“Was für Punkte wollen sie uns eigentlich abziehen?”: Slobodan Cendic verstorben

Der ehemalige Aufstiegs-Trainer des 1. FC Saarbrücken Slobodan Cendic ist nach kurzer Krankheit im Alter von 85 Jahren verstorben.

Ist im Alter von 85 Jahren verstorben: Slobodan Cendic.

Ist im Alter von 85 Jahren verstorben: Slobodan Cendic.

imago images/Ferdi Hartung

Slobodan Cendic, ehemaliger Trainer von Schalke 04, dem 1. FC Saarbrücken und dem FC Homburg, ist nach kurzer Krankheit am Dienstag, den 19. September, im Alter von 85 Jahren  verstorben. Dies teilte Cendics Ehefrau am Donnerstag der “Saarbrücker Zeitung” mit, verbunden mit dem Wunsch, “dass ‘seine Fußballwelt’ erfährt, dass er gestorben ist”.

Der im heutigen Serbien geborene Cendic begann seine Trainerkarriere im Jahre 1966 bei Tasmania Berlin in der Regionalliga, die damals gerade erst historisch aus der Bundesliga abgestiegen waren. Seine erste professionelle Trainerstation folgte allerdings erst 1970, als der damals 32-Jährige bei Schalke 04 Rudi Gutendorf nach vier Spieltagen ablöste und die Bundesliga auf Platz sechs beendete – zugleich die bis dahin beste Bundesligaplatzierung der Gelsenkirchener. Da Cendic jedoch keine gültige Trainerlizenz hatte, trainierte formell Ernst Kuzorra den Revierklub. Nach der Saison wurde der Trainer durch Ivica Horvat ersetzt.

Mit Saarbrücken gelang der Aufstieg in die Bundesliga

Seinen größten Erfolg erlebte der Trainer mit dem 1. FC Saarbrücken, die er in seiner zweiten Saison im Jahre 1976 in die Bundesliga führte. Nach neun Spieltagen endete jedoch bereits das Abenteuer Bundesliga mit dem Verein aus dem Saarland, den er 1978 nach dessen Abstieg aus der Bundesliga im November noch einmal übernehmen sollte.

Besonders seine dritte Station in der Bundesliga beim FC Homburg im Jahre 1988 sollte in Erinnerung bleiben – auch wenn der sang- und klanglose Abstieg der Saarländer am Ende feststand. Zuerst startete der Trainer mit zwei Niederlagen und 0:9 Toren historisch schlecht, dann sorgte die Trikotwerbung für Kondome für einige Aufregung und Empörung gegenüber den Saarländern. Selbst der DFB fühlte sich gemüßigt, den Homburgern mit einem Punktabzug zu drohen. Die einzige Reaktion vom damaligen Trainer Cendic: “Was für Punkte wollen sie uns eigentlich abziehen?”

Elf verschiedene Vereine trainierte Cendic

Nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga lag der in Kragujewatz geborene Cendic mit seiner Mannschaft nach 32. Spieltagen auf Rang eins, wurde allerdings für den Schlussspurt ausgetauscht. Am Ende der Saison folgte der Wiederaufstieg der Homburger. Der Jugoslawe probierte es nochmal bei Hannover 96, die er nach fünf Niederlagen aus sechs Spielen aber vorzeitig verließ. Dies sollte sein letztes Engagement im Profifußball bleiben. 

Cendic konnte auf eine bunte Karriere zurückblicken. Der ehemalige Torhüter stand in seiner knapp 30-jährigen Karriere bei 362 Pflichtspielen als Trainer an der Seitenlinie und trainierte elf verschiedene Vereine.

Union gegen den Trend? Die Debüt-Saisons deutscher CL-Teilnehmer

Als 15. Bundesligist nimmt Union Berlin an der 1992/93 uraufgeführten Champions League teil. Die Debüt-Saisons der Vorgänger machten einst Hoffnung – zuletzt eher nicht mehr.

Große Gegner - wie einst Bayern (li.) oder Gladbach (re.) - kriegt gleich zu Beginn auch Union Berlin.

Große Gegner – wie einst Bayern (li.) oder Gladbach (re.) – kriegt gleich zu Beginn auch Union Berlin.

imago images (3)

Liebe auf den ersten Blick war das Verhältnis zwischen Bundesliga und Champions League nicht. Gleich in der ersten Runde der Ur-Saison 1992/93 – zwei Runden gab es vor einer Gruppenphase, deren Sieger das Finale erreichten – hatte Christoph Daum, Meistertrainer des VfB Stuttgart, gegen Leeds United einen vierten Ausländer eingewechselt. Nach damaligen Regelungen einen zu viel.

Aus dem 1:4 auswärts, das dem VfB nach dem 3:0-Hinspiel-Sieg wegen der Auswärtstorregel gereicht hätte, wurde ein 0:3 am grünen Tisch – das Entscheidungsspiel in Barcelona verloren die Schwaben mit 1:2. Unglücklich gelaufen. Doch schon ein Jahr darauf entwickelten die Bundesligisten und die neu geformte Königsklasse langsam Gefühle füreinander.

Werder Bremen überstand beim Debüt 1993/94 beide Runden und wurde anschließend Gruppendritter, wodurch man knapp das Halbfinale verpasste – in den Anfangsjahren wich der Modus immer mal wieder ab. Unvergessen bleibt die Aufholjagd zum 5:3 nach 0:3-Pausenrückstand gegen den RSC Anderlecht.

