Pantovic nutzt neue Chance: Der VfL darf weiter träumen

Der VfL Bochum steht im DFB-Pokal in der Runde der letzten Acht, erstmals seit sechs Jahren. Großen Anteil daran hatte Milos Pantovic, der sich am Wochenende noch hinten anstellen musste.

Nach dem Viertelfinal-Einzug herrschte beim VfL Bochum ausgelassene Stimmung.

Nach dem Viertelfinal-Einzug herrschte beim VfL Bochum ausgelassene Stimmung.

imago images/Jan Huebner

Groll hegte Milos Pantovic am vergangenen Wochenende nach dem Spiel in Mainz (0:1) nicht, auch wenn Sebastian Polter ihm den Elfmeter zuvor weggeschnappt und anschließend verschossen hatte. “Mein Gott, das passiert halt”, hatte Pantovic da gesagt.

Das war gerade einmal drei Tage her, nun, im Achtelfinale des DFB-Pokals bot sich gegen Mainz – denselben Gegner – wieder die Chance vom Punkt. Der Unterschied: Polter saß diesmal auf der Bank, so gab es keine Diskussionen und Pantovic verwandelte sicher wie frech in die Mitte zum zwischenzeitlichen 1:1 (56.).

“Egal, wer die Tore schießt”

Nur drei Minuten später ließ er mit einem gefühlvollen Heber die 750 zugelassenen Fans an der Castroper Straße ein zweites Mal jubeln und avancierte somit beim 3:1-Erfolg der Bochumer zum Matchwinner. “Es ist schön für mich, aber es ist egal, wer die Tore schießt. Der Erfolg der Mannschaft steht über allem”, zeigte sich der Doppeltorschütze nach dem Spiel am “Sky”-Mikrofon diplomatisch.

Dieser “Erfolg” kann sich durchaus sehen lassen: Als Aufsteiger steht der VfL mit 23 Punkten in der Liga ordentlich da und ist erstmals seit sechs Jahren wieder im Viertelfinale des Pokals. Weiter ging es für Bochum nur zweimal: 1968 und 1988, beide Male war dann jeweils im Finale Schluss. Dürfen die Fans in dieser Saison also vielleicht sogar vom großen Wurf träumen?

Große Chance für die letzten Acht

Klar ist: Alle Pokalsieger der letzten 26 Jahre sind ausgeschieden und erstmals seit der Saison 2006/2007 sind weder der FC Bayern noch Borussia Dortmund im Viertelfinale. Die Chance für die verbliebenen Acht scheint in diesem Jahr also so groß zu sein wie lange nicht.

Eintracht Frankfurt schließt das Kapitel Younes

Das Kapitel Amin Younes bei Eintracht Frankfurt wird endgültig geschlossen. Wie die SGE mitteilte, endet die Ausleihe des Mittelfeldspielers vorzeitig.

Abschied aus Frankfurt: Amin Younes.

Abschied aus Frankfurt: Amin Younes.

imago images/Kessler-Sportfotografie

Die Hessen hatten Younes von der SSC Neapel für zwei Jahre ausgeliehen, ursprünglich also bis Sommer 2022, nun aber endet die Ausleihe vorzeitig. Nach Angaben der Eintracht erfolgte eine einvernehmliche Einigung zwischen allen drei Parteien (Younes, Frankfurt, Neapel). In der vergangenen Saison war Younes 26-mal in der Bundesliga (kicker-Notenschnitt: 3,0) und einmal im DFB-Pokal für die SGE zum Einsatz gekommen, doch abseits des Platzes kam es zu einem Zerwürfnis zwischen Klub und Spieler, der mehr Gehalt forderte und stattdessen die Freigabe erhielt.

Sportlich setzte Trainer Oliver Glasner in der laufenden Runde nicht mehr auf den Kreativen, der im Sommer mit Al-Shabab Riad (Saudi-Arabien) in Verbindung gebracht worden war. Ein Wechsel zerschlug sich aber. Jetzt steht er dennoch vor einem Wechsel auf die arabische Halbinsel, nicht aber zu Al-Shabab, vielmehr zieht es ihn zu Al-Ettifaq – eine offizielle Bestätigung des Transfers steht jedoch aus.

“Seit vergangenem Herbst haben alle Beteiligten an einer gemeinsamen Lösung für die Situation gearbeitet – und nun eine Einigung erzielt, die für alle Seiten zufriedenstellend ist: Für den Spieler, Neapel und nicht zuletzt Eintracht Frankfurt”, wird Sportvorstand Markus Krösche in einer Vereinsmitteilung zitiert.

