“Skandal, dass das Tor nicht zählt”: Lieberknecht hadert mit Handspielregel

Die Partie zwischen Werder Bremen und Darmstadt 98 hätte beinahe in letzter Sekunde einen Sieger gefunden. Doch ein vermeintlicher Treffer des Aufsteigers zählte nicht – was hinterher heiß diskutiert wurde.

Redebedarf: Tim Skarke (li.) im Gespräch mit dem Unparteiischen-Gespann in Bremen.

Redebedarf: Tim Skarke (li.) im Gespräch mit dem Unparteiischen-Gespann in Bremen.

picture alliance/dpa

“Es ist ein Skandal, dass das Tor nicht zählt. Den, der diese Regel erfunden hat, würde ich gerne mal kennenlernen. Und am besten heute noch”, meinte ein aufgewühlter Torsten Lieberknecht, bei Sky nach dem Spiel in Bremen, bei dem er selbst aufgrund einer Gelbsperre auf der Bank von Co-Trainer Ovid Hajou vertreten worden war. “Wir haben jetzt in den letzten Spielen drei Tore erzielt, die nicht gezählt haben. Das ist natürlich bitter”, so der Darmstädter Coach weiter. 

Die Szene der Partie, die anschließend reichlich Gesprächsstoff lieferte, ereignete sich tief in der Nachspielzeit fast mit dem Abpfiff: Nach einem Befreiungsschlag der Darmstädter vom eigenen Strafraum aus, köpfte Bremens Pascal Groß an der Mittellinie zurück zu Torhüter Michael Zetterer, der den Ball gegen den nahenden Tim Skarke nach vorne schlagen wollte. Doch der schlecht platzierte Schlag nach vorne prallte von Skarkes vor dem Bauch angelegtem Arm an seinen Oberschenkel und dann Richtung Tor. Das anschließende Laufduell gegen Zetterer gewann der Offensivakteur und drückte den Ball über die Torlinie. Nach Check durch VAR Patrick Hanslbauer wurde der Treffer aufgrund des Kontakts mit dem Arm indes schnell revidiert. 

DFB-Regeln: Absicht nicht entscheidend

In seinen “Fußball-Regeln 2023/24” lässt der DFB in Sachen Handspiel in “Regel 12 – Fouls und sonstige Vergehen” den Schiedsrichtern hierbei keinen Spielraum. So heißt es: “Ein Vergehen liegt vor, wenn ein Spieler ins gegnerische Tor trifft, unmittelbar nachdem er den Ball mit der Hand/dem Arm berührt hat (ob absichtlich oder nicht).”

Die Regel dürfte da nie Anwendung finden. Gäbe es dafür Elfmeter? Wahrscheinlich nicht, weil die Hand angelegt ist.

Torsten Lieberknecht

Zu eben jener Regel hat Lieberknecht derweil seine eigene Sicht: “Die Regel dürfte da nie Anwendung finden. Gäbe es dafür Elfmeter? Wahrscheinlich nicht, weil die Hand angelegt ist. Und das ist dann das, warum man da emotional am Rad dreht.”

Fritz: “Für die Darmstädter sehr unglücklich”

Auch von Bremer Seite war man sich einig, in der Szene nach Zetterers Fauxpas gut weggekommen zu sein. “Ein bisschen Glück gehabt”, meinte etwa Sportchef Clemens Fritz. “Glück gehabt”, meinte auch Marvin Ducksch. Da hatten wir “definitiv Glück”, erklärte auch Anthony Jung. “Das hätte uns sehr auch geärgert, wenn es für uns so passiert wäre”, fügte der Defensivspieler an. Verständnis für den Ärger der Darmstädter zeigte auch Fritz. “Wenn es die Regel ist, dann ist es richtig. Aber man muss schon sagen: Für die Darmstädter, da bin ich schon ehrlich, ist das schon sehr unglücklich.”

“Ich denke, beide Seiten haben recht”, meinte der Bremer Coach über die unterschiedlichen Sichtweisen in Sachen Handspiel vor Torerzielung. Einerseits sei “die Regel ist nicht gerade geil, weil für die, die Fußballspielen, ist es schon so, dass man mit Absicht oder nicht Absicht deutlich mehr anfangen kann. Andererseits ist es halt die Regel und wir haben es dieses Jahr auch schon erlebt, dass das eine Rolle gespielt hat. Das Thema Handspiel wird sicher noch bis zum Ende aller Tage diskutiert werden”. 

Wieder das Wadenbein: Lieberknecht bangt um Mehlem

In der Pressekonferenz hatte sich Lieberknecht wieder ein wenig beruhigt. Kennenlernen wolle er “den Erfinder der Regel” zwar noch immer, aber “nicht heute”. Bangen muss der 50-Jährige derweil um Marvin Mehlem, der erst Anfang Dezember mit einem Wadenbeinbruch lange ausgefallen war. 

Mehlem spielte in Bremen zwar durch, hatte aber wieder Probleme mit dem Wadenbein. “Er hatte ein ungutes Gefühl, weil es wieder dieselbe Stelle war”, erklärte Lieberknecht, der anfügte: “Wenigstens da hoffen wir, dass wir bei einer Millimeter-Entscheidung um den Wadenbeinbruch herumkommen.”

Fritz’ Werder-Vision: “Im Windschatten der internationalen Plätze”

Clemens Fritz wird Werders neuer Geschäftsführer Fußball: Was für ihn sprach, wie er das Erbe von Frank Baumann angehen will – und was er über seine eigene Nachfolge sagt.

Will sich nicht mit Frank Baumann vergleichen: Clemens Fritz.

