Die Luft für Reuter wird dünner

Der desaströse Auftritt beim 1:4 in Mainz verschärft den Negativtrend des FC Augsburg. Das Team tritt auf wie ein Absteiger: kraftlos und konfus. Die Bilanz von Trainer Markus Weinzierl ist alarmierend. Doch vor allem Manager Stefan Reuter gerät immer stärker unter Druck.

Aktivität, Aggressivität und Zweikampfstärke hatte Weinzierl von seinem Team vor dem Spiel in Mainz gefordert. Er bekam blinden Aktionismus, Verunsicherung und Wehrlosigkeit. Statt kompakt zu verteidigen, wie es Weinzierl wollte, liefen seine Spieler den Gegner weit vorne an. Und zwar so planlos und unsortiert, dass es Mainz leicht hatte, den FCA zu überrennen. Mit seinen Pfiffen, Schreien und Gesten am Spielfeldrand bewirkte der Trainer 45 Minuten lang nichts. “Wir haben nicht das gespielt, was wir besprochen haben. Das ist nicht akzeptabel”, sagte der konsternierte Weinzierl nach Schlusspfiff.

0:3 stand es nach 26 Minuten, bis zur Pause hätte es 0:5 stehen können, mit dem 1:4 war Augsburg am Ende gut bedient. Der kraftlose und konfuse Auftritt in Mainz verschärft den anhaltenden Negativtrend: Das Team gewann unter Weinzierl nur zwei von zwölf Spielen. Bereits zum dritten Mal in dieser Saison kassierte der FCA vier Gegentore. Der Angriff zählt mit fünf Treffern zu den schlechtesten der Liga. Sechs Punkte nach neun Spielen sind die Bilanz eines Absteigers. Und wie ein solcher trat die Mannschaft am Freitag nicht zum ersten Mal auf.

Der miese Saisonstart setzt den Trend der jüngsten Spielzeiten fort. Klubchef Klaus Hofmann hatte bei der Mitgliederversammlung am Dienstag die sportliche Fehlentwicklung der vergangenen Jahre angeprangert: “Wir haben uns das Fußballspielen systematisch abgewöhnt.” Diese Bestandsaufnahme verknüpfte der Vorstandsboss mit klaren Signalen an seine leitenden Angestellten im Sport: Hofmann sprach Weinzierl trotz des Fehlstarts das volle Vertrauen aus, Manager Stefan Reuter hingegen erwähnte er in seiner 40-minütigen Rede mit keinem Wort.

Reuter rückt weiter in den Fokus

Stattdessen zählte Hofmann eine Reihe von Kritikpunkten auf, die in das Verantwortungsgebiet des Geschäftsführers Sport fallen: die hohe Fluktuation bei den Trainern, die Kurswechsel in der Transferpolitik, der Nachholbedarf beim Scouting. Differenzen zwischen Hofmann und Reuter traten bereits in der vergangenen Saison auf, als es um die Bewertung des damaligen Trainers Heiko Herrlich ging, an dem Reuter zu lange festhielt. Auch das Verhältnis des Managers zur Mannschaft soll in den vergangenen Monaten gelitten haben, wie aus dem Umfeld des Teams zu hören ist. Dass Reuter zuletzt während der Länderspielpause trotz prekärer Situation über eine Woche lang Urlaub machte und auch zum Start in die Trainingswoche vor dem wichtigen Heimspiel gegen Bielefeld nicht zurück war, kam weder beim Team noch im Verein gut an.

Es wäre wichtig, dass mal wieder der FC Augsburg drin ist, wo FC Augsburg draufsteht.

Stefan Reuter

Dreimal wechselte der FCA in den vergangenen drei Spielzeiten den Trainer, doch besser wurde nichts, die Probleme bleiben dieselben, die Stimmung im Verein wirkt belastet. Dadurch rückt zwangsläufig der Manager in den Fokus. Die Luft für Reuter wird dünner. “Wir können nicht mit dem zufrieden sein, was wir in den letzten Jahren bieten, was wir spielen. Wir haben uns immer über die Ziellinie gerettet, aber nicht in der Art und Weise, wie wir es gerne sehen würden”, sagte Reuter am Freitagabend angesprochen auf Hofmanns Kritik und blickte nach vorne: “Es wäre wichtig, dass mal wieder der FC Augsburg drin ist, wo FC Augsburg draufsteht. Die Art und Weise, wie wir über Jahre agiert haben, hat die Mannschaft ausgezeichnet und beliebt gemacht. Da müssen wir wieder hin. Wir sind überzeugt, dass wir da wieder hinkommen”, betonte Reuter. Die Frage ist nur, ob alle beim FCA die Überzeugung haben, dass dies in der aktuellen Konstellation gelingen kann.

