Matarazzo lässt Bülter hoffen

Wie knackt man den Abwehrriegel des defensivstarken 1. FC Union? Das ist ein Thema, mit dem sich Pellegrino Matarazzo, Trainer der TSG Hoffenheim, in dieser Woche intensiv beschäftigt hat.

Pellegrino Matarazzo (re.) gibt Marius Bülter Anweisungen.

Pellegrino Matarazzo (re.) gibt Marius Bülter Anweisungen.

IMAGO/Chai v.d. Laage

Naturgemäß, schließlich sind die Kraichgauer an diesem Samstag in Köpenick gefordert (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de), um ihren bislang guten Saisonstart mit neun Punkten aus vier Partien zu veredeln. Der Italo-Amerikaner erkennt beim Champions-League-Debütanten – wenig überraschend – “eine unangenehme Verteidigungsweise. Sie erlauben dem Gegner nur selten, aufzudrehen”. Das sei auch bei ihrer Königsklassenpremiere zu beobachten gewesen, schildert der 45-Jährige. Da sei Real Madrid “fast immer nur mit Gegnerdruck” zum Abschluss gekommen. Die bittere 0:1-Niederlage der Unioner sah Matarazzo mit leichter Verzögerung, wie er schmunzelnd erzählt: “Ich musste meinen Sohn vom Training abholen, also erstmal 15 Minuten zurückspulen zu Hause.”

Nach vorne gespult: Trotz des Respekts vor dem Gegner kennt der Hoffenheimer Coach auch Mittel, die taktisch starke Truppe seines Gegenübers Urs Fischer vor gewisse Aufgaben zu stellen. Für Matarazzo braucht es “sehr oft die Tiefe im richtigen Moment und eine Durchsetzung im Eins-gegen-Eins. Man muss sich mit einem gewissen Willen, einer gewissen Hartnäckigkeit durchsetzen”, fordert er. Attribute, die perfekt auf Marius Bülter zutreffen, der selbst 58 Partien für den kommenden Gegner absolviert hat, zuletzt beim 3:1 in Köln aber auf der Bank saß. Die linke Bahn beackerte da der schussgewaltige Robert Skov.

Angesichts Matarazzos Ausführungen darf Bülter zumindest hoffen, an alter Wirkungsstätte ein Startelfmandat zu erhalten. Seine Geschwindigkeit könnte gefragt sein, dazu seine Qualitäten als Mentalitätsspieler, der die gefürchtete Kulisse an der Alten Försterei zudem bestens kennt. Viele Situationen, das dürfte allen in Hoffenheim klar sein, werden Fischers Schützlinge den Gästen kaum zugestehen. Das ist sozusagen Klub-DNA in Köpenick. Doch Matarazzo weiß: “Es gibt auch manche Momente in ihrem Spiel, die ich aktuell nicht kommunizieren möchte, wo man sie vielleicht ein Stück weit anfälliger sieht als in anderen. Unser Fokus liegt auch auf diesen Momenten. Natürlich in der Hoffnung, dass es wieder so aufgeht wie in der Rückrunde.” Damals obsiegte die TSG am 33. Spieltag mit 4:2 und machte im Prinzip den entscheidenden Schritt in Richtung Klassenerhalt.

Benni Hofmann

Koeman ruft – Happy End für bestraften Frimpong?

Unter Ronald Koeman ist die Nationalmannschaftskarriere von Jeremie Frimpong ins Stocken geraten, bevor sie richtig begonnen hat. Doch jetzt hat der Bondscoach den Leverkusener Rechtsverteidiger für das vorläufige Aufgebot der Elftal für die Länderspiele im Oktober nominiert.

Zurück im vorläufigen Aufgebot der Elftal: Leverkusens Jeremie Frimpong.

Zurück im vorläufigen Aufgebot der Elftal: Leverkusens Jeremie Frimpong.

IMAGO/Vitalii Kliuiev

Bislang hat die Chemie zwischen Ronald Koeman und Jeremie Frimpong nicht wirklich gepasst. Nachdem der frühere Profi des FC Barcelona nach der WM in Kater im Herbst 2022 die Nachfolge von Bondscach Louis van Gaal antrat, war der Leverkusener Offensivverteidiger außen vor.

Die harte, aber nicht völlig von der Hand zu weisende Begründung Koemans: Er sehe Frimpong aufgrund dessen Defensivschwächen nicht als einen Rechtsverteidiger in einer Viererkette, auf die der neue Bondscoach lange Zeit setzte. Und offensiv stand Koeman ohnehin vor einer großen Auswahl für sein 4-3-3-System.

Frimpong könnte von Koemans Systemänderung profitieren

Folglich schaffte Frimpong, der bei der WM in Katar immerhin dem niederländischen Kader angehört hatte, aber nie eingesetzt worden war, kein einziges Mal mehr den Sprung ins Aufgebot der Elftal für die Länderspiele, die nach der WM ausgetragen wurden. Doch jetzt hat ihn Koeman zumindest für das vorläufige Aufgebot für die Partien im Oktober nominiert.

Kommt es also doch noch zum Happy End für den Offensivverteidiger, der auch in dieser Saison als rechter Schienenspieler im 3-4-3 zu überzeugen weiß? Wie es der kicker bereits im September angekündigt hatte, sind die Chancen Frimpongs, der in dieser Saison bislang auf eine kicker-Durchschnittsnote von 2,38 kommt, auf eine Nominierung gestiegen, da sich schon vor den jüngsten Länderspielen andeutete, dass Koemann vom 4-3-4 auf ein 3-4-3 wechseln würde. Und in diesem wäre Frimpong, der noch auf sein Debüt für die Efltal wartet, hinter Inter Mailands Denzel Dumfries die klare Nummer 2 in der Elftal.