Augsburg sprintet wie kein Zweiter – doch das reicht noch nicht

Spielerisch macht der FC Augsburg Fortschritte, dennoch tritt er im Tabellenkeller auf der Stelle. Während die sportlich Verantwortlichen die Lage noch ruhig analysieren, sieht Rafal Gikiewicz das Ganze etwas kritischer.

Legt den Finger in die Wunde: Rafal Gikiewicz.

Legt den Finger in die Wunde: Rafal Gikiewicz.

imago images/Jan Huebner

Im DFB-Pokal dürfen die Augsburger in dieser Woche nicht mehr ran. Doch in der aktuellen Situation ist dem Zweitrundenaus gegen den VfL Bochum Ende Oktober auch Positives abzugewinnen: die volle Konzentration kann dem Abstiegskampf gelten. Noch wichtiger dürfte aber die körperliche Erholung sein, denn die aktuelle Spielweise des FCA zerrt an den Kräften. “Es war eine unglaublich engagierte Leistung, wir haben sehr viele Kilometer abgespult”, blickte Sportchef Stefan Reuter auf das Remis gegen Frankfurt zurück.

Die Chancen waren da

Markus Weinzierl präzisierte das Ganze. “Die Mannschaft hat heute 284 Sprints absolviert”, lobte der der Trainer. In dieser Statistik konnte kein Bundesligateam am 19. Spieltag dem FCA das Wasser reichen. Bei der von den Verantwortlichen geforderten hohen Intensität hat das Team einen weiteren Schritt nach vorne gemacht, lag der Durchschnittswert in der Hinrunde noch bei 235 Sprints in 90 Minuten. Auch mehrere gute Abschlussgelegenheiten hatte sich die Mannschaft gegen die Adlerträger erspielt – ganz anders als noch in der Vorwoche in Hoffenheim.

Doch die Fortschritte spiegeln sich auch aufgrund der schwachen Chancenverwertung in den Ergebnissen noch nicht so recht wider. Zwar konnte mit dem einen Zähler gegen die Eintracht der Relegationsplatz wieder verlassen werden, perspektivisch muss der FCA solch knappe Spiele im eigenen Stadion aber für sich entscheiden, um dem drohenden ersten Bundesligaabstieg der Vereinsgeschichte zu entgehen. Zumal Florian Niederlechner den Siegtreffer in der Schlussminute am Sonntagnachmittag auf dem Fuß hatte. “Wenn du nicht gewinnen kannst, dann darfst du nicht verlieren”, fasste Weinzierl am Ende zusammen. “Hundertprozentig zufrieden” sei er zwar nicht, als “Rückschritt” wertete er das Ergebnis aber auch nicht.

Damit der Rückschritt nicht am kommenden Samstag beim Auswärtsspiel in Leverkusen (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) folgt, müssen die bayerischen Schwaben die individuellen Fehler in der Hintermannschaft abstellen. Gegen Frankfurt unterlief dieser Niklas Dorsch, der auch ansonsten einen recht gebrauchten Tag erwischte. “Es ist immer gefährlich, wenn du phasenweise zu offen bist und in der Restverteidigung nicht gut genug stehst”, erwähnte Reuter ein weiteres Problem beim jüngsten Auftritt. Gegen die Offensivstarke Werkself dürfte es darauf umso mehr ankommen.

Gikiewicz: “Was wir spielen, ist wie im Kindergarten”

Während Trainer und Sportchef die Lage noch nicht als kritisch betrachten, scheint die Stimmung bei Rafal Gikiewicz schon etwas angespannter zu sein. “Was wir im Jahr 2022 spielen, ist wie im Kindergarten. Wir bekommen vier Tore in diesem Jahr, die wir alle fast selbst reinschießen. Wir haben 19 Punkte, das ist viel zu wenig. Es werden immer weniger Spiele, der Druck wird aber immer größer. Jetzt ist ein guter Moment, um Punkte zu holen. Wir haben genug Qualität. Zuhause muss es unser Ziel sein, drei Punkte zu holen. Ich habe keinen Bock, bis zum letzten Spieltag im Abstiegskampf zu stecken”, redete sich der Torhüter bei der ARD den Frust von der Seele.

