Streich: “Deshalb gehen die Leute zum Fußball”

Das Freiburger 1:3 gegen Dortmund ist ein Paradebeispiel für ein Spiel, nach dem bei der unterlegenen Mannschaft zwischen Leistung und Ergebnis differenziert werden sollte. Dennoch müssen Christian Streich und Co. auch die Mängel in der Schlussphase aufarbeiten.

Für des Gegners Lob kann sich Freiburg nichts kaufen: Christian Streich mit Edin Terzic (li.).

Für des Gegners Lob kann sich Freiburg nichts kaufen: Christian Streich mit Edin Terzic (li.).

picture alliance/dpa

Die Trennung zwischen Leistung und Ergebnis ist beim Sport-Club seit Jahren ohnehin fester Bestandteil der Arbeitsweise. Streich und Co. werden dieses Credo auch nach dem Duell mit dem BVB beherzigen – auch wenn zunächst schwerfällt. Der Frust nach der unglücklich zustande gekommenen Niederlage stand dem SC-Trainer am späten Freitagabend ins Gesicht geschrieben.

Spielbericht

“Wir haben ein gutes Spiel gemacht, ich bin zufrieden. Am Ende haben wir das Spiel verloren. Schade, weil es die Mannschaft gut gemacht hat”, lautete die erste Einordnung des 57-Jährigen, der seinem Keeper Mark Flekken, nach dessen Patzer beim 1:1 die Partie kippte, erwartungsgemäß keinen Vorwurf machte: “Er hat einen Fehler gemacht, wie wir halt alle Fehler machen. Kein Problem.”

“Das Lob ist freundlich, aber bringt dir nichts”

Streich war etwas anderes wichtiger: “Entscheidend ist, welche Schlüsse du daraus ziehst. Das Lob, dass du kriegst, ist sehr freundlich von überall, aber es bringt dir nichts. Du musst in die nächsten Spiele wieder so reingehen, dann kannst du auch Bundesligaspiele gewinnen.” Seine Mannschaft dürfe nun nicht denken: “Och, wir waren doch so toll und haben so unglücklich verloren” Das bringe nichts, meint Streich: “Fußball ist brutal. Damit musst du umgehen.”

Diesmal bekam der SC diese Brutalität heftig zu spüren, sollte sich aber an der über weite Strecken starken Leistungen orientieren, die gegen ein Top-Team möglich war. Gerade was das variable Positions- und Kombinationsspiel nach der Führung und die Disziplin in taktischen Belangen sowie in der kollektiven Rückwärtsbewegung betrifft – Balleroberungen und Grätschen von Offensivkräften wie Grifo, Sallai oder Doan sind hervorzuheben – haben sich die SC-Profis die Messlatte selbst hochgelegt.

Nicht nur Flekken patzte in der Schlussphase

Die Mängel in der Schlussphase müssen allerdings ebenso wichtiger Bestandteil der Aufarbeitung sein. Nach Flekkens Patzer verlor das Streich-Team seine spielerische Linie, kam bis zum Ende nicht mehr gefährlich vors Tor und offenbarte bei den Gegentoren plötzlich deutliche Mängel. Vor dem 1:2 ließ sich Sildillia zu leicht von Bynoe-Gittens ausspielen und trabte dann in den Strafraum, statt mit aller Konsequenz zu versuchen, das Tor durch einen Block noch zu verhindern. Beim dritten Gegentreffer verlor der zuvor lange aufmerksam verteidigende und im Aufbau oft mutig anrückende Lienhart den Ball so leichtfertig wie sich kurz darauf Günter von Torschütze Wolf umkurven ließ.

Dennoch: Tritt der SC wieder so auf wie größtenteils gegen Dortmund, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, schon im prestigeträchtigen Landesduell am Samstag in Stuttgart den zweiten Saisonsieg einzufahren. Denn: “Dass du solche Spiele verlierst, passiert nicht so oft, aber immer wieder. Deshalb gehen die Leute zum Fußball”, sagte Streich nach dem Dämpfer am zweiten Spieltag und meinte abschließend zu seiner Laune: “Am Montag wird es einigermaßen gehen.” Spätestens am Dienstag, wenn nach zwei für die Profis freien Tagen die Vorbereitung auf die Partie beim VfB beginnt, sollte der Ärger verraucht oder in positiven Antrieb verwandelt sein.

