Palicka als Rückhalt und Torschütze: Schweden steht im EM-Finale

Die schwedische Handball-Nationalmannschaft hat sich in ihrem EM-Halbfinale am Freitagabend mit 34:33 (17:14) gegen Rekordweltmeister Frankreich durchgesetzt. Im Endspiel wartet der Titelverteidiger.

Er trumpfte gegen Frankreich auf: Schwedens Keeper Andreas Palicka.

Er trumpfte gegen Frankreich auf: Schwedens Keeper Andreas Palicka.

imago images

Das erste EM-Halbfinale zwischen Topfavorit Dänemark und Spanien hatte es bereits in sich gehabt. Der Titelverteidiger setzte sich am Ende dank einer abgezockten Vorstellung mit 29:25 durch – und trifft in seinem vierten EM-Finale in Folge am Sonntag (18 Uhr, LIVE! bei kicker) auf Schweden.

Der Vizeweltmeister setzte sich am Freitagabend gegen Rekordweltmeister Frankreich durch. Dabei hätten die Voraussetzungen kaum schlechter sein können: Zu den drei neuen Corona-Fällen bei den Schweden gehörten mit Flensburgs Linksaußen Hampus Wanne und Kiels Rechtsaußen Niclas Ekberg zwei absolute Leistungsträger. Bei Frankreich kehrte dagegen der von Corona genesene Cheftrainer Guillaume Gille zurück.

Mit dem Rückenwind aus dem überraschenden Sieg gegen Dänemark ging Frankreich forsch in sein Halbfinale, führte nach fünfeinhalb Minuten bereits mit 5:1, weswegen Schwedens Coach Glenn Solberg die Bremse in Form einer Auszeit reinhaute. Und der viermalige Europameister steigerte sich tatsächlich in allen Mannschaftsteilen.

Sinnbildlich dafür stand Keeper Andreas Palicka, bis vor Kurzem bei den Rhein-Neckar Löwen unter Vertrag, der das Torhüter-Duell mit Vincent Gerard (11 Prozent Fangquote) im ersten Abschnitt klar für sich entschied (33 Prozent) – und dazu drei Bälle im leeren Tor der Franzosen unterbrachte. Schweden, das schon gegen Norwegen seine beeindruckenden Comeback-Qualitäten bewiesen hatte, führte zur Pause mit 17:14.

Wanne-Vertreter überzeugt

Neben Spielmacher Jim Gottfridsson trumpfte auch Wanne-Vertreter Lucas Pellas auf, mit seinem fünften Tor im fünften Versuch stellte der Linksaußen von Montpellier auf 19:14. Die folgende Phase gehörte aber klar “Les Experts”, die immer wieder in Ludovic Fabregas ein Erfolgsrezept fanden. Der Kreisläufer vom FC Barcelona verkürzte mit seinem vierten Treffer auf 18:20 (38.).

In der heißen Phase riss Gottfridsson von der SG Flensburg-Handewitt – später “Man of the Match” – das Spiel wie gewohnt an sich, sein siebtes Tor im achten Versuch bescherte Schweden das zwischenzeitliche 27:24 (47.). Weil der Vizeweltmeister den Vorsprung relativ konstant hielt, lief Frankreich allmählich die Zeit davon. Dreieinhalb Minuten vor Schluss verkürzten “Les Experts” aber auf 31:32, ein Herzschlagfinale bahnte sich an.

Kapitän Porte sieht Rot

Auch die slowenischen Unparteiischen Bojan Lah und David Sok hatten noch ein Wörtchen mitzureden: Sekunden nach dem Anschluss sah Frankreichs Kapitän Valentin Porte nach einem Schlag gegen Albin Lagergren eine überzogene Rote Karte. Lagergren wurde im Gegenzug für einen Gesichtstreffer für zwei Minuten vom Feld geschickt.

Palicka nahm allerdings Fabregas 60 und vier Sekunden vor dem Ende noch zwei völlig freie Würfe weg, weswegen die Schweden, die sich auf ihr erstes EM-Finale seit 2018 freuen, mit 34:33 gewannen. Frankreich, letztmals 2014 im Endspiel, bleibt am Sonntagnachmittag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) “nur” das Spiel um Platz 3 gegen Dänemark.

Mem macht den Unterschied: Aufholjagd gegen Dänemark hievt Frankreich ins Halbfinale

In der Hauptrunden-Gruppe I fiel die Entscheidung um das Halbfinalticket im letzten Spiel. Frankreich gelang gegen Dänemark eine nicht mehr für möglich geglaubte Aufholjagd. Leidtragender war Außenseiter Island.

Am Ende lief es bei ihm: Frankreichs Dika Mem.

