Rode und sein Schweinsteiger-Moment in Sevilla

Viel fehlte nicht und Sebastian Rode hätte weite Teile des Europa-League-Finals gegen die Glasgow Rangers, das die Eintracht schließlich mit dem Titelgewinn im Elfmeterschießen krönte, im Krankenhaus verbracht.

Auch mit Medaille noch gezeichnet: Sebastian Rode nach Gewinn der Europa League mit der Eintracht.

Auch mit Medaille noch gezeichnet: Sebastian Rode nach Gewinn der Europa League mit der Eintracht.

IMAGO/Gribaudi/ImagePhoto

Denn schon in der 5. Spielminute des Europa-League-Finals wurde der Frankfurter Kapitän mit sehr hohem Bein und offener Sohle von  Glasgows Defensivakteur John Lundstram mit den Stollen oberhalb der Stirn erwischt. Der 31-Jährige blieb mit Schmerzen – und sofort deutlich erkennbar blutend – erst einmal auf dem Rasen liegen und musste mehrere Minuten behandelt werden.

“Es tat eigentlich nur weh”

Zunächst sah es nicht gut aus, doch nachdem ihm von den Betreuern ein Turban angelegt worden war, kehrte Rode rund fünf Minuten nach dem Foul, für das Lundstram keine Gelbe Karte erhalten hatte, wieder auf das Feld zurück. “Ich war bei Bewusstsein, es tat eigentlich nur weh”, erklärte der Mittelfeldstratege hinterher, dass er nach der beängstigend anmutenden Szene keinen Blackout erlitten hatte.

Ich habe nur an ‘Schweini’ im WM-Finale gedacht.

Sebastian Rode

Anschließend spielte Rode fast bis zum Ende der regulären Spielzeit durch und wurde von Coach Oliver Glasner erst in der 90. Minute für Kristijan Jakic ausgewechselt. Daran, dass sein Team beinahe wie schon im Rückspiel gegen West Ham mit Martin Hinteregger einen Schlüsselspieler früh im Spiel verloren hätten, wollte Rode indes gar nicht erst denken.

“Ich habe eigentlich nur an ‘Schweini’ im WM-Finale gedacht”, meinte er.

Schweinsteiger als Vorbild

Jener Bastian Schweinsteiger hatte beim Gewinn der Weltmeisterschaft durch die DFB-Elf im Finale des WM-Turniers von Brasilien 2014 mehrfach nach Foulspielen am Boden gelegen und auch einmal im Gesicht geblutet. Doch der damalige Bayern-Profi hatte sich im Maracana von Rio de Janeiro immer wieder aufgerafft, schließlich die 120 Minuten bis zum Feststehen des 1:0-Erfolgs nach Verlängerung gegen Argentinien durchgestanden und anschließend den WM-Pokal in die Höhe gestemmt.

In Sevilla war es nun Rode, der nach seinem persönlichen Schweinsteiger-Moment feiern durfte.

Frankfurts Königsweg an die Fleischtöpfe der Königsklasse

Sportlich war der Triumph in der Europa League für Eintracht Frankfurt nicht zu toppen. Und finanziell stehen die Hessen über Nacht gänzlich anders dar.

Mit diesem Pott lässt es sich deutlich entspannter planen: Frankfurts Trainer Oliver Glasner.

Mit diesem Pott lässt es sich deutlich entspannter planen: Frankfurts Trainer Oliver Glasner.

IMAGO/MIS

In der Bundesliga wurde Eintracht Frankfurt nur Tabellen-Elfter. Die Hessen landeten also weit entfernt von Europa und möglichen Zusatzeinnahmen durch eine Qualifikation für einen Wettbewerb im Europapokal – Aus in der 1. Runde des DFB-Pokals ebenfalls inklusive. Die durchschnittliche Bundesliga-Platzierung wirft zudem nicht das ganz große TV-Geld ab.

Doch so wie die Frankfurter durch die Europa League pflügten, war dies für die SGE definitiv der Königsweg an die Fleischtöpfe der Champions League. 13 Spiele in der Europa League, keine Niederlage – in der lukrativen K.-o.-Phase standen nach dem Finalsieg gegen die Rangers aus sieben Spielen fünf Siege und zwei Remis zu Buche.

Goldene Nacht von Sevilla – auch finanziell

Frankfurts Finale

Die Eintracht ist in der Nacht von Sevilla ein deutlich dickerer Fisch in der Bundesliga geworden. Allein der Triumph in der Europa League spült den Hessen 8,6 Millionen Euro in die Kassen. Die damit verbundene Teilnahme am europäischen Supercup am 10. August gegen den Champions-League-Sieger (FC Liverpool oder Real Madrid) beschert der Eintracht weitere 3,5 Millionen Euro Startprämien. Sollten sie gar gewinnen, gibt es eine Million Euro extra.

Startprämie ist das Wort, das die Frankfurter Verantwortlichen für die Planung der kommenden Spielzeit besonders entspannt machen dürfte. Denn mit dem Europa-League-Sieg kassiert die SGE als Champions-League-Starter 2022/23 fixe 15,64 Millionen Euro.

Topf 1 bei der Auslosung zur Gruppenphase der Champions League

Zudem finden sich die Frankfurter bei der Auslosung der kommenden Champions-League-Auslosung in Topf eins mit dem CL-Titelverteidiger und den Meistern der besten sechs europäischen Verbände, sortiert nach dem UEFA-Ranking. Klar, Champions League ist kein Spaziergang, aber eine “Hammergruppe”, wie sie zum Beispiel RB Leipzig immer mal wieder serviert bekam, muss man nicht zwingend befürchten – eben weil man in der Gruppe nicht Teams wie Real Madrid oder Paris Saint-Germain zu befürchten hat.