1994/95: Die Bayern kommen weit, dann wird es bitter

Ein Jahr später war erstmals der FC Bayern dran, der im Halbfinale 1995 gegen den späteren Sieger Ajax Amsterdam – unter Trainer Louis van Gaal – zwar eine 2:5-Abreibung kassierte, aber immerhin direkt im Halbfinale stand. Ehe Borussia Dortmund 1996/97 als erster deutscher Klub die Champions League gewann, hatte der BVB eine Saison zuvor bei der Premiere immerhin das Viertelfinale erreicht – auch Schwarz-Gelb scheiterte an Ajax.

In den Anfangsjahren der CL nahmen weniger Mannschaften teil als heute, dementsprechend gab es auch weniger Runden, doch die deutschen Debütanten machten gegen Ende des vergangenen Jahrtausends einen guten Eindruck. Bayer 04 Leverkusen schaffte es 1997/98 ebenfalls gleich bis ins Viertelfinale, wo Real Madrid eine Nummer zu groß war; erst in dieser Runde scheiterte 1998/99 selbst Überraschungsmeister 1. FC Kaiserslautern – im deutschen Duell am FC Bayern.

In der Folge brachen jedoch tristere Zeiten an. Hertha BSC, der erste Berliner CL-Teilnehmer, überstand 1999/2000 zwar die erste der damals zwei Gruppenphasen und machte insgesamt zwölf Spiele. Trotz Siegen über die AC Mailand und den FC Chelsea kam es anschließend aber zu acht sieglosen CL-Spielen am Stück, was noch keinem deutschen CL-Klub passierte.

Hertha BSC gegen AC Mailand

Champions League im Berliner Olympiastadion: Michael Preetz (li.) gegen Paolo Maldini, 1999.
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Ein paar Highlights, am Ende aber das Aus nach der Gruppenphase – so erging es 2000/01 auch dem Hamburger SV. Das erste Champions-League-Spiel der Rothosen war das legendäre 4:4 gegen Juventus, in Turin wurde sogar 3:1 gewonnen. Doch gegen Deportivo La Coruna und Panathinaikos Athen gab es keinen Sieg.

Schalke scheiterte 2001/02 als Gruppenletzter, der VfL Wolfsburg 2009/10 und Borussia Mönchengladbach 2015/16 – in einer “Todesgruppe” mit Manchester City, Juventus Turin und dem FC Sevilla – verpassten die K.-o.-Phase ebenfalls. Auch RB Leipzig 2017/18 und die TSG Hoffenheim 2018/19 – das einzige deutsche CL-Team ohne Sieg – teilten dieses Schicksal.

Erst in der vergangenen Saison gelang es mit Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt wieder einem Bundesligisten, die Champions-League-Gruppenphase im ersten Anlauf zu überstehen – im Achtelfinale gab es dann zwei Niederlagen gegen die SSC Neapel (0:2, 0:3). Auf den italienischen Meister trifft nun auch Union Berlin, wie auch auf Sporting Braga und CL-Dominator Real Madrid. Es gäbe da eine Trendwende fortzusetzen, doch die Mission Achtelfinale wird für die Eisernen eine Herkulesaufgabe.

Rethy lobt Rettig und van Gaal – und schwärmt von Glatzel

Die Stimme von Bela Rethy dürfte fast jedem Fußball-Fan in Deutschland bekannt sein, hat er doch über Jahrzehnte die DFB-Elf im TV begleitet. Inzwischen ist der 66-Jährige Pensionär, den Fußball verfolgt er aber weiterhin – wie eh und je mit viel Leidenschaft. Bei “kicker meets DAZN” sprach er unter anderem über das Reporter-Leben, Hansi Flick, die Nationalelf und deren Zukunft.

Jahrelang immer ganz nah dran an Fußball: Bela Rethy.

Jahrelang immer ganz nah dran an Fußball: Bela Rethy.

IMAGO/Ulrich Hufnagel

Über Jahrzehnte war Rethy journalistisch tätig, viele Jahre davon begleitete er auch die deutsche Nationalmannschaft, ehe er im vergangenen Dezember das Mikro an den Nagel hängte. In seinem Reporter-Leben hat der 66-Jährige schon viel erlebt und dabei auch zahlreiche Entwicklungen mitgemacht – auch die der verschlossenen Türen. “Die Spieler sind oft sehr entspannt und sehr locker, die machen alles Mögliche mit”, sagte die Kommentatoren-Legende bei KMD und stellte fest, dass es “die Filter davor sind, die schwierig sind”. Beispielhaft sprach er über ein Erlebnis bei der EM 2004 in Portugal, als er zufällig mit David Beckham ins Gespräch kam und dann jäh von einem Pressesprecher der Engländer unterbrochen wurde.

Das war nur ein Beispiel, wie sich das Arbeitsklima im Fußball verändert habe. Anfang der 1980er sei das noch anders gewesen, da sei man viel näher dran gewesen, doch “das wurde nach und nach immer weniger”. Er selbst habe früher rund um Spiele bei den diversen Bundestrainern wie Franz Beckenbauer, Berti Voigts, Erich Ribbeck oder Rudi Völler persönlich Kontakt gehabt, das habe sich aber im Laufe der Jahre verändert: “Am Ende konnte man nur noch mit dem Assistenten telefonieren, wenn es gut ging.”

Das Flick-Aus in der Nationalelf

Von daher habe ihm auch die “Amazon”-Dokumentation “All or Nothing: Die Nationalmannschaft in Katar” gut gefallen, da diese zwar eine “überraschend Nähe” liefert, dabei aber “keine Hommage ist, denn es gab auch eine kritische Aufarbeitung.” Rethy weiß, dass die Doku dem inzwischen entlassenen Bundestrainer Hansi Flick nicht gefallen haben dürfte, doch der 58-Jährige sei “Profi genug, um berechtigte Kritik zu akzeptieren”.

