Dreier- oder Viererkette? Glasners Dilemma mit der Formation

“Es ist scheißegal, in welchem System wir spielen, wenn wir unsere Aufgaben nicht machen und keine Staffelung haben”, grantelte Oliver Glasner nach dem 1:2 gegen Hertha BSC. Das ist einerseits richtig. Eine Nicht-Leistung wie gegen Berlin sollte allerdings auch die Ausnahme bleiben. Insofern stellt sich die Frage nach der passenden Grundordnung sehr wohl.

Hat in Frankfurt noch einige Aufgaben vor sich: Oliver Glasner.

Hat in Frankfurt noch einige Aufgaben vor sich: Oliver Glasner.

imago images/Kessler-Sportfotografie

Glasners Ärger war nur allzu verständlich. Die Vielzahl an Fehlpässen und einfachen Ballverlusten war zum Haare raufen. Zu allem Überfluss kamen auch noch taktische Undiszipliniertheiten hinzu. Der Coach nannte den rechten Flügelspieler Timothy Chandler zwar nicht beim Namen, doch es war klar, wen er meinte, als er kritisierte: “Eigentlich war abgesprochen, dass wir auf der rechten Seite ein bisschen zurückhaltender spielen. Das haben wir nicht gemacht, dann waren die drei (Hinteregger, Hasebe, Ndicka, Anm. d. Red.) oft allein – und haben es nicht hinbekommen. Die Umsetzung ist oft das Problem und nicht das System.”

Was Glasner hier ausspricht, ist ein genereller Nachteil der Dreierabwehrkette. Der Sportjournalist Tobias Escher hat dies in seinem Buch “Der Schlüssel zum Spiel: Wie moderner Fußball funktioniert” treffend zusammengefasst: “Die drei Verteidiger können die breite des Feldes nicht besetzen. Da die Verteidigung des Zentrums wichtiger ist als die Verteidigung der Flügel, tun sich gerade hier Lücken auf. Teams in dieser Variante sind also darauf angewiesen, den Ball weiter vorne zu gewinnen. Das 3-4-3 wird demnach häufig mit einem aggressiven Pressing kombiniert. Diese Formation wurde vor allem durch Eintracht Frankfurt bekannt, die unter Trainer Adi Hütter in der Saison 2018/19 mit dieser Variante ins Halbfinale der Europa League vorstieß.”

Vorläufiges Ende des 3-4-3 in Dortmund

Dass es sich damals meist um ein 3-5-2 handelte, ist nebensächlich, da die Besetzung auf den Außenbahnen und in der Abwehr identisch ist. Doch auch unter Hütter war die Anfälligkeit über die Seiten immer mal wieder ein Problem – auf das er zeitweise mit einer Umstellung reagierte. “Die Wege für Danny da Costa und Filip Kostic sind schon unglaublich weit. Mir ist es lieber, wenn ein Flügelspieler nicht mehr so weit zurückmuss, weil noch ein zusätzlicher Spieler hinten absichert”, sagte Hütter im Januar 2020 im kicker-Interview. Damals stellte er für einige Monate auf Viererkette um, unter anderem deshalb, weil er sich so mehr Stabilität versprach. Und tatsächlich fanden die Hessen damals nach einer schwierigen Hinrunde, in der sie nur 18 Punkte sammelten, rasch zurück in die Erfolgsspur.

Glasner begrub das in der Vorbereitung praktizierte 3-4-3 schon am 1. Spieltag zur Pause in Dortmund – zumindest vorläufig. Im kicker-Interview erklärte er das Anfang September ausführlich. “Die Rollenverteilung ist am einfachsten, wenn wir aus einem 4-4-2 heraus attackieren. Als wir in Dortmund in der ersten Hälfte im 3-4-3 spielten, hatten wir Probleme, weil Thorgan Hazard breit und lang blieb. Wir schafften es nie, vorne Druck aufzubauen. Viele Spieler trauen sich nicht richtig, im 3-4-3 herauszurücken, weil wir noch sehr mannorientiert denken. Wenn Filip hochschiebt und Felix Passlack attackiert, muss ihm Evan Ndicka den Rücken sichern. Doch das erfordert mehr Abstimmung als im 4-4-2, in dem das sehr viel klarer ist”, sagte der Trainer und betonte: “Du musst dich darauf verlassen, dass dein Mitspieler dir den Rücken freihält. Wenn dieses Vertrauen, diese Automatismen fehlen, führt das zu Zögerlichkeit und Passivität.”

