Vertrag wird aufgelöst: DFL-Chefin Hopfen legt Amt nieder

Bereits am Sonntag hatte der kicker exklusiv vermeldet, dass Donata Hopfen das Aus drohe. Nun sind der Aufsichtsrat und die DFL-Chefin übereingekommen, das Dienstverhältnis einvernehmlich zu beenden.

Die Zeit von Donata Hopfen als DFL-Chefin ist nach nur einem Jahr wieder beendet.

Die Zeit von Donata Hopfen als DFL-Chefin ist nach nur einem Jahr wieder beendet.

IMAGO/Nico Herbertz

Der sechsköpfige Aufsichtsrat unter Vorsitz von Hans-Joachim Watzke hat gemeinsam mit Hopfen das vorzeitige Ende des Vertragsverhältnisses beschlossen. Dies vermeldet die DFL am Mittwochabend und nannte “unterschiedliche Vorstellungen über die weitere strategische Ausrichtung der Gesellschaft” als Grund für den Schritt. Hopfen hatte zum 1. Januar 2022 den Vorsitz der DFL-Geschäftsführung und auch die Position als Sprecherin des DFL-Präsidiums übernommen. Ihr Dienstverhältnis endet zum Jahresende.

“Ich bedanke mich bei Donata Hopfen für ihren großartigen Einsatz und die intensiven Monate, in denen wir sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet haben. Sie hat mit ihrem Blick, von außen kommend, wichtige Impulse für die Bundesliga gesetzt. Auch wenn wir den Weg jetzt nicht gemeinsam weitergehen, wünsche ich ihr für die Zukunft das Allerbeste”, sagte Watzke.

Hopfen: “Die richtigen Dinge angestoßen”

Hopfen bilanzierte ihre kurze Zeit im Amt. “Wir haben in den letzten Monaten viel erreicht und viel angestoßen. So haben wir eine tragfähige Zukunftsstrategie für den deutschen Profifußball entwickelt, große Kooperationen wie die mit der NFL angeschoben und wichtige Lücken in der Vermarktung geschlossen. Hier ist sicherlich der NFT-Deal über 170 Mio. Euro zu nennen. Auch international sind wir ein gutes Stück vorangekommen, die Verträge in Mexiko und der MENA-Region belegen das. Das Verhältnis zum DFB ist heute besser denn je. Ich bin dankbar für die Zeit und die Arbeit mit den Klubs und meinem Team”, wird sie zitiert und wünschte den nachfolgenden Verantwortlichen “den nötigen Mut und Willen zur Veränderung, um auf die wachsenden Herausforderungen nicht nur zu reagieren, sondern sie auch aktiv zu gestalten” – verbunden mit dem “notwendige Quäntchen Glück”. Sie gehe “in dem Bewusstsein, die richtigen Dinge angestoßen zu haben”.

In ihren Funktionen war Hopfen auch Vizepräsidentin des DFB und mithin die mächtigste Frau im deutschen Fußball geworden. Sie folgte bei der DFL auf Christian Seifert, der den Ligaverband zwischen 2005 bis 2021 sehr erfolgreich gesteuert hatte.

Seiferts Fußstapfen waren zu groß

Donata Hopfens Vertrag war ursprünglich bis zum 31. Dezember 2024 datiert. Wie der kicker aber am Sonntag exklusiv berichtete, wurde schon seit einiger Zeit im sechsköpfigen DFL-Aufsichtsrat und unter den acht Kollegen von Hopfen im DFL-Präsidium über eine weitere Zusammenarbeit mit Hopfen diskutiert.

Hopfen sei es nicht gelungen, in den vergangenen elf Monaten eine eigene Handschrift zu entwickeln. Weder in der Diskussion um die 50+1-Regel und die Forderungen des Bundeskartellamtes, noch bei den Themen Digitalisierung und Internationalisierung oder der Spielplangestaltung im Zusammenhang mit der bevorstehenden Ausschreibung der Medienrechte ab Sommer 2025 konnte Hopfen nach Ansicht ihrer Kritiker Zeichen setzen.

Zudem soll sich die Stimmung in der DFL-Zentrale in Frankfurt (Main) seit ihrem Amtsantritt verschlechtert haben, etliche Mitarbeiter haben die DFL in 2022 verlassen.

