Die Maloche geht weiter: Wie Ramona Maier in Essen überzeugt

Stürmerin Ramona Maier von der SGS Essen fand über einen großen Umweg in die Frauen-Bundesliga – eine Situation im Winter 2022 war eine Art Erweckungserlebnis. Ins Ruhrgebiet passt sie mit ihrer Einstellung perfekt.

Es kann getrost als eine Art Erweckungserlebnis bezeichnet werden, was da im vorvergangenen Winter vonstattenging. Ramona Maier spielte seinerzeit in der 2. Liga, tourte mit dem FC Ingolstadt durch die Lande und traf in sehr verlässlicher Regelmäßigkeit. Dass sie aber die Fähigkeiten für Deutschlands Elite-Klasse haben könnte, daran, so sagt sie selbst, habe sie trotz der vielen Treffer nicht gedacht.

Jedenfalls nicht bis zu diesem einen Tag, an dem ein – unbenannter – Erstligist bei ihr vorstellig geworden sei. Zum einen wird Maier das Interesse gewiss geschmeichelt haben. Zum anderen, und das ist viel wichtiger für ihre Geschichte, verpflanzte es den Gedanken in ihrem Kopf: Vielleicht funktioniert es ja doch noch mit der Bundesliga. Zwei Jahre später zählt sie zu den treffsichersten Angreiferinnen des Landes und gilt als unumstrittene Stammkraft bei der SGS Essen.

40 Stunden in der Woche war ich für die Polizei im Einsatz, war auf Streife und habe nebenher gespielt.

Ramona Maier

Wo auch sonst? Das könnte man nun erwidern. Zum aktuellen Zeitpunkt scheint es für die 28-Jährige schließlich keinen besseren Standort zu geben. “Das Ruhrgebiet steht für harte Arbeit – damit kann ich mich voll identifizieren”, erklärt die Spätstarterin im Gespräch mit dem kicker. Und in der Tat: Das Ruhrpott-typische Malochertum verkörpert sie wohl mehr als alles andere. In gewisser Weise zieht sich dieses Motiv durch ihr gesamtes Wirken – auf und neben dem Platz.

Bundesliga, 13. Spieltag

Zwar wurde die in Erding geborene Maier in der Jugend beim FC Bayern ausgebildet. Mit dem Durchbruch aber klappte es nicht. Schlimmer noch: Beim SC Regensburg zog sie sich einen Kreuzbandriss zu, ließ den Fußball rund anderthalb Jahre ruhen, ehe sie in der Regionalliga für Ingolstadt – mittlerweile als hauptberufliche Polizeibeamtin – aus Lust und Laune wieder damit begann.

“40 Stunden in der Woche war ich für die Polizei im Einsatz, war auf Streife, hatte Schichtdienst und habe nebenher gespielt”, sagt sie. Erst in der Regionalliga Süd, dann in der 2. Liga “mit Auswärtsfahrten, die uns durch ganz Deutschland geführt haben”. Um an möglichst jedem Training teilzunehmen, verließ Maier die Polizeiwache mal früher, mal später, bemühte sich, all ihre Termine und Verpflichtungen in die sieben Wochentage zu stopfen. Ein Kraftakt, zweifelsfrei.

Polizistin Maier ergab sich unverhofft die Bundesliga-Chance

Was sie in diesen Monaten angetrieben habe? “Ich denke, der Spaß an der Sache.” Allein auf dem Rasen könne sie ihren Kopf “komplett ausschalten. Und bei der Polizei hatte ich spannende Einsätze, eine verantwortungsvolle Aufgabe”. Im Grunde, rekapituliert sie, sei es “eine coole Zeit” gewesen. Wenngleich die Offensivkraft ohne zu zögern zusagte, als sich unverhofft die große Bundesliga-Chance ergab. “Dass es so gelaufen ist”, sagt Maier rückblickend, “hätte ich mir nicht erträumen lassen. Es ist schon ein Kindheitstraum, der in Erfüllung gegangen ist.”

Großen Anteil daran besitzt Markus Högner, Essens Trainer, der für die Spielzeit 2022/23 eine Torjägerin suchte und auf die 1,66 Meter große, physisch starke Angreiferin aufmerksam wurde. Sie, die erst im Laufe der Jahre vom defensiven Mittelfeld über den offensiven Flügel ins Sturmzentrum gerückt war, traf für den FCI 47-mal in 53 Zweitliga-Spielen. Dass Maier keinerlei Erfahrung in der höchsten Spielklasse besaß, störte Högner nicht.

Denn: “Wenn eine Spielerin so viele Tore in der 2. Liga schießt, hat sie in jedem Fall ein Knipser-Gen”, sagt der Coach, dem darüber hinaus ihre Haltung imponierte. “Ramona steht mit beiden Beinen im Leben, ist ein Vorbild neben und auf dem Platz.” Bis heute erinnere er sich an keinen Tag, an dem sie nur dosiert trainiert habe: “Auch wenn ich mir manchmal denke: Lass es gern mal ruhiger angehen.”

Wenn man sieht, wie sie jedem Ball nachjagt, kommst du dir blöd vor, wenn du in der einen oder anderen Situation stehen bleibst.

Markus Högner

Doch das ist schlicht und ergreifend nicht ihr Ding. Vielmehr kennzeichnet Maier exakt dieser unerschütterliche Wille und diese uneingeschränkte Bereitschaft, immer und überall ans persönliche Limit gehen zu wollen. Ein entscheidender Grund, weshalb sie so gut nach Essen und zur SGS passt. In dieses Team, das zwar sehr wohl über feine, technisch beschlagene Fußballerinnen wie Natasha Kowalski oder Laureta Elmazi verfügt, vor allem aber mit seiner ausgeprägten Ge- und Entschlossenheit punkten muss. Ohne die wäre alles nichts.

Dass Maier in den ersten drei Partien der Vorsaison von der Bank kam, blieb die Ausnahme der Regel. Seither gehört sie zum Stamm. Zunächst habe sich die Stürmerin ein paar Wochen an das ungleich höhere Erstliga-Tempo gewöhnen müssen, an die Handlungsschnelligkeit der gegnerischen Verteidigerinnen und die verschärfte Drucksituation im eigenen Ballbesitz.

