Michniewicz versichert: Kein Zoff mit Lewandowski

Die Gemengelage rund ums polnische Nationalteam scheint nach dem verlorenen Achtelfinale gegen Frankreich brisant. Besonders Aussagen des Anführers und Top-Torjägers geben reichlich Spielraum für Spekulationen.

Lässt seine Zukunft in der Nationalmannschaft offen: Robert Lewandowski.

Lässt seine Zukunft in der Nationalmannschaft offen: Robert Lewandowski.

IMAGO/eu-images

Aus Katar berichtet Thiemo Müller

Sowohl Trainer Czeslaw Michniewicz, dessen Vertrag ausläuft, als auch Superstar Robert Lewandowski ließen nach dem Achtelfinal-Aus ihre Zukunft beim bzw. im polnischen Nationalteam offen. Was prompt Spekulationen schürt, das eine könnte mit dem anderen zusammenhängen. Konkret: Will Lewandowski nur weitermachen, wenn ein anderer Coach übernimmt?

Belastbare Anhaltspunkte für solche Mutmaßungen gibt es durchaus. Dass der Toptorjäger mit der von Michniewicz bevorzugten defensiven Grundausrichtung nicht gerade glücklich ist, hat er oft genug deutlich gemacht. Am Sonntagabend sagte Lewandowski: “Ich brauche Freude am Spiel, und wir brauchen diese Freude auch in naher Zukunft.” Zugleich, so der 34-Jährige, gebe es unabhängig von seinem Alter “viele Dinge drumherum, die dazu führen könnten, dass dies meine letzte WM war”.

In einem Atemzug mit Messi und Cristiano Ronaldo

Ob Michniewicz vom Verband überhaupt ein Angebot zur Verlängerung bekommt, scheint in der Schwebe, trotz des ersten polnischen WM-Achtelfinals seit 36 Jahren. Als Zünglein an der Waage könnte wie schon des Öfteren bei der Besetzung des Trainerpostens Lewandowskis Meinung den Ausschlag geben. Verbal tat der Coach in den vergangenen Tagen bereits alles, um seinen Kapitän bei Laune zu halten.

“Wir haben Robert nicht geholfen, ein Tor zu schießen”, betonte Michniewicz nach dem 0:2 gegen Argentinien und stellte in den Raum: “Würde Messi bei uns spielen und Lewandowski bei Argentinien, dann hätte Robert fünf Tore gemacht.” Auch nach dem 1:3 gegen Frankreich nannte der 52-Jährige seinen Star wieder in einem Atemzug mit Messi und Cristiano Ronaldo als einen der drei überragenden Akteure des Jahrzehnts.

Es geht darum, das Spiel zu genießen. Aber wenn wir defensiv spielen, ist keine Freude da.

Robert Lewandowski

Lobeshymnen, die unzweifelhafte Wertschätzung ausdrücken, sich aber eben auch als Methode zur Besänftigung deuten ließen. Schließlich werden Lewandowskis jüngste Aussagen einmal mehr als Kritik am Trainer interpretiert: “Es geht darum, dass man das Spiel genießen muss. Aber wenn wir defensiv spielen, ist keine Freude da.”

Seine Philosophie würde der bekennende Defensivpapst Michniewicz wohl aber auch künftig nicht maßgeblich verändern, wie er ehrlich einräumt: “Würden wir gegen Andorra und San Marino spielen, dann würde Robert immer fünf Tore schießen, und wir hätten diese Diskussion nicht”, führte Michniewicz aus. “Aber wir haben andere Gegner und einen anderen Stil als Frankreich oder Portugal. Deshalb ist Roberts Situation schwierig. Doch das heißt nicht, dass er im Nationalteam keine Tore schießen kann. Das hat er bewiesen, er ist auf dem Feld nicht isoliert.”

Wir haben ein super Verhältnis. Ich weiß, dass Robert mich nicht kritisieren will.

Czeslaw Michniewicz

Im selben Atemzug wies Michniewicz die Deutung vehement zurück, mit Lewandowski überkreuz zu liegen: “Wir haben ein super Verhältnis. Ich weiß, dass Robert mit seinen Aussagen mich nicht kritisieren will.” Unbenommen bleibt davon allerdings auch diese mögliche Variante: Lewandowski bringt wirklich Verständnis für Michniewicz’ taktische Grundausrichtung auf – und tritt trotzdem zurück. 