Was macht man mit der Waffe Kostic?

Glasner änderte die Formation erst wieder beim Europa-League-Spiel in Antwerpen (3-5-2), als die bis dato gesetzten Außenverteidiger Erik Durm (Gehirnerschütterung) und Christopher Lenz (Faserriss) ausfielen. Auch beim Sieg in München formierte sich eine Dreierkette, wobei sich wegen des hohen Ballbesitzanteils der Bayern meist ein sehr defensives 5-4-1 ergab. Filip Kostic agierte allerdings nicht links in der Fünferkette, sondern rückte eine Position weiter vor. “Mit Filip haben wir eine offensive Waffe. Unsere Aufgabe ist: Wie können wir diese Waffe in unser Spiel integrieren und trotzdem hinten den Raum sicherstellen?”, beschreibt Glasner die Herausforderung.

Nach den beiden Siegen in Antwerpen und München war es nachvollziehbar, nicht wieder auf Viererkette umzustellen, zumal mit Lenz der einzige gelernte Linksverteidiger im Kader weiterhin ausfällt. Ebenso richtig war es, nach der katastrophalen ersten Hälfte gegen die Hertha schließlich doch auf die Viererkette zu setzen. Das dilettantische Abwehrverhalten von Almamy Toure und Evan Ndicka vor dem 0:2 beendete die Hoffnungen auf ein Happy End jedoch frühzeitig. Bei solchen Fehlern ist die Grundordnung in der Tat “scheißegal”.

Ideen für Olympiakos

Nichtsdestotrotz steckt Glasner nun in einem Dilemma. Schickt er seine Elf am Donnerstag gegen Olympiakos Piräus in einem 3-4-3 oder 3-5-2 ins Rennen, werden die Griechen alles daransetzen, nach Ballgewinnen über ihr schnelles Umschaltspiel hinter die Außenbahnspieler zu gelangen. Glasner warnte bereits auf der Pressekonferenz nach dem Hertha-Spiel vor dem “blitzschnellen Umschalten” von Olympiakos. Er rechnet damit, dass Piräus Mittelfeldpressing spielt oder sich noch tiefer stellt. “Wir müssen den Spielern bessere Lösungen aufzeigen. Es ist unsere Aufgabe, ihnen bessere Möglichkeiten an die Hand zu geben, vor allem auch bessere Absicherungsmechanismen”, erklärt Glasner. Sollte er sich für die Dreierkette entscheiden, muss er nicht nur darauf vertrauen können, dass vorne kompakt (!) und aggressiv gepresst wird, nach Balleroberungen darf der Ball auch nicht so leichtfertig wie zuletzt hergeschenkt werden. Andernfalls könnte die Mannschaft ins offene Messer laufen.

Mit einer Viererkette wäre der Raum hinter Kostic besser abgesichert. Das Problem: Der Kader ist eigentlich nicht für eine Spielweise mit Viererkette zusammengestellt, was sich allein daran zeigt, dass der weiterhin verletzte und zuvor nicht gerade überragende Lenz der einzige gelernte Linksverteidiger im Kader ist. Glasner könnte Rechtsfüßer Chandler zwar wie gegen Köln und in München als Linksverteidiger einsetzen, eine wirklich zufriedenstellende Lösung wäre das indes nicht. Am erfolgversprechendsten wäre es wohl, Innenverteidiger Ndicka nach links zu beordern – wie es Hütter seinerzeit getan hatte und Glasner in der zweiten Hälfte gegen Berlin. In der Innenverteidigung könnten Stefan Ilsanker (oder Tuta) und Martin Hinteregger verteidigen, rechts ist Erik Durm vorzuziehen. Weiter vorne hätte Glasner eine Vielzahl an Möglichkeiten, er könnte seine Elf mit Makoto Hasebe als spielstarken Sechser im 4-3-3 anordnen, ein 4-2-3-1 oder 4-4-2 wären ebenso denkbar. Aufgrund der beschriebenen Linksverteidigerproblematik drängt sich die Viererkette allerdings nicht auf – Glasner steckt in einem Dilemma.