Mit einer endgültigen Nominierung wäre die Achterbahnfahrt nahezu perfekt

Schafft der Leverkusener den Sprung ins endgültige Aufgebot, wäre die Achterbahnfahrt in Oranje für ihn nahezu perfekt. War der 22-Jährige doch im September von Koeman noch dafür gemaßregelt worden, dass er für die U-21-Europameisterschaft in Georgien und Rumänien im Juni abgesagt hatte, nachdem er für die A-Nationalmannschaft nicht berücksichtigt worden war. Dies könne man durchaus als Strafe verstehen, erkläre Koeman damals.

Doch die Dissonanzen sind, auch nach einem schon vor der Maßnahme erfolgten Gespräch mit Nigel de Jong, dem Sportdirektor des niederländischen Verbandes, offensichtlich aus dem Weg geräumt. WM-Nominierung, Nicht-Berücksichtigung danach, Abstrafung und nun das Comeback? Frimpongs Berg-und-Tal-Fahrt beim Thema Efltal könnte jetzt doch noch ein Happy End finden.

Stephan von Nocks

Bundestrainer Nagelsmann: Nicht der Jüngste, viel Erfahrung, kaum Anlaufzeit

Auf Hansi Flick folgt Julian Nagelsmann, der für einen Bundestrainer jung, aber auch nicht so jung ist. Andere Statistiken stechen mehr hervor.

Er soll für eine erfolgreiche Heim-EM sorgen: Julian Nagelsmann.

Er soll für eine erfolgreiche Heim-EM sorgen: Julian Nagelsmann.

Thomas Boecker/DFB

Louis van Gaal hätte es angeblich auch werden können. Der ist schon 72 – und damit doppelt so alt wie Julian Nagelsmann, der die deutsche Nationalmannschaft dennoch nicht als jüngster Cheftrainer übernimmt. Otto Nerz war es, damals noch Reichstrainer, der 1926 gar erst 34 Jahre und 85 Tage alt war. Nagelsmann wird bei seinem Debüt am 14. Oktober in den USA 36 Jahre und 83 Tage alt sein – und damit ist er zumindest der jüngste DFB-Trainer der Nachkriegsgeschichte.

Der ehemalige Hoffenheim-, Leipzig- und Bayern-Trainer ist jung, aber gar nicht mal so jung für einen deutschen Teamchef. Franz Beckenbauer debütierte 1984 einen Tag nach seinem 39. Geburtstag, Sepp Herberger war 1936 ebenfalls 39 Jahre (und 182 Tage) alt. Jürgen Klinsmann stieg 2004 mit 40 Jahren und 40 Tagen ein. Zumindest Beckenbauer und Klinsmann hatten allerdings große Spielerkarrieren hinter sich.

Nagelsmann hingegen verfügt im Vergleich dazu über ungleich größere Bundesliga-Erfahrung, bereits 241 Spiele im deutschen Oberhaus hat er in Funktion des Cheftrainers begleitet – mit mehr Bundesliga-Erfahrung wurde nur Erich Ribbeck 1998 Bundestrainer (569 Spiele). Joachim Löw (68) und Hansi Flick (58) lagen deutlich hinter Nagelsmann; für Beckenbauer, Klinsmann und auch Rudi Völler war die deutsche Nationalmannschaft gar die erste Trainerstation.

Nagelsmanns erste Spiele als Bundestrainer

Er ist jung, aber nicht so jung; er war kein Klasse-Spieler, hat aber mehr Erfahrung, als viele vielleicht auf Anhieb denken. Allerdings hat Nagelsmann das Problem, dass er bis zu seinem Auftrag – die Heim-EM im Sommer 2024 – kaum Zeit zum Arbeiten mit der Mannschaft hat: Ihm stehen die wenigsten Spiele zur Verfügung, die je ein Bundestrainer hatte, um sich auf ein großes Turnier vorzubereiten.

Erstes Pflichtspiel im EM-Eröffnungsspiel in München

Helmut Schön (vor der WM 1966), Jupp Derwall (vor der EM 1980) und Berti Vogts (vor der EM 1992) hatten jeweils 15 Spiele Zeit, ehe es zur Sache ging. Das ist Nagelsmann bei weitem nicht mehr vergönnt. 2023 stehen noch die Duelle in den USA, gegen Mexiko und Österreich an sowie ein Spiel wohl gegen die Türkei.

Und selbst wenn der DFB für 2024 noch ein paar knifflige Freundschaftsspiele planen würde, coacht Nagelsmanns sein erstes Pflichtspiel als Bundestrainer im Eröffnungsspiel der EM. Und zwar am 14. Juni um 21 Uhr in München.

Dardai über Reese: “Dann hättest du vielleicht den Verein gerettet”

Hertha BSC möchte nach dem Heimsieg gegen Braunschweig direkt weiter punkten. Auswärts bei Holstein Kiel erwartet die Berliner ein schwieriger Gegner, der aus Sicht von BSC-Coach Pal Dardai am Sonntag auch “der Favorit” ist.

“Hochzufrieden” ist Hertha-Coach Pal Dardai mit der Verpflichtung von Fabian Reese.

IMAGO/Jan Huebner

Die Stimmung in der Hauptstadt ist gut nach Herthas jüngstem 3:0-Erfolg über Eintracht Braunschweig. Für Trainer Pal Dardai und seine Mannschaft geht es nun darum, den Schwung aus der Vorwoche mitzunehmen und am kommenden Sonntag (13.30 Uhr, LIVE! bei kicker) beim Tabellendritten Holstein Kiel zu bestehen. Sommer-Neuzugang Fabian Reese, der bei der Pressekonferenz an der Seite des Cheftrainers Platz nahm, steht derweil vor der Rückkehr in seine Heimat.

Dardai schiebt Kiel die Favoritenrolle zu

“Das wird ein schwieriges Spiel. Man muss ehrlich sagen, für die 2. Liga, spielen wir gegen eine Topmannschaft und die sind momentan der Favorit dort zu Hause”, erklärte Pal Dardai mit Blick auf den kommenden Gegner. Der gebürtige Ungar sieht die Störche, die trotz der 1:5-Niederlage beim FC St. Pauli am vergangenen Wochenende weiterhin auf dem dritten Tabellenplatz rangieren, als “heimstarke Mannschaft” und kann sich vorstellen, dass man sich “zum Schluss vielleicht” auch über einen Punkt an der Ostseeküste freuen müsste.

