Polens Viertelfinal-Traum geplatzt – Rot nach Schlag gegen Guardiola

Ein Torwartwechsel hat dem spanischen Team den entscheidenden Impuls zum 27:23 über Polen gegeben. Die Träume der Co-Gastgeber vom Viertelfinale sind damit ausgeträumt.

Kaum Durchkommen war für die Polen beim Duell mit Spanien.

Kaum Durchkommen war für die Polen beim Duell mit Spanien.

IMAGO/Newspix

Polen begann das erste Endspiel um das Viertelfinale der Handball-WM 2023 mit Mateusz Kornecki zwischen den Pfosten, das mit 4:0 statt wie der Gegner mit 0:4 Punkten in die Hauptrunde eingezogene Spanien setzte auf Rodrigo Corrales. Mit den Spielmachern Augustin Casado bzw. Michal Olejniczak entspann sich ein torreicher Beginn, wobei die Selección vorne lagen, ehe Olejniczak, nach einem Fehlwurf von Alex Dujshebaev, zum 4:4 (7.) ausglich. Piotr Jedraszczyk und Maciej Gebala organisierten eine solide Abwehr. Der Co-Gastgeber der WM spielte beherzt auf und schien seine Leistung heute abrufen zu können.

Weitere Hauptrunden-Spiele

Die Spanier verlegten sich, wie so oft, auf ewig lange Angriffe, um Lücken zu finden und lag in der ersten Viertelstunde vorne. Nach dem 8:8-Ausgleich (14.) vergab Polen dann zwei Großchancen auf den Führungswechsel. Ein Stürmerfoul und ein Ballverlust der Polen, sowie der erste von Perez der Vargas parierte Siebenmeter ermöglichten den Iberern zunächst keine solide Führung. Beide Teams waren auf Augenhöhe, ehe Fernandez, Cañellas und Guardiola das 14:11 (25.) besorgten.

Czuwara sorgt für Jubel zur Pause

Die erste Auszeit der Partie war fällig. Die polnischen Angreifer waren in die Fehler-Strukturen der vergangenen Tage verfallen, weswegen Patryk Rombel Spielzug-Ansagen machte. Die Worte des Trainers wirkten offensichtlich, denn bis zur Pause agierte der WM-Gastgeber merklich besonnen, sodass die Spanier 29 Sekunden vor der Sirene, beim Stand von 16:14 zu ihren Gunsten, buzzerten. Sie trafen nicht mehr. Linksaußen Jan Czuwara netzte zum umjubelten 16:15-Halbzeitstand.

Die polnische Druzyna war weiterhin voll im Spiel. Nach einer rumpeligen Phase mit Fehlern auf beiden Seiten sorgte Symon Sicko mit seinem sechsten Treffer für den 16:16-Ausgleich (34.). Die beiden Torhüter, Kornecki und der eingewechselte Perez de Vargas prägten das Geschehen, sodass teils über mehrere Minuten kein Treffer fiel. Der Torhüter des FC Barcelona glänzte dabei mit fünf schnellen Reflexen und stützte seine Mannschaft. Vorne besorgte Odriozola die 20:17-Führung (44.).

Schlag gegen Guardiola: Walczak fliegt

Die Selección hatte mit Perez de Vargas zu einer im bisherigen Spielverlauf unbekannten Solidität gefunden. Der Angriffe der Polen wirkten einige Zeit einfallslos, die Spieler besannen sich aber in der Schlussphase wieder ihres Könnens und sie rückten als Mannschaft zusammen. Bei einer Aktion, als Spanien im Angriff war, zeigte Gedeon Guardiola einen Schlag gegen den Kopf an und musste sich behandeln lassen. Patryk Walczak wurde nach Videobeweis disqualifiziert.

Pol Valera übernahm kurzzeitig Guardiolas Platz im Abwehrzentrum der Spanier. Polen musste zuvor das 24:20 von Rechtsaußen Ferran Solé hinnehmen, zeigte sich mit Treffern von Sicko und Moryto zum 24:22 (55.) aber weiter angriffslustig. Guardiola war derweil aufs Feld zurückgekehrt. Er und seine Mitspieler gaben den Sieg nicht mehr aus der Hand. Solé räumte nochmals über den rechten Flügel zum 26:22 (57.) ab. Nun spielte auch die Zeit für die Iberer, die als 27:23-Sieger hervorgingen.