David Bernreuther

Schmittschmitt dreht das Derby für die Eintracht – Adelmanns ATSV hat's erwischt

Drei Freitagsspiele gab es in der Bayernliga Nord: Die Eintracht gewann das Bamberger Stadtderby gegen Don Bosco nach Rückstand, der ATSV Erlangen konnte gegen Würzburg einen solchen nicht mehr egalisieren und geht mit Coach Fabian Adelmann erstmals nicht als Sieger vom Platz. Die DJK Gebenbach ist weiter im Aufwind.

Lukas Schmittschmitt (Archiv) sorgte mit zwei Treffern für den Derbysieg.

Lukas Schmittschmitt (Archiv) sorgte mit zwei Treffern für den Derbysieg.

imago images/Zink

Bayernliga Nord

FC Eintracht Bamberg – DJK Don Bosco Bamberg 3:1 (1:1)

Als Schiedsrichter Vinzenz Pfister kurz nach 19 Uhr das mit Spannung erwartete Bamberger Stadtderby anpfiff, ging für ihn ein kleiner Wunsch in Erfüllung. Der Unparteiische aus dem eher beschaulichen Mühldorf am Inn hatte sich nämlich zu seinem letzten Pflichtspieltermin in der Bayernliga genau dieses Lokalderby gewünscht. Einer seiner nächsten Pfiffe freilich sorgte dann auf der ausverkauften Tribüne im Fuchspark und auch auf den Stehrängen für reichlich Diskussionsstoff. Es war gerade die 19. Spielminute angebrochen, als Pfister einen Ball an der Hand von Christopher Kettler gesehen hatte. Da Kettler aber “nur” Abwehrspieler des FC und nicht deren Torhüter ist und sich der Vorfall zudem im Strafraum der Gastgeber abgespielt hatte, entschied der Referee auf Strafstoß für die Gäste. Unbeirrt von den zahlreichen Diskussionen und Protesten der Violetten trat Simon Allgaier für die Grün-Gelben an und verwandelte diesen sicher zur Führung für die DJK Don Bosco. Damit war für Gästetrainer Andreas Baumer ebenfalls eine kleine Hoffnung in Erfüllung gegangen: “Mit der Führung im Rücken konnten wir das Zentrum noch besser kontrollieren.”

Tatsächlich: Dank eines sehr disziplinierten Abwehrverhaltens in allen Mannschaftsteilen hatten die “Wildensorger” den “Domreitern” den Abend für lange Zeit richtig mies gemacht. Aber nicht nur in puncto Abwehrarbeit wussten die Gäste zu gefallen. In der einen oder anderen Umschaltsituation beschworen sie immer wieder Momente auf, welche die Hausherren und ihre Fans zum Durchatmen zwangen. Lange Zeit war dagegen von der bis dahin so gefährlichen Abteilung Attacke des FC Eintracht ebenfalls nicht allzu viel zu sehen. Erst nach etwas über einen halben Stunde der erste starke Arbeitsnachweis des Angriffsduos Franz Helmer und Jakob Tranziska. Doch der blonde Ausnahmestürmer verpasste um die oft zitierte Fußspitze den von der rechten Seite gespielten Querpass (37.). Die beinahe 2000 Zuschauer im Fuchspark – sofern Fans der Violetten – hatten zwar noch immer keine Tore, aber jetzt ein zunehmend intensiveres Derby gesehen. Und mit Felix Popp einen ihrer Akteure, der nach einem unglücklichen Zusammenprall sogar mit Kopfverband weiter spielte. Nach und nach kamen die Gastgeber jetzt besser ins Spiel. Allerdings schienen die Gäste den knappen Vorsprung in die Pause retten zu können. Aber nur scheinbar, denn eine Verkettung von Fehlern in der ansonsten aufmerksamen DJK-Abwehr brachte dann doch den Ausgleich. Julian Glos, der zuvor zwei Freistöße von Felix Popp und Lukas Schmittschmitt toll parierte, musste dann kurz vor Ende des ersten Durchganges doch hinter sich greifen. Nach einem Ballverlust im Aufbauspiel landet das Leder bei Franz Helmer. Dessen Schuss konnte zwar geblockt werden, doch landete vor den Füßen von Luca Ljevsic, der gegen Glos die Nerven behielt und zum 1:1 traf.

