“Kontroverse Diskussionen”: HSV vertagt die Hauptversammlung

Brennpunkte hatte es verschiedene gegeben im Vorfeld der Hauptversammlung der HSV Fußball AG. Und ganz offensichtlich war am Ende auch ordentlich Feuer unterm Dach in den Büroräumen des Volksparkstadions. 

Keine einfache Aufgabe: Aufsichtsratsboss Marcell Jansen.

Keine einfache Aufgabe: Aufsichtsratsboss Marcell Jansen.

IMAGO/Claus Bergmann

Denn: Eine Einigung über den neuen Aufsichtsrat gab es nicht, stattdessen verkündete der Zweitligist am Abend, dass sich auf eine Fortsetzung der Gespräche geeinigt wurde.

Aufsichtsratsboss Marcell Jansen wird in der offiziellen Mitteilung im Vereinssprech zitiert: “Wir hatten viele kontroverse Diskussionen, die am Ende zu einem positiven Ergebnis führen sollen.” Übersetzt heißt das: Noch haben sie nicht zu einem Ergebnis geführt. Und das ist vor allem für ihn nicht positiv. Im Vorfeld hatte es große Widerstände gegen die Umbesetzungspläne im Kontrollgremium gegeben. Neben dem freiwilligen Rückzug von Dr. Andreas Peters wollten Jansen und sein e.V.-Präsidium auch Lena Schrum ersetzen, durch Henrik Köncke und Stephan von Bülow.

Die Aktionäre aber hatten andere Pläne, wollten an Schrum festhalten und dafür Detlef Dinsel austauschen. Hintergrund: Der 62-jährige Jansen-nahe Finanz-Unternehmer wird kritisch beäugt, da er 2019 als Aufsichtsrat des FC Augsburg seine Anteile am Klub gewinnbringend an den US-Investor David Blitzer verkauft hatte. Auch auf der Mitgliederversammlung vor knapp zwei Wochen, wo Jansen im Amt bestätigt wurde, hatte es massive Kritik an Dinsel gegeben.

Jansen positiv: “Wir gehen aufeinander zu”

Am Donnerstagmorgen hatten sich der Aufsichtsrat, die Aktionäre und die beiden Vorstände Jonas Boldt und Dr. Eric Huwer im Volkspark getroffen – und nach sechs Stunden ergebnislos vertagt. Die Kandidatenauswahl für das Kontrollgremium soll nochmals intensiv besprochen und intern abgestimmt werden. Jansen versucht das so positiv wie möglich zu verkaufen: “Ich werte diese Entscheidung als guten Kompromiss, weil wir aufeinander zugehen.”

Dass er nicht stur (und wie ursprünglich geplant) den Rat nach seinem Gusto bestimmt, ist tatsächlich ein Zeichen von Kompromissbereitschaft und Lernfähigkeit. Dass es kein Ergebnis gab und die Beteiligten aufeinander zugehen müssen, zeigt aber auch, wie weit einige Gremien von ihm entfernt sind. Und das gilt insbesondere für die Interessensvertreter von Gesellschafter und Investor Klaus-Michael Kühne.

Zieht Dinsel erneut in den Aufsichtsrat ein?

Der Verlauf des Tages bedeutet zunächst einmal: Der aktuelle Aufsichtsrat bleibt ohne die geplanten Umbesetzungen bis zur nächsten Hauptversammlung, die zeitnah einberufen werden soll, im Amt – pikanterweise allerdings ohne den umstrittenen Dinsel. Der nämlich war im Vorjahr lediglich als Ersatzkandidat für den vom Kontrollgremium in den Vorstand entsandten Thomas Wüstefeld nachgerückt. Sein Mandat endete mit der Hauptversammlung am Donnerstag. Jansen hätte ihn qua Amt durchdrücken können. Nach der Vertagung ist offen, ob Dinsel nochmal in den HSV-Aufsichtsrat einziehen wird. Und es ist offener denn je, ob Jansen dem neuen Kontrollgremium nach der ausgebliebenen Einigung und der zweiten Auflage der Hauptversammlung noch vorstehen wird.

Sebastian Wolff

Arminia vor Gastspiel beim Jahn: “Müssen uns deutlich steigern”

Der DSC Arminia Bielefeld steckt im Abstiegskampf – wie schon im vergangenen Jahr, da allerdings in der Bundesliga. Nach dem schwachen Auftritt gegen Sandhausen kündigte Trainer Daniel Scherning einige personelle Veränderungen an.

Schickt Daniel Scherning in Masaya Okugawa (li.) seinen zweitbesten Scorer von Beginn an auf den Rasen?

Schickt Daniel Scherning in Masaya Okugawa (li.) seinen zweitbesten Scorer von Beginn an auf den Rasen?

Getty Images

So hatte sich der DSC den Rückrundenauftakt sicherlich nicht vorgestellt: Gegen Mitkonkurrent Sandhausen verschliefen die Ostwestfalen die erste halbe Stunde in der heimischen Arena komplett, nach 33 Minuten stand es 0:2, die Zuschauer quittierten die Leistung mit Unmutsbekundungen: “Ich kann das verstehen, die Kritik war nach der Leistung in der ersten Halbzeit berechtigt. Ich glaube trotzdem, dass wir alle wissen, dass wir nur gemeinsam aus der Situation rauskommen”, so Scherning auf der Pressekonferenz vor dem Spiel beim SSV Jahn Regensburg am Samstag (13 Uhr, LIVE! bei kicker).

