Rugani erlöst Turin in der Nachspielzeit: Juve beendet Sieglos-Serie

Um im Meisterschaftsrennen noch mitmischen zu können, brauchte Juve gegen Frosinone einen Dreier. Doch der Aufsteiger bot der Alten Dame die Stirn, nur um in der letzten Minute der Nachspielzeit von Rugani bezwungen zu werden.

Daniele Rugani erlöst Juve in der letzten Minute der Nachspielzeit.

Daniele Rugani erlöst Juve in der letzten Minute der Nachspielzeit.

Getty Images

Ganze zwei Punkte aus den vergangenen vier Ligaspielen hatte Juventus Turin vor der Partie gesammelt, die Meisterschaft war in weite Ferne gerückt. Mit einem Pflichtsieg gegen Aufsteiger Frosinone sollte die Wende gelingen – und es ging gut los für die Hausherren: Mit dem ersten Angriff war die Alte Dame erfolgreich und hatte leichtes Spiel. Einen Querpass von McKennie verwertete Vlahovic souverän (3.). 

Vlahovic gleicht wieder aus

Alles lief also nach Plan für Juve, doch ähnlich sorglos wie die Gäste in Minute drei verteidigte Turin selbst dann gute zehn Minuten später: Trotz klarer Überzahl im eigenen Sechzehner ließ Juves Hintermannschaft Cheddira völlig frei einnicken (14.). Der Treffer schockte die Hausherren, die in der Folge nicht mehr das eigene Spiel aufziehen konnten. Der Aufsteiger agierte hingegen mutig und bot dem Favoriten die Stirn. 

Serie A, 26. Spieltag

Juve erspielte sich ein paar Halbchancen, wurde aber nicht zwingend gefährlich – ganz anders die Gäste aus dem Tabellenkeller: Brescianini fackelte nach einem feinen Zuspiel von Harroui nicht lange und knallte die Kugel zum 2:1 in den Winkel – Spiel gedreht (27.). Allegri musste den angeschlagenen Rabiot noch vor der 30-Minuten-Marke vom Platz nehmen, kurz darauf stellte Vlahovic wieder alles auf Anfang: Erneut von McKennie bedient, zirkelte der Serbe die Kugel zum 2:2 ins Netz (32.). Zwar drängte die Alte Dame noch auf die Führung vor dem Seitenwechsel, Frosinone hielt aber dagegen und rettete das Remis in die Halbzeitpause. 

Sparflamme in Halbzeit zwei – Rugani lässt Turin toben

Die Kontrahenten starteten deutlich vorsichtiger in den zweiten Abschnitt. Vlahovic (52.) war dem Dreierpack nahe, ansonsten fokussierte man sich hüben wie drüben auf kompakte Defensivarbeit. Das nahm dem Spiel zwar die vielen Fehler aus Hälfte eins, aber auch seine Dynamik.

Langsam aber sicher erhöhte Turin dann kontrolliert den Druck, den Gästen fehlte es an Entlastungsaktionen. Yildiz (68.) trat im Strafraum am Ball vorbei, Vlahovic ließ den Dreierpack erneut liegen (75., 90.+1) und Gatti hatte den Siegtreffer auf dem Fuß (84.). Alles sah nach dem fünften sieglosen Spiel in Serie aus, dann erlöste Rugani die Alte Dame: In der letzten Minute der Nachspielzeit schob der Verteidiger die Kugel aus spitzem Winkel ein und ließ das Allianz Stadium toben. Turin beendete so die Sieglos-Serie und lässt Inter im Meisterrennen nicht noch weiter davonziehen. 

Lieberknecht: “Ein Punkt, der uns Stärke geben muss”

Auch im 16. Spiel hintereinander bleibt der SV Darmstadt 98 ohne Sieg. Trotzdem ist der Tabellenletzte weit davon entfernt aufzugeben. Trainer Torsten Lieberknecht setzt weiter auf das Erreichen der Relegation.

Aufgeben ist keine Option für den Tabellenletzten: Darmstadts Trainer Torsten Lieberknecht zeigt sich kämpferisch.

Aufgeben ist keine Option für den Tabellenletzten: Darmstadts Trainer Torsten Lieberknecht zeigt sich kämpferisch.

IMAGO/Eibner

Nach zwei aberkannten Toren in einer vogelwilden der Schlussphase fühlte sich das 1:1 bei Werder Bremen für den SV Darmstadt 98 eher wie eine Niederlage an. “Dass es nicht zu einem Dreier gereicht hat, lag an Millimeter-Entscheidungen”, konstatierte Trainer Torsten Lieberknecht.

Nicht infrage stellte der Coach dabei, dass die beiden Treffer von Tim Skarke nach VAR-Intervention zu Recht zurückgekommen wurden. Beim ersten Tor war Skarke eine Schuhlänge im Abseits, beim zweiten Treffer schoss ihm der Werder Keeper den Ball an die Hand, wobei es laut Regel keine Rolle spielte, dass diese angelegt war.

Hoffen auf die Belohnung

Das Bremen-Spiel war ein Spiegel der vergangenen Wochen, in denen der SV Darmstadt 98 nie schlecht spielte, aber auch nie gewann. Nach dem frühen Rückstand durch ein Eigentor zeigte das Team in Bremen Moral, erzielte den Ausgleich und hatte zur Pause sogar ein deutliches Plus an Torschüssen.

“Das ist ein Punkt, der uns Stärke geben muss”, sagte Lieberknecht, der das Spiel in Bremen wegen der vierten Gelben Karte von der Tribüne aus verfolgen musste. Die Partie habe gezeigt, wie widerstandsfähig sein Team sei. “Irgendwann muss die Mannschaft eine Belohnung bekommen für das, was sie einstecken muss.”

Gegen Augsburg gab es den letzten Sieg

Sollte die Mannschaft jedoch nicht bald eine Belohnung bekommen, wird es immer schwieriger, das Minimalziel Relegation zu erreichen. Konkurrent Köln punktete gerade beim VfB Stuttgart, gegen den die Lilien eine Woche zuvor zu Hause noch 1:2 verloren hatten.

