Nemeth und das Prinzip Hoffnung

St. Paulis Abwehrspieler David Nemeth fehlt den Kiez-Kickern bereits seit sieben Wochen, eine Prognose zu seiner Rückkehr ist schwer.

St. Paulis Verteidiger David Nemeth plagt sich mit einer Schambeinentzündung.

St. Paulis Verteidiger David Nemeth plagt sich mit einer Schambeinentzündung.

IMAGO/Philipp Szyza

Wie geht der FC St. Pauli mit der langwierigen Verletzung von David Nemeth um? Der Österreicher wurde mit viel Vorschusslorbeer im Sommer vom 1. FSV Mainz 05 für die Innenverteidigung verpflichtet, sollte eine ähnliche Rolle wie Jakov Medic (24) im Vorjahr einnehmen. Seit den letzten Wochen der Hinserie sind jedoch beide verletzt, und insbesondere die Rückkehr von Nemeth ist ungewiss.

Bei dieser Verletzung ist es extrem schwer, eine Prognose zu stellen.

Sportchef Andreas Bornemann

Bereits seit sieben Wochen fehlt der 21-Jährige den Hanseaten mit einer Schambeinentzündung, und Sportchef Andreas Bornemann weiß: “Bei dieser Verletzung ist es extrem schwer, eine Prognose zu stellen.”

Während Medic nach Schulter-Operation im Januar wieder das Training aufnehmen und möglichst beim Rückrundenstart am 29. Januar 2023 beim 1. FC Nürnberg mitwirken soll, regiert bei Nemeth lediglich das Prinzip Hoffnung, dass er das Aufbautraining zu Jahresbeginn aufnehmen kann. Erfüllt sich diese Hoffnung nicht, würde Bornemann wohl in der Winterpause personell nachrüsten für das Abwehrzentrum. “Das hätte natürlich Auswirkungen auf unsere Planungen und Überlegungen”, so der Sportchef.

Trainingslager in Benidorm

Trainingsauftakt des FC St. Pauli in der WM-Pause ist am 9. Dezember. Vom 2. bis 9. Januar 2023 beziehen die Hamburger, die derzeit auf Tabellenplatz 15 rangieren, ein Trainingslager im spanischen Benidorm. 

KSC sanktioniert Ultras – diese entschuldigen sich

Nach den schwerwiegenden Pyro-Vorkommnissen beim Spiel gegen den FC St. Pauli greift der Karlsruher SC nun durch und sanktioniert die organisierte Fanszene.

Die Fans des Karlsruher SC stehen unter Bewährung.

Die Fans des Karlsruher SC stehen unter Bewährung.

IMAGO/Eibner

Rund um das spektakuläre 4:4-Unentschieden gegen die Kiez-Kicker kam es zu enormen Pyro-Vorkommnissen im Wildpark. Der KSC stellte anschließend Strafanzeige.

Nach dem Abbrennen von Pyrotechnik und einer davon ausgehenden starken Rauchentwicklung vermeldeten die Badener zehn verletzte Personen, die ambulant behandelt werden mussten. “Neun Personen erlitten eine Rauchgasintoxikation, eine Person erlitt Verbrennungen”, hieß es auf der Website des KSC.

Nun teilten die Badener mit, dass es einen Austausch des Klubs mit der organisierten Fanszene gab. Beteiligt waren Vertreter von ULTRA1894, des Fanprojekts sowie des KSC. 

Ultras geloben Besserung

“ULTRA1894 entschuldigt sich aufrichtig bei allen Betroffenen und Verletzten und hat dem KSC glaubhaft versichert, dass dieses Ausmaß und die daraus resultierenden Auswirkungen nicht geplant waren”, teilte der Klub mit.

ULTRA1894 möchte Kontakt mit den Verletzten aufnehmen, um sich auch nochmals persönlich zu entschuldigen.

Zudem hätte der KSC “die Zusicherung von ULTRA1894 erhalten, dass sich derartige Aktionen, in einem vergleichbaren Ausmaß, nicht wiederholen werden”.