Will sich nicht mit Frank Baumann vergleichen: Clemens Fritz.

Getty Images

Die Entscheidung im Aufsichtsrat sei einstimmig gefallen: Clemens Fritz ist der Mann, “der uns hier in die Zukunft führen kann”, erklärte der Vorsitzende des Gremiums Hubertus Hess-Grunewald nur rund eine halbe Stunde, nachdem der SV Werder Bremen am Donnerstagmittag offiziell über die Neubesetzung des Postens “Geschäftsführer Fußball” informiert hatte. Ab Sommer folgt der aktuelle Leiter Profifußball dann auf Frank Baumann, dessen Vertrag nach acht Jahren am Saisonende ausläuft.

Die Frage, mit der sich die Entscheidungsträger in den vergangenen Wochen laut Hess-Grunewald intensiv befasst hatte, lautete: “Ist da draußen ein möglicher Kandidat, der das Anforderungsprofil besser ausfüllt als Clemens?” Sie wurde letztlich klar verneint, obwohl Werder “nicht leichtfertig oder mit geringem Aufwand” den Markt nach Alternativen sondiert hatte, wie der Aufsichtsratsvorsitzende und Vereinspräsident betonte: “Wir haben sogar eine externe Berateragentur beauftragt.”

“Benchmark” Fritz als Scheinprozess? “Zu Unrecht”

Der Bundesligist setzte sich dabei mit mehreren “sehr starken Kandidaten” auseinander, Andreas Schicker von SK Sturm Graz gehörte etwa dazu. Der Österreicher galt bis zuletzt als aussichtsreichster Konkurrent, konnte zumindest Teile des Aufsichtsrats von sich überzeugen.  Den Eindruck, “besser zu Werder zu passen und die Themen besser angehen zu können”, vermittelte laut Hess-Grunewald jedoch keiner der Mitbewerber von Fritz. Der 43-Jährige, bereits im fünften Jahr in unterschiedlichen Bereichen des Bremer Managements aktiv, genoss gegenüber den Herausforderern somit offensichtlich den Status als Favorit, zumal er inklusive seiner Zeit als Spieler ja noch mal länger “Teil der Werder-Familie” ist, von der der 63-Jährige sprach.

Dass vor diesem Hintergrund in Teilen des Bremer Umfelds gar von einem Scheinprozess die Rede war, entkräftete Hess-Grunewald nun ausdrücklich: “Dieser Vorwurf ist wirklich zu Unrecht erhoben”, sagte er und verwies noch einmal auf eine “Shortlist mit fünf Bewerbern” und “strukturierten Interviews”, nachdem Fritz mit seiner Vorstellung vor dem Aufsichtsrat zumindest früh für eine “Benchmark” im Auswahlprozess gesorgt hatte: “Dann zu schauen, ob wir jemanden finden, der besser ist”, so der Vorsitzende, “das halte ich eher für einen Prozess von Seriosität – und nicht für einen Scheinprozess.”

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Aus für den Investorendeal: Knickt die DFL vor den Ultras ein?


14:46 Minuten

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Fritz: “Mein Leben wäre normal weitergegangen”

Der Werder-Präsident erinnerte auch noch mal an die Inthronisierung Baumanns als Geschäftsführer im Jahr 2016, der nur “rund 36 Stunden später” auf Vorgänger Thomas Eichin folgte: “Also, die Auswahlprozesse für eine solche Position haben in diesen acht Jahren deutlich andere Dimensionen gewonnen”, beteuerte Hess-Grunewald: “Heute würde man das sicherlich nicht mehr so machen können.”

Dafür sprächen ja einerseits die Besetzung des sieben- und demnächst neunköpfigen Werder-Aufsichtsrats als administrative Instanz sowie der nun mehrere Wochen dauernde Prozess, den ja von vornherein auch Fritz begrüßt hatte, wie er nun noch einmal bekräftigte: “Es geht hier nicht um mich – mein Leben wäre auch ganz normal weitergegangen, wenn diese Entscheidung nicht auf mich getroffen wäre. Die Entscheidung musste wirklich im Sinne von Werder Bremen getroffen werden.”

Werder soll “mal wieder in Europa dabei sein”

Dass beim Bundesligisten nun jedenfalls “ein fundamentaler Umbruch” auf die Ära Baumann folgen wird, schloss der künftige Geschäftsführer Fußball schon deshalb aus, weil er als Leiter Profifußball mit dem 48-Jährigen ja bereits in den vergangenen Jahren gemeinsam die strategische Ausrichtung bestimmt hatte. Wirtschaftliche Konsolidierung ist dabei ein Thema, aber auch attraktiver Fußball mit einer entwicklungsfähigen Mannschaft. Diese Arbeit wolle er fortsetzen, so Fritz: “Und weiterentwickeln heißt – da bin ich ganz offen und ehrlich – dass wir eine Rolle einnehmen, wo wir schon im Windschatten der internationalen Plätze dabei sein können.”

Wenn sich also das Momentum für Werder bietet, wolle man “eben auch mal wieder in Europa dabei sein”, erklärte der Leiter Profifußball. Zumal der Einstieg eines strategischen Partners zumindest dazu führt, “dass wir jetzt eine gewisse Beinfreiheit und Handlungsspielraum haben”, wenngleich der Investitionsprozess über mehrere Jahre angelegt sei.

Wer wird Fritz-Nachfolger?