Nun kommt als nächster Gegner der FC Augsburg ans Böllenfalltor (Samstag, 15.30 Uhr, LIVE! bei kicker. Neben Bremen sind die Schwaben das einzige Team, gegen das die Lilien gewinnen konnten. In der Hinrunde siegte man Anfang Oktober 2:1 in Augsburg. Seither ist das Lieberknecht-Team ohne Dreier.

SV Darmstadt 98: Die nächsten gegner

Bangen um Mehlem

Ob die Lilien im Abstiegskampf dabei auf Mittelfeldmann Marvin Mehlem bauen können, steht in den Sternen. Der Kreativspieler, der gerade erst von einem Wadenbeinbruch genesen ist, musste in der Schlussphase vom Platz – erneut mit Verdacht auf einen Bruch des Wadenbeins. Eine Diagnose wird nach einem MRT am Montag erwartet.

Bereits vor seiner Verletzung hatte Mehlem in Bremen auch in einer anderen Situation Pech: Kurz nach der Pause jagte er nach einer schönen Kombination frei vor dem Tor den Ball weit über den Kasten.

Hoffen auf Justvan und Holtmann

Ein anderer kreativer Mittelfeldspieler entpuppt sich dagegen immer mehr als Gewinn für die Lilien: Julian Justvan, Winterleihgabe aus Hoffenheim, erzielte nicht nur den wichtigen Ausgleich, sondern setzte vor allem im ersten Durchgang auch einige positive Akzente.

Mit Gerrit Holtmann, der im Winter ebenfalls als Leihgabe geholt worden war und in Bremen nach seiner Oberschenkelverletzung noch geschont wurde, hat Darmstadt zudem einen weiteren Spieler, der im offensiven Mittelfeld für Überraschungsmomente sorgen kann. Damit würde ein möglicher Ausfall Mehlems – anders als in der Hinrunde – zumindest etwas besser kompensiert werden können.

Stephan Köhnlein

Schwarz im Interview: “Die Erfahrung aus Moskau hilft mir in New York”

Nächster Halt Major League Soccer: Trainer Sandro Schwarz (45) entwickelt sich allmählich zum Weltreisenden. In den USA verfolgt er ehrgeizige Ziele und erwartet Fußball auf einem guten Level. Ein Interview.

Am Sonntag (23 Uhr MEZ) ist Saisonstart: Die New York Red Bulls sind beim Nashville SC um Hany Mukhtar gefordert. Zuvor nahm sich Sandro Schwarz im Trainingslager Zeit, um per Videocall zu erklären, was er bei den Red Bulls vorhat. Es ist seine vierte Erstliga-Station nach Mainz 05 (Juli 2017 bis November 2019), Dynamo Moskau (Oktober 2020 bis Juni 2022) und Hertha BSC (Juli 2022 bis April 2023).

Herr Schwarz, wie groß ist die Vorfreude auf das Auswärtsspiel am Sonntag in Nashville?

Die Vorfreunde ist riesig. Hinter uns liegt eine intensive Vorbereitungszeit inklusive des gesamten Kennenlernprozesses, den es zu bewältigen gilt bei einem neuen Verein, in einer neuen Kultur und einem neuen Land.

MLS-Auftakt der New York Red Bulls

Wie unterschiedlich ist das Fußballgeschäft in den USA im Vergleich zu Ihren vorherigen Stationen?

Ich kann alle beruhigen, auch bei uns hier wird elf gegen elf gespielt (lacht). Von daher gibt es in der Arbeitsweise während der Vorbereitung keine großen Unterschiede, wir müssen auf nichts verzichten. Ganz im Gegenteil: Die Jungs sind sehr willig und auch taktisch schon relativ weit. Jetzt gilt es, eine Struktur reinzubekommen, damit wir möglichst erfolgreich sind.

Gibt es gar keine Unterschiede?

Quervergleiche kann ich noch schlecht ziehen, ich habe noch kein Ligaspiel bestritten. Die Aufgabe hier ist eine tolle Herausforderung, wir haben eine tolle Gruppe und eine tolle Atmosphäre am Trainingsgelände. Die tägliche Arbeit macht großen Spaß. Jetzt kommt der Wettkampf dazu, und darauf freuen wir uns total.

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Ist die MLS für Sie völliges Neuland?

Ohne zu wissen, dass mich der nächste Schritt hierherführen würde, hatte ich eine Sommerpause mal genutzt, um mit meinem Trainerteam in den USA Spiele anzuschauen und Eindrücke zu sammeln. Die Liga nimmt eine sehr spannende Entwicklung, angefangen vom Start in den 1990ern über die Veränderungen in den vergangenen Jahren bis hin zur Weltmeisterschaft 2026, die in Kanada, den USA und Mexiko ausgetragen wird. Nach den ersten Gesprächen mit Verantwortlichen von den New York Red Bulls Ende 2023 haben wir uns dann sehr intensiv mit der Aufgabe beschäftigt und uns auch viel Videomaterial über die Mannschaft angeschaut.

Die Liga nimmt eine sehr spannende Entwicklung

Sandro Schwarz

Früher war die MLS ein Auffangbecken für Altstars. Auch heute spielen bei Inter Miami Lionel Messi, Sergio Busquets und Luis Suarez, die alle 35 Jahre oder älter sind. Für was stehen die New York Red Bulls?

Sandro Schwarz, Emil Forsberg, Jochen Schneider

Emil Forsberg (mi.) hat ein neues Kapitel in den USA aufgeschlagen.
IMAGO/USA TODAY Network

Wir haben mit Emil Forsberg, der 32 ist, einen erfahrenen Spieler mit absoluter Top-Qualität auf und außerhalb des Platzes aus Leipzig geholt. Wir besitzen eine klare Identität, was die Red-Bull-typische Spielweise betrifft, und wir möchten uns weiterentwickeln und eine dynamische Gruppe sein. Wir wollen als Gruppe weiterwachsen und auch den einen oder anderen jungen Spieler daran teilhaben lassen, um die nächsten Schritte für sich persönlich zu gehen.

