Werders Transfer-Zurückhaltung: “Gibt es aktuell nicht her”

Der SV Werder Bremen wird in der Winterpause wohl keine größeren Anpassungen am eigenen Kader vornehmen. Lediglich auf der Abgangsseite könnte sich etwas tun.

Werder Bremens Sportchef Frank Baumann.

Werder Bremens Sportchef Frank Baumann.

IMAGO/Nordphoto

Tabellenplatz neun und 21 Punkte nach 15 Spielen: Aufsteiger SV Werder Bremen hat unter Beweis gestellt, dass der Kader auch in der Bundesliga mehr als nur konkurrenzfähig ist. Der Bedarf an Nachbesserungen ist daher überschaubar. Mehr geht zwar immer, gerade im qualitativen Bereich – doch in der aktuellen Transferperiode sieht es eher nicht danach aus, dass der Klub bis Ende Januar weitere Profis verpflichten wird.

Baumann schließt Wintertransfers aus

“Das hat mit verschiedenen Gründen zu tun”, erläutert Sportchef Frank Baumann. Zum einen sei da die sportliche Perspektive: “Man gesehen, dass wir mithalten und auch den einen oder anderen Ausfall mal wegstecken können.” Und zum anderen ist vor allem auch die finanzielle Situation des Vereins zu berücksichtigen: “Die gibt es aktuell es nicht her, dass wir da groß tätig werden können auf dem Transfermarkt. Deshalb kann man davon ausgehen, dass wir eher nichts machen werden”, so der 47-Jährige.

Nicht zu sehr auf die anderen gucken.

Frank Baumann

Gleichwohl geht Baumann davon aus, dass “der eine oder andere” Klub der Bundesliga-Konkurrenz in der langen Winterpause noch mal nachrüsten wird. Sorgen bereitet das dem Sportchef jedoch nicht: “Wir tun gut daran, nicht zu sehr auf die anderen zu gucken, sondern darauf, was unseren Kader betrifft. Da sind wir mit Ole im Austausch.” Werder-Coach Ole Werner hatte in der bisherigen Saison bereits vereinzelt auf die begrenzten personellen Möglichkeiten der Bremer hingewiesen – etwa, als zwischenzeitlich mehrere Spieler ausfielen.

Goller und Haesler sind potenzielle Abgänge

Kandidaten für einen Winter-Abgang aus Bremen sind indes Benjamin Goller und Torwart Eduardo dos Santos Haesler, die beide in dieser Saison noch gar nicht für die Profis zum Einsatz gekommen sind. Gerade für Goller, der in den vergangenen beiden Spielzeiten an die Zweitligisten Karlsruher SC und Darmstadt 98 ausgeliehen war, dürften sich Interessenten finden.

Baumanns Werben um Reform der Ligen

Frank Baumann will nicht locker lassen. Der Bremer Geschäftsführer Sport plädiert weiterhin für Veränderungen im Spielbetrieb der Junioren. Ein Dorn im Auge bleibt für ihn auch die Aufstiegsregelung im oberen Amateurbereich.

Werder-Geschäftsführer Frank Baumann wirbt hartnäckig für Reformen.

Werder-Geschäftsführer Frank Baumann wirbt hartnäckig für Reformen.

IMAGO/Nordphoto

Die aktuelle Situation in der U-19-Bundesliga, Staffel Nord/Nordost, gibt ihm den Anlass, noch einmal den Finger in die Wunde zu legen. “Wenn man auf die Tabelle schaut, dann sind dort mehr als zwei Drittel der Teams in den Abstiegskampf verstrickt”, sagt Frank Baumann. In vielen anderen Ligen sei das ähnlich. Statt dies sportlich attraktiv und spannend zu finden, gebe es unter Ausbildungsaspekten eher Anlass zur Sorge und zum Nachdenken, argumentiert der Bremer Geschäftsführer Sport – und steht damit nicht alleine.

Gerade die Jahrgänge, die durch die Pandemie ohnehin viel Entwicklungszeit verloren haben, werden hier besonders gestresst.