Für den Champions-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt lesen sich die finanziellen Anreize in der Königsklasse damit wie folgt: Gruppenphase 2,6 Millionen Euro pro Sieg, 900.000 Euro pro Remis, Einzug ins Achtelfinale (9,6 Mio. Euro), Viertelfinale (10,6 Mio.), Halbfinale (12,5 Mio.), Finale (12,5 Mio.) plus 4,5 Mio. für den Sieger, Supercup (3,5 Mio.) plus eine Million Euro für den Sieger.

Frankfurt spielt gegen Real oder Liverpool – und beschert der Bundesliga ein CL-Quintett

Mit dem Sieg im Europa-League-Finale hat Eintracht Frankfurt eine durchwachsene Saison meisterhaft gekrönt – und zugleich der Bundesliga ein besonderes Bonbon serviert. Außerdem steht ein weiteres großes Spiel an.

Der Jubel kennt keine Grenzen: Die Spieler der Eintracht feiern den ersten deutschen Sieg in der Europa League.

Der Jubel kennt keine Grenzen: Die Spieler der Eintracht feiern den ersten deutschen Sieg in der Europa League.

IMAGO/PA Images

Am 10. August 2022 steigt im finnischen Helsinki die 47. Ausgabe des UEFA-Supercups. Mit dabei: die Frankfurter Eintracht, die sich diese Ehre mit dem dramatischen Erfolg im Europa-League-Finale gegen die Glasgow Rangers (5:4 im Elfmeterschießen nach 1:1 in der regulären Spielzeit) verdiente. Der erste internationale Titel seit dem UEFA-Pokal-Sieg über den deutschen Konkurrenten Gladbach 1980.

Heißt im Umkehrschluss auch, dass sich die SGE hier auf ein großes Duell einstellen darf. Schließlich spielt beim Supercup stets der EL-Champion gegen den Triumphator in der Champions League – und das wird in diesem Jahr entweder Real Madrid um Superstar Karim Benzema oder der von Jürgen Klopp trainierte FC Liverpool sein (Finale steigt am Samstag, 28. Mai).

Es war sicher auch ein bisschen Glück dabei heute – Respekt für den Gegner. Wir wollten diesen verdammten Pokal nach Frankfurt bringen. Es hat mir jeder verboten: Aber ich werde heute Nacht aus diesem Pott saufen.

Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt

Wie viel das dem 2015/16 noch in der Bundesliga-Relegation um den Klassenerhalt kämpfenden hessischen Traditionsklub bedeutet, unterstrich allen voran Eintracht-Präsident Peter Fischer nur kurz nach dem Schlusspfiff und direkt auf dem Feld im Interview mit RTL: “Da gibt’s keine Worte, es ist dann zu viel. Am 10. August spielst du jetzt gegen Liverpool oder Real Madrid.”

“Der größte Moment der Vereinsgeschichte”

Doch nicht nur das: Obwohl die Frankfurter nach durchwachsenen Phasen in der Bundesliga nur auf dem elften Platz gelandet und früh aus dem DFB-Pokal ausgeschieden waren, wird das von Oliver Glasner trainierte Team in der neuen Saison in der Champions League auflaufen. Und zudem bei der Auslosung auch noch als amtierender EL-Sieger in Topf eins zusammen mit Giganten wie Real Madrid, Paris Saint-Germain oder Bayern München gesetzt sein – Mehreinnahmen im zweistelligen Millionenbereich inklusive für den Klub.


Peter Fischer ist Präsident von Eintracht Frankfurt.

Aus dem Häuschen – und ausgestattet mit dem Europa-League-Pokal: SGE-Präsident Peter Fischer.
Getty Images

Auch hierzu hatte Vereinspräsident Fischer direkt etwas zu sagen: “Mein kleiner Sohn hat das (die Champions-League-Hymne; Anm. d. Red.) auf dem Handy und hat gesagt: ‘Guck’ mal Papa … wie wäre das, wenn die Hymne auch bei uns mal im Stadion kommen würde.’ Und jetzt ist es wirklich so. Ich kann ja zurückdenken: ohne Lizenz, 2. Liga, Abstieg, Relegation, das läuft einem ja auch durch den Kopf in diesen Momenten. Und heute jetzt der größte Moment der Vereinsgeschichte: Das ist so! Da laufen die Tränen.”

Und ein großer Augenblick auch für den deutschen Fußball. Denn dank dieses Triumphes von Eintracht Frankfurt wird die Bundesliga in der kommenden Saison gleich fünf Teams in die Königsklasse entsenden – neben Meister Bayern und Vizemeister Dortmund auch Leverkusen, Leipzig und als besonderes Bonbon eben auch die SGE mit ihren einmal mehr fleißig mitreisenden und lautstarken Fans.

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Trapp: “Wir sind alle die Helden”

Die Stimmen zum Frankfurter Europa-League-Sieg in Sevilla …

Der entscheidende Moment: Kevin Trapp hält den Elfmeter von Aaron Ramsey.

Der entscheidende Moment: Kevin Trapp hält den Elfmeter von Aaron Ramsey.

IMAGO/Revierfoto

Oliver Glasner (Trainer Eintracht Frankfurt): “13 Spiele in Europa und keins verloren. Was die Jungs geleistet haben, da fehlen mir die Worte und die fehlen mir nicht oft. Wir sind heute wieder zurückgekommen, jeder hat noch einmal alles rausgepresst. Es war unglaublich. Dann der Freistoß in der letzten Minute, ein Auf und Ab der Gefühle. Auch die Spieler, die nicht viel gespielt haben oder die nicht dabei waren in Europa, haben uns toll unterstützt. Dieser Spirit hat uns hierhin geführt. Jetzt feiern wir ein paar Tage.”