“Der Ausgleich ist uns zu einem psychologisch enorm wichtigen Zeitpunkt gelungen”, so Julian Kolbeck hinterher. “Da gehst du mit einem ganz anderen Gefühl in die Pause. Und im zweiten Durchgang haben wir es dann richtig gut gemacht”. Tatsächlich, gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit sah das Geschehen auf dem Platz anders aus, als noch im ersten Durchgang. Die Violetten pressten noch früher und hatten dank der Umstellung von Vierer- auf Dreierkette in der Deckung mehr Übergewicht im Mittelfeld. Der DJK dagegen unterliefen nun einige leichte Fehler vor allem bei eigenem Ballverlust, und so gelang nur selten Entlastung oder eigenes Angriffsspiel. So war der Führungstreffer für die Hausherren nach knapp einer Stunde auch verdient. Ein schneller Angriff über wenige Stationen landete bei Franz Helmer. Dessen Schuss konnte Glos zwar zunächst parieren, den Abpraller verwertete der aufmerksame Lukas Schmittschmitt aber zum 2:1 für den FC Eintracht. Angesichts des Rückstandes veränderte nun auch DJK-Coach Andreas Baumer seine taktische Ausrichtung. Dennoch lagen die Möglichkeiten weiter bei den Gastgebern. Ein Schmittschmit-Freistoß landete aber nur an der Latte. Doch Schmittschmitt und die Zuschauer sollten noch einmal seinen Torjingle “Ghostbusters” zu hören bekommen. Denn wieder war es der 23-Jährige, der die Entscheidung eine Viertelstunde vor dem Ende besorgte. Aus Sicht der Gäste zu einem bitteren Moment. Denn just in der Szene vor dem Treffer hatte die DJK bei einer Möglichkeit des schnellen Sayko Trawally nach Pass von Sperrlein die Chance zum Ausgleich, doch Fabian Dellermann konnte parieren. Im Gegenzug konnte Tranziska nach schönem Pass von Moritz Kaube nur noch per Foul gestoppt werden. Der Angreifer hatte da aber schon den Strafraum erreicht, und Julian Glos kam den entscheidenden Tick zu spät. Den Elfmeter verwandelt erneut Schmittschmitt sicher zum 3:1 (74.).

DJK Gebenbach – ASV Cham 4:1 (2:0)

Der Blick bei der DJK geht weiter nach vorne. Drei Spiele sind die Gebenbacher mit ihrem Interimstrainer Kai Hempel nun schon siegreich gewesen (in Großbardorf war allerdings noch Franz Koller verantwortlich). Sein Gegenüber Stefan Riederer wartet dagegen noch auf den ersten Dreier. Dabei sollte es nördlich von Amberg endlich mit dem ersten Auswärtsdreier klappen. Doch die Bemühungen der Gäste gerieten schon früh ins Stocken. Zwar hatte man gut begonnen und stand zunächst stabil in der Deckung. Doch nach 18 Minuten hatte Timo Kohler eine glänzende Idee. Sein öffnender Pass erreichte Nico Becker, und der überwand ASV-Schlussmann Josef Kurasi erstmals zur 1:0-Führung. Trotz dieses Treffers blieb es aber zunächst ein durchaus ausgeglichenes Spiel, in dem aber wieder die Gäste einen Nackenschlag hinnehmen mussten. Erneut ging die Vorarbeit von Timo Kohler aus, allerdings in einer etwas anderen Art. Denn dieses Mal war er im Strafraum regelwidrig gelegt worden. Den fälligen Elfmeter verwandelte Michael Jonczy kurz vor der Pause zum 2:0. Die Vorentscheidung fiel dann nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff. Diesmal hieß der Torschütze Dominik Haller (47.). Ein Aufbäumen der Gäste blieb nun weitgehend aus, was auch hinterher von ASV-Sportchef Jürgen Kreipl enttäuscht als “äußerst ernüchternd” bilanziert wurde. Daniel Ettl nach 69 Minuten betrieb zwar zunächst noch einmal Ergebniskosmetik, doch nur sechs Minuten später stellte Julian Ceesay den alten Abstand wieder her.

ATSV Erlangen – FV 04 Würzburg 0:1 (0:1)

Hoppla, wird sich so mancher nicht nur an der Paul-Gossen-Straße gedacht haben. Denn die eindrucksvolle Siegesserie des ATSV Erlangen ist zum Abschluss der Vorrunde dann doch zu Ende gegangen. Allerdings, gemessen an den 96 Minuten hatten sich die Gäste diese Überraschung durchaus ein Stück weit verdient. Mit einer unglaublich kämpferischen und aggressiven Einstellung machten sie den Hausherren das Leben von Beginn an schwer. Es war auch das berühmte “Beton anmischen”, wogegen die Unistädter einfach kein probates Werkzeug fanden. Und wenn, wie im Falle von Fabio Bozesan einer der wenigen Gegenangriffe dann auch noch zum Gegentor führt, dann spielt mitunter auch die Konzentration nicht mehr mit. Der ATSV blieb zwar über die gesamte Spielzeit die bestimmende Elf, doch Würzburg verteidigte verbissen und am Ende mit sechs gelben Karten versehen ihr eigenes Tor. Und wenn es dann doch einmal kein Abwehrbein war, dann griff Andre Koob beherzt zu. Für den FV 04 ein ganz wichtiger Erfolg, für den ATSV kein Beinbruch, aber das Ende einer eindrucksvollen Serie.