Es droht die Sperrung des Block S3

Der Karlsruher SC hat ungeachtet dieser Zusage gegenüber ULTRA1894 eine Bewährung bis zum 30. Juni 2023 ausgesprochen. “Sollte es bis Saisonende bei den Heim- und Auswärtsspielen des KSC zu einem Fehlverhalten im Stadion kommen, das durch die organisierte Fanszene zu verantworten ist, wird als Sanktion der Block S3 für die Dauer von drei Heimspielen gesperrt”, heißt es seitens des Klubs. “Darüber hinaus untersagt der KSC bis auf Weiteres großflächige Choreografien von ULTRA1894.”

Erste Bewährungschance gegen Paderborn

Der Karlsruher SC, derzeit Tabellen-13., startet nach der WM-Pause am Freitag, 27. Januar, mit einem Heimspiel gegen den SC Paderborn in die Rückrunde. Erste Bewährungschance für die Fans. 

Der Winterfahrplan der Zweitligisten

Bedingt durch die WM legt die 2. Liga mit der Rückrunde erst Ende Januar wieder los. So sind die Pläne der 18 Zweitligisten.

Ein Trainingslager in wärmeren Gefilden haben 15 der 18 Zweitligisten geplant.

Ein Trainingslager in wärmeren Gefilden haben 15 der 18 Zweitligisten geplant.

IMAGO/Zink

SV Darmstadt 98

Urlaub: 15.11. bis 4.12. und 19.12. bis 2.1. 
Trainingsauftakt: 5.12. und 3.1.
Trainingslager: 5.1. bis 15.1. in El Saler (Spanien)
Testspiele: 10.12. gegen SV Morlautern (13 Uhr), 17.12. gegen Young Boys Bern (18 Uhr), 21.1. gegen FC Wil (13 Uhr)

Hamburger SV

Urlaub: 21.11. bis 1.1. 
Trainingsauftakt: 2.1.
Trainingslager: in Planung
Testspiele: 18.11. bei Ventura County
Besonderes:
USA-Reise vom 13.11. bis 22.11.

1. FC Heidenheim

Urlaub: 16.11. bis 9.12. und 23.12. bis 1.1. 
Trainingsauftakt: 10.12. und 2.1. 
Trainingslager: 12.1. bis 22.1. in Algorfa (Spanien) 
Testspiele: 16.12. beim FC Augsburg (14 Uhr), 17.12. gegen Waldhof Mannheim (14 Uhr), 21.12. gegen FC Ingolstadt (14 Uhr)

1. FC Kaiserslautern

Urlaub: ab 12.11. 
Trainingsauftakt: 11.12., zuvor ab 5.12.: Leistungstests und individuelles Training 
Trainingslager: 3.1. bis 11.1. in Belek (Türkei) 
Testspiele: 16.12. gegen SV Wehen Wiesbaden (13.30 Uhr), Testspiele im Trainingslager noch offen

Hannover 96

Urlaub: 12.11. bis 27.11. und 10.12. bis 1.1. 
Trainingsauftakt: 28.11. und 2.1. 
Trainingslager: 7.1. bis 15.1. in Belek (Türkei) 
Testspiele: 2.12. gegen Hertha BSC und 9.12. beim SC Paderborn

SC Paderborn 07

Urlaub: 14.11. bis 4.12. sowie über Weihnachten und den Jahreswechsel 
Trainingsauftakt: 5.12. 
Trainingslager: 9.1. bis 18.1. in Alicante (Spanien) 
Testspiele: 9.12. gegen Hannover 96, 10.12. gegen VfL Osnabrück, 16.12. gegen VfL Bochum, 17.12. bei Rot-Weiss Essen, 7.1. gegen MSV Duisburg, 21.1. gegen Bielefeld, zwei weitere geplant

Fortuna Düsseldorf

Urlaub: 4.12. bis 1.1. 
Trainingsauftakt: 2.1. 
Trainingslager: 8.1. bis 15.1. in Marbella (Spanien) 
Testspiele: 19. 11., 15 Uhr: Teilnahme am “xotto-Cup” in Lohne (jeweils 45-minütiges Spiel gegen Arminia Bielefeld und Werder Bremen), 30.11. (16 Uhr, Paul-Janes-Stadion, Gegner noch offen), 6.1. gegen SV Meppen (14 Uhr, Paul-Janes-Stadion), 20.1. Testspiel in Planung, weitere im Trainingslager geplant