Frank Baumann

Am Rande der Mitgliederversammlung seines Vereins wies der Ex-Nationalspieler auf die Problematik hin, die längst nicht nur die Teams aus dem Nachwuchsbereich seines SV Werder betrifft. “In vielen Altersbereichen müssen Teams extrem ergebnisbezogen spielen, um ihre Spielklasse zu sichern”, erläutert Baumann. Es fehle somit die Ruhe und Sicherheit, um über das Training hinaus auch in den Wettkämpfen etwas zu erarbeiten, auszuprobieren und zu festigen. “Gerade die Jahrgänge, die durch die Pandemie ohnehin viel Entwicklungszeit verloren haben, werden hier besonders gestresst.” Spielen unter Wettkampfbedingungen gegen starke Gegner, jedoch ohne die Gefahr von Abstiegen – vor einigen Jahren hatten Reformpläne genau dieses Ziel im Auge. Doch ein Wechsel hin zu NLZ-Ligen ohne Abstiege sei letztlich am Widerstand aus den Landesverbänden gescheitert.

Auch die Auf- und Abstiegsregelungen im oberen Amateurbereich bleiben Baumann ein Dorn im Auge. Ähnlich wie bei der U-19-Junioren-Bundesliga könnte hier mit einer Regionalliga in nur drei Staffeln zumindest gewährleistet werden, dass die jeweiligen Meister auch direkt in die 3. Liga aufsteigen. Baumann: “Ich könnte aber auch mit fünf Regionalligen leben, dann bei einer regional zweigeteilten 3. Liga, die aufgrund der Derbys und kurzen Fahrten sogar an Attraktivität gewänne. Aufsteigen könnten dann die fünf Regionalligameister, aus jeder 3. Liga gäbe es zwei feste Absteiger und einen fünften, der zum Beispiel über eine Relegation zu ermitteln wäre.” Dies sei besser, als die 3. Liga auf 22 Vereine aufzustocken, wofür es Überlegungen aus dem Nordosten gebe.

“Wir wollen die Themen immer wieder platzieren und anstoßen”

Zu respektieren sei die stete Sorge der Drittligisten, weniger Geld zu bekommen, räumt Baumann ein. “Hier ist der DFB gefordert, eine bessere Vermarktung über Fernsehgelder und vielleicht auch regionale Sponsoren zu erwirken”, sagt der 47-Jährige, der mit einigen Mitstreitern in der Branche in diesen Themen nicht locker lassen will: “Vieles ist immer wieder im Sande verlaufen, viele haben aufgegeben, sich hier einzubringen. Aber wir wollen dranbleiben, die Themen immer wieder platzieren und anstoßen.”

Michael Richter

“Für konsequente 50+1-Einhaltung stark machen”

Mit einer breiten Mehrheit seiner Mitglieder vollzieht Werder Bremen eine Änderung seiner Vereinssatzung. Im Fokus: Die neue Rolle des Vereinspräsidenten in der Führung des Bundesligisten, für den es ebenfalls ein klares Votum gibt.

Bleibt Präsident des SV Werder Bremen: Dr. Hubertus Hess-Grunewald.

Bleibt Präsident des SV Werder Bremen: Dr. Hubertus Hess-Grunewald.

IMAGO/Nordphoto

Dr. Hubertus Hess-Grunewald tritt als Präsident eine weitere Amtszeit beim SV Werder Bremen an. Der vor acht Jahren erstmals gewählte Rechtsanwalt erhielt am Sonntag bei der Wahl der Mitgliederversammlung, bei der es keinen Gegenkandidaten gab, klar erneut das Vertrauen, es gab lediglich vier Gegenstimmen und fünf Enthaltungen unter den anwesenden 235 Wahlberechtigten. Als Vizepräsidentin wurde bei fünf Enthaltungen die bisherige Abteilungsleiterin Turnspiele und Gymnastik, Claudia Lasch (57), gewählt. Axel Plaat (64) wurde als Schatzmeister bestätigt.

Hess-Grunewald bleibt somit Vereinsoberster, geht aber zugleich als “Geschäftsführer Sport & Nachhaltigkeit” der Profisparte, der SV Werder Bremen GmbH & Co KGaA, von Bord. Hintergrund ist eine “historische Satzungsänderung”, so der 62-Jährige, der die Mitglieder eingangs mit breiter Mehrheit zugestimmt hatten. Im Vorfeld war die nun vollzogene Strukturänderung in den vergangenen Wochen und Monaten von einer 13-köpfigen Satzungskommission erarbeitet und in insgesamt 21 Vorschlägen in einem 156 Seiten starken Bericht präsentiert worden. Kern der Reform ist die Aufhebung der Personenidentität zwischen Präsident und Geschäftsführung, wie sie in Hess-Grunewald bisher bestand.