Den Fans macht der Trainer keinen Vorwurf, wohl aber seinen Spielern, denen “Mut und Überzeugung” gegen den SVS gefehlt haben. “Wir müssen uns deutlich steigern”, stellte der 39-Jährige daher fest.

Nicht auszuschließen, dass dieses Unterfangen mit neuem Personal vonstattengehen wird. Masaya Okugawa, der zweitbeste Scorer der Arminia (drei Tore, sechs Assists), hat nach seiner Verletzung “deutlich mehr Kapazitäten als die gegen Sandhausen abgesprochenen 15 Minuten”, die Startelf scheint durchaus eine Option zu sein. Abwarten müsse man hingegen bei Frederik Jäkel, der sich Anfang der Woche einer kleinen Nasenoperation unterziehen musste und in der Oberpfalz mit einer Maske auflaufen müsste. “Schauen wir, wie er sich damit fühlt”, so Scherning.

“Deutliche Veränderung” in der Startformation?

Die beiden sind jedoch nicht die einzigen, die neu in die Mannschaft finden könnten, Scherning nannte zwei Optionen: “Es wäre auch möglich, der Mannschaft noch eine Chance zu geben. Aber: Die anderen Jungs brennen, möchten in die Mannschaft und ich sehe die Möglichkeit, über einige Wechsel die Startformation deutlich zu verändern”.

So oder so sind die Ostwestfalen als Vorletzter zum Siegen verdammt, zumal es in der Oberpfalz erneut gegen einen direkten Konkurrenten geht. Sollte der DSC gewinnen, würde er sein Punktekonto auf 20 schrauben und am Jahn vorbeiziehen. “Der ruhende Ball ist eine sehr elementare Spielphase, nicht nur im vergangenen Spiel, sondern gerade auch in Regensburg. Dafür müssen wir von der ersten Minute an bereit sein, den Kampf annehmen und uns über Leidenschaft, Laufbereitschaft und Intensität in so ein Spiel reinbeißen. Dann werden wir dort unsere Chancen bekommen, um zu gewinnen”, so Scherning.

Vuskovic-Prozess: “Mario ist ein Teil von uns. Wir sind immer für ihn da”

Die Vorbereitung auf Rostock geht auf die Zielgerade, HSV-Trainer Tim Walter blickt nach dem erfolgreichen Auftakt gegen Braunschweig (4:2) mit Vorfreude auf Sonntag. Und mit großem Interesse auf den morgigen Freitag. Dann findet in Frankfurt der erste Verhandlungstag im Fall Mario Vuskovic statt.

Am morgigen Freitag beginnt Mario Vuskovics (li.) Prozess.

Am morgigen Freitag beginnt Mario Vuskovics (li.) Prozess.

IMAGO/MIS

Der 21-jährige Innenverteidiger Vuskovic ist gesperrt, seit bei ihm im September Epo nachgewiesen und der Befund im November öffentlich gemacht wurde. Der Spieler versichert, nicht gedopt zu haben, der HSV spricht von vielen Ungereimtheiten. Und Walter versucht vor allem, den Menschen Vuskovic zu stärken. Zu einem Familiennachmittag vor eineinhalb Wochen war der Kroate aus Split eingeflogen, der Trainer verrät: “Natürlich haben wir uns da ausgetauscht, aber wir sind immer im Austausch. Er ist total interessiert an dem, was wir machen. Er geht auf uns zu, wir gehen auf ihn zu. Mario ist ein Teil von uns.” Doch Walter weiß auch, dass keiner reingucken kann in die Gefühlswelt des Verteidiger-Talents. “Wir wissen natürlich nicht, was in ihm abgeht. Ich weiß nur: Wir sind für ihn da. Die ganze Mannschaft ist immer für ihn da.”

Schriftsatz, der “viele Fragen aufwirft”

Dokumentiert wird die Rückendeckung am Freitag in Frankfurt durch den Sportvorstand. Während Walter die Mannschaft weiter auf Rostock vorbereitet, wird Jonas Boldt vor Ort sein. Als Zuhörer. Stephan Oberholz hat als Vorsitzender des DFB-Sportgerichts bereits einen zweiten Verhandlungstag am 9. Februar angesetzt, Vuskovic hat fünf Anwälte engagiert, gemeinsam mit dem HSV einen Schriftsatz eingereicht. “Der hat 60, 65 Seiten”, sagt Boldt und verrät: “Der wirft viele Fragen auf.”

“Mario beteuert seine Unschuld”

Unter anderem soll Vuskovic unmittelbar nach der ersten positiven Probe im September zwei weitere Male getestet worden sein – mit negativem Ergebnis. Außerdem wurden bei einer Wohnungsdurchsuchung und Räumung seines Spinds im Volkspark Handy und Laptop einkassiert, auf sämtlichen Geräten aber kein Beweismaterial gefunden. Mehrere Experten haben Vuskovic in den zurückliegenden Wochen öffentlich und in direkten Gesprächen geraten, ein Geständnis abzulegen, um womöglich auf Milde im Urteil hoffen zu können. Der vermeintliche Sünder aber versichert selbst im engsten Kreis, nichts getan zu haben.  “Mario”, erklärt Boldt, “beteuert seine Unschuld.” Um diese zu beweisen, hat er einen DNA-Abgleich angeboten, bislang wird dieser Vorschlag von NADA und DFB aber nicht angenommen. “Wir wollen Transparenz und Klarheit, deswegen sind wir sehr kooperativ”, sagt Boldt, “wir gehen davon aus, dass das Sportgericht dem Anspruch gerecht wird.”