Leki und Hellmann als Übergangslösung im Gespräch

An der DFL-Spitze soll es bis zum Ende der Spielzeit 2022/23 eine Interimslösung geben. Demnach sollen Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt und Oliver Leki vom SC Freiburg die Geschäfte übernehmen. Dies bestätigte die Liga am Mittwoch jedoch noch nicht offiziell. Hellmann ist Mitglied des DFL-Präsidiums, Leki sitzt im Aufsichtsrat der DFL. Das Duo wird von ihren Vereinen für die neue Aufgabe freigestellt, im kommenden Sommer soll bei der DFL dann eine dauerhafte Lösung installiert werden.

jer, rf, aho

Vertrag wird aufgelöst: DFL-Chefin Hopfen legt Amt nieder

Bereits am Sonntag hatte der kicker exklusiv vermeldet, dass Donata Hopfen das Aus drohe. Nun sind der Aufsichtsrat und die DFL-Chefin übereingekommen, das Dienstverhältnis einvernehmlich zu beenden.

Die Zeit von Donata Hopfen als DFL-Chefin ist nach nur einem Jahr wieder beendet.

Die Zeit von Donata Hopfen als DFL-Chefin ist nach nur einem Jahr wieder beendet.

IMAGO/Nico Herbertz

Der sechsköpfige Aufsichtsrat unter Vorsitz von Hans-Joachim Watzke hat gemeinsam mit Hopfen das vorzeitige Ende des Vertragsverhältnisses beschlossen. Dies vermeldet die DFL am Mittwochabend und nannte “unterschiedliche Vorstellungen über die weitere strategische Ausrichtung der Gesellschaft” als Grund für den Schritt. Hopfen hatte zum 1. Januar 2022 den Vorsitz der DFL-Geschäftsführung und auch die Position als Sprecherin des DFL-Präsidiums übernommen. Ihr Dienstverhältnis endet zum Jahresende.

“Ich bedanke mich bei Donata Hopfen für ihren großartigen Einsatz und die intensiven Monate, in denen wir sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet haben. Sie hat mit ihrem Blick, von außen kommend, wichtige Impulse für die Bundesliga gesetzt. Auch wenn wir den Weg jetzt nicht gemeinsam weitergehen, wünsche ich ihr für die Zukunft das Allerbeste”, sagte Watzke.

Hopfen: “Die richtigen Dinge angestoßen”

Hopfen bilanzierte ihre kurze Zeit im Amt. “Wir haben in den letzten Monaten viel erreicht und viel angestoßen. So haben wir eine tragfähige Zukunftsstrategie für den deutschen Profifußball entwickelt, große Kooperationen wie die mit der NFL angeschoben und wichtige Lücken in der Vermarktung geschlossen. Hier ist sicherlich der NFT-Deal über 170 Mio. Euro zu nennen. Auch international sind wir ein gutes Stück vorangekommen, die Verträge in Mexiko und der MENA-Region belegen das. Das Verhältnis zum DFB ist heute besser denn je. Ich bin dankbar für die Zeit und die Arbeit mit den Klubs und meinem Team”, wird sie zitiert und wünschte den nachfolgenden Verantwortlichen “den nötigen Mut und Willen zur Veränderung, um auf die wachsenden Herausforderungen nicht nur zu reagieren, sondern sie auch aktiv zu gestalten” – verbunden mit dem “notwendige Quäntchen Glück”. Sie gehe “in dem Bewusstsein, die richtigen Dinge angestoßen zu haben”.

In ihren Funktionen war Hopfen auch Vizepräsidentin des DFB und mithin die mächtigste Frau im deutschen Fußball geworden. Sie folgte bei der DFL auf Christian Seifert, der den Ligaverband zwischen 2005 bis 2021 sehr erfolgreich gesteuert hatte.

Seiferts Fußstapfen waren zu groß

Donata Hopfens Vertrag war ursprünglich bis zum 31. Dezember 2024 datiert. Wie der kicker aber am Sonntag exklusiv berichtete, wurde schon seit einiger Zeit im sechsköpfigen DFL-Aufsichtsrat und unter den acht Kollegen von Hopfen im DFL-Präsidium über eine weitere Zusammenarbeit mit Hopfen diskutiert.

Hopfen sei es nicht gelungen, in den vergangenen elf Monaten eine eigene Handschrift zu entwickeln. Weder in der Diskussion um die 50+1-Regel und die Forderungen des Bundeskartellamtes, noch bei den Themen Digitalisierung und Internationalisierung oder der Spielplangestaltung im Zusammenhang mit der bevorstehenden Ausschreibung der Medienrechte ab Sommer 2025 konnte Hopfen nach Ansicht ihrer Kritiker Zeichen setzen.

Zudem soll sich die Stimmung in der DFL-Zentrale in Frankfurt (Main) seit ihrem Amtsantritt verschlechtert haben, etliche Mitarbeiter haben die DFL in 2022 verlassen.