Am Ende lief es bei ihm: Frankreichs Dika Mem.

AFP via Getty Images

Eine scheinbar gute Nachricht gab es für die Franzosen gleich vorweg. Das bereits qualifizierte Dänemark schonte drei namhafte Akteure, namentlich seine beiden besten Turnier-Torschützen Mikkel Hansen (39 Tore) und Mathias Gidsel (35) sowie Kreisläufer Magnus Saugstrup Jensen. Auch Torwart Niklas Landin stand zunächst nicht zwischen den Pfosten.

Schon fünfeinhalb Minuten später war jedoch klar: Auch der zweiten Anzug der Dänen sitzt. Beim Stand von 1:5 nahm Frankreich (ohne den Corona-positiven Chefcoach Guillaume Gille auf der Bank) die erste Auszeit, zu diesem Zeitpunkt hatte der bestens aufgelegte Keeper Kevin Möller schon drei Würfe pariert. 

Auf der anderen Seite brachte Torwart Vincent Gerard bei den ersten neun Würfen kein Körperteil an den Ball, in Überzahl traf Dänemark ins leere Tor zum 10:6 (15.). Vor allem Niclas Vest Kirkelokke (am Ende zehn Tore) machte beim amtierenden Weltmeister mit vier Treffern bei fünf Versuchen nachhaltig auf sich aufmerksam.

Frankreichs Keeper halten in der ersten Hälfte einen Ball

Zwar stockte der Motor der Dänen kurz, nach fast sechs torlosen Minuten traf Rasmus Lauge Schmidt aber zum 11:9 (21.) gegen nun konzentrierter abschließende Franzosen. Erst jetzt entschied sich Frankreich für den Torwartwechsel hin zu Wesley Pardin, der aber auch die ersten drei Würfe passieren ließ – vor allem Jacob Holm bereitete den Schlussmännern nun Probleme. In der 25. Minute war der Keeper beim Stand von 10:14 dann endlich mal dran an einem Ball, es war die erste und letzte französische Parade der gesamten ersten Hälfte. Pausenstand: 17:12 für Dänemark.

Den zweiten Abschnitt begannen die Rot-Weißen mit dem Kieler Landin im Tor, ansonsten änderte sich zunächst nicht viel. Die Dänen trafen, sobald sie das Tor nicht verfehlten, sodass Frankreich trotz eines gut aufgelegten Duos Mem/Descat keinen Boden gutmachen konnte (22:18, 41. Minute). In der 44. Minute gab’s dann doch die zweite Parade Frankreichs zu sehen, diesmal von Gerard. Grund genug für Trainer Nicolaj Jacobsen, beim Stand von 24:21 (45.) eine Auszeit zu nehmen.  

Dänemark hielt danach noch länger den Vorsprung, doch dann ging dem Weltmeister auf einmal die Puste aus – und bei Frankreich kam Hoffnung auf. Dika Mem traf aus dem Rückraum mit etwas Glück zum 26:27 (55.), drei Minuten vor Schluss gelang Descat tatsächlich per Siebenmeter das 28:28 (57.). Das Spiel stand nun auf des Messers Schneide, nach dem 29:28 von Mem nahm Dänemark anderthalb Minuten vor Schluss das nächste Timeout. Doch das half auch nichts mehr. Frankreich brachte dank des achten Treffers von Mem ein 30:29 ins Ziel und steht nach einem wahren Kraftakt doch noch im Halbfinale.

In der Hauptrunden-Gruppe II hatten sich Spanien und Schweden für das Halbfinale qualifiziert. Auch die deutsche Platzierung ist nun offiziell: Das DHB-Team hat die EM als Siebter abgeschlossen.

Keeper Gerard sieht früh Rot, doch Frankreich kriegt sein “Endspiel”

Nach dem Island-Schock hat Frankreich die Pflichtaufgabe gegen Montenegro mit 36:27 (16:12) gelöst. Nun bekommt der Rekordweltmeister sein “Endspiel” – gegen Dänemark.

Er beschwerte sich nicht über seine Rote Karte: Vincent Gerard mit Milos Vujovic.

Er beschwerte sich nicht über seine Rote Karte: Vincent Gerard mit Milos Vujovic.

Getty Images

Die Voraussetzungen vor Frankreichs vorletztem Hauptrundenspiel waren klar: Nach der überraschend deutlichen 21:29-Niederlage gegen Island standen “Les Experts” unter Druck, gegen Außenseiter Montenegro sollte ein wenn möglich überzeugender Sieg gelingen. Und der Rekordweltmeister lieferte – wenn auch mit Anlaufschwierigkeiten.

