Braunschweig: Keine Tore – wenig Hoffnung?

Aufsteiger Eintracht Braunschweig kommt nicht in die Spur. Trainer Michael Schiele bemängelt nicht nur fehlende “Präzision und Galligkeit”.

Eintracht Braunschweig steht punkt- und torlos am Tabellenende.

Eintracht Braunschweig steht punkt- und torlos am Tabellenende.

IMAGO/Hübner

Die kleine Medienrunde nach dem offiziellen Teil der Pressekonferenz gab es schon während seiner zehn Jahre als Eintracht-Trainer von 2008 bis 2018. Nach seiner siegreichen Rückkehr mit Darmstadt 98 musterte Torsten Lieberknecht erst die bekannten Gesichter, die auf seinen Kollegen Michael Schiele warteten und empfahl ihnen dann: “Lasst den mal machen, der macht das gut.” Es war das Positivste, was Braunschweigs Aufstiegstrainer aus dem Sonntagnachmittag mitnehmen konnte. Denn das 0:1 täuscht ein enges Spiel vor, das tatsächlich nicht stattgefunden hat.

“Uns fehlt vorn die Galligkeit”

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Schieles Mängelliste war dementsprechend lang. Und wieder fing sie ganz vorn an. Null Tore nach drei Partien liefern den statistischen Beleg, wo der Schuh drückt. Hinzu kam gegen die Lilien: Nach vielversprechenden Ansätzen gegen Hamburg (0:2) und Heidenheim (0:3) kam die Eintracht nicht einmal ernsthaft für ein Erfolgserlebnis infrage. “Uns hat die Präzision nach vorn gefehlt, uns fehlt vorn die Galligkeit”, bemängelt der Coach. Und symptomatisch dafür ist auch die Entstehung des entscheidenden Gegentores vier Minuten vor dem Ende. Joker Luc Ihorst ließ sich nach einem der unzähligen langen Bälle einfach wegschieben, in der Folge hieß es 0:1. “Da will der Abwehrspieler den Ball mehr als wir”, sagt Schiele und schaut als hätte er soeben in eine Zitrone gebissen.

Ujah: “Mir hilft jede Minute”

Der Trainer muss diese Probleme lösen, und die Ansätze dafür sind rar. Anthony Ujah gab am Sonntag seinen Einstand und ist allein aufgrund seiner Vita ein Hoffnungsträger. Aber lässt seine zuletzt prall gefüllte Krankenakte und die wenige Spielpraxis diese Rolle auch zu? Schiele findet, “dass seine Qualität direkt sichtbar geworden ist. Was Tony noch fehlt, ist die Fitness. Aber die werden wir ihm antrainieren”. Ujah selbst gibt sich diesbezüglich ebenfalls optimistisch. Er sagte Dinge, die eben gesagt werden bei einer Premiere nach vielen Karriere-Stationen und langer Spielpause. Er sei gut aufgenommen worden und glücklich, wieder auf dem Platz zu stehen, er wolle seinen neuen Kollegen helfen. Sein vielleicht wichtigster Satz ist: “Mir hilft jede Minute.” Um irgendwann wirklich eine Hilfe sein zu können.

kicker Wochenendrückblick vom 7.8.2022

07. August 202205:43 Minuten

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kicker Wochenendrückblick vom 10.7.2022

10.07.2022

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Ob die Eintracht allein auf Ujah und den Faktor Hoffnung setzt, ist noch offen. Der 21-jährige Mainzer Marlon Mustapha bleibt ein Kandidat, mit dem sich die Niedersachsen beschäftigen. Und trotz des kurzen Hoffnungsschimmers durch den Pokalsieg gegen Hertha BSC wirkt die Eintracht-Offensive, als könne sie noch reichlich Qualitäts-Zuwachs und Hilfe vertragen.

Sebastian Wolff

“Erfahrener Stürmer und Teamplayer”: Braunschweig angelt sich Ujah

Eintracht Braunschweig hat wie erwartet den bundesligaerfahrenen Angreifer Anthony Ujah unter Vertrag genommen.

Anthony Ujah stürmt künftig für Eintracht Braunschweig.