Für den HSV geht es um viel, für Vuskovic nahezu um alles. Die Hanseaten haben vier Millionen für den kroatischen U-21-Nationalverteidiger ausgegeben, im Sommer eine 10-Millionen-Offerte aus England abgelehnt, weil sie sportlich nicht auf ihn verzichten wollten und sicher waren, in Zukunft weit mehr erzielen zu können. Wird Vuskovic nun zwei oder vier Jahre gesperrt, ist für den Zweitligisten das erhoffte Geld dahin – und für den Spieler die Karriere zumindest auf höchstem Niveau so gut wie beendet. Walter sagt: “Ich hoffe, dass es für uns gut ausgeht. Und vor allem für den Jungen.”

Sebastian Wolff

Zorniger vor erstem Frankenderby: “Unvorstellbar, dass die Emotionen nicht auf den Platz kommen”

Das 270. Frankenderby wird am Samstagabend unter Flutlicht im altehrwürdigen Ronhof in Fürth ausgespielt. Alexander Zorniger, Trainer der SpVgg Greuther Fürth, steht vor seiner Premiere auf dieser Bühne – und muss seine Mittelfeldzentrale umbauen.

Lebt die Emotionen an der Seitenlinie vor: Fürths Trainer Alexander Zorniger.

Lebt die Emotionen an der Seitenlinie vor: Fürths Trainer Alexander Zorniger.

Getty Images

Es ist das wohl geschichtsträchtigste Fußball-Duell des Landes und elektrisiert eine ganz Region, wenn die beiden großen fränkischen Vereine in Weiß-Grün und Rot-Schwarz aufeinandertreffen. Die Bedeutung des Duells der beiden aneinandergewachsenen Städte Fürth und Nürnberg hat SpVgg-Trainer Alexander Zorniger bereits erfahren: “Als ich beim Metzger war, als ich im Möbelgeschäft war, haben mir die Leute gesagt, dass drei Punkte doch ganz gut wären. Finde ich auch – und deswegen werden wir es auch so angehen, dass wir auf diesen Sieg spielen.”

Als ich beim Metzger war, als ich im Möbelgeschäft war, haben mir die Leute gesagt, dass drei Punkte doch ganz gut wären.

Alexander Zorniger

Im Fanlager ist die Bedeutung also klar, doch wie sieht es innerhalb des Teams aus? “Die Emotionen müssen da sein und es wäre unvorstellbar, dass die Emotionen nicht auch auf den Platz kommen”, so Zorniger über seine junge Mannschaft. In der Emotionalität sei es aber manchmal schwierig, “deine Aufgabe zu erfüllen”. Deswegen rät der 55-Jährige zu “Routinen in den Abläufen” und sich nur auf die “eigenen Aufgaben” zu fokussieren, “die Emotionen werden sowieso hereingebracht”. Angesichts des mit 16.626 Zuschauern ausverkauften Sportpark Ronhof eine realistische These.

“Die würden wahrscheinlich vor Lachen umfallen”

Das Umfeld in Fürth braucht Zorniger deshalb nicht extra motivieren: “Wenn ich mich jetzt nochmal hinstelle und sage ‘Hey Kleeblatt-Fans, unterstützt uns am Wochenende, das wäre wichtig’, dann würden sie wahrscheinlich vor Lachen umfallen. Du musst es keinem Fan mehr klarmachen”. Gerade weil die zuvor in Nachbarschaftsduellen gegen den “Club” erfolgsverwöhnten Fürther im letzten Derby so gar nichts zu lachen hatten, ist man bei der Spielvereinigung bestrebt, wieder für eine positive Stimmung zu sorgen. Denn die Pleite zum Rückrundenauftakt in Kiel war bereits ein Dämpfer. Zuvor gab es unter Zorniger vier Spiele mit Punkten (3/1/0).

Jung stünde als Ersatz bereit

Einen Wermutstropfen gibt es für die Spielvereinigung vor dem Duell. Max Christiansen hat sich im Training am Mittwoch eine “leichte muskuläre Verletzung” zugezogen, bei der Zorniger “kein Risiko eingehen” wolle. Der laufstarke Mittelfeld-Abräumer könnte von Gideon Jung (Rückkehr nach Gelb-Rot-Sperre) vertreten werden. Entweder rutscht der Ex-HSV-Profi dann auf die Sechs oder in die Verteidigung, um Sebastian Griesbeck ins Mittelfeld zu schieben. Während Eigengewächs Timothy Tillman wegen einer Rot-Sperre ein letztes Mal zusehen muss, könnte Winter-Neuzugang Lukas Petkov im Laufe des Spiels sein Debüt für das Kleeblatt feiern.