Wichtiger als die Formation wird selbstredend sein, dass die Mannschaft insgesamt mutiger, bissiger, reaktionsschneller, disziplinierter und kompakter auftritt. Das ist die Grundvoraussetzung, um dem Meister und Tabellenführer Griechenlands überhaupt Paroli bieten zu können. Nach der desolaten Leistung gegen die Hertha wird es auch zu personellen Veränderungen kommen. Allen voran Jesper Lindström, Jens Petter Hauge und Sam Lammers dürften erst mal auf die Bank wandern, da alles andere dem Leistungsprinzip widersprechen würde. Dafür können sich Daichi Kamada, Rafael Borré und Goncalo Paciencia gute Chancen ausrechnen, in die Startelf zu rücken – unabhängig von der Grundordnung.

Julian Franzke

Extrem schwache Mainz-Bilanz gegen Augsburg

Allen im Lager von Mainz 05 ist die Bedeutung der Partie gegen den FC Augsburg klar. Die Bilanz der jüngeren Vergangenheit gegen den nächsten Gegner ist allerdings wenig ermutigend.

Kennen sich bestens aus gemeinsamen Augsburger Tagen: Dominik Kohr (li., inzwischen Mainz) und Trainer Markus Weinzierl.

Kennen sich bestens aus gemeinsamen Augsburger Tagen: Dominik Kohr (li., inzwischen Mainz) und Trainer Markus Weinzierl.

imago/Krieger

“Das ist ein Gegner auf Augenhöhe”, sagte 05-Keeper Robin Zentner. Das kann man so oder so sehen: Von den finanziellen und personellen Möglichkeiten sind die Klubs vergleichbar. Daher ist Augsburg zumindest theoretisch in Schlagweite von Mainz, das sich in den jüngsten vier Spielen mit den Klubs aus dem oberen Drittel der Tabelle messen musste. Dabei holten Zentner und Co. lediglich einen Punkt, kassierten zuletzt drei Niederlagen. Die nächsten Gegner heißen nun Augsburg (Freitag, 20.30 Uhr, LIVE! bei kicker) und zweimal Arminia Bielefeld (am 26. Oktober zu Hause im DFB-Pokal und 30. Oktober auswärts in der Liga).

Andererseits waren gerade die Spiele gegen Augsburg aus Mainzer Sicht in den vergangenen Jahren sehr enttäuschend. Die jüngsten fünf Duelle gewann der FCA allesamt – eine solche Siegesserie weist Augsburg derzeit gegen keinen anderen Verein auf. Der FCA siegte in der Bundesliga schon zehnmal gegen Mainz – so oft wie sonst nur gegen Bremen. 29 Tore erzielte Augsburg in der Bundesliga gegen Mainz, nur gegen Bremen mehr (35).

Hack, Szalai und Kohr bereit

Seit dem Amtsantritt von Bo Svensson beim FSV am 4. Januar holte Mainz 20 Punkte mehr (43) als Augsburg (23). In den vergangenen drei Spielen kamen allerdings keine Zähler mehr dazu. Mit drei Niederlagen in Serie kassierten die Nullfünfer genauso viele Niederlagen wie in den 20 Spielen zuvor.

Ein Hoffnungsschimmer aus FSV-Sicht ist, dass sich die Personallage entspannt. Alexander Hack und Adam Szalai dürften nach Corona-Infektion beziehungsweise Meniskus-OP ihren Trainingsrückstand weitgehend aufgeholt haben.

Zudem hat Dominik Kohr seine Gelb-Rot-Sperre abgesessen. Kohr bestritt zwischen 2014 und 2017 genau 65 Spiele für den FCA unter Markus Weinzierl. Unter keinem anderen Trainer kam er im Oberhaus so häufig zum Einsatz.