Wohin sich die Gemengelage in naher Zukunft noch entwickeln wird, war vor der Abreise aus Katar für Außenstehende jedenfalls nicht absehbar. Und einiges spricht dafür, dass sogar Michniewicz und Lewandowski selbst noch darüber rätseln.

Lewandowski übertrifft Pele und äußert sich kryptisch: “Es ist schwer, das jetzt zu sagen”

Polen hat sich erhobenen Hauptes aus der WM in Katar verabschiedet. Nach dem Aus gegen Frankreich drängt sich nun die Frage nach der Zukunft von Robert Lewandowski auf – der deutete seinen Abschied an.

War das Achtelfinale gegen Frankreich sein letzter Auftritt für Polen? Robert Lewandowski.

War das Achtelfinale gegen Frankreich sein letzter Auftritt für Polen? Robert Lewandowski.

IMAGO/Xinhua

Erstmals seit 36 Jahren (0:4 gegen Brasilien) – damals noch mit dem legendären Zbigniew Boniek als Führungsfigur – hatten die Polen das Achtelfinale einer WM erreicht. Dass dies glücklich und nur aufgrund der besseren Tordifferenz gegenüber Mexiko geschah, geschenkt. Weniger aus polnischer Sicht, dass Robert Lewandowski, aktuell Hoffnungsträger und Führungsfigur seines Landes, abgeliefert hat.

Zwei Tore glückten dem Ausnahmestürmer in Katar, der bei seiner ersten WM in Russland vor vier Jahren torlos geblieben war. Gegen Saudi-Arabien legte der 34-Jährige einen Treffer auf und sorgte kurz vor Schluss für den 2:0-Endstand – es war nicht nur das 2600. Tor der WM-Geschichte, sondern auch das erste des ehemaligen Bundesliga-Profis bei einer WM überhaupt.

Und beim 1:3-Achtelfinal-Aus gegen Frankreich erzielte er per Elfmeter sein zweites Tor; es war sein 78. Treffer in seinem 138. Länderspiel, womit er niemand geringeres als Brasiliens Fußball-Ikone Pele (77/92) übertrumpfte. Lewy rückte damit in die Top 10 der Rekordtorschützen in Länderspielen weltweit ein, teilt sich mit dem Iraker Hussein Saeed (78/137) Platz 9.

Lewandowski überflügelt Pele

Ganz vorne stehen Cristiano Ronaldo (118/194), der Iraner und Ex-Bundesliga-Spieler Ali Daei (109/148) sowie Lionel Messi (94/169). Bester Deutscher ist übrigens Miroslav Klose auf Rang 15 (71/137). So viel zur Historie, doch den Polen brennt gerade die Frage nach Lewandowskis Zukunft unter den Fingernägeln. Der antwortete darauf kryptisch.

“Es ist schwer, das jetzt zu sagen. Von der körperlichen und sportlichen Seite habe ich da keine Angst, aber es gibt verschiedene Dinge, die dazu führen könnten, dass das dies hier die letzte war”, sagte der Barça-Stürmer (Vertrag bis 2026) auf der Pressekonferenz nach dem Frankreich-Spiel: “Außerhalb des Fußballs kann es bis so viele Dinge gehen, die entscheidend sein können, ob man im Fußballgeschäft noch glücklich ist.” 

Eine klare Antwort ließ sich auch Nationaltrainer Czeslaw Michniewicz nicht entlocken. “Er ist unser Kapitän, er entscheidet selbst. Lasst uns schauen, ob er bis zur nächsten WM weitermacht.”

Der 52-Jährige, der Polen im Januar übernommen und lediglich mit einem Vertrag bis zur WM ausgestattet worden war, weiß übrigens selbst nicht, ob er die Rot-Weißen noch weiter betreuen darf. Er verwies aber darauf, dass “wir unsere Hausaufgaben gemacht und die Gruppenphase überstanden” haben: “Das haben wir 36 Jahre nicht geschafft. Aber dann sind wir leider auf den Weltmeister getroffen.”