In einer extrem schnellen Anfangsphase hielt Montenegro beeindruckend gut mit. Keeper Nebosja Simic von der MT Melsungen war dabei wieder früh ein Faktor, zur Pause hatte er bereits neun Paraden (knapp 40 Prozent Fangquote) angehäuft. Vasko Sevaljevic schwächte sein Team durch einen Schlag ins Gesicht von Nikola Karabatic, für den er nach nur 13 Minuten die Rote Karte sah.

Wenig später flog allerdings auch Frankreichs Keeper Vincent Gerard (drei Paraden) vom Platz, weil er Füchse-Linksaußen Milos Vujovic (5 Tore/6 Versuche in der ersten Hälfte) bei einem Tempogegenstoß außerhalb seines Torraums traf. Karabatic fiel zunächst mit Ballverlusten auf, Montenegro hielt das Spiel eng (11:11, 23.). Erst kurz vor der Pause konnten sich “Les Experts” auf 16:12 absetzen.

Nach dem Seitenwechsel ging es für den Außenseiter, der sich zeitweise doppelt so viele technische Fehler und Ballverluste erlaubte, allmählich dahin. Mit Anbruch der Schlussviertelstunde führte Frankreich erstmals mit zehn Toren (29:19, 45.). Am Ende stand ein überzeugender 36:27-Erfolg für die Franzosen, bei denen Sprungwunder Dika Mem vom FC Barcelona mit sieben Treffern (genauso viele wie Vujovic) bester Werfer war. Zum “Man of the Match” wurde allerdings etwas überraschend Karabatic (vier Tore) gewählt.

Hochbrisante Konstellation

Zum Abschluss der Hauptrundengruppe I ergibt sich eine hochbrisante Konstellation: Frankreich steht durch den Sieg zwar mit 6:2 Punkten auf dem fürs Halbfinale berechtigten zweiten Rang, spielt aber am Mittwoch (20.30 Uhr) gegen das noch ungeschlagene und bereits für die Vorschlussrunde qualifizierte Dänemark. Die Dänen (8:0 Punkte) wollen in diesem “Endspiel” unbedingt ihre Spitzenposition verteidigen.

Weil Island derweil den direkten Vergleich mit Frankreich gewonnen hat, wären sie trotz ihrer Niederlage gegen Kroatien am Montag bei einem Sieg gegen Montenegro (15.30 Uhr) im Halbfinale, wenn “Les Experts” gegen Dänemark verlieren.

Berauschender Sieg über Frankreich: Island sorgt für faustdicke Überraschung

Mit einer blütenweißen Weste traf Frankreich am Samstag auf Island – und erlebte dann sein blaues Wunder. Die Isländer feierten am Ende einen ebenso deutlichen wie großen Sieg.

Islands Matchwinner: Viktor Hallgrimsson.

Islands Matchwinner: Viktor Hallgrimsson.

imago images/Pixsell

Islands Viktor Hallgrimsson wuchs gegen die Franzosen über sich hinaus und ließ “Les Experts” vor allem in Hälfte eins immer wieder verzweifeln. Der Torhüter wehrte in dieser 9 von 19 Würfen ab, glänzte also mit einer bärenstarken Quote von 47 Prozent. Weil die Nordeuropäer auch offensiv gut funktionierten, stand zur Halbzeit ein überraschendes 17:10 auf der Anzeigetafel.

Beide Mannschaften mussten COVID-bedingt wichtige Spieler ersetzen, so fehlten bei den Franzosen sowohl Kentin Mahé und Ludovic Fabregas als auch Trainer Guillaume Gille, bei den Isländern war es allerdings noch dramatischer – mit Torhüter Björgvin Gustavsson, Aron Palmarsson, Bjarki Elisson, Arnar Arnarsson und Janus Smarason fiel jede Menge Erfahrung aus. Die Isländer konnten lediglich 14 Spieler einsetzen, folglich stellte sich gegen Frankreich auch die Kraftfrage.

(K)eine Kraftfrage für Island

Die Franzosen versuchten es in ihrem 100. EM-Spiel noch einmal und bliesen nach Wiederanpfiff zur Aufholjagd. Doch die Isländer ließen nicht nach – und konnten sich offensiv zudem auf die große individuelle Klasse von Omar Ingi Magnusson verlassen. Der Magdeburger löste verzwickte Situationen immer wieder geschickt und erzielte nach 40 Minuten per Siebenmeter sein zehntes Tor (!) in dem Spiel – zehn von zwölf Versuche hatten bis dato ins Ziel gefunden. 