Wenn man den Kader durchforstet, fällt der 21-jährige John Tolkin auf. Trauen Sie ihm den Sprung in eine größere Liga zu?

Im Prinzip ja, in der Vorbereitung war er leider angeschlagen und etwas raus. Er hat als Linksverteidiger auf jeden Fall sehr viel Potenzial. Man muss aber auch sagen: Bei den nächsten Schritten geht es nicht darum, aus den USA rauszukommen, sondern sie so sinnvoll zu gestalten, dass es dann für den jeweiligen Spieler wirklich passend ist. Es geht nicht darum, einfach nach Europa zu gehen, dafür hat die MLS schon einiges an Qualität, sie ist eine sehr spannende Liga. Trotzdem ist es auch für uns als Mannschaft wichtig, die Spieler so zu entwickeln, dass womöglich der eine oder andere diesen nächsten Schritt auch in Europa machen kann. Gleichzeitig haben wir den Anspruch und den Leistungsgedanken, Woche für Woche Spiele zu gewinnen und das Maximale rauszuholen.

Was ist die Zielsetzung der New York Red Bulls?

Es sollten definitiv wieder die Playoffs sein, das ist unser Anspruch. Aber jetzt wollen wir erst einmal erfolgreich in die Saison reinkommen, das Auftaktprogramm hat es in sich. An den ersten sieben Spieltagen müssen wir fünfmal auswärts ran.

New York war 14-mal nacheinander in den Playoffs, scheiterte dort meist relativ früh. Ist es Ihr Ziel, den Klub auf ein anderes Niveau zu heben?

Natürlich! Mein Staff und ich sind jetzt nicht hierhergekommen, um das Programm einfach nur abzuspulen und das Level gerade so zu halten. Wir möchten gemeinsam auf die nächste Stufe kommen. Aber zunächst müssen wir uns auch diesmal wieder mit vielen kleinen Schritten für die Playoffs qualifizieren.

Nur zehn Monate Hertha – das war ja weniger unsere Idee

Sandro Schwarz

Übernehmen Sie dabei eine längerfristige Rolle? Ihre Vertragslaufzeit wurde nicht kommuniziert.

Bei jeder Aufgabe, die ich bisher angenommen habe, ob als Spieler oder Trainer, ist es ein wichtiges Kriterium, dass ich mich damit komplett identifizieren kann und nicht denke, das ist jetzt mal ein kurzer Zwischenstopp. Es ist für mich etwas ganz Normales, nicht nur als Trainer, sondern als Mensch, mich mit Haut und Haaren hineinzubegeben und alles für den gemeinsamen Erfolg zu tun. Meine Frau und die beiden Kinder sind mit hier. Wir haben die Entscheidung gemeinsam getroffen. Wir fühlen uns wohl damit, es ist gemeinsam der nächste Schritt. Ich war fast zwei Jahre bei Dynamo Moskau. Dass bei Hertha nur zehn Monate daraus wurden – das war ja weniger unsere Idee (schmunzelt).

In den sehr unruhigen Zeiten bei Hertha waren auch Ihre Qualitäten als Krisenmanager und Entertainer gefragt, sind Sie jetzt wieder mehr Fußballlehrer?

Auf der Ebene, auf der ich arbeite, musst du viele Facetten mitbringen, egal in welchem Land, dann bist du nicht mehr nur der klassische Fußballtrainer. Das Leadership gehört überall dazu. Berlin war trotz allem auch eine sehr wertvolle Erfahrung in diesem ganz, ganz schwierigen Jahr. Auch mit Abstand finde ich, dass man es phasenweise gesehen hat, was wir investiert haben, leider aber nicht mit der nötigen Konstanz.

Als Ihre Verpflichtung von den Red Bulls bekannt wurde, gab es Skepsis in den Medien, warum die Wahl auf Sie fiel – wie haben Sie es wahrgenommen?

In der Vorstellungs-Pressekonferenz war es kein Thema, sie war von einer großen Offenheit geprägt. Die Erfahrung aus Moskau hilft mir natürlich in New York. Es ist doch klar, wenn du als ausländischer Trainer irgendwo anfängst, dann fragen einige, ob das jetzt sein musste. Wenn man dann da ist und die Leute spüren, was das für ein Typ ist und wie er arbeitet, ab da gilt dann die Bewertung wirklich. Aber da hilft mir dann auch die Auslandserfahrung. Es ist ein Stück weit normal, dass Reaktionen erst einmal so sind. Es ist gut, mit einer großen Entspanntheit an die Sache zu gehen.

Moskau, Berlin, New York – Sie bewegen sich im Job nur noch in Metropolen. Liegt es an Ihrer Abenteuerlust?

(lacht) Die Frage ist total berechtigt, aber es ist nicht geplant. Wir haben uns nicht den nächsten Klub wegen der Stadt ausgesucht. Umgekehrt war es so, dass der Klub einfach gepasst hat und wir danach festgestellt haben, dass es auch ein besonderer Standort ist.

Warum haben Sie nicht auf ein gutes Angebot in Deutschland gewartet?

Es gab auch die eine oder andere Option, nach dem ersten Gespräch mit den Red-Bulls-Verantwortlichen war für mich aber klar: Es fühlt sich sehr gut an! Wie man hier Fußball spielen lassen möchte, welche Qualität an Führungspersonal schon im Klub ist, das passt alles sehr gut und hat mir die Entscheidung leicht gemacht. Das Umfeld und die Möglichkeiten des Vereins, das Beste aus der Mannschaft rauszuholen, stehen für mich über der Frage, in welcher Liga der Klub spielt.

Leiden Sie noch mit Ihrem “Heimatverein” Mainz 05?

Leiden ist das falsche Wort, das braucht der Klub auch nicht. Aber natürlich verfolge ich den Verein, für den ich schon in der Jugend gespielt habe. Die erste Pressekonferenz von Bo Henriksen habe ich mir sogar bei Youtube angeschaut.

Dieses Interview erschien erstmals in der Montagsausgabe des kicker am 19. Februar.