Moritz Kreilinger

Muani kommende Woche zum Medizincheck in Frankfurt

Bereits seit mehreren Jahren befindet sich Stürmer Randal Kolo Muani (FC Nantes) auf dem Radar der Eintracht, nun steht seine Verpflichtung zur neuen Saison offenbar kurz bevor. Der 23-Jährige soll kommende Woche in Frankfurt den Medizincheck absolvieren und einen ab dem 1. Juli 2022 gültigen Vertrag unterzeichnen.

Auf dem Frankfurter Radar: Randal Kolo Muani.

Auf dem Frankfurter Radar: Randal Kolo Muani.

imago images/Just Pictures

Sollte nichts Unvorhergesehenes mehr dazwischenkommen, dürfen sich die Eintracht-Fans auf einen hochveranlagten Mittelstürmer freuen. Worüber “Bild” am Dienstag zuerst berichtete, ist nach kicker-Informationen korrekt: Muani soll bereits in der kommenden Woche den Medizincheck am Main absolvieren. Da sein Vertrag in Nantes am Saisonende ausläuft, käme der französische Olympia-Teilnehmer und frühere U-21-Nationalspieler ablösefrei.

Mit seinen 1,87 Metern Körpergröße verfügt Muani über die in dieser Saison im Angriff vermisste physische Wucht. Aufgrund seiner Schnelligkeit und seinen Fähigkeiten im Dribbling, ist er nur schwer zu stoppen, wenn er erstmal ins Laufen kommt. Aktuell steht er bei sieben Saisontoren und drei Assists, vergangene Spielzeit traf er neunmal (neun Vorlagen).

Zahlt sich hartnäckiges Werben aus?

Es gehört nicht viel Fantasie dazu, um sich auszumalen, dass Muani mit Rafael Borré ein überdurchschnittlich starkes Sturmduo abgeben könnte. Bereits der Kolumbianer kam nach seinem Vertragsende bei River Plate ablösefrei, sollte nun auch noch Muani ohne Ablöse an den Main wechseln, wäre das ein echter Coup und die Belohnung für das hartnäckige Werben um den Franzosen.

Die Eintracht hätte Muani gerne schon im vergangenen Sommer verpflichtet, allerdings waren die Ablöseforderungen des französischen Erstligisten waren zu hoch. Julian Franzke

Julian Franzke

Waldschmidt und der Abstiegskampf: “Ich weiß, wie sich das anfühlt”

Luca Waldschmidt sollte einer der Wolfsburger Top-Transfers dieser Saison sein. Bislang aber läuft der siebenmalige Nationalspieler wie sein Klub den Erwartungen hinterher. Das will er ändern.

Tat sich beim VfL bislang schwer: Luca Waldschmidt.

Tat sich beim VfL bislang schwer: Luca Waldschmidt.

imago images/Christian Schroedter

Er hatte die Chance, die Sieglos-Serie des VfL Wolfsburg zu beenden. Luca Waldschmidt vergab gegen Hertha BSC (0:0) die größte Möglichkeit, setzte den Ball freistehend über das Tor. “Ich hatte ein, zwei Chancen, die ich machen muss”, räumt der Offensivmann ein. Doch für ihn gilt wie für seine Mannschaft: Es läuft (noch) nicht in dieser Saison.

Mit großen Erwartungen und für zwölf Millionen Euro war der 25-Jährige im Sommer von Benfica Lissabon zum VfL gewechselt, die Perspektive Champions League lockte. Die Realität aber heißt Abstiegskampf. “Ich weiß”, sagt er, “wie sich das anfühlt.” Waldschmidt denkt zurück an seine Zeit beim HSV, den er 2017 mit seinem ersten Bundesligator vor der Relegation bewahrte – und den VfL hineinbeförderte. Ein Jahr später stieg der Angreifer dann mit den Hanseaten in die 2. Liga ab.

“Die nächste Chance, die kommt, mache ich rein”

Zeiten und Tabellenregionen, die Waldschmidt eigentlich hinter sich gelassen hat. Mittlerweile hat er sieben Länderspiele (zwei Treffer) absolviert, war 2020 für 15 Millionen Euro vom SC Freiburg nach Lissabon gewechselt. In Wolfsburg feierte er sein Königsklassendebüt – und steckt nun wieder mittendrin im Überlebenskampf der Bundesliga. “Generell ist es nicht mein Ziel, gegen den Abstieg zu spielen”, betont er, stellt sich aber der Realität und beteuert: “Wir wissen, dass es nicht mehr so viele Punkte nach unten sind. Wir wissen, worum es geht.” Um den Klassenerhalt statt Europa. “Darüber”, sagt er, “brauchen wir nicht zu reden.”