Leki und Hellmann als Übergangslösung im Gespräch

An der DFL-Spitze soll es bis zum Ende der Spielzeit 2022/23 eine Interimslösung geben. Demnach sollen Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt und Oliver Leki vom SC Freiburg die Geschäfte übernehmen. Dies bestätigte die Liga am Mittwoch jedoch noch nicht offiziell. Hellmann ist Mitglied des DFL-Präsidiums, Leki sitzt im Aufsichtsrat der DFL. Das Duo wird von ihren Vereinen für die neue Aufgabe freigestellt, im kommenden Sommer soll bei der DFL dann eine dauerhafte Lösung installiert werden.

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BVB mit Gymnastik und Dauer-Feuer – Hummels und Reus fehlen noch

Borussia Dortmund trainierte am Mittwoch erstmals ohne Assistent Peter Hermann. Neben dem Routinier fehlten auch noch Mats Hummels und Marco Reus, diverse WM-Fahrer waren wieder am Start.

Beste Laune beim BVB-Training: Nationalspieler Nico Schlotterbeck.

Beste Laune beim BVB-Training: Nationalspieler Nico Schlotterbeck.

IMAGO/Team 2

Der Kontrast konnte nicht viel größer sein: Während am Mittwoch in Doha zur Mittagszeit bei leichter Bewölkung 28 Grad Celsius und 55 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschten, war es in Dortmund-Brackel deutlich weniger sommerlich. 4 Grad zeigte das Thermometer am Trainingsgelände des BVB, die immer mal wieder kurz auftauchende Sonne wärmte nur sporadisch und der eine oder andere Profi wird auf dem Weg Schneehaufen am Straßenrand gesehen haben.

Erst Gymnastik, dann Dauer-Feuer

So stand Julian Brandt zunächst dick vermummt auf dem Platz, bevor er in der Hitze des Trainingsgefechts doch einige Kleidungsstücke auszog. Es war Zug in der rund 80-minütigen Einheit, die mit einer Art Gymnastik-Zirkeltraining begann und in einem Dauerfeuer-Spiel zweier Teams endete, die unter Zeitdruck auf nah beieinander stehende Tore Abschluss um Abschluss abgaben.

Dass Brandt als deutscher Nationalspieler und WM-Fahrer ebenso wie seine früh in Katar ausgeschiedenen DFB-Kollegen Karim Adeyemi, Youssoufa Moukoko, Nico Schlotterbeck und Niklas Süle nur wenige Tage nach dem Aus in der Gruppenphase wieder auf dem Platz standen, war etwas überraschend, doch Trainer Terzic zog sein Team zusammen, um schnell die Defizite der letzten Ligaspieler aufarbeiten zu können.

Wiedersehen der WM-Fahrer – Hummels und Reus fehlen noch

Ein Wiedersehen gab es in Dortmund auch mit den beiden ebenfalls ohne Achtelfinal-Ticket gebliebenen Belgiern Thorgan Hazard und Thomas Meunier sowie Giovanni Reyna, der mit den USA zwar die K-o.-Runde erreicht hatte, am Samstag aber gegen die Niederlande ausgeschieden war.

Nicht auf dem Platz standen am Mittwoch neben Co-Trainer Peter Hermann, der seine Aufgabe in Dortmund und seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen beendet hat, auch Mats Hummels, Felix Passlack und Marius Wolf sowie die Langzeitverletzten Marco Reus, Tom Rothe und Mateu Morey. Auch Ersatzkeeper Alexander Meyer fehlte. Dafür absolvierte Youngster Jamie Bynoe-Gittens nach seiner schweren Schulterverletzung bereits die zweikampfarmen Teile des Mannschaftstrainings. Das soll Mahmoud Dahoud nach seiner Erkältung ebenfalls wieder tun.

Weihnachtssingen mit mehr als 70.000 Fans

Die Dortmunder Profis, von denen nur noch Portugals Raphael Guerreiro und Englands Jude Bellingham beim WM-Turnier vertreten sind, sind noch bis einschließlich Sonntag im Dienst, das Weihnachtssingen mit mehr als 70.000 Fans im Stadion ist der Jahres-Abschluss vor dem Urlaub bis Anfang Januar. Am Samstag steht in Bukarest noch ein Weihnachts-Turnier mit zwei auf 60 Minuten verkürzten Spiele gegen Gastgeber Rapid und die AC Florenz an.

Patrick Kleinmann

Co-Trainer Hermann verlässt den BVB mit sofortiger Wirkung

Borussia Dortmund muss sein Trainerteam umbauen: Peter Hermann verlässt den BVB aus gesundheitlichen Gründen – und beendet seine Karriere ganz.

Vorzeitiger Abschied vom BVB - und vom Profifußball: Peter Hermann.

Vorzeitiger Abschied vom BVB – und vom Profifußball: Peter Hermann.

