Offiziell: Ex-Kapitän Schwegler zurück bei der TSG

Der kicker hatte bereits am 19. Dezember darüber berichtet, jetzt hat die TSG Fakten geschaffen: Ex-Kapitän Pirmin Schwegler ist in Hoffenheim zurück an Bord und das in neuer Funktion.

Schaute bereits im Hoffenheimer Trainingslager in Portugal vorbei: Pirmin Schwegler.

Schaute bereits im Hoffenheimer Trainingslager in Portugal vorbei: Pirmin Schwegler.

picture alliance / Hasan Bratic

Nun ist es also offiziell: Wie der kicker berichtete, kehrt der frühere Hoffenheimer Profi und Kapitän der TSG zurück in den Kraichgau. Dafür verließ der Schweizer den FC Bayern München, bei dem der 35-Jährige zuletzt im Scouting beschäftigt war. Ab sofort steht Schwegler wieder bei der TSG unter Vertrag, der nach kicker-Informationen bis 2025 datiert ist.

Es ist gewissermaßen ein Ausbildungsvertrag. Denn Schwegler wird generell dem Management der Direktion Profifußball zugeordnet und als “Leiter Lizenzfußball und Fußballkooperationen” geführt. “Ich kann hier enorm viel lernen und um nichts anderes wird es zunächst gehen. Ich möchte mich schnell integrieren, um dann in einem jungen, spannenden Team auch meine eigenen Akzente zu setzen”, erklärt Schwegler, der perspektivisch zum Sportdirektor aufgebaut werden soll.

59 Partien zwischen 2014 und 2017

Der Berufseinsteiger soll zunächst in die verschiedenen Facetten des Jobs eingeführt werden und sich zeitweise um ausgeliehene Spieler, um die Koordination der diversen Nachwuchsprojekte des Klubs und andere strategische Aufgaben kümmern. Zuletzt hatte der Schweizer gemeinsam mit Manager Alexander Rosen das Profiteam und den Staff im Trainingslager in Portugal besucht und war dabei auch auf einige seiner früheren Teamkollegen gestoßen wie Kevin Vogt, Sebastian Rudy oder Oliver Baumann. Zwischen 2014 und 2017 hatte Schwegler, der auch in Frankfurt, Leverkusen und Hannover in der Bundesliga spielte, 59 Partien für die TSG absolviert und hatte die Mannschaft auch als Kapitän angeführt.

“Wir freuen uns außerordentlich, Pirmin Schwegler für uns gewonnen zu haben. Seine Erfahrung aus 17 Jahren internationalem Profifußball mit fast 400 Einsätzen in der Schweiz, Deutschland und zuletzt Australien, sein Charakter und sein Ehrgeiz, machen ihn zu einer spannenden Personalie für uns”, erklärt Rosen. Der Rückkehrer, dem zuletzt in München sogar die Leitung des FC Bayern Campus angeboten worden sein soll, habe in Hoffenheim in einem “attraktiven wie unaufgeregten Umfeld die Möglichkeit, seine bereits vorhandenen Fähigkeiten und seine Rolle bei uns in Ruhe zu entwickeln”.

Organisationsteam der TSG soll weiter wachsen

“Natürlich gibt es mir ein gutes Gefühl, in ein bekanntes Umfeld zu kommen, in dem ich mich immer wohlgefühlt habe”, bekennt der Schweizer, “der Klub hat sich  in den vergangenen Jahren extrem weiterentwickelt. Das ist beeindruckend zu sehen. Und noch beeindruckender ist es, künftig ein Teil dessen zu sein.” Schwegler soll übrigens nur der erste von mehreren Bausteinen sein. “Die TSG ist in ihrer Organisation im Vergleich zu anderen Bundesligisten seit Jahren sehr schlank aufgestellt. Die intern wie extern zu bewältigenden Aufgaben sind in dieser Zeit erheblich und kontinuierlich gewachsen”, sagt Rosen, “zwar werden wir auch künftig unsere Struktur nicht aufblähen, aber in einem moderaten Maß den Anforderungen, die an einen modernen und ambitionierten Profiklub gestellt werden, anpassen.”