Lewandowski übertrifft Pelé und äußert sich kryptisch: “Es ist schwer, das jetzt zu sagen”

Polen hat sich erhobenen Hauptes aus der WM in Katar verabschiedet. Nach dem Aus gegen Frankreich drängt sich nun die Frage nach der Zukunft von Robert Lewandowski auf – der deutete seinen Abschied an.

War das Achtelfinale gegen Frankreich sein letzter Auftritt für Polen? Robert Lewandowski.

War das Achtelfinale gegen Frankreich sein letzter Auftritt für Polen? Robert Lewandowski.

IMAGO/Xinhua

Erstmals seit 36 Jahren (0:4 gegen Brasilien) – damals noch mit dem legendären Zbigniew Boniek als Führungsfigur – hatten die Polen das Achtelfinale einer WM erreicht. Dass dies glücklich und nur aufgrund der besseren Tordifferenz gegenüber Mexiko geschah, geschenkt. Weniger aus polnischer Sicht, dass Robert Lewandowski, aktuell Hoffnungsträger und Führungsfigur seines Landes, abgeliefert hat.

Zwei Tore glückten dem Ausnahmestürmer in Katar, der bei seiner ersten WM in Russland vor vier Jahren torlos geblieben war. Gegen Saudi-Arabien legte der 34-Jährige einen Treffer auf und sorgte kurz vor Schluss für den 2:0-Endstand – es war nicht nur das 2600. Tor der WM-Geschichte, sondern auch das erste des ehemaligen Bundesliga-Profis bei einer WM überhaupt.

Lewandowski überflügelt Pelé

Und beim 1:3-Achtelfinal-Aus gegen Frankreich erzielte er per Elfmeter sein zweites Tor; es war sein 78. Treffer in seinem 138. Länderspiel, womit er niemand geringeres als Brasiliens Fußball-Ikone Pelé (77/92) übertrumpfte. Lewy rückte damit in die Top 10 der Rekordtorschützen in Länderspielen weltweit ein, teilt sich mit dem Iraker Hussein Saeed (78/137) Platz 9.

Ganz vorne stehen Cristiano Ronaldo (118/194), der Iraner und Ex-Bundesliga-Spieler Ali Daei (109/148) sowie Lionel Messi (94/169). Bester Deutscher ist übrigens Miroslav Klose auf Rang 15 (71/137). So viel zur Historie, doch den Polen brennt gerade die Frage nach Lewandowskis Zukunft unter den Fingernägeln. Der antwortete darauf kryptisch.

“Es ist schwer, das jetzt zu sagen. Von der körperlichen und sportlichen Seite habe ich da keine Angst, aber es gibt verschiedene Dinge, die dazu führen könnten, dass das dies hier die letzte war”, sagte der Barça-Stürmer (Vertrag bis 2026) auf der Pressekonferenz nach dem Frankreich-Spiel: “Außerhalb des Fußballs kann es bis so viele Dinge gehen, die entscheidend sein können, ob man im Fußballgeschäft noch glücklich ist.” 

Eine klare Antwort ließ sich auch Nationaltrainer Czeslaw Michniewicz nicht entlocken. “Er ist unser Kapitän, er entscheidet selbst. Lasst uns schauen, ob er bis zur nächsten WM weitermacht.”

Der 52-Jährige, der Polen im Januar übernommen und lediglich mit einem Vertrag bis zur WM ausgestattet worden war, weiß übrigens selbst nicht, ob er die Rot-Weißen noch weiter betreuen darf. Er verwies aber darauf, dass “wir unsere Hausaufgaben gemacht und die Gruppenphase überstanden” haben: “Das haben wir 36 Jahre nicht geschafft. Aber dann sind wir leider auf den Weltmeister getroffen.”

Golden Shoe: Haaland schon Zweiter, Nkunku Fünfter

Das erste Saisondrittel gehört traditionell den Torjägern der Ligen, die mit Kalenderjahr abschließen. Auch im November 2022 führt ein Goalgetter aus der norwegischen Liga. Doch ManCitys Haaland ist dem Spitzenreiter schon auf den Fersen.