Den Franzosen fiel gegen die weiterhin aufmerksame Deckung der Isländer nichts ein – und wenn doch, dann stand Hallgrimsson im Weg. Nicht nur, dass die Niederlage immer näher rückte, sie schien auch noch sehr klar auszufallen. Island machte es clever, spielte geduldig und verwaltete den Vorsprung. Zehn Minuten vor Schluss führte der Außenseiter immer noch mit 25:18 und bejubelte am Ende ein 29:21 (17:10). 

Frankreich – Island 21:29 (10:17)

Frankreich: Gerard, Pardin – Descat 5/3, Minne 5, Tournat 5, Lagarde 2, N. Karabatic 1, Y. Lenne 1, Mem 1, Monar 1, Briet, Grebille, Kounkoud, Nahi, Porte, Richardson
Island: Björgvinsson, Hallgrimsson – O. I. Magnusson 10/3, V. Kristjansson 9/1, Vidarsson 4, Asgeirsson 2, Gudjonsson 2, Einarsson 1, Ingason 1, Gislason, K. Ö. Kristjansson, M. O. Magnusson, V. Stefansson, Thorkelsson
Schiedsrichter: Slave Nikolov (Nordmazedonien)/Gjorgji Nachevski (Nordmazedonien)
Zuschauer: 11394
Strafminuten: 8 / 6
Disqualifikation: – / –

Frankreich-Coach Gille und Dänemark-Oldie Lindberg positiv getestet

Das Coronavirus wütet weiter bei der Handball-EM. Frankreichs Cheftrainer Guillaume Gille muss der Halle ebenso fernbleiben wie Dänemarks Altstar Hans Lindberg.

Auch sie hat es erwischt: Guillaume Gille und Hans Lindberg.

Auch sie hat es erwischt: Guillaume Gille und Hans Lindberg.

Olympiasieger Frankreich muss ohne Cheftrainer Guillaume Gille auskommen. Der 45-Jährige, der einst als Profi zehn Jahre für den HSV Hamburg spielte, wurde positiv auf Corona getestet.

Gille wird in den ausstehenden Hauptrundenspielen des Rekord-Weltmeisters gegen Island, Montenegro und Dänemark von Co-Trainer Erick Mathé vertreten. Frankreich ist im Turnier noch ungeschlagen und hat als Tabellenführer der Gruppe I gute Chancen auf das Erreichen des Halbfinals.

Nachnominierter Lindberg muss passen

Auch die Dänen kommen an Corona-Infektionen bei der Handball-EM nicht vorbei. Bundesliga-Oldie Hans Lindberg von den Füchsen Berlin ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der 40 Jahre alte Flügelspieler befindet sich nach dem positiven PCR-Test nun im dänischen EM-Lager in Isolation, wie sein Verband am Freitag mitteilte.

Lindberg hatte am Vortag beim 28:24-Sieg von Weltmeister Dänemark gegen das von mehreren Corona-Fällen betroffene Island seine 275. Begegnung in Rot-Weiß bestritten. Als nächstes spielen die vom ehemaligen Bundesliga-Coach Nikolaj Jacobsen trainierten Dänen am Samstagabend gegen Kroatien.

Vor einigen Tagen war auch Dänemarks Torhüter Jannick Green von Bundesliga-Tabellenführer SC Magdeburg nach einer eigentlich überstanden geglaubten Corona-Infektion wieder positiv getestet worden. Lindberg war vor einer Woche nachträglich für den verletzten Johan Hansen (TSV Hannover-Burgdorf) ins Team gerückt.

Montenegro schafft Sensation – Frankreich und Kroatien klar weiter

Montenegro hat überraschend die EM-Hauptrunde erreicht, Slowenien zog im direkten Duell den Kürzeren. Die Favoriten Frankreich, Spanien, Russland und Kroatien wurden ihrem Status hingegen gerecht. Schweden machte es spannend. 

Die Partie zwischen Montenegro und Slowenien stand in der Schlussphase auf des Messers Schneide, doch die Überraschung zeichnete sich immer mehr ab – zumal den Montenegrinern ein Punkt bereits gereicht hätte. Keeper Nebojsa Simic von der MT Melsungen parierte in der entscheidenden Phase aber einen Siebenmeter und machte einen weiteren Wurf zunichte – am Ende stand ein 33:32 auf der Anzeigetafel. Branko Vujovic war mit neun Toren der beste Werfer der Partie.

Damit zieht der Außenseiter mit Dänemark, das sich am Abend gegen Nordmazedonien beim  31:21 (15:11) keine Blöße gab, in die Hauptrunde ein, Slowenien und Nordmazedonien zogen den Kürzeren.

Spanien hält sich schadlos – Schweden macht’s spannend

Ansonsten hielten sich die Favoriten schadlos. Spanien hatte allerdings seine liebe Mühe mit Bosnien-Herzegowina, zur Pause lagen die Iberer noch mit 12:14 hinten. Letztlich setzte sich aber der Europameister von 2018 und 2020 mit 28:24 durch. Unter dem Strich stehen drei Siege aus drei Spielen in der Gruppe E.