Holstein Kiel

Urlaub: 14.11. bis 15.12. und 23.12. bis 1.1.
Trainingsauftakt: 16.12. und 2.1.
Trainingslager: 8.1. bis 15.1. in Oliva Nova (Spanien)
Testspiele: zwei im Trainingslager und eines danach in Deutschland geplant

Hansa Rostock

Urlaub: 14.11. bis 4.12. und 23.12. bis 1.1.
Trainingsauftakt: 5.12. und 2.1.
Trainingslager: 5.1. bis 15.1. in Belek (Türkei)
Testspiele: noch keine Angaben

SpVgg Greuther Fürth

Urlaub: 17.11. bis 3.12. und 22.12. bis 1.1.
Trainingsauftakt: 4.12. (10.30 Uhr) und 2.1.
Trainingslager: 4.1. bis 12.1 in Belek (Türkei)
Testspiele: 9.12. gegen ATSV Erlangen, 15.12. beim FC Ingolstadt, 20.12. bei TSG Hoffenheim, weitere im Januar geplant

1. FC Nürnberg

Urlaub: 20.11. bis 11.12. und 23.12. bis 1.1.
Trainingsauftakt: 12.12 und 2.1.
Trainingslager: 8.1 bis 15.1 in Belek (Türkei)
Testspiele: 7.1. gegen Aue, 21.1. bei Sparta Prag, weitere im Trainingslager geplant
Besonderes: Leistungsdiagnostik bis 18.11.

Jahn Regensburg

Urlaub: 13.11. bis 4.12. und kurz vor Weihnachten bis 2.1.
Trainingsauftakt: 5.12. und 3.1.
Trainingslager: noch offen
Testspiele: 16.12. gegen SV Ried, weitere geplant

Karlsruher SC

Urlaub: 13.11. bis 4.12.
Trainingsauftakt: 5.12.
Trainingslager: 13.1. bis 22.1. in Estepona (Spanien)
Testspiele: 9.12. bei Viktoria Köln (13 Uhr), 10.12. beim VfL Bochum (13 Uhr), 16.12. beim SC Freiburg (13.30 Uhr, 4-mal 30 Minuten)

Eintracht Braunschweig

Urlaub: 14.11. bis 27.11. und 15.12. bis 3.1.
Trainingsauftakt: 28.11. und 4.1.
Trainingslager: 15.1. bis 22.1 in Spanien (Ort noch offen)
Testspiele: 29.11 und 1.12. (Gegner, Ort noch offen), 7.12. bei Hertha BSC (13 Uhr), 13.12. gegen SC Verl (12 Uhr), 8.1. gegen Halleschen FC

FC St. Pauli

Urlaub: 19.11. bis 8.12.
Trainingsauftakt: 9.12.
Trainingslager: 2.1. bis 9.1. in Benidorm (Spanien)
Testspiele: 4.1. gegen Werder Bremen, weitere geplant

Arminia Bielefeld

Urlaub: 5.12. bis 2.1.
Trainingsauftakt: 3.1.
Trainingslager: 12.1. bis 19.1. in Benidorm (Spanien)
Testspiele: 19.11. Blitzturnier in Lohne gegen Werder Bremen (14 Uhr) und Fortuna Düsseldorf (15 Uhr), 7.1. gegen SC Verl (Ort offen), 11.1. bei Borussia Mönchengladbach, 21.1. beim SC Paderborn, zwei weitere im Trainingslager geplant

1. FC Magdeburg

Urlaub: 14.11. bis 11.12. und 24.12. bis 1.1.
Trainingsauftakt: 13.12. (11 Uhr) (12.12.: Leistungsdiagnostik) und 2.1
Trainingslager: 4.1. bis 14.1. in der Türkei (Ort noch offen)
Testspiele: 21.12. (Gegner noch offen), weitere am 16./17.1. und 20./21.1. sowie im Trainingslager geplant

SV Sandhausen

Urlaub: 3.12. bis 1.1.
Trainingsauftakt: 2.1.
Trainingslager: 10.1. bis 20.1. (Ort noch offen)
Testspiele: 20.11. beim FC Basel, 2.12. gegen Eintracht Frankfurt, 7.1. gegen TuS Mechtersheim, weitere geplant

Schultz – seine Zukunft ist offen

Vom Aufstiegskandidaten zum Kellerkind: Seit Monaten läuft es beim FC St. Pauli nicht rund, der Druck auf Trainer Timo Schultz wächst. Noch ist allerdings keine Entscheidung über die Zukunft des St. Pauli-Urgesteins gefallen. 