Hess-Grunewald übernimmt Vorsitz des Gesamtaufsichtsrates

Der Präsident des Vereins wird stattdessen künftig zudem designierter Vorsitzender des Gesamtaufsichtsrates, in den auch noch zwei weitere Vereinsvertreter entsendet werden. Bei einer Stimmengleichheit erhält der Präsident für Entscheidungen in diesem Gremium künftig das doppelte Stimmrecht. Überdies erfolgt in Zukunft eine gemeinsame Bestimmung eines der Geschäftsführer der Kapitalgesellschaft durch das Präsidium und die Aufsichtsräte, deren maximale Amtszeit ab sofort auf vier Amtsperioden (entspricht 16 Jahren) begrenzt wird. Für Hess-Grunewald waren jüngst bereits Tarek Brauer (unter anderem für die Bereiche Personal, Recht, Liegenschaften, Sicherheit und IT) und Anne Kathrin Laufmann (Nachhaltigkeit, Soziales) in die Geschäftsführung aufgerückt.

In seinem turnusmäßigen Jahresbericht hatte sich Hess-Grunewald zuvor auch dem Thema “50+1” im deutschen Profifußball gewidmet. Das Bundeskartellamt hatte nach seiner Untersuchung die Regel im Frühjahr 2021 zwar für “weitgehend vertretbar” erklärt. Zugleich aber prüft die DFL seither aufgrund der Bedenklichkeit der Ausnahmebestimmungen in Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim und Leipzig, wie sie damit künftig umgeht. “Es bleibt eine spannende Angelegenheit”, kommentierte Hess-Grunewald, der sich in der Frage klar positionierte: “Ich bin der Meinung, wir sollten die Debatte offensiver führen und uns für eine konsequente Einhaltung der 50+1-Regel weiterhin stark machen.” Werder hat am Sonntag mit seiner Satzungsänderung auch hier Weichen neu gestellt.

Michael Richter

“Würden vor ein ordentliches Gericht gehen”: Filbry kämpft gegen hohe Strafe

Auf Werder Bremen kommt wohl eine hohe Geldstrafe zu, das bestätigte die DFL am Donnerstag. Geschäftsführer Klaus Filbry will allerdings alle Möglichkeiten ausschöpfen. 

Hofft auf eine Reduzierung der Strafe: Klaus Filbry. 

Hofft auf eine Reduzierung der Strafe: Klaus Filbry. 

IMAGO/Eibner

“Das war kein schöner Tag für uns, aber wir haben es vorausgesehen”, sagte Bremens Geschäftsführer Klaus Filbry bei einer Talkrunde mit der “Deichstube” am Donnerstagabend. Der Verein habe aber Rücklagen gebildet, um die zu erwartende Strafe in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro begleichen zu können. Dennoch trifft eine solche Summe den Aufsteiger natürlich hart.

Der Antrag von Werder, Verstöße gegen die Auflagen im Lizenzierungsverfahren lockerer zu ahnden, fand bei der DFL-Mitgliederversammlung keine Zwei-Drittel-Mehrheit. Dem Bundesligaaufsteiger droht daher diese Millionenstrafe, das wurde am Donnerstag kommuniziert.

Filbry kündigte an, die Entscheidung nicht so ohne Weiteres akzeptieren zu wollen. “Es gibt Einspruchsmöglichkeiten, die werden wir vollumfänglich ausschöpfen und würden am Ende auch vor ein ordentliches Gericht gehen. Es gibt bei vielen Mitgliedern der DFL großes Verständnis für unsere Situation”, sagte der Funktionär.

Der Aufsteiger hatte gegen die Lizenzauflage verstoßen, wonach Vereine mit negativem Eigenkapital zum 30. Juni 2021 dieses in der folgenden Spielzeit nicht deutlich verschlechtern durften. Zwar hatte Werder seine Finanzsituation durch Transfereinnahmen im Sommer vergangenen Jahres zunächst verbessert, diesen Effekt durch anschließende Prämienzahlungen wegen der direkten Rückkehr in die Bundesliga aber gleich wieder zunichtegemacht.