Spannend wurde es am Abend, als Tschechien und Schweden im direkten Duell Platz zwei untereinander ausmachten. Die Skandinavier gingen dabei als Favorit ins Spiel und taten sich enorm schwer, Tschechien lieferte den Schweden einen großen Kampf, hatte schlussendlich aber beim 27:27 (11:12) in der Endabrechnung knapp das Nachsehen. 

Russlands dritter Streich – Frankreich fast mühelos

Drei Siege aus drei Spielen stehen auch für Russland zu Buche, das in der Gruppe F deutlich mit 36:27 gegen die Slowakei gewann, der Co-Gastgeber ist damit ausgeschieden. Neben den Russen erreichte Norwegen, das sich klar gegen Litauen mit 35:29 (16:16) behauptete, die nächste Runde.

Keinerlei Probleme hatte Kroatien mit der Ukraine (38:25), in der Gruppe C stand am Abend noch das Topspiel zwischen Frankreich und Serbien an, nach dem die beiden Hauptgruppenteilnehmer feststanden. Die Serben hatten in der Qualifikation die Franzosen noch hinter sich gelassen, diesmal aber kassierten sie eine krachende Niederlage. Lange Zeit spielten die Serben  verkrampft, wirkten heillos überfordert und betrieben erst zum Ende hin Ergebniskosmetik. Mit dem 25:29 (7:16) schieden die Weißen Adler aus, während Frankreich und Kroatien weiter vom Titel träumen.

Tschechien – Schweden 27:27 (11:12)

Tschechien: Mizera, Mrkva – Babak 5, Piroch 5, Hrstka 4, Reichl 4, Klima 3, Kasparek 2, Patzel 2, Cip 1, Petrovsky 1, Becvar, Franc, Jurka, Solak, Vanco
Schweden: Johannesson, Palicka – Sandell 5, Wanne 5/5, Claar 4, Ekberg 3, Gottfridsson 3, Bergendahl 2, Carlsbogard 2, Lagergren 2, Mellegard 1, Chrintz, Johansson, Möller, F. Pettersson, Wallinius
Schiedsrichter: Matija Gubica (Kroatien)/Boris Milosevic (Kroatien)
Zuschauer: 1368
Strafminuten: 8 / 6
Disqualifikation: – / –

Frankreich – Serbien 29:25 (16:7)

Frankreich: Gerard, Pardin – Mahé 6, Mem 5, Y. Lenne 3, Minne 3, Descat 2, N. Karabatic 2, Kounkoud 2, Porte 2, Tournat 2, Nahi 1/1, Richardson 1, Fabregas, Konan, Lagarde
Serbien: Ivanisevic 1, Bomastar, Cupara – Radivojevic 7/3, Kukic 4, Marsenic 4, Milosavljevic 2, Pechmalbec 2, Sotic 2, Borzas 1, Dukic 1/1, Sretenovic 1, V. Ilic, Orbovic, Pesic, Radovic
Schiedsrichter: Vaidas Mazeika (Litauen)/Mindaugas Gatelis (Litauen)
Zuschauer: 4038
Strafminuten: 10 / 8
Disqualifikation: – / –

Litauen – Norwegen 29:35 (16:16)

Litauen: Gurskis, Morkunas – Malasinskas 8/2, G. Babarskas 5, Antanavicius 3, Dumcius 3, Drabavicius 2, Simenas 2, Urbonas 2, Juskenas 1/1, Petreikis 1, Smantauskas 1, D. Virbauskas 1, Jovaisas, Stankevicius, Z. G. Virbauskas
Norwegen: Bergerud, Säveras – Barthold 7/5, Sagosen 7/3, Reinkind 6, Överjordet 5, Gulliksen 4, Blonz 2, Gullerud 2, Solstad 1, Tönnesen 1, Aga Eck, Björnsen, O¦Sullivan, Thorsteinsen Toft, Överby
Schiedsrichter: Adam Biro (Ungarn)/Oliver Kiss (Ungarn)
Zuschauer: 1705
Strafminuten: 10 / 4 Disqualifikation: – / –

Nordmazedonien – Dänemark 21:31 (11:15)