Kevin Trapp (Torhüter Eintracht Frankfurt) unmittelbar nach Spielschluss bei RTL: “Nicht ich, wir sind alle die Helden, schau dir das an! Wir haben gewusst, wir sind dran. Ohne die Fans hätten wir es nicht geschafft.”

Trapp über seinen Spickzettel über die Elfmeterschützen der Rangers: “Die haben mir bei den ersten beiden nicht geholfen, dann habe ich gar nicht mehr drauf geguckt.”

Sebastian Rode (Kapitän Eintracht Frankfurt): “Es war ein harter Weg, es stand für uns so viel auf dem Spiel. Ich war danach (nach einem Tritt an den Kopf in der Anfangsphase; Anm. d. Red.) direkt wieder beim Bewusstsein, es tat eigentlich nur weh. Ich habe eigentlich nur an ‘Schweini’ im WM-Finale gedacht. Wir haben uns das alle verdient.”

Ansgar Knauff (Offensivspieler Eintracht Frankfurt): “Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich habe beim Elfmeterschießen fast einen Herzinfarkt bekommen.”

Martin Hinteregger (Verteidiger Eintracht Frankfurt): “Was war das für ein Spiel heute. Und dann noch im Elfmeterschießen. Das war unglaublich. Die Reise geht jetzt weiter in die Champions League. Jetzt genießen wir das einfach nur.”

Timothy Chandler (Rechtsverteidiger Eintracht Frankfurt): “Was die geleistet haben heute. Jetzt ist nur noch Freude, Party! Es ist unglaublich, wir haben es geholt, für die Fans, für die Stadt, jetzt wird riesig gefeiert. Danke an die Fans, danke an Deutschland!”

Donata Hopfen (DFL-Geschäftsführerin): “Was für ein großartiger Abend, was für ein fantastischer Erfolg! Die Frankfurter haben, angetrieben durch die hervorragende Unterstützung ihrer Fans, im besten Sinne Werbung für die Bundesliga gemacht.”

Der erste Fußballheld nach dunklen Zeiten

Am 19. Mai 1922 erblickte Herbert Burdenski in Gelsenkirchen das Licht der Welt. Ein ganz spezielles Tor hat ihm seinen Platz in den Geschichtsbüchern für alle Zeiten gesichert.

Hätte heute seinen 100. Geburtstag gefeiert: Herbert Burdenski.

Hätte heute seinen 100. Geburtstag gefeiert: Herbert Burdenski.

picture alliance / nordphoto

Auf den ersten Blick liest sich diese Bilanz nicht sonderlich bemerkenswert: Zwei Tore erzielte Herbert Burdenski in fünf Länderspielen für Deutschland zwischen 1941 und 1951. Unterbrochen wurde seine Karriere wie die so vieler anderer durch den Zweiten Weltkrieg. Wer weiß, was sonst möglich gewesen wäre für den Mann, der an diesem Donnerstag seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Geschichte geschrieben hat “Budde” – Vater des Bremer Torwartidols Dieter Burdenski – aber trotz aller historischen Widrigkeiten. Bzw. gerade im Zusammenhang mit diesen.

Im ersten Länderspiel nach dem Krieg erzielte der Mittelfeldakteur per Strafstoß den 1:0-Siegtreffer gegen die Schweiz. Dieser 22. November 1950 in Stuttgart markierte für viele nicht weniger als einen (weiteren) Akt der Wiederaufnahme Deutschlands in die internationale Staatengemeinschaft. Und der Name Herbert Burdenski wurde bundesweit zum Synonym für einen neuen sportlichen Stolz.

Länderspiel, 1950

Entdeckung und Teamkollege des großen Schalkers Ernst Kuzorra

Als Zwölfjähriger hatte Burdenski beim Gelsenkirchener Stadtteilklub Erler SV 08 mit dem Fußballspielen begonnen, schon ein Jahr später schloss er sich 1935 dem großen FC Schalke an. Entdeckt worden war er bei Schulmeisterschaften von Ernst Kuzorra, der sich parallel zu seiner Spielerkarriere bei den Königsblauen auch mit um die Nachwuchsarbeit kümmerte. Mit dem fast 17 Jahre älteren Vereinsidol spielte Burdenski dann von 1940 und 1943 zusammen in der Ersten Mannschaft der Knappen – und gewann als Teil des berühmten “Schalker Kreisels” 1940 und 1942 zweimal die Deutsche Meisterschaft. Sein Länderspieldebüt feierte Burdenski am 5. Oktober 1941 beim 6:0 gegen Finnland in Helsinki unter Trainer Sepp Herberger.

Assauer, Reck, Rost und Özil traten in seine Fußstapfen

Während des Krieges war Burdenski in Ostpreußen stationiert, dort 1943/44 eine Saison lang für den VfB Königsberg am Ball. 1949 zog es den gelernten Kaufmann aus beruflichen Gründen in die Hansestadt Bremen. Dort spielte Burdenski noch fünf Jahre für den SV Werder – und begründete damit eine lange Tradition von prominenten Akteuren, die auf Schalke wie in Bremen tiefe Spuren hinterließen.