Das beste Beispiel für Maiers Willen lieferte der Jahresabschluss 2023

Danach sei sie bei der SGS, die Jahr für Jahr ein sehr junges Team stellt, “nicht mehr wegzudenken” gewesen, schildert Högner und rühmt seine Angreiferin: “Wenn du so eine Spielerin hast, macht das auch was mit den Mitspielerinnen. Wenn man sieht, wie sie jedem Ball nachjagt, kommst du dir blöd vor, wenn du in der einen oder anderen Situation stehen bleibst.”

Das beste Beispiel dafür lieferte der Jahresabschluss 2023, den die SGS im Rheinland beging. Sofie Vendelbo, ihrerseits Abwehrkraft des 1. FC Köln, wollte den Ball nach 27 Minuten über die Grundlinie laufen lassen, um nachfolgend per Abstoß ruhig und geordnet aufbauen zu können. Eine Allerweltszene – das war zumindest anzunehmen. Maier allerdings preschte auch diesmal hinterher und bearbeitete die Kölnerin so vehement, dass sie die sicher geglaubte Kugel doch noch verlor. Es folgten ein akkurates Zuspiel, das Tor des Tages durch Lena Ostermeier und lauter Jubel.

Stürmerin Maier läuft bei der SGS stets vorneweg

Vor dem Freitagsspiel gegen RB Leipzig (19.30 Uhr, LIVE! bei kicker) steht Überraschungsteam Essen auf Rang 7, nur drei Punkte von der viertplatzierten TSG Hoffenheim entfernt. “Schon der Saisonstart gegen Frankfurt (2:0, Anm. d. Red.) war toll. Wir haben gleich gesehen, dass wir gegen Top-Teams mithalten und – an guten Tagen – sogar gewinnen können”, sagt Maier, die zudem die Hinrundenpartien in Hoffenheim (3:0) und in Leverkusen (0:0) zum Vergleichsmaßstab für die SGS erhebt.

Ihr Spiel definieren klare offensive Umschaltabläufe, gefährliche Standards und ein bestens choreografiertes Abwehrverhalten – mal tiefer stehend, mal pressend, immer intensiv. Dass der kleine, in den vergangenen Jahren noch abstiegsgefährdete Erstligist gemeinsam mit Frankfurt die drittbeste Defensive (elf Gegentore) stellt, ist der verdiente Ertrag dieser kraftraubenden Bemühungen, die stets ganz vorne bei Maier beginnen.

“Ich will mein Durchsetzungsvermögen zeigen, bis zum Ende aggressiv anlaufen, Bälle festmachen und zum Abschluss kommen”, sagt die bis 2026 gebundene Mittelstürmerin, die neben ihrer Wucht über ausreichend Tempo und eine gute Technik verfügt. Erzielte Maier 2022/23 acht Treffer, steht die Rechtsfüßerin 2023/24 bei bisher vier Toren.

Damals noch weit weg von der Bundesliga: Ramona Maier im August 2019 im Trikot von Zweitligist Ingolstadt.

Damals noch weit weg von der Bundesliga: Ramona Maier im August 2019 im Trikot von Zweitligist Ingolstadt.
imago images / Hartenfelser

Eine ordentliche Quote, zumal mit Bremens Sophie Weidauer (6), Frankfurts Laura Freigang und Nicole Anyomi (je 5) sowie Hoffenheims Melissa Kössler (5) nur vier deutsche Stürmerinnen öfter trafen. “Ich bin im Soll”, bilanziert Maier also. Wohl wissend, dass es immer besser geht. “Im Abschluss habe ich noch viel Potenzial”, sagt sie. Und da sie außerdem “ruhiger am Ball werden und die Situationen, das Spielfeld besser scannen” könne, wird die Maloche munter fortgesetzt.

Wie es generell weitergeht, bleibt derweil abzuwarten. Irgendwann – davon ist auszugehen – wird Maier die aktuell ruhende Polizeiarbeit wieder aufnehmen. Seit ihrem Wechsel zur SGS jobbt sie ab und an in einem Café, konzentriert sich ansonsten auf den Sport. Klar ist: Mit gerade 32 Liga-Einsätzen steht sie eher am Anfang als am Ende, kann noch viele weitere Spiele in der Eliteklasse folgen lassen. Dass sie alles dafür mitbringt, weiß Maier spätestens seit Anfang November 2022.

Gegen Potsdam (2:1) erlief sie seinerzeit einen Chipball, schob sich mit voller Kraft an Keeperin Vanessa Fischer vorbei und erzielte ihren ersten Bundesliga-Treffer. Ein besonderer Moment. Denn obgleich sie sich nie den großen Druck gemacht habe, sei ihr in diesen Sekunden wirklich bewusst geworden, dass sie es auch in der 1. Liga könne, sagt Maier. Wenn man so will, war auch das eine Art Erweckungserlebnis.

Leon Elspaß

DFB terminiert: Eintracht gegen Bayern am 9. März und frei empfangbar

Der Deutsche Fußball-Bund hat die Spieltage 15 bis 17 bei den Frauen zeitgenau angesetzt. Bekannt ist nun auch, wann die Topspiele Frankfurt-Bayern und Wolfsburg-Bayern ausgetragen werden.

Szene aus dem Hinspiel in München: Sarah Zadrazil versucht ihren Gegnerinnen zu enteilen.

Szene aus dem Hinspiel in München: Sarah Zadrazil versucht ihren Gegnerinnen zu enteilen.

FC Bayern via Getty Images

Es geht um die Spieltage 15 bis 17 in der Frauen-Bundesliga – und damit um den Zeitraum vom 8. bis zum 25. März.

Eröffnet wird der 15. Spieltag am Freitag, 8. März (18.30 Uhr), mit dem Revierduell SGS Essen gegen den MSV Duisburg, gekrönt wird er jedoch vom Spitzenspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Meister FC Bayern am Samstag ab 13 Uhr. Frei empfangbar im HR und im Sportschau-Stream zu sehen, zudem natürlich bei MagentaSport und auf DAZN.

