Voss-Tecklenburg: “Das zeigt den großartigen Charakter dieser Mannschaft”

Bei der zweiten Partie innerhalb weniger Tage gegen die USA zeigte das deutsche Team zwei ganz unterschiedliche Gesichter. Eine Verletzung brachte einen Bruch im Spiel.

"Ich bin optimistisch, was die Entwicklung Richtung WM angeht": Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

“Ich bin optimistisch, was die Entwicklung Richtung WM angeht”: Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

picture alliance / ZUMAPRESS.com

Kathy Hendrich brachte es am Sonntagabend nach dem Abpfiff auf den Punkt: “In der ersten Halbzeit haben wir super gespielt und hatten das Gefühl, dass wir alles im Griff haben. In der 2. Halbzeit hat vieles nicht mehr gestimmt. Es ist ärgerlich, dass wir verloren haben, aber wir haben gesehen, dass wir mit dem Weltmeister mithalten können”, bilanzierte die erfahrene Innenverteidigerin vom VfL Wolfsburg. Hendrichs Formkurve verlief genauso wie bei fast allen ihrer Mitspielerinnen: Nach einer guten ersten Hälfte folgte eine zweite Halbzeit, die zeigte, dass der Vize-Europameister auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2023 in Australien und Neuseeland noch viel zu tun hat.

“Nach der Verletzung von Lena Oberdorf hatten wir einen Bruch im Spiel”, erkannte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Oberdorf hatte sich in der 33. Minute an der Schulter verletzt, musste ausgewechselt werden und fuhr nach dem Spiel zum Röntgen ins Krankenhaus. Eine Diagnose steht noch aus.

Vor der Verletzung der Wolfsburgerin hatte die deutsche Mannschaft alles im Griff und war verdient in der 18. Minute durch Jule Brand in Führung gegangen. “Wir hatten einen sehr guten Start, waren sehr gut im Spiel und hatten eine hohe Ballsicherheit”, freute sich die Bundestrainerin. Aber: “In der zweiten Halbzeit haben wir im Spielaufbau ein, zwei Fehler gemacht und unsauber agiert. Das hat die USA ausgenutzt.” Und zweimal eiskalt zuschlagen. Aber auch eine höhere Niederlage als dieses 1:2 wäre möglich gewesen.

Trotz aller Probleme wie verspätete Flüge, Hurrikan Nicole, einem kaputten Mannschaftsbus sowie nächtlichem Feuer-Fehlalarm im Hotel zog Voss-Tecklenburg insgesamt ein positives Fazit des US-Trips mit einem Sieg und einer Niederlage: “Die Spielerinnen haben alles gegeben, das zeigt den großartigen Charakter dieser Mannschaft. Wir haben Erfahrungen gemacht, die für die Zukunft der Mannschaft sehr wichtig waren. Ich bin optimistisch, was die Entwicklung Richtung WM angeht.”

Gunnar Meggers

Nach Brands Führung: USA dreht per Doppelschlag das Spiel

Zum zweiten Mal binnen weniger Tage trafen die DFB-Frauen auf die USA. Und dieses Mal mit dem besseren Ende für die Amerikanerinnen, die dank starker zweite Hälfte mit 2:1 gewannen. 

Mallory Pugh konnte nach der Pause von der deutschen Mannschaft kaum gehalten werden. 

Mallory Pugh konnte nach der Pause von der deutschen Mannschaft kaum gehalten werden. 

IMAGO/USA TODAY Network

Vor zwei Tagen hatten sich die deutschen Frauen im ersten der beiden Testspiele mit 2:1 durchgesetzt. Nun stand wenig später in der Nacht auf Montag (MEZ) in Harrison direkt das nächste Aufeinandertreffen an. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg rotierte nach dem ersten Spiel mächtig durch, einzig Kleinherne, Nüsken, Popp und Lattwein spielten erneut von Beginn an.

Die DFB-Frauen begannen direkt druckvoll und spielten mutig nach vorne. Den Lohn dafür gab es in der 18. Minute, als Brand flach rechts unten zum 1:0 traf. Es lief recht glatt für die Vize-Europameisterinnen. Doch dann gab es einen Schreckmoment, denn Oberdorf fiel in einem Zweikampf unglücklich auf die Schulter und musste ausgewechselt werden (33.). Das sah alles andere als gut aus.

Fortan machten die USA zwar etwas mehr, ohne jedoch gefährlich zu werden, weswegen es mit einer verdienten und knappen Führung für Elf von Voss-Tecklenburg in die Kabinen ging. 

USA drehen per Doppelschlag das Spiel

Nach der Pause kamen die Deutschen wieder gut rein, Magull vergab die dicke Chance zum 2:0 (53.). Und das wurde bestraft, denn quasi im Gegenzug erzielte Smith den Ausgleich, sie traf links oben (54.). Schult war zwar noch dran, konnte das Gegentor aber nicht verhindern. Und es kam noch bitterer für die deutsche Mannschaft: Bei einem langen Ball sahen Hendrich und Anyomi alles andere als gut aus. Pugh ging dazwischen, tauchte allein vor Schult auf und schob zum 2:1 ein (56.).

Die DFB-Frauen brauchten etwas, hatten dann durch Magulls abgefälschten Schuss nochmals eine gute Chance (75.). Ansonsten war das nach der Pause vor allem defensiv allerdings kein guter Auftritt, speziell Pugh konnte nie in den Griff bekommen werden. Die Torschützin zum 2:1 ließ die Entscheidung aus, Schult verwehrte ihr den Doppelpack, den Nachschuss setzte Lavelle knapp vorbei (77.). Am Ende blieb es beim 2:1 für die USA, die sich durch eine starke zweite Hälfte diesen Sieg auch verdient hatten.