Manchmal ist nicht immer der beste Trainer passend für jede Mannschaft

Bela Rethy

Ohnehin hat Rethy offenbar das Gefühl, dass sich Flick im Rampenlicht nicht so wohlfühlt. Flick sei zwar fachlich exzellent, aber eben kein “Mann der ersten Linie. Ich habe in seiner Münchner Zeit mitgekriegt, wie ungern er zum dritten oder vierten Interview er gegangen ist. Er wurde dann zu diesem hingeführt – motzend und meckernd.” Dass Flick kein Sprachvirtuose sei, habe man “auch an seiner Rhetorik gemerkt, die ein bisschen altertümlich wirkt”.

Dies habe “man auch in den Gesichtern der Spieler gesehen, wenn er eine Ansprache gehalten hat.” Rethy habe “eine gewisse Leere erkannt. Ich glaube, dass er die Mannschaft nicht 100-prozentig erreicht hat, dass er das falsche Vokabular verwendet hat. Das sind ja 22-jährige TikToker.” Rethy fragt sich, ob es überhaupt möglich gewesen sei, “das Leben dieser Profis in Einklang zu bringen mit der Mentalität von Flick. “Manchmal ist nicht immer der beste Trainer passend für jede Mannschaft.”

Im Podcast richtete Rethy seinen Blick aber nicht nur zurück, sondern auch nach vorne. So findet er die DFB-Entscheidung Andreas Rettig als neuen Geschäftsführer zu installieren “großartig”. Der sei ein “meinungsstarker Mensch”, der “so einem verkrusteten Apparat” guttut, weil “dem alles völlig Jacke ist”. Einen ähnlich mutigen Ansatz würde er sich auch beim neuen Bundestrainer wünschen. Besonders wichtig dabei wäre ihm, dass es jemand wird, “der nichts schönredet”, denn eine “große Gemeinsamkeit aller Bundestrainer war, dass sie alles schöngeredet haben. Ich habe noch nie gehört: ‘Das war so richtig kacke, wir müssen das komplett anders machen.'”

Jemand, der für klare Worte bekannt ist, ist Louis van Gaal, den Rethy positiv sieht, weil der Niederländer “keine Konflikte scheut. Der würde sich gar nicht sagen lassen.” Sollte es van Gaal werden, dann wäre er der erste ausländische Bundestrainer in der Geschichte. Für Rethy wäre das gar kein Problem, zumal auch andere große Fußballnationen diesen Weg eingeschlagen haben. “Interessant ist, dass die Brasilianer diesen Schritt gehen werden”, sagte Rethy und verwies auf Carlo Ancelotti, der die Seleçao übernehmen wird. Vor einigen Jahren wäre so etwas in Brasilien “ein Sakrileg” gewesen, “aber vielleicht ist es Zeit, neu zu denken.”

Glatzel und Terodde – zwei Stürmer für die Nationalelf?

Robert Glatzel

Ist Robert Glatzel ein Mann für die Nationalelf? Bela Rethy würde ihn gern dabei haben.
IMAGO/Fussball-News Saarland

Neu denken sollte man auch die Kaderzusammenstellung, gerade mit Blick auf die seit Jahren schon andauernde Sturmflaute in der Nationalelf. “Wir haben in der Bundesliga fast keinen Mittelstürmer”, betonte Rethy und sprach dann über mögliche Alternativen aus der 2. Liga. Namentlich nannte er dabei Robert Glatzel vom Hamburger SV.

Der sei ein “Mittelstürmer mit sensationeller Köperbeherrschung und technisch gut. Er spielt halt zweite Liga – so what?” Rethy betonte zugleich, dass er Glatzel nicht als Stammspieler sehen würde, aber als gute Ergänzung, die man im Kader gebrauchen könnte. Selbiges träfe auch auf Schalkes Simon Terodde zu. “Der kann den Kopf hinhalten.”

In nicht ganz einem Jahr steht die Heim-EM an, derzeit sei nicht “prognostizierbar”, wie die Stimmung werden wird. Das hätten die zwei jüngsten Länderspiele gegen Japan (1:4) und Frankreich (2:1) eindrucksvoll gezeigt. Rethy aber weiß, was man auf jeden Fall tun sollte. “Wenn man es im Vorfeld nicht kaputtredet, wie wir es in Katar gemacht haben, dann kann eine Euphorie entstehen.”

Rethy verriet Alex Schlüter und Benni Zander zudem mit, wie er zu seinem Job gekommen ist, wie er einen ehemaligen brasilianischen Superstar beeindruckte, was nötig ist, um Sportreporter zu werden – wie sich seine Liebe zur deutschen Nationalmannschaft entwickelt hat, er beantwortet auch die Frage nach der Qualität der Nationalelf, blickt auf die EM 2024 im eigenen Land voraus, wagt auch eine Prognose zum deutschen Abschneiden und sagt, warum man nach dem Sieg gegen Frankreich nicht in Euphorie verfallen sollte

KMD #181 (mit Béla Réthy)

18. September 2023

KMD #181 (mit Béla Réthy)

Hansi Flick weg! Andreas Rettig da! DFB-News ohne Ende! Aus diesem Grund hat sich die KMD-Crew für die neue Folge Kommentatorenlegende Béla Réthy eingeladen, um ausführlich über die Lage bei der Nationalmannschaft, das schwere Bierhoff-Erbe und die Bundestrainer-Kandidaten zu diskutieren.