Richard Nösel

Flick sieht Burkardts ersten Doppelpack – Heidel bremst

Es läuft gut zurzeit für den Mainzer Stürmer Jonathan Burkardt. Sein erster Doppelpack machte ihn zum aktuellen Top-Torjäger des FSV – und das vor den Augen von Bundestrainer Hansi Flick.

Jubelt Jonathan Burkardt auch bald im Trikot der A-Nationalmannschaft?

Jubelt Jonathan Burkardt auch bald im Trikot der A-Nationalmannschaft?

imago images/Werner Schmitt

Seit dem 4:1 am Freitagabend über Augsburg führt Jonathan Burkardt die interne Mainzer Torjägerliste mit vier Treffern an. Zwei davon steuerte er beim furiosen Heimsieg über konfuse Gäste bei, sein erster Doppelpack im 50. Bundesliga-Spiel. Burkardt war außerdem noch an einem weiteren Treffer beteiligt, im Fallen legte der Stürmer das 2:0 von Stefan Bell auf. Trotzdem sieht Burkardt noch Verbesserungspotenzial, wie er am Mikrofon von DAZN verriet: “Ich habe immer noch Punkte, an denen ich arbeiten muss. Effektivität ist eine Sache, an der ich weiter arbeiten möchte. Rundum war es trotzdem ganz gut.”

Besuch des Bundestrainers “nicht mitbekommen”

Dass es für den Kapitän der U-21-Nationalmannschaft ganz gut lief, dürfte auch Bundestrainer Hansi Flick auf der Tribüne in der Mewa-Arena nicht entgangen sein. Burkhardt erklärte, den Beobachter auf dem Platz “nicht mitbekommen” zu haben. Der 21-Jährige will sich ohnehin nicht mit Spekulationen aufhalten: “Das ist für mich auch eine Nebensache. Ich versuche, auf dem Platz meine Leistung zu zeigen, und was kommt, das kommt.”

Vielleicht kommt ja bald ein Anruf vom Bundestrainer? Der Mainzer Sportvorstand Christian Heidel bremste allerdings: “Klar ist, er hat ihn gesehen. Und was er gesehen hat, war gut”, sagte er: “Aber das bedeutet noch lange nicht, dass Jonny jetzt schon ein Kandidat für die Nationalmannschaft ist.”

Nach Sieg in Bonn: Preußen blicken auf DFB-Pokal-Highlight gegen Hertha

Preußen Münster hat am gestrigen Freitag beim Bonner SC drei wichtige Punkte im Kampf um den Aufstieg einfahren können, mit einer überzeugenden Leistung schlug man den BSC mit 2:1. Trainer Sascha Hildmann war zufrieden, in einem Aspekt übte er jedoch Kritik an seinem Team.

Gut in Form: Henok Teklab bejubelt sein Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 in Bonn.

Gut in Form: Henok Teklab bejubelt sein Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 in Bonn.

Der Bonner Regen prasselte auf Münsters Coach Hildmann herab. Dennoch gab er gut gelaunt noch auf dem Rasen im Sportpark Nord seine Gedanken zum 2:1-Auswärtserfolg seines Teams zum Besten: “Es war ein sehr gelungener und souveräner Auftritt von uns. Ich glaube, man hat von Anfang an gemerkt, wer das Spiel gewinnen wollte. Wir haben uns viel vorgenommen und das dann gut umgesetzt.”

Hildmanns einziger Kritikpunkt: Die Chancenverwertung

Preußen ging früh durch Nicolai Remberg (8.) in Führung und erhöhte in der 66. Minute nach einigen vergebenen Großchancen durch Hanok Teklab verdient auf 2:0. Der 1:2-Anschlusstreffer durch Serhat Güler kam für die Bonner in der 92. Minute zu spät.

Einen großen Kritikpunkt hatte Hildmann jedoch: Die Chancenverwertung seiner Mannschaft ließ zu wünschen übrig. “Wir hätten uns früher entspannen können, so haben wir es nochmal spannend gemacht”, so der 49-Jährige. “Das ist noch unser großes Manko. Wir spielen uns die Chancen gut heraus, ich denke an die Möglichkeiten von Thorben Deters und Alex Langlitz. Da waren schon ein paar Bretter dabei.” Davon wollte sich Hildmann aber nicht den gelungenen Abend verderben lassen, er sei trotzdem unglaublich stolz auf seine Jungs.