Carsten Schröter-Lorenz

Warum Dortmunds drittes Tor in Freiburg irregulär war

Mark Flekkens Patzer ließ das Spiel zwischen Freiburg und Dortmund kippen. Das 1:3 hätte jedoch nicht zählen dürfen. Der fehlende VAR-Eingriff trübte eine sonst gute Schiedsrichterleistung.

Leitete die Partie zwischen Freiburg und Dortmund souverän: Schiedsrichter Tobias Welz.

Leitete die Partie zwischen Freiburg und Dortmund souverän: Schiedsrichter Tobias Welz.

IMAGO/Beautiful Sports

“Es steht in der Richtung vor dem Tor ein Spieler von Dortmund im Abseits. Aber so ist das halt. Sonst steht es 1:2 und wir können noch das 2:2 schießen”, sagte Streich am späten Freitagabend.

Der Freiburger Trainer war nach dem Spiel, in dem seine Mannschaft über weite Strecken stark gespielt, nach Mark Flekkens Patzer zum 1:1 aber ihre Linie verloren hatte, entsprechend frustriert. Die Szene rund um Marius Wolfs Tor zum 1:3 hatte er zum Zeitpunkt seiner Aussage noch nicht nochmal genau angeschaut – aber den richtigen Riecher.

Bei Wolfs sehr gutem Linksschuss stand Youssoufa Moukoko direkt vor dem Freiburger Tor im Abseits. Weil der Dortmunder Stürmer sich aus nächster Nähe klar auf SC-Keeper Mark Flekken zubewegte und diesen störte, handelte es sich eindeutig um eine aktive und damit strafbare Abseitsstellung. Allein beim Versuch einer Parade hätte sich Flekken in Moukoko reinwerfen müssen. Es handelte sich also um eine Behinderung bei einer möglichen Torwartaktion.

Fehlender VAR-Eingriff trübt gute Schiedsrichterleistung

Rätselhaft ist deshalb, warum VAR Günter Perl und sein auf Abseitssituationen spezialisierter VAR-Assistent Norbert Grudzinski diese Szene offenbar falsch bewerteten. Perl hätte intervenieren und Schiedsrichter Tobias Welz in die Review Area schicken müssen, weil Moukoko nicht der Torschütze war und seine Aktion letztlich vom Hauptschiedsrichter hätte bewertet werden müssen. Gerade mit Blick auf das am vergangenen Sonntag wegen einer weniger deutlich strafbaren Abseitsstellung von Yoshida aberkannte Schalker Tor von Zalazar in Köln ist dieser VAR-Fehler umso erstaunlicher.

Der fehlende VAR-Eingriff trübte einen ansonsten guten Auftritt von Welz, der ruhig und souverän auftrat und bei zwei am Platz hitzig diskutierten Szenen richtig lag: Gelb und nicht Rot für Meunier, der Sallai auf der halblinken Bahn auf dessen Weg zum Tor foulte, aber keine klare Torchance verhinderte, da Schlotterbeck auf der Innenbahn mitgelaufen war und noch hätte eingreifen können (33.). Schlotterbeck selbst hingegen hatte Glück, dass er bei seinem harten und durchaus risikoreichen Einsteigen gegen Doan den SC-Profi nicht heftiger traf und deshalb auch hier Gelb die angemessene Sanktion war (67.).

Carsten Schröter-Lorenz

Darum war Dortmunds drittes Tor in Freiburg irregulär

Mark Flekkens Patzer ließ das Spiel zwischen Freiburg und Dortmund kippen. Das 1:3 hätte jedoch nicht zählen dürfen. Der fehlende VAR-Eingriff trübte eine sonst gute Schiedsrichterleistung.

Leitete die Partie zwischen Freiburg und Dortmund: Schiedsrichter Tobias Welz.

Leitete die Partie zwischen Freiburg und Dortmund: Schiedsrichter Tobias Welz.