Thomas Müller

Zorniger: “Fans würden vor Lachen umfallen”

Das 270. Frankenderby wird am Samstagabend unter Flutlicht im altehrwürdigen Ronhof in Fürth ausgespielt. Alexander Zorniger, Trainer der SpVgg Greuther Fürth, steht vor seiner Premiere auf dieser Bühne – und muss seine Mittelfeldzentrale umbauen.

Lebt die Emotionen an der Seitenlinie vor: Fürths Trainer Alexander Zorniger.

Lebt die Emotionen an der Seitenlinie vor: Fürths Trainer Alexander Zorniger.

Getty Images

Es ist das wohl geschichtsträchtigste Fußball-Duell des Landes und elektrisiert eine ganz Region, wenn die beiden großen fränkischen Vereine in Weiß-Grün und Rot-Schwarz aufeinandertreffen. Die Bedeutung des Duells der beiden aneinandergewachsenen Städte Fürth und Nürnberg hat SpVgg-Trainer Alexander Zorniger bereits erfahren: “Als ich beim Metzger war, als ich im Möbelgeschäft war, haben mir die Leute gesagt, dass drei Punkte doch ganz gut wären. Finde ich auch – und deswegen werden wir es auch so angehen, dass wir auf diesen Sieg spielen.”

Als ich beim Metzger war, als ich im Möbelgeschäft war, haben mir die Leute gesagt, dass drei Punkte doch ganz gut wären.

Alexander Zorniger

Im Fanlager ist die Bedeutung also klar, doch wie sieht es innerhalb des Teams aus? “Die Emotionen müssen da sein und es wäre unvorstellbar, dass die Emotionen nicht auch auf den Platz kommen”, so Zorniger über seine junge Mannschaft. In der Emotionalität sei es aber manchmal schwierig, “deine Aufgabe zu erfüllen”. Deswegen rät der 55-Jährige zu “Routinen in den Abläufen” und sich nur auf die “eigenen Aufgaben” zu fokussieren, “die Emotionen werden sowieso hereingebracht”. Angesichts des mit 16.626 Zuschauern ausverkauften Sportpark Ronhof eine realistische These.

“Die würden wahrscheinlich vor Lachen umfallen”

Das Umfeld in Fürth braucht Zorniger deshalb nicht extra motivieren: “Wenn ich mich jetzt nochmal hinstelle und sage ‘Hey Kleeblatt-Fans, unterstützt uns am Wochenende, das wäre wichtig’, dann würden sie wahrscheinlich vor Lachen umfallen. Du musst es keinem Fan mehr klarmachen”. Gerade weil die zuvor in Nachbarschaftsduellen gegen den “Club” erfolgsverwöhnten Fürther im letzten Derby so gar nichts zu lachen hatten, ist man bei der Spielvereinigung bestrebt, wieder für eine positive Stimmung zu sorgen. Denn die Pleite zum Rückrundenauftakt in Kiel war bereits ein Dämpfer. Zuvor gab es unter Zorniger vier Spiele mit Punkten (3/1/0).

Jung stünde als Ersatz bereit

Einen Wermutstropfen gibt es für die Spielvereinigung vor dem Duell. Max Christiansen hat sich im Training am Mittwoch eine “leichte muskuläre Verletzung” zugezogen, bei der Zorniger “kein Risiko eingehen” wolle. Der laufstarke Mittelfeld-Abräumer könnte von Gideon Jung (Rückkehr nach Gelb-Rot-Sperre) vertreten werden. Entweder rutscht der Ex-HSV-Profi dann auf die Sechs oder in die Verteidigung, um Sebastian Griesbeck ins Mittelfeld zu schieben. Während Eigengewächs Timothy Tillman wegen einer Rot-Sperre ein letztes Mal zusehen muss, könnte Winter-Neuzugang Lukas Petkov im Laufe des Spiels sein Debüt für das Kleeblatt feiern.

Thomas Müller

Lieberknecht: “Ein normaler Bänderriss wäre auch mal okay”

Vor dem Spiel beim SV Sandhausen plagen Tabellenführer SV Darmstadt 98 neue Verletzungssorgen. Allerdings gibt es auch einen Lichtblick.

Lilien-Coach Torsten Lieberknecht ist von den ungewöhnlichen Verletzungen genervt.

Lilien-Coach Torsten Lieberknecht ist von den ungewöhnlichen Verletzungen genervt.

IMAGO/Jan Huebner

Nach der Auswechslung von Matthias Bader gegen Jahn Regensburg (2:0) hatte Torsten Lieberknecht noch von einer Vorsichtsmaßnahme gesprochen. Was der Trainer des SV Darmstadt 98 zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Der Außenbahnspieler hatte sich kurz zuvor in einem Zweikampf eine schwere Unterleibsverletzung zugezogen.

Die Situation verschärfte sich in den Tagen danach dramatisch, so dass sich der Spieler nach einer Untersuchung sofort einer Notfall-Operation unterziehen musste, wie Lieberknecht am Donnerstag sagte. Bader wird voraussichtlich vier Wochen fehlen. Erster Kandidat für seine Vertretung auf dem rechten Flügel in der Partie gegen den SV Sandhausen am Freitagabend (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) ist Frank Ronstadt.