Dazu sollen verdiente Ex-Profis eingebunden werden, der nächste Kandidat ist der im November vorzeitig ausgeschiedene Ex-Kapitän Benjamin Hübner.

Michael Pfeifer

Götze will Nationalspieler bleiben: “Wenn Flick anruft, komme ich”

Mit dem Wechsel von der PSV Eindhoven zu Eintracht Frankfurt im vergangenen Sommer machte Mario Götze alles richtig. Der Weltmeister von 2014 spielte eine bärenstarke Hinserie und könnte auch im weiteren Saisonverlauf ein entscheidendes Puzzleteil für den erneuten Einzug in die Champions League sein.

Stellte sich in Dubai den Fragen der Journalisten: Mario Götze.

Stellte sich in Dubai den Fragen der Journalisten: Mario Götze.

Julian Franzke

Aus Frankfurts Trainingslager in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) berichtet Julian Franzke

Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er über Götze spricht. “Mario ist ein außergewöhnlicher Fußballer, der uns auf ein anderes Level gehoben hat. Mit seiner Qualität, gerade was den letzten Ball und Lösungen auf engem Raum angeht, ist er einer der Besten in der Bundesliga”, betont der 42-Jährige.

Götze selbst drückt sich zurückhaltender aus: “Ich versuche einfach, ein Puzzleteil zu sein für die Mannschaft, den Trainer und das Gesamtkonstrukt. Mit meinen Erfahrungen aus den vergangenen Jahren will ich der Mannschaft dabei helfen, erfolgreich zu. Das ist in den letzten sechs Monaten gelungen. Ich bin sehr happy, wie es gelaufen ist.”

Wettbewerbsübergreifend kam er 22-mal zum Einsatz, meist stellte ihn Trainer Oliver Glasner halblinks im offensiven Mittelfeld auf. Götze ist kein Spieler, dessen Wert sich allein an den direkten Torbeteiligungen (zwei Tore, fünf Assists) bemisst. Mindestens ebenso wichtig ist, dass er über ein hervorragendes Raumverständnis verfügt, fast immer anspielbar ist und mit einer schnellen Drehung oder einem cleveren Pass Situationen auflösen kann. Die Mitspieler wissen, dass sie ihm wie auch Daichi Kamada selbst in Bedrängnis den Ball zuspielen können, ohne sofort einen Ballverlust befürchten zu müssen.

Außergewöhnlich ist zudem, wie fit Götze mit seinen 30 Jahren ist, ligaweit absolvierte er die meisten intensiven Läufe (1307). “Ich fühle mich gut, bin gesund, kann jedes Spiel machen, trainieren und habe eine gute Mischung gefunden. Das spiegelt sich in den Zahlen wider”, erklärt der Routinier. Auch der generelle Wohlfühlfaktor dürfte zu seiner starken Performance beitragen: “Ich fühle mich super wohl in der Stadt, in der Mannschaft, im Verein, mit den Fans und mit allem, was hier so wächst. Das ist sehr positiv – und das sah man auch auf dem Spielfeld. Das Gesamtpaket war super, ich bin sehr happy, wie die letzten sechs Monate gelaufen sind.”

Gemischte Gefühle zur WM

Auf die WM in Katar blickt er hingegen mit gemischten Gefühlen zurück. “Über das Sportliche brauchen wir nicht zu reden, das war für alle sehr enttäuschend. Nach fünf Jahren wieder bei der Nationalmannschaft und einer WM dabei zu sein, war für mich aber sehr positiv”, rekapituliert Götze. Etwas mehr Einsatzzeiten hatte er sich allerdings schon erhofft, gegen Japan und Costa Rica kam er lediglich als Joker in der Schlussphase rein, gegen Spanien saß er 90 Minuten draußen.