IMAGO/Beautiful Sports

“Es steht in der Richtung vor dem Tor ein Spieler von Dortmund im Abseits. Aber so ist das halt. Sonst steht es 1:2 und wir können noch das 2:2 schießen”, sagte Streich am späten Freitagabend.

Der Freiburger Trainer war nach dem Spiel, in dem seine Mannschaft über weite Strecken stark gespielt, nach Mark Flekkens Patzer zum 1:1 aber ihre Linie verloren hatte, entsprechend frustriert. Die Szene rund um Marius Wolfs Tor zum 1:3 hatte er zum Zeitpunkt seiner Aussage noch nicht nochmal genau angeschaut – aber den richtigen Riecher.

Bei Wolfs sehr gutem Linksschuss stand Youssoufa Moukoko direkt vor dem Freiburger Tor im Abseits. Weil der Dortmunder Stürmer sich aus nächster Nähe klar auf SC-Keeper Mark Flekken zubewegte und diesen störte, handelte es sich eindeutig um eine aktive und damit strafbare Abseitsstellung. Allein beim Versuch einer Parade hätte sich Flekken in Moukoko reinwerfen müssen. Es handelte sich also um eine Behinderung bei einer möglichen Torwartaktion.

Der VAR-Fehler erstaunt – auch wegen des aberkannten Schalker Tores

Rätselhaft ist deshalb, warum VAR Günter Perl und sein auf Abseitssituationen spezialisierter VAR-Assistent Norbert Grudzinski diese Szene offenbar falsch bewerteten. Perl hätte intervenieren und Schiedsrichter Tobias Welz in die Review Area schicken müssen, weil Moukoko nicht der Torschütze war und seine Aktion letztlich vom Hauptschiedsrichter hätte bewertet werden müssen. Gerade mit Blick auf das am vergangenen Sonntag wegen einer weniger deutlich strafbaren Abseitsstellung von Yoshida aberkannte Schalker Tor von Zalazar in Köln ist dieser VAR-Fehler umso erstaunlicher.

Der fehlende VAR-Eingriff trübte einen ansonsten guten Auftritt von Welz, der ruhig und souverän auftrat und bei zwei am Platz hitzig diskutierten Szenen richtig lag: Gelb und nicht Rot für Meunier, der Sallai auf der halblinken Bahn auf dessen Weg zum Tor foulte, aber keine klare Torchance verhinderte, da Schlotterbeck auf der Innenbahn mitgelaufen war und noch hätte eingreifen können (33.). Schlotterbeck selbst hingegen hatte Glück, dass er bei seinem harten und durchaus risikoreichen Einsteigen gegen Doan den SC-Profi nicht heftiger traf und deshalb auch hier Gelb die angemessene Sanktion war (67.).

Carsten Schröter-Lorenz

Gregoritsch über “Flekkis” Patzer: “Passiert ihm normalerweise nicht”

Freiburg verlor am Freitagabend nach Führung gegen den BVB – auch weil Keeper Flekken danebengriff. Torschütze Gregoritsch nahm seinen Schlussmann in Schutz.

Haderte mit dem Ergebnis: Michael Gregoritsch. 

Haderte mit dem Ergebnis: Michael Gregoritsch. 

IMAGO/Kirchner-Media

Lange hatte es beim 1:3 des SC Freiburg am Freitagabend gegen Borussia Dortmund nach einem anderen Sieger ausgesehen. Ehe Sport-Club-Keeper Mark Flekken in der 77. Minute folgenschwer danebengriff. Nicht nur, weil er die Gäste damit zurückholte, sondern auch, weil das eigene Team anschließend sichtlich taumelnd noch den zweiten und dritten Treffer hinnehmen musste. “Ich glaube in dem Fall schon”, musste auch Torschütze Michael Gregoritsch bei “DAZN” zugeben, dass der Dortmunder Ausgleich alles verändert hatte.

Geknickte Freiburger machen “keine Vorwürfe”

“Dortmund hat uns schon teilweise hinten reingedrückt, aber wir standen gut und ich kann mich an keine echte Chance erinnern”, analysierte der großgewachsene Angreifer die zweite Halbzeit und konkretisierte die Bedeutung des bitteren Gegentreffers: “Dann kriegen wir so ein Tor und dann ist man natürlich ein bisschen geknickt.”