Nordmazedonien: Mitrevski 1, Tomovski – Peshevski 6, Mishevski 3, Taleski 3, Kuzmanoski 2/2, Velkovski 2, Kosteski 1, Kuzmanovski 1, Mitev 1, Serafimov 1, Georgievski, Gjorgiev, Krstevski, Mirkulovski, Simonoski
Dänemark: Green, Möller – Kirkelökke 9, Lindberg 4, Mensing 3, Andersson 2, Antonsen 2, Hald 2, M. Hansen 2/2, Holm 2, E. M. Jakobsen 2, M. Landin 2, H. Toft Hansen 1, Larsen, Lauge Schmidt, Svan
Schiedsrichter: Boris Mandak (Slowakei)/Mario Rudinsky (Slowakei)
Zuschauer: 1561
Strafminuten: 6 / 4
Disqualifikation: – / –

Montenegro – Slowenien 33:32 (16:19)

Montenegro: Matovic, Mijuskovic, N. Simic – B. Vujovic 9, Grbovic 8, Andjelic 5, M. Vujovic 5/3, Cepic 4, Sevaljevic 1, F. Vujovic 1, Kaludjerovic, Lasica, Lazovic, B. Simic, Simovic, Vujacic
Slowenien: Kastelic 2, Baznik – Dolenec 6/3, Kodrin 6, Blagotinsek 4, Marguc 4, Makuc 3, Mackovsek 2, Skube 2, Cehte 1, Poteko 1, Sokolic 1, Henigman, Janc, Suholeznik, Zarabec
Schiedsrichter: Mirza Kurtagic (Schweden)/Mattias Wetterwik (Schweden)
Zuschauer: 1203
Strafminuten: 14 / 10

Bosnien-Herzegowina – Spanien 24:28 (14:12)

Bosnien-Herzegowina: Bojic, B. Buric – Karacic 6, Herceg 4, J. Peric 4, Prce 3, S. Buric 2, Draganic 2, Hamidovic 1, Vranjes 1, Vuksic 1, Faljic, Keskic, Klis, Lukic, Terzic
Spanien: Hernandez Ferrer 1, Perez De Vargas – Casado 7/1, Marquez Coloma 4/1, Figueras 3, Odriozola 3, Arino 2, Maqueda 2, Sanchez Migallon Naranjo 2, Sole Sala 2, Garcia 1, Gurbindo 1, Canellas, Guardiola, Pecina, Tarrafeta Serrano
Schiedsrichter: Bojan Lah (Slowenien)/David Sok (Slowenien)
Strafminuten: 12 /4

Ukraine – Kroatien 25:38 (13:18)

Ukraine: Komok, Terechow – Artemenko 5/2, Horiha 4, Blysniuk 2, Buinenko 2, Donzow 2, Iltschenko 2, Kasai 2, Krawtschenko 2, Tilte 2, Salewskyi 1, Turtschenko 1, Bursak, Minozkji, Tiutiunnyk
Kroatien: Pesic, Sunjic – Martinovic 7/2, Sipic 7, Jelinic 6, Lucin 5, Glavas 4/2, Gadza 3, Grahovac 2, Maric 2, Cupic 1/1, Ivic 1, Cindric, Gojun, Ravnic
Schiedsrichter: Bogdan Nicolae Stark (Rumänien)/Romeo Mihai Stefan (Rumänien)
Zuschauer: 4038
Strafminuten: 10 / 10

Slowakei – Russland 27:36 (9:19)

Slowakei: Paul, Zernovic – Prokop 8, Urban 7, Smetanka 3, Hnidak 2, Rabek 2, Slaninka 2, Briatka 1, Pechy 1, Potisk 1, Duris, Hruscak, Kalafut, Machac, Mikita
Russland: Gruschko, Kireew – Kossorotow 7/2, Andreew 5, Kamenew 5, Ermakow 3, Kornew 3, Ostaschchenko 3, Schitnikow 3, Santalow 2, Wrarschewitsch 2, Soroka 1, Winogradow 1, Worobew 1, A. Kotow
Schiedsrichter: Mads Hansen (Dänemark)/Jesper Madsen (Dänemark)
Zuschauer: 1290
Strafminuten: 8 / –

Montenegro schafft die Sensation – Spanien und Russland halten sich schadlos

Montenegro hat überraschend die EM-Hauptrunde erreicht, Slowenien zog im direkten Duell den Kürzeren. Die Favoriten Spanien, Russland und Kroatien wurden ihrem Status hingegen gerecht.

Die Partie zwischen Montenegro und Slowenien stand in der Schlussphase auf des Messers Schneide, doch die Überraschung zeichnete sich immer mehr ab – zumal den Montenegrinern ein Punkt bereits gereicht hätte. Keeper Nebojsa Simic von der MT Melsungen parierte in der entscheidenden Phase aber einen Siebenmeter und parierte einen weiteren Wurf – am Ende stand ein 33:32 auf der Anzeigetafel. Branko Vujovic war mit neun Toren der beste Werfer der Partie. Damit zieht der Außenseiter mit Dänemark in die Hauptrunde ein, Slowenien und Nordmazedonien zogen den Kürzeren.