“Ich hätte gerne mehr gespielt, vor allem mit dem Wissen, dass du nicht jedes Jahr eine Weltmeisterschaft spielen kannst”, sagt Götze. Er weiß aber auch: “Nach fünf Jahren, in denen ich nicht bei Nationalmannschaft war, wieder eine gewisse Rolle zu finden, war von Anfang an nicht so leicht. Wir hatten kaum eine Vorbereitung, es kamen viele Faktoren zusammen. Es war auch für den Bundestrainer nicht so leicht, eine eingespielte Mannschaft zu finden, die auf den Punkt da ist. Für mich persönlich war es aber gut, wieder in diesem Kreis dabei zu sein.”

Ein Rücktritt aus der Nationalelf ist für ihn kein Thema. “Wenn Hansi Flick mich anruft und fragt, komme ich”, erklärt der Stratege, bei der EM 2024 in Deutschland würde er gerne auflaufen: “Klar hat man dieses Ziel, das ist das nächste große Turnier. Das wäre super schön. Aber der Fußball ist so schnelllebig …” Götze hat in seiner Karriere viele Höhen und Tiefen erlebt, er weiß, wovon er spricht und wie schnell aus Lob Kritik werden kann. “Du musst jede Woche, jeden Monat abliefern, um dann zu den besten Spielern zu gehören und zur Nationalmannschaft zu gehen.”

Auch auf Vereinsebene kann sich der Wind schnell drehen. “Das Komplettpaket, das wir alle drei Tage abgeliefert haben, war sehr beeindruckend. Auch in der Champions League in einer nicht so einfachen Gruppe weiterzukommen, war gigantisch. Die Ausgangssituation ist sehr gut. Aber wir wissen, es kann schnell gehen, gleich in der ersten Woche haben wir drei Spiele”, sagt Götze vorausschauend.

Zum Auftakt kommt mit Schalke noch ein vermeintlich einfacher Gegner, anschließend spielt Frankfurt aber beim Zweiten Freiburg und beim Spitzenreiter Bayern München. Das Verteidigen von Platz 4 sei zwar realistisch, glaubt Götze, gibt aber zu bedenken: “Wir müssen bis Ende Mai auf diesem Niveau spielen, das ist eine große Challenge und mit harter Arbeit verbunden.”

Der DFB bestraft den BVB erneut

Das DFB-Sportgericht hat eine weitere Geldstrafe gegen Borussia Dortmund ausgesprochen. Diesmal geht es um Vorfälle im DFB-Pokal.

Fan-Vergehen kosteten den BVB in dieser Saison schon mehrfach Geld.

Fan-Vergehen kosteten den BVB in dieser Saison schon mehrfach Geld.

IMAGO/Kirchner-Media

Auch Borussia Dortmund bekommt finanziell zu spüren, dass die Stadien in Deutschland nach der Corona-Pandemie wieder voll sind. Allerdings nicht nur auf der Einnahmen-, sondern auch auf der Ausgabeseite. Am Mittwochvormittag sprach das DFB-Sportgericht erneut eine Geldstrafe gegen den BVB aus.

Im Einzelrichterverfahren nach Anklageerhebung durch den DFB-Kontrollausschuss wurde der BVB mit einer Strafzahlung in Höhe von 15.000 Euro belegt. Das damit geahndete “unsportliche Verhalten seiner Anhänger” betrifft die Zweitrundenpartie im DFB-Pokal am 19. Oktober 2022 bei Hannover 96.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs hatten Fans der Borussia nach Verbandsangaben mindestens 15 bengalische Feuer abgebrannt. Und weil das DFB-Sportgericht in der Regel pro gezündetem pyrotechnischen Gegenstand 1000 Euro berechnet, summiert sich die Strafe auf besagte 15.000 Euro.

Ein Drittel der Summe darf der BVB für sicherheitstechnische oder gewaltpräventive Maßnahmen verwenden, was dem DFB bis zum 31. Mai 2023 nachzuweisen wäre. Noch haben die Dortmunder dem Urteil nicht zugestimmt, zumindest schreibt der Verband noch nichts von dessen Rechtskräftigkeit.