IMAGO/Team 2

Nach einem halben Jahr endet die Zusammenarbeit von Borussia Dortmund und Peter Hermann schon wieder. Der 70 Jahre alte Co-Trainer von Edin Terzic verlässt die Schwarz-Gelben aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung.

“Peter hat uns aus gesundheitlichen Gründen um seine Freigabe gebeten. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wir seinem Wunsch entsprochen haben”, wird BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl am Mittwoch in einer Pressemitteilung zitiert. Hermann beendet seine lange und erfolgreiche Trainerkarriere ganz.

“Wir waren im vergangenen Sommer unheimlich froh, dass sich Peter – obwohl seine persönliche Lebensplanung dies damals nicht vorsah – für ein weiteres Jahr im Profifußball und für den BVB entschieden hatte. In ihm verlieren wir nun nicht nur einen erfahrenen, fachlich exzellenten Trainer, sondern auch einen tollen Menschen”, so Kehl weiter.

Terzic: “Peter Hermann hinterlässt eine sehr große Lücke”

Über die Nachfolge will der BVB “innerhalb der kommenden Wochen” entscheiden. “Peter Hermann hinterlässt auf der Co-Trainer-Position im fachlichen wie im menschlichen Bereich für uns alle eine sehr große Lücke. Darüber hinaus wird er mir als Freund und Weggefährte an meiner Seite fehlen. Aus vollem Herzen: Danke, Peter”, so Cheftrainer Terzic.

“Meine Zeit beim BVB war kurz und doch sehr intensiv”, sagt Hermann selbst. “Ich habe diesen Klub, die Mannschaft und das gesamte Umfeld in den vergangenen Monaten sehr schätzen gelernt und es genossen, für einen Verein zu arbeiten, der den Fußball so liebt und lebt. Leider ist es mir nicht vergönnt, länger für Borussia Dortmund zu arbeiten, denn die Gesundheit geht natürlich immer vor. Ich werde dem BVB ab sofort aus der Ferne in allen drei Wettbewerben die Daumen drücken.”

Hermann bekleidete seit 1989 diverse Trainerposten in der Bundesliga, fast ausschließlich als Assistent. Nach vielen Jahren bei Bayer Leverkusen wechselte er 2008 zum 1. FC Nürnberg und arbeitete später auch für den Hamburger SV, Fortuna Düsseldorf, den FC Bayern und den FC Schalke 04.

Hermann kommt auf knapp 1000 Partien im deutschen Klubfußball. Seine größten Erfolge feierte er an der Seite von Jupp Heynckes. Zwischenzeitlich war er zudem Co-Trainer in der deutschen U-18- bzw. U-19-Nationalmannschaft.

Tempomacher Watzke: Wie Bierhoff sein Amt verlor und Bobic zum Wunschkandidaten wurde

Tabula rasa bei beim DFB und der DFL. Binnen 24 Stunden wurden personelle Konsequenzen in beiden Verbänden gezogen. Hans-Joachim Watzke hat dabei die Zügel in die Hand genommen. Der Multifunktionär zeigt, dass er aktuell der mächtigste Mann im deutschen Fußball ist. Eine Analyse von kicker-Chefredakteur Rainer Franzke.

Entscheidender Mann bei den personellen Entscheidungen von DFB und DFL: Hans-Joachim Watzke.

Entscheidender Mann bei den personellen Entscheidungen von DFB und DFL: Hans-Joachim Watzke.

imago images

Bis Montagabend waren die großen Entscheidungen gefallen, über die eigentlich erst am Mittwoch auf einer Sitzung der DFB-Spitzenfunktionäre und anschließend bei der DFL-Aufsichtsratssitzung entschieden werden sollte. Doch Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, DFL-Aufsichtsratsboss und in dieser Funktion 1. DFB-Präsident, gab ein Tempo vor, das umgehend zu den personellen Konsequenzen geführt hat.

Dass am Mittwoch der Aufhebungsvertrag mit DFL-Chefin Donata Hopfen abgesegnet wird, war schon seit Wochen klar, der kicker berichtete am Sonntag exklusiv. Die Trennung von DFB-Geschäftsführer Oliver Bierhoff am Montag räumte dem langjährigen Manager der Nationalmannschaft die Chance ein, von einem freiwilligen Rückzug zu sprechen. Dezent formuliert: Der Druck auf Bierhoff war immens. Sein Rückzug spart dem DFB einige Millionen Euro. Die Zukunft von Bundestrainer Hansi Flick ist weiterhin offen.