Der VfL, seit Anfang November sieglos, muss wieder das Gewinnen lernen. Und das Toreschießen. In fünf der vergangenen sechs Spiele ging die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt leer aus. Waldschmidt, dem erst ein Saisontreffer gelang, würde nichts lieber tun, als den eigenen Negativlauf wie auch den der Mannschaft zu beenden. Positive Gedanken sollen im besten Fall am Sonntag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) dabei helfen. “Die nächste Chance, die kommt”, sagt er, der in dieser Saison unverändert eine zweistellige Toranzahl anpeilt, “mache ich rein.” Wenn es nur alles so einfach wäre …

Thomas Hiete

Silas und Faghir sind zurück: VfB auf dem Weg zur Vollbeschäftigung

Schritt für Schritt hangelt sich der VfB Stuttgart Richtung Vollbeschäftigung: Silas und Wahid Faghir sind nach ihren Corona-Infektionen wieder im Training, bei Borna Sosa (zuletzt muskuläre Probleme) hofft man bis zum Duell mit dem SC Freiburg auf das Beste.

Auf dem Weg zurück: Silas (Mi.).

Auf dem Weg zurück: Silas (Mi.).

imago images/Pressefoto Baumann

Erst am Vormittag eine Einheit ohne Ball und mit dem Fokus auf athletischen Schwerpunkten. Dann das erste Mannschaftstraining in der Vorbereitung auf das Baden-Württemberg-Duell mit dem Rivalen aus dem Breisgau. Dabei durfte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo wieder seine beiden Angreifer Silas und Wahid Faghir im Mannschaftskreis begrüßen, die zuletzt noch wegen ihrer Corona-Infektionen Rückstand und dosiert trainiert hatten und gegen Leipzig entsprechend nicht einsatzbereit waren.

Damit stehen mit dem lange von Hüftproblemen geplagten Erik Thommy,  Mo Sankoh, der wegen seiner schweren Knieverletzung erst in der nächsten Saison zurückerwartet wird, und Afrika-Cup-Teilnehmer Omar Marmoush aktuell drei Ausfälle zu Buche.

Hoffnung bei Sosa

Bei Silas und Faghir wird damit gerechnet, dass sie bis Samstag wieder soweit hergestellt sein können, um ernsthafte Optionen für das kommende Wochenende zu sein, Silas vielleicht sogar für die Startformation, in der man auch auf eine Rückkehr von Borna Sosa hofft. Den kroatischen Nationalspieler plagten zuletzt muskuläre Probleme, die einen Einsatz gegen Leipzig nicht zuließen.

Sollte es Sosa nicht rechtzeitig schaffen, wäre wieder Nikolas Nartey die erste Option. Der Defensivmann vertrat den Kroaten mehr als passabel. “Nico hat seine linke Seite super bearbeitet”, lobt Matarazzo, der dessen Laufintensität und Defensivverhalten hervorhebt. ” Es hat wenig gebrannt auf seiner Seite.”

Dass der 21-jährige Däne nach vorne nicht die Gefahr ausstrahlte wie sein Kollege Sosa, sei wenig überraschend. Trotzdem attestiert Cheftrainer Nartey ein stetes Bemühen. “Er hatte auch Offensivaktionen, hat Tiefe gesucht. Insgesamt hat er seinen Job ordentlich gemacht.” 

George Moissidis

Tedesco vor seiner Fan-Premiere: “Der Pokal ist ultra-wichtig”

Es dürfen zwar nur 1000 Zuschauer in die Red-Bull-Arena, doch auch diese vergleichsweise dürftige Kulisse im Pokal-Achtelfinale zwischen RB Leipzig und Hansa Rostock bildet für Domenico Tedesco einen ganz besonderen Rahmen.

Darf am Mittwoch vor Fans coachen: Domenico Tedesco.

Darf am Mittwoch vor Fans coachen: Domenico Tedesco.

imago images/Langer

Nach den jeweils mit einem 4:1 siegreichen Geisterspielen gegen Mönchengladbach und Mainz werden seinem dritten Heim-Auftritt als RB-Trainer erstmals heimische Anhänger beiwohnen. “Zum ersten Mal werde ich Fans im Stadion begegnen, darauf freue ich mich. Das tut schon gut und ist immerhin ein Anfang”, sagte der Coach bei der Pressekonferenz am Dienstag.