Nichtsdestotrotz “gehen wir dahin”, so Dardai weiter, “um zu gewinnen. Wenn du dort gewinnen kannst, das wäre eine Riesensache, das könnte einen richtigen Schubs geben für die Truppe”, fuhr der Trainer fort, der direkt im Anschluss jedoch anmerkte, dass man “erstmal nicht träumen” dürfe. Während dem 47-Jährigen mit Sohn Palko, der den Berlinern “bis auf Weiteres” aufgrund einer Bänderverletzung fehlt, in der Offensive also eine Option wegfällt, steht mit Reese ein wahrer Kiel-Experte zur Verfügung. Zwischen 2020 und 2023 lief der 25-jährige gebürtige Kieler für die Profis der Störche auf (119 Spiele, 17 Tore, 30 Assists), die Jugend hatte er dazu bis zur U 17 in der Nachwuchsabteilung der KSV verbracht.

Weiß Hertha BSC mit der “nordischen Brise” umzugehen?

“Ohne Frage hatte ich da gute Jahre. Es ist eine spielstarke Mannschaft, ein Trainerteam, das modernen Fußball spielen lässt, was sich jetzt auch gefunden hat und auch einen Umbruch hatte”, blickte Reese auf die Entwicklung seines Ex-Teams. Seine neuen Mitspieler sollten sich indes vor dem Auswärtsspiel im Holstein-Stadion am besten schonmal auf “die nordische Brise” einstellen: “Das ist ein bisschen luftig manchmal, weil es nicht ganz zugebaut ist.”

Angesprochen auf den Stellenwert, den der Offensivspieler für die Herthaner hat, geriet Trainer Pal Dardai derweil regelrecht ins Schwärmen – insbesondere, was die Mentalität des 25-Jährigen angeht: “Mein Vater hat mich immer gefragt – als ich das erste Mal hier Trainer war -, wieso ich nicht jedes Jahr zwei Spieler aus der 2. Liga hole. Einer wird es sowieso schaffen. Die sind immer bissig und von der Mentalität tut das gut. Da habe ich gesagt: ‘Papa, da habe ich nichts zu sagen.'” Umso glücklicher sei er nun, “dass ich so einen wie Fabi habe.” Der Chefcoach erinnere sich noch gut an die ersten Auftritte des Neuzugangs im Sommer: “Am ersten Tag, da stand ich neben Tamas Bodog (Co-Trainer, Anm. d. Red.) und habe gesagt: ‘Davon zehn Stück, dann müssen wir nicht mehr zum Training kommen.”

Zwar gebe es auch bei Reese weiterhin “Sachen, die er besser machen muss”, doch der Trainer sei “hochzufrieden, dass er hier ist” und ein wenig traurig darüber, “dass so ein Spieler nicht schon früher hier war. Dann hättest du dich längst eingespielt und hättest vielleicht den Verein gerettet, mit der Art und Weise von Willen.”

Maolida “muss lernen, dass er hart arbeiten muss”

In Sachen Einstellung sollte sich Myziane Maolida währenddessen wohl noch ein Beispiel an Fabian Reese nehmen. Dem 24-jährigen Franzosen, den die Hertha im August 2021 fest verpflichtete, attestierte Pal Dardai trotz seines jüngsten Treffers für die BSC-Zweitvertretung gegen Carl Zeiss Jena (1:1) lediglich eine “Mini-Chance” auf einen Einsatz in den kommenden Spielen. “Er muss lernen, dass er hart arbeiten muss. Er hat die Qualität, er hat alles. Ich hoffe, dass er es irgendwann versteht”, so der Coach der Alten Dame. “Für Fußballer gibt es nur diese berühmten zehn Jahre und danach hilft keiner. Ich sage zu ihm nur: Arbeit, Arbeit, Arbeit ist bei ihm das wichtigste. Das ist eine Mini-Chance, nicht mehr, die muss er nutzen.” Agustin Rogel und Ibrahim Maza stehen darüber hinaus verletzungsbedingt nicht zur Verfügung.

Tuchel: “Wir müssen schon ein paar Dinge anpassen”

Nach ManUnited ist vor Bochum und Münster: Bayerns Trainer Thomas Tuchel will am Wochenende nur rotieren, wenn es passt.

“Rotation nicht um des Rotations willens”: Bayern-Trainer Thomas Tuchel. 

picture alliance/dpa

In zwei Wochen geht die Bundesliga zum zweiten Mal in dieser Saison in eine kurze Länderspielpause, bis dahin hat der FC Bayern allerdings noch fünf Pflichtspiele vor der Brust, angefangen mit der Heimaufgabe gegen den VfL Bochum.

Setzt Thomas Tuchel also erstmals in dieser Saison auf ein bisschen Rotation? Oder wartet der Trainer damit auf das Pokalspiel in Münster am Dienstag? Oder belässt er es bei kleinen Anpassungen? “Rotation nicht um des Rotations willens”, stellt der 50-Jährige vor den nächsten zwei englischen Wochen klar, auch wenn es den Gedanken, mal durchzutauschen, “immer gibt”.

Guerreiro könnte erstmals auftauchen

Gut ist, dass alle Spieler sich nach dem 4:3-Auftakt in der Champions League gegen Manchester United gesund zurückgemeldet haben, auch Sommer-Neuzugang Raphael Guerreiro könnte erstmals in einem Pflichtspiel im Kader auftauchen. Andere, wie Matthijs de Ligt, Noussair Mazraoui oder Thomas Müller, scharren mit den Hufen. “Es ist ganz normal, dass Spieler es verdient haben zu spielen, die dann auch mal nicht spielen oder von der Bank kommen”, erklärt Tuchel. “Das wird auch so bleiben.” Womit der Trainer gar kein Problem hätte: “Hoffentlich bleiben alle gesund, und hoffentlich haben wir immer diese Entscheidungen.”