Es folgten große Namen wie Rudi Assauer, Oliver Reck, Frank Rost, Ailton, Mladen Krstajic, Fabian Ernst oder Mesut Özil. Und nicht zuletzt: Sohn Dieter, der 1950 in Bremen geboren wurde, aber nach der Rückkehr der Familie im Ruhrgebiet aufwuchs und seine ersten Bundesligaspiele für Schalke absolvierte. Ehe “Budde junior”, nach der kurzen Zwischenstation Arminia Bielefeld, von 1972 bis 1988 eine Torhüter-Ära an der Weser prägte.

Sprößling Dieter Burdenski blieb selbst als Nationalspieler noch “der Sohn von…”

Trotz der übermächtigen Konkurrenten Sepp Maier und Toni Schumacher überholte Dieter Burdenski mit zwölf A-Länderspielen seinen Vater klar. Blieb allerdings, wie er sich erinnert, “selbst nach mehreren Jahren in der Bundesliga immer noch: der Sohn von…”. Als Trainer coachte Herbert Burdenski in den 60er und 70er Jahren u.a. RW Essen, Borussia Dortmund, Union Solingen, den Wuppertaler SV – sowie in der Saison 1975/76 Werder Bremen mit dem eigenen Filius zwischen den Pfosten.

Eine Zeit, auf die Dieter Burdenski mit gemischten Gefühlen zurückblickt: “Das war sehr kompliziert. Immerhin gab es kein Gerede, er würde mich bevorzugen, ich war als Nummer 1 komplett unumstritten. Aber in der Kabine war ich ziemlich isoliert. Die Gespräche verstummten oft, wenn ich dazu kam. Da war mir schon klar: Es ging um den Trainer.”

Rot-Weiß Lüdenscheid in der Saison 1978/79 markierte Herbert Burdenskis letzte Station als Fußballcoach. Danach fungierte er bis kurz vor seinem Tod im September 2001 rund zwei Jahrzehnte lang als Aufsichtsratsmitglied des FC Schalke, ebenso wie sein 2014 verstorbener Sohn Joachim. “Schalke”, sagt Dieter Burdenski über seinen Vater, “war seine große Liebe”. Die Liebe zum Fußball und eine große Portion Talent gab er familienintern über Generationen weiter. Dieters Sohn Fabian Burdenski (30), Mittelfeldspieler wie der Großvater, ist derzeit für den Regionalligisten FSV Frankfurt aktiv. Der Name Burdenski bleibt im kollektiven Fußball-Gedächtnis also aus vielerlei Gründen präsent.

Thiemo Müller

Hertha und der HSV im Check

Hertha BSC will den siebten Abstieg der Bundesliga-Geschichte verhindern – und der Hamburger SV am Ende der vierten Zweitliga-Saison endlich wieder hoch ins deutsche Oberhaus. Trainer, Personal, Stärken, Schwächen: Der kicker vergleicht beide Teams vor dem Relegations-Hinspiel am Donnerstag (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker) in Berlin.

Die letzten Duelle liegen eine Weile zurück. In der Saison 2017/18 gewann Hertha beide Begegnungen jeweils mit 2:1. Beim Heimspiel im Oktober 2017 trafen Karim Rekik und Niklas Stark (HSV-Tor: Arp). Das Rückspiel in Hamburg Mitte März 2018 war das Debüt des damaligen HSV-Trainers Christian Titz. Die Gastgeber gingen durch Douglas Santos in Führung, Valentino Lazaro und Joker Salomon Kalou drehten die Partie.

Relegation 2021/22

Es war die bislang letzte Saison beider Klubs in derselben Spielklasse. Und das bleibt vorläufig so. Im Relegations-Duell , dessen erster Teil am Donnerstagabend im vollbesetzten Berliner Olympiastadion über die Bühne geht, wird das 18. und letzte Bundesliga-Ticket für die Saison 2022/23 vergeben. Der kicker nimmt die Rivalen unter die Lupe.

Die Ausgangslage

Hertha hat drei Matchbälle in Serie vergeben – und die nach den Siegen in Augsburg (1:0) und gegen Stuttgart (2:0) fast sicher geglaubte direkte Rettung auf der Zielgeraden der regulären Saison in Bielefeld (1:1), gegen Mainz (1:2) und in Dortmund (1:2) verspielt. Nach dem Abpfiff in Dortmund und dem späten Sieg der Stuttgarter gegen Köln waren die Profis in Schockstarre.

Trainer Felix Magath, in den Wochen zuvor durchaus als Mahner und Warner im Einsatz, predigt seitdem Zuversicht. Am Dienstag ging’s ins Trainingslager ins brandenburgische Kienbaum östlich von Berlin. Am Mittwoch sagte Magath mit Blick auf den Gegner HSV: “Objektiv betrachtet ist es so, dass wir in der besseren Liga gespielt haben. Deswegen sollten wir auch in der Lage sein, besser zu spielen.” Auf den HSV und den Ansatz von dessen Coach Tim Walter wähnt er sich gut vorbereitet: “Walter hat eine Spielidee, er weiß, wie er spielen will. Aber die ist länger bekannt, und sie ändert sich auch nicht. Deswegen ist für uns und mir klar, wie der HSV auftritt. So kann man sich gut vorbereiten.”

In der Abgeschiedenheit Kienbaums, im Olympischen und Paralympischen Trainingszentrum, bereitet Magath sein Team auf das Relegations-Hinspiel vor: Wir haben uns die Sportschule auch deswegen ausgesucht, weil hier die Sieger herkommen.