Mister Nimmersatt: Erling Haaland liegt im Golden-Shoe-Ranking bereits auf Rang zwei.

Mister Nimmersatt: Erling Haaland liegt im Golden-Shoe-Ranking bereits auf Rang zwei.

IMAGO/Shutterstock

Die Nummer eins im ersten Golden-Shoe-Ranking im Dezember 2022 ist ein Norweger: Amahl Pellegrino hat für den amtierenden Meister FK Bodö/Glimt 25 Tore erzielt. Bei einem Quotienten von 1,5 ergibt dies eine Punktzahl von 37,5. Mehr werden auch nicht mehr hinzukommen, denn die norwegische Eliteserien hat ihren Spielbetrieb für die Saison 2022 bereits eingestellt.

Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis Pellegrino von der Spitze verdrängt wird – aller Voraussicht nach wird ihn ein Landsmann vom Platz an der Sonne verdrängen. Denn der niemals satte Erling Haaland hat für Manchester City in der Premier League bereits sagenhaft 18 Tore erzielt – ergibt für den Ex-Dortmunder bei einem Faktor von 2 eine Punktzahl von 36. Beim nächsten Treffer, der frühestens am zweiten Weihnachtsfeiertag am traditionellen Boxing Day fallen könnte, würde Haaland die Spitze des Rankings übernehmen.

Lewandowski hat zehn Zähler Rückstand auf Haaland – Nkunku ist Fünfter

Haaland ist nicht der einzige Torjäger aus den europäischen Topligen, die zu diesem frühen Zeitpunkt schon oben mitmischen. Denn gleichauf mit dem Usbeken Boban Abdikholikov vom belarussischen Verein FK Energetik-BGU Minsk (26 Tore, 26 Punkte) liegt Barcelonas Robert Lewandowski bereits auf Rang drei. Seine 13 Tore ergeben eine Punktzahl von 26, bereits zehn Zähler fehlen damit auf Haaland.

Auf den geteilten fünften Rang folgt dann auch der erste Bundesligaprofi: Leipzigs Christopher Nkunku erzielte bisher zwölf Tore, was eine Punktzahl von 24 ergibt. Der Franzose, der wegen einer Verletzung nicht an der Mission Titelverteidigung Frankreichs bei der WM 2022 in Katar teilnehmen kann, befindet sich in guter Gesellschaft. Denn auch sein Landsmann Kylian Mbappé (PSG) sowie der Engländer Harry Kane (Tottenham) weisen mit zwölf Toren 24 Zähler auf.

Messi und Cristiano Ronaldo fehlen noch

Nkunku ist der einzige Angreifer aus der Bundesliga, der in den Top Ten zu finden ist. WM-Teilnehmer Niclas Füllkrug (Werder Bremen) belegt wie Frankreichs Marcus Thuram (Gladbach) mit zehn Toren und zwanzig Punkten einen geteilten 19. Rang. Jamal Musiala (FC Bayern) und Vincenzo Grifo (9, 18) liegen auf einem geteilten 30. Rang.

Interessant: Im aktuellen Tableau fehlen noch die Namen von Lionel Messi (PSG) und Cristiano Ronaldo (vereinslos), die in den vergangenen 14 Jahren zusammen zehnmal die Trophäe als bester Torjäger Europas einheimsten: Der Portugiese viermal, der Argentinier sechsmal.

Golden Shoe 2022/23 (Stand: 02.12.2022)