Ein sehr intensives Spiel, das sie spielen, mit vielen Sprints, mit vielen intensiven Läufen.

Thomas Tuchel über den VfL Bochum

Mit einem Heimsieg gegen Bochum könnte der FCB zumindest für 24 Stunden an seinen gewohnten Platz an der Tabellenspitze springen, doch Tuchel warnt ganz pflichtbewusst, fordert “höchsten Respekt vor unserem Gegner” und “vor der Aufgabe”. “Bochum hat eine gute Serie mit drei Spielen ohne Niederlage, auch viele Torschüsse in ihrem Spiel. Ein sehr intensives Spiel, das sie spielen, mit vielen Sprints, mit vielen intensiven Läufen. Wir müssen uns intensiv damit beschäftigen und dann die beste Aufstellung für dieses Spiel finden.”

Spiele des FC Bayern

Wer da am Ende zugehört, wird der Trainer erst nach dem Abschlusstraining am Freitagnachmittag entscheiden. “Bochum ist mit Sicherheit kein Spiel, in dem wir einfach unser Ding machen, und dann regelt sich das Ergebnis von allein”, versichert Tuchel. “Wir müssen schon ein paar Dinge anpassen und ganz klar auch bereit sein, körperlich dort mitzugehen.”

Mario Krischel

Die BVB-Stürmer und der Torlos-Knoten

Als BVB-Mittelstürmer hat man derzeit nicht den besten Stand: Die Chancenproduktion des BVB stockt, sowohl Sebastien Haller als auch Youssoufa Moukoko und Neuzugang Niclas Füllkrug warten noch auf ihr erstes Liga-Tor. Gegen Wolfsburg soll der Knoten platzen.

Drei Kandidaten, ein Platz: Sebastien Haller, Niclas Füllkrug und Youssoufa Moukoko (v.l.).

Drei Kandidaten, ein Platz: Sebastien Haller, Niclas Füllkrug und Youssoufa Moukoko (v.l.).

Die Mittelstürmer Sebastien Haller, Youssoufa Moukoko und Niclas Füllkrug versprechen eigentlich eine hohe Torproduktion. Doch in der bisherigen Bundesliga-Spielzeit stockt es im Betriebsablauf, alle drei zentralen Angreifer von Borussia Dortmund warten noch auf ihren ersten Treffer. Lediglich im DFB-Pokal konnte sich das Trio bereits in der Statistik verewigen: Haller (2) und Moukoko trafen bei Dortmunds Erstrunden-Sieg bei Schott Mainz (6:1), Füllkrug – noch im Trikot von Werder Bremen – beim 2:3 bei Viktoria Köln.

Die Gründe für die Torlos-Serie sind unterschiedlich: Haller hängt erkennbar im Formtief, sowohl körperlich auch als mental fehlt es ihm aktuell an der letzten Frische. Überraschend kommt das nicht angesichts des extrem kräftezehrenden Vorjahres: Im Sommer 2022 erkrankte der Nationalstürmer der Elfenbeinküste an Hodenkrebs und musste sich anschließend mehreren Operationen und Chemotherapien unterziehen. Dennoch kehrte er im Januar 2023 in den Leistungssport zurück und schoss den BVB fast zur Meisterschaft.

“Rational nicht zu erklären”

“Wir kennen seine Geschichte. Es ist manchmal nicht rational zu erklären nach so einer Erkrankung”, sagt BVB-Trainer Edin Terzic, der dem 29-Jährigen eine vorbildliche Einstellung attestiert: “Wir wissen um seine Qualitäten. Er ist extrem fleißig im Training und auch außerhalb. Er geht sehr professionell mit der Situation um, damit er sich wieder dahinbringt, wo er war.” Sich selbst und auch die Mannschaft sieht Terzic in der Pflicht, ihn dabei zu unterstützen: “Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, dass wir seine Qualitäten wieder in unser Spiel bekommen und diese auch nutzen.”

Dennoch weiß natürlich auch der BVB-Trainer, “dass wir daran gemessen werden, Spiele zu gewinnen”. Und so könnte es im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg am Samstag erneut dazu kommen, dass sich Haller – wie bereits bei der 0:2-Niederlage in der Champions League bei Paris Saint-Germain – auf der Bank wiederfindet.

Füllkrug sorgt für frischen Wind

Füllkrug brachte bei seinen bisherigen Einwechselungen stets frischen Wind ins Spiel. Besonders beim 4:2-Sieg in Freiburg am vergangenen Samstag, als er kurz nach seiner Einwechslung Donyell Malens Treffer zum zwischenzeitlichen 2:2 auflegte. In seiner eigenen Torbilanz allerdings steht ebenfalls noch die Null – was auch an den geringen Einsatzzeiten Füllkrugs liegt, der angeschlagen nach Dortmund gewechselt war und auch jetzt noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist.

Moukoko dagegen ist fit, ist von seinem Profil aber kein Eins-zu-eins-Ersatz für Haller oder Füllkrug. Bislang kommt er daher nur als Joker zum Einsatz. In den bisherigen vier Liga-Partien wurde er viermal eingewechselt, spielte insgesamt aber nur 47 Minuten. In Paris kam er am Dienstag überhaupt nicht zum Zug. Eine Woche zuvor hatte Moukoko in der deutschen U 21 im Kosovo (3:0) noch einen Doppelpack geschnürt.

“Werden jedem die Chance geben, die er verdient”

“Wenn wir so viele gute Alternativen haben, dann werden wir dahinkommen, dass wir jedem die Chance geben, die er verdient”, sagt Terzic mit Blick auf die Sturmbesetzung und bescheinigt seinen Kandidaten allesamt gute Trainingsleistungen. Da zu erwarten ist, dass der BVB anders als in Paris nicht mit einem Zweiersturm beginnen wird, deutet vieles auf Füllkrug als zentrale Spitze hin.