Bremen scheitert mit DFL-Antrag und sieht hoher Strafe entgegen

Der Antrag von Werder Bremen, Verstöße gegen die Auflagen im Lizenzierungsverfahren lockerer zu ahnden, findet bei der DFL-Mitgliederversammlung keine Zwei-Drittel-Mehrheit. Dem Bundesligaaufsteiger droht eine Millionenstrafe.

Werder Bremen droht im nächsten Jahr eine Strafe von 2,5 Millionen Euro.

Werder Bremen droht im nächsten Jahr eine Strafe von 2,5 Millionen Euro.

IMAGO/MIS

“Es wirkt ein bisschen absurd, aber das Problem ist, dass das Kalenderjahr der Betrachtungszeitraum ist und nicht das Geschäftsjahr, insofern müssen wir das akzeptieren”, sagt der Vorsitzende der Werder-Geschäftsführung, Klaus Filbry. Bremen wollte mit seinem Antrag erreichen, dass aus der Muss-Regelung, eine längere Negativentwicklung des Eigenkapitalwerts zu sanktionieren, eine Kann-Bestimmung wird. Es stimmten mehr als der Hälfte der 36 Profivereine zu, die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit wurde allerdings verfehlt.

Während Werder damit im nächsten Jahr eine Vertragsstrafe von 2,5 Millionen Euro droht, könnte der 1. FC Nürnberg wegen eines ähnlichen Verstoßes mit 500.000 Euro sanktioniert werden. Bei Werder fiel der Abschluss des ersten Quartals 2022 unter anderem negativ aus, weil der Klub Aufstiegsprämien zahlen musste. Dass Werder im Sommer 2021 durch Verkäufe mehr als 30 Millionen Euro eingenommen hatte, fällt nicht mehr in den Betrachtungszeitraum. Für die gesamte Saison 2021/22 hatte Bremen einen Gewinn von rund sechs Millionen Euro vermeldet. Theoretisch kann Werder den Verlust des ersten Halbjahres 2022 noch bis zum 31. Dezember 2022 ausgleichen, wovon aber nicht auszugehen ist.

Anders ist die Lage bei Schalke 04, das für das erste Halbjahr 2022 einen Verlust von 19,9 Millionen Euro ausweist, aber im zweiten Halbjahr einen deutlichen Transferüberschuss erreichte.

Watzke: “Ich habe nichts Spektakuläres erwartet”

Trotz eines dicken Antragspakets von 230 Seiten war die Mitgliederversammlung nach rund zwei Stunden beendet. “Es war harmonisch. Ich habe nichts Spektakuläres erwartet und genauso ist es auch gekommen. Es gab keine Diskussionen”, sagte DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke (Dortmund). Nachdem im Vorfeld ein Rumoren zu vernehmen war, weil einigen Klubs manche Projekte nicht schnell genug vorangingen, waren bei der Mitgliederversammlung Wortmeldungen Mangelware. Stuttgarts Vorstandsvorsitzender Alexander Wehrle wies in seinem Redebeitrag immerhin darauf hin, dass keine Entscheidungen ohne die Einbeziehung der 36 Vereine und Kapitalgesellschaften getroffen werden sollten. 

Michael Ebert

Werner positiv auf Corona getestet

Ganz und gar vorbei ist das Fußballjahr für Werder Bremen noch nicht. Drei Termine stehen bis zum Urlaubsbeginn am 20. November an – Ole Werner hingegen wird bei voraussichtlich bei allen nicht anwesend sein.

Fällt mindestens für ein Testspiel aus: Werder-Coach Ole Werner.

Fällt mindestens für ein Testspiel aus: Werder-Coach Ole Werner.

IMAGO/Nordphoto

Wie der Verein mitteilte, wurde der Trainer positiv auf das Coronavirus getestet, befindet sich in häuslicher Isolation und hat bislang lediglich leichte Symptome.

An diesem Dienstag spielen die Hanseaten noch beim Oberligisten Heeslinger SC, am Samstag dann beim Blitzturnier in Lohne gegen die Zweitligisten Arminia Bielefeld und Fortuna Düsseldorf, ehe die Profis am Sonntag bei der Mitgliederversammlung vor Ort sein werden. Mindestens in Heeslingen, voraussichtlich aber auch am Wochenende wird Werner passen müssen.