Geht es mit ihm weiter oder nicht? Die Zunft von St. Paulis Trainer Timo Schultz ist weiter offen. 

Geht es mit ihm weiter oder nicht? Die Zunft von St. Paulis Trainer Timo Schultz ist weiter offen. 

IMAGO/Oliver Ruhnke

Andreas Bornemann und Timo Schultz saßen zusammen, als sie am Dienstag in einer Medienrunde Bilanz zogen und voraus blickten. Ein Umstand, der belegt, dass St. Pauli grundsätzlich gewillt ist, mit dem Trainer-Eigengewächs trotz des Absturzes vom Wintermeister 2021 zum Abstiegskandidaten weiterzumachen. Eine Entscheidung aber steht noch aus.

“Wir setzen uns ja nicht hin und stellen uns, wenn da in irgendeiner Form eine Entscheidung gefällt werden soll, dass wir uns anders aufstellen”, sagt der Sportchef. Was sich als klares Bekenntnis deuten lassen könnte, ist zum jetzigen Zeitpunkt vor allem eine Absichtserklärung. Der Sportchef hat schon nach der Kritik von Präsident Oke Göttlich im Herbst klar gesagt, dass er sich mit in dem Boot sieht, das deutlich in die falsche Richtung steuert. Dennoch fließt bei der Entscheidung über die Trainerfrage mit ein, dass es schon seit Beginn des Kalenderjahres flussabwärts geht, also seit einem Zeitpunkt, an dem die nun so schmerzlich vermissten offensiven Eckpfeiler Guido Burgstaller und Daniel-Kofi Kyereh noch dabei waren.

Es geht in den unverändert andauernden Analysegesprächen deshalb nicht nur darum, dass Trainer und Sportchef sich auf personellen Nachschlag verständigen, sondern auch darum, dass Schultz Lösungen oder zumindest Antworten auf bohrende Fragen findet: Weshalb gelingt es ihm nicht, eine gesunde Balance zwischen Offensive und Defensive herzustellen? Warum ist die Auswärtsbilanz mit nicht einem Sieg seit Februar so verheerend? Weshalb stagnieren Entwicklungen wie die von Hoffnungsträger Igor Matanovic?

Bornemann nimmt Schultz in die Pflicht

Vor zwei Jahren stand St. Pauli nach Schultz‘ erstem Halbjahr als Chefcoach ähnlich schlecht da, seinerzeit war ein radikaler Kaderumbau die Lösung. Aktuell verschließt Bornemann zwar nicht die Augen davor, dass die Abgänge in der Offensive nicht kompensiert worden sind, er attestiert dem Kader – zu Recht – insgesamt aber deutlich mehr Substanz als im Winter 2020. Deshalb nimmt er nicht nur sich auf dem Transfermarkt, sondern eben auch seinen Coach in die Pflicht.

Stand jetzt sind die Gespräche ergebnisoffen, das Pendel schlägt weder in die eine noch in die andere Richtung aus. Bornemann galt schon in der Vergangenheit als Verantwortlicher, der lange an seinen Trainern festhält, er gilt aber auch als Überzeugungstäter. Das heißt: Allein aus guter Tradition und aus folkloristischen Gründen wird es nicht mit dem St. Pauli-Urgestein auf der Bank weitergehen, Schultz muss weitere inhaltliche Ansätze liefern.

Die Mannschaft funktioniert, deshalb bin ich auch felsenfest davon überzeugt, dass wir aus dieser Phase herauskommen.