Watzke traute in Katar seinen Ohren nicht

Wenn Gefahr für den Fußball in Verzug ist, kennt Watzke keine Kompromisse. Was das Fass beim DFB zum Überlaufen brachte und zum sofortigen Handeln führt, hat mit den Ereignissen in den Stunden nach dem WM-K.-o. der Nationalmannschaft am vergangenen Donnerstag zu tun. Watzke, selbst vor Ort in Katar, traute seinen Ohren nicht, als ein DFB-Direktor in der Nacht nach dem Spiel gegen Costa Rica meinte, dass es das wichtigsten Anliegen sei, jetzt den Präsidenten Bernd Neuendorf zu schützen.

Neuendorf selbst wurde Stunden später überrascht, als der Charterflug der Nationalmannschaft in München landete. Freiweg hatte Bierhoff entschieden, dass es nicht – wie geplant – nach Frankfurt geht, damit die Bayern-Spieler und weitere Akteure umgehend mit ihren Familien in den Urlaub starten können. Der Präsident und Torwart Kevin Trapp kamen erst drei Stunden später am eigentlichen Landepunkt in Frankfurt an.

Bobic ist der erklärte Wunschkandidat beim DFB

Am Sonntag glühten die Telefondrähte. Da war bereits klar, dass es mit Bierhoff nicht mehr weitergehen wird. Und in der Diskussion um dessen Erbe zauberte Watzke den Namen des früheren Dortmunder Nationalspielers Fredi Bobic, Europameister 1996 und aktuelle Sport-Geschäftsführer von Hertha BSC, aus dem Hut. Bobic (51) ist der erklärte Wunschkandidat und offenbar nicht abgeneigt, den neuen Job anzunehmen und nach seiner erfolgreichen Zeit bei Eintracht Frankfurt in bekannte Umgebung nach Frankfurt zurückzukehren.

Als DFL-Aufsichtsrat und enger Vertrauter des früheren DFL-Bosses Christian Seifert ist Bobic bestens vertraut mit den großen Verbandsthemen, und dass er als Sportdirektor klare Zeichen setzt, hat der frühere Bundesliga-Torschützenkönig eindrucksvoll als Sportdirektor beim VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt bewiesen – auch in Berlin läuft aktuell nichts ohne sein Okay.

Die Lage beim DFB ist deutlich dramatischer als bei der DFL

Bei der DFL steht ab Donnerstag ein spannendes Projekt an. Axel Hellmann, Vorstand von Eintracht Frankfurt und DFL-Präsidiumsmitglied, und Oliver Leki, Finanzvorsitzender des SC Freiburg und stellvertretender DFL-Aufsichtsratsvorsitzender, sind bereit, bis zum Ende der laufenden Saison die dringend zu erledigenden Aufgaben bei der DFL im Zusammenspiel mit Watzke anzugehen. Beide bleiben dabei in ihren Positionen bei ihren Klubs.

Hellmann und Leki stehen maßgeblich für den großen Aufbruch ihrer Vereine in den vergangenen Jahren. Sie sind Teamplayer und  haben Strukturen geschaffen, dass ihre Kolleginnen und Kollegen in enger Abstimmung mit ihnen die Geschäfte in den beiden Klubs weiterführen und das DFL-Interimsduo sich vornehmlich auf die brennenden Fragen in der Liga konzentrieren können.

Beim DFB ist die Lage aktuell deutlich dramatischer als bei der DFL. Der Streit mit dem Fiskus um Steuernachzahlung, das schlechte Bilanzergebnis für das Geschäftsjahr 2021 (der kicker berichtete exklusiv am Wochenende) und nun auch geringere Einnahmen als erwartet durch das Aus der Nationalelf in der Gruppenphase der WM haben den weltweit größten Sport-Fachverband in wirtschaftliche Nöte gebracht. Acht Millionen Euro mehr an Einnahmen hatte man sich beim DFB selbst in der konservativen Budgetplanung von der WM erhofft.

Heute schallt der Hilferuf an die Profiklubs. Aus dem bis zum Beginn der kommenden Saison zu schließenden neuen Grundlagenvertrag mit der DFL erwartet der DFB deutlich höhere Zahlungen. Doch die DFL führt nach den finanziellen Einbrüchen in Zeiten der Pandemie und nach diesem Jahr der Stagnation ohne richtungsweisende Schritte und Entscheidungen in der Ära Hopfen einen harten Kampf auf den Märkten.

Addo spricht von einer zweiten Chance als Ghanas Nationaltrainer

Ein Nein ist nicht für immer ein Nein. Otto Addo will vorerst nicht als Nationaltrainer Ghanas weitermachen, schließt diese Option für die Zukunft aber nicht aus.

Kann sich eine zweite Amtszeit als Ghanas Trainer vorstellen: Dortmunds Talente-Förderer Otto Addo.

Kann sich eine zweite Amtszeit als Ghanas Trainer vorstellen: Dortmunds Talente-Förderer Otto Addo.