Anthony Ujah stürmt künftig für Eintracht Braunschweig.

imago images/Andreas Gora

Antony Ujah stürmt künftig in Niedersachsen. Der Mittelstürmer unterschrieb bei Eintracht Braunschweig einen Vertrag bis zum 30. Juni 2023 mit der Option auf eine weitere Saison. Der 31-Jährige, dessen am 30. Juni ausgelaufener Vertrag beim 1. FC Union Berlin nicht verlängert wurde, heuert ablösefrei bei den Löwen an.

Ujah lief siebenmal für Nigerias Nationalteam auf und blickt auf 136 Bundesligaspiele (30 Tore) sowie 62 Zweitligapartien (24) zurück. In der vergangenen Spielzeit wurde er allerdings nur dreimal in der Bundesliga eingewechselt.

“Unsere jungen Angreifer werden von seiner Erfahrung profitieren”

“Mit Anthony bekommen wir einen erfahrenen Stürmer dazu, der mit kompletter Fitness unseren Kader in der Offensive und insbesondere im Torabschluss weiter aufwerten wird”, wird Sport-Geschäftsführer Peter Vollmann auf der Vereinswebsite zitiert. “Parallel dazu werden unsere jungen Angreifer von seiner Erfahrung profitieren. Tony ist ein absoluter Teamplayer.”

KMD #133 - Michael Ballack + Turid Knaak

01. August 202201:58:37 Stunden

KMD #133 – Michael Ballack + Turid Knaak

Gerade erst die KMD-Crew ihre Koffer ausgepackt und die Badehose wieder gegen seriöse Beinbekleidung getauscht, da wird schon wieder munter um die Wette gepodcastet! Ab jetzt gibt es kicker meets DAZN wie gewohnt wieder jeden Montag und in der ersten Folge schaut direkt mal Michael Ballack vorbei! Der ehemalige Nationalmannschaftskapitän und neue DAZN-Experte spricht unter anderem über seine bewegte Karriere, wie man wieder mehr Spannung in die Bundesliga bringt und was dem BVB noch fehlt, um das Niveau der Bayern zu erreichen. Außerdem werfen sich Alex und Benni im ersten Teil der großen Saisonprognose wildeste Thesen an den Kopf und sprechen mit kicker-Podcast-Kollegin und Ex-Nationalspielerin Turid Knaak über das EM-Finale der Frauen. Welcome back, liebe Leute!

KMD #132 – Julian Brandt

24.05.2022

KMD #131

16.05.2022

KMD #130 – Konrad Laimer

09.05.2022

KMD #129 – Mario Götze

02.05.2022

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“Ich freue mich sehr, künftig ein Teil der Eintracht zu sein. Ich kenne die 2. Bundesliga und werde versuchen, mit meiner Erfahrung der Mannschaft zu helfen”, so Ujah. “Ich habe am Sonntag beim Pokalspiel am Flughafen in Nigeria mitgefiebert und mich riesig für das Team gefreut. Am Ende wollen wir gemeinsam den Klassenerhalt feiern, dafür werde ich alles investieren.”

Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig hatte Bundesligist Hertha BSC im Elfmeterschießen mit 6:5 bezwungen und steht in der 2. DFB-Pokalrunde. 

Die Niedersachsen, die mit zwei Niederlagen in die Zweitliga-Saison gestartet sind, empfangen am Sonntag (13.30 Uhr, LIVE! bei kicker) den SV Darmstadt 98.

Lauberbachs Antwort, Hennings große Gefühle

Dass ein denkwürdiger Abend bevorstehen könnte, hätte schon unmittelbar nach der Auslosung klar sein müssen. Braunschweig gegen Hertha BSC ist im Pokal ein Klassiker, den es zuletzt häufig gab, der eigentlich nie normal ablief  – und am Sonntag doch noch einmal alles Bisherige toppte. Das 10:9 nach Elfmeterschießen ist eines für die Geschichte.