Trainingsauftakt am 8. Dezember

Der 34-jährige Aufsteiger in der Trainergilde also hat früher Schluss in einem Jahr, das für Werder und ihn mit dem Aufstieg bedeutungsvoll begann und auch im Oberhaus überaus positiv blieb. “Es ist eine sehr vernünftige Art und Weise, wie wir uns als Aufsteiger präsentieren”, sagt der gebürtige Preetzer und zielt nicht allein auf die 21 geholten Punkte, sondern auch auf die aktive und attraktive Spielweise ab. “Man muss immer sehen, wo wir herkommen und wo wir jetzt stehen.”

Der nüchterne Norddeutsche ist an der Weser ein Mann für Realismus und nicht für große Träume. Dass diese nicht blühen, liegt zum einen an den beiden Niederlagen zum Jahresausklang gegen die Bayern (1:6) und Leipzig (1:2), aber eben auch am Realitätssinn des Trainers. Er sagt: “Wir haben auch deshalb bisher so gut abgeschnitten, weil wir im Sommer als Verein gut gearbeitet haben und uns vorbereitet haben auf die Dinge, die auf uns zukommen.” Selbiges soll in dem langen Winter wiederholt werden: “Das müssen wir auch jetzt wieder tun.”

Am 8. Dezember bittet Werner zum Trainingsauftakt und zur Grundsteinlegung für eine erfolgreiche Rückserie. Zuvor geht es für ihn um die Genesung.

Sebastian Wolff

Weil Werder patzt: DFB annulliert Gelbe Karte für Buchanan nicht

Der DFB hat die Spielerverwechslung beim Bremer Auswärtsspiel in Freiburg am 11. Spieltag überraschend nicht nachträglich korrigiert. Daran sind die Werder-Verantwortlichen offenbar selbst schuld.

Seine Verwarnung bleibt bestehen: Lee Buchanan sah in Freiburg fälschlicherweise Gelb.

Seine Verwarnung bleibt bestehen: Lee Buchanan sah in Freiburg fälschlicherweise Gelb.

Getty Images

Dass ein Schiedsrichter in der Bundesliga dem falschen Spieler die Gelbe Karte zeigt, kommt nur selten vor – und sollte in Zeiten des Videobeweises eigentlich gänzlich der Vergangenheit angehören. Am 11. Spieltag jedoch war es im Bundesligaspiel zwischen dem SC Freiburg und Werder Bremen (2:0) trotzdem passiert.

Schiedsrichter Bastian Dankert verwarnte in der 79. Spielminute überraschend Werder-Profi Lee Buchanan statt dessen Mitspieler Felix Agu, der Vincenzo Grifo soeben elfmeterwürdig gefoult hatte. Weil auch Dankerts Videoassistent Florian Badstübner die Verwechslung nicht aufgefallen war, obwohl er zwingend hätte eingreifen müssen, ging statt Agu Buchanan vorbelastet in die Schlussphase.

Werder legt zu spät Einspruch ein

Doch obwohl Dankert in seinem Spielbericht hinter der eingetragenen Verwarnung für Buchanan die Verwechslung vermerkt und Werder den Spielbericht freigegeben hatte, wird die Gelbe Karte – Buchanans einzige in neun Bundesliga-Einsätzen – nicht zurückgenommen. Das teilte der DFB am Montag, also rund drei Wochen später, mit. Demnach war der Bremer Einspruch zu spät eingegangen, weshalb das DFB-Sportgericht ihn nun im Einzelrichterverfahren als unzulässig verworfen habe.

“Bei einem Irrtum des Schiedsrichters in der Person des verwarnten Spielers” hätten die Klubs “die Möglichkeit, fristgerecht Einspruch gegen die Verwarnung einzulegen”, erklärte Stephan Oberholz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts. “Der Einspruch Bremens ist allerdings nicht innerhalb der Frist eingegangen und damit unzulässig. Die Eintragung der Verwarnung für Spieler Buchanan im offiziellen Spielbericht ist damit rechtskräftig geworden, die Gelbe Karte für ihn bleibt bestehen.” 

Nach Paragraph 12 der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB ist ein Einspruch gegen eine Verwarnung “nur dann zulässig, wenn sich der Schiedsrichter in der Person der Spielerin/des Spielers geirrt hat”. Weiter heißt es: “Der Einspruch muss schriftlich eingelegt werden und spätestens an dem auf den Spieltag folgenden Tag bei der für das DFB-Sportgericht zuständigen Geschäftsstelle eingegangen sein.”

Warum bemerkte der VAR den Fehler nicht?