Der HSV hat Geschichte geschrieben in den zurückliegenden Wochen – als erster Klub, der seit Einführung der Drei-Punkte-Regel einen Sieben-Punkte-Rückstand auf Rang 3 innerhalb der letzten fünf Partien aufgeholt hat. “Das Momentum”, sagt deshalb Trainer Walter, “ist auf unserer Seite.” Das ist mehr als der Versuch, Optimismus auszustrahlen, es ist gelebte Zuversicht beim Zweitligisten. “Wir sind obenauf, können befreit aufspielen und haben richtig Bock”, unterstreicht Kapitän Sebastian Schonlau. “Ich hoffe, das sieht man dann auch.”

Neben dem Pluspunkt, mit fünf Siegen in Serie in die Relegation zu starten, könnte noch ein weiterer Aspekt vorteilhaft sein: Seit dem Abstieg 2018 tat sich der HSV vier Jahre lang schwer mit der Last der Favoritenbürde. Es geht zwar um das Traumziel Bundesliga, das lähmende Gefühl aus dem Zweitligaalltag, etwas zu verlieren zu haben, aber hat die Seiten gewechselt. “Hertha”, weiß Schonlau, “hat definitiv etwas zu verlieren, wir haben nur etwas zu gewinnen. Wir können etwas Großartiges schaffen, was für die Stadt und den Verein unfassbar wäre.”

Die Trainer

Felix Magath, bei seinem Comeback im März nach neuneinhalb Jahren Bundesliga-Pause von vielen belächelt, hat seine Skeptiker Lügen gestraft. Er hat die Mannschaft aus ihrer Lethargie herausgeholt und ihr Stabilität und Orientierung gegeben. Er hat immer wieder den Mut zu überraschenden Personalien und zugleich eine Achse – die lange vermisst wurde – installiert. Der 68-Jährige ist noch nie aus der Bundesliga abgestiegen, diesen Nimbus will er gegen den HSV, “seinen” HSV, bewahren.

Als Spieler stieg er in Hamburg zur Legende auf: dreimal deutscher Meister (1979, 1982, 1983), Europapokalsieger der Pokalsieger (1977), Europapokalsieger der Landesmeister (1983) mit ihm als Schütze des goldenen Tores im Finale gegen Juventus Turin. Nach dem Ende der Spielerkarriere beerbte er Günter Netzer 1986 als HSV-Manager, später war er Trainer der U23, Co-Trainer bei den Profis unter Benno Möhlmann und schließlich Cheftrainer (Oktober 1995 bis Mai 1997).

Hertha gegen den HSV – das ist auch das Duell zwischen Magaths Gegenwart und seiner Vergangenheit. Klar ist: Nach den beiden Relegationsspielen ist Schluss in Berlin. Der Klub sucht eine Langfrist-Lösung. Und Magath? Hat keinen Druck, aber weiter Lust aufs Trainer-Dasein.

Tim Walter ist mit Magath gut bekannt aus gemeinsamen Café-Besuchen in der gemeinsamen Wahlheimat München. Der 46-jährige Badener schätzt den Meistermacher als “großartigen Trainer und Menschen”. Und er weiß: “Er hat uns in Sachen Erfahrung viel voraus.”

Komplexe, so viel ist sicher, wird Walter vor dem Duell mit Magath dennoch keine bekommen. Mut predigt er vom ersten Tag an in Hamburg und lebt ihn auch vor. In seiner Spielweise, in seinem Auftreten. Wenn er sagt, der HSV habe wieder eine Identität, dann ließe sich das durchaus als Eigenlob interpretieren.

Es ist an dieser Stelle angebracht und wird von den Führungsspielern erwidert. Die stetige Suche nach der spielerischen Lösung von ganz hinten heraus wirkt riskant und hat gegen Topteams wie Schalke und Werder oder im Pokal gegen Köln und Freiburg auch zu Chancen der Gegner und Gegentoren geführt, Torwart Daniel Heuer Fernandes aber sagt: “Wir haben einen klaren Plan und fühlen uns mit diesem wohl.”

Hinzu kommt: Walter hat die Mentalität verändert. Dass seine Profis im Gewand der Unbeugsamen daherkommen, schreiben diese ganz entscheidend ihrem Chef zu. “Daran”, erklärt Schonlau, “hat der Trainer einen riesigen Anteil, er trichtert uns das jeden Tag ein”.

Das Personal

Herthas Mittelfeld-Abräumer Santiago Ascacibar (Gelb-Sperre) fehlt im Hinspiel. Auch Angreifer Davie Selke und Innenverteidiger Marton Dardai (beide muskuläre Probleme im Oberschenkel) fallen aus, ebenso die seit längerem fehlenden Lukas Klünter, Kelian Nsona, Dong-Jun Lee und Alexander Schwolow.

Auch für Marcel Lotka, der sich in Schwolows Abwesenheit die Position als Nummer 1 sicherte, reicht es dem Vernehmen nach nicht. Die Blessur, die er sich in Dortmund bei einer Rettungsaktion zuzog (Nasenbeinbruch und leichte Gehirnerschütterung), lässt einen Einsatz im Heimspiel wohl nicht zu.

Neben dem seit Oktober verletzten Tim Leibold (Kreuzbandriss) ist Anssi Suhonen beim HSV der einzige Ausfall. Einer, der schwer wiegt, weil der Finne als Aufsteiger der letzten Saisonwochen ein belebendes Element war.

Die Stärken

Hertha, unter Magath-Vorgänger Tayfun Korkut zeitweilig eine Schießbude (71 Saisongegentore), hat sich defensiv deutlich gefestigt. Routiniers wie Kapitän Dedryck Boyata und Linksverteidiger Marvin Plattenhardt kamen zuletzt wieder in die Nähe ihrer Topform, auch Klub-Rekordeinkauf Lucas Tousart fand unter dem dritten Trainer der Saison in die Spur.