Rethy lobt Rettig und van Gaal – und spricht sich für Glatzel in der Nationalelf aus

Die Stimme von Bela Rethy dürfte fast jedem Fußball-Fan in Deutschland bekannt sein, hat er doch über Jahrzehnte die DFB-Elf im TV begleitet. Inzwischen ist der 66-Jährige Pensionär, den Fußball verfolgt er aber weiterhin – wie eh und je mit viel Leidenschaft. Bei “kicker meets DAZN” sprach er unter anderem über das Reporter-Leben, Hansi Flick, die Nationalelf und deren Zukunft.

Jahrelang immer ganz nah dran an Fußball: Bela Rethy.

Jahrelang immer ganz nah dran an Fußball: Bela Rethy.

IMAGO/Ulrich Hufnagel

Über Jahrzehnte war Rethy journalistisch tätig, viele Jahre davon begleitete er auch die deutsche Nationalmannschaft, ehe er im vergangenen Dezember das Mikro an den Nagel hängte. In seinem Reporter-Leben hat der 66-Jährige schon viel erlebt und dabei auch zahlreiche Entwicklungen mitgemacht – auch die der verschlossenen Türen. “Die Spieler sind oft sehr entspannt und sehr locker, die machen alles Mögliche mit”, sagte die Kommentatoren-Legende bei KMD und stellte fest, dass es “die Filter davor sind, die schwierig sind”. Beispielhaft sprach er über ein Erlebnis bei der EM 2004 in Portugal, als er zufällig mit David Beckham ins Gespräch kam und dann jäh von einem Pressesprecher der Engländer unterbrochen wurde.

Das war nur ein Beispiel, wie sich das Arbeitsklima im Fußball verändert habe. Anfang der 1980er sei das noch anders gewesen, da sei man viel näher dran gewesen, doch “das wurde nach und nach immer weniger”. Er selbst habe früher rund um Spiele bei den diversen Bundestrainern wie Franz Beckenbauer, Berti Voigts, Erich Ribbeck oder Rudi Völler persönlich Kontakt gehabt, das habe sich aber im Laufe der Jahre verändert: “Am Ende konnte man nur noch mit dem Assistenten telefonieren, wenn es gut ging.”

Das Flick-Aus in der Nationalelf

Von daher habe ihm auch die “Amazon”-Dokumentation “All or Nothing: Die Nationalmannschaft in Katar” gut gefallen, da diese zwar eine “überraschend Nähe” liefert, dabei aber “keine Hommage ist, denn es gab auch eine kritische Aufarbeitung.” Rethy weiß, dass die Doku dem inzwischen entlassenen Bundestrainer Hansi Flick nicht gefallen haben dürfte, doch der 58-Jährige sei “Profi genug, um berechtigte Kritik zu akzeptieren”.

Manchmal ist nicht immer der beste Trainer passend für jede Mannschaft

Bela Rethy

Ohnehin hat Rethy offenbar das Gefühl, dass sich Flick im Rampenlicht nicht so wohlfühlt. Flick sei zwar fachlich exzellent, aber eben kein “Mann der ersten Linie. Ich habe in seiner Münchner Zeit mitgekriegt, wie ungern er zum dritten oder vierten Interview er gegangen ist. Er wurde dann zu diesem hingeführt – motzend und meckernd.” Dass Flick kein Sprachvirtuose sei, habe man “auch an seiner Rhetorik gemerkt, die ein bisschen altertümlich wirkt”.

Dies habe “man auch in den Gesichtern der Spieler gesehen, wenn er eine Ansprache gehalten hat.” Rethy habe “eine gewisse Leere erkannt. Ich glaube, dass er die Mannschaft nicht 100-prozentig erreicht hat, dass er das falsche Vokabular verwendet hat. Das sind ja 22-jährige TikToker.” Rethy fragt sich, ob es überhaupt möglich gewesen sei, “das Leben dieser Profis in Einklang zu bringen mit der Mentalität von Flick. “Manchmal ist nicht immer der beste Trainer passend für jede Mannschaft.”

Im Podcast richtete Rethy seinen Blick aber nicht nur zurück, sondern auch nach vorne. So findet er die DFB-Entscheidung Andreas Rettig als neuen Geschäftsführer zu installieren “großartig”. Der sei ein “meinungsstarker Mensch”, der “so einem verkrusteten Apparat” guttut, weil “dem alles völlig Jacke ist”. Einen ähnlich mutigen Ansatz würde er sich auch beim neuen Bundestrainer wünschen. Besonders wichtig dabei wäre ihm, dass es jemand wird, “der nichts schönredet”, denn eine “große Gemeinsamkeit aller Bundestrainer war, dass sie alles schöngeredet haben. Ich habe noch nie gehört: ‘Das war so richtig kacke, wir müssen das komplett anders machen.'”

Jemand, der für klare Worte bekannt ist, ist Louis van Gaal, den Rethy positiv sieht, weil der Niederländer “keine Konflikte scheut. Der würde sich gar nicht sagen lassen.” Sollte es van Gaal werden, dann wäre er der erste ausländische Bundestrainer in der Geschichte. Für Rethy wäre das gar kein Problem, zumal auch andere große Fußballnationen diesen Weg eingeschlagen haben. “Interessant ist, dass die Brasilianer diesen Schritt gehen werden”, sagte Rethy und verwies auf Carlo Ancelotti, der die Seleçao übernehmen wird. Vor einigen Jahren wäre so etwas in Brasilien “ein Sakrileg” gewesen, “aber vielleicht ist es Zeit, neu zu denken.”

Glatzel und Terodde – zwei Stürmer für die Nationalelf?

Robert Glatzel

Ist Robert Glatzel ein Mann für die Nationalelf? Bela Rethy würde ihn gern dabei haben.
IMAGO/Fussball-News Saarland

Neu denken sollte man auch die Kaderzusammenstellung, gerade mit Blick auf die seit Jahren schon andauernde Sturmflaute in der Nationalelf. “Wir haben in der Bundesliga fast keinen Mittelstürmer”, betonte Rethy und sprach dann über mögliche Alternativen aus der 2. Liga. Namentlich nannte er dabei Robert Glatzel vom Hamburger SV.