Timo Schultz

Beim gemeinsamen Termin am Dienstag gab sich der 45-Jährige kämpferisch: “Ich habe zu einhundert Prozent nicht das Gefühl, dass ich die Mannschaft nicht mehr erreiche. Die Mannschaft funktioniert, deshalb bin ich auch felsenfest davon überzeugt, dass wir aus dieser Phase herauskommen.” Der Wille, dies gemeinsam anzugehen, ist auch bei den Bossen da. Die Überzeugung indes muss in den kommenden Tagen noch weiter wachsen.

Sebastian Wolff

DFL terminiert die Spieltage 20 bis 25: Zwei Topspiele mit dem HSV am Samstagabend

Die DFL hat die Spieltage 20 bis 25 in der 2. Bundesliga zeitgenau terminiert. Dabei muss der Hamburger SV bei zwei Topspielen jeweils am Samstagabend antreten. 

Robert Glatzel und der HSV müssen zweimal am Samstagabend ran.

Robert Glatzel und der HSV müssen zweimal am Samstagabend ran.

IMAGO/Claus Bergmann

Der 20. Spieltag der 2. Liga wartet mit einem Topspiel auf: Heidenheim, derzeit Tabellendritter, empfängt den Hamburger SV (2.). Die Partie der beiden Tabellennachbarn hat die DFL für den Samstagabend um 20.30 Uhr vorgesehen (11. Februar).

Zum Durchklicken

Auch das nächste Auswärtsspiel des HSV hat es in sich, das Gipfeltreffen bei Spitzenreiter SV Darmstadt 98 steht am 22. Spieltag an und wurde ebenfalls als Topspiel am 25. Februar auf den Samstagabend um 20.30 Uhr gelegt.

Niedersachsen-Derby am Samstagmittag

Das Niedersachsen-Derby zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 geht am 25. Spieltag am Samstagmittag (18. März) um 13 Uhr über die Bühne.

St. Pauli braucht mehr als nur Neue

Im Grunde genommen ist alles eine Frage der Perspektive. Der FC St. Pauli hat beim 4:4 in Karlsruhe mit zweimaligem Zwei-Tore-Rückstand Mentalität nachgewiesen. Und doch abermals demonstriert, dass es nicht gelingt, eine Balance herzustellen. Dass dies seit einem Jahr so ist, wird Gegenstand der nun anstehenden Analysegespräche sein.

Muss vieles im Blick haben und den Markt sondieren: St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann.

Muss vieles im Blick haben und den Markt sondieren: St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann.

IMAGO/Baering

Ganze acht Siege hat der Wintermeister von 2021 im Kalenderjahr 2022 eingefahren. Eine niederschmetternde Bilanz, die zweierlei aussagt: Der Kiez-Klub befindet sich nicht lediglich in einer Leistungsdelle. Und: Der Absturz ist nicht allein an den Abgängen der Topscorer Guido Burgstaller (Rapid Wien) und Daniel-Kofi Kyereh (SC Freiburg) festzumachen.

Sportchef Andreas Bornemann, zwei Jahre lang verantwortlich für den Substanzaufbau im Kader, muss sich zurecht damit auseinandersetzen, dass dieses Duo nicht gleichwertig ersetzt wurde. Er muss aber in der sportlichen Bestandsaufnahme auch den Finger in die Wunde legen, weshalb die Mannschaft, angefangen in der Rückrunde der Vorsaison noch mit Kyereh und Burgstaller, schon lange an ähnlichen Symptomen krankt: Auswärts gelang seit Februar kein Sieg; defensive Anfälligkeit war anfangs der Preis für Offensivfußball, und umgekehrt litt unter der jüngsten Akzentuierung auf Stabilität das Offensivspiel – bis der Jahreskehraus im Wildpark wild geriet und eine Mischung aus allem war.

“Ich bin gleichzeitig stolz und sauer auf mein Team”

Timo Schultz bilanzierte nach der Punkteteilung, die ein Überwintern auf Platz 15, punktgleich mit dem Vorletzten Magdeburg, bedeutet: “Ich bin gleichzeitig stolz und sauer auf mein Team.” Das demonstrierte, dass es sich wehrt, was für den Trainer spricht. Es wies aber nicht nach, dass es dessen Marschroute nicht konsequent umsetzen kann. Wie schon zuvor im Heimspiel gegen Kiel (0:0) nicht, nach dem der Coach öffentlich den Mut bei seinen Spielern vermisst hatte.