Michael Ebert

Sildillia: Auch der dritte SC-Debütant überzeugt

Weil beide angestammten Kräfte auf der rechten Seite ausfielen, setzte Trainer Christian Streich gegen Leipzig (1:1) von Beginn an auf Kiliann Sildillia. Der junge Franzose spielte souverän und überzeugte auf ganzer Linie.

Freiburgs Youngster Kiliann Sildillia überzeugte bei seinem Bundesliga-Debüt.

Freiburgs Youngster Kiliann Sildillia überzeugte bei seinem Bundesliga-Debüt.

imago images/Sportfoto Rudel

Es gibt dankbarere Aufgaben als die für Kiliann Sildillia. Im ersten Bundesligaspiel gleich gegen die Leipziger Angreifer Szoboszlai, Forsberg und Co. zu verteidigen, ist durchaus eine Feuerprobe – die der 19 Jahre alte Abwehrspieler des SC Freiburg gegen RB Leipzig ziemlich souverän meisterte (kicker-Note 3). “Ich habe keinerlei Nervosität gesehen, er hat die Ruhe”, lobt auch Cheftrainer Christian Streich, der seinen Jungprofi notgedrungen rechts vor der Dreierkette aufgestellt hatte.

Streich: “Er ist eigentlich ein Innenverteidiger”

Denn mit Jonathan Schmid (Rückstand nach COVID-19) und Lukas Kübler (Halsschmerzen) fehlten den Breisgauern beide etatmäßigen Rechtsverteidiger. Deswegen hatte Streich Sildillia bereits beim Eröffnungsspiel des neuen Europa-Park-Stadions gegen St. Pauli (3:0) auf dieser Position getestet – und war offenbar zufrieden. “Er ist eigentlich ein Innenverteidiger, hat aber auch schon Außenverteidiger gespielt”, beschreibt Streich den französischen U-20-Nationalspieler.

Zuletzt sammelte der vor allem in Freiburgs U 23, die in der 3. Liga spielt, Wettkampfpraxis: Neun Einsätze (ein Tor) in der laufenden Spielzeit, 36 Spiele (sieben Tore) in der vergangenen Saison. Da stieg Freiburg II souverän aus der Regionalliga Südwest auf. Auch dank Stütze Sildillia, der nach acht Spieltagen bereits Debütant Nummer 3 bei den Profis ist. Wie zuvor Noah Weißhaupt (ein Spiel, eine Vorlage zum 1:1-Ausgleich gegen den 1. FC Köln) und Kevin Schade (fünf Einsätze) überzeugte Sildillia erst in der U 23 und dann in der Bundesliga.

Streich: “Das war richtig überzeugend”

Bereits im vergangenen Jahr trainierte der 1,86 Meter große Defensivspieler regelmäßig bei der 1. Mannschaft mit. Ein Grund dafür, dass der im Sommer 2020 vom FC Metz verpflichtete Sildillia in seinem ersten Bundesligaspiel keinerlei Anpassungsprobleme zeigte. “Ich bin sehr zufrieden, er war sehr ruhig vor dem Spiel”, sagt Streich. Nervosität sei beim Talent nicht zu sehen gewesen. Sildillia trumpfe vielmehr mit Tempo und Kopfballstärke auf, agiere zudem ruhig und abgeklärt. Auch im Umgang mit Fehlern. Die blieben gegen Leipzig nicht aus, waren aber selten und folgenlos. “Er hatte ein, zwei Fehlpässe und hat sich dann gleich wieder richtig hingestellt”, lobt Streich und stellt Sildillia ein positives Zeugnis aus: “Das war richtig überzeugend.”

Jim Decker

Nächste Zwangspause: Aranguiz fehlt Bayer “mittelfristig”

Hinter Charles Aranguiz liegen schmerzhafte zwölf Monate. Nun muss Bayer Leverkusen erneut auf den Chilenen verzichten.

Antreiber Charles Aranguiz wird Bayer Leverkusen die kommenden Wochen nicht zur Verfügung stehen.