Gegen den abstiegsgefährdeten Zweitligisten sind die Leipziger klarer Favorit, und Tedesco machte deutlich, welch großen Stellenwert der Wettbewerb für ihn hat. “Der Pokal-Wettbewerb ist für mich persönlich ultra-wichtig. Wir möchten unbedingt ins Viertelfinale kommen, entsprechend bereiten wir uns physisch und mental vor.” Auch deshalb wird Tedesco allenfalls sehr sparsam rotieren: “Grundsätzlich wollen wir ganz klare Signale an jeden einzelnen Spieler senden, dass uns der Wettbewerb wichtig ist.”

Keine Experimente: Gulacsi steht im Tor

So wird auch Kapitän und Stammkeeper Peter Gulacsi zwischen den Pfosten stehen und nicht seinem Ersatzmann Josip Martinez Platz machen. Der Spanier durfte unter Tedesco-Vorgänger Jesse Marsch im Zweitrunden-Spiel beim Regionalligisten Babelsberg 03 (1:0) das Leipziger Tor hüten.

Für die in der Meisterschaft weit abgeschlagenen Sachsen ist der Pokal der schnellste Weg, den ersehnten ersten Titel der Vereins-Geschichte zu gewinnen. Zweimal bereits erreichten sie das Endspiel in Berlin: 2019 war der FC Bayern als 3:0-Sieger eine Nummer zu groß, vor acht Monaten endete Julian Nagelsmanns RB-Abschiedsspiel mit einer 1:4-Packung.

Szoboszlai könnte in Wolfsburg zum Thema werden

“Wir bereiten uns auf Hansa vor, als wenn es ein Bundesligaspiel wäre”, drückte Tedesco seine Wertschätzung für die zuletzt in sechs Liga-Spielen sieglosen Rostocker aus: “Sie machen einige Sachen richtig gut.” Dazu zählt Tedesco die Standardsituationen, vor allem Eckbälle und weite Einwürfe in den Strafraum.

Ersetzen muss Tedesco neben den Langzeit-Verletzten Marcel Halstenberg und Emil Forsberg sowie den Afrika-Cup-Teilnehmern Amadou Haidara und Ilaix Moriba auch Dominik Szoboszlai. Der ungarische Mittelfeldspieler hatte sich am Samstag beim Warmmachen vor dem Punktspiel in Stuttgart eine laut Tedesco “leichte Zerrung” im Oberschenkel zugezogen. “Wir sind froh, dass er Glück im Unglück hatte”, so der Coach. Bei optimalem Heilungsverlauf könnte Szoboszlai nach Einschätzung seines Trainers bereits am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg “wieder ein Thema sein”.

Oliver Hartmann

Vor dem Pokalderby: Fischer lobt Hertha und sieht Verbesserungsbedarf bei Union

Verkehrte Welt in Berlin: Vor dem Achtelfinal-Duell im DFB-Pokal äußert sich Union-Coach Urs Fischer lobend über die Leistungen des wankenden Stadtrivalen Hertha BSC. Seine eigene Mannschaft hingegen, die in der Liga auf dem fünften Platz liegt, müsse sich steigern, um im Pokal eine Chance zu haben.

Trifft am Mittwochabend im Derby auf Hertha BSC: Unions Trainer Urs Fischer.

Trifft am Mittwochabend im Derby auf Hertha BSC: Unions Trainer Urs Fischer.

imago images/Matthias Koch

Fischer zeigte sich sehr angetan von der Mannschaft. Das Team sei “gut unterwegs”, mache einen “stabilen Eindruck” und stehe “wirklich kompakt”, erklärte der Trainer des Bundesliga-Fünften und lobte des Weiteren: “Die drei Ketten arbeiten gut zusammen, sie stehen eng, machen wirklich Druck.”

Der Haken an der Sache: Bei der Eloge ging es nicht um seine Mannschaft, die sich in der Bundesliga um eine erneute Qualifikation für den Europapokal bewirbt, die aus den vergangenen vier Spielen acht Punkte holte und sich zuletzt gegen die beiden besser platzierten Gegner aus Hoffenheim (2:1) und Leverkusen (2:2) behauptete. Nein, vor dem Pokalderby bei Hertha BSC (Mittwoch, 20.45 Uhr, LIVE! bei kicker.de) lobte Fischer den wankenden Stadtrivalen, der sich in der Liga im Abstiegskampf befindet und seit Ende November auf Tayfun Korkut als Nachfolger von Coach Pal Dardai setzt.