Wir freuen uns auf Hertha.

Sascha Hildmann

Mit breiter Brust können die Münsteraner nun in das DFB-Pokal-Spiel gegen Hertha BSC am Dienstag (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) gehen. Nachdem das DFB-Sportgericht wegen Mark van Bommels Wechselfehler dem VfL Wolfsburg den Einzug in die 2. DFB-Pokal-Runde verweigert und den SC Preußen nachträglich zum Sieger erklärt hatte, wartet auf Münster nun der nächste erstklassige Gegner. “Wir freuen uns natürlich”, grinste Hildmann. “Jetzt geht es morgen erstmal ins Training. Und dann schauen wir mal, was am Dienstag rauskommt.”

In der Regionalliga West ist Münster durch den Sieg gegen Bonn auf Rang zwei vorgerückt, wenn die Konkurrenz patzt, kann man diesen auch halten. Beste Voraussetzungen, um am Dienstag die nächste Sensation zu schaffen. 

Meffert: “Ein richtig, richtig geiler Sieg”

Beim Hamburger SV herrscht nach dem späten 2:1-Erfolg beim SC Paderborn eitel Sonnenschein. Mit dem Dreier bleiben die Rothosen im Vorderfeld dabei.

In Feierlaune: Der HSV jubelt vor den eigenen Fans über den Sieg in Paderborn.

In Feierlaune: Der HSV jubelt vor den eigenen Fans über den Sieg in Paderborn.

picture alliance/dpa

Nach der entscheidenden Szene in der vierten Minute der Nachspielzeit brach beim HSV direkt nach dem Abpfiff der Jubel los. Für Mannschaft, Staff und Trainer Tim Walter gab es kein Halten mehr. Letzterer hatte den Sieg beim 2:1 in Paderborn eingewechselt – und zwar gleich in dreifacher Hinsicht. Nicht nur Torschütze Tommy Doyle, der erst in der Schlussminute für Sonny Kittel gekommen war, sondern auch die beiden Vorbereiter Manuel Wintzheimer und David Kinsombi hatte der Coach im Laufe der Partie als Joker gebracht.

Walter: “Ein ganz besonderer Spirit”

“Ich bin sehr stolz auf die Performance meiner Mannschaft”, wird Walter auf der vereinseigenen Website zitiert. Gegen einen starken Gegner habe man ein tolles Spiel abgeliefert und “bis zum Ende, bis zur letzten Minute an uns geglaubt und alles gegeben”, freute sich der 45-Jährige, der bei seinem Team einen “ganz besonderen Spirit” ausgemacht hat.

Voller Glück war natürlich auch Matchwinner Doyle: “Dass ich wie schon in Aue in den letzten Minuten entscheidend einwirken konnte, freut mich persönlich natürlich extrem”, sagte der Engländer. “Wenn du die Chance bekommst, dann musst du da sein”, meinte der 20-Jährige ganz cool, der auch beim Abschluss ruhig geblieben war und die Vorarbeit seiner Teamkameraden veredelt hatte.

Meffert war’s schon vorher klar

Für Mittelfeldabräumer Jonas Meffert bestand kein Zweifel, dass die Leihgabe von Manchester City treffen würde: “Als Tommy den Ball von Kinso aufgelegt bekam, bin ich schon direkt jubelnd in Richtung Kurve abgedreht, weil klar war, dass er den jetzt reinmacht.” Wenig später war Schluss und die ganze HSV-Crew versank im kollektiven Jubel. Dazu passt am besten Mefferts Statement: “Das war einfach so geil heute Abend, ein richtig, richtig geiler Sieg.”

Mit dem Dreier hat der Hamburger SV mit Paderborn gleichgezogen, ist zunächst auf Platz fünf vorgerückt und verbleibt mit 18 Punkten auf jeden Fall im oberen Tabellendrittel.

Zehn Spiele ungeschlagen: Auch der Club kann gegen Bayern II nichts ausrichten

Für die Gegner des FC Bayern II gibt es derzeit nicht viel zu holen: Der 3:0-Sieg gegen Nürnberg II war das zehnte Spiel in Folge, in dem die Münchner ungeschlagen blieben. Zumindest vorerst beschert ihnen diese Serie den Platz an der Tabellenspitze.

Traf gegen Nürnberg II zum 1:0: Bayerns Mittelfeldspieler Gabriel Vidovic (li.)