Der Österreicher zeigte jedoch Verständnis für seinen Schlussmann: “Es ist natürlich schade, das passiert dem ‘Flekki’ normalerweise nicht. Aber da machen wir ihm keine Vorwürfe.” Zu gut waren Flekkens Leistungen im Freiburger Dress bisher gewesen: “Er hat oft schon gute Bälle gehalten. Selbst seit ich da bin schon”, so Gregoritsch, der im Sommer ablösefrei aus Augsburg nach Freiburg gekommen war.

Viel mehr nahm er ob der Schlussphase die gesamte Mannschaft in die Verantwortung: “Das darf uns natürlich eigentlich nicht passieren, dass wir hintenraus so das Spiel verlieren, obwohl wir zumindest noch einen Punkt mitnehmen müssen.” Besonders ärgerlich, da “die Mannschaft gut ist” und eigentlich entsprechende Qualität habe.

“Gregerl” tankt trotzdem Selbstvertrauen

Gerade aufgrund dieser Qualität passe es für Gregoritsch (2 Tore in 2 Spielen) bisher in Freiburg sehr gut: “Als Stürmer ist es dementsprechend einfacher, wenn man pro Spiel mehr Chancen hat.” Dass Gregoritsch selbst die Möglichkeiten momentan auch noch entsprechend nutze – mental wertvoll: “Dass jetzt zweimal die erste Chance drinnen war, ist natürlich super für mein Selbstvertrauen.” 

Mit diesem will er am Samstag, den 20. August (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker), in Stuttgart bestenfalls nachlegen. Dann jedoch mit einem erfreulicheren Endergebnis für die Breisgauer. Denn Gregoritsch freue sich zwar, “wenn ich Tore schieße”, doch eine Sache ist ihm noch lieber: “Wenn wir dann auch noch gewinnen, wäre es noch schöner.”

Schlotterbeck nach seiner Rückkehr: “Wir hätten heute auch zwei, drei kassieren können”

Nico Schlotterbeck hat erstmals nach seinem Wechsel zum BVB gegen seinen Ex-Klub aus Freiburg gespielt. Nach dem Spiel erzählte der Nationalspieler von der Anspannung vor der Rückkehr und einem Gespräch mit Matthias Sammer.

Legte sich bei seiner Rückkehr mit seinem ehemaligen Trainer Christian Streich an: Nico Schlotterbeck (re.).

Legte sich bei seiner Rückkehr mit seinem ehemaligen Trainer Christian Streich an: Nico Schlotterbeck (re.).

IMAGO/Kirchner-Media

Dass Nico Schlotterbecks Zeit beim SC Freiburg noch nicht allzu lange her ist, erkennt man an den Spitznamen, die er für die Freiburger Spieler hat. Da gibt es Vincenzo Grifo und Christian Günter, die die Freistöße beim Sport-Club treten – oder wie Schlotterbeck bei DAZN sagte: “Freiburg hatte acht, neun Standards, die wir ganz gut wegverteidigt haben. Ich kenn das, die sind relativ gut von Vince und Günni.”

Und es gibt Mark Flekken, den Freiburger Keeper, der mit seinem Missgeschick beim absolut haltbaren Schuss von BVB-Matchwinner Jamie Bynoe-Gittens das 1:1 entstehen ließ. O-Ton Schlotterbeck: “Dann kommt leider der Fehler von Flekki, wir machen zwei Dinger und das Spiel ist entschieden.”

Mit 3:1 gewannen Dortmund und Schlotterbeck somit letztlich das Spiel in Freiburg – in der alten Heimat des in Waiblingen (Baden-Württemberg) geborenen Innenverteidigers. Vor der Partie, so gab er zu, war der Nationalspieler durchaus aufgeregt: “Die Anspannung war heute war schon groß. Du hast ein bisschen das Gefühl, dass du es den Leuten zeigen willst, obwohl du das gar nicht brauchst.”