Braunschweigs Bryan Henning jubelt über sein Tor gegen Hertha

Braunschweigs Bryan Henning jubelt über sein Tor gegen Hertha

IMAGO/regios24

2018 hatte die Eintracht den Hauptstadtklub als Drittligist zu Gast, bot einen großen Kampf und verlor unglücklich 1:2, zwei Jahre darauf gab es bei der Neuauflage ein denkwürdiges 5:4, das Erinnerungen an einen Klassiker von 2004 weckte: Da waren die Niedersachsen noch Regionalligist und die Berliner gespickt mit Stars wie Marcelinho und dem heutigen Boss Fredi Bobic. Ausgerechnet der gebürtige Braunschweiger Alexander Madlung hatte Hertha mit einem Eigentor auf die Verliererstraße gebracht, am Ende hieß es 3:2 für den Underdog nach zweimaligem Rückstand. Diese Ereignisse noch in den Schatten zu stellen, schien schwer realisierbar, ist aber geschehen. “Das Kribbeln am ganzen Körper”, sagte Bryan Henning noch eine halbe Stunde nach dem Ende des Pokalfights, “hört einfach nicht auf. Die Gänsehaut geht gar nicht mehr weg.”

Der gebürtige Berliner im Braunschweiger Mittelfeld war Hauptdarsteller und Symbolfigur. Fast eine Stunde fanden Henning und die Eintracht keine Mittel gegen den turmhoch überlegenen Bundesligisten, mit dem Treffer zum 1:2 durch Brian Behrendts Elfmeter nach einer Stunde aber war der Zweitliga-Aufsteiger da. “Wir kamen in einen Flow”, erklärte Henning, “der Kopf ging aus, das Stadion hat uns getragen, es war der Wahnsinn.” Er selbst erzielte nach unglaublichen Drehungen und Wendungen – 3:2 nach 0:2 und einem erneuten Rückstand – das 4:4 kurz vor Ende der Verlängerung, verwandelte dann auch den entscheidenden Elfmeter.

Henning hofft auf eine Initialzündung für die mit null Toren und null Punkten gestartete Eintracht und zieht eine Parallele zum Vorjahr. Auch da ging der Start in die 3. Liga daneben (ein Punkt aus zwei Spielen), ehe ein gelungener Pokalabend die Wende markierte. “Wir haben da zwar 1:2 gegen den HSV verloren, aber gesehen, was für uns möglich ist. Für uns war das damals so etwas wie ein Startschuss in die Saison.” Der soll auch am denkwürdigen Pokalabend gegen die Hertha erfolgt sein. “Ich hoffe, der Knoten ist jetzt geplatzt.”

Fejzic: “Für Lion freut es mich unheimlich”

Die Braunschweiger Hoffnungen auf die Wende sind auch in Lion Lauberbach begründet. Der Aufstiegs-Torjäger war glücklos in die Saison gestartet, musste am Sonntag zunächst auf die Bank. Sport-Geschäftsführer Peter Vollmann will diese Woche möglichst mit zwei Stürmern, dem Ex-Unioner Anthony Ujah (31) und dem Mainzer Marlon Mustapha (21), nachlegen, Lauberbach aber hat sich in Stellung gebracht. Als Joker traf er erst zum 2:2, bereitete dann das zwischenzeitliche 3:2 herausragend vor. “Für Lion”, sagte Torwart Jasmin Fejzic, sowohl während der 120 Minuten als auch im Elfmeterschießen herausragend, “freut es mich unheimlich. Es wurde viel über ihn geredet nach den ersten Partien.” Nach seiner Einwechslung sorgte Lauberbach dafür, dass auch über diese Auflage des Pokalklassikers zwischen Braunschweig und Berlin noch lange geredet wird.

Sebastian Wolff

“Die Euphorie ist jetzt natürlich brutal” – nur nicht bei Hertha BSC

Nach Jahren voller Rückschläge und Abstiegskampf sollte diese Saison für Hertha BSC mit einem Erfolgserlebnis starten. Stattdessen muss der neue Trainer Sandro Schwarz sein Team aus einem Loch holen – schießlich lauert der nächste Gradmesser direkt ums Eck.

Erstes Spiel, erste Pleite: Sandro Schwarz ist mit Hertha BSC direkt wieder in ein Tal gerauscht.

Erstes Spiel, erste Pleite: Sandro Schwarz ist mit Hertha BSC direkt wieder in ein Tal gerauscht.

IMAGO/Christian Schroedter

45 solide Minuten mit dominanten Phasen und eben einer verdienten wie komfortablen 2:0-Führung. Wer nur die erste Hälfte beim Gastspiel bei Zweitliga-Schlusslicht Eintracht Braunschweig an diesem Pokal-Sonntag gesehen hatte, konnte absolut an einen gelungenen Saisonstart der in den letzten Jahren gebeutelten Berliner glauben.