Traf gegen Nürnberg II zum 1:0: Bayerns Mittelfeldspieler Gabriel Vidovic (li.)

imago images/Beautiful Sports

Gegen die Zweitvertretung des 1. FC Nürnberg sorgten Vidovic (13.), Sieb (52.) und Motika (70.) für die Tore beim Heimspiel der Münchner am Freitagabend. Nach zuletzt zwei Unentschieden kam das Team von Trainer Martin Demichelis also wieder zu einem Sieg und ist damit seit zehn Spielen ungeschlagen.

“Wir sind froh, dass wir das Spiel heute gewonnen haben, weil wir gegen eine gute Mannschaft gespielt haben”, sagte Co-Trainer Stefan Buck. “Der letzte Pass und die letzte Aktion vor dem Tor waren teilweise ein bisschen unsauber, aber wir sind sehr zufrieden mit unseren Aktionen. Auch mit der zweiten Halbzeit, in der wir einige Torchancen hatten und dann auch das zweite und dritte Tor machen.”

Bitter für die Münchner: Keeper Lukas Schneller verletzte sich zu Beginn der zweiten Hälfte ohne Fremdeinwirkung. Für ihn kam Manuel Kainz in die Partie.

Durch den Sieg gegen die Nürnberger grüßen die Bayern zumindest für den Moment von der Tabellenspitze. Die SpVgg Bayreuth, die am Samstag (14 Uhr) im Einsatz gegen den TSV Buchbach ist, kann sich den Platz an der Sonne mit einem Sieg aber zurückholen.

Durchbruch nicht in Sicht: Tuchel fordert 250 Topspiele von Hudson-Odoi

Vom Dauer-Wunschspieler des FC Bayern zum Dauer-Reservisten beim FC Chelsea: Callum Hudson-Odoi hofft auf eine schnelle Wende – sein Trainer Thomas Tuchel ist skeptisch.

Ein großes Versprechen - doch wann wird es eingelöst? Callum Hudson-Odoi.

Ein großes Versprechen – doch wann wird es eingelöst? Callum Hudson-Odoi.

imago images/Sportimage

In dieser Woche wiederholte Hasan Salihamidzic mal wieder das Credo der Bayern-Verantwortlichen, wonach sie grundsätzlich über Spieler anderer Klubs nicht sprechen. “Das wäre den Mannschaften gegenüber nicht fair”, sagte der Sportvorstand zum Thema Karim Adeyemi.

Nur für Callum Hudson-Odoi hatten sie in München immer wieder Ausnahmen gemacht. Doch seit der damalige Trainer Hansi Flick vor rund einem Jahr letztmals das Bayern-Interesse öffentlich gemacht hatte, ist es ziemlich ruhig geworden um den Flügelstürmer des FC Chelsea.

In der Vorsaison hatte Thomas Tuchel erst auf ihn gebaut, ihn dann aber zunehmend zum Joker und Bankdrücker degradiert. 2021/22 verbrachte er sechs von acht Premier-League-Spielen je 90 Minuten lang auf der falschen Seite der Seitenlinie. Für Englands Nationalelf war er letztmals 2019 nominiert.

“Ist es ein Wendepunkt, wenn er morgen ein herausragendes Spiel macht? Nein”

Startet der immer noch erst 20-Jährige vielleicht in den nächsten Tagen und Wochen durch, wenn Chelsea auf Romelu Lukaku (Knöchelverletzung) und Timo Werner (Oberschenkelblessur) verzichten muss? Zwar winkt Hudson-Odoi am heutigen Samstag (13.30 Uhr, LIVE! bei kicker) der dritte Startelfeinsatz der Saison, eine Wende jedoch erwartet nicht einmal Tuchel.

“Der Einzige, der das entscheiden und diese Frage beantworten kann, ist Callum”, antwortete Chelseas Trainer laut “Guardian” am Freitag, als ein Medienvertreter wissen wollte, ob Hudson-Odoi gegen Schlusslicht Norwich City wieder in die Spur finden könne. “Ob das der Wendepunkt wird? Er muss es beweisen. Er muss die nächsten 250 Spiele auf höchstem Niveau spielen, dann war es der Wendepunkt. Aber ist es ein Wendepunkt, wenn er morgen ein herausragendes Spiel macht? Nein.”

Tuchel, der Hudson-Odoi in einem seiner ersten Spiele mal mangels Einstellung 31 Minuten nach der Einwechslung wieder ausgewechselt hatte, macht seinem Edelreservisten Druck. “Das wird nur ein Wendepunkt, wenn er es selbst zu einem macht. Nur wenn er nicht nur ein gutes Spiel oder eine gute Hälfte oder 60 gute Minuten abliefert, sondern das regelmäßig tut.”