Schlotterbeck: “Bis zum 1:1 war Freiburg besser”

Am Nachmittag habe Schlotterbeck deswegen noch mit BVB-Berater Matthias Sammer gesprochen: “Er hat mir ein paar lobende Worte mitgegeben und gesagt, dass er immer schlecht gespielt hat, wenn er wo zurückkam. Ich soll’s nur nicht so machen.” Mit einem Lächeln ergänzte er: “Aber gar kein Druck, sondern ganz normal spielen und dann rocken wir das Ding – und das haben wir zum Glück gemacht.”

Was Schlotterbeck jedoch auch ansprach: Dortmund hat sich lange Zeit schwer getan. “Freiburg hat uns alles abverlangt und man muss ehrlich sagen: Bis zum 1:1 waren sie besser.” Im Spiel seiner Mannschaft sieht der 22-Jährige deshalb noch “sehr viel Luft nach oben. Wir haben heute ein Gegentor kassiert, hätten aber auch zwei, drei kassieren können.” Dabei nimmt er nicht nur sich und seine Abwehrkollegen, sondern das Kollektiv in die Pflicht: “Wir müssen als Mannschaft besser verteidigen. Wenn wir das kapieren, dann sind wir eine sehr gute Mannschaft, weil wir offensiv brutale Qualität haben.”

Nicht all seinen Ex-Kollegen begegnete Schlotterbeck übrigens mit Harmonie, wie es die netten Spitznamen vermuten lassen: Als er in der 67. Minute Ritsu Doan an der Seitenlinie recht hart umgrätschte und Gelb sah, folgte ein ein paar Sekunden lang andauerndes wie lautstarkes Wortgefecht mit seinem tobenden Ex-Trainer Christian Streich. Es war also doch eine recht ereignisreiche Rückkehr nach Freiburg, an dessen Ende Schlotterbeck sagte: “Es war ein schönes Spiel.”

Streich über Modeste: “Selbst bei Bayern würde er Tore machen”

Sportlich verbindet Christian Streich mit Anthony Modeste keine allzu guten Erinnerungen. Freiburgs Coach sagt, was den neuen BVB-Angreifer ausmacht und welchen positiven Aspekt er an diesem Transfer erkennt.

Christian Streich möchte trotz des "Angstgegners" Modeste die Heimserie gegen den BVB ausbauen.

Christian Streich möchte trotz des “Angstgegners” Modeste die Heimserie gegen den BVB ausbauen.

IMAGO/Sven Simon

Sieben Tore hat Modeste in seinen bisherigen zehn Duellen mit dem Sport-Club erzielt, nur gegen Wolfsburg (8) hat er öfter getroffen. Besonderes Thema in der Spielvorbereitung war der Franzose bisher aber nicht, sagte Streich am Donnerstagmittag in der Pressekonferenz. Der Stürmer sei seinen Spielern und speziell den Innenverteidigern bestens bekannt.

Streich kennt Modestes Qualitäten

Als die ersten Meldungen über ein BVB-Interesse an Modeste aufkamen, ahnte Streich, dass es wohl schon vor dem für Anfang November terminierten Spiel gegen Köln zum Aufeinandertreffen kommt. “Da habe ich gedacht: Ja, das werden sie wahrscheinlich machen”, sagte Streich in Bezug auf die Suche nach einem Ersatz für Sebastien Haller und erläuterte auch die Gründe für seine Gedanken.

“Er ist ein Mittelstürmer, der das Tor sucht und nicht weit nach links oder rechts ausweicht. Er bewegt sich vielleicht auf einer Breite von 30 Metern. Du kannst ihn anspielen, er kann ablegen. Im Strafraum hat er eine enorme Wucht, Sprungkraft und auch gutes Timing”, lobte Streich den 34-jährigen Modeste: “Das ist ein Spieler, der in jeder Mannschaft seine Tore macht. Selbst bei Bayern München würde er Tore machen, wenn er Einsatzzeiten bekäme, weil dort wirst du ja noch besser bedient.”

Streichs logische Schlussfolgerung: “Er wird natürlich Tore für Dortmund machen, das ist klar. Jetzt hoffen wir mal, morgen Abend nicht.” Es sei ein sinnvoller Transfer für den BVB, dessen kickendem Personal es Streich zutraut, auch in der Kürze der Zeit das eigene Spiel ein wenig zu modifizieren: “Die Dortmunder Spieler haben so viel Qualität, sie werden, wenn Modeste spielt, nun eher mal den Ball hoch in die Mitte flanken.” Als Abwechslung zum “Steil-Klatsch”, mit dem Marco Reus und Co. in mehreren Wellen den Gegner sonst oft zu knacken versuchen.