Matthias Dersch

Rode fehlt Frankfurt erneut – Götze fraglich

Nach dem Arbeitssieg in der Conference League wartet auf Eintracht Frankfurt am Sonntag der SC Freiburg. Trainer Dino Toppmöller deutet personelle Veränderungen an – und erklärt, warum er Julian Nagelsmann nicht “nerven” wollte.

Muss gegen Freiburg wieder einmal auf seinen Kapitän Sebastian Rode (re.) verzichten: Eintracht-Coach Dino Toppmöller (li.).

Muss gegen Freiburg wieder einmal auf seinen Kapitän Sebastian Rode (re.) verzichten: Eintracht-Coach Dino Toppmöller (li.).

IMAGO/Jan Huebner

Das Auswärtsspiel in Bochum hatte Sebastian Rode krankheitsbedingt verpasst, zum Conference-League-Auftakt gegen den FC Aberdeen am Donnerstag kehrte der Kapitän zurück, doch nach 39 Minuten war der Europapokalabend für den Kapitän bereits wieder beendet. Einen Tag nach dem mühsam erarbeiteten Sieg gegen die Schotten verkündete Eintracht-Trainer Dino Toppmöller nun den nächsten Rückschlag: Der 32-Jährige wird auch das Heimspiel gegen den SC Freiburg am Sonntag (17.30 Uhr, LIVE! bei kicker) aufgrund einer Wadenverletzung verpassen. Ob es für Mario Götze reicht, ist Stand Freitag noch offen.

“Heftiger Schlag”: Götzes Einsatz gegen Freiburg offen

Über die genaue Diagnose bei Rode konnte Toppmöller auf der Spieltags-Pressekonferenz am Freitagmittag noch keine Aussage treffen. “Er ist bisher der Pechvogel der Saison. Er ist ein Fighter, der nicht aufgibt. Wir geben ihm die bestmögliche Unterstützung”, versprach Toppmöller. Bei Götze, der am Donnerstag einen “heftigen Schlag” abbekommen hatte und zur Pause in der Kabine geblieben war, wollte der 42-Jährige den Samstag abwarten, um über einen Einsatz des Weltmeisters von 2014 zu entscheiden. “Es wäre nicht seriös, heute zu sagen, dass er auf jeden Fall dabei ist oder dass er auf jeden Fall ausfällt.”

Ansonsten hätten seine Spieler die kräftezehrende Partie gut verkraftet, nach acht Pflichtspielen steht die Eintracht weiter ungeschlagen da. Mit einem Sieg und drei Unentschieden zum Bundesliga-Auftakt im Rücken – allesamt gegen kampfstarke Teams, die in dieser Saison aber vermutlich lange gegen den Abstieg spielen werden – erwartet Toppmöller gegen den Europa-League-Teilnehmer aus dem Breisgau eine neue Herausforderung: “Es macht mehr Spaß, wenn zwei Mannschaften Fußball spielen wollen. Wir hoffen, dass das gegen Freiburg der Fall ist.” Mit dem Sport-Club komme ein “disziplinierter, laufstarker” Gegner mit einer hohen “individuellen Qualität und gefährlichen Standards” in das Waldstadion.

Toppmöller: “Wir müssen mehr Stress im gegnerischen Sechzehner erzeugen”

Defensiv präsentierten sich die Frankfurter in dieser Saison meist stabil, offensiv haperte es dagegen immer wieder. Verbesserungspotenzial sieht Toppmöller bei der Boxpräsenz oder bei den Abschlüssen. “Wir müssen mehr Stress im gegnerischen Sechzehner erzeugen. So kommst du auch mal zu Chancen, wenn dir ein Ball vor die Füße fällt. Du nimmst das Publikum noch mehr mit, es entsteht eine ganz andere Energie”, erklärt der 42-Jährige.

Gegen Aberdeen drängte sich nun Fares Chaibi nach seiner Einwechslung auf, für Toppmöller ist der Neuzugang vom FC Toulouse “auf jeden Fall” ein Kandidat für die Startelf am Sonntag: “Er machte einen sehr guten Eindruck nach dem Bochum-Spiel im Training und konnte das bestätigen. Er war ein belebendes Element mit seinen Standardsituationen, mit seinem rechten Fuß. Er kann uns extrem viel geben.”

Positiv sprach Toppmöller auch über einen weiteren Neuzugang, Omar Marmoush, der gegen Aberdeen nach seinem Wechsel von der zentralen Stürmerposition in die offensiven Halbräume für mehr Gefahr sorgte. Der SGE-Trainer schätzt dessen Vielseitigkeit, erklärt aber zugleich, wo er den Ex-Wolfsburger am stärksten sieht: “Meiner Meinung nach ist er etwas besser, wenn er über den Flügel kommt, ausweicht und nach innen zieht. Er fühlt sich wohler aus einer tieferen Position, um sein Tempo auszuspielen.” Für die Position im Sturmzentrum ist Lucas Alario laut Toppmöller “für Sonntag kein Thema”, selbiges gilt im zentralen Mittelfeld für Kristijan Jakic (Knieprobleme). “Wir schauen, ob er am Montag wieder einsteigen kann.”

Kontakt mit Neu-Bundestrainer Nagelsmann: “Nicht auch noch ‘nerven'”

Ganz zum Schluss kam Toppmöller am Freitag auf Nachfrage noch auf seinen ehemaligen Chef, Julian Nagelsmann, mit dem er in München und Leipzig zusammengearbeitet hatte, zu sprechen. Dass er nun auch theoretisch Co-Trainer der Nationalelf sein könnte, beschäftigte Toppmöller keineswegs, wie er lachend erläuterte: “Dafür macht mir die Aufgabe hier zu viel Spaß, und die frisst einen auch mit Haut und Haaren.” Mit dem neuen Bundestrainer hatte der 42-Jährige in den Tagen vor der offiziellen Bekanntgabe nur kurzen, schriftlichen Kontakt: “Ich weiß ja wie es in so einer Situation ist. Vor so einem Engagement steht das Telefon nicht still. Ich wollte jetzt nicht auch noch einer von denen sein, die ‘nerven’.” 