Das hat Hudson-Odoi bei allem Hype, der zwischenzeitlich nicht nur aus München um seine Person aufgekommen ist, an der Stamford Bridge noch nicht geschafft. Bleibt das so, werden die nächsten Wechselgerüchte trotz eines Vertrags bis 2025 nicht mehr lange auf sich warten lassen – nur werden die Interessenten dann eher nicht mehr Bayern-Niveau haben.

Roses Ajax-Lehren: “Die Kritik war berechtigt”

BVB-Trainer Marco Rose hat mit seiner Elf das Ajax-Debakel aufgearbeitet. Hätten einige Spieler besser gar nicht erst gespielt?

"Den Abend hat sicher keiner gewollt und gebraucht": Marco Rose mit seinen Spielern nach dem 0:4 in Amsterdam.

“Den Abend hat sicher keiner gewollt und gebraucht”: Marco Rose mit seinen Spielern nach dem 0:4 in Amsterdam.

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Als ihm die Pressekonferenz am Tag vor dem Champions-League-Spiel bei Ajax Amsterdam fast ein wenig zu harmonisch geworden war, hatte Marco Rose am Beispiel Leverkusen daran erinnert, dass Fußballstimmungen schnell wieder umschlagen können. “Wir werden an Ergebnissen gemessen, Punkt, fertig, aus”, hatte der BVB-Trainer gewarnt. “Wir müssen dranbleiben.”

Es folgte ein 0:4 mit allem, was dazugehört. “Die Kritik, die aufkam, war berechtigt, die nehmen wir an, der stellen wir uns”, betonte Rose nun am Freitag. “Wir müssen da jetzt einen Haken dran machen. Den Abend hat sicher keiner gewollt und gebraucht, aber er ist passiert. Dementsprechend ist jetzt wichtig, dass wir gut reagieren, weitermachen, die Situation annehmen. Um 20.59 Uhr (am Dienstag, Anm. d. Red.) sah die Welt ja noch anders aus, da haben wir noch über andere Dinge geredet.”

“In Zweikämpfe reingehen und nicht zwei Meter vorher stehenbleiben”

Nach dem freien Mittwoch saß Rose am Donnerstag “ein gutes Stündchen” lang mit seiner Mannschaft zusammen und versuchte dabei, “einen guten Mittelweg zu finden zwischen inhaltlichem Aufarbeiten und emotionalen Momenten, in denen man schon sagt, was gefehlt hat”. Und das war ja nicht gerade wenig. Nach dem frühen 0:1 “haben wir uns komplett den Schneid abkaufen lassen und sind nie mehr ins Spiel zurückgekommen”.

Roses Lehren lauteten, “dass wir besser auf Widerstände reagieren müssen; dass wir mutig bleiben müssen und uns trotzdem zeigen, auch wenn der Gegner sehr aggressiv, intensiv presst; dass man die Situationen, in denen man die Chance hat, ein Zeichen zu setzen, auch nutzt, um ein Zeichen zu setzen, und sich nicht auffressen lässt”. Und dass man “in Zweikämpfe reingeht und nicht zwei Meter vorher stehenbleibt”.

Rose weiß: “Wir müssen eine Reaktion zeigen”

Er wolle keinesfalls Ausreden suchen, trotzdem spielten dabei auch “ein paar Dinge drumherum eine Rolle”, sagte Rose: “Ein paar Jungs sind angeschlagen in dieses Spiel gegangen.” Prompt hat sich die personelle Lage “noch mal verschärft” – weil einige besser gar nicht erst gespielt hätten? Als Rose am Freitag nach dem Comeback-Plan bei Dan-Axel Zagadou gefragt wurde, warnte er jedenfalls davor “zu überpacen” mit dem Zusatz: “Möglicherweise ist uns das in Amsterdam schon ein bisschen auf die Füße gefallen.”

Findet der BVB am Samstag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) bei Arminia Bielefeld ohne Erling Haaland, Thomas Meunier, Nico Schulz & Co. zurück in die Spur? “Wir müssen eine Reaktion zeigen”, weiß Rose, der “nicht rumjammern”, sondern vielmehr “ein Stück enger zusammenrücken” will. “Die Jungs haben diese Saison schon gezeigt, dass sie mit Widerständen umgehen können.”

Eckert Ayensa fehlt Ingolstadt länger

Ein Unglück kommt selten allein: Der FC Ingolstadt verlor das Kellerduell bei Erzgebirge Aue mit 0:1, dazu auch noch Dennis Eckert Ayensa mit einer Schulterverletzung. Und auch das Startelfdebüt von Fabian Cavadias stand unter keinem guten Stern.

Für Dennis Eckert Ayensa war das Spiel im Erzgebirge frühzeitig beendet.