BVB schon bei rund 75.000 Euro in dieser Saison

Die Dortmunder, die damals in Hannover einen 2:0-Erfolg feierten und im Achtelfinale am Mittwoch, 8. Februar, um 20.45 Uhr (LIVE! bei kicker) beim VfL Bochum antreten müssen, erhielten damit im neuen Jahr bereits die zweite fünfstellige Rechnung aus Frankfurt am Main.

Erst in der vergangenen Woche waren sie zu einer Geldstrafe über 49.000 Euro verurteilt worden, weil Anhänger im Revierderby gegen den FC Schalke 04 im September massiv Pyrotechnik gezündet hatten. Rechnet man dazu noch eine kurz zuvor verhängte eine 1000-Euro-Geldstrafe sowie die Strafen, die für Vergehen bei Drittligaspielen der zweiten Mannschaft ausgesprochen worden waren, kommt der BVB in dieser Saison bereits auf eine Gesamtsumme von rund 75.000 Euro.

Kimmich: “Die Motivation ist riesig, der Urlaub war zu lange”

Erstmals seit dem WM-Aus am 1. Dezember sprach Joshua Kimmich am Mittwoch öffentlich. In das sprichwörtliche Loch fiel er nicht, in das er unmittelbar nach dem 4:2 gegen Costa Rica glaubte zu fallen. Stattdessen gab sich der 27-Jährige gut erholt und motiviert.

Bayerns Joshua Kimmich sprintet voller Elan in die Restsaison.

Bayerns Joshua Kimmich sprintet voller Elan in die Restsaison.

IMAGO/MIS

Aus Bayerns Trainingslager in Doha berichtet Frank Linkesch

“Meine Aussagen direkt nach dem Spiel und Ausscheiden waren natürlich sehr emotional, weil mir so etwas nahe geht. Wir hatten große Ziele, sind wieder mal früh ausgeschieden: Die WM 2018, 2021 bei der EM, jetzt wieder. Das ist sehr bitter, weil man mit der Nationalmannschaft nicht allzu viele Chancen hat”, erklärte Kimmich seine vor 41 Tagen gesprochenen Worte. Geholfen bei der Verarbeitung hätten ihm seine drei Kinder, “da warten andere Aufgaben”. Zwar sagte Kimmich, er könne nicht einfach vergessen und abhaken, der Blick nach vorne aber überwiege: “Die Motivation, wieder hier zu sein, ist riesig. Der Urlaub war sehr lange, vielleicht zu lange. Ich bin froh, dass es wieder losgeht.”

“Ich muss einfach spielen, bis ich 45 bin”

Seinen Humor hat Kimmich trotz der drei frustrierenden Turniere nicht verloren. “Ich muss einfach spielen, bis ich 45 bin”, konterte er die Frage, ob er noch an bessere, erfolgreichere Zeiten mit der Nationalmannschaft glaube. Auch ließen sich die drei Turniere von 2018 bis 2022 in Bezug auf die Gründe für das frühe Ausscheiden schwer vergleichen. “2018 hat ganz wenig gestimmt, auch intern bei uns als Mannschaft. Gegen England war es 2021 gefühlt ein 50:50-Spiel.” Und in Katar? “Ich will nicht sagen, dass alles super war, aber am Ende haben uns 30 Minuten gegen Japan das Turnier gekostet. Wenn wir da Unentschieden spielen, kommen wir auf jeden Fall weiter.”

Fehlendes Selbstvertrauen und Selbstverständnis

Ursächlich dafür sei fehlendes Selbstverständnis, dass man sich wie Italien vor der EM 2021 oder nun Argentinien lange vor einem Turnier mit einer Siegesserie erarbeiten müsse. Kimmich: “So etwas müssen wir anstreben, wir dürfen nicht erst damit beginnen, wenn das nächste Turnier beginnt, sondern schon im März. Wir müssen versuchen, Spiele zu gewinnen, uns Selbstvertrauen und Selbstverständnis zu erarbeiten.”