Vural und der MSV Duisburg wollen sich das Unbekannte zum Vorteil machen

Am Samstag wird Engin Vural das erste Mal als Profi-Trainer an der Seitenlinie stehen. Bei seinem bislang sieglosen MSV Duisburg konnte der Coach in den ersten Tagen keine Verunsicherung erkennen.

Seit 14 Jahren im Verein und nun erstmals Trainer der Profis beim MSV Duisburg: Engin Vural.

Seit 14 Jahren im Verein und nun erstmals Trainer der Profis beim MSV Duisburg: Engin Vural.

IMAGO/Nico Herbertz

Spiel eins nach der Entlassung von Torsten Ziegner führt den MSV Duisburg am Samstag in den Sportpark Höhenberg (14 Uhr, LIVE! bei kicker). Gegen die nach einem starken Saisonstart zuletzt ebenfalls strauchelnde Viktoria aus Köln soll endlich der erste Saisonsieg her. An der Seitenlinie steht mit Engin Vural dann ein Mann, der den Verein bestens kennt.

Der 38-Jährige ist eigentlich U-19-Coach der Zebras und darf sich nun – auf bislang unbestimmte Zeit – erstmals in seiner Laufbahn bei einer Profimannschaft beweisen. “Es ist schon besonders. Ich habe mein Leben lang in Duisburg gewohnt und selbst in der Jugend für zwei Jahre hier gespielt. Ich bin als Trainer hier gewachsen und seit 14 Jahren im Klub. Es fühlt sich an wie mein zuhause”, erklärte Vural vor dem Auswärtsspiel in einer Medienrunde. “Ich komme aus dem Klub, ich kenne gefühlt jeden Menschen und jeden Stein hier an der Westender Straße.”

Rund 1300 Duisburger reisen nach Köln

Was Vural jedoch noch nicht kennt, ist das Gefühl, in der 3. Liga an der Seitenlinie zu stehen. Besonders auf die rund 1300 MSV-Anhänger, die mit nach Köln reisen werden, freut sich der Interimstrainer. “Unser Publikum ist dafür bekannt, gerade wenn es nicht so gut läuft, ein Gefühl dafür zu entwickeln, was die Mannschaft braucht. Deshalb bin ich optimistisch, dass die mitgereisten Fans uns bedingungslos unterstützen werden.”

Zuletzt kamen beim MSV jedoch Pfiffe auf, nachdem das Heimspiel gegen den SC Verl trotz früher 2:0-Führung noch mit 2:3 verloren wurde. Die vergangenen Wochen seien mittlerweile jedoch abgehakt, der Fokus liege nun auf der nächsten Aufgabe, wie Vural betonte.

Er selbst habe “nicht lange überlegen” müssen, als ihm der Job angeboten wurde, auch wenn es ihn durchaus “überrascht” habe. Vor seinem Debüt gab sich der Coach überzeugt, den Sprung in den Profifußball meistern zu können. “Bei beiden Mannschaften musst du dafür sorgen, dass du sie mit einer klaren Spielidee überzeugst. Das ist mir in der U 19 gelungen und ich bin mir sehr sicher, dass es mir auch oben gelingen wird.”

Vural will “professionell und erfolgreich” sein

Schließlich ist für Vural auch nicht alles neu. Mit Spielmacher Caspar Jander, Baran Mogultay, Hamza Anhari und dem dritten Torwart Maximilian Braune stehen gleich vier Spieler im Profikader, die der Coach in den vergangenen Jahren in der U 19 ausgebildet hatte. Rücken diese dadurch nun noch weiter in den Fokus oder werden gar weitere Youngster hochgezogen? “Der Gedanke ist da, aber jetzt geht es wirklich darum, dass wir erfolgreich sind. Wir haben keine Zeit für irgendwelche Sentimentalitäten. Es geht einfach nur darum, die beste Elf auf den Platz zu schicken und professionell und erfolgreich zu sein.”

Was die Fans unter ihm für einen Fußball erwarten können, lies Vural noch offen. Zwar habe er “eine klare Vorstellung”, wolle sich aber noch nicht in die Karten schauen lassen und den kommenden Gegner bis zum Anstoß ein wenig im Dunklen tappen lassen. “Ich glaube, dass es ein kleiner Vorteil ist. Wenn es nur ein Prozentpunkt ist, der uns letztlich zum Erfolg bringt, dann möchte ich den nutzen.”

Eine Sache verriet der Trainer aber dennoch. Kapitän Sebastian Mai wird zunächst nicht noch einmal im Sturm auflaufen. “Es ist natürlich schön zu sehen, dass er auch vorne funktioniert, aber ich kann schon verraten, dass wir Sebastian Mai in der Innenverteidigung sehen.”

Verzichten muss Vural weiterhin auf Thomas Pledl, Niklas Kölle (beide Schulter), Dennis Smarsch (Patellasehne) und Alexander Esswein, der am Mittwoch erfolgreich am gebrochenen Daumen operiert wurde und aller Voraussicht nach die gesamte anstehende englische Woche ausfällt. Kolja Pusch stieg derweil am Donnerstag mit seinen Leistenproblemen in das Reha-Programm ein.

2024 muss nicht Schluss sein, Gündogan bleibt Kapitän, Sommermärchen als Ziel

Die Körpersprache und der Gesichtsausdruck passten zu seinen Worten. Julian Nagelsmann betonte während seiner Antrittspressekonferenz am Freitag auf dem DFB-Campus in Frankfurt mehrfach, dass er auf seine neue Aufgabe brenne. Genau das strahlte er auch aus. Und blieb zudem bei konkreten Fragen nicht im Ungefähren.

Wird Deutschland mindestens zur EM 2024 führen: Julian Nagelsmann.