Für Dennis Eckert Ayensa war das Spiel im Erzgebirge frühzeitig beendet.

imago images/Picture Point LE

“Natürlich sind wir sehr enttäuscht, dass wir verloren haben”, begann FCI-Coach Andre Schubert sein Resümee bei der Pressekonferenz nach der Partie. “Es war ein hitziges Spiel, teilweise über die Grenzen hinaus”, meinte der 50-Jährige und sprach damit wohl auch die Szene an, in der sich Eckert Ayensa nach einem Foul des danach gelbverwarnten Sören Gonther verletzte. “Er hat sich nach dem doch sehr ruppigen Einsteigen einen Schlüsselbeinbruch zugezogen”, klagte Schubert. Für den 24-jährigen Angreifer war das Spiel damit in der 35. Minute beendet, er wird den Oberbayern in der nächsten Zeit fehlen.

Ansonsten bemängelte Schubert die eigene Offensivvorstellung. “Wir müssen in vorderster Front torgefährlicher werden.” Dazu hätten seine Schützlinge auch kein Glück, Stefan Kutschke scheiterte tief in der Nachspielzeit in Überzahl (Clemens Fandrich hatte in der 89. Minute die Rote Karte gesehen) am Pfosten.

Kein Vorwurf an Cavadias

Vorne weitgehend harmlos und hinten mit dem entscheidenden Patzer. Eine Kombination, mit der es schwer wird, Punkte zu holen.  Der 20-jährige Startelfdebütant Cavadias verlor am eigenen Strafraum den Ball gegen Omar Sijaric, der das Tor des Tages erzielte (62.). “Da hatten wir eigentlich sicheren Ballbesitz”, konstatierte Schubert, machte seinem Youngster aber keinen Vorwurf. “Solche Fehler passieren, es ist ein Lernprozess, er ist ein junger Spieler.”

Durch die Niederlage ist Ingolstadt (fünf Punkte) nun Träger der Roten Laterne, Aue hat als Vorletzter sieben Zähler gesammelt. 

Baumgart kritisiert Leverkusen für Wirtz-Verpflichtung

Vor fast zwei Jahren ist Florian Wirtz (18) vom Nachwuchs des 1. FC Köln zu Bayer Leverkusen gewechselt. Nachträglich kritisiert auch Steffen Baumgart den Transfer.

Stehen sich am Sonntag gegenüber: Steffen Baumgart und Florian Wirtz.

Stehen sich am Sonntag gegenüber: Steffen Baumgart und Florian Wirtz.

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Dass Florian Wirtz so schnell so gut werden würde, hatte wohl auch Rudi Völler nicht vorhergesehen, obwohl er dem kicker schon im Januar 2020 gesagt hatte: “Ihn nicht zu holen, wäre fahrlässig gewesen.” Damals verpflichtete Bayer das 16-jährige Top-Talent vom 1. FC Köln, obwohl zwischen den Westvereinen eine Vereinbarung existiert, sich gegenseitig keine Jugendspieler abzuwerben.

Sportdirektor Simon Rolfes verteidigte den Transfer damit, dass Wirtz, dessen Vertrag in Köln ausgelaufen wäre, in Leverkusen direkt einen Profivertrag erhalten habe und der Sachverhalt so ein anderer gewesen sei. Zumal der FC eine Ausbildungsentschädigung erhielt. “Er wurde in unserem Kölner Nachwuchsleistungszentrum über einen langen Zeitraum sehr, sehr gut ausgebildet”, sagte Kölns Trainer Steffen Baumgart nun der “Frankfurt Allgemeinen Sonntagszeitung” vor dem Duell mit Leverkusen (Sonntag, 15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) und verwies auf das aus seiner Sicht gebrochene “Agreement zwischen Köln, Leverkusen und Mönchengladbach. Das wurde aufgekündigt. Daran sehen wir, in was für einem Geschäft wir uns bewegen.”

Während sich der FC über den Verlust des Teenagers ärgerte und offensichtlich nach wie vor ärgert, ließ dieser in Leverkusen ganz schnell Kai Havertz vergessen und wurde A-Nationalspieler.

“Der 1. FC Köln hat vielleicht an der einen oder anderen Stelle nicht schnell genug reagiert, aber auf der anderen Seite müssen wir sagen, dass da eine Menge Geld geflossen ist”, so Baumgart. “Da sind wir einfach nicht in der Lage, mitzuhalten. Das ist Fakt. Der Verein dort gehört ja zum Betrieb. Köln und Leverkusen arbeiten unter verschiedenen Voraussetzungen, die großen Einfluss darauf haben, wie so etwas läuft.”