Doch weitere 45 plus 15 plus 15 Minuten plus Elfmeterschießen warteten noch – und sollten Hertha BSC doch noch das direkte Aus bescheren. Denn der bis dato in zwei Ligaspielen noch ohne eigenes Tor dastehenden Zweitliga-Aufsteiger schenkte der Alten Dame nach dem 0:2 zunächst zwei Tore zum 2:2 ein, nur um in der Verlängerung zunächst mit 3:2 zu führen und nach folgendem 3:4-Rückstand erneut zurückzukommen. 4:4 sollte es demzufolge nach Schusseinladung für Bryan Henning (“Ich habe seit dem Abpfiff Gänsehaut – mein ganzer Körper kribbelt”) heißen, ehe im Thriller schließlich Kapitän Marvin Plattenhardt und allen voran Marc-Oliver Kempf mit einem kläglichen Abschluss vom Punkt über die Querlatte das Aus besiegelten.

“Das waren Emotionen, puh”, staunte der nach Worten ringende und überglückliche Braunschweiger Trainer Michael Schiele bei “Sky” kurz nach diesem wilden wie torreichen Spektakel nicht schlecht über sein Team. “Das war ein top Pokalfight. Die Euphorie ist jetzt natürlich brutal.”

“Typisch für diesen Wettbewerb”

Ins Gegenteil schlägt die Euphorie bei Hertha BSC aus, vor allem weil sich der Hauptstadtklub nach der dramtischen Rettung im Mai in der Relegation gegen den Hamburger SV (0:1, 2:0) einen gänzlich anderen Saisonstart erhofft – und diesen eben auch mit der verdienten 2:0-Pausenführung auf den Weg gebracht hatte.

Dementsprechend niedergeschlagen zeigte sich der neue Trainer Sandro Schwarz im Anschluss: “Es ist extrem ärgerlich, dass wir so ein dominantes Spiel über weite Strecken in den ersten 90 Minuten gezeigt haben und dann heute als Verlierer vom Platz gehen.”

Ins selbe Horn blies etwa sein zum Kapitän ernannter Linksverteidiger Plattenhardt: “Im ersten Spiel raus – das ist nicht schön und fühlt sich schlecht an. In der ersten Halbzeit haben wir einfach und sehr gut gespielt. Wir haben anschließend aber den Faden verloren und waren nicht mehr so griffig. Das ging alles viel zu schnell und einfach.” Davie Selke fügte an: “In Durchgang zwei haben wir ein stückweit nachgelassen und wurden – typisch für diesen Wettbewerb – eiskalt bestraft.” Am Ende sei es “absolute Glückssache” gewesen.

Lange Zeit zum Hadern bleibt den Berlinern aber nicht, schließlich wartet auf Hertha BSC schon am kommenden Samstag (15.30 Uhr) der nächste Startschuss – und zwar der in der Bundesliga. Gradmesser inklusive: Denn hier am 1. Spieltag steht für die Alte Dame direkt das prestigeträchtige Derby bei Stadtrivale Union Berlin an. “Nun müssen wir regenerieren und uns auf das Derby vorbereiten. Für dieses Spiel haben uns auch die Fans direkt Mut zugesprochen”, so Plattenhardt abschließend – wohlwissend, dass sich sein Team und eben die Fans nach zuletzt drei in Folge verlorenen Derbys (zweimal Liga, einmal DFB-Pokal) auch speziell hier nach einem Erfolgserlebnis sehnen.

Oder in den Worten von Führungsspieler Kevin-Prince Boateng: “Wir sind raus, aber es geht weiter!”

2:2, 4:4, 5:6! Hertha BSC scheitert nach wilder Achterbahnfahrt in Braunschweig

Nach Jahren voller Abstiegskampf hieß die Marschroute von Hertha BSC: als Favorit mit einem Erfolgserlebnis in die neue Saison starten. Doch der Zweitliga-Vorletzte Eintracht Braunschweig hatte nach anfänglicher Unterlegenheit etwas dagegen und behauptete sich bei diesem ab dem zweiten Abschnitt wilden Spiel letztlich im Thriller.