Wird Deutschland mindestens zur EM 2024 führen: Julian Nagelsmann.

IMAGO/Norbert Schmidt

Als der erste gemeinsame öffentliche Auftritt beendet war, klatschten sich der Bundestrainer, DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Sportdirektor Rudi Völler noch auf dem Podium zufrieden ab. Sie transportierten damit ein Bild, das sie auch in den vorangegangenen 52 Minuten abgegeben hatten – von einem Trio, dass nach dem Aus von Hansi Flick unbedingt zusammen kommen wollte.

Völler nennt den jüngsten Bundestrainer der Nachkriegsgeschichte einen “absoluten Glücksfall”, Neuendorf erzählt vom gemeinsamen Treffen in Köln vom vergangenen Dienstag, nach dem es “wirklich gar keinen Zweifel gab, dass Julian Nagelsmann diese Aufgabe mit größter Motivation angeht. Wir haben sofort gemerkt, dass wir ihn nicht ansatzweise überzeugen müssen.”

Der 36-Jährige bestätigt seinen neuen Boss: “Die Gespräche waren herausragend gut, es gab gar keinen Grund, mich überzeugen zu müssen.  Die Heim-EM ist ein extremer Anreiz und eine große Herausforderung. Wir gehen es mit viel Enthusiasmus und Vorfreude, aber auch mit dem nötigen Verantwortungsbewusstsein an.”

Ein Vertrag ist nicht immer das, was drinsteht, diese Erfahrung habe ich ja erst kürzlich gemacht.

Julian Nagelsmann

Unterfüttert werden Nagelsmanns Worte dadurch, dass er für den Job auf Geld verzichtet. Obwohl der FC Bayern ihm finanziell entgegengekommen ist, hatte er beim Rekordmeister noch einen hoch dotierten bis 2026 gültigen Kontrakt, unterschrieb beim DFB nun lediglich bis 2024.  “Dafür”, betont er, “will ich keine Lorbeeren. Ich verdiene genug Geld, da will ich mir nicht noch auf die Schultern klopfen lassen. Es geht nicht darum, über irgendwelche Geldthemen zu sprechen. Es geht für mich um die Sache, das Turnier und den Weg dahin.”

Eine klare Haltung hat Nagelsmann auch zum Thema Laufzeit. Dass die Zusammenarbeit vorerst nur bis nach der Europameisterschaft fixiert ist, lässt beiden Seiten Raum, die Dinge im Anschluss neu zu bewerten. Der Trainer stellt aber auch klar, dass im kommenden Sommer nicht Schluss sein muss:  „Wir hatten den Wunsch, dass die Arbeit gegenseitiges Vertrauen weckt und nicht das Arbeitspapier. Wenn wir im Sommer dasitzen und sagen, die Zusammenarbeit war ein Erfolg, dann ist von meiner Seite nichts ausgeschlossen. Ein Vertrag ist nicht immer das, was drinsteht, diese Erfahrung habe ich ja erst kürzlich gemacht.”

Nach dem Aus beim FC Bayern trifft er nun einen großen Bayern-Block wieder und sagt: “Da freue ich mich drauf. Ich habe sehr gern mit den Spielern gearbeitet. Was an der Trennung mit am meisten weh getan hat, war, dass man die Spieler dann im Fernsehen spielen sieht und es nicht mehr die eigenen Spieler sind. Ich freue mich sehr auf sie.”

Nagelsmann war “schon immer” von Gündogan überzeugt

Ob Manuel Neuer Teil dieser Delegation sein wird, lässt Nagelsmann offen, umdribbelt indes hat er diese heikle Personalie nicht. Nachdem er Neuers Vertrauten, Torwarttrainer Toni Tapalovic in München abserviert hatte, war der 37-Jährige über die SZ in den Gegenangriff übergegangen, das Tischtuch zwischen Trainer und Torwart danach zerschnitten. Nun sagt der neue Bundestrainer: “Wir haben immer gesagt, dass Manuel fit werden soll, es war eine schwere Verletzung. Das Wichtigste ist, dass er gesund wird. Wenn der Fall eintritt, dann werden wir das bewerten.“ Aber wie schon Vorgänger Flick, der zuletzt auf Nachfragen zu Neuer stets Marc-André ter Stegen gelobt hat, sagt auch Nagelsmann: „Wir haben das Glück, mehrere Weltklassetorhüter zu haben.”

Konkret festgelegt hat sich der neue Chef auf eine Personalie, die ebenfalls mit Spannung verfolgt wurde: Bis in den vergangenen Sommer hinein hatte Ilkay Gündogan in der Nationalelf nach einer festen Rolle zwischen Leon Goretzka und Joshua Kimmich gesucht. Beim FC Bayern galten die beiden Mittelfeldspieler als engste Vertraute des Trainers, der aber hat schon am Donnerstag mit dem Star des FC Barcelona telefoniert und sich nun auch öffentlich festgelegt hat: “Ilkay bleibt mein Kapitän. Ich war schon immer als Fußballer und Mensch extrem von ihm überzeugt.”

Um Überzeugung geht es für Nagelsmann auch in den kommenden Monaten. Die Diskussionen, wie weit Deutschland aktuell von der Weltspitze entfernt ist, hat er natürlich verfolgt und erklärt in Anlehnung an die Heim-WM von 2006: “Die Idealvorstellung ist das Sommermärchen 2.0.” Und ganz konkret: “Wir gehen nicht hin und sagen, dass wir eine gute Vorrunde spielen wollen.  Natürlich ist es auf jedem Level so, dass man an einem Spiel oder Turnier teilnimmt, um es zu gewinnen.” Die Worte sind Nagelsmanns Ausrufezeichen hinter einen Vormittag der klaren Botschaften.

Sebastian Wolff

Das Ende 2024 kein Muss, Gündogan bleibt Kapitän, Sommermärchen als Ziel

Julian Nagelsmann betonte während seiner Antrittspressekonferenz mehrfach, dass er auf seine neue Aufgabe brenne. Und blieb bei konkreten Fragen nicht im Ungefähren.