Tags darauf ab 14 Uhr steigt dann die Partie zwischen dem 1. FC Köln und Werder Bremen im Rhein-Energie-Stadion. Aktuell sind bereits über 10.000 Tickets verkauft worden. Abgerundet wird der Spieltag am Montag, 11. März (19.30 Uhr, live bei Sport1, MagentaSport und DAZN), mit der Partie VfL Wolfsburg gegen RB Leipzig.

Leverkusen empfängt Köln zum Rheinderby

Die Wölfinnen sind zum Auftakt des 16. Spieltags am Freitag, 15. März (18.30 Uhr, live auf MagentaSport und DAZN), bei der TSG Hoffenheim zu Gast. Einen Tag später spielt Bayern gegen Leipzig. Am Montag kommt es zum Abschluss des Spieltags zum Rheinderby zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem 1. FC Köln (19.30 Uhr, live bei Sport1, MagentaSport und DAZN).

Wolfsburg gegen Bayern live in der ARD

Spieltag 17 beginnt am Freitag, 22. März (18.30 Uhr, live bei MagentaSport und DAZN) mit dem badischen Duell zwischen dem SC Freiburg und Hoffenheim. Höhepunkt des Spieltags ist das Spitzenspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Meister Bayern am Samstag ab 17.45 Uhr. Das Topspiel wird live in der ARD übertragen, zudem übertragen MagentaSport und DAZN. Austragungsort ist die Volkswagen-Arena in Wolfsburg.

Zum Abschluss dieses Spieltags trifft die Eintracht im Montagsspiel (25. März, 19.30 Uhr, live bei Sport1, MagentaSport und DAZN) schließlich auf den SV Werder.

Männliche Referees bei den Frauen? Der DFB sollte auf die Klubs hören

Nicht erst seit dem Vorstoß des 1. FC Nürnberg läuft eine Diskussion über die Qualität der Schiedsrichterinnen in der Frauen-Bundesliga. Der DFB sollte nun reagieren und männliche Unparteiische möglichst bald einbinden. Ein Kommentar von kicker-Redakteur Paul Bartmuß.

Sie ist gefordert: Christine Baitinger (li.), Sportliche Leiterin der DFB-Schiedsrichterinnen.

Sie ist gefordert: Christine Baitinger (li.), Sportliche Leiterin der DFB-Schiedsrichterinnen.

imago images

Die Art und Weise der Pressemitteilung des 1. FC Nürnberg am Montagabend überraschte. Der Inhalt allerdings nicht: Die Frauen-Bundesliga hat ein Schiedsrichterinnen-Problem, das steht nicht erst seit dem vergangenen Wochenende fest.

Da hatten die stark abstiegsgefährdeten Fränkinnen im Spiel gegen Werder Bremen (0:4) einen Handelfmeter gegen sich hinnehmen müssen, obwohl Lara Schmidt den Ball ins Gesicht bekommen und die Arme angelegt hatte.

Weitere klare Fehlentscheidungen gab es bei den Partien der Top-Teams München und Wolfsburg: Weder Pernille Harder gegen Freiburg noch Alexandra Popp in Leverkusen erhielt einen Strafstoß, der jeweils fällig gewesen wäre. Einen VAR gibt es in der Frauen-Bundesliga bislang nicht.

Baitinger blieb im kicker-Interview vage

Schon Ende Dezember hatten Bianca Rech, Sportliche Leiterin der FCB-Frauen, und Ralf Kellermann, Sport-Geschäftsführer der Wölfinnen, im kicker-Interview offensiv dafür geworben, die Tore für männliche Schiedsrichter zu öffnen: “Wir würden uns wünschen, dass der DFB dieses Thema stärker priorisiert”, hatte Rech gesagt. “Wir sind die einzige Top-Nation in Europa, die es sich leistet, die Schiedsrichterinnen-Teams nicht mit Männern aufzufüllen”, meinte Kellermann.

Beide Funktionäre haben recht, und auch dem DFB ist das Problem längst bekannt. Von einem “komplexeren Thema, welches sich nicht ganz leicht beantworten lässt”, sprach Christine Baitinger, die Sportliche Leiterin der Schiedsrichterinnen beim DFB, Mitte Dezember vage im kicker. Voraussetzung müsse sein, dass männliche Schiedsrichter Teil der Frauen-Bundesliga seien. Dann sei der DFB “grundsätzlich offen dafür”.

Die besten Schiedsrichterinnen werden oft bei den Männern gebraucht

Baitinger gab “zweifelsohne einige Fehlentscheidungen in dieser Saison” zu. Worauf also warten? Auch wenn die Nürnberger eine “kurzfristige, akute Lösung” fordern: Mitten in der laufenden Saison wäre ein Kurswechsel kaum machbar. Im Sommer aber muss der DFB handeln.

Dass es in Deutschland sowohl an Qualität als auch Quantität bei den Schiedsrichterinnen mangelt, zeigte die WM 2023: Keine deutsche Schiedsrichterin war damals dabei – nur Assistentin Katrin Rafalski. Dazu kommt national: Einige der besten Schiedsrichterinnen fallen regelmäßig weg, weil sie am Wochenende zeitgleich in den Männerligen eingesetzt werden.

Bis eine neue Generation ausgebildet ist, sollte der DFB auf die Klubs hören. Ehe er die 12er-Liga verfrüht um Klubs erweitert oder andere Punkte vorantreibt, muss zunächst die Qualität im Spiel stimmen. Die der Spielerinnen – aber eben auch die der Unparteiischen.

Club-Frauen prangern “strukturelle DFB-Defizite” an – und fordern männliche Referees

In der Frauen-Bundesliga kämpft Aufsteiger Nürnberg gegen den Abstieg. Spätestens nach dem 0:4 in Bremen am vergangenen Samstag beschäftigt den Club allerdings vor allem das Schiedsrichter-Thema.

Verschiedene Gefühlswelten: Michelle Ulbrich lässt sich feiern, die Nürnbergerinnen sind bedient.

Verschiedene Gefühlswelten: Michelle Ulbrich lässt sich feiern, die Nürnbergerinnen sind bedient.