Bornemann ist bereits dabei, den Markt nach Verstärkungen zu sondieren, will trotz des Doppelpacks von Johannes Eggestein in der Offensive nachlegen, muss angesichts der Ungewissheit um David Nemeth (Schambeinentzündung) aber auch die Abwehr im Blick haben. Die vier Gegentore in Karlsruhe waren ein letzter Hinweis, dass die augenblickliche Notbesetzung nicht zweitliga-reif ist.

Die Vorträge der Mannschaft spätestens seit dem Herbst aber liefern Belege, dass St. Pauli womöglich mehr als Korrekturen am Kader benötigt. Es geht vor allem um Balance. Und so leidenschaftlich der Schlussakt am vergangenen Samstag auch ausfiel, ein Mutmacher für die Wende war er nicht.

Sebastian Wolff

Schultz: “Wir waren nicht am Anschlag”

Vor dem letzten Pflichtspiel des Jahres beim Karlsruher SC legt FCSP-Trainer Timo Schultz den Fokus auf die Grundtugenden, mit der Hoffnung, wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt einzufahren.

Will mit seiner Mannschaft eine bessere Leistung als noch gegen Kiel zeigen: FCSP-Kapitän Leart Paqarada.

Will mit seiner Mannschaft eine bessere Leistung als noch gegen Kiel zeigen: FCSP-Kapitän Leart Paqarada.

IMAGO/Claus Bergmann

Der Ausblick funktioniert in diesem Fall nicht ohne die Aufarbeitung. Timo Schultz will und muss mit dem FC St. Pauli am Samstag in Karlsruhe punkten, um im Abstiegskampf nicht noch mehr Boden zu verlieren, der mutlose Auftritt seiner Mannschaft gegen Holstein Kiel aber wirkt beim Trainer nach.

Massiver Rückschlag für den FCSP

Bestimmte Grundelemente gehören zu St. Pauli, seit Schultz die Profis im Sommer 2020 übernommen hat. Offensives Denken und der Mut zur spielerischen Lösung waren selbst bei den jüngsten Auswärtsniederlagen streckenweise, vor allem aber in eigentlich allen Heimspielen sichtbar. Die Nullnummer vom Dienstag war daher nicht nur vom Ergebnis her ein massiver Rückschlag. “Nach so einem Spiel”, sagt der 45-Jährige, “ist man schon auf der Suche, warum gewisse Sachen nicht so gelaufen sind. Dann geht man noch mehr ins Gespräch mit den Jungs und fragt, wie sie sich gefühlt haben, warum uns die letzte Überzeugung und der Mut gefehlt haben. Da bin ich etwas anderes von der Mannschaft gewohnt. Es war in dieser Saison erst das zweite Spiel, wo ich sagen muss, dass wir nicht am Anschlag und nicht mutig genug waren.” Unmittelbar nach der Partie hatte Schultz noch beteuert, dass er keine Frage des fehlenden Selbstvertrauens in dem schwachen Vortrag sehe, Leart Paqarada hingegen hat eingeräumt: “Natürlich spielt mittlerweile auch der Kopf eine Rolle.”

Die Grundtugenden wie Laufbereitschaft, Zweikampfstärke und Kompaktheit als Gruppe werden oberste Priorität haben.

Timo Schultz

Auf den Kopf kommt es nun auch im Wildpark an – mit drei Punkten zum Abschluss ließe sich die Hinrunde nicht retten, es geht vor allem um Schadensbegrenzung vor der angesetzten Halbzeit-Analyse. “Drei Punkte wären wichtig für die Tabelle”, weiß Schultz. “Es wird darum gehen, dass wir bei uns bleiben und mit Überzeugung ins Spiel gehen. Die Grundtugenden wie Laufbereitschaft, Zweikampfstärke und Kompaktheit als Gruppe werden oberste Priorität haben.”