Kuriose Ausfälle bei den Lilien

Nach einer Hirnhautentzündung, einem Ödem im Rücken oder einem Faszienriss hat Bader mit seiner Verletzung das Repertoire der kuriosen Ausfälle beim SV Darmstadt 98 in dieser Saison um ein neues Kapitel erweitert. Lieberknecht nahm die Verletzung grundsätzlich gelassen, räumte aber ein, dass ihn die vielen ungewöhnlichen Verletzungen etwas nervten. “Ein normaler Bänderriss wäre auch mal okay”, sagte er augenzwinkernd.

Manu wackelt, Pfeiffer vor der Rückkehr

Eher konventionell sind die Gründe, die einen Einsatz von Braydon Manu fraglich machen. Der Offensivspieler hatte wegen eines viralen Infekts drei Tage nicht trainiert und das Bett gehütet. Sicher fehlen werden Klaus Gjasula (Adduktorenprobleme) und Aaron Seydel (Sehnenanriss im Oberschenkel), ebenso Marvin Mehlem, der gegen Regensburg seine fünfte Gelbe Karte gesehen hatte. Hoffnung gibt es allerdings auf einen Rückkehrer: Innenverteidiger Patric Pfeiffer habe nach seinem Zehenbruch erste Gehversuche gemacht und sei wieder mit an Bord.

Neuzugang Stojilkovic hat noch Defizite

Der unter der Woche verpflichtete Angreifer Filip Stojilkovic ist laut Lieberknecht noch keine Option für die Startelf. “Er wird mit Sicherheit nicht von Beginn an spielen”, sagte der Coach. “Er hat noch ein paar körperliche Defizite, die er aufholen muss, und er muss sich auch an die hohe Intensität hier gewöhnen.” Im Kader werde der 23-Jährige aber auf jeden Fall stehen.

Ersatz für Mehlem gesucht

Um Mehlem zu ersetzen sieht Lieberknecht nach eigener Aussage “ein oder zwei Möglichkeiten”. Die Überlegungen seien hier aber noch nicht abgeschlossen. Für die offensive Mittelfeldposition wäre Mathias Honsak eine Option, ebenso Keanan Bennetts oder Magnus Warming. Alle drei haben allerdings kaum Spielpraxis, Honsak und Warming kommen zudem noch aus langen Verletzungen.

Systemwechsel nicht ausgeschlossen

Möglich wäre auch ein Umbau im Mittelfeld, wobei Tobias Kempe nach vorne gezogen würde. Kandidaten für den freiwerdenden Platz im defensiven Mittelfeld wären dann Clemens Riedel oder Yassin Ben Balla. Zudem schloss Lieberknecht einen Systemwechsel beim SV Darmstadt 98 nicht aus. Gegen Regensburg war die Mannschaft mit einem 3-5-2-System aufgelaufen. Möglich wäre eine Rückkehr zur Vierer-Abwehrkette oder eine Formation mit nur einem Angreifer.

Stephan Köhnlein

Weinzierl und der Club: Cool und emotional zum Derbysieg?

Per se voller Emotionalität ist das Frankenderby zwischen der SpVgg Greuther Fürth und dem 1. FC Nürnberg, das zum 270. Mal ansteht. Zusätzliche Brisanz birgt die enge Tabellensituation im Keller.

Geht's in die gewünschte Richtung? Markus Weinzierl und der FCN sind im Derby gefordert.

Geht’s in die gewünschte Richtung? Markus Weinzierl und der FCN sind im Derby gefordert.

IMAGO/Zink

Dass das Derby seine Schatten vorauswirft, habe er schnell gemerkt, sagte Markus Weinzierl auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Man habe sofort  versucht, die Enttäuschung nach der Niederlage gegen St. Pauli (0:1) abzulegen und die Konzentration auf das Aufeinandertreffen gegen den alten Rivalen zu legen, das sofort Kabinengespräch gewesen sei.

In Fürth weiß Weinzierl um ein “Riesenspiel mit vielen Emotionen”, bei dem es darum gehe, “über 90 Minuten konsequent zu verteidigen und aufs Tor zu gehen und alles für den Erfolg zu tun – wir wollen unbedingt gewinnen”. Dabei komme es auch darauf an, nicht zu überpowern. In dieser Hinsicht hat der gebürtige Straubinger Vertrauen in seine Spieler, die sensibilisiert seien und wüssten, was auf sie zukomme. Seine Schützlinge würden sich “zerreißen” und das Derby mit 100 Prozent angehen, ist der 48-Jährige überzeugt. Doch bei aller Emotionalität gelte es “cool” zu bleiben.

Es wird die Mannschaft gewinnen, die mehr Intensität auf den Platz bringt.

Markus Weinzierl

Ob das Hinspiel, das der Club mit 2:0 zu seinen Gunsten entschieden hatte, dabei als Blaupause dienen könne? Beim Derbysieg vor heimischer Kulisse, bei dem Weinzierl noch nicht dabei war, aber wohl sicherlich Video-Studium betrieben hat, habe man schon gesehen, dass Zweikampfstärke und Aggressivität ausschlaggebend sein können. Und der FCN-Trainer ist sich sicher, dass diese Faktoren auch am Samstagabend (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker) entscheiden werden: “Es wird die Mannschaft gewinnen, die mehr Intensität auf den Platz bringt.”