Sportlich ist die Entscheidung für Werder zu verschmerzen. Buchanan kam seitdem nicht mehr zum Einsatz, und Agu, seinerseits keine Stammkraft unter Trainer Ole Werner, bleibt als eigentlicher Übeltäter der Szene in Freiburg ohnehin unbestraft. Dennoch dürften sich die Verantwortlichen um Clemens Fritz, den Leiter Profifußball und Scouting bei Werder, über ihren formalen Patzer ärgern. 

Offen bleibt weiterhin die Frage, warum VAR Badstübner die Verwechslung während des Spiels nicht bemerkt hatte. Letztlich hatten die Beteiligten Glück, dass für Buchanan die Gelbe Karte auf dem Rasen keine Auswirkungen mehr hatte. “Ich will nicht wissen, was ist, wenn er Gelb-Rot kriegt”, hatte Fritz nach Schlusspfiff in Anspielung auf ein weiteres Foul von Buchanan in der 87. Minute gesagt. In diesem Fall hätte das DFB-Sportgericht die sonst bei Gelb-Rot fällige Sperre von einem Spiel mutmaßlich aufgehoben. Auch dann hätte der Einspruch allerdings schnell erfolgen müssen.

Werder zu spät dran: DFB annulliert Gelbe Karte für Buchanan nicht

Der DFB hat die Spielerverwechslung beim Bremer Auswärtsspiel in Freiburg am 11. Spieltag überraschend nicht nachträglich korrigiert. Daran sind die Werder-Verantwortlichen offenbar selbst schuld.

Seine Verwarnung bleibt bestehen: Lee Buchanan sah in Freiburg fälschlicherweise Gelb.

Seine Verwarnung bleibt bestehen: Lee Buchanan sah in Freiburg fälschlicherweise Gelb.

Getty Images

Dass ein Schiedsrichter in der Bundesliga dem falschen Spieler die Gelbe Karte zeigt, kommt nur selten vor – und sollte in Zeiten des Videobeweises eigentlich gänzlich der Vergangenheit angehören. Am 11. Spieltag jedoch war es im Bundesligaspiel zwischen dem SC Freiburg und Werder Bremen (2:0) trotzdem passiert.

Schiedsrichter Bastian Dankert verwarnte in der 79. Spielminute überraschend Werder-Profi Lee Buchanan statt dessen Mitspieler Felix Agu, der Vincenzo Grifo soeben elfmeterwürdig gefoult hatte. Weil auch Dankerts Videoassistent Florian Badstübner die Verwechslung nicht aufgefallen war, obwohl er zwingend hätte eingreifen müssen, ging statt Agu Buchanan vorbelastet in die Schlussphase.

Werder legt zu spät Einspruch ein

Doch obwohl Dankert in seinem Spielbericht hinter der eingetragenen Verwarnung für Buchanan die Verwechslung vermerkt und Werder den Spielbericht freigegeben hatte, wird die Gelbe Karte – Buchanans einzige in neun Bundesliga-Einsätzen – nicht zurückgenommen. Das teilte der DFB am Montag, also rund drei Wochen später, mit. Demnach war der Bremer Einspruch zu spät eingegangen, weshalb das DFB-Sportgericht ihn nun im Einzelrichterverfahren als unzulässig verworfen habe.

“Bei einem Irrtum des Schiedsrichters in der Person des verwarnten Spielers” hätten die Klubs “die Möglichkeit, fristgerecht Einspruch gegen die Verwarnung einzulegen”, erklärte Stephan Oberholz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts. “Der Einspruch Bremens ist allerdings nicht innerhalb der Frist eingegangen und damit unzulässig. Die Eintragung der Verwarnung für Spieler Buchanan im offiziellen Spielbericht ist damit rechtskräftig geworden, die Gelbe Karte für ihn bleibt bestehen.” 

Nach Paragraph 12 der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB ist ein Einspruch gegen eine Verwarnung “nur dann zulässig, wenn sich der Schiedsrichter in der Person der Spielerin/des Spielers geirrt hat”. Weiter heißt es: “Der Einspruch muss schriftlich eingelegt werden und spätestens an dem auf den Spieltag folgenden Tag bei der für das DFB-Sportgericht zuständigen Geschäftsstelle eingegangen sein.”

Warum bemerkte der VAR den Fehler nicht?