Paulis defensive Stabilität und ihre Folgen

Defensiv stabilisiert hat der Coach sein Team trotz diverser Ausfälle durch die Umstellung auf eine Fünferkette zuletzt tatsächlich. Der Preis dafür: Mangelnde Torgefährlichkeit: In den zurückliegenden vier Ligaspielen gelang nur ein Treffer. “Es hat immer Vor- und Nachteile”, sagt Schultz, “es ist eine gewisse Logik dabei, wenn man hinten einen Spieler mehr reinstellt als vorne, dadurch weniger gegnerische Torschüsse zulässt, dafür vorn aber einer als Abnehmer oder Kreativspieler fehlt. Wir haben uns ganz bewusst für den Schritt entschieden, seitdem haben wir weniger Schüsse zugelassen und Gegentore kassiert.” Aber eben auch an Kreativität eingebüßt. “Es ist immer ein Für und Wider, es darf sich nicht ausschließen. Wir müssen in der Offensive effizienter werden.” Sonst droht nach dem Krisengipfel bei den ebenfalls taumelnden Karlsruhern die nächste schmerzhafte Aufarbeitung.

Sebastian Wolff

“Gefährlicher” Trend: So viele Zweitliga-Herbstmeister stiegen auch auf

Der SV Darmstadt 98 spielt bis dato eine furiose Saison, gewann zehn seiner 16 Spiele in der 2. Liga. Mit dem 1:0 in Magdeburg machten die Lilien die Herbstmeisterschaft perfekt. Mehr als ein Fingerzeig mit Blick auf die Statistik – außer in der jüngeren Vergangenheit.

Zwei Beispiele, denen Darmstadt nicht nacheifern will: St. Pauli (li.) und der HSV (re.) verspielten in der Vergangenheit den Aufstieg trotz Herbstmeisterschaft.

Zwei Beispiele, denen Darmstadt nicht nacheifern will: St. Pauli (li.) und der HSV (re.) verspielten in der Vergangenheit den Aufstieg trotz Herbstmeisterschaft.

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Torsten Lieberknecht reitet mit dem SV Darmstadt 98 auf einer Welle des Erfolgs. Zehn Siege, fünf Remis, nur eine Niederlage, dazu stellen die Hessen die beste Abwehr der Liga (erst 14 Gegentore). Mit dem 1:0-Auswärtssieg bei Aufsteiger Magdeburg machten die Darmstädter die Herbstmeisterschaft in der 2. Bundesliga vorzeitig perfekt. Angesichts von bereits 35 gesammelten Punkten können die Verfolger HSV (31) und Heidenheim (30) den SVD am letzten Spieltag des Kalenderjahres am Wochenende, der gleichzeitig den Hinrundenabschluss darstellt, nicht mehr von Platz eins abfangen.

Doch welche Bedeutung hat die Herbstmeisterschaft eigentlich mit Blick auf die Geschichte der eingleisigen 2. Bundesliga? Betrachtet wird der Zeitraum ab der Saison 1981/82 – mit Ausnahme der Saison 1991/92 -, in dem sich 28 von 40 Herbstmeistern den Traum von der Bundesliga verwirklichten. Das sind starke 70 Prozent derer, die nach der Hälfte einer Saison vom Platz an der Sonne grüßten. Immerhin noch 40 Prozent der Herbstmeister (also 16 von 40) behaupteten auch am allerletzten Spieltag Rang eins.

Nur einer von sechs Herbstmeistern schaffte es zuletzt

Auch wenn Lieberknecht ohnehin andere Pläne hätte, werden sie in Darmstadt gerade mit Blick auf die jüngere Vergangenheit den Sekt noch nicht kalt gestellt haben. Denn: In den letzten sechs Spielzeiten stieg nur ein einziger Herbstmeister am Ende auch in die Bundesliga auf. Es handelt sich dabei um Arminia Bielefeld in der Saison 2019/20, die Herbstmeister wurden und sogar die begehrte Zweitliga-“Felge” nach oben strecken durften.

Herbstmeister St. Pauli (2021/22) stürzte auf Rang fünf ab, der HSV (2020/21 und 2018/19) noch auf Rang vier. Die Herbstmeister aus Kiel (2017/18) und Braunschweig (2016/17) scheiterten jeweils in der Relegation. Der BTSV (0:1, 0:1) musste sich wie im Jahr darauf Holstein Kiel (1:3, 0:1) dem VfL Wolfsburg beugen.