Ordentlich Grund zum Feiern: Eintracht Braunschweig hat Hertha BSC im DFB-Pokal geschlagen.

Ordentlich Grund zum Feiern: Eintracht Braunschweig hat Hertha BSC im DFB-Pokal geschlagen.

IMAGO/Matthias Koch

Obwohl Berlins neuer Trainer Sandro Schwarz vor seinem ersten Pflichtspiel den Gegner aus Braunschweig als “einen sehr schwierigen Gegner” bezeichnet hatte, so wollte der frühere Mainzer Coach doch vor allem eines sehen – “dass wir unserem Anspruch und unserer Favoritenrolle gerecht werden”. Ein Wunsch, der weitestgehend in Erfüllung ging. Denn das mit den Neuzugängen Sunjic (Birmingham) und Kenny (FC Everton), Führungsspieler Boateng, Kapitän Plattenhardt, Abwehrhüne Boyata oder auch Stoßstürmer Selke in Noch-Abwesenheit von Neuzugang Kanga aufgestellte Team ließ in dieser 1. Runde im DFB-Pokal kaum etwas anbrennen.

Der von Michael Schiele trainierte und als Aufsteiger schwach in die neue Zweitliga-Spielzeit gestartete Klub aus Braunschweig (0:2 gegen Hamburg, 0:3 in Heidenheim) kam lediglich in der 5. Minute zu einer wirklich großen Möglichkeit. Hier vergab Kreativspieler Pherai nach einem langen Schlag und nach der Umkurvung von Torwart Christensen (Rettung von Boyata), nachdem zuvor Maolida auf der anderen Seite das 1:0 liegengelassen hatte (4.).

Plattenhardt findet Selke

Nach fast zehn gespielten Minuten folgte aber schon der erste Streich der Alten Dame: Der an diesem frühen Sonntagabend oft zu wenig attackierte Hertha-Kapitän Plattenhardt wurde freigespielt und flankte gewohnt präzise nach innen, wo sich Selke hochschraubte, so Gegenspieler Decarli stehen ließ und eiskalt aus nächster Nähe einnickte. Der 36-jährige Schlussmann Fejzic hatte keine Abwehrchance.

DFB-Pokal 2022/23

Plattenhardt via direkt versuchtem Freistoß (12.), Maolida (28.), Selke (28.) und nochmals Maolida (37., Parade von Fejzic) ließen in der Folge mehrmals das mögliche 2:0 liegen, wodurch die heimische Eintracht immerhin mal kurzzeitig Oberwasser gewann und selbst durch Ihorsts Schuss ans Außennetz (19.) als auch durch Nikolaous knapp vorbei fliegenden Distanzknaller (36.) von einem eigenen Treffer träumen durfte.

Lukebakio rennt, Maolida steht und staubt ab

Kurz vor der Halbzeitpause fingen sich die niedersächsischen Löwen aber noch das verdiente 0:2. Der kaum im Eins-gegen-eins aufzuhaltende Lukebakio, der nach seiner Leihe zum VfL Wolfsburg wieder Teil der Berliner ist, gab Gas und bedient letztlich auch mit etwas Glück den abstaubenden Maolida, der aus nächster Nähe äußerst einfach nur noch einzuschieben brauchte (42.).

Konnten sich die Braunschweiger als aktuelles Tabellenschlusslicht der 2. Bundesliga davon mit Wiederbeginn nochmals erholen? Durchaus, zumal die Mannschaft nach einer frühen Chance für Boateng (49.) anders agierte und plötzlich weit vorn presste. Das führte nicht nur zu Annäherungen, sondern auch zu einem Aluminiumtreffer. Spielmacher Pherai traf nach Endo-Einwurf und nach cleverem Körpereinsatz gegen Gegenspieler Sunjic aus spitzem Winkel den Pfosten (54.).