Ich empfinde die Mannschaft aktiver, gerade im Spiel mit Ball. Sie haben eine Spieleröffnung, trauen sich zu, in den Druck zu spielen, versuchen, das spielerisch zu lösen.

Urs Fischer über die Spielweise der Hertha

“Sie setzen die Ideen des neuen Trainers schon um. Ich empfinde die Mannschaft aktiver, gerade im Spiel mit Ball. Sie haben eine Spieleröffnung, trauen sich zu, in den Druck zu spielen, versuchen, das spielerisch zu lösen, haben aber auch die Mischung, immer wieder mal von hinten auf die gegnerische Abwehrkette zu spielen, um mit einem zweiten Ball in die Tiefe zu kommen”, so Fischer.

“Das muss besser funktionieren, wenn du eine Chance haben willst”

Seiner Mannschaft beschied der Schweizer hingegen, dass es “Dinge zu verbessern” gebe, wie die ersten beiden Spiele des Jahres in Leverkusen und gegen Hoffenheim in der Tat gezeigt hatten. “Nach dem letzten Spiel haben wir über Kompaktheit und Organisation gesprochen. Die Abstände zwischen den Ketten waren zum Teil zu groß. Das muss besser funktionieren, wenn du eine Chance haben willst”, betonte der 55-Jährige, der seine Äußerungen vor dem Pokalderby aber nicht als taktisches Manöver verstanden wissen wollte. “Ich habe uns nicht kleiner gemacht. Ich mache die Hertha nicht größer, als sie ist. Ich sage es so, wie ich es sehe”, erklärte Fischer.

Die Tabellensituation beider Teams in der Bundesliga, die allerdings ein ganz anderes Bild zeichnet, soll keine Rolle für das Pokalduell am Mittwoch im Olympiastadion spielen. Um sich im Achtelfinale beim Stadtrivalen durchzusetzen, brauche seine Mannschaft “eine tolle Leistung” und müsse “mehr richtig als falsch machen”, sagte der Union-Coach. Personell kann Fischer dabei nahezu aus dem Vollen schöpfen. Abgesehen von Top-Torjäger Taiwo Awoniyi (Afrika-Cup) fehlen derzeit nur die Ergänzungsspieler Rick van Drongelen und Pawel Wszolek (beide COVID-19) sowie Youngster Laurenz Dehl (Aufbautraining nach Verletzung). Dass Wszolek nicht zur Verfügung steht, überrascht indes.

Zuletzt hatte Union mitgeteilt, dass der Außenbahnspieler, der an Weihnachten in seiner polnischen Heimat positiv auf das Coronavirus getestet worden sein soll, in der ersten Januarwoche die Quarantäne verlassen habe und zurück in Berlin sei. Auf der Pressekonferenz vor dem Pokalderby berichtete Unions Pressesprecher Christian Arbeit am Mittwoch aber von einer “nach wie vor schwankenden Befundlage” bei Wszolek. Deshalb stehe der 29-Jährige, der seit seinem ablösefreien Wechsel von Legia Warschau nach Köpenick im vergangenen Sommer nur einmal im Pokal zum Einsatz gekommen ist, nicht zur Verfügung. Der Spieler sei aber in Berlin.

“Nicht überrascht” zeigte sich Union derweil von der Meldung am Mittwoch, dass ein möglicher Beginn des geplanten Ausbaus des Stadions An der Alten Försterei im kommenden Sommer ausgeschlossen sei. “Alle Beteiligten arbeiten fleißig, konzentriert und fokussiert weiter. Und dann werden wir irgendwann Baurecht haben”, sagte Pressesprecher Christian Arbeit dazu.

Baurecht der Stadionerweiterung “in 2022” – Ausbau “Generationenprojekt”

Der Berliner Senat hatte der “Märkischen Allgemeinen” mitgeteilt, dass “in Anbetracht der noch erforderlichen Verfahrensschritte bis zum Baurecht” der Sommer 2022 als Baubeginn “nicht einzuhalten” sei. Der 1. FC Union, der die Erweiterung der Alten Försterei von 22.012 auf etwa 37.000 Plätze bereits seit fünf Jahren beabsichtigt, hatte allerdings im Rahmen der digitalen Mitgliederversammlung im Dezember erklärt, dass man das Baurecht „in 2022″ anstrebe, also nicht zwangsläufig im Sommer dieses Jahres. “Die Dinge entwickeln sich, auch wenn sie sich mühsam und langsam entwickeln”, hatte Präsident Dirk Zingler damals gesagt.