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In der Fremde ist Liga-Neuling Nürnberg eigentlich sehr solide unterwegs, die Fränkinnen holten sieben ihrer acht Punkte auswärts. Am vergangenen Samstag allerdings geriet die Mannschaft von Trainer Thomas Oostendorp mit 0:4 bei Werder Bremen unter die Räder

Im Nachgang beschäftigte die Verantwortlichen allerdings weniger die eigene Leistung, vielmehr stand die der Unparteiischen im Blickpunkt. In einer Pressemitteilung schrieb der FCN von “einer gravierenden Fehlentscheidung des Schiedsrichterinnen-Gespanns”. Längst kein Einzelfall, wie der Verein unterstreicht. “Auch Entscheidungen in anderen Liga-Partien ohne Club-Beteiligung rufen Unverständnis hervor.”

Die Situation vor dem von Michelle Ulbrich verwandelten Elfmeter zum 1:0 erhitzte die Gemüter. Die Nürnbergerin Lara Schmidt hatte den Ball mit voller Wucht ins Gesicht bekommen – das Team um Schiedsrichterin Nadine Westerhoff, deren Assistentin klare Sicht auf die Situation hatte, entschied auf Strafstoß. Die Partie kippte anschließend endgültig in Richtung der Bremerinnen.

“Wir sind an einem Punkt, in der die jetzige Situation im Schiedsrichterinnen-Bereich der Google Pixel Frauen-Bundesliga nicht mehr hinzunehmen ist und an dem wir auch bewusst öffentlich auf qualitative Missstände und strukturelle Defizite beim DFB hinweisen müssen und möchten”, wird Osman Cankaya, Sportlicher Leiter der Club-Frauen, zitiert: “Wir sprechen hier von einer vereinsübergreifenden, ligaweiten Problematik. Mir ist wichtig zu betonen, dass nicht wir als 1. FC Nürnberg alleine unter der Situation leiden, sondern sämtliche Vereine in der Liga betroffen sind. Unabhängig von Abstiegs- oder Meisterschaftskampf.”

“Kurzfristige, akute Lösung” gefordert

Dass Schiedsrichterinnen “durch offensichtliche und nicht nachvollziehbare Fehlentscheidungen” Spiele entscheiden würden, komme laut Cankaya regelmäßig vor: “Alarmierend empfinden wir dabei sowohl die Qualität als auch die Quantität der Fehler, unter der in unseren Augen nicht nur der Wettkampf, sondern auch die Attraktivität der Google Pixel Frauen-Bundesliga massiv leidet.”

Der Bundesliga-Aufsteiger sei bereit, “bei der Entwicklung eines nachhaltigen und optimierten Ausbildungskonzeptes zur Förderung der Schiedsrichterinnen” zu unterstützen. Dies könne aber “bestenfalls mittelfristig Abhilfe leisten”. Es brauche aber eine “kurzfristige, akute Lösung”, so Cankaya, der anfügt: “Das sehen wir nur in der Abschaffung der bisherigen Linie, die Spiele der 1. und 2. Frauen-Bundesliga ausschließlich von weiblichen Unparteiischen leiten zu lassen und den Fokus bei den Ansetzungen geschlechterübergreifend auf Qualität und Kompetenz aller DFB-Schiedsrichter*innen zu legen.”

Frankfurter Arbeitssieg dank Doorsoun: Ex-Essenerin mit humorlosem Tor

Eintracht Frankfurt hat gegen Essen einen 1:0-Arbeitssieg eingefahren. Gegen die SGS war ausgerechnet die Ex-Essenerin Doorsoun die Matchwinnerin.

Doorsoun (verdeckt) jubelt mit Gräwe über das 1:0 der Frankfurterinnen gegen die SGS Essen.

Doorsoun (verdeckt) jubelt mit Gräwe über das 1:0 der Frankfurterinnen gegen die SGS Essen.

IMAGO/Jan Huebner

Frankfurts Trainer Niko Arnautis rotierte nach dem 5:0 gegen Rosengard beim Abschied aus der Champions Leaue großzügig, brachte im Tor unter anderem Johannes für Bösl und bot auch wieder die zuletzt kränkelnde Freigang auf. Anyomi, gegen die Schwedinnen noch als Joker eingewechselt, fehlt gegen Essen komplett. SGS-Coach Markus Högner dagegen vertraute nach dem 1:3 gegen Wolfsburg exakt derselben Startelf.

Das Spiel nahm nach einigen Minuten die erwartete Form an: Die Frankfurterinnen legten den Vorwärtsgang ein und kamen auch zu drei guten Gelegenheiten, doch die Schüsse von Prasnikar (4.), Reuteler (12.) und Dunst (17.) landeten allesamt in den Armen von Essens Keeperin Winkler, die dabei wahrlich keine Glanzparaden auspacken musste.

Erst nach einer halben Stunde hatten sich die Gäste aus dem Revier defensiv etwas stabilisiert und konnten die Eintracht-Spielerinnen vom eigenen Tor weghalten – offensiv brachte die Högner-Elf wenig zustande, auch bei den wenigen Standards stand die Frankfurter Defensive kompakt, so dass Torhüterin Johannes kein einziges Mal eingreifen musste.

Maier verpasst nach Seitenwechsel – Doorsoun humorlos zum Sieg

Direkt nach dem Seitenwechsel hatte die SGS dann sogar die erste Aktion, doch Maier verzog nach Purtschellers Zuspiel aus 15 Metern deutlich (47.). Auf der Gegenseite zeigte sich Prasnikar am Fünfereck zu zögerlich, als sie auf Freigang querlegen wollte, statt den Abschluss zu suchen – Ostermeier klärte in höchster Not (57.).

Frauen-Bundesliga, 12. Spieltag

Aus dem Spiel heraus fehlte der Eintracht zu oft die richtige Idee, eine Ecke verhalf nach etwas mehr als einer Stunde zur verdienten Führung: Hanshaw brachte den Ball von rechts scharf nach innen, Freigang köpfte und wurde geblockt, doch Doorsoun stand im Fünfer goldrichtig und wuchtete den Ball humorlos in die Maschen (62.). Ausgerechnet die Ex-Essenerin (2013 bis 2018) knackte das Bollwerk der Gäste.