Von einer “Jetzt-erst-Recht”-Mentalität hält der Mittelfeldspieler eher wenig. “Ich habe den Anspruch an mich und meine Mannschaft, mich zu entwickeln und guten Fußball zu spielen.” In Doha arbeitet er daran, legte zum Beispiel am Dienstagnachmittag eine Extraschicht mit Jamal Musiala und Serge Gnabry ein und übte Torabschlüsse. Von einem psychischen Knacks ist nichts zu merken.

Petersen: “Den eigenen Namen lesen – man ist ja süchtig danach”

Warum Nils Petersen mit null Ligatoren überraschend gut leben kann, erklärte er unter Spaniens Sonne. Den 34-Jährigen beschäftigen vor der zweiten Saisonhälfte etliche Themen.

Aus dem Freiburger Trainingslager in Sotogrande (Spanien) berichtet Carsten Schröter-Lorenz

Nils Petersen über …

… die Ruhe im Trainingslager: “Wir sind Tabellenzweiter und im Trainingslager ist nichts los, weniger als sonst sogar. Sonst waren mal fünf Fans da, jetzt beim Training keiner, bei den Spielen ein paar. Aber ich muss zugeben, dass ich das auch genieße. Das muss standortbedingt sein, woanders ist sicherlich das Drei- bis Vierfache los. Viele denken vielleicht, lass’ sie mal den Erfolg genießen, wer weiß, wie lange das geht. Man lässt uns in Ruhe arbeiten, vertraut uns, egal ob wir 17. sind oder Zweiter, soll alles so bleiben wie es ist. Beständigkeit und Kontinuität sind eh groß geschrieben bei uns. Es ist nicht so, dass wir uns danach sehnen, nach dem Training mit 200 Fans abzuklatschen, so schön es auch ist, Wertschätzung zu kriegen. Wir kriegen sie auch so, das spüren wir. Die Euphorie ist schon da, aber am Trainingsplatz merkt man das nicht, auch in Freiburg. Am Wochenende ist es voll, aber Montag bis Freitag lassen sie uns in Ruhe.”

… die Rolle als tabellarisch erster Bayern-Jäger: “Es gibt einen gewissen Stolz, positives Selbstbewusstsein, aber auch Respekt vor der kommenden Runde. Man möchte nicht viele Plätze verlieren – unser Trainer hat ja gesagt, wir werden eh nicht Zweiter bleiben (grinst). Man weiß nicht, ob wir auf diesem Niveau weiterspielen können und die anderen weiter unter ihrem Niveau bleiben. Aber es ist nicht so, dass wir uns kneifen müssen. An Bayern orientiere ich mich gar nicht, sondern ich gucke eher, wer könnte uns alles einholen. Aktuell genießen wir es einfach, die Spiele zu ziehen und am Limit zu punkten, dann schauen wir, was dabei rumkommt. Wir sind schon selbst von uns überzeugt. In meinen fast acht Jahren hier waren wir selten so überzeugt, dass alles richtig ist, keiner ist erschrocken, obwohl ich selbst vor diesem Jahr gesagt habe: Hauptsache wir lassen drei hinter uns. Das wird uns ja eingeimpft.”

… den gestiegenen Respekt der Konkurrenz: “Wir werden anders wahrgenommen, ich glaube, das schmeckt dem Trainer nicht immer so. Man wir gerne mal unterschätzt, davon muss man sich peu à peu verabschieden. Die Gegner sind auch glücklich, wenn sie gegen uns einen Punkt holen, das ist auch ein Kompliment. Unser Auftreten ist anders geworden, außer in München oder Dortmund. Da fehlt uns noch was, da mal so eine Abgewichstheit reinzukriegen, sich selbstbewusst hinzustellen und sagen, wir lassen nichts anbrennen, das kriegen wir noch nicht hin. Da fehlt uns noch die Klasse.”

… Komplimente der Konkurrenz, wie das von Bayern-Trainer Julian Nagelsmann, der im Wintertrainingslager sagte, in der restlichen Saison sei auch auf Freiburg zu achten: “Jedes Kompliment ist schön. Das ging mir auch im Urlaub so. Jetzt kennt jeder Freiburg, früher musste man sagen, das ist in der Nähe der Schweiz. Man wird wahrgenommen und mit Komplimenten überschüttet, das genießen wir, das ist schon schön.”