Zudem hatte der Vereinschef wiederholt, dass Baurecht nicht automatisch bedeute, dass man den Stadionausbau, bei dem das größte Problem die Verkehrsinfrastruktur rund um die Arena ist, dann auch sofort angehe. “Baurecht heißt, dass wir das Recht haben, zu bauen. Ob wir dann anfangen zu bauen, entscheidet sich aus vielerlei unterschiedlichen Beweggründen. Das werden wir entscheiden, wenn wir das Baurecht haben”, so Zingler vor sechseinhalb Wochen. Und weiter: “Wenn das Ziel (Baurecht in 2022, d. Red.) aus irgendwelchen Gründen verfehlt wird, bricht für uns keine Welt zusammen. Für uns ist es ein Generationenprojekt. Wir werden Millionen investieren, wir werden die Alte Försterei in ein international zugelassenes Stadion erweitern. Das ist nichts für ein oder zwei Jahre, sondern für unsere nächste Generation.”

Jan Reinold

Hradecky und die Haltungsfrage

Der Sieg in Gladbach hat bei Lukas Hradecky die Hoffnung geweckt, dass Bayer die Schwankungen in Zukunft kleiner halten kann. Hat der Leverkusener Keeper bei seinen Kollegen doch einen wichtigen Entwicklungsschritt festgestellt.

Leverkusens Torhüter Lukas Hradecky erwartet eine Positivserie.

Leverkusens Torhüter Lukas Hradecky erwartet eine Positivserie.

imago images/Chai v.d. Laage

Diese Partie soll den Wendepunkt darstellen. Nach fünf Pflichtspielen ohne Erfolgserlebnis hat Bayer 04 in Gladbach 2:1 gewonnen. “Das war ein kleiner Befreiungsschlag”, ordnet Lukas Hradecky ein, “manche Siege sind mehr wert als drei Punkte.”

Hradecky: “Das war psychologisch wichtig”

Vier sieglose Spiele in der Bundesliga hätten “Spuren in der Mannschaft hinterlassen. Nach einem 2:0 nicht wieder einen Sieg herzugeben, war psychologisch schon wichtig”, erklärt der Kapitän seine Erleichterung.

Für diese haben er und seine Mitspieler alles investiert. Und diese Bereitschaft der kompletten Mannschaft, sich nicht zum vierten Mal in dieser Saison eine 2:0-Führung aus den Händen nehmen zu lassen, stimmt den Finnen zuversichtlich.

“Das kannst du nicht trainieren, das musst du dir in den Spielen verdienen”, betont der Nationalspieler, “ich kann den Stürmern tausend Mal verzeihen, wenn sie eine Konterchance vergeben, aber entscheidend war, wie die Jungs auch nach hinten gelaufen sind”, betont Hradecky.

“Das war das Signal, warum wir gewonnen haben”

Der Keeper sagt dies vor allem mit Blick auf die Angreifer Patrik Schick (“Er hat ein paar Mal gegrätscht”), Moussa Diaby und Karim Bellarabi (“Er hat super verteidigt”), die sich allesamt für die Drecksarbeit nicht zu schade waren. “Das ist eine Haltungsfrage. Das war das Signal, warum wir gewonnen haben”, so Hradecky.

Dass Bayer noch die absolute Stabilität fehlt, gesteht der Torhüter ebenso zu, wie er einen Ansatz zu einer positiven Entwicklung im Team erkennt, das in Gladbach die zweite Durstrecke in dieser Saison beendete. “Bis auf Bayern und Dortmund hat wohl jede Mannschaft diese Wackler gehabt”, konstatiert er und bringt eine Erklärung, die ihn trotz ihrer Richtigkeit nicht wirklich gefällt: “Ich kann es selbst nicht mehr hören, dass wir eine junge Mannschaft haben. Aber diese wackeligen Phasen gibt es, wenn man nicht so reif, psychologisch nicht so stark ist wie die Bayern – das ist schon ein anderes Niveau.”

Hradecky erwartet Positivserie

So extrem sollen die Talsohlen künftig nicht mehr ausfallen. “Dass wir nicht weggebrochen sind, ist schon ein Zeichen von Stärke, die hoffentlich, wenn wieder so eine Phase kommen sollte, diese kürzer hält. Dass wir so einen Sieg geholt haben, war schon ein Schritt in die richtige Richtung”, glaubt der 32-Jährige, der nun eine Positivserie erwartet.