Essen musste in Rückstand das Visier etwas öffnen und die Offensive forcieren, doch spielerisch waren die Gäste zu limitiert. Zwar gab es die eine oder andere brenzlige Situation im Strafraum der Hessinnen, doch die SGE brachte die knappe Führung über die Zeit – und bleibt damit am Spitzenduo aus München (ein Punkt Rückstand) und Wolfsburg (drei Punkte Rückstand) dran.

Am kommenden Freitag eröffnet Essen den 13. Spieltag mit dem Heimspiel gegen Aufsteiger Leipzig (18.30 Uhr). Frankfurt empfängt bereits einen Tag zuvor im DFB-Pokal-Achtelfinale Freiburg (18.30 Uhr) und reist dann nach Wolfsburg.

“Man verdient im Frauenfußball mit der Champions League kein Geld”

Der große Aufschwung im Fußball der Frauen? Kommt nicht in dem Tempo, das Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann sich wünscht. Er fordert vom DFB schnelles Handeln – und will die Bundesliga vergrößern.

“Das ist kein Thema für Kommissionen oder Hinterzimmerkonferenzen”: Axel Hellmann wünscht sich mehr Einbindung der Klubs.

IMAGO/Jan Huebner

Bei allen Zuschauerrekorden, bei aller Professionalisierung: Die Frauen-Bundesliga gibt auch in dieser Saison regelmäßig Anlass zur Sorge. Sei es die zementierte Tabelle mit immer denselben Top drei, immer denselben Abstiegskandidaten. Oder sei es ein Champions-League-Viertelfinale ganz ohne Beteiligung der Bundesliga.

Auch Axel Hellmann, Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt, sieht die Entwicklung kritisch – und würde die Liga gern aufstocken. “Wir müssen sehr schnell zu einer 16er-Liga kommen und bei der Professionalisierung mehr tun, wozu möglicherweise Minimum-Gehälter, aber auch ein Salary Cap gehören könnten”, sagte Hellmann in der “Frankfurter Rundschau”.

Ein Zeithorizont von acht bis zehn Jahren für eine Aufstockung der Bundesliga ist für die internationale Dynamik im Markt viel zu lang.

Axel Hellmann

“Vielleicht brechen wir so das System mal auf, dass mehr Spannung entsteht, damit wir eine größere Öffentlichkeit erreichen. Weil damit auch der SC Freiburg, Werder Bremen oder Eintracht Frankfurt die Chance hätten, Meister zu werden.” Seit 2014 haben Bayern München und der VfL Wolfsburg sämtliche nationalen Meister- und Pokaltitel gewonnen.

Doch Hellmann redet nicht über Zukunftsmusik, er wirbt für schnelles Handeln: “Ein Zeithorizont von acht bis zehn Jahren für eine Aufstockung der Frauen-Bundesliga ist für die internationale Dynamik im Markt viel zu lang. Die Gesamtentwicklung geht bei uns nicht schnell genug.”

Wenn der deutsche Fußball nicht rasch reagiere, werde man ein Ausbildungsmarkt für größere Ligen. “Die Engländer lagern die Frauen aus dem Verband aus, die US-Amerikaner haben das schon getan. Beide haben eine ganz andere mediale Tiefe und ziehen magnetisch die Werbepartner an”, sagte Hellmann.

Abkopplung der Liga vom Verband?

Der 52-Jährige berichtete, dass bei einigen Profiklubs eine Unzufriedenheit über die Einbindung der Vereine herrsche: “Das ist nämlich kein Thema für Kommissionen oder Hinterzimmerkonferenzen.” Auch eine Abkopplung der Liga vom Verband brachte Hellmann ins Spiel.

“Wenn die notwendigen Anpassungen in der Struktur des DFB erreicht werden können, habe ich damit überhaupt kein Problem. Wenn das aber nicht der Fall ist, müssen wir darüber nachdenken, den Frauenfußball eigenständig zu organisieren.” Ändere man nichts am bestehenden System, sei er sicher, so Hellmann, “dass wir in zehn Jahren bei Männern und Frauen exakt dasselbe Tabellenbild haben, weil die Leistungsfähigkeit im Frauenfußball dann komplett vom Männerfußball abhängt”.

Auch Einnahmen aus der Champions League könnten daran nichts ändern: “Der Aufwand, den wir betreiben, konsumiert die Ausschüttung der UEFA nahezu komplett. Man verdient im Frauenfußball mit der Champions League kein Geld”, sagte Hellmann.

“Leidenschaft und Stabilität”: Högners Wünsche für die Rückrunde

Gegen den VfL Wolfsburg hat es am Montagabend nicht gereicht. Die SGS Essen unterlag dem Herbstmeister mit 1:3. Die Mannschaft von Trainer Markus Högner ist dennoch die Überraschung der ersten elf Spieltage.

SGS-Trainer Markus Högner (li.) beglückwünscht Wolfsburgs Tommy Stroot zum Sieg.

SGS-Trainer Markus Högner (li.) beglückwünscht Wolfsburgs Tommy Stroot zum Sieg.

picture alliance / Kirchner-Media

Die zarte Hoffnung, für eine Überraschung sorgen zu können, währte nur einige Minuten. Nachdem die Österreicherin Lilli Purtscheller am Montagabend in der 51. Minute das 1:0 für die SGS Essen im letzten Hinrundenspiel gegen den VfL Wolfsburg erzielt hatte, witterten die 3842 Zuschauer im Stadion an der Hafenstraße eine Sensation. Vierzehn Jahre lang hatte die SGS, der einzig verbliebene eigenständige Verein in der 1. Bundesliga, gegen Wolfsburg nicht gewinnen können.

Und ganz kurz lag dann doch die Überraschung in der Luft, zumal die Wolfsburgerinnen in den ersten 45 Minuten nicht überzeugen und kaum Druck auf das Tor der Gastgeberinnen entfachen konnten. Aber nach der Essener Führung zeigte der VfL seine wahre Stärke: Innerhalb von 14 Minuten gelangen dem Vizemeister der Vorsaison drei Treffer – darunter der sehenswerte Schuss von Nationalspielerin Marina Hegering aus fast 30 Metern in den Winkel. “Wir haben die Gegentreffer zu früh bekommen”, meinte Essens Cheftrainer Markus Högner in der Nachbetrachtung der Partie.