Inwiefern sich Fritz dabei noch Unterstützung in seinem künftigen Verantwortungsbereich holt, wer also womöglich seinen jetzigen Posten übernehmen könnte, ließ er zunächst offen: “Zum einen will ich vermeiden, dass jetzt irgendwelche Spekulationen anfangen. Zum anderen möchte ich die Gedanken und Ideen, die ich dazu schon habe, erstmal mit meinen zukünftigen Geschäftsführerkollegen besprechen.” Teil der Überlegungen dürfte sicher auch der Leiter der Scouting-Abteilung Johannes Jahns sein.

Fest steht, dass sich Fritz selbst in der Nachfolger-Rolle seines ehemaligen Werder-Mitspielers künftig “überhaupt nicht mit Frank Baumann vergleichen will”, so der 43-Jährige: “Ich bin ihm wirklich sehr dankbar für all das, was er mir mit auf den Weg gegeben hat – aber ich möchte schon auch als Clemens Fritz wahrgenommen werden.”

Tim Lüddecke

Fritz wird neuer Werder-Geschäftsführer

Der Auswahlprozess ist abgeschlossen: Clemens Fritz wird, wie zu erwarten war, Nachfolger als Geschäftsführer Fußball beim SV Werder Bremen.

Wird auf Frank Baumann folgen: Clemens Fritz.

Wird auf Frank Baumann folgen: Clemens Fritz.

DeFodi Images via Getty Images

Bis Ende März hatte sich der Aufsichtsrat des SV Werder Bremen offiziell Zeit gegeben, nun ist die Entscheidung für die Nachfolgeregelung des Geschäftsführer Fußball gefallen. Wie die Norddeutschen am Donnerstag offiziell mitteilten, wird Clemens Fritz auf Frank Baumann folgen, der im Juni nach acht Jahren aus dem Amt ausscheiden wird. Seit dem bekanntgegebenen Rückzug des 48-Jährigen Anfang November hatte sich der Bundesligist in dem Auswahlprozess auch mit anderen externen Kandidaten beschäftigt, dazu gehörte etwa der Sportchef von SK Sturm Graz, Andreas Schicker.

“Um unserer Rolle und unserem Anspruch, die beste Lösung für Werder zu finden, gerecht zu werden, haben wir über eine externe Beratungsagentur national und international nach geeigneten Kandidaten suchen lassen und viele Gespräche geführt, in denen uns andere Perspektiven und spannende Konzepte präsentiert wurden. Am Ende konnte uns Clemens aber in mehreren Gesprächsrunden mit seiner Strategie und seinem Ansatz überzeugen und sich somit gegen die starken Mitbewerber durchsetzen”, erklärte Hubertus Hess-Grunewald, Aufsichtsratsvorsitzender beim SV Werder Bremen.

Dass die Wahl auf Fritz fiel, kommt wenig überraschend. Der 43-Jährige wurde in den vergangenen Jahren hinter Baumann im Werder-Management sukzessiv aufgebaut. Er startete als Trainee, wurde vom Betreuer der Leihspieler zum Leiter der Scouting-Abteilung – seit 2020 firmiert der ehemalige Bremer Kapitän als Leiter Profifußball. Auch von der sonstigen aktuellen Geschäftsführung um den Vorsitzenden Klaus Filbry war Fritz favorisiert worden.

Werder-Werdegang und Weiterbildungen

Der Ex-Profi hatte sich dem Werder-Aufsichtsrat bereits Ende des vergangenen Jahres mit seinem Konzept präsentiert. Der Vorsitzende des Gremiums, Hess-Grunewald, indes hatte zu Beginn der Suche nach einem Baumann-Nachfolger erklärt: “Wir suchen eine Persönlichkeit, die Werder Bremen auch in den nächsten Jahren langfristig in der Bundesliga etabliert und die Rahmenbedingungen dafür schafft, dass sich die Mannschaft weiterentwickeln kann.” Die Felder Scouting, Nachwuchs und Frauen-Fußball seien ebenfalls Teil des “umfassenden Anforderungsprofils”.

Der 63-Jährige hatte die Voraussetzungen von Fritz für den Posten schon im November als “sicherlich geeignet” bezeichnet: “Weil Clemens sich gerade in den letzten Jahren entwickelt hat und wir ihn ja auch ein Stück weit in diese Richtung ausgebildet haben.” Durch seine interne Laufbahn bei Werder, aber auch durch externe Weiterbildungen. 2022 hat Fritz den dreijährigen UEFA-Lehrgang “Executive Master for international players” erfolgreich abgeschlossen – an der Seite ehemaliger Ausnahmespieler wie Kaká, Andrey Arshavin oder Nuno Gomes.

Fritz übernahm bereits mehr Baumann-Aufgaben

Zu Beginn der laufenden Saison wurden dem Ex-Profi, der 2017 seine aktive Karriere in Bremen beendet hatte, bereits weitere Aufgaben von Baumann und damit mehr Verantwortung übertragen, nachdem der Klub zudem Johannes Jahns aus Salzburg verpflichtet hatte. Vor rund einem Jahr formulierte Fritz im kicker dann auch erstmals seine Ambitionen, sich den Geschäftsführerposten zuzutrauen.

Tim Lüddecke

Neuer Werder-Geschäftsführer: Favorit Fritz soll es werden

Der Auswahlprozess ist abgeschlossen: Clemens Fritz soll, wie zu erwarten war, Nachfolger als Geschäftsführer Fußball beim SV Werder Bremen werden.

Soll auf Frank Baumann folgen: Clemens Fritz.

Soll auf Frank Baumann folgen: Clemens Fritz.