Den bis dato tiefsten Absturz erlebte die SpVgg Blau-Weiß 90 Berlin in der Saison 1988/89. Nach 19 von 38 Spieltagen grüßten die Berliner noch von Rang eins, ehe sie bis zum Saisonende auf Rang acht “durchgereicht” wurden. Fortuna Düsseldorf und Aufsteiger Homburg landeten stattdessen auf den Plätzen eins und zwei.

St. Pauli: Zu wenig für die Wende

Immerhin, die am vergangenen Wochenende noch verfluchten Komplimente und die Analyse, dass für St. Pauli mehr möglich gewesen wäre, muss sich Timo Schultz nach dem 0:0 gegen Holstein Kiel nicht anhören. Seine Spieler bekamen für den verunsicherten Auftritt genau das, was sie verdient haben: einen Zähler. Und das ist in der aktuellen Situation zu wenig.

Hängende Köpfe bei St. Pauli nach dem Spiel gegen Kiel.

Hängende Köpfe bei St. Pauli nach dem Spiel gegen Kiel.

IMAGO/Eibner

“Ich habe mich nach Unentschieden zu Hause auch schon beschwert, dieses Mal tue ich das nicht”, sagt der Trainer. Weil er weiß, dass die Nullnummer das Maximum war, was St. Pauli aus diesem Vortrag herausholen konnte. Offensiv fanden die Gastgeber in der ersten Hälfte nur sehr dosiert, in der zweiten dann gar nicht mehr statt. “Ich hätte mir in der einen oder anderen Situation mehr Selbstvertrauen gewünscht”, erklärt Schultz, “dass wir unser Herz mehr in die Hand nehmen, fußballerische Lösungen suchen.” Doch diese blieben unter Verschluss.

Spielbericht

Der Vortrag vom Dienstagabend gibt Hinweise darauf, was den hoch gehandelten und tief gefallenen Hamburgern am Samstag beim im freien Fall befindlichen KSC droht – ein Spiel, in dem es nur darum geht, nicht vollends abzustürzen. Hinweise darauf, dass die personell arg gerupfte und inzwischen auch zunehmend verunsicherte Elf zum Jahreskehraus noch eine Wiederauferstehung feiern könnte, gibt es wenige. “Dass wir zumindest hinten die Null gehalten haben, ist positiv”, sucht Johannes Eggestein nach Anhaltspunkten.

Wir werden in der Winterpause einiges aufzuarbeiten haben.

Johannes Eggestein

Der Ex-Bremer hatte gemeinsam mit David Otto im Angriff den Vorzug gegenüber Lukas Daschner und Etienne Amenyido erhalten. Während Daschner als Joker kam, fehlte Amenyido ganz im Aufgebot. Der Grund: Adduktorenprobleme. “Wir haben ihm deshalb eine Pause gegeben”, sagt Schultz, “hoffen aber, dass er Samstag wieder zur Verfügung steht.” Der Ex-Osnabrücker hat in dieser bislang so missratenen Spielzeit zwar auch erst ein Tor erzielt, ist mit seinem Tempo aber fast immer ein Gefahrenherd und weckt zumindest die Fantasie, St. Pauli könne Torgefahr entwickeln. Gegen Kiel fehlte diese beinahe komplett.

Eggesteins ehrliche Analyse

Eggestein analysiert ehrlich: “Wir hatten nicht die optimale Strafraumbesetzung, die Flanken waren zum Teil auch nicht so, wie wir uns das vorstellen. Kiel hatte die besseren Chancen, deshalb müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein, obwohl das in unserer Situation zu wenig ist.”

Ergebnis und Leistung waren zu wenig für eine Wende. Und auch zu wenig, um Hoffnungen zu wecken. “Auf Dauer”, weiß Eggestein, “wird das nicht reichen. Wir werden in der Winterpause einiges aufzuarbeiten haben.” Und zwar unabhängig vom Ausgang des Krisenduells in Karlsruhe.

Sebastian Wolff