darmstadt gerade mit Blick auf die jüngere Vergangenheit den Sekt noch nicht kalt gestellt haben. Denn: In den letzten sechs Spielzeiten stieg nur ein einziger Herbstmeister am Ende auch in die Bundesliga auf. Es handelt sich dabei um Arminia Bielefeld in der Saison 2019/20, die Herbstmeister wurden und sogar die begehrte Zweitliga-“Felge” nach oben strecken durften.

Herbstmeister St. Pauli (2021/22) stürzte auf Rang fünf ab, der HSV (2020/21 und 2018/19) noch auf Rang vier. Die Herbstmeister aus Kiel (2017/18) und Braunschweig (2016/17) scheiterten jeweils in der Relegation. Der BTSV (0:1, 0:1) musste sich wie im Jahr darauf Holstein Kiel (1:3, 0:1) dem VfL Wolfsburg beugen.

Den bis dato tiefsten Absturz erlebte die SpVgg Blau-Weiß 90 Berlin in der Saison 1988/89. Nach 19 von 38 Spieltagen grüßten die Berliner noch von Rang eins, ehe sie bis zum Saisonende auf Rang acht “durchgereicht” wurden. Fortuna Düsseldorf und Aufsteiger Homburg landeten stattdessen auf den Plätzen eins und zwei.

Paderborn und Bielefeld: Das Derby der Auf- und Abstiegsexperten

Die beiden Stadien sind nur unweit voneinander entfernt. Und auch so liegen beim SCP und Arminia Freud und Leid aus Tradition dicht beieinander. Historisch werden sie als “Fahrstuhl-Duo” nur von den Westrivalen Duisburg und Essen überboten.

Am Dienstag ist Derbyzeit: Fans des SC Paderborn.

Am Dienstag ist Derbyzeit: Fans des SC Paderborn.

IMAGO/Holsteinoffice

Das ganz große Derby-Fieber, wie die Fußballfans es in Hamburg oder München, im Ruhrpott oder am Rhein kennen, bricht in Ostwestfalen nicht aus, wenn dort die beiden Nachbarn SC Paderborn 07 und Arminia Bielefeld in der 2. Liga aufeinandertreffen. Es ist eben noch ein recht junges Duell, es gibt wenige Schnittmengen zwischen Fanlagern und Sponsorenkreisen, man kennt und schätzt sich halt.

Wenn es am Dienstagabend nach dreieinhalbjähriger Pause wieder so weit ist mit einem Treffen, überstrahlt die Partie freilich eine Besonderheit, wie es sie in der jüngeren Vergangenheit nirgendwo sonst in der Republik gibt. Denn Tradition hat bei beiden Kontrahenten zumindest, dass sie sich selten lange im Mittelfeld einer Liga aufhalten. Fast immer geht es um Aufstiegshoffnungen und Abstiegsängste – wie auch diesmal, wenn der aktuelle Tabellenvierte SCP07 die Arminia als Schlusslicht des Zweitligatabelle empfängt.

45 Kilometer sind die Stadien der beiden Klubs nur voneinander entfernt – nirgendwo sonst in den oberen drei Spielklassen liegen dabei Freud und Leid so dicht beieinander. Die Bilanz seit Einführung der bundesweiten 3. Liga in der Saison 2008/09: Der SCP07 stieg viermal auf (je zweimal in die 1. und zweimal in die 2. Liga) und dreimal ab, Arminia musste viermal eine Liga tiefer gehen und stieg in dieser Zeit zweimal in die 2. Liga sowie einmal in die Bundesliga auf.

14 Ligawechsel in 14 Jahren – das ist ein Rekord auf geographisch so engem Raum. Das ständige Auf und Nieder macht die Begegnung zu einem regelrechten “Derby im JoJo-Land” (Lesen Sie einen ausführlichen Report in der aktuellen kicker-Montagsausgabe oder als eMagazine). Bundesweit können in dieser Zeit überhaupt nur Eintracht Braunschweig (vier Aufstiege, drei Abstiege) und der FC Ingolstadt 04 (dreimal hoch, viermal runter) den beiden ostwestfälischen Auf- und Abstiegsexperten das Wasser reichen.

Zwei Westrivalen übertreffen das Fahrstuhl-Duo

Statistik-Fans, die noch weiter zurückblicken, werden allerdings feststellen, dass es in der Bundesliga-Historie zwei Westrivalen gibt, die das “Fahrstuhl-Duo” Paderborn/Bielefeld gemeinsam noch überbieten. 1974/75 wurde auf DFB-Ebene die 2. Liga eingeführt, vorerst noch bis 1981 in den Staffeln Nord und Süd.

Auch in diesem Zeitraum liegt Arminia Bielefeld zwar allein mit zehn Auf- und Abstiegen an der Spitze des Fahrstuhl-Rankings, gefolgt einerseits vom 1. FC Nürnberg (neun Aufstiege/neun Abstiege) – aber eben auch jenem MSV Duisburg (8/10), der es gemeinsam mit seinem nur 26 Kilometer entfernten Nachbarn Rot-Weiss Essen (5/7) auf 30 Ligawechsel bringt. Zusammen mit Paderborns fünf Auf- und vier Abstiegen seit 1974/75 kommen die beiden ostwestfälischen Vereine dagegen “nur” auf 29 – vorerst …

Michael Richter