Shuranov oder Daferner? Weinzierl hält sich bedeckt

Personell ließ sich Weinzierl nicht in die Karten blicken und antwortete auch ausweichend, ob Erik Shuranov, Torschütze beim letzten Derby im Ronhof (2:2), diesmal für Christoph Daferner (Führungstorschütze im Hinspiel) beginnen könnte. “Wir machen uns um jede Position Gedanken. Wir werden sehen.” Wer auch immer gegen die Kleeblätter auflaufen wird, Weinzierl verspricht: “Wir werden alles dafür tun, um den Club-Fans den Sieg zu schenken.”

Dieser würde auch den Anhängern mit Blick auf die knifflige Tabellensituation gut tun: Schließlich ist der FCN als 13. mit 19 Punkten – Fürth ist mit 20 Zählern Elfter – nur deren zwei von Schlusslicht Magdeburg entfernt.

Selimbegovic über Bielefeld: “In allen Facetten Qualität“

Im Duell zweier Auftakt-Verlierer misst sich Jahn Regensburg am Samstag mit Arminia Bielefeld. SSV-Coach Mersad Selimbegovic setzt darauf, dass sich Geschichte wiederholt.

Vier Punkte gibt's nicht, aber ein Dreier gegen Bielefeld ist die Zielsetzung von Mersad Selimbegovic und dem Jahn.

Vier Punkte gibt’s nicht, aber ein Dreier gegen Bielefeld ist die Zielsetzung von Mersad Selimbegovic und dem Jahn.

IMAGO/Jan Huebner

In der Hinrunde hatte Regensburg beim Saisonstart beim ersten Heimspiel gegen Darmstadt mit einem Sieg aufgewartet (2:0), gleiches soll nun auch bei der ersten Partie vor heimischer Kulisse in der Rückserie gelingen. Ein Dreier wäre gegen den DSC (17 Punkte) im Kampf gegen den Abstieg natürlich sehr wertvoll, den auf dem vorletzten Rang platzierten unmittelbaren Kontrahenten würde man mit dem von Selimbegovic angestrebten Sieg auf fünf Punkte distanzieren.

Sie können spielerisch agieren, aber auch mit der Brechstange, sie haben Speed über die Außen, aber auch Kreativität.

Mersad Selimbegovic über Bielefeld

Die Vorfreude des Jahn-Trainers auf den ersten Heimauftritt 2023 ist groß, seine Warnungen vor den Ostwestfalen aber eindringlich. Die Arminia, die beim Re-Start Sandhausen mit 1:2 unterlag, habe einen “richtig guten Kader”, gehöre ganz woanders hin in der Tabelle und habe in allen Facetten Qualität: “Sie können spielerisch agieren, aber auch mit der Brechstange, sie haben Speed über die Außen, aber auch Kreativität”, hat der 40-Jährige auf der Pressekonferenz am Donnerstag die Stärken der Bielefelder ausgemacht.

Albers vor dem Comeback – Startet Singh?

Personell hat Selimbegovic einige Sorgenfalten. Scott Kennedy fehlt nach seinem Platzverweis in Darmstadt (0:2) rotgesperrt und in Steve Breitkreuz fällt ein eventueller Vertreter wegen Krankheit vielleicht ebenfalls aus – in diesem Fall stünde Routinier Sebastian Nachreiner bereit. In der Offensive ein wichtiger Faktor ist Andreas Albers (muskuläre Probleme). Beim zuletzt fehlenden Top-Torschützen (sechs Treffer) habe sich die Situation gebessert, es könne “gut sein, dass er beginnt”, meinte der SSV-Coach. Dies gelte auch für Sarpreet Singh, der am Darmstädter Böllenfalltor von der Bank gekommen war,  “gleich da war und auch in engen Räumen immer eine Idee hat”.

Lob für Urbig

Kein Thema ist übrigens ein Wechsel im Tor. Jonas Urbig habe seine Sache “in seinem ersten Spiel sehr ordentlich gemacht”, lobte Selimbegovic den Youngster.

Eine gute Torhüter-Leistung, Ideen und Durchschlagskraft – gegen die Bielefelder sicherlich wichtige Faktoren, um die Bilanz gegen den bislang nicht besonders beliebten Gegner aufzupolieren: Gegen die Arminia stehen in der 2. Liga bei zwei Siegen und einem Remis sechs Niederlagen zu Buche.

Nürnberg und das 270. Frankenderby: Chance und Risiko zugleich

Drei Tage noch, dann ist der 1. FC Nürnberg zum Frankenderby bei der SpVgg Greuther Fürth zu Gast. Die 90 Minuten ziehen die gesamte Region in ihren Bann – für den Club sind sie nach dem misslungenen Jahresauftakt gegen den FC St. Pauli Chance und Risiko zugleich. 

Betretene Mienen: Zum Jahresauftakt hat der Club 0:1 gegen St. Pauli verloren.

Betretene Mienen: Zum Jahresauftakt hat der Club 0:1 gegen St. Pauli verloren.

IMAGO/Zink

Als sich die Nürnberger Spieler am vergangenen Sonntag nach dem 0:1 gegen den FC St. Pauli auf den Weg zu ihren treusten Anhängern machten, um sich bei ihnen für die Unterstützung während der Partie zu bedanken, da gab es in der Nordkurve kaum eine Reaktion. Kein Beifall für den Einsatz, keine aufmunternden Worte: Es war nur eine kurze Begegnung zwischen Spielern und Fans. 