SGS bieten “übermächtigem Gegner” Paroli

Dennoch war der 56-Jährige keinesfalls unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft am Montagabend auf dem katastrophal schlechten Platz an der Hafenstraße. “Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Wir waren stabil, haben dem übermächtigen Gegner Wolfsburg über 90 Minuten sehr gut Paroli geboten. Das wünsche ich mir auch gegen andere Gegner”, bilanzierte Högner, der von Mai 2018 bis Januar 2019 als Co-Trainer beim VfL Wolfsburg gearbeitet hat.

Die Bundesliga-Hinrunde hat die Sportgemeinschaft Essen-Schönebeck nach fünf Siegen, zwei Remis und vier Niederlagen als Tabellenfünfter abgeschlossen – punktgleich mit der TSG Hoffenheim. Eine Platzierung und eine Ausbeute, die dem Klub aus dem Ruhrgebiet nicht jeder Experte vor der Saison zugetraut hätte.

“Die Mannschaft ist auf einem guten Weg”

Högner: “Wenn wir so auftreten, so eine Leidenschaft und Stabilität in unserem Spiel haben wie gegen Wolfsburg, dann können wir in der Rückrunde unsere Leistungen bestätigen. Das ist schon unser Anspruch. Ich glaube auch, dass wir das schaffen werden. Es wird schwer genug. Aber die Mannschaft ist auf einem guten Weg.”

Das sieht auch Vivienne Endemann so, die am Montagabend das 1:1 für den VfL Wolfsburg erzielt hatte: “Essen schafft es jedes Jahr, eine gute Mannschaft auf den Platz zu stellen. In dieser Saison spielt die SGS überragend, sie machen das sehr gut.” Endemann muss es wissen: Sie wechselte im Sommer des vergangenen Jahres von Essen nach Wolfsburg. Auch Lena Oberdorf, Dominique Janssen und Marina Hegering haben früher bei der SGS gespielt.

Gunnar Meggers

Furios zur Herbstmeisterschaft: VfL überrollt SGS in 14 Minuten

Einen Sieg brauchten die Wölfinnen um gegen Essen die Herbstmeisterschaft klarzumachen. Nach kurzem Rückstand in Hälfte zwei machte der VfL in 14 furiosen Minuten kurzen Prozess.

Wuchtig in den Winkel: Marina Hegering erzielte das zwischenzeitliche 2:1 per Traumtor. 

Wuchtig in den Winkel: Marina Hegering erzielte das zwischenzeitliche 2:1 per Traumtor. 

IMAGO/Jan Huebner

Die Wölfinnen waren zum Siegen verdammt, wenn sie sich die Tabellenführung, die der FC Bayern nach dem Sieg gegen Hoffenheim erobert hatte, zurückholen wollten. Und ihrer Favoritenrolle wurden die Gäste von der ersten Minute an gerecht. Weil Essen solide stand, mangelte es zwar an Torchancen, der VfL kontrollierte aber dennoch das Spielgeschehen und ließ die Kugel laufen. 

VfL besser, aber glücklos

Erste Gelegenheiten von Huth (8.) und Popp (11.) verpufften, ansonsten brachte Wolfsburg spielerisch nicht sonderlich viel zustande – was wohl auch am holprigen und mehr braunen als grünen Rasen lag. 

Lattwein (21.) sowie kurz vor der Pause die aufgerückte Wilms (41.) scheiterten aus kürzester Distanz jeweils an der bestens aufgelegten Winkler, Popp wollte es Sekunden vor dem Pausenpfiff 14 Meter vor dem Tor zu genau machen (45.+2). Essener Offensivaktionen blieben in Hälfte eins zwar Mangelware, das störte die SGS aber wohl kaum, denn hinten stand für Essen mit etwas Glück und viel Arbeit die Null. Torlos ging es entsprechend in die Kabinen. 

Wolfsburger Power Play nach dem Gegentreffer

Die Wolfinnen kontrollierten auch nach Wiederanpfiff das Spielgeschehen und trafen durch Pajor das Außennetz (50.), kurz darauf schockte dann aber die SGS die Favoritinnen aus dem Nichts: Ostermeier nutzte einen Fehler im VfL-Aufbau und setzte Purtscheller in Szene, im Eins-gegen-eins bezwang die Außenspielerin Frohms und besorgte die überraschende Führung (51.). 

Ein Schock für die Gäste? Im Gegenteil. Die Wölfinnen hatten einen Gegentreffer gebraucht, um alle Kräfte freizusetzen – diese bekam die SGS nun zu spüren: Ein schön herausgespielter Treffer von Endemann (56.), ein Traumtor aus 25 Metern von Hegerin (61.), und ein dynamischer Solo-Lauf von Pajor inklusive präzisem Abschluss bescherte dem VfL binnen 14 Minuten plötzlich eine komfortable Führung (69.) – Essen wurde völlig überrumpelt. 

Theoretisch war das 1:3 aus Essener Sicht in den letzten 20 Minuten noch aufzuhohlen, in der Praxis hatte die SGS aber nichts mehr entgegenzusetzen. Die Wölfinnen ließen sich den Sieg nicht mehr nehmen und brachten die Führung über die Zeit – was zugleich die Herbstmeisterschaft für Wolfsburg bedeutete.

Von A bis Z: Acht Talente, die es bald in die A-Nationalelf schaffen könnten

Der Übergang von der U-20-Nationalmannschaft ins Team von Horst Hrubesch gestaltet sich schwierig. Doch wer könnte überhaupt die A-Elf des DFB mittelfristig verstärken? Der kicker stellt acht Namen vor.

Nicht eine einzige Spielerin aus der bis heute letzten deutschen U-20-Startelf aus dem August 2022 (0:1 gegen Mexiko) hat seitdem eine Einladung zur A-Elf erhalten. Weder von Martina Voss-Tecklenburg noch von Horst Hrubesch. Mit Elisa Senß gelang es in der Zwischenzeit nur einer Spielerin, neu eingeladen zu werden. Und die war 26 Jahre alt.