Lucas Tousart und Dedrick Boyata (v.l.)

Unter Felix Magath wieder besser in Form: Lucas Tousart und Dedrick Boyata (v.l.).
IMAGO/Nordphoto

Die Anfälligkeit bei gegnerischen Standards hat Magath reduziert, die Gefährlichkeit bei eigenen ruhenden Bällen erhöht und die Laufleistung des Teams deutlich nach oben geschraubt. Herthas Spiel hat jetzt mehr Intensität, Stabilität und Struktur.

Mentalität ist zum Merkmal einer HSV-Mannschaft geworden, deren Vorgänger-Kader vor allem an sich selbst gescheitert sind. “Wir geben niemals auf, egal was auch passiert”, sagt Schonlau. Diese Herangehensweise war nicht nur entscheidend für die Aufholjagd, sondern zum Beispiel auch für acht Punkte durch insgesamt fünf Last-Minute-Tore. Hinzu kommt, was wie ein Widerspruch zum riskanten Spielsystem klingt, defensive Stabilität. Mit 35 Gegentoren kassierte der HSV die wenigsten in der 2. Liga.

Die Schwächen

Herthas Offensivspiel fehlt es an Wucht, Kreativität und Tempo. Immerhin: Top-Torschütze Stevan Jovetic (sechs Saisontreffer) kam in Dortmund nach einem Monat Pause wegen eines Muskelfaserrisses zu einem Kurz-Comeback. Mit ihm auf dem Feld hat Hertha mehr Raffinesse und Torgefahr. Zudem stellt sich die Frage nach der nervlichen Stabilität des durch eine turbulente Saison und das späte Abrutschen auf Platz 16 mental enorm beanspruchten Kaders.

Auf der Gegenseite reißt der Suhonen-Ausfall ein Loch in Walters offensive Abläufe. Der 21-jährige Finne fehlt als Schwungrad auf der Achterposition und konnte beim finalen 3:2 in Rostock von Sonny Kittel nicht gleichwertig ersetzt werden. Dieser wiederum fehlte auf dem linken Flügel, wo Rechtsverteidiger Josha Vagnoman trotz seiner Power fremdelt und Faride Alidou seit seinem feststehenden Wechsel nach Frankfurt völlig abgetaucht ist.

Die Relegations-Erfahrung

Relegation und Hertha – das ging 2012 traumatisch schief. Die Berliner scheiterten mit Trainer Otto Rehhagel unter skandalträchtigen Umständen an Zweitligist Fortuna Düsseldorf (1:2, 2:2). Das Rückspiel in Düsseldorf wurde überschattet von Pyros, einem Platzsturm der Düsseldorfer Fans, einer langen Unterbrechung durch Schiedsrichter Wolfgang Stark, der späten Fortsetzung und Tumulten nach dem Abpfiff.

Das Spiel ging vor dem DFB-Sportgericht und dem DFB-Bundesgericht in die Verlängerung, Herthas Protest gegen die Spielwertung wurde abgeschmettert. Mehrere Profis wurden gesperrt, Levan Kobiashvili (Rehhagel: “Der fairste Spieler seit dem Zweiten Weltkrieg”) für eine vermeintliche Attacke gegen Referee Stark sogar bis Ende Dezember 2012.


Jonas Meffert

Kennt sich mit der Relegation aus – und hat schlechte Erinnerungen daran: HSV-Profi Jonas Meffert.
IMAGO/Philipp Szyza

Zweimal, 2014 und 2015, überstand der HSV die Relegation bereits, seinerzeit aber als Bundesligist. Gegen Fürth (0:0, 1:1) half die damals noch angewandte Europapokal-Arithmetik, ein Jahr darauf gegen den KSC ein strittiger Freistoßpfiff. Leidtragender damals war der einzige aktuelle HSV-Profi mit Relegations-Erfahrung: Jonas Meffert.

Die Abwehraktion des damaligen Karlsruhers wurde von Schiedsrichter Manuel Gräfe als Handspiel gewertet, der fällige Freistoß führte in der Nachspielzeit zum 1:1 und zur Verlängerung, in der Hamburg schließlich 2:1 gewann. Meffert sammelte im Vorjahr eine weitere unliebsame Relegations-Erfahrung, verlor auch mit Holstein Kiel das Duell des Zweitliga-Dritten gegen den Bundesliga-Sechzehnten Köln (1:0, 1:5).

Steffen Rohr, Sebastian Wolff

FC Bayern: Kein Interesse an Dembelé

Beim FC Bayern werden derzeit viele Namen gespielt, der von Ousmane Dembelé spielt allerdings keine Rolle.

Beim FC Bayern kein Thema: Der ehemalige Dortmunder und jetziger Barcelona-Profi Ousmane Dembelé.

Beim FC Bayern kein Thema: Der ehemalige Dortmunder und jetziger Barcelona-Profi Ousmane Dembelé.

imago/MB Media Solutions

Im Grunde sind die offensiven Außenbahnen des FC Bayern prima besetzt. Kingsley Coman (25), Serge Gnabry (26) und Leroy Sané (26) bedeuten Topqualität. Und im Bedarfsfall stehen sehr gute Aushilfen zur Verfügung, Thomas Müller (32) oder Jamal Musiala (19), der in Wolfsburg von der linken Seite aus loslegte und als Flügelspieler oder Zehner für die kommende Saison vorgesehen ist.