DeFodi Images via Getty Images

Bis Ende März hatte sich der Aufsichtsrat des SV Werder Bremen offiziell Zeit gegeben, nun ist die Entscheidung für die Nachfolgeregelung des Geschäftsführer Fußball gefallen. Wie die Bild berichtet, soll Clemens Fritz auf Frank Baumann folgen, der im Juni nach acht Jahren aus dem Amt ausscheiden wird. Seit dem bekanntgegebenen Rückzug des 48-Jährigen Anfang November hatte sich der Bundesligist in dem Auswahlprozess auch mit anderen externen Kandidaten beschäftigt, dazu gehörte etwa der Sportchef von SK Sturm Graz, Andreas Schicker.

Dass es nun auf Fritz hinausläuft, kommt wenig überraschend. Der 43-Jährige wurde in den vergangenen Jahren hinter Baumann im Werder-Management sukzessiv aufgebaut. Er startete als Trainee, wurde vom Betreuer der Leihspieler zum Leiter der Scouting-Abteilung – seit 2020 firmiert der ehemalige Bremer Kapitän als Leiter Profifußball. Auch von der sonstigen aktuellen Geschäftsführung um den Vorsitzenden Klaus Filbry war Fritz favorisiert worden.

Werder-Werdegang und Weiterbildungen

Der Ex-Profi hatte sich dem Werder-Aufsichtsrat bereits Ende des vergangenen Jahres mit seinem Konzept präsentiert. Der Vorsitzende des Gremiums, Hubertus Hess-Grunewald, indes hatte zu Beginn der Suche nach einem Baumann-Nachfolger erklärt: “Wir suchen eine Persönlichkeit, die Werder Bremen auch in den nächsten Jahren langfristig in der Bundesliga etabliert und die Rahmenbedingungen dafür schafft, dass sich die Mannschaft weiterentwickeln kann.” Die Felder Scouting, Nachwuchs und Frauen-Fußball seien ebenfalls Teil des “umfassenden Anforderungsprofils”.

Der 63-Jährige hatte die Voraussetzungen von Fritz für den Posten schon im November als “sicherlich geeignet” bezeichnet: “Weil Clemens sich gerade in den letzten Jahren entwickelt hat und wir ihn ja auch ein Stück weit in diese Richtung ausgebildet haben.” Durch seine interne Laufbahn bei Werder, aber auch durch externe Weiterbildungen. 2022 hat Fritz den dreijährigen UEFA-Lehrgang “Executive Master for international players” erfolgreich abgeschlossen – an der Seite ehemaliger Ausnahmespieler wie Kaká, Andrey Arshavin oder Nuno Gomes.

Fritz übernahm bereits mehr Baumann-Aufgaben

Zu Beginn der laufenden Saison wurden dem Ex-Profi, der 2017 seine aktive Karriere in Bremen beendet hatte, bereits weitere Aufgaben von Baumann und damit mehr Verantwortung übertragen, nachdem der Klub zudem Johannes Jahns aus Salzburg verpflichtet hatte. Vor rund einem Jahr formulierte Fritz im kicker dann auch erstmals seine Ambitionen, sich den Geschäftsführerposten zuzutrauen.

Tim Lüddecke

Die Liga braucht eine Vision: Fragen und Antworten zum Investoren-Aus

Am Mittwochabend beschloss das Präsidium der Deutschen Fußball-Liga (DFL) einstimmig das Aus für den möglichen Deal mit einem strategischen Partner. Was steckt dahinter? Wie geht es weiter? Der kicker beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum kippte das Präsidium den Deal letztlich?

Die große Klammer hinter dem Aus waren selbstredend die Fanproteste und deren Folgen. Nachdem vor zwei Wochen einige Klub-Vertreter, angefangen mit Claus Vogt und Dirk Zingler, den Präsidenten des VfB Stuttgart und des 1. FC Union, ob der Umstände des Votums im Dezember eine Neu-Abstimmung ins Spiel gebracht hatten, kippten immer mehr Vereine um. Dass am Montag die Mitgliederversammlung des SC Paderborn den Geschäftsführern des Zweitligisten auf den Weg gab, bei einer möglichen Neuwahl mit “Nein” zu stimmen, zerstörte die ohnehin auf tönernen Füßen stehende Zweidrittel-Mehrheit. Denn im Dezember hatte der SCP noch mit “Ja” gestimmt.

Zudem interessiert sich auch das Bundeskartellamt für die Frage, ob mit der Stimme Martin Kinds 50+1 verletzt wurde, wie zuerst die Sportschau berichtet hatte. Der mit der Bonner Behörde ausgehandelte Kompromiss zu der Regel stand und steht im Feuer. Der Rückzug hatte auch mit Schadensbegrenzung in dieser Sache zu tun und auch damit, am Ende das Gesicht zu wahren. Letztlich sorgte ein Mix aus Fehleinschätzungen seitens der DFL (Hannover-Kind-Konflikt), kommunikativen Unzulänglichkeiten bei zahlreichen Klubs und fragwürdigem Führungsverhalten – wo war im Dezember der Einspruch der Klubvertreter gegen eine geheime Wahl? – für das Aus.

Ist der deutsche Fußball nun erpressbar?

Auf den ersten Blick mag das so wirken. Die Fanszene wisse genau, “wo sie bei uns Verantwortlichen und den Medien die Knöpfe drücken kann, auf die wir reagieren”, hatte Axel Hellmann, der auch im DFL-Präsidium sitzt, vor zehn Tagen gesagt.

Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher erlebte es 2018 quasi hautnah mit, wie erstmals Tennisbälle aufs Feld flogen: Am 19. Februar 2018, als die Hessen RB Leipzig mit 2:1 bezwangen. Die ballwerfenden Eintracht-Fans, von denen auch rund 100 in den Innenraum vorgedrungen waren, sorgten damals im Protest gegen Montagsspiele für eine fünfminütige Verzögerung der Partie. Nachdem die Ultras hatten, was sie wollten, blieb es weitgehend ruhig.