Sportlich ist die Entscheidung für Werder zu verschmerzen. Buchanan kam seitdem nicht mehr zum Einsatz, und Agu, seinerseits keine Stammkraft unter Trainer Ole Werner, bleibt als eigentlicher Übeltäter der Szene in Freiburg ohnehin unbestraft. Dennoch dürften sich die Verantwortlichen um Clemens Fritz über ihren formalen Patzer ärgern, zumal Werders Leiter Profifußball und Scouting nach kicker-Informationen Dankert in Freiburg selbst in der Schiedsrichterkabine auf den Fehler hingewiesen hatte.

Offen bleibt weiterhin die Frage, warum VAR Badstübner die Verwechslung während des Spiels nicht bemerkt hatte. Letztlich hatten die Beteiligten Glück, dass für Buchanan die Gelbe Karte auf dem Rasen keine Auswirkungen mehr hatte. “Ich will nicht wissen, was ist, wenn er Gelb-Rot kriegt”, hatte Fritz nach Schlusspfiff in Anspielung auf ein weiteres Foul von Buchanan in der 87. Minute gesagt. In diesem Fall hätte das DFB-Sportgericht die sonst bei Gelb-Rot fällige Sperre von einem Spiel mutmaßlich aufgehoben. Auch dann hätte der Einspruch allerdings schnell erfolgen müssen.

Werder und das “Irgendwie”: Bloß keine falsche Herangehensweise

Es war kein typischer 3:0-Sieg, weil er eben nicht so überzeugend zu Stande kam wie das Ergebnis vermuten ließ. Aber das war den Protagonisten des SV Werder Bremen eher egal. Bei den drei Punkten in Aue ging es ja hauptsächlich um eines: das Mittel zum Zweck.

Für den Sprung nach oben heißt es für Werder Bremen und Marco Friedl am letzten Spieltag: "Verlieren verboten"

Für den Sprung nach oben heißt es für Werder Bremen und Marco Friedl am letzten Spieltag: “Verlieren verboten”

picture alliance / nordphoto GmbH / Kokenge

Dass alles andere in dieser 2. Liga ohnehin manchmal zweitrangig ist, hatte Niklas Schmidt bereits am Samstagabend vor dem Fernseher festgestellt. Mit 0:2 lag Tabellenführer FC Schalke 04 da eigentlich schon gegen den FC St. Pauli zurück, drehte die Partie jedoch noch – und erreichte damit jenes Ziel, das sie auch beim SV Werder Bremen noch verfolgen. “Die haben auch irgendwie gewonnen”, sagte Schmidt also lapidar, und es klang fast so, als hätte er sich die Schalker zum Vorbild genommen. Jedenfalls hatte auch seine Mannschaft die Partie beim FC Erzgebirge Aue “jetzt irgendwie gewonnen”, betonte der Torschütze zum 3:0-Endstand: “Die Art ist mir egal.”

Werner: “Wir haben standgehalten”

Auch Trainer Ole Werner deutete an, nicht wirklich zufrieden gewesen zu sein mit dem Vortrag seiner Mannschaft, aber so “läuft das zwei Spieltage vor Schluss” nun schon mal, wenn die Geschehnisse erfahrungsgemäß immer unberechenbarer werden. “Es war ein Spiel, das sich im Kopf entschieden hat”, resümierte der 34-Jährige. Was einzig und allein zählte, war, dass Werder jenen zweiten Tabellenplatz zurückerobert hatte, der dem Klub die direkte Bundesliga-Rückkehr ermöglichen würde. Werner: “Wir haben standgehalten.”

Werder reicht ein Punkt für den Aufstieg

Die Partie am 34. Spieltag gegen Jahn Regensburg kommt somit der Bedeutung eines Matchballs zu. Die einzige Bedingung lautet: Verlieren verboten. Ein Punkt würde also schon reichen, um den Aufstiegsplatz vor der im Nacken sitzenden Konkurrenz aus Hamburg und Darmstadt zu verteidigen. Regensburg ist seit sechs Ligaspielen ohne Sieg. Doch bereits im vergangenen Heimspiel stellte sich die Ausgangslage ähnlich – wenn auch nicht endgültig – dar; ein vorentscheidender Matchball gegen Holstein Kiel wurde beim 2:3 kläglich (nach 2:0-Führung) vergeben. Daher bemühte auch Niclas Füllkrug nun die Wortwahl seines Trainers: “Wir müssen einen kühlen Kopf behalten.”