Ansonsten hielten sich die Favoriten schadlos. Spanien hatte allerdings seine liebe Mühe mit Bosnien-Herzegowina, zur Pause lagen die Iberer noch mit 12:14 hinten. Letztlich setzte sich aber der Europameister von 2018 und 2020 mit 28:24 durch. Unter dem Strich stehen drei Siege aus drei Spielen in der Gruppe E.

Genauso wie für Russland, das in der Gruppe F deutlich mit 36:27 gegen die Slowakei gewann, der Co-Gastgeber ist damit ausgeschieden. Keinerlei Probleme hatte Kroatien mit der Ukraine (38:25), in der Gruppe C steht am Abend noch das Topspiel zwischen Frankreich und Serbien an, erst dann stehen die beiden Hauptgruppenteilnehmer fest. 

Montenegro – Slowenien 33:32 (16:19)

Montenegro: Matovic, Mijuskovic, N. Simic – B. Vujovic 9, Grbovic 8, Andjelic 5, M. Vujovic 5/3, Cepic 4, Sevaljevic 1, F. Vujovic 1, Kaludjerovic, Lasica, Lazovic, B. Simic, Simovic, Vujacic

Slowenien: Kastelic 2, Baznik – Dolenec 6/3, Kodrin 6, Blagotinsek 4, Marguc 4, Makuc 3, Mackovsek 2, Skube 2, Cehte 1, Poteko 1, Sokolic 1, Henigman, Janc, Suholeznik, Zarabec

Schiedsrichter: Mirza Kurtagic (Schweden)/Mattias Wetterwik (Schweden)

Zuschauer: 1203

Strafminuten: 14 / 10

Bosnien-Herzegowina – Spanien 24:28 (14:12)

Bosnien-Herzegowina: Bojic, B. Buric – Karacic 6, Herceg 4, J. Peric 4, Prce 3, S. Buric 2, Draganic 2, Hamidovic 1, Vranjes 1, Vuksic 1, Faljic, Keskic, Klis, Lukic, Terzic

Spanien: Hernandez Ferrer 1, Perez De Vargas – Casado 7/1, Marquez Coloma 4/1, Figueras 3, Odriozola 3, Arino 2, Maqueda 2, Sanchez Migallon Naranjo 2, Sole Sala 2, Garcia 1, Gurbindo 1, Canellas, Guardiola, Pecina, Tarrafeta Serrano

Schiedsrichter: Bojan Lah (Slowenien)/David Sok (Slowenien)

Strafminuten: 12 /4

Ukraine – Kroatien 25:38 (13:18)

Ukraine: Komok, Terechow – Artemenko 5/2, Horiha 4, Blysniuk 2, Buinenko 2, Donzow 2, Iltschenko 2, Kasai 2, Krawtschenko 2, Tilte 2, Salewskyi 1, Turtschenko 1, Bursak, Minozkji, Tiutiunnyk

Kroatien: Pesic, Sunjic – Martinovic 7/2, Sipic 7, Jelinic 6, Lucin 5, Glavas 4/2, Gadza 3, Grahovac 2, Maric 2, Cupic 1/1, Ivic 1, Cindric, Gojun, Ravnic

Schiedsrichter: Bogdan Nicolae Stark (Rumänien)/Romeo Mihai Stefan (Rumänien)

Zuschauer: 4038

Strafminuten: 10 / 10

Slowakei – Russland 27:36 (9:19)

Slowakei: Paul, Zernovic – Prokop 8, Urban 7, Smetanka 3, Hnidak 2, Rabek 2, Slaninka 2, Briatka 1, Pechy 1, Potisk 1, Duris, Hruscak, Kalafut, Machac, Mikita

Russland: Gruschko, Kireew – Kossorotow 7/2, Andreew 5, Kamenew 5, Ermakow 3, Kornew 3, Ostaschchenko 3, Schitnikow 3, Santalow 2, Wrarschewitsch 2, Soroka 1, Winogradow 1, Worobew 1, A. Kotow

Schiedsrichter: Mads Hansen (Dänemark)/Jesper Madsen (Dänemark)

Zuschauer: 1290

Strafminuten: 8 / –

Gelungene Generalprobe: DHB-Team besiegt Frankreich

Gelungene Generalprobe als Mutmacher: Mit einem starken Auftritt im letzten EM-Test gegen Olympiasieger Frankreich haben Deutschlands Handballer viel Selbstvertrauen getankt.

Ab durch die Mitte: Kai Häfner beim Wurf.