Hertha entgleitet das Spiel

Und nachdem Boyata nach schöner Plattenhardt-Freistoßflanke das mögliche 3:0 verpasst hatte (60.), schlug das Pendel urplötzlich vollends Richtung BTSV aus. Die Gäste aus der Hauptstadt verloren in dieser Phase nicht nur den Faden, sie kamen auch oft den entscheidenden Schritt zu spät. Die Quittungen: Nach einem klaren Foul von Boyata am quirligen Pherai gab es Elfmeter, den Behrendt sicher zum 1:2-Anschluss verwandelte (63.). Wenig später ließen sich die Herthaner von Marx überrennen – Joker Lauberbach machte das 2:2 (66.). Zwar kam Berlin im Anschluss wieder auf, der auffällige Joker Ejuke Betrieb mit strammem Abschluss samt Parade von Torwart Fejzic (77.) sowie der ebenfalls gekommene Jovetic mit einem Tor aus Abseitsstellung heraus (88.) konnten die Verlängerung aber nicht mehr abwenden.

Tore satt: Der Pokal-Wahnsinn nimmt seinen Lauf


Sandro Schwarz

Muss im ersten Spiel als neuer Hertha-Trainer direkt einen heftigen Rückschlag verkraften: Sandro Schwarz.
IMAGO/Matthias Koch

In diesen zweimal 15 gespielten Minuten entwickelte sich das Spiel erst recht zu einem hochspannenden Fußballfest. Zunächst gelang dem BTSV bereits in der 91. Minute nach starker Vorarbeit von Lauberbach in Person von Pherai das 3:2, das allerdings Berlins eingewechselter Franzose Tousart mit einem in den rechten Winkel abgefälschten Schuss zu kontern wusste (103.). Dem 3:3 ließ die Alte Dame aber direkt zum Start der finalen 15 Minuten das 4:3 und damit die abermalige Führung folgen: Lukebakio chippte die Kugel nach feinem Zuspiel von Jovetic herrlich über Schlussmann Fejzic hinweg ins Netz (106.). Doch auch diese Führung sollte nicht halten, weil Henning nochmals zum Schießen eingeladen wurde – und dieser die Einladung dankend zum 4:4 in dieser verrückten Verängerung annahm (118.).

Das Elfmeterschießen musste demzufolge die Entscheidung bringen. Natürlich ging es auch hier nach Treffern etwa von Darida oder Pherai und Fehlschüssen von Plattenhardt und Donkor in die Extraschicht. Und hier versagten Kempf mit einem Versuch nach nur ganz wenigen Schritten Anlauf die Nerven, der Abwehrmann schoss drüber. Henning hatte die Entscheidung auf dem Fuß – und schoss die BTSV-Löwen mit seinem Abschluss zum 6:5 im Elfmeterschießen souverän eine Runde weiter. Im bereits sechsten DFB-Pokal-Vergleich zwischen diesen beiden Klubs behauptete sich Braunschweig somit bereits zum fünften Mal.

Die Eintracht erwartet am Sonntag (13 Uhr) Besuch aus Darmstadt – und plant hier natürlich die ersten Punkte in der bislang schwachen Zweitliga-Saison. Hertha hat beim Bundesliga-Auftakt am Samstag (15.30 Uhr) gleich das prestigeträchtige Derby bei Union vor der Brust.

Tore und Karten

0:1
Selke (10′, Kopfball, Plattenhardt)

0:2
Maolida (42′, Linksschuss, Lukebakio)

1:2
Behrendt (63′, Foulelfmeter, Rechtsschuss, Pherai)

2:2
Lauberbach (66′, Linksschuss, Marx)

3:2
Pherai (91′, Rechtsschuss, Lauberbach)

3:3
Tousart (103′, Rechtsschuss, Darida)

3:4
Lukebakio (106′, Rechtsschuss, Jovetic)

4:4
Br. Henning (118′, Rechtsschuss, Pherai)

Tore und Karten

0:1
Selke (10′, Kopfball, Plattenhardt)

0:2
Maolida (42′, Linksschuss, Lukebakio)

1:2
Behrendt (63′, Foulelfmeter, Rechtsschuss, Pherai)

2:2
Lauberbach (66′, Linksschuss, Marx)

3:2
Pherai (91′, Rechtsschuss, Lauberbach)

3:3
Tousart (103′, Rechtsschuss, Darida)

3:4
Lukebakio (106′, Rechtsschuss, Jovetic)

4:4
Br. Henning (118′, Rechtsschuss, Pherai)