Dass es nach dem Abgang von Kevin Schade kein Thema war, einen Neuen zu holen, war ein Kompliment für die Offensive.

Nils Petersen

… die Kaderqualität: “Jeder brennt darauf, sich nicht zu verletzen oder wenn, dann so schnell wie möglich zurückzukommen, weil du Angst hast, den Anschluss zu verlieren. Als wir um den Ligaerhalt gekämpft haben, dachten wir, es darf bloß keiner ausfallen. Jetzt können wir das auffangen. Es ist ein krasser Konkurrenzkampf, wenn alle fit sind. Dass es nach dem Abgang von Kevin Schade kein Thema war, einen Neuen zu holen, war ein Kompliment für die Offensive.”

… seine persönliche Saisonbilanz mit 12 Jokereinsätzen und null Toren in der Bundesliga sowie acht Einsätzen, viermal von Anfang und einem Elfmetertor in den beiden Pokalwettbewerben: “Ich bin eigentlich nicht unzufrieden, das einzige was fehlt, sind Tore. Daran werde ich gemessen. Ich habe zwölf von 15 Spielen in der Liga gemacht, keins von Beginn an, um die 150, 160 Minuten, klar hätte ich mir vielleicht bisschen mehr gewünscht, Aber in der Europa League und im Pokal habe ich alle Spiele gemacht, die Tore haben halt gefehlt. Es passt aber zu Freiburg, dass keiner darüber redet. Christian Streich hat die Hand darüber und schützt jeden, das ist für mich angenehm. Und ich kriege meine Einsätze nicht geschenkt. Mein Ziel für die Rückrunde ist, wieder das erste Bundesligator zu machen, hoffentlich insgesamt das eine oder andere wichtige Tor zu erzielen. Ich muss nicht 18 Freistöße rausholen und Bälle an der Mittellinie festmachen, werde aber noch drei vier Mal richtig stehen. Es gibt zwar auch schlechte Trainingstage oder ein Testspiel wie gegen Basel mit wenig Aktionen. Aber ich fühle mich fit und traue es mir zu, nochmal wichtig zu sein.”

… seinen aktuellen Wert für die Mannschaft: “Ich fühle mich nicht so, dass ich sportlich groß zum Erfolg beigetragen habe, weil einfach die Tore fehlen, auch wenn ich mal auf der Linie geklärt habe. Dann setzt man sich natürlich damit auseinander. Würde ich bis Saisonende kein Tor mehr schießen, würde sich schon die Frage stellen: Welchen Mehrwert habe ich eigentlich noch? So wie es jetzt ist, ist es schade, aber auch okay, dass ich noch kein Ligator habe. Wären wir Tabellen-16., würde ich sagen: Ey Petersen, Mist, du musst eigentlich auch noch liefern. Aber niemand in der Mannschaft oder dem Staff gibt mir ein schlechtes Gefühl oder fragt: Was ist da los? Aber natürlich schaue ich auf die Quote und da steht die Null. Das nervt mich. Deswegen habe ich mich auch über das blöde Elfmetertor in der Europa League in Quarabag gefreut, weil ich wenigstens mal ein Erfolgserlebnis hatte, weil ich den eigenen Namen mal wieder lesen konnte. Man ist ja auch süchtig danach. Trotzdem: Ich hätte nicht gedacht, dass da im Winter eine Null steht und es mir trotzdem so gut geht damit.”

… die veränderten Schlussphases für ihn als Joker: “Wir führen inzwischen oft und spielen da in der Schlussphase gar nicht mehr so nach vorne. Ich bin oft reingekommen und hatte das Gefühl, es geht jetzt mehr darum, zu verwalten. Die Spiele sind jetzt anders zwischen der 80. und 90. Minute.”