“Die Chance nicht entgehen lassen”

Von vornherein auf diesen einen noch benötigten Punkt zu spielen, wäre am kommenden Sonntag jedenfalls die ganz und gar falsche Herangehensweise, da waren sich eigentlich alle Bremer Profis einig. “Es ist ein Heimspiel, das wir gewinnen wollen”, forderte Füllkrug. Leonardo Bittencourt warnte: “Es wird ein hartes Stück Arbeit, Regensburg hat nichts zu verlieren.” Marco Friedl mahnte: “Die Chance dürfen wir uns jetzt nicht entgehen lassen.” Und Schmidt will einfach nur “den Deckel draufmachen”.

Unabhängig von der Ligazugehörigkeit gilt indes schon jetzt als sicher, dass Clemens Fritz seinen auslaufenden Vertrag als Leiter Profifußball und Scouting bei Werder verlängern wird. Der 41-jährige Bremer Ex-Profi, seit 2019 in unterschiedlichen Rollen im Verein eingebunden, sagte im Vorfeld der Partie in Aue bei ‘Sky’: “Das ist nur noch Formsache.” Und deutete an, dass nach dem letzten Saisonspiel mit einer finalen Bestätigung zu rechnen sei: “Alles andere machen wir hinterher.”

Tim Lüddecke

“Alle Mann an Bord”: Bremer Defensivtrio kehrt zurück

Werder Bremens Trainer Ole Werner kann im Gastspiel bei Erzgebirge Aue (Sonntag, 13.30 Uhr, LIVE! bei kicker) nahezu aus dem Vollen schöpfen.

Bremens Coach Ole Werner (re.) kann unter anderem wieder auf Christian Groß (li.) und Ömer Toprak (Mi.) bauen.

Bremens Coach Ole Werner (re.) kann unter anderem wieder auf Christian Groß (li.) und Ömer Toprak (Mi.) bauen.

IMAGO/Oliver Ruhnke

“Alle Mann an Bord”, freute sich Werner auf der Pressekonferenz am Freitag. Stimmt nicht ganz, aber bis auf Manuel Mbom, der sich die Achillessehne gerissen hat und den Grün-Weißen im letzten Auswärtsspiel der Saison und natürlich darüber hinaus fehlen wird, hat sich die Personallage beim aktuellen Tabellendritten durch die Rückkehr der zuletzt verletzten Ömer Toprak, Milos Veljkovic und Christian Groß entspannt.

Für Bremen (57 Punkte, Tordifferenz +17), das durch das jüngste 2:3 gegen Holstein Kiel an Boden verloren hat und Schalke (59, +26) und Darmstadt (57, +23) vorbeiziehen lassen musste, zählt beim bereits feststehenden Absteiger aus Aue nur ein Sieg.

Wir sind heiß ohne Ende.

Ole Werner

Und den will Werder auch unbedingt einfahren, auch wenn Werner kein einfaches Spiel erwartet und davor warnt, den FCE zu unterschätzen: “Ich denke, dass Aue eine Reaktion auf das Ergebnis von letzter Woche (0:6 in Darmstadt, Anm. d. Red.) zeigen und sich positiv aus der Liga verabschieden will.”

Seine Schützlinge sieht der 34-Jährige gut vorbereitet und gewährt auch einen Einblick ins Bremer Innenleben: “Wir sind heiß ohne Ende”, sagte Werner und versprühte gleichzeitig Optimismus: “Es herrscht bei uns eine gute Mischung aus Anspannung, Konzentration und Freude am Fußball.”

Sportgericht erteilt 30.622 Euro Geldstrafe

Wenig erfreuliche Nachrichten erhielt der SVW am Freitag vom DFB-Sportgericht, das den Verein wegen des Abbrennens pyrotechnischer Gegenstände von 60 Bremer Zuschauern im Rahmen der Partie am 27. November 2021 bei Holstein Kiel (1:2) – das Spiel musste durch starke Rauchentwicklung zweimal unterbrochen werden – zur Zahlung von 30.622 Euro verurteilte.

Bremen kann bis zu 10.000 Euro für sicherheitstechnische, infrastrukturelle und gewaltpräventive Maßnahmen verwenden, ein Nachweis ist dem DFB bis zum 30. November 2022 zu erbringen.