Eintracht Braunschweig

Nikolaou (40. ), Br. Henning (82. ), Pherai (93. )

Hertha BSC

Lukebakio (53. ), Tousart (69. ), Sunjic (108. )


Eintracht Braunschweig

Braunschweig


Eintracht Braunschweig

Braunschweig

Aufstellung

Einwechslungen

Reservebank

Trainer:


Hertha BSC

Hertha


Hertha BSC

Hertha

Aufstellung

Einwechslungen

Reservebank

Trainer:

Schiedsrichter-Team
Tobias Stieler

Tobias Stieler
Hamburg

Schiedsrichter-Team

Tobias Stieler

Tobias Stieler
Hamburg

Spielinfo


Stadion

Eintracht-Stadion

Zuschauer

14.126

Spielinfo


Anstoß

31.07.2022, 18:01 Uhr


Stadion

Eintracht-Stadion Braunschweig


Zuschauer

14.126


Chancenverhältnis

4:11


Eckenverhältnis

9:8

Die 2. DFB-Pokal-Runde wird erst im September ausgelost.

Schiele: “Dann wird der Knoten auch platzen”

Die Rückkehr in die 2. Bundesliga lief für Eintracht Braunschweig bislang schief, im Pokal kommt nun Hertha BSC. Trainer Michael Schiele weiß, wo er die Hebel ansetzen muss.

Michael Schiele blickt vor dem Duell mit Hertha BSC zurück.

Michael Schiele blickt vor dem Duell mit Hertha BSC zurück.

IMAGO/Eibner

0:2 gegen den Hamburger SV, 0:3 in Heidenheim – der Start für den Aufsteiger im deutschen Unterhaus ging daneben. Jetzt taucht Hertha (Sonntag, 18.01 Uhr, LIVE! bei kicker) in Braunschweig auf. “Ein ganz erfahrenes und spielstarkes Team”, so Schiele am Freitag. “Mit dem neuen Trainer kommt aber auch eine neue Herangehensweise”, kann er die Berliner nicht ganz genau einschätzen.

Sein Team dagegen schon. “In Heidenheim hat beim Torabschluss, im Gegensatz zum Heimspiel gegen den HSV, die Überzeugung gefehlt. Das werden wir am Sonntag anders angehen”, gibt Schiele die Marschroute gegen den Bundesligisten vor. Und “wenn der Ball dann mal im Netz landet, wird der Knoten auch platzen”, ist sich Schiele sicher.

Der Knoten sollte auch platzen, wenn nicht wie in der vergangenen Saison gleich in Runde eins Schluss sein soll. Da schied die Eintracht gegen den HSV aus (1:2).

Mit welcher Elf Schiele Hertha in die Knie zwingen will, steht noch nicht ganz fest. “Wir haben in den ersten Partien mit derselben Formation gespielt. Es gibt einige Jungs, die hinten anstehen und mit den Hufen scharren. Von daher kann es schon sein, dass mit Blick auf Sonntag ein paar Wechsel vollzogen werden.”

Hoffmann? Oder doch Fejzic?

Auch im Tor? Ron-Thorben Hoffmann (23) hat sich vor allem in Heidenheim (kicker-Note 2,5) nichts zuschulden kommen lassen, dennoch könnte der zuletzt aufgrund von Corona ausgefallene Jasmin Fejzic (36) wieder zwischen die Pfosten rücken. “Wir haben uns heute auch mit Jasmin unterhalten. Er hat im Training einen guten Eindruck gemacht und viel Präsenz mitgebracht, war ja aber auch etwas mehr als eine Woche raus. Wir schauen morgen noch mal, wie er sich nach dieser Woche fühlt”, sagte Schiele.

“Prost, Löwinnen und Löwen!” Braunschweig feiert Spontan-Aufstiegsparty

Nur einen Tag nach dem vergebenen Matchball durfte Eintracht Braunschweig doch noch den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga feiern – mit einer spontanen Party.

Aufstieg dank Klassenerhalt: Die Eintracht-Profis feierten am Sonntag im Stadion mit den Fans, weil Viktoria Köln (re.) gegen Lautern gewann.

Aufstieg dank Klassenerhalt: Die Eintracht-Profis feierten am Sonntag im Stadion mit den Fans, weil Viktoria Köln (re.) gegen Lautern gewann.