Der sei ein “Mittelstürmer mit sensationeller Köperbeherrschung und technisch gut. Er spielt halt zweite Liga – so what?” Rethy betonte zugleich, dass er Glatzel nicht als Stammspieler sehen würde, aber als gute Ergänzung, die man im Kader gebrauchen könnte. Selbiges träfe auch auf Schalkes Simon Terodde zu. “Der kann den Kopf hinhalten.”

In nicht ganz einem Jahr steht die Heim-EM an, derzeit sei nicht “prognostizierbar”, wie die Stimmung werden wird. Das hätten die zwei jüngsten Länderspiele gegen Japan (1:4) und Frankreich (2:1) eindrucksvoll gezeigt. Rethy aber weiß, was man auf jeden Fall tun sollte. “Wenn man es im Vorfeld nicht kaputtredet, wie wir es in Katar gemacht haben, dann kann eine Euphorie entstehen.”

Rethy verriet Alex Schlüter und Benni Zander zudem mit, wie er zu seinem Job gekommen ist, wie er einen ehemaligen brasilianischen Superstar beeindruckte, was nötig ist, um Sportreporter zu werden – wie sich seine Liebe zur deutschen Nationalmannschaft entwickelt hat, er beantwortet auch die Frage nach der Qualität der Nationalelf, blickt auf die EM 2024 im eigenen Land voraus, wagt auch eine Prognose zum deutschen Abschneiden und sagt, warum man nach dem Sieg gegen Frankreich nicht in Euphorie verfallen sollte

KMD #181 (mit Béla Réthy)

18. September 2023

KMD #181 (mit Béla Réthy)

Hansi Flick weg! Andreas Rettig da! DFB-News ohne Ende! Aus diesem Grund hat sich die KMD-Crew für die neue Folge Kommentatorenlegende Béla Réthy eingeladen, um ausführlich über die Lage bei der Nationalmannschaft, das schwere Bierhoff-Erbe und die Bundestrainer-Kandidaten zu diskutieren.

OP nötig: Torwart Müller wird Schalke lange fehlen

Torwart Marius Müller wird dem FC Schalke 04 länger fehlen. Der 30-Jährige muss sich einer Operation unterziehen.

Trauriger Angang beim Spiel gegen den FCM: S04-Torwart Marius Müller.

Trauriger Angang beim Spiel gegen den FCM: S04-Torwart Marius Müller.

IMAGO/Team 2

Zumindest das sportliche Ende am Samstagabend war für Schalke gut, mit 4:3 behielten die Königsblauen nach zweimaligem Rückstand in einem wilden Spiel gegen den 1. FC Magdeburg die Oberhand. Für Marius Müller war die Partie aber kurz vor dem Halbzeitpfiff beendet. Der S04-Torwart verletzte sich bei einem Abschlag und musste vom Platz.

Die Diagnose folgte am Montag – und sie ist bitter für Müller: Sehnenabriss im Adduktorenbereich. Die Verletzung macht eine Operation nötig, der Schlussmann wird Schalke “mehrere Monate” fehlen, wie der Verein mitteilte.

“Für Marius tut es uns persönlich wahnsinnig leid, dass er aufgrund der schweren Verletzung länger ausfallen wird”, wird André Hechelmann auf der Website der Schalker zitiert. “Er hat sich nach seinem Wechsel schnell ins Team integriert und starke Leistungen gezeigt”, so der Sportdirektor. “An erster Stelle steht, dass er wieder gesund wird. Auf dem Weg dahin werden wir ihn bestmöglich unterstützen.”

Müller war im Sommer vom FC Luzern nach Gelsenkirchen gewechselt und hatte Ralf Fährmann verdrängt. Sechsmal stand er bislang im Tor des Bundesliga-Absteigers. Gegen Magdeburg rückte nach dem Aus von Müller der erfahrene Michael Langer ins Tor, weil Fährmann verletzt fehlte.

“Es bedeutet mir sehr viel, in der Arena aufzulaufen”, hatte Müller nach der Partie gegen den FCM erklärt. “Umso mehr haben mich die Reaktionen der Fans in der Kurve und auf der Tribüne danach berührt. Ich bin für die vielen Genesungswünsche sehr dankbar”, so der 30-Jährige, der den Blick auf die aktuelle Situation bei S04 lenkt: “Ich hoffe, dass mit dem Sieg am Samstag der Knoten geplatzt ist und nun weitere erfolgreiche Spiele folgen. Ich bin davon überzeugt, dass unser starkes Torwart-Team seinen Anteil daran haben wird.”

Polter gegen St. Pauli in der Pole Position

Schalkes Stürmer Sebastian Polter hat beim 4:3 gegen Magdeburg abgeliefert, nun könnte der Konkurrent von Simon Terodde auch gegen St. Pauli im Angriffszentrum erste Wahl bleiben.

Schalkes Stürmer Sebastian Polter

Schalkes Stürmer Sebastian Polter “funktionierte” gegen Magdeburg.

IMAGO/Ulrich Hufnagel

“Ich brenne immer, egal wie viel Spielzeit ich bekomme. Aber ich möchte nicht der Ersatz sein. Ich bin überzeugt von mir und möchte von Beginn an auf dem Platz stehen. Ich weiß, was ich kann. Ich habe viele Jahre auf dem Platz funktioniert”: Nicht zum ersten Mal wählte Sebastian Polter in den Tagen vor dem Spiel gegen den 1. FC Magdeburg (4:3) Worte dieser Art.