Antreiber Charles Aranguiz wird Bayer Leverkusen die kommenden Wochen nicht zur Verfügung stehen.

imago images/Chai v.d. Laage

Schon im Gipfeltreffen des 8. Spieltags am Sonntagnachmittag gegen Bayern München (1:5) hatte Aranguiz gefehlt, weil der Mittelfeldspieler sich im Abschlusstraining verletzt hatte. Am Dienstag gab die Werkself nun die Diagnose bekannt.

Demnach hat sich Aranguiz eine “Muskel-Sehnen-Verletzung” in der rechten Wade zugezogen, weshalb Bayer 04 “mittelfristig” auf den chilenischen Nationalspieler verzichten muss. Wie der Verein mitteilte, wird mit der Rückkehr von Aranguiz erst nach der Länderspielpause Mitte November gerechnet. Nach den letzten Spieltagen der jeweiligen Qualifikationsrunden für die WM 2022 in Katar in diesem Jahr nimmt die Bundesliga am Wochenende am 19. November wieder den Spielbetrieb auf. Leverkusen ist am Samstag vor eigenem Publikum gegen den VfL Bochum gefordert, gegen den Aufsteiger könnte Aranguiz also wieder sein Comeback feiern.

Aranguiz hatte bereits in der vergangenen Saison wegen Achillessehnenproblemen sowie eines Muskelfaserrisses in der Wade eine längere Pause einlegen müssen. Anschließend kam der für Bayer so wichtige Sechser in der Rückrunde 2020/21 nicht mehr wie gewohnt auf Touren. In den Partien der bisherigen Spielzeit konnte der 32-Jährige, der seit  Sommer 2015 für Bayer spielt (176 Bundesligaspiele, 13 Tore) – seine Leistung wieder stabilisieren und kam in seinen sechs Ligapartien auf eine kicker-Durchschnittsnote von 3,00.

Nagelsmann: Wo sein Team “ein bisschen zu schlecht wegkommt”

Gibt es in den nächsten Jahren mal einen anderen Meister als den FC Bayern? Trainer Julian Nagelsmann nimmt die Bundesliga-Konkurrenz in die Pflicht.

Ist beeindruckt von der Gier seiner Mannschaft: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann (re., mit Robert Lewandowski).

Ist beeindruckt von der Gier seiner Mannschaft: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann (re., mit Robert Lewandowski).

imago images/Sven Simon

So angenehm der vergangene Sonntag für alle Fans des FC Bayern auch war – für die Bundesliga war es eher keine gute Nachricht, dass der Abo-Meister das Topspiel in Leverkusen zwischenzeitlich wie ein DFB-Pokal-Erstrundenduell aussehen ließ. Das 5:1 war nicht nur für Bayer 04 ein heftiger Dämpfer, sondern auch für alle, die sich mehr Spannung an der Tabellenspitze wünschen.

Wird der FC Bayern die Meisterschale auch in den kommenden zehn Jahren nicht herausrücken? “Ich kann mir schon vorstellen, dass es irgendwann mal einen anderen Meister gibt”, sagte Trainer Julian Nagelsmann am Dienstag. “Sollte ich hier noch zehn Jahre sein, wäre es schön, wenn es nicht so wäre.”

“… anstatt in einen Jammermodus zu kommen”

Er nimmt die Konkurrenz in die Pflicht. “Ich glaube, es ist immer besser, alles zu versuchen, dass man selbst erfolgreich ist, anstatt in einen Jammermodus zu kommen. Das habe ich immer so gehalten in meinen vorherigen Klubs”, so der frühere Hoffenheim- und Leipzig-Coach. “Am Ende geht es darum, dass alle versuchen, große Herausforderer zu sein.” Aber “natürlich spricht es sich als Bayern-Trainer etwas leichter”.

Die Münchner Dominanz hat für Nagelsmann aber nicht einfach mit einem Qualitätsvorsprung auf dem Platz zu tun. Bei seiner Mannschaft stelle ihn auch “die Gier und die Lust, Erfolge auch immer wieder zu bestätigen”, “sehr zufrieden”. Er glaubt sogar, dass sie “da in der Beurteilung ein bisschen zu schlecht wegkommt”.

Denn: “Man muss es erst mal hoch anrechnen, dass eine Mannschaft in der Lage ist, zehnmal in Folge Meister zu werden, diese Gier zu haben, auch nach 2020, wo man alles gewonnen hat, einfach weiterzumachen.” Diese “Charakterleistung” sei einfach “erwähnenswert”.