Kein Zufall, denn der Sprung aus der U 20, der höchsten Nachwuchs-Auswahl des DFB, zu Popp, Oberdorf und Co. ist gewaltig. Auch nach der missratenen WM in Australien und Neuseeland blieb ein Umbruch aus – offensichtlich auch mangels ausreichend reifen, nachrückenden Talenten. Wer sich mittelfristig aber doch Chancen ausrechnen könnte – und wieso …

Mara Alber

Gerade war sie zum festen Kadermitglied der TSG Hoffenheim geworden, da startete die Außenstürmerin durch. Vier Ligatore stehen in Bilanz von Mara Alber, wobei sie furios begann, an den ersten drei Spieltagen jeweils einmal traf und erst im Laufe der Hinserie etwas nachließ. “Sie hat immer wieder den Mut, ins Eins-gegen-eins zu gehen – und die Fähigkeit, es aufzulösen”, sagt Trainer Stephan Lerch.

Dabei ist die 18 Jahre alte Alber (1,78 Meter) nicht klein und wuselig – eher besticht sie mit Handlungsschnelligkeit, kann sich zudem körperlich behaupten. “Spannende Voraussetzungen”, betont ihr Coach, der weiter an Albers Beidfüßigkeit, Dynamik, Physis und Defensivverhalten arbeiten will. Die Krux: Große Klasse lockt große Klubs an. Im Winter flatterte ein Angebot des FC Chelsea herein. Aus Sinsheim hieß es: Alber, die als zu – rückhaltend und bodenständig beschrieben wird, besitze einen laufenden Vertrag. Der läuft bis Sommer 2025.

Saubere Ballbehandlung: Gia Corley weiß mit dem Spielgerät umzugehen.

Saubere Ballbehandlung: Gia Corley weiß mit dem Spielgerät umzugehen.
IMAGO/Eibner

Gia Corley

Die 21 Jahre alte Technikerin, die 2020 für den FC Bayern in der Bundesliga debütierte, ist in den vergangenen drei Jahren gereift und längst eine Stütze im Hoffenheimer Spiel. Auch TSG-Trainer Stephan Lerch erkennt offensiv wie defensiv eine Entwicklung, sagt aber: “Ich bin davon überzeugt, dass sie noch mehr kann, und das versuchen wir herauszukitzeln.” Gia Corley müsse beispielsweise “griffiger in den Zweikämpfen” werden, fordert er und sieht sie zwischen gegnerischer Abwehr- und Mittelfeldkette am stärksten: “Nicht ganz vorne, eher schwimmend: Also auf der Achter,- oder Zehnerposition.”

Auf den Außen im Mittelfeld könnte die in Tacoma (Washington) geborene Tochter eines US-Amerikaners und einer Deutschen ihre Qualitäten und ihre Wendigkeit womöglich sogar noch besser einsetzen, doch diese Positionen gibt es im derzeit praktizierten 4-3-3-System der TSG nicht.

“Wenn sie ein Gespür hat für den Raum und die Tiefe, dann kann sie ihre Mitspielerinnen unheimlich gut in Szene setzen und selbst immer wieder in die Tiefe gehen”, lobt Lerch. Nur könnte der Ertrag noch etwas üppiger ausfallen: Zwei Tore und ein Assist sprangen in zehn Spielen dieser Saison für die ehemalige U-20-Nationalspielerin heraus.

Lisanne Gräwe

Sind alle fit und frisch, war für sie in der Startelf von Eintracht Frankfurt kein Platz. Bisher jedenfalls. Denn Lisanne Gräwe hat sich in kürzester Zeit zur Rotations- und Einwechselspielerin Nummer eins aufgeschwungen. Und weil die Hessinnen auf drei Hochzeiten tanzen, wird Gräwe oft gebraucht. Im 4-3-1-2-System kann die 20-Jährige alle vier Mittelfeldpositionen bekleiden. Zumeist löste sie die abräumende Kapitänin Tanja Pawollek ab, die aber nun mit einem Kreuzbandriss lange ausfallen wird. 

Unter hohem Gegnerdruck unterlaufen ihr manchmal noch einfache Fehler wie beispielsweise in der Champions-League-Qualifikation gegen Juventus. Doch ihre Ballbehandlung, ihre Dynamik und ihr Kurzpassspiel kann sich auf höchstem Niveau schon sehen lassen. Eine “tolle Strategin” sieht ihr Trainer Niko Arnautis in ihr, “ein Versprechen für die Zukunft” nannte Ex-Nationalspielerin Turid Knaak sie bei DAZN.

Nun muss Gräwe den nächsten Schritt gehen. In Leverkusen war sie in der Vorsaison phasenweise schon Stammspielerin, in Frankfurt dürfte sie sich nach einem halben Jahr Anlauf genau dieses Ziel für die Rückrunde gesteckt haben – spätestens seit Pawolleks Verletzung.

“Tolle Strategin”: Lisanne Gräwe winkt eine große Zukunft in der Bundesliga.
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Franziska Kett

Die Schülerin aus Deggendorf gewann im vergangenen September die Fritz-Walter-Medaille in Gold, doch mit ihren Einsatzminuten beim deutschen Meister korrespondiert das noch nicht so recht. Zuletzt erhielt sie gegen Aufsteiger Nürnberg und gegen Ajax Amsterdam im wichtigen Champions-League-Spiel mal wieder zwei Chancen von Beginn an.

Franziska Kett nennt Schnelligkeit und Beidfüßigkeit als ihre größte Stärken. Die 19-jährige Stürmerin bringt gute Laufwege mit, möchte kombinieren, sucht das Eins-gegen-eins. Mit ihrer Schnelligkeiten ist sie für die Außenpositionen geeignet, macht das Spiel auch mal breit und wurde in der Vorsaison sogar einmal als Linksverteidigerin aufgeboten, was dafür spricht, dass sie ihre Defensivaufgaben nicht vernachlässigt.

Woran sie aber noch arbeiten muss, um erst beim FC Bayern und dann in der Nationalelf eine tragende Rolle einzunehmen, weiß sie: das Spieltempo auf höchstem Niveau anzunehmen und in Spielsituationen an Handlungsschnelligkeit zu gewinnen. Zeit dafür bleibt ihr noch genügend.