Polter “funktionierte”

Da wusste er schon, dass es auf einen Einsatz hinauslaufen könnte – sein Konkurrent Simon Terodde trainierte wegen Wadenproblemen nur eingeschränkt. Und so kam es: Terodde fehlte im Aufgebot, Polter stand gegen Magdeburg am Samstag in der Startelf, zum ersten Mal in dieser Saison. Und Polter “funktionierte”.

Zumindest im späteren Verlauf. Rund eine halbe Stunde lang spielte die Mannschaft zunächst einen derart unansehnlichen Murks zusammen, dass die Fans zu pfeifen begannen. 0:2 nach nicht einmal einer halben Stunde – die Gelsenkirchener steuerten geradewegs auf einen fürchterlichen Ausgang zu. Es war kein Offensivkonzept zu erkennen, die Defensive wirkte überfordert, das Mittelfeld unkreativ. Unter anderem mit einer Überarbeitung des Anlaufverhaltens erreichte die Elf fast wie auf Knopfdruck noch vor der Pause eine Leistungsexplosion, die zu beeindrucken wusste.

Einer der Protagonisten: Polter. Einen druckvollen Ballgewinn Paul Seguins veredelte der Angreifer mit einem überlegten Schuss ins Netz – der 1:2-Anschlusstreffer (40.). Zum irren Spielverlauf trug bei, dass Polter in der Schlussphase im Strafraum per Notbremse gestoppt wurde (Rot für Magdeburgs Daniel Heber) und Polter selbst antrat. Er verwandelte sicher zum 4:3.

“Mach dir keinen Kopf, du machst den Ball rein”

Seguin als eigentlich eingeteilter Schütze gab die Aufgabe ohne Murren ab, überließ Polter die Verantwortung. Seine Mitspieler, Seguin inklusive, gaben dem Stürmer aufmunternde Worte mit auf den Weg (“Mach dir keinen Kopf, du machst den Ball rein”), für Polter ein Vertrauensbeweis: “Ich bin froh, solche Teamkollegen zu haben.”

Polter nutzte also seine Chance gegen Magdeburg und darf nun auf einen erneuten Einsatz am Samstag gegen den FC St. Pauli hoffen. Polter in der Pole Position: “Er ist ein Spieler, der immer brennt”, sagte Thomas Reis nach dem 4:3. Schon vor dem Spiel betonte der Trainer, dass er “weiß, was ich an Sebastian habe”.

Die beiden kennen sich schon aus gemeinsamen Tagen beim VfL Bochum. In der Bundesliga-Saison 2021/22 war Polter mit zehn Treffern unter Reis Bochums bester Schütze der Saison. Sicher denkt Polter auch an diese Zeit, wenn er davon erzählt, “viele Jahre auf dem Platz funktioniert” zu haben.

Toni Lieto

Neues kurioses Kapitel im Schalker Torwart-Thema

So spektakulär die Partie gegen den 1. FC Magdeburg lief, so kurios war das neue Kapitel, das im Torhüter-Dauerthema beim 4:3-Wahnsinn geschrieben wurde. Und wieder einmal stehen die Schalker vor der Frage: Wer steht jetzt eigentlich im nächsten Spiel im Tor?

Marius Müller (li.) liegt verletzt am Boden.

Marius Müller (li.) liegt verletzt am Boden.

IMAGO/Pakusch

Marius Müller bekam feuchte Augen, obwohl ihm seine Verletzung keine körperlichen Schmerzen bereitete. Vielmehr waren es die Umstände, die den Torhüter des FC Schalke bei seiner Zwangsauswechslung kurz vor der Pause zu Tränen rührten.

“Dazuliegen und zu hören, wie das Stadion deinen Namen ruft, ist unglaublich”, erzählte Müller später. “So etwas packt dich, da bist du mega gerührt. Einigen Zuschauern habe ich direkt in die Augen geschaut”, die Reaktionen beschrieb er als “extrem krass”. Der ehemalige Lauterer Torhüter habe “das vorher noch nie erlebt”.

Müller spürt “Knacken im Adduktorenbereich”

Zur Wahrheit gehört auch, dass die Tränen in seinen Augen ebenso Tränen der Wut und Enttäuschung waren – darüber, einfach nicht mehr weiterspielen zu können. Bei einem Abstoß kurz vor der Pause habe er “ein Knacken im Adduktorenbereich” verspürt und “das Gefühl gehabt, das Schambein hat geknackt”. Ehrlich fügte er an: “Weil ich mich sehr schwertue aufzugeben, habe ich es danach noch einmal versucht, ich brauchte noch einen langen Ball, um ganz sicher zu sein, dass es wirklich nicht geht.” Gesagt, getan: “Ich konnte den Ball zwar noch einmal schlagen, aber nicht mehr so, wie ich es eigentlich hätte tun müssen. Es wäre verantwortungslos gewesen weiterzuspielen.”

Polter: Langer ist “ein junger Gott”

Michael Langer, seit 2017 Königsblauer und gemessen an dieser Zeitspanne dienstältester Profi dieses Kaders ohne Unterbrechung, war sofort bereit für seinen Kaltstart. Seine mit Abstand größte Parade vollbrachte der Österreicher in der letzten Sekunde der siebenminütigen Nachspielzeit, als er mit einem grandiosen Reflex das 4:4 durch Luc Castaignos verhinderte. Das S04-Team feierte diese Glanztat fast wie einen eigenen Treffer, Siegtorschütze Sebastian Polter nannte Langer einen “jungen Gott”. Der 38-Jährige bewies einmal mehr: Auf Schalkes Stand-by-Keeper ist einfach Verlass.