Interview: Michael Ebert

Guirassy und das Kölner Kryptonit

Köln bringt Serhou Guirassy einfach kein Glück. Wie in der Hinrunde geht der VfB-Torjäger auch diesmal gegen seinen Ex-Klub leer aus. Der FC sowie Abwehrmann Julian Chabot sind Kryptonit für Stuttgarts Supermann.

Stuttgarts Sergou Guirassy (r.) gegen Kölns Julian Chabot.

Stuttgarts Sergou Guirassy (r.) gegen Kölns Julian Chabot.

IMAGO/Hartenfelser

Die Stadt von Rhein hat für Guirassy und dessen Karriere eine besondere Bedeutung. Zwischen Juli  2016 und Januar 2019 trug der gebürtige Franzose das Trikot des FC. Von der Regionalliga mit der Reserve des Traditionsklubs über die 2. Bundesliga, die Bundesliga, den DFB-Pokal bis in die Europa League. Doch der Traum, in Deutschland Ansehen und Renommee zu erlangen und seiner Karriere den großen Schub zu verleihen, erfüllte sich nicht.

Dies gelang Guirassy in Stuttgart, wo er im Sommer 2022 angeheuert hat. Der 27-Jährige wird seinen eigenen und den Ansprüchen an ihn mehr als gerecht, reiht viele starke Leistungen aneinander. Nur gegen Köln will es nicht so richtig klappen. Wie schon im Hinspiel, das der VfB dank eines Doppelpacks des diesmal verletzt fehlenden Deniz Undav mit 2:0 gewann, blieb dem Nationalspieler Guineas ein Treffer verwehrt. Der FC und vor allem Gegenspieler Julian Chabot sind wie Kryptonit für den Stuttgarter Supermann.

Guirassy schwächelt vor dem Tor, wenn es gegen seinen Ex-Klub und dessen Abwehrhühnen geht. Zusammen mit Innenverteidiger-Kollege Luca Kilian machte ihm Chabot auch diesmal das Leben sehr schwer. Und wenn er den beiden dennoch mal entwischen sollte, war ein anderer Kölner mit einem Körperteil zur Stelle, um einen Treffer des Wahl-Schwaben zu verhindern.

Seine beste Chance war ein Kopfball, den der Stürmer nach einer Flanke von Woo-Yeong Jeong in der 17. Minute ganz knapp am langen Eck über das Tor setzte. Sportchef Fabian Wohlgemuth zeigt sich nicht zufrieden. Guirassy habe sich “oft in der Doppeldeckung” wiedergefunden und über die gesamte Spielzeit “aufgerieben beim Anlaufen. Er hatte außerdem die Chance mit dem Kopfball in der ersten Halbzeit. Deshalb war es eine ordentliche Leistung”.

Seinem Gegenüber hat das Duell mit dem Torjäger gefallen. “Es war ein körperbetontes Duell”, sagt  Chabot, der auch in der Hinrunde seinem Gegenüber kein Tor gegönnt hatte. “Die ganze Liga weiß inzwischen, was Serhou draufhat. Er verfügt in allen Bereichen über Qualität. Ob in der Luft oder am Boden. Sich mit solchen Spielern zu messen, macht Spaß.”

Wohlgemuth: “Die letzte Überzeugung, die letzte Gier im Strafraum hat gefehlt”

Letztlich lag es nicht am VfB-Torjäger allein, dass die Partie nicht gewonnen wurde. “Wir waren oft im letzten Drittel, hatten viele Aktionen im Strafraum”, erklärt Wohlgemuth. Aber die letzte Überzeugung, die letzte Gier im Strafraum hat gefehlt. Wir hatten die Gelegenheiten, das Spiel zu gewinnen.” Die allerdings die gesamte Mannschaft vergeben hat.

George Moissidis

Bordeaux-Angreifer Elis im künstlichen Koma – OP offenbar erfolgreich

Das Spiel zwischen Girondins Bordeaux und EA Guingamp in der französischen Ligue 2 wurde von einem schweren Zusammenprall überschattet. Bordeaux’ Alberth Elis wurde am Samstagabend ins künstliche Koma versetzt – am Morgen gab es leichte Entwarnung.

Alberth Elis von Girondins Bordeaux wurde nach einem Zusammenprall ins künstliche Koma versetzt.

Alberth Elis von Girondins Bordeaux wurde nach einem Zusammenprall ins künstliche Koma versetzt.

Getty Images

Am 26. Spieltag der französischen Ligue 2 kam es in der Partie zwischen Girondins Bordeaux und EA Guingamp (1:0) zu einem schweren Zusammenstoß. Das Spiel war gerade einmal 34 Sekunden alt, als Bordeaux-Flügelstürmer Alberth Elis einen Kopfball so wuchtig auf das Tor brachte, dass die Kugel erst an die Latte, dann auf die Linie und anschließend noch einmal an den Querbalken sprang, bevor die Szene entschärft wurde.

Der 64-malige Nationalspieler Honduras’ rauschte bei dieser Aktion heftig mit Donatien Gomis zusammen. Guingamps Innenverteidiger erwischte seinen Gegenspieler, der mit viel Tempo zum Ball ging, dabei so unglücklich mit dem Kopf an der Schläfe, dass dieser zusammenbrach.

Operation noch in der Nacht

Die Partie war daraufhin minutenlang unterbrochen. Ärzte kümmerten sich um Elis, die Spieler sorgten für Sichtschutz. In der 10. Spielminute wurde der 28-Jährige vom Feld getragen und von Jeremy Livolant ersetzt. Die Partie lief daraufhin weiter, während sich der Angreifer laut Prime Video, dem Übertragungssender, noch zu weiteren Untersuchungen im Stadion befand. In der Halbzeit erklärte der Verein via Social Media dann, dass Elis auf dem Weg ins Krankenhaus sei. Nach Informationen von L’Equipe soll er sich zu diesem Zeitpunkt bei Bewusstsein befunden haben.