Liga profitiert, Effzeh kompensiert

Streich zog aber auch eine positive Erkenntnis aus diesem Spieler-Transfer: “Irgendwann spielen wir gegen Köln, dann ist es auch okay, wenn Modeste nicht im Zentrum steht.” Den FC schmerze der Verlust sicher ein wenig: “Aber man hat gesehen, mit der Energie, die in der Mannschaft und im Trainerteam steckt, wird Köln auch das wieder kompensieren”, mutmaßt Streich und ließ als mit großem Abstand dienstältester Trainer im deutschen Oberhaus den Blick aufs große Ganze schweifen: “Grundsätzlich ist es gut für die Attraktivität, wenn solche Spieler mit hoher Qualität weiter in der Bundesliga spielen.”

Man darf gespannt sein, wie Streich darüber am späteren Freitagabend denkt, falls Modeste seine Torbilanz gegen Freiburg aufgestockt haben sollte. Der Freiburger Coach geht allerdings mit keinem schlechten Gefühl in die Partie gegen Dortmund. Erstens hat sein Team beim 4:0-Auftaktsieg in Augsburg überzeugt und zweitens hat er die beiden vergangenen Heimspiele gegen die Westfalen jeweils mit 2:1 gewonnen.

Carsten Schröter-Lorenz

Streich: Podest und Selbstporträt über dem Trainerpokal

Christian Streich war zu Scherzen aufgelegt, als er am Donnerstagmittag die goldene Trophäe für die Wahl zum Trainer des Jahres 2022 vom kicker überreicht bekam.

Pokal-Übergabe im Stadion: kicker-Redakteur Carsten Schröter-Lorenz, Christian Streich und kicker-Chefredakteur Rainer Franzke (von links). 

Pokal-Übergabe im Stadion: kicker-Redakteur Carsten Schröter-Lorenz, Christian Streich und kicker-Chefredakteur Rainer Franzke (von links). 

Achim Keller

“Ich habe schon ein Podest gebaut mit einem Bild oben drüber von mir”, sagte Streich, brach in lautes Lachen aus und legte noch nach: “Hinterm Fernseher, dass, wenn mir ein Spiel nicht gefällt, dann schaue ich hoch und denke: Ah ja, da steht er ja.” Dieser Scherz sei entstanden, als er schon am Mittwoch SC-intern nach dem Ort für den Pokal gefragt wurde, erzählte Streich: “Da haben wir ein bisschen Scheiß geschwätzt.”

Er gab aber auch noch eine ernsthafte Antwort darauf, wo denn die Trophäe, die dem Ballon D’Or ein wenig ähnelt, künftig stehen werde: “Auf jeden Fall in der Wohnung, aber nicht so, dass die Leute, wenn sie reinkommen, genötigt sind zu sagen: ‘Oh, du hast ja vor ein paar Jahren einen Preis gewonnen.’ Da muss niemand Angst haben, er wird gut aufgehoben sein.”

“Ich finde es unglaublich, dass so abgestimmt wurde”

Zum Ende der Pressekonferenz vor dem Freitagabendspiel gegen Dortmund war es Streich aber nochmal ein Anliegen zu betonen: “Ich habe jetzt ein bisschen Spaß gemacht. Aber ich will nochmal sagen: Ich weiß es total zu schätzen und ich freue mich über die Wahl sehr. Nicht dass jemand denkt, ich ziehe das ins Lächerliche. In keiner Weise. Ich finde es unglaublich, dass so abgestimmt wurde.”