Die neue kicker-Kolumne von Ex-Bayern-Keeper Ron-Robert Hoffmann: “Das ist zwar nicht die Serie ‘Sunderland till I die’ …”

Bielefelds Punktretter Laursen: “… dann bekommen wir Probleme”

Arminia Bielefeld wartet weiter auf den ersten Saisonsieg. Nach dem 1:1 in Augsburg scheint klar: Einen derart schwachen Auftritt wie im ersten Durchgang kann sich die Mannschaft von Trainer Frank Kramer am Samstag kaum erlauben – Borussia Dortmund ist zu Gast.

Bielefelds Torschütze Jacob Laursen warnt eindringlich.

Bielefelds Torschütze Jacob Laursen warnt eindringlich.

imago images/Sven Simon

Zunächst war da die unbändige Freude über das erste Bundesligator, das obendrein im Kellerduell mit dem FC Augsburg zumindest einen Punkt sicherte und den Gegner nicht davonziehen ließ in der Tabelle. Jedoch: So ganz glücklich war Jacob Laursen, der seine Mannschaft für eine Leistungssteigerung belohnte, dann dennoch nicht. “Es ist schön, dem Team zu helfen”, sagt der dänische Verteidiger, der dennoch nicht wirklich zufrieden war. Denn: “Die erste Hälfte war schrecklich.”

Ein anfänglicher Auftritt, der so gar nicht passte zur verbal stets mutigen und offensiven Herangehensweise von Trainer Frank Kramer. Bielefeld agierte zunächst so, wie es der Tabellenplatz nach diesem 8. Spieltag aussagt: wie ein Absteiger, abgerutscht auf den vorletzten Rang.

Hoffnung macht, dass sich die Arminia berappelte, in das Spiel kämpfte und am Ende, wenn auch glücklich, zumindest einen Zähler rettete. Den fünften in dieser Saison, die noch keinen Sieg brachte. “Die Jungs waren sehr kritisch miteinander”, berichtet Kramer von der Halbzeit in Augsburg. “Wir haben uns gemeinsam entschlossen, eine andere Halbzeit zu spielen.” Die Frage, die sich jedoch stellt: Warum nicht gleich so?

Klar scheint: 45 völlig verschlafene Minuten wird sich die Arminia am Samstag gegen Dortmund kaum leisten können. “Ein top top Team”, betont Punktretter Laursen und warnt eindringlich: “Wenn wir so spielen wie in der ersten Hälfte in Augbsurg, dann bekommen wir Probleme.”

Thomas Hiete

Das Comeback rückt näher: Thuram wieder dabei

Das lange Warten hat ein Ende: Marcus Thuram mischte am Dienstag erstmals wieder im Mannschaftstraining mit. Trainer Adi Hütter ist zufrieden.

Mönchengladbachs Marcus Thuram nähert sich dem Comeback.

Mönchengladbachs Marcus Thuram nähert sich dem Comeback.

imago images/jdp

Am zweiten Spieltag bei der 0:4-Niederlage in Leverkusen ereignete sich die folgenschwere Aktion, die Thuram seit dem 21. August mit einem Innenbandriss im rechten Knie zur Spielpause zwingt. Am Dienstag folgte für den Franzosen der nächste Schritt auf dem Weg zum Comeback: Erstmals seit der Verletzung nahm Thuram wieder am Mannschaftstraining teil. Zwar konnte er noch nicht sämtliche Übungen gemeinsam mit den Kollegen absolvieren, aber Hütter zeigte sich mit den Eindrücken, die sein Angreifer hinterließ, zufrieden. “Es sah bei ihm gut aus, so dass er bald wieder komplett mit der Mannschaft trainieren kann”, sagte der VfL-Coach.