Am späten Abend schrieb das Fachmagazin jedoch, dass man Elis mit seiner schweren Kopfverletzung in ein künstliches Koma versetzt habe. Immerhin gab es am nächsten Morgen leichte Entwarnung: Noch in der Nacht sei Elis operiert worden, ersten Informationen zufolge offenbar erfolgreich.

Die Partie wurde trotz des frühen Schocks regulär zu Ende gebracht. Girondins Bordeaux setzte sich durch einen Treffer des slowenischen Stürmers Zan Vipotnik mit 1:0 durch. Auf Platz 13 liegend schob sich die Mannschaft von Albert Riera damit auf fünf Punkte an Platz fünf, der zu den Aufstiegs-Play-offs berechtigt, heran. Alles Sportliche rückte an diesem Abend allerdings weit in den Hintergrund: “Dieser Sieg ist für Alberth”, betonte Trainer Rivera auf der anschließenden Pressekonferenz.

Bouchalakis’ Blackout: Routinier ohne Rhythmus

Folgenschwerer Fehler vorm Gegentor, Dienstende in Braunschweig nach 45 Minuten: Andreas Bouchalakis findet bei Hertha BSC auch ein halbes Jahr nach seiner Verpflichtung nicht wie erhofft in den Rhythmus.

Andreas Bouchalakis findet bei Hertha noch nicht in die Spur. 

Andreas Bouchalakis findet bei Hertha noch nicht in die Spur. 

Getty Images

Ob solche blutleeren, passiven, beinahe ängstlichen Auftritte wie im ersten Durchgang in Braunschweig eine Frage der Qualität oder des Kopfes sind, mochte Pal Dardai nicht final beantworten. “Dieses Mal haben wir nicht geführt, sondern hatten von Anfang an eine Blockade”, sagte Hertha-Coach Pal Dardai nach dem 1:1 und einem Spiel, das zwei komplett unterschiedliche Halbzeiten bereit hielt. “Wir waren gelähmt und haben uns versteckt, vor allem zentrale Spieler. Das ist nicht in Ordnung.”

Barkok und Bouchalakis auf der Doppel-Sechs ohne Struktur

Das “Versteck-Spiel”, das der Ungar seit Saisonbeginn immer wieder moniert, fand in Braunschweig seine Fortsetzung. Vor allem die mit Winter-Zugang Aymen Barkok und Andreas Bouchalakis bestückte Doppel-Sechs bekam im ersten Durchgang keinen Zugriff – und schaffte es nicht, Herthas Spiel Balance und Strukur zu geben. Beiden Sechsern fehlten Präsenz und Präzision. Für Bouchalakis war der Arbeitstag bereits nach nicht mal einer Viertelstunde völlig verkorkst. Ein Anspiel von Keeper Tjark Ernst, das er an der Strafraumgrenze empfing, wollte der Grieche auf Toni Leistner weiterleiten und übersah den heraneilenden, lauernden Fabio Kaufmann, der entschlossen vollendete.

Der folgenschwere Fehlpass war nicht Bouchalakis‘ erster Blackout in dieser Saison. Beim 1:3 in Nürnberg im Oktober hatte der Mittelfeldspieler Verteidiger Marc Oliver Kempf mit einem schlampigen Kurzpass in die Bredouille gebracht, Nürnbergs Benjamin Goller war dazwischen gespritzt und von Kempf per Notbremse gestoppt worden. Kempf sah die Rote Karte, seine Wuttirade beim Verlassen des Platzes fingen die TV-Mikrofone ein („Was macht dieser Boucha da, meine Fresse!“). Kapitän Toni Leistner sprach später zu Recht von einem “Schweinepass”.

Bisher wenige gute Tage für den Routinier

Bouchalakis, Ende August von Olympiakos Piräus gekommen, sollte beim Bundesliga-Absteiger dank seiner Erfahrung und seiner fußballerischen Qualitäten eine tragende Rolle einnehmen. An guten Tagen war in dieser Saison erkennbar, dass der griechische Nationalspieler dank seiner Übersicht, seiner strategischen Veranlagung und seinem Gespür fürs Spiel das Zeug zum Taktgeber hat.

Aber von den guten Tagen gab es bislang zu wenige. Der bis 2025 gebundene Sechser hat mit der Intensität und dem Tempo der 2. Liga noch immer größere Probleme, Konzentrationsaussetzer wie in Braunschweig kommen hinzu. Die Hoffnung, dass er sich dank seiner Spielintelligenz, seiner Erfahrung (u.a. 141 Erstligaspiele in Griechenland, 42 A-Länderspiele, 13 Champions-League-Spiele, 26 Europa-League-Spiele) und den bereits absolvierten Auslandsstationen in England (Nottingham Forest) und der Türkei (Konyaspor) in Berlin nach einer Eingewöhnungsphase zum Mittelfeld-Metronom aufschwingen kann, hat sich bislang nicht erfüllt.

Herthas Nachwuchs weiß zu überzeugen

“Wenn ich Sechser bin, heißt es scannen, heißt es Schulterblick – und dann aufdrehen”, sagte Dardai mit Blick auf Bouchalakis‘ Fauxpas. “Mein Spieler spielt den Ball hin, und es klingelt. Das ist schon Qualität. Wir müssen nicht alles unter den Teppich schieben.” Es seien “nicht die jungen Spieler”, die derart nachlässig agieren, “die ziehen richtig mit – es gibt andere Spieler, die helfen müssen”. Und die das zu wenig tun.

Nach 45 Minuten wechselte Dardai Bouchalakis am Samstag aus. Dessen Platz auf der Sechs nahm im zweiten Durchgang der zuvor in der Innenverteidigung aufgebotene Pascal Klemens ein, der eingewechselte Linus Gechter bot in der Innenverteidigung eine konzentrierte, zupackende Vorstellung – und in Ibrahim Maza traf ein weiterer Joker zum 1:1. Gechter ist 19, Klemens wurde am Tag vor dem Spiel 19, Maza ist 18: Herthas Talente liefern ab. Von Routinier Bouchalakis lässt sich das auch sechs Monate nach seiner Ankunft in Berlin noch nicht sagen.