Das lässt zumindest den Schluss zu, dass die organisierten Fans Unterbrechungen nur dann provozieren, wenn Entscheidungen in ihren Augen “rote Linien” betreffen, beispielsweise eine weitere Zerstückelung des Spielplans. So hatten auch Bayern-Fans im September 2023 im DFB-Pokal bei Preußen Münster Tennisbälle geworfen, um gegen die parallele Ansetzung des Super-Cup mit der ersten Pokalrunde zu werfen.

Ebenso heftige Proteste an mehreren Standorten gab es, als kurz vor Corona eine Kollektivstrafe gegen BVB-Fans zur Debatte stand wegen der Beleidigungen gegen Hoffenheims Mehrheitseigner Dietmar Hopp. Die Pandemie löste dieses Thema. Wenn es um klubinterne Angelegenheiten ging – ein Beispiel wäre die vielkritisierte Sponsoringpartnerschaft des FC Bayern mit Katar – manifestierte sich Protest bislang in Bannern und Gesängen, nicht aber in der seitens der Fans “ultima ratio” der Spielunterbrechung.

Stehen Zentralvermarktung und die Einheit von Bundesliga und 2. Liga unter Druck?

Freuen wird man sich über das Investoren-Aus weder in München noch in Dortmund, Leipzig oder Leverkusen. Ebensowenig bei der Frankfurter Eintracht, die sich in den vergangenen drei, vier Jahren sportlich wie wirtschaftlich als erster Herausforderer des Top-Quartetts in Position gebracht hat.

Eine endgültige Trennung zwischen Bundesliga und 2. Liga, wie sie im Sommer nach dem damaligen Scheitern des Deals trotzig in den Raum geworfen wurde, wirkt dennoch unwahrscheinlich. Was schon alleine daran liegt, dass mit Hertha BSC, Schalke 04 oder dem Hamburger SV markenbildende Klubs des deutschen Fußballs aktuell im Unterhaus “festsitzen”. Und das ist mit Blick auf die zwischenzeitlich auch abgestiegenen VfB Stuttgart, 1. FC Köln oder Werder Bremen keine Ausnahme, auch Hannover 96, der 1.FC Nürnberg oder der 1. FC Kaiserslautern sind potenzielle Zuschauer- wie Interessemagneten.

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Das Tuchel-Aus – Chancen und Risiken für den FC Bayern


16:09 Minuten

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Spekuliert wird dagegen über eine Teilautonomie. Dass die Kämpfe um die Geldverteilung nun kommen werden, ist ohnehin normal und passiert in schöner Regelmäßigkeit alle vier Jahre, wenn der nationale Medienrechtedeal ausgehandelt wird. Allerdings steht die 2. Liga unter einem gewissen Druck, weil beispielsweise die Mehrheit der Bundesligisten im Dezember mit 14 Vereinen für den Deal doch erheblich war. Und auch die Großen haben bei eventueller Forderung nach mehr Umverteilung nicht die schlechtesten Argumente.

FC Bayern

Auch Harry Kane war mit dem Beseitigen von Tennisbällen beschäftigt.
IMAGO/Beautiful Sports

Ob das von Kommentatoren ins Spiel gebrachte Damoklesschwert einer Super League wirklich eine Bedrohung für den deutschen Fußball darstellt, sei einmal dahingestellt. Sowohl an der Säbener Straße in München als auch in Dortmund-Brackel weiß man, was das Gros der eigenen Fans von einer weiteren Elitisierung des europäischen Spitzenfußballs hält.

Eine vollständige Trennung der Ligen ginge zudem am Kern der Problematik vorbei: Wie schaffen deutsche Fußballklubs bei zentralen Fragen schnelle Handlungsspielräume für ihre operative Geschäftsführung bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Stimmenmehrheit eines zugegebenermaßen schwerfälligen Organs der Mitgliederversammlung eines eingetragenen Vereins?

Welche Folgen hat das Aus für die aktuellen Medienrechte-Verhandlungen?

Aufgehübscht mit dem Ja eines Milliardeninvestments in die finale Phase der Ausschreibung zu gehen, wäre für den bei der DFL für das Thema zuständigen Geschäftsführer Dr. Steffen Merkel sicher kein Nachteil gewesen. An der grundsätzlichen Attraktivität der Bundesliga für Partner hat sich durch das Aus für Investoren jedoch nichts dramatisch verändert – zudem können Merkel und seine Mitstreiter im aktuellen Momentum auf das dramatische Titelfinale 2023 und das Durchbrechen der bayerischen Dominanz verweisen.

1,1 Milliarden Euro erhält die Liga aus den nationalen Medienrechten aktuell, ein erneutes Erreichen dieser Summe ab der Saison 2025/26 gilt unter Experten als Erfolg. Neue Inhalte (mehr Leuchtturmspiele, Kabinen-Kamera, Interviews mit Spielern bei Busankunft vor dem Spiel) und mehr Zugängen zu den Klubs unter der Woche hoffen die Manager, den Interessenten das Geld entlocken zu können.

Kommen dennoch Investitionen ins Liga-Geschäftsmodell?

Einigkeit, dass diese nötig sind, besteht unter den 36 Gesellschaftern der DFL. Man wird nun sehr genau nachrechnen müssen, was die wichtigsten Investitionen gewesen wären und vielleicht ein abgespecktes Paket schnüren müssen. Bislang scheiterte eine Finanzierung aus dem Bestand heraus, also indem die Klubs auf einen geringen prozentualen Anteil ihrer Mediengeld-Auskehrungen verzichten, daran, dass sich in Schieflage befindliche Vereine aufgrund von bereits verpfändeten Zukunftseinnahmen ein massives Liquiditätsproblem bekommen hätten. Womöglich ließe sich das Problem mit reduzierten Investitionsvolumina verkleinern.