… seine Gedankenspiele über das Vertragsende am Saisonende hinaus: “Niemand macht mir Druck, den mache ich mir höchstens selber. Die Planung für die Zeit danach wird aber aktueller. Mein Vater ruft an, meine Mutter ruft an, meine Oma ruft an, meine Frau fragt mich jeden Tag (lacht). Nein, nicht jeden Tag. Aber wenn wir spazieren gehen, spinnt man mal rum. Macht man nochmals was anderes? Verlängert man nochmal? Wie werde ich gesehen? Was macht es mit meinem Ruf? Das spielt alles eine Rolle. Aber es ist nicht so, dass ich Angst habe vor dem Ende. Im Gegenteil, ich freue mich auch darauf. Aber ich habe noch nie konkret mit Jochen Saier (Sportvorstand, Anm. d. Red.) über irgendwas gesprochen.”

Mein Vater ruft an, meine Mutter ruft an, meine Oma ruft an, meine Frau fragt mich jeden Tag.

Nils Petersen

… ein mögliches Auslandsengagement: “Mein Berater kommt schon ab und zu an und sagt: Da wäre was. Dann frage ich mich: Warum willst du das nicht machen? Mal ein anderes Land, mal eine andere Stadt sehen, für neun oder sechs Monate. Aber irgendwie hat mich das bislang nicht gereizt. Wir haben ja auch kein Kind, es wäre also einfach zu zweit. Aber Torsten Frings, der zum Karriereende in Toronto gespielt hat, hat mal erzählt: Du fliegst Donnerstagnacht zum Auswärtsspiel, Freitag Training, dann fliegst du Samstagnacht zurück und deine Frau ist die ganze Zeit alleine. Nach drei Wochen hast du alles gesehen, setzt vielleicht deine Beziehung aufs Spiel. Ich bin total glücklich in Freiburg, genieße es, ein zu Hause zu haben.”

… die Tatsache, im Winter keinen Wechsel anzustreben: “Vergangenen Winter habe ich mich gegen Köln entschieden, weil ich Angst hatte, ein mögliches Pokalfinale, einen Pokalsieg zu verpassen. Ich hatte das Gefühl, dass wir weit kommen können und dachte: Dann hockst du im Mai vielleicht in Köln, wirst Achter und die anderen spielen ein Pokalfinale. Das ist jetzt wieder so. Wir können viel erreichen und es wäre schade, etwas davon zu verpassen.”

… den Wechsel von Kevin Schade nach Brentford: “Für mich ergibt der Transfer total Sinn. Der kann irgendwann Mal bei 60 Millionen landen, weil er total Veranlagung hat, Sprungkraft und Tempo. Wenn wir nach den Spielen noch Läufe gemacht haben, hat er mir bei der Wende fünf Meter abgenommen. Da dachte ich: Das gibt‘s doch nicht, wo ist der jetzt schon wieder hin? Obwohl er manchmal eine etwas verschlafene Art hatte, war er beim Abschluss immer sehr konzentriert. Bei ihm habe ich gleich gesagt: Der bringt alles mit, um ein großer Spieler werden zu können.”

… die zusätzliche Qualität durch die Sommerzugänge wie Ritsu Doan: “Wahnsinnig, dass wir so einen Spieler holen können. Als er gegen Deutschland für Japan reinkam, hatte ich sofort das Gefühl, er kann was bewegen. So gut, wie er ist, könnte er sich vorne ausruhen – macht er aber nicht, sondern arbeitet mit nach hinten. Wir haben inzwischen zwar Ausnahmespieler, aber das Gefüge passt einfach.”

Svensson nach Trainingslager: “Wir sind noch nicht bereit”

An diesem Mittwoch geht das achttägige Trainingslager von Mainz 05 in Marbella zu Ende. Trainer Bo Svensson zieht ein gemischtes Fazit. Auch etwaige Neuzugänge fehlen noch.

Hat noch viel Arbeit vor sich: Der Mainzer Trainer Bo Svensson.

Hat noch viel Arbeit vor sich: Der Mainzer Trainer Bo Svensson.