Visionhaus/Getty Images

Direkt nach dem Aus in der Gruppenphase der Ghanaer durch das 0:2 gegen Uruguay verkündete Addo nochmals, was er schon einige Zeit vor der Winter-WM in Katar betont hatte: Nach dem WM-Job kehrt der 47-Jährige zurück zu Borussia Dortmund als Förderer der BVB-Top-Talente. Es sei eine “Entscheidung für die Familie”.

“Vielleicht bekomme ich noch einmal die Chance, für die GFA zu arbeiten. Aber die nächsten zweieinhalb Jahre habe ich einen Vertrag mit Dortmund, den ich respektiere”, sagte Addo in einem von Ghanas Fußballverband GFA am Montag veröffentlichten Video.

Die nächsten zweieinhalb Jahre habe ich einen Vertrag mit Dortmund, den ich respektiere.

Ghanas WM-Spiele 2022

Das Engagement Addos bei der ghanaischen Nationalmannschaft begann interimsweise im Februar, damals stellte ihn der BVB frei – auch weil Addo gegenüber den Bossen bei der Borussia “von einer im Leben einmaligen Gelegenheit” sprach. Durch die Qualifikation für die WM-Endrunde (Ende März 0:0 und 1:1 in den Play-offs gegen Nigeria) verlängerte sich Addos Aufgabe als Nationalcoach der Black Stars bis in den Winter.

Beide Jobs nicht vereinbar

Nun erläuterte der frühere Bundesligaspieler (HSV, Mainz, BVB), dass es nicht möglich war, beide Jobs zu vereinen. “Es lag nicht in meinen Händen. Meine Position bei Borussia Dortmund als Talente-Coach ist sehr wichtig. Dortmund wollte mich erst nicht gehen lassen, dann hat die GFA sich sehr für mich eingesetzt und man hat mich für sechs Monate gehen lassen”, so der gebürtige Hamburger im Verbands-Video.

Zeichen der BVB-Führung: Ausgeschiedene WM-Fahrer müssen trainieren

An diesem Dienstag steigen acht WM-Fahrer in Dortmund wieder ins Training an – darunter sind auch fünf Spieler, die mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Endrunde in Katar schon in der Gruppenphase ausgeschieden sind. Dass sie beim BVB nun wieder auf den Platz beordert werden, lässt sich als Zeichen der Verantwortlichen verstehen. 

Youssoufa Moukoko (vorne li.) und Nico Schlotterbeck (re.) trainieren am Dienstag wieder in Dortmund.

Youssoufa Moukoko (vorne li.) und Nico Schlotterbeck (re.) trainieren am Dienstag wieder in Dortmund.

Getty Images

Mit hohen Erwartungen und großen Hoffnungen angereist, dann zum Auftakt 1:2 gegen Japan verloren, nach dem 1:1 gegen Spanien neuen Mut geschöpft – und schließlich trotz eines 4:2 gegen Costa Rica frühzeitig ausgeschieden: Es ist eine ziemlich große Enttäuschung, die die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Katar erlebt hat.

Der Schmerz sitzt tief – das dürfte auch auf jene fünf Borussen zutreffen, die inzwischen wieder nach Dortmund zurückgekehrt sind. An diesem Dienstag werden Youssoufa Moukoko, Karim Adeyemi, Nico Schlotterbeck, Niklas Süle und Julian Brandt individuell trainieren, am Mittwoch steht dann die erste Einheit mit der Mannschaft an.

Die Maßnahme lässt sich durchaus als Zeichen der BVB-Führung verstehen: Urlaub? Fehlanzeige. Während andere Klubs ihren ausgeschiedenen WM-Fahrern freie Zusatztage gewähren, geht es in Dortmund nach einer enttäuschenden Bundesliga-Hinrunde gleich wieder an die Arbeit. 

Nur noch drei Dortmunder bei der WM

Eigentlich waren sie bei Schwarz-Gelb davon ausgegangen, die deutschen Nationalspieler erst am 2. Januar wieder in Empfang zu nehmen, ehe sich die Dortmunder am 6. Januar zum ersten Mal seit 2019 wieder in ein Wintertrainingslager aufmachen. Nun aber sind die DFB-Akteure schon früher zurück.

In dieser Woche läuft der Trainingsbetrieb noch, am Wochenende ist ein Kurzturnier in Bukarest geplant. Erst dann ist Urlaubszeit. Ein Fahrplan, der auch für Thorgan Hazard, Thomas Meunier und Giovanni Reyna gilt. Während die beiden Belgier mit ihrem Team bereits in der WM-Gruppenphase ausgeschieden sind, hat sich Reyna mit den USA im Achtelfinale verabschiedet (1:3 gegen die Niederlande). So sind nur noch drei Dortmunder im Turnier verblieben: Gregor Kobel (Schweiz), Jude Bellingham (England) und Raphael Guerreiro (Portugal).