Fällt die Liga nun im Quervergleich zu Italien, Spanien und Frankreich zurück?

Dass die Premier League weit enteilt ist und der Deal auch gar keinen Angriff auf die englische Elite begründen soll, hatten Klub- und Ligaverantwortliche immer wieder betont. Insofern war das häufig aus der Fanszene gebrauchte Argument, man hechle blind England hinterher, ein ziemlich populistisches. Vielmehr ging es darum, mit Ligue 1 und La Liga, die beide mit CVC einen Investor haben, Schritt zu halten, ebenso mit La Liga, die über den Verkauf von Klubanteilen in den vergangenen Jahren an teils jedoch zweifelhafte Investoren aus China Kapital generiert hat.

Umsatztechnisch schreibt die Bundesliga nach kicker-Recherchen für 2022/23 einen Rekord, der status quo fällt also nicht so düster aus. Aber: Während und nach der Corona-Pandemie sind die Erlöse aus den internationalen Medienrechten für die Bundesliga um rund 20 Prozent gesunken, wenngleich zuletzt der Trend umgekehrt werden konnte – diese Einnahmensparte ist in Spanien und Frankreich dagegen gewachsen, was ein Argument dafür darstellt, dass die Liga im Rennen um globale Aufmerksamkeit mindestens unter Druck steht. Will der deutsche Fußball weiter konkurrenzfähig bleiben und zugleich fanorientiert – Stichwort 50+1 – braucht er dringend eine Vision.

Benni Hofmann

Thema
Die Liga und der “strategische Partner”

Die Diskussion um einen DFL-Investor

zum Thema

  • Für Investitionen u.a. in Digitalisierung wollte die DFL-Führung Kapital von einen Investor einholen.
  • Die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit wurde bei der geheimen Abstimmung auf die Stimme genau erreicht.
  • Nach einer außerordentlichen Sitzung hat die DFL beschlossen, den Partnerprozess nicht weiterzuführen. 

Teste dein Wissen: Das Quiz zum 23. Spieltag

Der 23. Spieltag in der Bundesliga steht vor der Tür. In München muss dringend gewonnen werden, bereits am Freitag kann Leverkusen vorlegen. Bist du fit für alle neun Partien?

Am Samstag steht in München das Topspiel zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig statt. 

Am Samstag steht in München das Topspiel zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig statt. 

IMAGO/Sven Simon

Tabellenführer Bayer Leverkusen und Mainz 05 eröffnen an diesem Freitag den 23. Bundesliga-Spieltag – der Vorsprung der Werkself auf den FC Bayern könnte über Nacht auf elf Punkte ansteigen. Der Rekordmeister ist erst am Samstagabend im Topspiel gegen Leipzig im Einsatz – und will nach zuletzt drei Niederlage inklusive Tuchel-Aus im Sommer endlich mal wieder punkten.

Wie gut kennst du dich rund um die Spiele der 23. Runde aus? Teste dein Wissen im kicker-Quiz. Wer schafft neun Richtige?

Vielen Dank für die Teilnahme!

Woltemades Wahl: Werder, Bundesliga – Ausland?

Wie geht es weiter für Nick Woltemade beim SV Werder Bremen? In Kürze sollen die Gespräche über eine Vertragsverlängerung wieder intensiviert werden. Ausgang: offen.

Schwerer Stand in Köln: Nick Woltemade (li.), hier im Duell mit Timo Hübers.

Schwerer Stand in Köln: Nick Woltemade (li.), hier im Duell mit Timo Hübers.

IMAGO/Treese

Die Partie am Freitagabend war keine zum Glänzen, und letztlich traf das auch auf niemanden der insgesamt 32 eingesetzten Spieler beim Aufeinandertreffen zwischen Köln und Bremen zu. Ein 0:0 wäre dem Dargebotenen sicherlich eher gerecht geworden als der 0:1-Endstand, der passenderweise von einem Lapsus von FC-Keeper Marvin Schwäbe begünstigt worden war.

Einen schweren Stand in der Werder-Offensive hatte dabei insbesondere Nick Woltemade: Zwölf gespielte Pässe sind nicht viel für einen Angreifer, der 66 Minuten auf dem Platz stand, zumal sich das Zusammenspiel mit Sturmpartner Marvin Ducksch bis auf eine gemeinsame Abschlussaktion in der 1. Minute kaum befruchtete. Dazu wissen muss man allerdings auch, dass die Vorgabe für Woltemade lautete, im Bremer Ballbesitz beide Kölner Innenverteidiger zu binden – weshalb der 22-Jährige bewusst selten in Szene gesetzt wurde. 30 Ballkontakte belegten immerhin, dass die Partie nicht komplett an ihm vorbeilief bei seinem erst dritten Startelfeinsatz in dieser Saison.

Vertragsgespräche laufen wieder an

Vor allem sein letztes Spiel von Beginn an, der 1:0-Auswärtssieg in München, hat für den U-21-Nationalspieler eine Phase eingeleitet, in der er in Werders Stürmer-Ranking weiter aufgestiegen ist. Mittlerweile steht er da noch mal klarer vor Dawid Kownacki – auch an Rafael Borré ist er vorbeigezogen. Dass der Klub deshalb nun in Erwägung zieht, den 30-maligen kolumbianischen Nationalstürmer vorzeitig abzugeben, ist bekannt. Bis Monatsende wollen die Bremer Verantwortlichen darüber befinden.