90 Minuten lang hatte der Anhang die Mannschaft angefeuert und angetrieben – von Erfolg war der Jahresauftakt allerdings nicht gekrönt, im Gegenteil: Der Club verlor bereits zum fünften Mal nacheinander das erste Spiel nach der Winterpause. 

Jetzt ist es an der Zeit, mal was zurückzugeben.

Johannes Geis

Vor der Partie hatte Trainer Markus Weinzierl noch von einem Stimmungsumschwung gesprochen. Das Ziel, das der 48-Jährige ausrief: den fränkischen Pessimismus beiseitezulegen, die Fans wieder abzuholen und den Neustart im Jahr 2023 mit Elan anzugehen. Ein Plan, der scheiterte. Deshalb sagt Mittelfeldspieler Johannes Geis vor dem Hintergrund der Auftaktniederlage: “Jetzt ist es an der Zeit, mal was zurückzugeben.” Der 29-Jährige weiß: “Es gibt jetzt nur ein Spiel.” 

Auch atmosphärisch steht eine Menge auf dem Spiel

Am Samstagabend ist der Club im Fürther Ronhof zu Gast – 90 Minuten, die aufgrund der Rivalität immer eine hohe Bedeutung haben, die in der gegenwärtigen Lage allerdings noch brisanter sind. Für Nürnberg ist das 270. Frankenderby einerseits die Gelegenheit, die Stimmung mit nur einem einzigen Spiel zu drehen – andererseits könnte sich die ohnehin schon wieder angespannte Lage aber auch zuspitzen. 

Nicht nur tabellarisch, sondern auch atmosphärisch steht in Fürth eine Menge auf dem Spiel. Dass die Mannschaft kaum noch Kredit beim Anhang hat, das wurde schon gegen St. Pauli deutlich. Sollte der FCN jetzt auch noch das Derby verlieren, würde es am Valznerweiher äußerst ungemütlich werden. 

Derby in Fürth – Verfolgerduelle in Lautern und Paderborn: Das bringt der 19. Spieltag

Unter besonderen Umständen steigt am Samstagabend das Frankenderby zwischen Fürth und Nürnberg. Zwei Kellerduelle stehen an, vier Verfolger des Toptrios sind unter sich.

Zwei Verfolgerduelle und das Frankenderby bietet der 19. Spieltag der 2. Liga.

Zwei Verfolgerduelle und das Frankenderby bietet der 19. Spieltag der 2. Liga.

picture allaince

Los geht es bereits am Freitagabend (18.30 Uhr), wenn der SC Paderborn Fortuna Düsseldorf empfängt. Der Fünfte hat den Sechsten zu Gast, bei derzeit sieben Punkten Rückstand auf Rang darf sich eigentlich keiner der Verfolger eine Niederlage erlauben, um oben dranzubleiben. Beide Teams starteten mit einem Sieg in das neue Jahr, allerdings hat Paderborn das dramatische Last-Minute-Aus im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart (1:2) zu verdauen. Düsseldorf muss auf Dawid Kownacki verzichten, für den Polen könnte Routinier Rouwen Hennings beginnen. 

Zeitgleich ist Spitzenreiter Darmstadt 98 beim SV Sandhausen zu Gast. Der SVS hat sich auf dem letzten Drücker am Deadline Day mit Marcel Mehlem verstärkt, der Coach Alois Schwartz noch aus gemeinsamen Karlsruher Tagen kennt.  Gegen die Lilien haben die Kurpfälzer noch etwas gutzumachen, das letzte Heimspiel ging mit 1:6 in die Hose. Doch damals wie heute präsentiert sich Darmstadt bärenstark – und unterstrich mit der Verpflichtung von Angreifer Filip Stojilkovic vom FC Sion seine Aufstiegsambitionen. Ob der Schweizer gleich in Sandhausen sein Debüt feiert? “Das entscheidet der Trainer”, sagte Stojilkovic.

Lautern empfängt Kiel – Bielefeld will endlich hellwach sein

Weiter geht es am Samstagmittag (13 Uhr) mit dem Spiel zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Holstein Kiel – es ist das Duell des Vierten gegen den Achten. Die Roten Teufel haben ihre letzten vier Partien samt und sonders gewonnen, mit einem weiteren Dreier könnten sie im Idealfall bis auf einen Punkt an Rang drei heranrücken. Bei Kiel dürfte die spannendste Frage sein, wer auf dem Betzenberg das Tor hüten wird: Erneut Youngster Tim Schreiber, der beim 2:1 gegen die SpVgg Greuther Fürth schwer patzte, oder Winter-Neuzugang Robin Himmelmann?

Dritter ist momentan der 1. FC Heidenheim, der bei Eintracht Braunschweig gefordert ist. Nicht gerade mit Vorfreude treten die Ostalbstädter die Reise an, verloren sie doch in der 2. Liga bisher alle vier Gastspiele bei den niedersächsischen Löwen – dreimal blieben sie dabei ohne eigenen Torerfolg. Allerdings ist der FCH seit sechs Ligapartien (5 Siege/1 Unentschieden) unbesiegt und hat seine starke Form ins neue Jahr mit rübergenommen. Demgegenüber wartet der BTSV seit sechs Partien auf einen Sieg (0/3/3) – das Vertrauen in Michael Schiele ist aber vorhanden, mit dem Aufstiegstrainer wurde erst kürzlich verlängert. Schiele hofft gegen den FCH wieder auf seinen Mittelfeld-Chef Jannis Nikolaou, der zuletzt an einer Mandelentzündung laborierte.