Liverpools Mané bleibt fest im Blick

Außerdem haben die für den Profi-Kader Verantwortlichen in München noch Sadio Mané (30) vom FC Liverpool im Blick. Der Vertrag des Senegalesen läuft zum 30. Juni 2023 aus, er kann im Angriff auf allen Positionen eingesetzt werden und ist als zusätzliche Verstärkung für die FCB-Offensive gedacht, unabhängig von Robert Lewandowski, der nach offiziellen Aussagen der Bayern-Bosse keine vorzeitige Freigabe aus dem bis 2023 gültigen Vertrag erhalten soll.

Ablösefreier Dembelé: Kein Thema, selbst wenn Gnabry gehen sollte

Eine Anstellung des früheren Dortmunders Ousmane Dembelé (25) wäre also eine ziemlich sinnfreie Aktion – umso mehr, als der 27-malige französische Nationalstürmer den BVB nach 50 Pflichtspielen, zehn Toren und 22 Assists im Jahr 2017 sehr unrühmlich (Trainingsstreik) in Richtung FC Barcelona verließ. Immerhin kassierte die Borussia einen Sockelbetrag von 105 Millionen Euro, nachdem sie 2016 an Stade Rennes 15 Millionen gezahlt hatte. Am Ende kassierte der BVB mit diversen Boni sogar 140 Millionen Euro.

In Barcelona brachte es der veranlagte Dembelé in 149 Pflichtspielen auf 32 Tore; dünne zwei Treffer waren es in 31 Pflichtauftritten in dieser Saison. Wie auch spanische und französische Quellen übereinstimmend bestätigen, ist Dembelé, obwohl ablösefrei, beim deutschen Rekordmeister kein Thema – selbst wenn Gnabry sein bis 2023 vereinbartes Engagement in München nicht verlängern sollte.

Doch auf eine Einigung mit Gnabry hoffen die Münchner Macher außerdem.

Karlheinz Wild

Auseinandersetzungen am Abend: Flaschenwürfe und Schlägereien in Sevilla

Dutzende Fans von Eintracht Frankfurt und den Glasgow Rangers sind kurz vor dem Europa-League-Finale in Sevilla aufeinander losgegangen.

Die meisten Fans feierten friedlich in Sevilla.

Die meisten Fans feierten friedlich in Sevilla.

picture alliance/dpa

Gegen 18 Uhr hätten sie sich im Zentrum der andalusischen Großstadt mit Stühlen der Straßencafés, Flaschen und anderen Gegenständen beworfen, berichtete die Lokalzeitung “Diario de Sevilla”. In einem Video war zu sehen, wie es zu Schlägereien kam und auch am Boden liegende Menschen getreten wurden. Von Festnahmen wurde zunächst nichts bekannt.

Europa League, Finale 2022

Die gegnerischen Gruppen zogen sich zurück, als die Polizei eintraf. Früher am Tag waren fünf Eintracht-Fans festgenommen worden. Sie waren nach Angaben der Polizei Teil einer Gruppe von 200 deutschen Anhängern, die in der Nacht auf Mittwoch nahe der Kathedrale im Zentrum der Stadt schottische Fans attackiert haben sollen. Die Polizei bestätigte am Mittwoch auf Anfrage entsprechende Berichte spanischer Medien.

Die deutschen Fans sollen die Beamten mit Leuchtraketen, Tischen und Flaschen beworfen haben. Sie werden demnach der Störung der öffentlichen Ordnung und der Aggression beschuldigt. Der zuständige Polizeichef Juan Carlos Castro hatte kurz vor diesen ersten Ausschreitungen am Dienstag vor “ernsten Problemen” gewarnt.

“Zu viele Menschen mit zu viel Alkohol”

Zum Finale waren in Sevilla rund 150.000 Fans erwartet worden, 100.000 aus Schottland und 50.000 aus Deutschland. “Das ist ungeheuerlich”, meinte Castro. “Das sind zu viele Menschen mit zu viel Alkohol, die meisten ohne Eintrittskarte für das Spiel. Und es gibt in der Stadt viele Baustellen. Das alles zusammen kann zu ernsten Problemen führen.”

Zum Finale wurden 5500 Sicherheitskräfte eingesetzt. Castro sprach vom “schwierigsten Spiel der vergangenen Jahre” in der andalusischen Metropole. Jeder Klub erhielt für das Finale ein Kontingent von jeweils 10.000 Karten. Das Estadio Ramón Sánchez Pizjuán bietet nur etwa 44.000 Zuschauern Platz. Die meisten der aus Deutschland und Schottland angereisten Fans verfolgten das Finale deshalb vor Großleinwänden in Fan-Zonen und im Cartuja-Stadion oder in Kneipen.

Flaschenwürfe und Schlägereien am Abend in Sevilla

Dutzende Fans von Eintracht Frankfurt und den Glasgow Rangers sind kurz vor dem Europa-League-Finale in Sevilla aufeinander losgegangen.

Die meisten Fans feierten friedlich in Sevilla.

Die meisten Fans feierten friedlich in Sevilla.

picture alliance/dpa

Gegen 18 Uhr hätten sie sich im Zentrum der andalusischen Großstadt mit Stühlen der Straßencafés, Flaschen und anderen Gegenständen beworfen, berichtete die Lokalzeitung “Diario de Sevilla”. In einem Video war zu sehen, wie es zu Schlägereien kam und auch am Boden liegende Menschen getreten wurden. Von Festnahmen wurde zunächst nichts bekannt.