Dann sollen auch die Vertragsgespräche mit Woltemade wieder aufgenommen worden sein, der Austausch nach dem kommenden Bundesligaspiel gegen Darmstadt und bis zur Länderspielpause der dritten März-Woche intensiviert werden. Nach aktuellem Stand läuft der Vertrag des gebürtigen Bremers und Werder-Eigengewächses aus – bereits 2010 wechselte er in die Nachwuchsabteilung des Vereins.

Woltemade-Zukunft: Entscheidung bis Anfang April

Inzwischen haben sich auch andere konkrete Optionen eröffnet, in der Bundesliga, aber auch in Belgien, den Niederlanden, England und Dänemark – im Ausland könnte Woltemade sogar auf internationalem Niveau spielen. Bis Anfang April soll die Zukunftsentscheidung des Angreifers getroffen worden sein.

Für das Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) gegen Darmstadt dürften die Anforderungen aber nun erstmal wieder andere sein als in Köln, was Werder womöglich mehr Ballbesitz verschaffen könnte. Die Angriffe wären dann weniger auf die Tiefe ausgelegt – wodurch auch Woltemades Fähigkeiten wieder besser zum Tragen kommen können.

Tim Lüddecke

“Ein guter Tag für Deutschlands Fußball-Fans”

Am Mittwoch platzte der geplante Investoren-Deal der DFL endgültig. Hier lesen Sie die Stimmen zu dieser Entscheidung.

Der Protest der zahlreichen Fan-Gruppierungen gegen den geplanten Investoren-Deal der DFL zahlte sich aus.

Der Protest der zahlreichen Fan-Gruppierungen gegen den geplanten Investoren-Deal der DFL zahlte sich aus.

IMAGO/Zink

Mitteilung des Private-Equity-Unternehmen CVC als letzter verbliebener Partner-Kandidat: “Wir geben keinen Kommentar.”

Hans-Joachim Watzke, Sprecher des DFL-Präsidiums: “Eine erfolgreiche Fortführung des Prozesses scheint in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen nicht mehr möglich.”

Thomas Kessen, Sprecher vom Fanbündnis “Unsere Kurve”: Ein guter Tag für Deutschlands Fußball-Fans. Für alle aktiven Fußball-Fans und alle Mitglieder der Vereine ist das ein großer Erfolg, der zeigt, dass der deutsche Fußball mitgliederbasiert und demokratisch ist und dass eben diese Mitglieder bei solch richtungsweisenden Entscheidungen mitgenommen werden müssen.”

Stellungnahme vom Vorstand und Präsidium des VfB Stuttgart: “Wir begrüßen diese nachvollziehbare Entscheidung des DFL-Präsidiums, die uns alle, die wir den Fußball lieben, wieder zusammenkommen lässt. Nun gilt es die Rückschlüsse aus den vergangenen Wochen zu ziehen und hieraus eine von möglichst allen mitgetragene Basis für eine Weiterentwicklung des deutschen Profifußballs zu schaffen. Das können Verbände, Vereine und Fans nur gemeinsam.”

Philip Krämer, stellvertretender Vorsitzender des Sportausschusses: “Der Stopp der Verhandlungen um den Investorendeal durch die DFL ist in meinen Augen richtig und wichtig. Dafür habe ich auch plädiert. In dieser äußerst polarisierten Situation zwischen Fans, Vereinen und Verbänden muss ein gemeinsamer Konsens über die Zukunft des deutschen Fußballs gefunden werden. Die Entscheidung zeigt auch, dass der weitestgehend friedliche Protest der Fans erfolgreich und ein starkes Signal war. Jetzt ist es an den Vereinen, ihre Fans in Zukunft demokratischer in Entscheidungsprozesse einzubinden. Bei den 36 Profi-Vereinen muss sich die Erkenntnis durchsetzen, dass nur ein gemeinsames und geschlossenes Vorgehen erfolgreich sein kann. ”

Längere Pause für Werder-Kapitän Friedl

Bremens Spielführer Marco Friedl wird dem SV Werder länger fehlen. Der Abwehrspieler zog sich eine Syndesmose-Verletzung zu.

Da sah noch alles gut aus: Bremens Kapitän Marco Friedl verletzte sich im Training.

Da sah noch alles gut aus: Bremens Kapitän Marco Friedl verletzte sich im Training.

IMAGO/Nordphoto

Diese Nachricht ist für den SV Werder Bremen eine bittere Pille: Kapitän Marco Friedl verletzt sich am Dienstag im Training und zog sich einen Riss des vorderen Syndesmosebandes im rechten Sprunggelenk zu. Dies teilten die Norddeutschen in einer Mitteilung am frühen Mittwochabend mit. Zunächst hatten die Werderaner noch auf eine Entwarnung gehofft, doch diese blieb aus.

Bundesliga, 23. Spieltag

Bedeutet: Der 25-jährige Abwehrspieler wird der Mannschaft von Trainer Ole Werner in einer entscheidenden Saisonphase fehlen. Gerade erst hatten sich die Bremer im neuen Jahr mit vier knappen Siegen aus sechs Bundesligaspielen und einem Remis an die Europapokalplätze herangerobbt und könnten bei entsprechendem Ausgang im DFB-Pokal mit Platz 7 dort vertreten sein. Insofern kommt das längerfristige Fehlen von Anführer Friedl zur Unzeit.

Fritz: “Situation über Nacht deutlich verschlechtert”

“Nachdem die Situation bei Marco gestern Nachmittag noch ganz gut aussah, hat sie sich über Nacht leider deutlich verschlechtert, so dass wir heute Vormittag weitere Untersuchungen durchgeführt haben, die den Riss des Syndesmosebandes ergeben haben”, erklärt Clemens Fritz, Leiter Profifußball beim SV Werder Bremen.