Bensebaini “ist auf einem guten Weg zurück”

Schon etwas weiter als Thuram ist Ramy Bensebaini, der am Dienstag die komplette Einheit mitmachen konnte. Vor knapp drei Wochen hatte sich der Linksverteidiger eine Fußverletzung zugezogen und könnte, wenn er die Belastung in den nächsten Trainingseinheiten gut verkraftet, für das anstehende Auswärtsspiel am Samstag bei Hertha BSC eine Kaderalternative darstellen. “Er ist auf einem guten Weg zurück”, bestätigt Hütter.

Spielersteckbrief Hofmann
Hofmann

Hofmann Jonas

Spielersteckbrief Thuram
Thuram

Thuram Marcus

Spielersteckbrief Bensebaini
Bensebaini

Bensebaini Ramy

Trainersteckbrief Hütter
Hütter

Hütter Adolf

Hofmann: Kleine Verschnaufpause zur Förderung der Regeneration

Definitiv dabei sein wird in der Hauptstadt Jonas Hofmann, auch wenn der zurzeit ganz starke Offensivmann (drei Tore in den vergangenen fünf Einsätzen) beim Start in die neue Trainingswoche nicht auf dem Rasen anzutreffen war. Der 29-Jährige arbeitete individuell im Kraftraum. Der Grund: Hofmann hatte beim Spiel gegen den VfB Stuttgart (1:1) einen Schlag auf den Oberschenkel abbekommen. Trotzdem hielt der Torschütze zum 1:1 bis zum Schlusspfiff durch, spulte mit 12,4 Kilometern sogar die höchste Laufleistung ab und setzte auch bei der Anzahl der Sprints (31) die Bestmarke. Die kleine Verschnaufpause zur Förderung der Regeneration, damit der fürs Borussen-Spiel eminent wichtige Hofmann am Samstag wieder voll angreifen kann – “morgen”, kündigte Hütter an, “wird Jonas wieder ganz normal trainieren.”

Jan Lustig

FC Bayern ohne Goretzka und Davies bei Benfica

Der FC Bayern muss im Champions-League-Gastspiel bei Benfica Lissabon auf Leon Goretzka und Alphonso Davies verzichten.

In Leverkusen zur Pause ausgewechselt: Leon Goretzka.

In Leverkusen zur Pause ausgewechselt: Leon Goretzka.

imago images/Nordphoto

Goretzka plagt sich mit einer Erkältung herum, wie Trainer Julian Nagelsmann am Dienstag auf seiner Pressekonferenz bekanntgab. Der Mittelfeldspieler, der beim 5:1-Sieg in Leverkusen zur Pause ausgewechselt worden war, sei “nicht in der Lage zu spielen”, Marcel Sabitzer als Vertreter “eine Option”.

Davies, den Nagelsmann am Sonntag noch in der ersten Hälfte vom Platz hatte nehmen müssen, habe zwar “keine strukturelle Verletzung davongetragen, aber eine Müdigkeitserscheinung. Auch da ist das Risiko einer größeren Verletzung gegeben. Deswegen haben wir uns entschieden, ihn zuhause zu lassen, um ihm drei, vier Tage Ruhe zu geben.”

Vor allem wegen des “straffen Programms” bis zur Länderspielpause im November will Nagelsmann auf Davies’ Gesundheit achten. Der Kanadier hatte in Leverkusen über Schmerzen am hinteren Oberschenkel geklagt. Für ihn war Josip Stanisic ins Spiel gekommen, dem am Mittwoch (21 Uhr, LIVE! bei kicker) nun der zweite Champions-League-Einsatz winkt.

Reis' Forderung: Mehr Mut, Egoismus und weniger Schönspielerei

Ein einziges Tor reichte, um auf Tabellenplatz 15 vorzurücken. In Zukunft aber müsse die Offensive des VfL Bochum noch viel besser zünden, findet Trainer Thomas Reis.

Bochums Chefcoach Thomas Reis fordert mehr Mut und auch Egoismus.

Bochums Chefcoach Thomas Reis fordert mehr Mut und auch Egoismus.

imago images/Sven Simon

Mit einem Standard entschied der VfL das Duell der beiden Aufsteiger am Wochenende in Fürth (1:0). Zuvor war die Mannschaft von Thomas Reis bei Eckbällen und Freistößen äußerst harmlos geblieben, nun fruchtete offenbar auch das intensive Standard-Training vor dem Kellerduell.