Steffen Rohr

Xabi Alonsos Ode an seine Rekord-Profis: “Es ist so einfach mit ihnen”

Bislang erklärte Xabi Alonso zu möglichen Rekordserien, sie seien “nicht das Ziel, sondern nur das Ergebnis unserer Arbeit”. Doch nachdem Bayer 04 mit dem 2:1 gegen Mainz einen Bundesligarekord aufgestellt hatte, wurde der Baske feierlich.

Auch einer, der es Xabi Alonso

Auch einer, der es Xabi Alonso “einfach” macht: Der Spanier klatscht mit Florian Wirtz ab.

IMAGO/RHR-Foto

Er ist niemand, der große Worte über Bestmarken verliert. Wahrscheinlich, weil er selbst so viele aufgestellt hat als Spieler, der alle großen Titel im Weltfußball gewonnen hat – außer der Europa League. Und das auch nur, weil er als Profi nie in dieser antrat, sondern immer in der Champions League, der Königsklasse, wo einer wie er hingehört.

Umso bemerkenswerter waren die lobenden Worte, die Xabi Alonso nach dem 2:1-Sieg der Werkself gegen Mainz 05 fand, mit dem Bayer 04 nun auch nach 33 Pflichtspielen in dieser Saison ungeschlagen ist und damit den FC Bayern München ablöste, der von Dezember 2019 bis September 2020 unter Hansi Flick in 32 Partien nacheinander ohne Niederlage geblieben war.

Alonso ist “wirklich stolz”

So erklärte Leverkusens Trainer feierlich zum Thema Rekorde: “Ich kümmere mich nicht darum, bevor sie aufgestellt werden. Aber dann, wenn es passiert, bin ich wirklich stolz darauf.” Um dann eine Hymne auf seine aktuelle Mannschaft anzustimmen. Eine wahre Ode an seine Rekord-Profis.

“Ich werde nicht müde, meinen Spieler dazu zu gratulieren: Der Aufwand, den sie betreiben, das Bekenntnis zur Mannschaft, das sie haben –  es ist so einfach, mit ihnen zu arbeiten. Es ist eine Freude. Ich lerne so viel von ihnen in jeder Einheit, in jedem Spiel.”

Natürlich haben wir Großartiges erreicht, aber wir wollen nicht damit aufhören.

Xabi Alonso

Doch Xabi Alonso wäre nicht Xabi Alonso, wenn er den frisch aufgestellten Rekord nicht als Ansporn zu weiteren Großtaten umdeuten würde. “Es ist großartig, dass wir auch das noch erreicht haben. Natürlich bekommst du dafür keine Medaille, aber das egal. Es ist wirklich wunderbar, diesen Prozess zu durchlaufen, den wir im Juli gestartet haben mit dieser Gruppe”, schwärmte der Baske und stellte dann unzweideutig fest: “Schauen wir mal, wie weit wir damit kommen. Natürlich haben wir Großartiges erreicht, aber wir wollen nicht damit aufhören.”

Bayers Erfolgsstory soll auch nach Spiel 33 ohne Niederlage noch lange nicht zu Ede erzählt sein.

Stephan von Nocks

Das rheinische Derby Köln gegen Leverkusen: Wie geht’s aus?

Zum 72. Mal steht in der Bundesliga das rheinische Derby zwischen dem 1. FC Köln und Bayer Leverkusen an. Wie geht’s aus?

Selten waren die Kräfteverhältnisse vor dem rheinischen Derby so eindeutig verteilt wie vor dem Wiedersehen am 24. Spieltag in Köln. Der FC steckt tief im Keller fest, wartet seit drei Partien auf einen Dreier und hat nur eines der vergangenen zehn Bundesligaspiele für sich entscheiden können.

Auf der anderen Seite der souveräne Tabellenführer: Die Werkself stellte mit dem 2:1 gegen den 1. FSV Mainz 05 erst einen neuen Rekord auf und hat seit Saisonbeginn 33 Pflichtspiele ohne Niederlage bestritten. Und auch das Hinspiel im vergangenen Oktober konnte Bayer deutlich mit 3:0 für sich entscheiden. Was denken Sie? Wie geht das rheinische Derby am Sonntag aus? Stimmen Sie ab:

Vielen Dank für Ihre Teilnahme.

Röhl im Interview: “Alle Transfers gehen über meinen Tisch”

Bei seiner ersten Station als Cheftrainer kämpft Danny Röhl bei Sheffield Wednesday gegen den Abstieg. Im kicker-Interview spricht der 34-Jährige über die Stärke der Championship, Telefonate mit Beratern – und seine Trainerkarriere.

Herr Röhl, Sie haben am 13. Oktober 2023 den Job des Teammanagers bei Sheffield Wednesday übernommen. Der Aufsteiger hatte zu diesem Zeitpunkt lediglich drei Punkte und null Siege. Seither gab es in der Liga neun Siege, zwei Unentschieden und zwölf Niederlagen bei 23:35 Toren und einem Punkteschnitt von 1,26. Ihre Mannschaft steht auf dem 23., somit vorletzten Rang. Wie bewerten Sie diese Zwischenbilanz?

Bis hierhin haben wir mit der Mannschaft eine gute Entwicklung genommen, vor allem was die Spielidee und die Identität betrifft. Von den ersten sechs Spielen konnten wir im Herbst 2023 leider nur eines gewinnen, obwohl unsere Performance schon deutlich besser geworden war. Würden wir allein die letzten 15 Partien nehmen, stünden wir auf Tabellenposition 7 mit 1,46 Punkten im Schnitt. Daran sind Fortschritte abzulesen, obwohl die Leistung noch immer nach oben und unten ausschlägt. Um unser Saisonziel, den Klassenerhalt, zu erreichen, müssen wir konstant punkten.

Wie sieht Ihre Spielidee aus?

