Saudi-Arabien richtet Asienmeisterschaft 2027 aus

Weitere Bewerber gab es nicht, es fehlten also nur noch die Formalitäten: Saudi-Arabien hat den Zuschlag für die Ausrichtung der Asienmeisterschaft 2027 erhalten.

Beim AFC-Kongress fiel die formale Entscheidung.

Beim AFC-Kongress fiel die formale Entscheidung.

AFP via Getty Images

Saudi-Arabien war nach dem Rückzug von Indien im Dezember der einzige Bewerber gewesen. Damit stand der Wüstenstaat quasi schon als Ausrichter fest. Bei seinem Kongress in der bahrainischen Hauptstadt Manama gab der asiatische Kontinentalverband (AFC) am Mittwoch die Vergabe nun auch formal bekannt.

“Wir freuen uns darauf, das größte Turnier in der Geschichte des Wettbewerbs auszurichten”, sagte Sportminister Prinz Abdulaziz bin Turki Al-Faisal: “Das Königreich wandelt sich vor unseren Augen, und wir sind gespannt darauf, wie es 2027 aussehen wird.”

Saudi-Arabien hat seine Investitionen in den internationalen Sport in den vergangenen Jahren stark intensiviert. Unter anderem findet dort die lukrative LIV-Golf-Tour statt, auch die Formel 1 macht Station im Königreich, und zuletzt wechselte Cristiano Ronaldo zum saudi-arabischen Klub Al-Nasr Riad. Berichten zufolge strebt der Wüstenstaat auch die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2030 an.

Die Asienmeisterschaft wird alle vier Jahre ausgetragen, 2023 findet das Turnier in Katar statt. Der Titelverteidiger war für den ursprünglichen Gastgeber China eingesprungen, der aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt hatte. Saudi-Arabien gewann den Titel bereits dreimal.

Verkrampft, aber glücklich: Polen verhindert Vorrunden-Aus

Nach zwei Niederlagen gegen Frankreich und Slowenien mühte sich Gastgeber Polen zu einem 27:24 (13:12) gegen Außenseiter Saudi-Arabien und schaffte es damit auf den letzten Drücker in die Hauptrunde.

Er führte die Polen mit neun Toren an: Arkadiusz Moryto.

Er führte die Polen mit neun Toren an: Arkadiusz Moryto.

IMAGO/Newspix

Polens Trainer Patryk Rombel war die Erleichterung bei der obligatorischen Pressekonferenz nach der Partie anzusehen. “Wir wussten, dass es hart werden wird”, gab er zur Protokoll. “Ich bin aber sehr stolz, dass wir dieses Ergebnis gerettet haben und gewinnen konnten.”

Vor der (verhaltenen) Freude über den Hauptrundeneinzug standen jedoch 60 intensive Minuten, in denen die Polen den eigenen Ansprüchen nur selten gerecht wurden. Die Nervosität und der Druck waren gerade im ersten Durchgang sichtbar, das Team von Rombel tat sich extrem schwer. Es konnte weder seine körperlichen noch seine handballerischen Vorteile ausnutzen.

Es entwickelte sich eine extrem zähe Partie, in der Tore Mangelware waren. Nach einer Viertelstunde traf Abdullah Al Abbas zum 6:5 für den Außenseiter; es war sein dritter Treffer per Siebenmeter. Selbst eine Doppel-Parade von Adam Morawski konnte die Polen nicht aufwecken – und Saudi-Arabien erhöhte seine Führung (9:7, 19.).

Der Außenseiter kam immer wieder über den Kreis zum Erfolg. “Wir hatten Probleme in der Defensive, gerade im Mittelblock”, konstatierte Rombel nach der Partie.

Abwehr war nicht das einzige Problem

Die Abwehr war jedoch nicht das einzige Problem: Die polnische Mannschaft – die vor dem Anpfiff noch einen Gänsehautmoment erlebte, als 10.000 polnische Fans im Spodek in Kattowitz die Nationalhymne a capella intonierten – trat extrem verkrampft auf, der Ball kam nicht ins Laufen. 

Symbolisch für diese Phase war der Siebenmeter-Fehlwurf von dem ansonsten sicheren Schützen Arkadiusz Moryto (20.). Auch die Bank zeigte kaum eine Reaktion, die Stimmung im weiten Rund war ebenfalls verhalten. Noch sprang kein Funke über.