Twitter-Account Eintracht Braunschweig/imago

Den letzten Gegner dieser Drittliga-Saison wird Eintracht Braunschweig besonders herzlich empfangen. Am kommenden Samstag (13.30 Uhr, LIVE! bei kicker) kommt mit Viktoria Köln der Ligakonkurrent, der den Löwen schon an diesem Sonntag die Rückkehr in die 2. Bundesliga beschert hat.

Durch den 2:0-Sieg der nun geretteten Kölner gegen den 1. FC Kaiserslautern ist der Braunschweiger Aufstieg perfekt – und der am Tag zuvor vergebene Matchball in Meppen (2:3) vergessen. “Prost, Ihr Löwinnen und Löwen!”, schrieb der Klub auf seiner Website. “Manchmal muss man Feste feiern, wie sie fallen – heute ist so ein Tag die gesamte Eintracht-Familie!”

Weil die Party am Samstag ausgefallen war, wurde sie am Sonntag eben nachgeholt: Im heimischen Stadion feierte die Mannschaft ausgelassen mit immer mehr Fans. Lauthals wurde unter anderem “Nie mehr 3. Liga” gesungen.

DFL-Chefin Hopfen gratuliert

“Wir begrüßen einen der ersten deutschen Meister der Bundesliga-Geschichte zurück im Profifußball”, gratulierte DFL-Chefin Donata Hopfen. 2021 war die Eintracht als Aufsteiger direkt wieder aus der 2. Bundesliga abgestiegen. Unter dem neuen Trainer Michael Schiele mischte sie aber 2021/22 von Beginn an im Aufstiegsrennen der 3. Liga mit und überholte auf den letzten Metern den 1. FC Kaiserslautern noch.

Der FCK bestreitet nun die Relegation gegen den Zweitliga-16. Dynamo Dresden. Den Braunschweigern bleibt dieser riskante Umweg erspart.

“Prost, Löwinnen und Löwen!” Braunschweig feiert Spontan-Aufstiegsparty

Nur einen Tag nach dem vergebenen Matchball durfte Eintracht Braunschweig doch noch den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga feiern – mit einer spontanen Party.

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Aufstieg dank Klassenerhalt: Die Eintracht-Profis feierten am Sonntag im Stadion mit den Fans, weil Viktoria Köln (re.) gegen Lautern gewann.

Twitter-Account Eintracht Braunschweig/imago

Den letzten Gegner dieser Drittliga-Saison wird Eintracht Braunschweig besonders herzlich empfangen. Am kommenden Samstag (13.30 Uhr, LIVE! bei kicker) kommt mit Viktoria Köln der Ligakonkurrent, der den Löwen schon an diesem Sonntag die Rückkehr in die 2. Bundesliga beschert hat.

Durch den 2:0-Sieg der nun geretteten Kölner gegen den 1. FC Kaiserslautern ist der Braunschweiger Aufstieg perfekt – und der am Tag zuvor vergebene Matchball in Meppen (2:3) vergessen. “Prost, Ihr Löwinnen und Löwen!”, schrieb der Klub auf seiner Website. “Manchmal muss man Feste feiern, wie sie fallen – heute ist so ein Tag die gesamte Eintracht-Familie!”

Weil die Party am Samstag ausgefallen war, wurde sie am Sonntag eben nachgeholt: Im heimischen Stadion feierte die Mannschaft ausgelassen mit immer mehr Fans. Lauthals wurde unter anderem “Nie mehr 3. Liga” gesungen.

DFL-Chefin Hopfen gratuliert

“Wir begrüßen einen der ersten deutschen Meister der Bundesliga-Geschichte zurück im Profifußball”, gratulierte DFL-Chefin Donata Hopfen. 2021 war die Eintracht als Aufsteiger direkt wieder aus der 2. Bundesliga abgestiegen. Unter dem neuen Trainer Michael Schiele mischte sie aber 2021/22 von Beginn an im Aufstiegsrennen der 3. Liga mit und überholte auf den letzten Metern den 1. FC Kaiserslautern noch.

Der FCK bestreitet nun die Relegation gegen den Zweitliga-16. Dynamo Dresden. Den Braunschweigern bleibt dieser riskante Umweg erspart.