Platz Spieler Verein Tore Faktor Punktzahl

1 Amahl Pellegrino FK Bodö/Glimt 25 1,5 37,5

2 Erling Haaland Manchester City 18 2 36

3 Bobur Abdikholikov FK Energetik-BGU Minsk 26 1 26

Robert Lewandowski FC Barcelona 13 2 26

5 Harry Kane Tottenham Hotspur 12 2 24

Kylian Mbappé Paris Saint-Germain 12 2 24

Christopher Nkunku RB Leipzig 12 2 24

Hugo Vetlesen FK Bodö/Glimt 16 1,5 24

Raimonds Krollis Valmiera FC 24 1 24

10 David Fofana FK Molde 15 1,5 22,5

Tobias Heintz Sarpsborg 08 15 1,5 22,5

Casper Tengstedt Rosenborg BK 15 1,5 22,5

13 Alexander Jeremejeff BK Häcken 22 1 22

Neymar Paris Saint-Germain 11 2 22

15 Zakaria Beglarishvili FCI Levadia Tallinn 21 1 21

Quincy Promes Spartak Moskau 14 1,5 21

Ole Christian Saeter Rosenborg BK 14 1,5 21

Vladimir Sychevoi FC Orenburg 14 1,5 21

19 Niclas Füllkrug Werder Bremen 10 2 20

Marcus Antonsson IFK Värnamo 20 1 20

Terem Moffi FC Lorient 10 2 20

Marcus Thuram Bor. Mönchengladbach 10 2 20

Ivan Toney Brentford FC 10 2 20

Sölvi Vatnhamar Víkingur Gota 20 1 20

Tammy Abraham AS Rom 17 2 34

26 Eric Kitolano Tromsö IL 13 1,5 19,5

Ebere Paul Onuachu KRC Genk 13 1,5 19,5

Enner Valencia Fenerbahce SK 13 1,5 19,5

29 Flamarion Dinamo Batumi 19 1 19

30 Jamal Musiala FC Bayern München 9 2 18

Vincenzo Grifo SC Freiburg 9 2 18

Alexandre Lacazette Olympique Lyon 9 2 18

Aleksandar Mitrovic Fulham FC 9 2 18

Victor Osimhen SSC Napoli 9 2 18

Jonathan David Lille OSC 9 2 18

Rodrigo Leeds United 9 2 18

Runar Espejord FC Bodö/Glimt 12 1,5 18

Pedro Miguel Eugénio FK Astana 18 1 18

Aidan Keena Sligo Rovers 18 1 18

Pall Klettskard KI Klaksvík 18 1 18

Malcom Zenit St. Petersburg 12 1,5 18

Mohamed Ofkir Sandefjord Fotball 12 1,5 18

Markus Pink Austria Klagenfurt 12 1,5 18

44 Joannes Bjartalid KI Klaksvík 17 1 17

Renan Oliveira Zalgiris Vilnius 17 1 17

Nökkvi Thorisson KA Akureyri 17 1 17

Coman über Ex-Mitspieler Lewandowski: “Am besten, er hat nie den Ball”

kicker.tv Stimme 01.12.2022

Coman über Ex-Mitspieler Lewandowski: “Am besten, er hat nie den Ball”

0:47Kingsley Coman betont, wie wichtig es ist, Robert Lewandowski zu stoppen, wenn Frankreich und Polen im Achtelfinale der Weltmeisterschaft aufeinandertreffen. Beim FC Bayern München spielten die zwei jahrelang gemeinsam.

Polens Nationaltrainer Michniewicz verteidigt die Art, weiterzukommen

Trotz einer Niederlage gegen dominante Argentinier schaffte Polen am Mittwochabend mit Ach und Krach die Qualifikation für das WM-Achtelfinale. Nach dem dramatischen Finish überwog die Erleichterung. 

Erleichtert: Polen Nationaltrainer Czeslaw Michniewicz (li.) und Robert Lewandowski nach dem Einzug ins Achtelfinale.

Erleichtert: Polen Nationaltrainer Czeslaw Michniewicz (li.) und Robert Lewandowski nach dem Einzug ins Achtelfinale.

IMAGO/NurPhoto

Aus Katar berichtet Jörg Wolfrum

Polens Nationaltrainer war ehrlich nach dem 0:2 und der glücklichen Qualifikation für das Achtelfinale, zumal im Fernduell mit Mexiko (2:1 gegen Saudi-Arabien) zwischenzeitlich sogar einzig die Fair-Play-Regel den Ausschlag für Polen gegeben hatte: “Wir wussten, dass das Ergebnis lange Zeit gleich war zum Mexiko-Spiel, wir wollten Gelbe Karten vermeiden. Und ja, wir wollten auch Tore schießen, aber Argentinien ließ uns nicht.”