Europa League, Finale 2022

Die gegnerischen Gruppen zogen sich zurück, als die Polizei eintraf. Früher am Tag waren fünf Eintracht-Fans festgenommen worden. Sie waren nach Angaben der Polizei Teil einer Gruppe von 200 deutschen Anhängern, die in der Nacht auf Mittwoch nahe der Kathedrale im Zentrum der Stadt schottische Fans attackiert haben sollen. Die Polizei bestätigte am Mittwoch auf Anfrage entsprechende Berichte spanischer Medien.

Die deutschen Fans sollen die Beamten mit Leuchtraketen, Tischen und Flaschen beworfen haben. Sie werden demnach der Störung der öffentlichen Ordnung und der Aggression beschuldigt. Der zuständige Polizeichef Juan Carlos Castro hatte kurz vor diesen ersten Ausschreitungen am Dienstag vor “ernsten Problemen” gewarnt.

“Zu viele Menschen mit zu viel Alkohol”

Zum Finale waren in Sevilla rund 150.000 Fans erwartet worden, 100.000 aus Schottland und 50.000 aus Deutschland. “Das ist ungeheuerlich”, meinte Castro. “Das sind zu viele Menschen mit zu viel Alkohol, die meisten ohne Eintrittskarte für das Spiel. Und es gibt in der Stadt viele Baustellen. Das alles zusammen kann zu ernsten Problemen führen.”

Zum Finale wurden 5500 Sicherheitskräfte eingesetzt. Castro sprach vom “schwierigsten Spiel der vergangenen Jahre” in der andalusischen Metropole. Jeder Klub erhielt für das Finale ein Kontingent von jeweils 10.000 Karten. Das Estadio Ramón Sánchez Pizjuán bietet nur etwa 44.000 Zuschauern Platz. Die meisten der aus Deutschland und Schottland angereisten Fans verfolgten das Finale deshalb vor Großleinwänden in Fan-Zonen und im Cartuja-Stadion oder in Kneipen.

Spätes Jokertor setzt Meppen schachmatt: Rehden löst das Ticket für den DFB-Pokal

Der abstiegsbedrohte Regionalligist BSV SW Rehden hat Drittligist SV Meppen im Finale des niedersächsischen Landespokals mit 1:0 bezwungen und überraschend das Ticket für den DFB-Pokal gelöst.

Hemlein ausgetanzt und vorbei an Bünning ins Tor: Rehdens Matchwinner Shamsu Mansaray.

Hemlein ausgetanzt und vorbei an Bünning ins Tor: Rehdens Matchwinner Shamsu Mansaray.

IMAGO/Werner Scholz

Nach dem ordentlichen Abschlussplatz 12 in der zu Ende gegangenen Drittliga-Saison wollte sich der SV Meppen im niedersächsischen Landespokal das Ticket für den DFB-Pokal sichern. Gegner BSV SW Rehden unterbrach den Abstiegskampf in der Regionalliga Nord für dieses für den Viertligisten wichtige Spiel, bei dem neben dem Titel auch eine sechsstellige Summe für den Einzug in die 1. Pokalrunde auf dem Spiel stand.

Landespokal-Endspiele


  • 21. Mai, Tag der Amateure: Alle Endspiele im Überblick

Der SVM diktierte das Geschehen von Beginn an, zu klaren Chancen sollten die Emsländer jedoch über die gesamte Spieldauer nur selten kommen. Im Gegenteil: Außenseiter Rehden suchte mit zunehmender Spieldauer seine Chance. Ein Krasniqi-Tor wurde wegen eines nicht korrekten Armeinsatzes des BSV-Kapitäns nach gut 20 Minuten aberkannt. Sieben Minuten später kam ein Tankulic-Schuss aus zehn Metern nicht durch – mit 0:0 ging es in die Kabinen.

Tore und Karten

1:0
Mansaray (89′)

Tore und Karten

1:0
Mansaray (89′)

BSV SW Rehden

Popovic (49. ), Mansaray (90. + 1 )

SV Meppen

Tankulic (36. ), Fedl (81. ), Bähre (82. )


BSV SW Rehden

BSV Rehden


BSV SW Rehden

BSV Rehden

Aufstellung

Einwechslungen

Reservebank

Trainer:


SV Meppen

Meppen


SV Meppen

Meppen

Aufstellung

Einwechslungen

Reservebank

Trainer:

Schiedsrichter-Team

Felix Bahr
Ahlerstedt

Schiedsrichter-Team

Felix Bahr
Ahlerstedt

Spielinfo


Stadion

Sportplatz Waldsportstätten

Spielinfo


Anstoß

18.05.2022, 19:00 Uhr


Stadion

Sportplatz Waldsportstätten Rehden

Im zweiten Durchgang sahen die Fans ein weiterhin offenes Spiel. Auch die ersten Wechsel (Hemlein, Bähre) sorgten nicht für spürbare Besserung im Spiel des Favoriten. Und als viele im Publikum schon mit dem Elfmeterschießen liebäugelten, startete Rehden den letztlich entscheidenden Angriff: Ein langer Ball fand Djuma, der stark weiterleitete auf Joker Mansaray. Und der ließ Hemlein im Strafraum aussteigen und schoss dann flach und platziert ins rechte Eck (89.).

“Tag der Amateure” am 21. Mai

Sechs Minuten später war Schluss in Rehden, wo der Außenseiter ausgestattet mit dem Landespokal Niedersachsens feiern durfte – und sich auf die Teilnahme im DFB-Pokal im August freut. Weitere Teilnehmer werden am “Tag der Amateure” am Samstag, 21. Mai, in zahlreichen weiteren Landespokal-Endspielen ermittelt. Die ARD überträgt in einer langen Konferenz-Schaltung.