Wird Deutschland mindestens zur EM 2024 führen: Julian Nagelsmann.

Wird Deutschland mindestens zur EM 2024 führen: Julian Nagelsmann.

IMAGO/Norbert Schmidt

Als der erste gemeinsame öffentliche Auftritt beendet war, klatschten sich der Bundestrainer, DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Sportdirektor Rudi Völler noch auf dem Podium zufrieden ab. Sie transportierten damit ein Bild, das sie auch in den vorangegangenen 52 Minuten abgegeben hatten – von einem Trio, dass nach dem Aus von Hansi Flick unbedingt zusammenkommen wollte.

Völler nennt den jüngsten Bundestrainer der Nachkriegsgeschichte einen “absoluten Glücksfall”, Neuendorf erzählt vom gemeinsamen Treffen in Köln vom vergangenen Dienstag, nach dem es “wirklich gar keinen Zweifel gab, dass Julian Nagelsmann diese Aufgabe mit größter Motivation angeht. Wir haben sofort gemerkt, dass wir ihn nicht ansatzweise überzeugen müssen.”

Der 36-Jährige bestätigt seinen neuen Boss: “Die Gespräche waren herausragend gut, es gab gar keinen Grund, mich überzeugen zu müssen.  Die Heim-EM ist ein extremer Anreiz und eine große Herausforderung. Wir gehen es mit viel Enthusiasmus und Vorfreude, aber auch mit dem nötigen Verantwortungsbewusstsein an.”

Ein Vertrag ist nicht immer das, was drinsteht, diese Erfahrung habe ich ja erst kürzlich gemacht.

Julian Nagelsmann

Unterfüttert werden Nagelsmanns Worte dadurch, dass er für den Job auf Geld verzichtet. Obwohl der FC Bayern ihm finanziell entgegengekommen ist, hatte er beim Rekordmeister noch einen hoch dotierten bis 2026 gültigen Kontrakt, unterschrieb beim DFB nun lediglich bis 2024.  “Dafür”, betont er, “will ich keine Lorbeeren. Ich verdiene genug Geld, da will ich mir nicht noch auf die Schultern klopfen lassen. Es geht nicht darum, über irgendwelche Geldthemen zu sprechen. Es geht für mich um die Sache, das Turnier und den Weg dahin.”

Eine klare Haltung hat Nagelsmann auch zum Thema Laufzeit. Dass die Zusammenarbeit vorerst nur bis nach der Europameisterschaft fixiert ist, lässt beiden Seiten Raum, die Dinge im Anschluss neu zu bewerten. Der Trainer stellt aber auch klar, dass im kommenden Sommer nicht Schluss sein muss:  „Wir hatten den Wunsch, dass die Arbeit gegenseitiges Vertrauen weckt und nicht das Arbeitspapier. Wenn wir im Sommer dasitzen und sagen, die Zusammenarbeit war ein Erfolg, dann ist von meiner Seite nichts ausgeschlossen. Ein Vertrag ist nicht immer das, was drinsteht, diese Erfahrung habe ich ja erst kürzlich gemacht.”

Nach dem Aus beim FC Bayern trifft er nun einen großen Bayern-Block wieder und sagt: “Da freue ich mich drauf. Ich habe sehr gern mit den Spielern gearbeitet. Was an der Trennung mit am meisten weh getan hat, war, dass man die Spieler dann im Fernsehen spielen sieht und es nicht mehr die eigenen Spieler sind. Ich freue mich sehr auf sie.”

Nagelsmann war “schon immer” von Gündogan überzeugt

Ob Manuel Neuer Teil dieser Delegation sein wird, lässt Nagelsmann offen, umdribbelt indes hat er diese heikle Personalie nicht. Nachdem er Neuers Vertrauten, Torwarttrainer Toni Tapalovic in München abserviert hatte, war der 37-Jährige über die SZ in den Gegenangriff übergegangen, das Tischtuch zwischen Trainer und Torwart danach zerschnitten. Nun sagt der neue Bundestrainer: “Wir haben immer gesagt, dass Manuel fit werden soll, es war eine schwere Verletzung. Das Wichtigste ist, dass er gesund wird. Wenn der Fall eintritt, dann werden wir das bewerten.“ Aber wie schon Vorgänger Flick, der zuletzt auf Nachfragen zu Neuer stets Marc-André ter Stegen gelobt hat, sagt auch Nagelsmann: „Wir haben das Glück, mehrere Weltklassetorhüter zu haben.”

Konkret festgelegt hat sich der neue Chef auf eine Personalie, die ebenfalls mit Spannung verfolgt wurde: Bis in den vergangenen Sommer hinein hatte Ilkay Gündogan in der Nationalelf nach einer festen Rolle zwischen Leon Goretzka und Joshua Kimmich gesucht. Beim FC Bayern galten die beiden Mittelfeldspieler als engste Vertraute des Trainers, der aber hat schon am Donnerstag mit dem Star des FC Barcelona telefoniert und sich nun auch öffentlich festgelegt hat: “Ilkay bleibt mein Kapitän. Ich war schon immer als Fußballer und Mensch extrem von ihm überzeugt.”

Um Überzeugung geht es für Nagelsmann auch in den kommenden Monaten. Die Diskussionen, wie weit Deutschland aktuell von der Weltspitze entfernt ist, hat er natürlich verfolgt und erklärt in Anlehnung an die Heim-WM von 2006: “Die Idealvorstellung ist das Sommermärchen 2.0.” Und ganz konkret: “Wir gehen nicht hin und sagen, dass wir eine gute Vorrunde spielen wollen.  Natürlich ist es auf jedem Level so, dass man an einem Spiel oder Turnier teilnimmt, um es zu gewinnen.” Die Worte sind Nagelsmanns Ausrufezeichen hinter einen Vormittag der klaren Botschaften.

Sebastian Wolff