“Lewandowski hätte fünf Tore gemacht”

Ob er zufrieden war mit dieser Art Fußball, wurde der Coach gefragt. “Wir sind weiter, lasst uns freuen darüber. Zumindest bis Sonntag. Dann geht es gegen Titelverteidiger Frankreich”, verteidigte sich der 52-Jährige. Dann könne man “immer noch kritisieren”. Immerhin  gab er zu: “Ehrlich, es ist ein bittersüßer Moment. Wir haben Robert Lewandowski nicht geholfen, Tore zu schießen. Wenn er für Argentinien gespielt hätte, hätte er fünf Tore gemacht.”

Jener Lewandowski schilderte die spannenden Minuten, als Polens Partie gegen Argentinien bereits beendet war, Mexiko aber noch spielte, aus seiner Sicht. “Ich habe erst einmal gehört, dass Saudi-Arabien ein Tor geschossen hat und dachte erst, dass Mexiko dann zwei Tore braucht und war erst einmal entspannt. Dann aber hieß es, dass es weiter nur eines ist. Es ist wohl das erste Mal in meinem Leben, dass man nach so einer Niederlage zufrieden sein kann”, meinte der ehemalige Bayern-Torjäger, der angesichts des erstmaligen Überstehens einer WM-Vorrunde seit 1986 – damals in Mexiko – gelöst wirkte. 

Coach erwartet auch gegen Frankreich Probleme

Doch so reichten Polen am Ende im Stadion 974 null Treffer. “Wir sind nach so vielen Jahren wieder im Achtelfinale, wir haben vier Punkte. Das Resultat zählt am Ende”, sagte Michniewicz. Und, schon mal als Ausblick: “Wir werden auch gegen Frankreich große Probleme haben.”

Messi oder Lewandowski: Es kann nur einen geben – oder etwa nicht?

Polen gegen Argentinien, Robert Lewandowski gegen Lionel Messi: Es ist ein entscheidendes Duell um den Einzug in die K.-o.-Runde. Bei einer Niederlage ist die Albiceleste ausgeschieden – es gibt allerdings auch das eine oder andere Szenario, bei dem beide Mannschaften mit ihren Weltstars die Gruppenphase überstehen. 

Im Mittelpunkt des Duells zwischen Argentinien und Polen: Lionel Messi (li.) und Robert Lewandowski.

Im Mittelpunkt des Duells zwischen Argentinien und Polen: Lionel Messi (li.) und Robert Lewandowski.

picture alliance

Erst die große Ernüchterung, dann der ersehnte Befreiungsschlag: Bei den bisherigen Turnierverläufen von Argentinien und Deutschland gibt es durchaus Parallelen. Nun blicken beide Teams dem letzten und entscheidenden Gruppenspiel entgegen. Während es die DFB-Auswahl am Donnerstagabend mit Costa Rica zu tun hat (20 Uhr, LIVE! bei kicker), trifft Argentinien 24 Stunden zuvor auf Polen. 

“Die Mannschaft hat gegen Mexiko sehr gut reagiert”, sagte Lisandro Martinez bei einer Pressekonferenz an diesem Dienstag. Tatsächlich zeigte sich Argentinien beim 2:0 gegen El Tri deutlich verbessert im Vergleich zum 1:2 gegen Saudi-Arabien. Der Sieg gegen die Zentralamerikaner kann allerdings nur der erste Schritt gewesen sein, will sich der Vizeweltmeister von 2014 fürs Achtelfinale qualifizieren. 

Auch bei einem 4:0-Szenario kommen beide weiter

Die Ausgangslage gegen Polen ist eindeutig: Wenn die Argentinier verlieren, sind sie ausgeschieden, denn im Falle einer Niederlage ist das Resultat zwischen Saudi-Arabien und Mexiko irrelevant, da eine der beiden Mannschaften definitiv vorbeiziehen würde. Gewinnen die Südamerikaner, sind sie für die K.-o.-Runde qualifiziert. Etwas komplizierter wird es, wenn das Duell mit Polen unentschieden endet. Bei dieser Konstellation muss Argentinien hoffen, dass es auch im Parallelspiel keinen Gewinner gibt oder Mexiko zumindest kein deutlicher Sieg gelingt. Den direkten Vergleich mit El Tri hat Argentinien zwar gewonnen – doch mit einem 4:0 gegen Saudi-Arabien würde Mexiko aufgrund der besseren Tordifferenz vorbeiziehen, wenn die Albiceleste gegen Polen nicht über ein Remis hinauskommen sollte. 