Hauptrunde, Gruppe 1, 1. Spieltag
Spanien – Polen 27:23 (16:15)

Spanien: Corrales, Perez De Vargas – A. Dujshebaev 4, A. Fernández 4, Figueras 4, Canellas Reixach 3, Odriozola 3/2, D. Dujshebaev 2, G. Guardiola Villaplana 2, Sole Sala 2, Valera Rovira 2, Casado 1, Garciandia Alustiza, Maqueda Peno, Pecina, Sanchez Migallon Naranjo
Polen: Kornecki, Morawski – Sicko 7, Moryto 5/4, Jedraszczyk 4, Czuwara 3, Bis 2, Olejniczak 2, Daszek, Dzialakiewicz, M. Gebala, T. Gebala, Komarzewski, Krajewski, Pietrasik, Walczak
Schiedsrichter: Mads Hansen (Dänemark)/Jesper Madsen (Dänemark)
Zuschauer: 7030
Strafminuten: 6 / 6
Disqualifikation: – / Walczak (50./Unsportlichkeit)

Verkrampft, aber glücklich: Polen verhindert Vorrunden-Aus

Nach zwei Niederlagen gegen Frankreich und Slowenien mühte sich Gastgeber Polen zu einem 27:24 (13:12) gegen Außenseiter Saudi-Arabien und schaffte es damit auf den letzten Drücker in die Hauptrunde.

Er führte die Polen mit neun Toren an: Arkadiusz Moryto.

Er führte die Polen mit neun Toren an: Arkadiusz Moryto.

IMAGO/Newspix

Polens Trainer Patryk Rombel war die Erleichterung bei der obligatorischen Pressekonferenz nach der Partie anzusehen. “Wir wussten, dass es hart werden wird”, gab er zur Protokoll. “Ich bin aber sehr stolz, dass wir dieses Ergebnis gerettet haben und gewinnen konnten.”

Vor der (verhaltenen) Freude über den Hauptrundeneinzug standen jedoch 60 intensive Minuten, in denen die Polen den eigenen Ansprüchen nur selten gerecht wurden. Die Nervosität und der Druck waren gerade im ersten Durchgang sichtbar, das Team von Rombel tat sich extrem schwer. Es konnte weder seine körperlichen noch seine handballerischen Vorteile ausnutzen.

Es entwickelte sich eine extrem zähe Partie, in der Tore Mangelware waren. Nach einer Viertelstunde traf Abdullah Al Abbas zum 6:5 für den Außenseiter; es war sein dritter Treffer per Siebenmeter. Selbst eine Doppel-Parade von Adam Morawski konnte die Polen nicht aufwecken – und Saudi-Arabien erhöhte seine Führung (9:7, 19.).

Der Außenseiter kam immer wieder über den Kreis zum Erfolg. “Wir hatten Probleme in der Defensive, gerade im Mittelblock”, konstatierte Rombel nach der Partie.

Abwehr war nicht das einzige Problem

Die Abwehr war jedoch nicht das einzige Problem: Die polnische Mannschaft – die vor dem Anpfiff noch einen Gänsehautmoment erlebte, als 10.000 polnische Fans im Spodek in Kattowitz die Nationalhymne a capella intonierten – trat extrem verkrampft auf, der Ball kam nicht ins Laufen. 

Symbolisch für diese Phase war der Siebenmeter-Fehlwurf von dem ansonsten sicheren Schützen Arkadiusz Moryto (20.). Auch die Bank zeigte kaum eine Reaktion, die Stimmung im weiten Rund war ebenfalls verhalten. Noch sprang kein Funke über.

Dass die Polen eine 13:12-Halbzeitführung mit in die Kabine nehmen konnten, hatten sie ihrem Keeper zu verdanken: Morawski parierte spektakulär und versuchte, seine Mannschaft mitzureißen – einer der wenigen Spiele in diesen Minuten, die überhaupt Emotionen zeigten. “Wir waren gerade in der Abwehr zu passiv in der ersten Halbzeit”, stellte auch Bartlomiej Bis nach dem Spiel fest.