Der Österreicher hatte in den letzten Wochen seit dem Wiederbeginn der Bundesliga Mitte Januar die Defensive der Hanseaten extrem stabilisiert – mit Ausnahme des 1:2 gegen Heidenheim hatte Friedl bei allen vier Siegen im neuen Jahr überzeugt und jeweils die kicker-Note 2 bzw. 2,5 gezogen.

Wer Friedl in den kommenden Wochen in der Abwehrzentrale ersetzt, wird sich zeigen. Fest steht aber: Ole Werner muss in der Defensive mit Amos Pieper, Milos Veljkovic, Niklas Stark und eben Friedl aktuell vier potentielle Stammspieler ersetzen.

Für das kommende Heimspiel am Samstag gegen das Schlusslicht Darmstadt 98 könnte sich Werners Not-Dreierreihe wie folgt lesen: Julian Malatini, Christian Groß und Anthony Jung.

Stage und Lynen: Die Stabilisatoren im Werder-Zentrum

Seit Rückrundenbeginn stehen beide gemeinsam in der Startelf des SV Werder Bremen – seither hat der Klub vier von fünf Spielen gewonnen. Wieso das Zusammenspiel so gut funktioniert.

Bringen selbst Jamal Musiala (M.) und en FC Bayern zum Stolpern: Jens Stage (li.) und Senne Lynen (re.).

Bringen selbst Jamal Musiala (M.) und en FC Bayern zum Stolpern: Jens Stage (li.) und Senne Lynen (re.).

IMAGO/kolbert-press

Die Verständigung zwischen dem Dänen Jens Stage und dem Belgier Senne Lynen läuft weitgehend einsprachig. “Er spricht zwar auch ein bisschen Deutsch – wie ich”, erklärte Stage am Mittwochnachmittag, wohlgemerkt auf Deutsch: “Aber wir tauschen uns schon auf Englisch aus.” Gefunden hat sich das Duo im Mittelfeld des SV Werder Bremen mittlerweile ja auch insbesondere sportlich. In den vergangenen fünf Spielen, von denen der Klub zuletzt vier für sich entscheiden konnte, standen beide stets gemeinsam in der Startelf. Zumindest bei Lynen war das zuvor in dieser Saison nicht immer der Fall gewesen.

Der Sommer-Neuzugang von Union Saint-Gilloise könnte damit nun also einen ganz ähnlichen Weg für die restliche Saison eingeschlagen haben, wie ihn Stage ein Jahr zuvor gegangen ist, als er nach seiner Verpflichtung vom FC Kopenhagen ebenfalls mit einigen Startschwierigkeiten in Bremen zu kämpfen hatte. Auch der Däne hatte sich erst in der letztjährigen Rückrunde immer besser im Spielsystem von Trainer Ole Werner eingefunden, spätestens seit dieser Saison erscheint der 27-Jährige nahezu unverzichtbar.

Werder Bremen: Die nächsten gegner

Wie Stage: Lynen ist “genauso drangeblieben”

“Jens ist ein unheimlich wichtiger Faktor bei uns, ein Stabilisator für die Mannschaft, das muss man ganz klar so sagen. Wir sind sehr zufrieden mit seiner Entwicklung”, sagt Leiter Profifußball Clemens Fritz, der ebenfalls Parallelen sieht zwischen den beiden Mittelfeldspielern: “Dass so ein Anpassungsprozess auch mal etwas dauern kann, das haben wir letztes Jahr bei Jens gesehen, das haben wir jetzt auch bei Senne gesehen.”

Beide scheinen aus ihrer Situation gelernt zu haben. “Wichtig ist, dass du als Spieler an dich glaubst, auch wenn es mal Enttäuschungen gibt”, führt der 43-Jährige weiter aus. Lynen sei jetzt “genauso drangeblieben” wie Stage in der vergangenen Saison: “Und jetzt sieht man, mit was für einer Ruhe und Abgeklärtheit Senne spielt und dass er adaptiert hat, was Ole fordert”, so Fritz: “Er hat eine gute Spielübersicht, antizipiert gut, kann Bälle klauen – auch er gibt uns Stabilität im Zentrum.”

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Stage über Lynen: “Man kann ihm vertrauen”

Auf der Position als alleiniger Sechser scheint Lynen nun erst einmal gesetzt – vor ihm agiert Stage im Vergleich zum zweiten Achter Romano Schmid ebenfalls defensiv orientiert. Dass Werder in den vergangenen Wochen im Defensivverhalten verbessert agierte, liegt sicherlich auch an dem Duo, das in der Mitte des Platzes über die Räume verfügt. “Ich weiß immer, wo er ist”, sagt Stage über das Zusammenspiel: “Senne verliert nicht die Ruhe – man kann ihm auf dem Platz einfach vertrauen.”

Wie Lynen in der Vorsaison mit Saint-Gilloise hat auch Stage bereits Erfahrungen in der Europa League gemacht. Von etwaigen Ambitionen mit den Bremern, die aktuell auf Tabellenplatz sieben zumindest in Reichweite des internationalen Geschäfts liegen, spricht der ehemalige Kopenhagen-Profi aber nur ausgesprochen ungern. “In Dänemark war die Qualifikation für Europa ein Muss für uns”, so Stage: “Aber in der Bundesliga ist das etwas anderes.” Das Ausrufen möglicher neuer Ziele, ließ der Däne wissen, überlasse er lieber anderen.

Tim Lüddecke