Aktuelle SPiele

Wird er es also sein, der am Samstag gegen den FC St. Pauli im Tor steht? Eine Diagnose bei Müller steht noch aus, vermutet wird eine Muskel- oder Sehnenverletzung im Oberschenkelbereich des rechten Beines. Stand jetzt ist ein Ausfall wahrscheinlich, vielleicht sogar über mehrere Wochen. Trainer Thomas Reis könnte Langer bedenkenlos zwischen die Pfosten stellen, außerdem ist da ja noch Justin Heekeren, der 22-jährige Perspektivtorwart, der nach langer Verletzungspause zuletzt reichlich Spielpraxis in der Regionalliga sammelte.

Oder doch Ralf Fährmann? Er gehörte gegen Magdeburg nicht zum Aufgebot – Achillessehnenprobleme, wie es hieß. Die Vakanz auf der Torhüterposition könnte den Genesungsprozess beschleunigen, meinte Reis: “Vielleicht geht es ja jetzt schneller.” Der Trainer geht davon aus, dass Fährmann “am Montag wieder trainiert”.

Toni Lieto

Polter verrät: “Ich wollte den Elfmeter erst abgeben”

Beim furiosen 4:3-Sieg über den 1. FC Magdeburg war Schalkes Stürmer Sebastian Polter der Matchwinner. Das goldene Tor erzielte er vom Punkt, dabei wollte er den Elfer eigentlich gar nicht schießen.

Inmitten der Jubeltraube: Schalkes Doppeltorschütze Sebastian Polter.

Inmitten der Jubeltraube: Schalkes Doppeltorschütze Sebastian Polter.

IMAGO/Treese

Nur wegen der muskulären Beschwerden von Schalkes Kapitän Simon Terodde war Sebastian Polter für die Partie gegen den 1. FC Magdeburg überhaupt in die Anfangsformation gerückt. Dem Topspiel am Samstagabend drückte der 32-Jährige dann entscheidend seinen Stempel auf – unter anderem mit dem Siegtor aus elf Metern.

Vor dem Mikrofon von “Sport1” verriet Polter dann etwas überraschend, dass er den Strafstoß, den er selbst herausgeholt hatte, eigentlich gar nicht schießen wollte. “Soll ich Ihnen wirklich sagen, was ich gedacht habe in diesem Moment?”, begann Polter. “Ich wollte den Elfmeter erst abgeben.”

Polter benennt den Grund für seine Zweifel

Der Grund für die zögerliche Haltung seien die jüngeren Entwicklungen in der persönlichen, sportlichen Vergangenheit gewesen. “Ich habe eine sehr schwere Vorbereitung gehabt. Ich habe jetzt wieder eine Risswunde gehabt. Manchmal gibt es solche Situationen im Spiel und allgemein in der Karriere. Und ich habe versucht, da jeden Tag gegen anzukämpfen.”

Dann aber habe er Rücksprache mit den Mannschaftskollegen gehalten. Insbesondere Paul Seguin, der ihm zuvor den zwischenzeitlichen 1:2-Anschlusstreffer aufgelegt hatte, habe ihm gut zugeredet. “Sie haben gesagt, ich soll den Ball reinmachen. Und dann habe ich den Ball auch reingemacht. Natürlich ist es ein geiles Gefühl, vor der eigenen Kurve zu treffen – das ist das, warum wir Fußball spielen. Aber viel, viel glücklicher bin ich über den Sieg.”

Reis zollt seiner Mannschaft Respekt

Was sich am Ende zu einem versöhnlichen Abend aus Schalker Sicht drehte, sah zwischenzeitlich nach dem nächsten Tiefpunkt aus. In der 35. Minute holten die Fans des Revierklubs beim Spielstand von 0:2 zu einem gellenden Pfeifkonzert aus. Dass die Zuschauer in dieser Phase “unruhig” geworden seien, bezeichnete S04-Trainer Thomas Reis als “absolut verständlich”. 

Umso mehr habe den Coach die Moral seiner Mannschaft begeistert. “Ich muss einen absoluten Respekt zollen an die Truppe. Uns wurde die ganze Woche sehr viel nachgesagt.” Sich derart von einem zweifachen Rückstand zu erholen, sei “nicht selbstverständlich”.

Die Fans, die das Team mit dem Anschlusstreffer dann aber auch wieder anfeuerten, seien laut Reis ein Schlüssel dafür gewesen, “dass wir mit einer guten Energie in die zweite Halbzeit zurückgekehrt sind und das Spiel, Gott sei dank, gedreht haben”. Polter bewertete den Stimmungsanstieg in der Veltins-Arena ähnlich: “Heute hat man gesehen, jeder auf dem Platz, aber auch die Fans drumherum, haben dran geglaubt.”

Wir müssen sagen, dass Magdeburg eine richtig gute Mannschaft ist.

Sebastian Polter

Ein besonderes Lob hatte Polter zudem für den Gegner übrig, der mit einem Auswärtssieg auf Schalke gar die Tabellenführung übernommen hätte. “Wir müssen sagen, dass Magdeburg eine richtig gute Mannschaft ist, so wie sie Fußball spielen. Das machen sie schon auf eine besondere Art. Mit Titz als Trainer sind sie echt stark und variabel”, spielte der Angreifer vor allem auf die erste halbe Stunde an, in der der FCM die Schalker regelrecht im Schwitzkasten gehalten hatte.

Dass sein Team den Kopf noch aus der Schlinge ziehen konnte, wertete Polter als wichtiges Zeichen. “Natürlich haben wir Schwierigkeiten gehabt. Wir kommen aus keiner Ergebnis-Wucht, wo wir mehrere Spiele in Folge gewonnen haben. Das heißt, auch da mussten wir dagegen ankämpfen. Dann liegst du 0:2 hinten und auf einmal kannst du dagegen ankämpfen”, betonte Polter, dass es offenbar erst einen Rückstand brauchte, um den Willen in der Mannschaft zu wecken.