Polen steigert sich nach dem Seitenwechsel

Nach Wiederanpfiff schien die polnische Mannschaft langsam im Spiel Fuß zu fassen. Die Abwehr bekam mehr Zugriff auf die spielerisch limitierten Saudi-Araber, die sich zwar bemühten, aber aufgrund ihrer körperlichen Nachteile nicht aus dem Rückraum zum Wurf kamen. Sie waren auf ihren Kreis und ihre Schnelligkeit angewiesen, was die Polen in dieser Phase besser zu verteidigen wussten. Michal Daszek konnte die Führung so auf 20:16 (41.) ausbauen und Jan Pytlick zog die Auszeit.

Mit Erfolg: Seine Mannschaft kämpfte sich zurück und konnte auf 22:20 (50.) herankommen. Nun begann erneut das Nervenflattern: Ein Ball landete an der Latte, was die Saudis prompt zum Anschlusstreffer nutzten (22:21, 51.).

Einen Ballverlust später hatte der Außenseiter sogar die Chance zum Ausgleich, doch ein Steal von Przemyslaw Krajewski sorgte für Jubel bei den polnischen Anhängern: 24:22 (53.). Wenige Minuten später machte er nach weiteren Paraden von Morawski mit dem Treffer zum 26:23 (59.) den Sack zu und verhinderte somit eine Zitterpartie bis zum Schluss.

Ich bin ein bisschen enttäuscht, aber insgesamt bin ich zufrieden.

Saudi-Arabiens Trainer Jan Pytlick

“Ich bin natürlich ein bisschen enttäuscht, aber insgesamt bin ich zufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft”, erklärte Pytlick auf der Pressekonferenz. “Wir brauchen mehr Erfahrung, um gegen solche guten Teams aus Europa bestehen zu können.” Polen-Kreisläufer Bis konstatierte: “Wir haben bis zum Ende um jeden Ball gekämpft und unsere Abwehr stand in der zweiten Halbzeit sehr viel besser.”

Mit dem Sieg verhinderte Polen haarscharf die Blamage eines Vorrunden-Aus – es wäre das erste Mal seit 1970 in Frankreich gewesen, dass der Gastgeber so früh ausgeschieden wäre. Mit null Punkten sind die Chancen auf das Viertelfinale allerdings minimal. Rombel gab sich dennoch kämpferisch: “Wir wollen drei Spiele gewinnen und so um das Viertelfinale kämpfen.”

Polen – Saudi-Arabien 27:24 (13:12)

Polen: Morawski, Skrzyniarz – Moryto 9/6, Sicko 8, M. Gebala 2, Krajewski 2/1, Olejniczak 2, Czuwara 1, Daszek 1, Jedraszczyk 1, Komarzewski 1, Bis, Chrapkowski, Dzialakiewicz, Pietrasik, Walczak
Saudi-Arabien: Moh. Al-Salem, Mohammed – A. Al-Abbas 5/4, Al-Abdulali 3/1, Al-Janabi 3, Ma. Al-Salem 3, M. Al-Abbas 2, Al-Maa 2, Al-Mohsin 2, Moj. Al-Salem 2, Al-Hulaili 1, Al-Tarouti 1, Al-Hammad, Al-Muwallad, Al-Turaiki, Quraish
Schiedsrichter: Duarte Santos (Portugal)/Ricardo Fonseca (Portugal)
Zuschauer: 9999
Strafminuten: 14 / 2
Disqualifikation: – / –

Polen enttäuscht – und steht vor dem Aus

Nach der Auftaktniederlage gegen Frankreich stand Polen gegen Slowenien enorm unter Druck – und hielt diesem nicht Stand. Die “Rot-Weißen” schienen von der großen Kulisse und den riesigen Erwartungen der Fans zu sehr belastet und verloren 23:32. Nun droht das Aus.