Sie ist aufgrund meiner Vergangenheit schon etwas komplexer und geprägt vom Red-Bull-Fußball mit viel Pressing in der Kombination mit Ballbesitzphasen, in denen Lösungen zu finden sind, wie es beim FC Bayern praktiziert wurde. Diesen Balanceakt versuche ich immer wieder reinzubringen, dabei müssen wir aber insbesondere Punkte sammeln. Die Chance, auf den viertletzten Rang zu kommen, lebt noch. Als ich kam, trauten uns nicht viele zu, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt noch so im Rennen sind.

In der Transferperiode im Winter kamen fünf Mann neu zu Ihrem Kader, darunter ein Talent aus der eigenen Jugend. Fünf Spieler gingen. Hat sich der Klub ausreichend verstärkt?

Ja, wir konnten uns grundsätzlich verstärken. Jeder Trainer möchte zwar immer mehr neue Spieler haben, aber im Januar ist die Situation schwierig. Und ein abstiegsbedrohter Verein kann nicht alle Wunschspieler bekommen, wir hätten auch gerne noch den einen oder anderen Spieler mehr verpflichtet. In James Beadle, dem Torwart, den wir von Brighton geholt haben, steht bei uns ein Keeper im Tor mit sehr viel Potenzial. Dieses Ausnahmetalent werden wir in den kommenden Jahren auf deutlich höherem Niveau sehen. Stürmer Iké Ugbo hilft uns ebenfalls, er hat schon fünfmal getroffen (zuletzt am Samstag doppelt beim 2:1 gegen Bristol, Anm. d. Red.). Bailey Cadamarteri habe ich aus der Jugend hochgezogen, Marvin Johnson habe ich im Oktober zurückgeholt, nachdem er suspendiert war. Neben den neuen Spielern konnten wir die Mannschaft und jeden Einzelnen deutlich weiterentwicklen. Eine gezielte Jugendförderung gehört zum Plan, weil wir die zweitälteste Mannschaft der Liga haben. 

Bisher hatte ich nicht mit Beratern telefoniert, Verträge besprochen oder Spieler suchen und überzeugen müssen.

Danny Röhl

Wie sieht die Arbeit eines Teammanagers in Englands zweiter Liga aus?

Es gilt in allen Bereichen Lösungen zu finden. Zum Beispiel haben wir zwei Rasenplätze, müssen bei Frost aber auf die fehlende Rasenheizung reagieren. Man hat alles, was man braucht, auf dem Platz können wir gut arbeiten. Sheffield Wednesday hat sehr schlanke Strukturen: Da ist der Chairman, zugleich der Eigentümer des Klubs, dann komme schon ich. Alle Entscheidungen treffen wir zwei zusammen. Alle Transfers gehen über meinen Tisch, alle Vertragsverlängerungen, die Hotelbuchungen. Ich muss alles mit absegnen. Diese kurzen Wege sind einerseits gut, um Dinge schnell anzuschieben; aber es ist viel Arbeit. Mein sehr erfahrenes Trainerteam hilft mir da sehr.

Wie viele Leute hat Ihr Stab?

Ich habe einen Asssistant Manager, zwei Co-Trainer und einen Torwarttrainer mitgebracht sowie einen weiteren Co-Trainer aus der Akademie hochgezogen, es ist also ein Team mit fünf Leuten. Ich wollte Mitarbeiter mit sehr unterschiedlichen Profilen, zum Beispiel einen englischsprachigen Trainer, der die Liga kennt, und einen, der das Bindeglied zur Akademie darstellt. Für mich war die größte Herausforderung das Transferfenster. Bisher hatte ich nicht mit Beratern telefoniert, Verträge besprochen oder Spieler suchen und überzeugen müssen.

Die Championship ist für mich nach den fünf Top-Ligen in Europa die beste.

Danny Röhl

Sie bezeichneten Flick im November 2022 als Ihren Mentor. Wie viel Flick steckt in Ihnen?

Neben den taktischen Inhalten habe ich vor allem die Mannschaftsführung von Hansi Flick mitgenommen, wie er die Spieler in ihren positiven Eigenschaften bestärkt, Gespräche gesucht und ihnen Feedback gegeben hat. Flick hat seine Mannschaft immer geschützt. Auch für mich ist der stets gute Draht zu den Spielern sehr wichtig, ohne dass ich meine hohen Erwartungen an sie reduziere, sei es im Training auf dem Platz oder bei Taktik-Meetings. 

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Warum hakt es bei Dennis Schröder? Die NBA im Fokus (Mit Dré Voigt)


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Sheffield Wednesday, gegründet am 4. September 1867, zählt zu den ältesten noch bestehenden Fußballvereinen der Welt, ist Gründungsmitglied der FA und der Premier League sowie erster FA-Cup-Sieger. Es gab vier Meisterschaften, die letzte 1930. 2000 ging es in die Zweite Liga, anschließend zweimal in die dritte Liga. 2023 gelang die Rückkehr in die EFL Championship, die zweite englische Liga. Welches Selbstverständnis herrscht aktuell beim Aufsteiger?

Wir spielen zu Hause im Schnitt vor 25.000 Zuschauern, auswärts begleiten uns bis zu 4000. Die Unterstützung ist außergewöhnlich und herausragend. Mit dem Potenzial der Fans und der Strahlkraft kann Sheffield Wednesday wieder ein Premier-League-Klub werden. Dafür muss man aber viel investieren, nicht nur Geld, sondern auch mit Blick auf die Identität. Dazu haben wir jetzt Anstöße gegeben. Im Sommer müssen die richtigen Stellschrauben gedreht werden, 20 Verträge laufen aus. Da muss bei der Kaderzusammenstellung vieles richtig gemacht werden. Mit seiner Historie und Tradition ist es ein ganz besonderer Klub. Selbst Greenkeeper anderer Vereine sagen mir bei Auswärtsfahrten, dass sie Wednesday-Anhänger sind. Und auch in Deutschland verbinden Fußballfans mit Sheffield Wednesday eine gewisse Geschichte.

Wenn wir das Niveau in England und Deutschland vergleichen: Auf welchem Platz stünde Ihr Team in der 2. Liga in Deutschland?