Dass die Polen eine 13:12-Halbzeitführung mit in die Kabine nehmen konnten, hatten sie ihrem Keeper zu verdanken: Morawski parierte spektakulär und versuchte, seine Mannschaft mitzureißen – einer der wenigen Spiele in diesen Minuten, die überhaupt Emotionen zeigten. “Wir waren gerade in der Abwehr zu passiv in der ersten Halbzeit”, stellte auch Bartlomiej Bis nach dem Spiel fest.

Polen steigert sich nach dem Seitenwechsel

Nach Wiederanpfiff schien die polnische Mannschaft langsam im Spiel Fuß zu fassen. Die Abwehr bekam mehr Zugriff auf die spielerisch limitierten Saudi-Araber, die sich zwar bemühten, aber aufgrund ihrer körperlichen Nachteile nicht aus dem Rückraum zum Wurf kamen. Sie waren auf ihren Kreis und ihre Schnelligkeit angewiesen, was die Polen in dieser Phase besser zu verteidigen wussten. Michal Daszek konnte die Führung so auf 20:16 (41.) ausbauen und Jan Pytlick zog die Auszeit.

Mit Erfolg: Seine Mannschaft kämpfte sich zurück und konnte auf 22:20 (50.) herankommen. Nun begann erneut das Nervenflattern: Ein Ball landete an der Latte, was die Saudis prompt zum Anschlusstreffer nutzten (22:21, 51.).

Einen Ballverlust später hatte der Außenseiter sogar die Chance zum Ausgleich, doch ein Steal von Przemyslaw Krajewski sorgte für Jubel bei den polnischen Anhängern: 24:22 (53.). Wenige Minuten später machte er nach weiteren Paraden von Morawski mit dem Treffer zum 26:23 (59.) den Sack zu und verhinderte somit eine Zitterpartie bis zum Schluss.

Ich bin ein bisschen enttäuscht, aber insgesamt bin ich zufrieden.

Saudi-Arabiens Trainer Jan Pytlick

“Ich bin natürlich ein bisschen enttäuscht, aber insgesamt bin ich zufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft”, erklärte Pytlick auf der Pressekonferenz. “Wir brauchen mehr Erfahrung, um gegen solche guten Teams aus Europa bestehen zu können.” Polen-Kreisläufer Bis konstatierte: “Wir haben bis zum Ende um jeden Ball gekämpft und unsere Abwehr stand in der zweiten Halbzeit sehr viel besser.”

Mit dem Sieg verhinderte Polen haarscharf die Blamage eines Vorrunden-Aus – es wäre das erste Mal seit 1970 in Frankreich gewesen, dass der Gastgeber so früh ausgeschieden wäre. Mit null Punkten sind die Chancen auf das Viertelfinale allerdings minimal. Rombel gab sich dennoch kämpferisch: “Wir wollen drei Spiele gewinnen und so um das Viertelfinale kämpfen.”

Polen – Saudi-Arabien 27:24 (13:12)

Polen: Morawski, Skrzyniarz – Moryto 9/6, Sicko 8, M. Gebala 2, Krajewski 2/1, Olejniczak 2, Czuwara 1, Daszek 1, Jedraszczyk 1, Komarzewski 1, Bis, Chrapkowski, Dzialakiewicz, Pietrasik, Walczak
Saudi-Arabien: Moh. Al-Salem, Mohammed – A. Al-Abbas 5/4, Al-Abdulali 3/1, Al-Janabi 3, Ma. Al-Salem 3, M. Al-Abbas 2, Al-Maa 2, Al-Mohsin 2, Moj. Al-Salem 2, Al-Hulaili 1, Al-Tarouti 1, Al-Hammad, Al-Muwallad, Al-Turaiki, Quraish
Schiedsrichter: Duarte Santos (Portugal)/Ricardo Fonseca (Portugal)
Zuschauer: 9999
Strafminuten: 14 / 2
Disqualifikation: – / –

Frankreich feiert Kantersieg – und erreicht die Hauptrunde

Olympiasieger Frankreich steht erwartungsgemäß in der Hauptrunde. Nach dem Auftaktsieg gegen Gastgeber Polen feierte das Team von Guillaume Gille am Samstag einen ungefährdeten 41:23 (24:14)-Erfolg gegen Saudi-Arabien.