Reis: “Bei uns artet es häufig in Schönspielerei aus”

Fünf Tore erzielte der Aufsteiger bisher in acht Begegnungen, das ist durchaus ausbaufähig. Und so fordert Reis von den Seinen mehr Mut im Abschluss, bevorzugt auch aus größerer Distanz. “Bei uns artet es häufig in Schönspielerei aus, immer noch mal den Ball querzulegen und abzuspielen, statt einfach mal abzuziehen”, findet Reis.

Feuer frei, auch mal von außerhalb des Strafraums

Genügend Kandidaten, die auch aus der Entfernung gefährlich sind, findet der Trainer durchaus in den eigenen Reihen. “Eduard Löwen, Sebastian Polter, Danny Blum, die könnten sich ruhig mal ein Herz fassen und in manchen Situationen etwas egoistischer sein.” Auch darum heißt es im Training derzeit unter anderem: Feuer frei, auch mal von außerhalb des Strafraums.

Stichwort Danny Blum: Der Zauberfuß kommt nach seiner langen Zwangspause immer besser in Schwung, ist nun auch körperlich besser vorbereitet und hat sich in Kurzeinsätzen durchaus für mehr empfohlen. “Er hat sehr lange gebraucht, um wieder richtig auf Touren zu kommen. Aber jetzt ist Danny wieder in einer richtig guten Verfassung”, bestätigt Reis.

Das grundsätzliche Problem aber: Anders als zum Beispiel Robert Tesche oder Anthony Losilla, die im Training immer Vollgas geben, hält sich Blum bei so mancher Übungseinheit auch mal zurück und verlässt sich voll auf seine allerdings auch ausgezeichnete Technik.

In Fürth absolvierte der 30-jährige erst sein 20. Bundesliga-Spiel, “das”, findet Reis, “ist bei seinen Qualitäten natürlich viel zu wenig. Aber wer weiß, er hat durchaus die Fähigkeiten, um weiter auch in der Bundesliga für Furore zu sorgen”.

Gegen Frankfurt sind 20.000 Zuschauer zugelassen

Vielleicht schon am Sonntag. Da beschließt der VfL gegen den Tabellen-Nachbarn Eintracht Frankfurt am Abend (19.30 Uhr) den neunten Spieltag. Dann sind an der Castroper Straße wieder bis zu 20.000 Zuschauer zugelassen – bei einem Gesamtfassungsvermögen von 27.599.

Oliver Bitter

Corona: Sagosen und Weinhold verpassen Top-Spiele des THW Kiel

Der THW Kiel muss vorerst auf die Rückraumspieler Sander Sagosen und Steffen Weinhold verzichten. Wie der Rekordmeister vor dem Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen Pick Szeged mitteilte, können “beide nach einem Impfdurchbruch nicht eingesetzt werden.”

Sein krankheitsbedingter Ausfall hat sich als Corona-Impfdurchbruch entpuppt: Steffen Weinhold.

Sein krankheitsbedingter Ausfall hat sich als Corona-Impfdurchbruch entpuppt: Steffen Weinhold.

Getty Images

Beide Spieler sind positiv auf das Coronavirus getestet worden und befinden sich in Quarantäne. Die Austragung der Partien gegen den ungarischen Meister sowie das Topspiel in der Bundesliga am Sonntag gegen Tabellenführer SC Magdeburg sollen aber wie geplant ausgetragen werden.

“Das kommt zur Unzeit”, sagte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi am Dienstag auf Nachfrage: “Das ist eine Woche, auf die wir uns sehr gefreut haben.” Weitere Impfdurchbrüche im Team erwartet der 43-jährige Österreicher aber nicht.

Rückraum-Linkshänder Steffen Weinhold hatte bereits in der vergangenen Woche die Königsklassenpartie gegen den HC Zagreb (36:28) verpasst und war ebenso wie der Norweger Sagosen auch beim 21:21 gegen Pokalsieger TBV Lemgo nicht dabei. Wie lange die beiden Schlüsselspieler fehlen werden, steht noch nicht fest. “Die Ausfallzeiten sind schwer einzuschätzen”, sagte Szilagyi.