Diese soll am Samstag gegen Augsburg entstehen. “Ich habe ein gutes Gefühl. Wir können es uns nicht mehr leisten, egal gegen wen wir spielen”, weiß Hradecky, der seine Zuversicht aus dem veränderten Defensivverhalten zieht. “Wie wir verteidigt haben, hat mir Hoffnungen gegeben, dass es langsam mal Richtung Weiße Weste geht”, sagt Leverkusens Nummer 1 , die bislang nur vier Mal in dieser Bundesligasaison in den Genuss gegentorfreier 90 Minuten kam.

KMD #116 - René Adler

17. Januar 202201:51:15 Stunden

KMD #116 – René Adler

In dieser Woche erwartet euch eine echte Premium-Folge ähnlich vollgepackt wie das Tore-Konto von Robert Lewandowski! Die KMD-Crew begrüßt Ex-Nationaltorhüter René Adler, um mit ihm über sein kurioses Bundesliga-Debüt, die bittere WM-Absage 2010 und die neue App zu sprechen, mit der er den Transfermarkt auf links drehen will. Außerdem wälzen sich Alex und Benni durch das Bundesliga-Wochenende, seltsame Schiedsrichter-Entscheidungen und (zusammen mit kicker-Reporter Thomas Hiete) die Großbaustelle VfL Wolfsburg!

KMD #115 – Willi Orban

10.01.2022

KMD #114 – Chinedu Ede

20.12.2021

KMD #113

16.12.2021

KMD #112 – Sascha Thielert

13.12.2021

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Kein guter Wert – nicht nur für einen Spitzenklub. Zum Vergleich: Neben Bayern Münchens Manuel Neuer durfte auch der Mainzer Robin Zentner schon sieben Mal ein Zu-null erleben. Obwohl Hradecky mit der viertbesten Paradenquote in der Liga von 71,0 Prozent sogar knapp vor Neuer (70,9) und Zentner (68,7) rangiert.

An den ersten sieben Spieltagen stand bei Bayer noch insgesamt dreimal die Null, danach nur noch am 12. Spieltag Mitte November beim 1:0 gegen den VfL Bochum. Es wird also Zeit für Bayer und Hradecky, der sagt: “Ich hätte nichts dagegen, wenn es gegen Augsburg so käme.” Was auch entscheidend an der Bereitschaft aller seiner Vorderleute hängen dürfte.

Stephan von Nocks

“Viel erlebt”: Jorge Meré verlässt Köln gen Mexiko City

Jorge Meré wird nicht mehr für den 1. FC Köln auflaufen. Um wieder eine tragendere Rolle einzunehmen, verabschiedet sich der 24-Jährige nach Mexiko, während es Noah Katterbach übergangsweise nach Basel verschlägt. 

Trägt von nun an nicht mehr das Kölner Trikot: Jorge Meré.

Trägt von nun an nicht mehr das Kölner Trikot: Jorge Meré.

Getty Images

2018 hat er den Kölner Abstieg in die Zweitklassigkeit mitgemacht, er hat dazu beigetragen, dass der FC schon nach einem Jahr wieder in die Bundesliga zurückkehrte – und er hat beinahe hundert Pflichtspiele für die Geißböcke bestritten: Nach viereinhalb ereignisreichen Jahren verlässt Jorge Meré den 1. FC Köln.

“Wir haben nicht das erste Mal über einen Wechsel mit ihm gesprochen”, sagte Sportchef Jörg Jakobs und nannte Merés Schritt nach Mexiko “nachvollziehbar” – schließlich komme er nicht mehr in dem Maße zum Zug, in dem er gerne zum Zug kommen würde.

In dieser Bundesliga-Saison war Meré nur achtmal mit von der Partie – eine Zahl, die den Vorstellungen des Verteidigers entgegensteht. “Mein Anspruch ist es, immer zu spielen, deshalb habe ich mich jetzt für eine neue Herausforderung entschieden”, sagte der 24-Jährige.

In all den Jahren habe er “viel erlebt” und sich “immer sehr wohl gefühlt” – doch jetzt sei es Zeit für eine neue Aufgabe. Diese führt Jorge Meré nach Mexiko City, während Noah Katterbach per Leihe nach Basel wechselt. 

Katterbach sucht Spielpraxis in der Schweiz

Das Kölner Eigengewächs hat es an den ersten 19 Bundesliga-Spieltagen nur auf 15 Einsatzminuten gebracht und soll deshalb in der Schweiz Spielpraxis sammeln, um, wie Jakobs sagte, “seinen vielversprechenden Weg im Profifußball fortzusetzen”.