Die Championship ist für mich nach den fünf Top-Ligen in Europa die beste. Hier sind klasse Spieler auf hohem Niveau aktiv. Vergleicht man die Marktwerte der Top-Klubs der 2. Bundesliga mit der Championship, würde der Hamburger SV mit zirka 50 Millionen Euro bei uns auf Platz 16 liegen. Der gesamte Kaderwert der Championship umfasst 1,7 Milliarden, eine Riesendimension. Unser Kader liegt bei nur 20 Millionen. 

Mein Verhältnis zu Hansi Flick ist immer noch sehr vertraut. Aber mein Fokus liegt komplett auf meiner eigenen Entwicklung als Chef-Trainer.

Danny Röhl

Sie haben als Videoanalyst und Co-Trainer gearbeitet, bei RB Leipzig, in Southampton, bei Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft. Nun sind Sie erstmals in der Hauptverantwortung. Wie sieht Ihr weiterer Karriereplan aus? 

Ich bin aktuell sehr zufrieden, nach rund zehn Jahren in anderen Rollen nun Cheftrainer in der englischen Variante, also mit Manageraufgaben, sein zu dürfen. Diese Aufgabe gibt mir eine große Erfüllung. Ich gehe jeden Tag mit einem Lächeln zur Arbeit, trotz der herausfordernden Tabellenkonstellation. Ich spüre enorm viel positive Energie, es macht einfach Spaß. Mein Verhältnis zu Hansi Flick ist immer noch sehr vertraut und wir tauschen uns regelmäßig aus. Aber mein Fokus liegt komplett auf meiner eigenen Entwicklung als Chef-Trainer. 

Werden Sie in der kommenden Saison unabhängig von der Ligazugehörigkeit in jedem Fall bei Sheffield Wednesday bleiben?

Aktuell konzentriere ich mich bis zum 5. Mai voll und ganz auf die laufende Saison, damit sie so endet, wie wir es uns wünschen; anschließend werden wir uns zusammensetzen und die Situation bewerten.

Können Sie sich eine Rückkehr in die Bundesliga vorstellen?

Na klar, die Bundesliga gehört zu einer der Top-Ligen weltweit. Als deutscher Trainer ist es immer etwas Besonderes, im eigenen Land auf höchsten Niveau arbeiten zu dürfen. Wenn man Kind ist, träumt man immer von der ersten Bundesliga.

Interview: Karlheinz Wild

Dreesen: “Wir haben das Richtige getan”

Abgesehen von der Pressemitteilung äußerte sich Bayerns CEO Jan-Christian Dreesen nach dem 2:1 gegen RB Leipzig erstmal zur Trennung von Trainer Thomas Tuchel im Sommer und betonte das gegenseitige Einverständnis dieser Entscheidung.

Steht voll hinter dem Neuanfang im Sommer: Bayerns Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen.

Steht voll hinter dem Neuanfang im Sommer: Bayerns Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen.

IMAGO/Eibner

“Ich bin erst mal sehr froh, dass wir eine Reaktion der Mannschaft gesehen haben”, atmete Dreesen nach dem späten 2:1-Siegtor von Harry Kane gegen RB Leipzig durch. Das Spiel an sich allerdings war schnell abgehakt, die übergeordneten Themen dominieren den Rekordmeister. Also erklärte Dreesen noch einmal Vorgang und Motivation der Entscheidung, im Sommer mit einem neuen Trainer in die Saison zu gehen. “Wir haben miteinander entschieden, dass es für die Mannschaft, für den Klub und auch für ihn besser ist, wenn wir im Sommer auseinandergehen und einen Neuanfang machen.” Die Frage, ob es wirklich einvernehmlich zugegangen sei, konterte Dreesen: “Thomas ist jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt und eine Meinung hat, die er auch vertritt. Wenn er nicht der Meinung gewesen wäre, hätten wir nicht zusammen in einer Presseerklärung gesagt, dass wir uns einvernehmlich trennen.”

Wir haben gesehen, es funktioniert so nicht. Und deswegen haben wir entschieden, dass wir es anders machen wollen.

Jan-Christian Dreesen

Wie schon Tuchel in der Pressekonferenz am Freitag sieht auch Dreesen nicht den einen Alleinschuldigen an der bislang insgesamt enttäuschenden Saison. “Thomas hat gesagt, dass man nicht nur bei einem Fehler suchen sollte, wir sind sowieso nicht auf der Fehlersuche. Wir haben nur gesehen, es funktioniert so nicht. Und deswegen haben wir entschieden, dass wir es anders machen wollen.” Den Zeitpunkt des Gesprächs und der Bekanntgabe hält der Bayern-Biss für angemessen: “Ich hatte das Gefühl, dass wir miteinander sprechen müssen, und ich glaube, wir haben das Richtige gemacht.”

Dreesen wünscht sich Kontinuität

Den zuletzt hohen Trainerverschleiß beim Rekordmeister sieht auch Dressen. “Das können wir besser machen. Wir streben wieder mehr Kontinuität auf dem Trainerstuhl an.” Das wiederum bestimmt die Mannschaft mit ihren Leistungen und Ergebnissen mit. Dreesen verteidigte den Kader. “Es ist nicht angemessen, über die Qualität der Mannschaft zu reden. Wir haben eine hervorragende Qualität.”

Auch Kritik am vergangenen Transfersommer bügelte Dreesen weg: “Ich darf daran erinnern, dass wir nicht nur mit Harry Kane ein Weltklasse-Stürmer geholt haben, sondern auch mit Min-jae Kim den besten Verteidiger der Serie A. Insofern kann ich nicht sehen, dass wir im Transfersommer nur Schlechtes gemacht haben. Ganz im Gegenteil. Wir haben vielleicht am Ende ein, zwei Spielern nicht bekommen, die wir gerne wollten, aber das heißt nicht, dass es ein schlechter Transfersommer war.”

Klar ist schon jetzt: Auch der kommende wird spannend, denn einen Umbruch im Kader wird es sehr wohl geben, er ist dringend nötig. Daran ändert das 2:1 gegen Leipzig samt ordentlichem Vortrag nichts. 

Frank Linkesch