Ab durch die Mitte: Kai Häfner beim Wurf.

imago images/Kessler-Sportfotografie

Die junge DHB-Auswahl setzte sich am Sonntagabend in Wetzlar durch ein Tor in letzter Sekunde von Luca Witzke mit 35:34 (14:18) durch und weckte Hoffnungen auf eine erfolgreiche Endrunde in Ungarn und der Slowakei.

Bester Werfer im überzeugenden Team von Bundestrainer Alfred Gislason war Rückraumspieler Kai Häfner mit acht Toren. Am Mittwoch fliegt die DHB-Auswahl nach Bratislava, wo Belarus, Österreich und Polen die Vorrundengegner sind.

Die deutsche Mannschaft begann couragiert, bekam in der Abwehr in der ersten Halbzeit aber kaum Zugriff auf die flinken Franzosen. So lag das DHB-Team von Beginn an im Rückstand, der beim 6:9 (14.) zum ersten Mal drei Tore betrug.

Die Gislason-Schützlinge ließen sich davon zunächst aber nicht beeindrucken. Mit einem 3:0-Lauf gelang innerhalb von sechs Minuten der erstmalige Ausgleich. In dieser Phase passte fast alles im deutschen Spiel, das in der Folge jedoch zu fehleranfällig blieb.

Die Gislason-Schützlinge ließen sich davon zunächst aber nicht beeindrucken. Mit einem 3:0-Lauf gelang innerhalb von sechs Minuten der erstmalige Ausgleich. In dieser Phase passte fast alles im deutschen Spiel, das in der Folge jedoch zu fehleranfällig blieb.

Sorgen um Weber

Zu allem Überfluss musste auch noch Spielmacher Philipp Weber vom Bundesliga-Spitzenreiter SC Magdeburg nach einem unglücklichen Zusammenprall mit einer Schulterblessur vom Parkett. “Wir hatten einige Phasen, in denen wir ebenbürtig waren. Der größte Unterschied liegt im Tempospiel”, resümierte DHB-Sportvorstand Axel Kromer zur Halbzeit.

Um die Deckung zu stabilisieren, schickte Gislason schon kurz vor der Pause Andreas Wolff ins Tor. Der 30-Jährige vom polnischen Topklub Vive Kielce, der schon am vergangenen Freitag beim 30:26 gegen die Schweiz eine starke Leistung gezeigt hatte, war nach einer kurzen Anlaufphase wieder der erhoffte Rückhalt.

Insgesamt ging jetzt ein Ruck durchs deutsche Team. In der Abwehr wurde beherzter zugepackt und im Angriff drehte vor allem die Melsunger Rückraum-Achse Kai Häfner und Julius Kühn (5 Tore) auf. Beim 22:23 (40.) war der Anschluss geschafft. Fünf Minuten später ging der EM-Fünfte von 2020 beim 27:26 erstmals in Führung. In der spannenden Schlussphase bewahrte die deutsche Mannschaft die Nerven und feierte einen verdienten Erfolg.

Nach Messerangriff: Frankreich bangt um Prandi

Knapp zwei Wochen vor EM-Start gab es für Frankreich eine Hiobsbotschaft: Nationalspieler Elohim Prandi wurde in der Silvesternacht bei einem Messerangriff verletzt. 

Sein EM-Einsatz ist in Gefahr: Elohim Prandi.

Sein EM-Einsatz ist in Gefahr: Elohim Prandi.

imago images/PanoramiC

Nach Angaben seines Klubs Paris St. Germain befindet sich der Rückraumspieler außer Lebensgefahr, er wird aber weiterhin in einem Krankenhaus behandelt. Der 23-Jährige soll mehrere Stichverletzungen erlitten haben. Ob er Teil des französischen Kaders für die EM (13. bis 30. Januar) in Ungarn und der Slowakei sein wird, erscheint sehr fraglich.

Nationaltrainer Guillaume Gille muss bereits auf Kreisläufer Luka Karabatic verzichten. Der 33-Jährige muss aufgrund einer muskulären Verletzung passen. Vor Karabatic mussten bereits Nedim Remili (Fußbruch), Timothey N’Guessan und Jean-Jacques Acquevillo (beide Sprunggelenk) absagen.

COVID-19-Sorgen bei der Equipe Tricolore

Fraglich bleiben zudem Nikola Karabatic, Benoit Kounkoud und Yanis Lenne, die allesamt positiv auf Covid-19 getestet worden sind, allerdings noch rechtzeitig fit werden könnten.

Frankreich trifft bei der EM auf Kroatien (13. Januar), die Ukraine (15. Januar) und Serbien (17. Januar).

Lesen Sie zum Thema: Handball-EM 2022: Modus, Favoriten, Übertragung