Er führte die Franzosen mit acht Toren an: Yanis Lenne.

Er führte die Franzosen mit acht Toren an: Yanis Lenne.

IMAGO/Mateusz Birecki

Die Rollenverteilung zwischen dem amtierenden Olympiasieger Frankreich und dem Handball-Exoten Saudi-Arabien waren schon vor dem Anpfiff klar verteilt – und das Bild, das sich auf dem Feld bot, war entsprechend klar. Die “Equipe Tricolore” ging früh in Führung; Nedim Remili erzielte in der fünften Spielminute das 4:1.

Der Vorsprung hätte schon höher ausfallen können, doch so spielend leicht, wie Frankreich die Bälle eroberte, so spielend leichtfertig vergab das Team von Guillaume Gille die Chancen. Remili und Nicolas Tournat scheiterten innerhalb von nicht einmal zwei Minuten aus besten Wurfpositionen an Amro Mohammed; zudem landete ein Pass deutlich im Seitenaus.

An der Richtung, welche die Partie nahm, änderte das freilich nichts. Ludovic Fabregas netzte zum 7:3 (9.) ein, Valentin Porte ließ das 11:6 (14.) folgen. Kurz zuvor hatte Saudi-Arabien durch die Disqualifikation von Marhoon Almaa eine personelle Schwächung erlitten, der den einlaufenden Porte unglücklich im Kopfbereich erwischt hatte und dafür die direkte Rote Karte sah.

Saudi-Arabien kommt noch einmal ran

Angesichts des Vorsprungs wechselte Gille bereits früh durch und brachte nacheinander Yanis Lenne, Melvyn Richardson, Dylan Nahi und Thibaud Briet ins Spiel. Das hatte einen kleinen Bruch zufolge: Saudi-Arabien verkürzte mit drei Ballgewinnen auf 12:10 (17.).

Die körperlich und individuell qualitativ überlegenen Franzosen ließen sich davon jedoch nicht lange irritieren und spielten sich mit dem inzwischen ebenfalls eingewechselten Nikola Karabatic bis zur Pause ein Zehn-Tore-Polster heraus. Tournat traf kurz vor der Sirene zum 24:14. Kurios: Während Karabatic zeitweise auf Außen deckte, stellte Linksaußen Mathieu Grebille den Mittelblock.

Obwohl Saudi-Arabien nicht aufsteckte und immer wieder schöne Aktionen zeigen konnte, war die Entscheidung zu Beginn des zweiten Durchgangs gefallen. Gille nahm Vincent Gerard aus dem Tor und brachte Remi Desbonnet, auch im Feld verteilte er die Kraft und schonte viele seiner Stammspieler. Über 30:17 (43.) zog Frankreich auf 37:20 (55.) davon und siegte am Ende auch in der Höhe verdient mit 41:23.

Frankreich steht damit in der Hauptrunde – die Araber indes müssen nun auf einen Sieg Sloweniens gegen Polen hoffen, um am Montag in einem “Endspiel” gegen den Gastgeber zumindest theoretisch noch eine Chance auf das Weiterkommen zu haben.

Frankreich – Saudi-Arabien 41:23 (24:14)

Frankreich: Bolzinger, Desbonnet, Gerard – Y. Lenne 8, Mahé 6/3, Tournat 6, Fabregas 4, Briet 3, Prandi 3, Grebille 2, Porte 2, Remili 2, Richardson 2/1, N. Karabatic 1, Lagarde 1, Nahi 1
Saudi-Arabien: Al-Saffar, Mohammed – A. Al-Abbas 5/4, Ma. Al-Salem 5, M. Al-Abbas 4, Al-Abdulali 2, Al-Janabi 2, Al-Mohsin 2, Al-Hassan 1, Al-Muwallad 1, Al-Taweel 1, Al-Hammad, Al-Hulaili, Al-Maa, Al-Turaiki, Quraish Schiedsrichter: Bon-Ok Koo (Südkorea)/Seok Lee (Südkorea)
Zuschauer: 6200
Strafminuten: 2 / 8
Disqualifikation: – / Al-Maa (11.)