Zuvor hatte er wie bereits im am 1. August zu seiner Auszeichnung erschienenen kicker-Interview betont, dass er die Auszeichnung stellvertretend für den gesamten Sport-Club entgegennehme. Er habe wie die anderen Mitarbeitenden nur einen Teilbereich zu verantworten. “Offensichtlich haben wir zuletzt einiges gut gemacht”, sagte Streich und bedankte sich auch persönlich für die via kicker übermittelten Gratulationen von Hansi Flick, Jürgen Klopp und Joachim Löw: “Wenn du dann noch so nette Worte kriegst vom Hansi, Kloppo und Jogi, das hat mich natürlich schon mehr als erfreut. Das gebe ich gerne zu.”

Deutlicher Sieg vor Glasner und Baumgart

Entsprechend ausgelassen war Streichs Laune, als er kurz nach der Pressekonferenz auf dem Rasen des Europa-Park-Stadions die Trophäe dann erstmals in Händen hielt – überreicht von kicker-Chefredakteur Rainer Franze und kicker-Reporter Carsten Schröter-Lorenz. Streich, 2021/22 Pokalfinalist und Ligasechster mit dem SC, hatte die vom kicker und dem Verband Deutscher Sportjournalisten durchgeführte Wahl mit 276 Stimmen deutlich vor Frankfurts Europa-League-Sieger Oliver Glasner (133 Stimmen) und Steffen Baumgart (65) gewonnen, der Köln in die Europa Conference League geführt hat.

Freiburg weiter im Rennen um Röhl

Eine Planstelle hat der SC Freiburg in seinem Mittelfeld noch frei. Die Breisgauer bemühen sich unter anderem um ein Drittliga-Talent.

Beim SC auf dem Zettel: FCI-Talent Merlin Röhl.

Beim SC auf dem Zettel: FCI-Talent Merlin Röhl.

IMAGO/Stefan Bösl

Auf der Sechser-/Achter-Position gibt es die einzig noch offene Planstelle im Team von Christian Streich. Für den ablösefrei zu Union Berlin gewechselten Janik Haberer kam noch kein externer Ersatz. Bislang rückte nur der 19-jährige Robert Wagner aus der eigenen Drittliga-Mannschaft in den Profikader auf und ist Teil eines zentralen Quartetts, bestehend aus den gesetzten Nicolas Höfler (32) und Maximilian Eggestein (25) sowie U-21-Nationalspieler Yannik Keitel (22).

Quantitativ erscheint die Personaldecke für drei Wettbewerbe etwas dünn. Um allerdings Eigengewächs Keitel in seinen Entwicklungsmöglichkeiten durch Einsatzzeiten nicht zu sehr zu blockieren, soll kein arrivierter Profi kommen, sondern eher ein weiterer junger Herausforderer. Wie Merlin Röhl. Nach kicker-Informationen befindet sich der SC weiter im zähen Rennen um den U-20-Nationalspieler, der erst im Juli 2021 seinen Vertrag beim FC Ingolstadt verlängert hat. Der bayerische Drittligist möchte daher für sein seit 2018 ausgebildetes Talent eine möglichst hohe Entschädigung generieren.

Noch andere Kandidaten im Auge

Zuletzt soll der Austausch zwischen beiden Klubs intensiver geworden sein. Das Transferfenster ist zwar noch bis 1. September geöffnet, aber natürlich wollen gerne alle drei Parteien möglichst bald Klarheit. Röhl, der diese Saison schon drei Pflichtspiele für Ingolstadt absolvierte, zuletzt beim 4:0 bei Dortmund II als Torschütze in Erscheinung trat und am Mittwochabend mit dem FCI in Osnabrück gastiert, wird bei einem neuen Arbeitgeber naturgemäß Eingewöhnungszeit benötigen. Spannend, ob es der SC wird, der auch noch andere Kandidaten im Auge hat.

Keine Kandidaten für das Freitagsspiel gegen Dortmund sind die verletzten SC-Profis Kevin Schade (Bauchmuskel-OP), Lucas Höler (Mittelfußbruch), Lukas Kübler (Muskelblessur) und Kimberly Ezekwem (Muskelsehnenreizung). Immerhin traten die drei Erstgenannten im Rahmen ihres Aufbautrainings am Mittwoch in Dienstkleidung in Erscheinung. Höler und Kübler absolvierten Lauftraining und Schade ein Übungsprogramm auf dem Platz abseits des Mannschaftstrainings.

Carsten Schröter-Lorenz