Wilder Schlagabtausch: Schalke dreht 0:2 in einen 4:3-Sieg gegen Magdeburg

Nach zuletzt drei sieglosen Spielen in Folge hat der FC Schalke 04 endlich wieder einen Dreier eingefahren – und das nicht ohne jede Menge Spektakel. Die Hausherren lagen gegen Magdeburg schnell mit 0:2 zurück. Es folgten drei Tore in sieben Minuten, eine Rote Karte für die Gäste und das Schalker Comeback.

Doppelpack gegen Magdeburg: Sebastian Polter wird zum Matchwinner für Schalke.

Doppelpack gegen Magdeburg: Sebastian Polter wird zum Matchwinner für Schalke.

IMAGO/Ulrich Hufnagel

Der letzte Auftritt des 1. FC Magdeburg vor der Länderspielpause war Wasser auf die Mühlen derer, die sich am heiteren Offensivfußball erfreuen. Nach dem 6:4-Spektakel gegen Hertha BSC ging es für das Team von Christian Titz nun auf Schalke gegen den zweiten kriselnden Bundesliga-Absteiger.

6. SPieltag – 2. bundesliga

S04-Trainer Thomas Reis musste nach dem 1:1 gegen Wehen Wiesbaden auf seinen Kapitän Terodde verzichten, für ihn startete Polter im Angriff. Außerdem erhielt Murkin den Vorzug vor Kozuki. Auch bei den Gästen standen zwei neue Akteure auf dem Rasen. Für die verletzten El Hankouri (Muskelbündelriss) und Elfadli (Bänderzerrung) begannen Nollenberger und Condé.

Magdeburg spielt Schalke an die Wand

Schalke begann ordentlich, doch eine kurze Spielunterbrechung wegen pyrobedingter Nebelschwaden bremste die Knappen etwas aus. Danach wurde Magdeburg rasch tonangebend. Und nach einem Fehler von Mohr stellte der geistesgegenwärtige Gnaka auf 1:0 (16.).

Ein Treffer, der die Gastgeber kurzzeitig richtig schocken sollte. Bei Schalke lief in dieser Phase gar nichts zusammen. Magdeburg blies zum Angriff, Schuler scheiterte noch am wenig später verletzungsbedingt ausgewechselten Müller, Gnaka machte es in den Nachwehen dieser Szene besser und traf nach Ablage von Ceka zum zu diesem Zeitpunkt hochverdienten 2:0 (27.).

Nach Pfiffen der Fans: S04 dreht vor der Pause auf

Die Sachsen-Anhaltiner blieben dann zunächst im Vorwärtsgang, was der Schalker Anhang mit Pfiffen quittierte. Thomas Reis reagierte noch vor der Pause und brachte für den schwachen Mohr Kabayadi, der der S04-Offensive sofort Leben einhauchte. Plötzlich erspielten sich die Königbslauen eine Chance nach der anderen. Polter markierte den Anschlusstreffer (40.), auch der Ausgleich lag in der Luft, blieb Schalke aber verwehrt.

Nach dem Seitenwechsel brauchte das Spiel dann ein wenig, um Fahrt aufzunehmen. Von Magdeburg kam wenig, Schalke näherte sich dem Ausgleich an. Polter stolperte zunächst eine Kabayadi-Hereingabe in die Arme von Reimann (57.). Dann störte Tempelmann erfolgreich den gegnerischen Spielaufbau, legte quer zu Murkin, der den Ball trocken zum 2:2 in die Maschen schweißte (62.).

Wilder Schlagabtausch auf Schalke

Das Spiel kannte inzwischen nur noch eine Richtung. Doch mitten in die Schalker Drangphase traf dann wieder der FCM, der davon profitierte, dass die Hintermannschaft des Revierklubs unsortiert war. Ceka bediente den gerade erst eingewechselten Krempicki, der Langer mit seinem Schuss keine Abwehrchance ließ (67.).

Die Arena verstummte für den Moment, allerdings nicht  lange. Denn ein direkt verwandelter Freistoß von Ouwejan besorgte das verdiente 3:3 (69.), dem Ouedraogo beinahe zwei Minuten später den nächsten Streich folgen ließ. Aber sein Geschoss striff bloß die Oberkante der Latte (71.).

Polter trifft vom Punkt – Langer hält den Sieg fest

Dann kam es im Magdeburger Sechzehner zum Zweikampf zwischen Polter und Heber, wobei der FCM-Innenverteidiger seinen Gegenspieler ohne Chance auf den Ball fest umklammerte und so zu Fall brachte. Schiedsrichter Michael Bacher zeigte auf den Punkt und schickte obendrein Heber mit glatt Rot vom Rasen. Polter ließ sich aus elf Metern nicht zweimal bitten und verwandelte zum 4:3 (79.).

Das sollte auch der Endstand sein. Zwar mühten sich die Gäste noch einmal zu Offensivaktionen in Unterzahl. Wirklich gefährlich wurde es aber nur einmal. In buchstäblich letzter Sekunde kratzte Schalkes Ersatzkeeper Langer einen Kopfball nach einer Magdeburger Ecke von der Linie (90.+8) – und hielt so den Sieg fest.

Für den FC Schalke 04 steht am Samstagabend (23.09, 20.30 Uhr) bereits das nächste Topspiel beim FC St. Pauli an. Die Magdeburger treffen schon am Freitag (22.09., 18.30 Uhr) auf den SC Paderborn.

Erik Hlacer