“Er hat alles”: Ritterschlag für Bellingham

Jude Bellingham hat einmal mehr überragt. Nach Englands Viertelfinal-Einzug wurde der Dortmunder von allen Seiten gelobt.

Überragender Mann bei England: Jude Bellingham.

Überragender Mann bei England: Jude Bellingham.

IMAGO/Uwe Kraft

Aus Katar berichtet Sebastian Wolff

Die Trophäe für den Titel “Man of the Match” bekam Harry Kane nach Englands 3:0 und seinem ersten Turniertor gegen den Senegal – auf der Pressekonferenz aber musste Englands Torjäger vor allem über Jude Bellingham reden. Der Dortmunder hatte das Achtelfinale in Al Khor auf herausragende Weise geprägt und stand im Mittelpunkt des Interesses.

Kane erschien noch im Trikot auf dem Podium. Und kam der Aufforderung über den Youngster zu reden, bereitwillig und ausführlich nach. “Jude”, sagt der Tottenham-Star, ist einfach ein fantastischer Spieler, “er hat alles.” Dann holt er einmal Luft und rattert die Liste von Bellinghams Qualitäten herunter: “Er ist stark mit dem Ball, ohne Ball beim Pressing. Er rennt, spielt Pässe und ist wichtig, wenn es um Tore geht.”

Gegen den Senegal knackte der 19-Jährige zunächst mit einem punktgenauen Pass vor dem ersten Tor auf Jordan Henderson die zuvor stabile gegnerische Defensive, kurz vor der Pause war er mit einer Balleroberung und anschließender Spieleröffnung auch Initiator des zweiten Treffers von Kane, der mit nun 52 Länderspieltoren nur noch eines hinter Wayne Rooney steht. Über den umworbenen Noch-Dortmunder urteilt er: “Jude ist sehr reif für sein Alter.” Und doch noch nicht am Ende seiner Entwicklung: “Er will und wird weiter lernen. Es ist großartig, ihn im Team zu haben.”

Ohne Furcht gegen Frankreich

Voll des Lobes über Bellingham bei dessen erster Weltmeisterschaft ist auch der Trainer und stimmt Kane in allen Punkten zu. “Das Entscheidende bei Jude”, sagt Gareth Southgate, “ist seine Mentalität, sein Mindset. Er hat den festen Willen, sich zu verbessern, will unbedingt weiter lernen. Er hat wirklich alles und ist großartig. Er hat in den zurückliegenden drei Monaten noch einmal ein ganz anderes Niveau, das nächste Level erreicht. Das konnten wir so nicht erwarten.”

Am kommenden Samstag steht Bellingham vor dem nächsten Karriere-Highligt, dem Halbfinale gegen Frankreich. Kane geht es pragmatisch an: “Wer Weltmeister werden will, muss ohnehin die Besten schlagen.”

Personeller Knall droht: DFL-Chefin Hopfen vor der Ablösung

Der Aufsichtsrat der DFL tagt in dieser Woche. Eine brisante Sitzung. Nach kicker-Recherchen kann es zu einem gewaltigen personellen Knall kommen:  Der Vertrag mit Donata Hopfen (46) könnte noch vor Weihnachten aufgelöst  werden.

Handschrift gesucht: DFL-Aufsichtsrat Hans-Joachim Watzke und DFL-Chefin Donata Hopfen.

Handschrift gesucht: DFL-Aufsichtsrat Hans-Joachim Watzke und DFL-Chefin Donata Hopfen.

IMAGO/Kirchner-Media

Über die weitere Zusammenarbeit mit Hopfen wird schon seit einigen Wochen im sechsköpfigen DFL-Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Hans-Joachim Watzke und unter den acht Kollegen von Hopfen im DFL-Präsidium diskutiert.

Seit dem 1. Januar 2022 ist Hopfen DFL-Chefin, Vorsitzende der Geschäftsführung der DFL GmbH, Sprecherin des Präsidiums des DFL e.V. und in diesen Funktionen auch Vizepräsidentin des DFB und mithin die mächtigste Frau im deutschen Fußball.

Hopfen ist Nachfolgerin von Christian Seifert, der von 2005 bis 2021 sehr erfolgreich die Liga gesteuert hat. In die tiefen Fußstapfen von Seifert konnte Hopfen nicht treten. Das war auch nicht das erklärte Ziel der früheren Vorsitzenden der Verlagsgeschäftsführung der Bild-Gruppe und späteren Digitalberaterin von BCG Digital Ventures (ab Sommer 2019). 