Messi oder Lewandowski: Wer bleibt der WM erhalten? Einer definitiv – unter Umständen sogar beide. 

Eine fast identische Quote: Lewandowski und Messi im Vergleich

Vielleicht kann es nur einen geben, wenn Argentinien und Polen um einen Platz im Achtelfinale spielen. Robert Lewandowski und Lionel Messi im Vergleich.

Hoffnungsträger ihrer Nationalmannschaften: Robert Lewandowski und Lionel Messi.

Hoffnungsträger ihrer Nationalmannschaften: Robert Lewandowski und Lionel Messi.

Getty Images (2)

Die Fans des FC Barcelona haben es gut. Kaum war eine Saison vergangen, nachdem Klubikone Lionel Messi seinen Jugendverein 2021 verlassen hatte, da durften sie auch schon den nächsten Ausnahmestürmer bestaunen, der beinahe wöchentlich außergewöhnliche Torzahlen auflegt. In diesem Punkt kommt Robert Lewandowski Superstar Messi ziemlich nahe.

Beide wurden bislang insgesamt achtmal Erstliga-Torschützenkönig (Lewandowski einmal in Polen, siebenmal in Deutschland; Messi achtmal in Spanien), beide halten mit ihren erfolgreichsten Spielzeiten den jeweiligen Torrekord für eine einzelne Saison (Lewandowski 41 Tore in der Bundesliga 2020/21, Messi 50 Tore in La Liga 2011/12).

International sieht das anders aus. Während Messi insgesamt sechsmal Torschützenkönig in der Champions League wurde – nur Cristiano Ronaldo (siebenmal) gelang das öfter -, war Lewandowski nur bei Bayerns Titelgewinn 2020 bester Torschütze in der Königsklasse. Deren Endspiel erreichte der Pole zweimal (kein Tor, ein Titel), Messi dreimal (zwei Tore, drei Titel).

Lewandowski kommen nach seinem ersten WM-Tor die Tränen – Messi ist ungleich erfahrener

In Sachen Frequenz und Konstanz scheint sich der zweimalige Weltfußballer Lewandowski mit dem siebenmaligen Messi messen zu können, auf der ganz großen Bühne bleibt er hinter den ganz großen Erwartungen aber immer wieder zurück. Auch für sein Land. Wie sehr sich der 34-Jährige dort auch selbst unter Druck setzt, verdeutlichte sein emotionaler Jubel, nachdem er beim 2:0-Sieg über Saudi-Arabien seinen ersten WM-Treffer erzielen konnte.

Was beide Protagonisten eint: Bei den großen Turnieren mit der Nationalmannschaft nehmen die Quoten rapide ab. Sechs Tore in 16 Spielen bei Welt- und Europameisterschaften stehen für den aktuellen Barça-Stürmer Lewandowski zu Buche (zirka 0,38 pro Spiel), der ehemalige Barça-Stürmer Messi kann in bereits 55 Partien bei Weltmeisterschaften oder der Copa America 21 Treffer vorweisen (ebenfalls “nur” grob 0,38 pro Spiel).

Auch beide könnten das Achtelfinale erreichen

Im direkten Duell am Mittwoch (20 Uhr, LIVE! bei kicker) werden beide Weltklassespieler darum bemüht sein, ihre Quote zu verbessern, wenn Polen und Argentinier zwar auch beide weiterkommen können, beiden Nationen aber ebenso noch das Aus droht. Die verbesserten Auftritte ihrer sportlichen Anführer im zweiten Gruppenspiel dürften jeweils Mut machen.

Polen geht mit einem Punkt vor Argentinien als Tabellenführer in den Showdown, den die Albiceleste andererseits mit der vermeintlich stärkeren Mannschaft antreten wird. Dahingehend ist Messi im Vorteil. Von Lewandowski erwartet allerdings niemand, dass er im vielleicht schon letzten Anlauf jetzt doch endlich mal den WM-Titel holt.