In der dritten Mittagspartie empfängt Jahn Regensburgs Arminia Bielefeld – ein Duell im Keller zwischen dem 14. und dem Vorletzten. Die Oberpfälzer müssen auf den gesperrten Scott Kennedy verzichten, Ersatzkandidaten sind Sebastian Nachreiner und Steve Breitkreutz. Bielefeld verlor zum Rückrundenauftakt das Kellerduell in Sandhausen mit 1:2, wieder einmal verschliefen die Ostwestfalen dabei die Anfangsphase. Die Forderung von DSC-Coach Daniel Scherning ist also klar: “Wir dürfen nicht erst ab der 30. Minute am Spiel teilnehmen.” Ob Frederik Jäkel spielen kann, ist noch offen. Die RB-Leihe hat nach seinem Nasenbeinbruch ein Maske angefertigt bekommen.

Frankenderby oder Duell der Enttäuschten

Am Samstagabend (20.30 Uhr) steigt dann im restlos ausverkauften Ronhof das 270. Frankenderby zwischen der SpVgg Greuther Fürth und dem 1. FC Nürnberg – es ist aber auch das Lokalduell zweier Enttäuschten. Sowohl das Kleeblatt als auch der Club verloren zum Rückrundenauftakt und stecken weiter in der gefährdeten Zone fest. Das Hinspiel ging mit 2:0 an den FCN, es war für den neunmaligen deutschen Meister aber der erste Dreier nach zuvor fünf sieglosen Derbys. Fürth hat sich am letzten Tag des Winter-Transferfensters mit Lukas Petkov vom FCA verstärkt, der Flügelspieler könnte am Samstagabend eine Option sein. Im Gegensatz zu Nürnbergs letztem Neuzugang Gustavo Puerta, der laut Sportvorstand Dieter Hecking ein Vorgriff auf die neue Saison ist. Dafür kann Club-Coach Markus Weinzierl wohl erstmals nach langer Zeit wieder auf Taylan Duman zählen, der Mittelfeldspieler konnte am Mittwoch erstmals nach seinem Syndesmoseriss das komplette Mannschaftstraining absolvieren.

Hannover will auf St. Pauli “Reaktion zeigen” – HSV-Debüt für Javi Montero?

Am Sonntag sind dann die beiden Hamburger Klubs gefordert: Der HSV zeigte beim 4:2 zum Rückrundenauftakt gegen Eintracht Braunschweig seine Wucht in der Offensive, aber in der Defensive auch Instabilität. Gut möglich, dass im Gastspiel bei Hansa Rostock (13.30 Uhr) Winter-Neuzugang Javi Montero sein Debüt für die Rothosen geben wird. Die Hansa-Kogge ist neben Heidenheim, Hannover und Düsseldorf nur einer von drei Zweitligisten, der sich im Winter kein neues Personal geholt hat. Gesucht wurde besonders eine Verstärkung für die Offensive, mit nur 17 Toren stellt Rostock den zweitharmlosesten Angriff hinter Nürnberg (16.). Auch beim 0:2 in Heidenheim offenbarte das Team von Patrick Glöckner mangelnde Durchschlagskraft.

Ganz im Gegensatz zum FC St. Pauli, der beim 1:0 in Nürnberg gnadenlose Effizienz bewies. Siegtorschütze Jakov Medic wird auch im Heimspiel gegen Hannover 96 im Team bleiben, allerdings in der Dreierkette von der Mitte nach rechts rücken, da Eric Smith nach auskuriertem Infekt wieder in die Mannschaft zurückkehrt. Hannover 96 erlitt mit dem 1:3 vor Wochenfrist gegen den 1. FC Kaiserslautern einen Rückschlag im Aufstiegsrennen, doch der Traum von der Bundesliga lebt bei den Roten weiter. “Die Mannschaft will eine Reaktion zeigen”, sagte H96-Coach Stefan Leitl im kicker-Interview. “Wir wollen sie mit unserem Pressing stressen und sind optimistisch, dass wir aus Hamburg etwas mitnehmen können.”

Abstiegskrimi Magdeburg gegen KSC

Ein echtes Kellerduell bestreiten der 1. FC Magdeburg und der Karlsruher SC. Beide Teams befinden sich in der Krise. Der Aufsteiger hat die letzten drei Ligapartien verloren und ist seit dem 2:3 in Düsseldorf wieder Letzter, der KSC rutschte durch eine Misserfolgsserie von sieben sieglosen Ligaspielen (0/1/6) auf den letzten Nichtabstiegsplatz ab. Ausgerechnet in dem “Sechs-Punkte-Spiel” muss Magdeburgs Trainer Christian Titz auf Baris Atik verzichten, der eine Gelbsperre abzusitzen hat. Der KSC reagierte auf die sportliche Talfahrt und holte mit dem Georgier Budu Zivzivadze Verstärkung für den Sturm. Der 28-Jährige soll gleich in Magdeburg für mehr Gefahr vor des Gegners Tor sorgen.