Die vergebliche Suche nach Hopfens Handschrift

Hopfen trat an, um der DFL ihre Handschrift zu geben. Das ist ihr nach Meinung führender Köpfe in der Liga in den zurückliegenden elf Monaten nicht gelungen. Weder in der Diskussion um die 50+1-Regel und die Forderungen des Bundeskartellamtes, noch bei den Themen Digitalisierung und Internationalisierung oder der Spielplangestaltung im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Ausschreibung der Medienrechte ab Sommer 2025 konnte Hopfen nach Auffassung ihrer Kritiker bisher Zeichen setzen.

Gedrückte Stimmung in der DFL-Zentrale 

Aus Kreisen ihrer Mitarbeiter wird geklagt, dass die Stimmung in der DFL-Zentrale in der Guiollettestraße 44-46 in Frankfurt am Main gedrückt sein; mehrere langjährige Mitarbeiter haben die DFL in den vergangenen Monaten verlassen.

Hopfens Vertrag ist bis zum 31. Dezember 2024 datiert. Kommt es zur Trennung, wird die DFL eine hohe Abfindung zahlen müssen.  Auf die Frage, wie stark die Unterstützung aus der Liga ist, entgegnete die DFL-Chefin in dem am 31. Oktober in einem kicker-Interview lachend: “Mehr geht immer. ”

Ahnte sie da schon, was sich über ihr zusammenbraut?   

Rainer Franzke

Unter-25-Jährige befürworten Super League

Bei der jüngeren Generation wäre die Super League durchaus willkommen. Das legt zumindest die Marktforschung nahe.

Schon seit Jahren machen Fans gegen die Super-League-Pläne mobil - doch nicht alle sind gegen ein solches Format.

Schon seit Jahren machen Fans gegen die Super-League-Pläne mobil – doch nicht alle sind gegen ein solches Format.

imago/Eibner

So kommt eine repräsentative Umfrage der globalen Sportbusiness-Datenbank ONE8Y DB unter 875 Fußballfans in Deutschland zwar in der Gesamtheit zu dem Ergebnis, dass 62 Prozent gegen das elitäre Projekt sind. Unterteilt aber nach Altersgruppen sieht es schon anders aus. Denn bei den Befragten unter 25 Jahren steht die Super League wesentlich höher im Kurs: Hier würden 58 Prozent eine Glitzerliga gegenüber dem etablierten Wettbewerb der UEFA, der Champions League, bevorzugen.

Bei der Altersgruppe der Über-25-Jährigen dagegen stieße die im April 2021 fürs Erste gescheiterte Idee bei 65 Prozent auf Ablehnung. “Junge Zielgruppen stehen der Super League deutlich offener und affiner gegenüber – Tradition ist für sie nur bedingt ein Kriterium für Fantum”, glaubt Hendrik Fischer, Geschäftsführer der Wiesbadener Sportagentur ONE8Y, die die genannte Datenbank ins Leben gerufen hat.

Im Frühjahr 2023 wird ein Urteil erwartet

Die nächsten Wochen sind mitentscheidend für die Zukunft der europäischen Klubwettbewerbe. Am 15. Dezember wird der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) seinen Schlussantrag zum Super-League-Rechtsstreit vortragen, den ein Madrider Handelsgericht der Luxemburger Behörde vorgelegt hatte. A22-Sports, die Firma hinter der Super League, an der Real Madrid, der FC Barcelona und der in heftige Schwierigkeiten geratene italienische Rekordmeister Juventus Turin festhalten, hofft, dass der EuGH das Monopol der UEFA auf die Austragung der Klubwettbewerbe kippt. Ein Urteil wird für das Frühjahr 2023 erwartet.

Im April 2021 sorgten Fanproteste sowie eine Allianz aus UEFA, Verbänden, Ligen und den Lobbygruppen ECA und European Leagues für einen schnellen Rückzug zahlreicher Klubs aus dem Super-League-Vorstoß. A22-Sports geht unter dem jüngst geholten Medienmanager Bernd Reichart wesentlich diplomatischer vor als noch vor 18 Monaten. Der Deutsche betont, den Wettbewerb im Einklang mit den nationalen Ligen und mit Zugang über die nationalen Ligen austragen zu wollen. Bislang bleiben die Vorschläge unkonkret, was politisch betrachtet clever scheint, nimmt es doch potenziellen Kritikern und Traditionalisten die Angriffsfläche.

Eine ausführliche Hintergrundstory mit weiteren Zahlen aus der ONE8Y DB zu Super League, Champions League und Bundesliga lesen Sie in der Montagsausgabe des kicker – hier schon ab Sonntagabend im eMagazine.

Benni Hofmann