Gestoppt: Borut Mackovsek (li.) und Nejc Cehte nehmen Michal Olejniczak in die Mangel.

Gestoppt: Borut Mackovsek (li.) und Nejc Cehte nehmen Michal Olejniczak in die Mangel.

IMAGO/Newspix

“Wir haben hier eine der drei schwersten Gruppen, aber wir werden unser Bestes geben und versuchen, ein gutes Ergebnis zu erzielen”, hatte Polens Trainer Patryk Rombel nach der WM-Auslosung im vergangenen Sommer erklärt. V

iel Spielpraxis in der Vorbereitung soll den Co-Gastgeber “mindestens zwei Siege in der Vorrunde” ermöglichen. Davon war Polen jedoch nach den ersten 30 Minuten meilenweit entfernt und quittiert letztlich eine herbe Niederlage. Nur ein Sieg über Saudi-Arabien ermöglicht noch den Aufstieg in die WM-Hauptrunde.

Frenetische Fans

Dabei standen die Fans zunächst wie eine Wand hinter der polnischen Mannschaft, die frenetisch angefeuert wurde, während sich die Slowenen im eigenen Angriff mit einem dauerhaften Lärm-Inferno aus allerlei Hupen und Tröten konfrontiert sahen. Die Mannschaft von Ex-Spieler-Superstar Uros Zorman ließ sich davon nichts anmerken. Mackovsek und Bombac brachten die Slowenen mit 4:6 (12.) in Vorlage.

In der ersten Überzahl, Göppingens Blaz Blagotinsek war hinausgestellt worden, schafften die Weiß-Roten den 6:6-Ausgleich, bekamen aber das Heft nicht in die Hand. Slowenien blieb am Drücker und prägte nach dem 10:11 (19.) den weiteren Verlauf der ersten Spielhälfte, an deren Ende sie mit 11:17 vorne lagen. Eklatante Fehler der Polen in Abwehr und Angriff hatten den Co-Gastgeber in eine ganz schwierige Situation gebracht.

Slowenien haushoch überlegen

Polens Trainer Patryk Rombel schien keine funktionierende Aufstellung zu finden. Vor allem im Offensivspiel blieb Slowenien haushoch überlegen, etwa in den Kategorien Tempo, Teamplay und Timing. Sloweniens Kapitän und bester Werfer Jure Dolenec stellte mit seinem sechsten Treffer auf 14:23 (41.). Während sich Polen um strukturierte Aktionen bemühte, unterstützten die Fans trotz allen absehbaren Misserfolgs munter weiter.

Slowenien ging als klarer Sieger aus dem Weichenstellungs-Spiel hervor und kann für die Hauptrunde buchen, weil die Zorman-Sieben fast über die komplette Spielzeit wenige Fehler machte und eine sehr gute Abwehr stellten, an der die Weiß-Roten schon in der ersten und in der zweiten Spielhälfte sichtlich verzweifelten. Kein polnischer Spieler überzeugte.

Trotz der klaren Schlappe kann der Co-Gastgeber der Weltmeisterschaft die Hauptrunde noch erreichen, allerdings ohne Zähler. Dafür ist aber ein Sieg im letzten Vorrundenspiel gegen Saudi-Arabien am Montag (20.30 Uhr) Pflicht.

Polen – Slowenien 23:32 (11:17)

Polen: Morawski, Skrzyniarz – Moryto 6/4, Olejniczak 3, Daszek 2, Dzialakiewicz 2, Pietrasik 2, Sicko 2, Walczak 2, Czuwara 1, M. Gebala 1, T. Gebala 1, Krajewski 1, Bis, Chrapkowski, Jedraszczyk
Slowenien: Baznik, Lesjak – Dolenec 7/5, Vlah 6, Janc 5, Blagotinsek 3, Kodrin 3, Bombac 2, Mackovsek 2, Ovnicek 2, Novak 1, Zabic 1, Cehte, Horzen, Makuc, Mazej
Schiedsrichter: Vaclav Horacek (Tschechien)/Jiri Novotny (Tschechien)
Zuschauer: 9999
Strafminuten: 10 / 12
Disqualifikation: – / –