Natasha Kowalski

Als Top-Talent galt Natasha Kowalski schon vor Jahren, doch in die erste Mannschaft des VfL Wolfsburg schaffte sie es nie. Stattdessen saß die Offensivspielerin am Ende in der Zweitvertretung fest und wechselte 2022 zur SGS Essen. Kam sie 2022/23 häufig von der Bank, blüht Kowalski in dieser Bundesliga-Saison auf (drei Tore, fünf Assists). SGS-Trainer Markus Högner, der die Standardspezialistin bereits ins VfL-Internat geholt hatte, erklärt: “Sie hat einen großartigen Schuss, ein tolles Passspiel und eine hervorragende Technik.”

Offensiv liefert Kowalski das Unerwartete, defensiv kann sie sich diszipliniert einfügen. Bestes Beispiel: In Leverkusen (0:0) nahm die bis 2026 gebundene Kreativkraft Bayers Taktgeberin Elisa Senß effektiv an die Kette. Künftig kann sie missglückte Aktionen laut Högner noch schneller abschütteln. Zudem sagt er: “Sie ist ein sehr ehrlicher Mensch, total gerade, aber man benötigt ein Händchen und Fingerspitzengefühl für sie.”

Ena Mahmutovic

Da dem MSV Duisburg im Mai 2020 coronabedingt die Spielerinnen ausgegangen waren, feierte sie ihr Debüt im Feld. Ein kurioser Start für Ena Mahmutovic, die als größtes deutsches Torhüterinnen-Talent gilt. 36 Bundesliga-Partien stehen in ihrer Vita, wobei sie vor allem mit ihren hervorragenden Reflexen und ihrem starken Eins-gegen-eins überzeugt.

Beim DFB reiht sie sich aktuell als Torhüterin Nummer 4 ein, gehörte 2023 zum vorläufigen WM-Kader. Dass der MSV in der Vorsaison 47 und nun schon 32 Gegentore kassierte, ist nicht Mahmutovic anzulasten. Zwar wackelt sie zuweilen bei Flanken, kann außerdem sauberer aufbauen und kommt auf keine so hohe Paradenquote wie 2022/23 (52 statt 67 Prozent) – doch sie hält weiterhin, was zu halten ist.

Gut vorstellbar, dass die gebürtige Duisburgerin im Sommer wechselt. Ihr Vertrag läuft aus. Das Rüstzeug, um zu einer kompletten Keeperin zu werden, hat sie zweifelsfrei.

DFB-Pokal Frau Achtelfinale; 1. FSV Mainz 05 - MSV Duisburg; 26.11.2023 Ena Mahmutovic (MSV Duisburg 1) ist nicht zufrieden mit Ihrer Abwehrreihe; DFB-Pokal Frau Achtelfinale; 1. FSV Mainz 05 - MSV Duisburg; Bruchwegstadion auf dem Wolfgang Frank Campus, Mainz, 26.11.2023 *** DFB Pokal Frau Achtelfinale 1 FSV Mainz 05 MSV Duisburg 26 11 2023 Ena Mahmutovic MSV Duisburg 1 is not satisfied with her defensive line DFB Pokal Frau Achtelfinale 1 FSV Mainz 05 MSV Duisburg Bruchwegstadion on the Wolfgang Frank Campus, Mainz, 26 11 2023 Copyright: xBEAUTIFULxSPORTS Hahnex

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Carlotta Wamser

Ohne einen einzigen Startelf-Einsatz für Eintracht Frankfurt in der Saison 2022/23 schaffte es die heute 20-Jährige im Sommer, von Martina Voss-Tecklenburg zum WM-Vorbereitungslehrgang eingeladen zu werden. Doch mit den Einsatzzeiten wurde es in der neuen Saison nicht besser. Stattdessen verbrachte die physisch starke, wenn auch nicht große Offensivspielerin oftmals die Spiele der Hessinnen bis zu den Schlussminuten auf der Bank.

Weil SGE-Trainer Niko Arnautis kein Freund von Rotation ist und die anderen Angreiferinnen konstant überzeugten, zog Carlotta Wamser die Konsequenz: Für die Rückrunde ließ sie sich zum 1. FC Köln ausleihen. Eine “dynamische Spielweise, einen guten Zug zum Tor, einen starken Torabschluss und Stärken im Eins-gegen-eins” bescheinigte die Kölner Bereichsleiterin Nicole Bender-Rummler ihrer Neuerwerbung.

Im gewohnten 4-2-3-1-System des FC könnte Wamser auf den Außen oder im Sturmzentrum zum Einsatz kommen. Letzteren Platz beanspruchte Marleen Schimmer zuletzt für sich, ohne als Torjägerin zu glänzen. Gute Aussichten für Wamser also, sich wieder mehr ins Rampenlicht zu spielen und ihren Ruf als Top-Talent zu bestätigen. 2020 gewann sie die Fritz-Walter-Medaille in Bronze, 2022 wurde es in der höheren Altersklasse sogar die silberne. Ihre Leihe nach Köln ist für Wamser auch eine Rückkehr in die Heimat: Bis zum Sommer 2022 hatte die gebürtige Herforderin ihr gesamtes Leben in Nordrhein-Westfalen verbracht.

Cora Zicai

Freiburgs Angreiferin war 16 Jahre und 105 Tage alt, als sie am 14. März 2021 ihr erstes Bundesligator erzielte. Schon lange weilt sie (47 BL-Einsätze) in der Elite-Klasse – der Durchbruch indes steht noch aus. “Das Einteilen der Kräfte” sei ihr zunächst schwergefallen, erklärt SC-Trainerin Theresa Merk, warum Cora Zicai in den Vorjahren die Jokerinnen-Rolle innehatte. Nun mache sie es besser. Und in der Tat: 2023/24 zählt die talentierte Zicai zwar weiter nicht zum Stamm, kommt aber öfter von Beginn an – mal über links, mal durchs Sturmzentrum. “Sie ist eine super Dribblerin”, sagt Merk, “hat überraschende Elemente in ihrem Spiel, kann den Ball gut festmachen und ist torgefährlich”. Weiterhin indes muss sie an ihrer Torausbeute arbeiten – genauso wie “an ihrem Kopfballspiel in der Box und am Auge für ihre Mitspielerinnen”, sagt Merk. In dieser Saison steuerte Zicai bislang zwei Treffer bei.

Paul Bartmuß, Leon Elspaß