IMAGO/Rene Schulz

Aus dem Trainingslager in Marbella (Spanien) berichtet Michael Ebert

Der 5:1-Testspielsieg gegen den Schweizer Erstliga-Sechsten FC Luzern entzückte nur die mitgereisten 40 Fans des 1. FSV Mainz 05. Trainer Bo Svensson legte lieber den Finger in die Wunde: “Nach der ersten Hälfte weiß ich, wir müssen die nächsten elf Tage richtig gut nutzen, um bereit zu sein, wir sind es noch nicht. Es war auch klar, dass es eng wird. Wir haben viel gearbeitet, es liegt aber auch noch eine Menge Arbeit vor uns.” Vor allem im ersten Viertel der Partie über zweimal 60 Minuten waren deutliche Defizite zu erkennen.

Diagnose bei Burgzorg steht noch aus – Stach noch nicht im Teamtraining

Positiv aus Svenssons Perspektive ist, dass Mainz unter spanischer Sonne das beabsichtige Trainingsprogramm durchziehen konnte und dabei “von der Belastung her die richtige Grenze fand, damit keine Verletzungen auftreten”. Allerdings steht bei Delano Burgzorg die Diagnose noch aus. Der Niederländer ist im Spiel gegen Luzern nach einem Tritt in die Beine in der 20. Minute vom Platz gehumpelt.

Die Entwicklung bei Spielern, die mit Trainingsrückstand nach Andalusien gereist sind, stufte der FSV-Trainer als positiv ein. Karim Onisiwo (Zeh) und Maxim Leitsch (Erschöpfungssyndrom) feierten im Testspiel am Dienstag ein Kurz-Comeback. “Auch Stefan Bell machte die nächsten Schritte. Bei Anton Stach geht es ebenfalls voran, auch wenn er nicht mittrainiert hat”, betonte Svensson. Die Hoffnung, dass Stach nach Zehenbruch ins Mannschaftstraining einsteigt, hat sich allerdings nicht erfüllt.

Heidel und Schmidt warten auf fallende Preise

Als Hängepartie erweist sich die Suche nach einem neuen Innenverteidiger und einem neuen Stürmer. “Es geht um Dinge, die ich nicht beeinflussen kann. Ich bin mit Christian Heidel und Martin Schmidt in engem Kontakt. Wir haben natürlich auch geschaut, was passiert mit Bell, Leitsch, Onisiwo und Burkardt.” Letzterer kehrt dieser Tage von der Kurz-Reha in München nach Mainz zurück.

Heidel und Schmidt warten auf fallende Preise am Transfermarkt. Zwei Spieler mit hoher Ablöse können sich die 05er nicht leisten, gegebenenfalls soll einer von beiden zunächst auf Leihbasis kommen.

Haller: “Dabei zu sein, ist das eine – der Mannschaft zu helfen, ist aber das andere”

Sebastien Haller spielt wieder Fußball. Nach seinem BVB-Einstand beim 5:1 im Testspiel gegen Düsseldorf ist nicht mehr ausgeschlossen, dass der Angreifer auch bei Dortmunds Jahresauftakt in der Bundesliga im Kader steht. Dafür, so sagte es Haller nach seinem Comeback, müsse er aber einen Mehrwert für die Mannschaft darstellen können. 

Bei einem Spiel wieder in Aktion: Sebastien Haller (re.), hier beim Dortmunder Test gegen Düsseldorf.

Bei einem Spiel wieder in Aktion: Sebastien Haller (re.), hier beim Dortmunder Test gegen Düsseldorf.

IMAGO/Kirchner-Media

Es ist ein ziemlich langer Weg, auf den Sebastien Haller zurückblickt, doch jetzt, 176 Tage nach der Diagnose Hodenkrebs, hat der 28-Jährige zum ersten Mal das Dortmunder Trikot getragen. Beim 5:1 im Testspiel gegen den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf wurde Haller in der 74. Minute eingewechselt und gab damit sein Debüt für Schwarz-Gelb. 

Mit dem Kurzeinsatz im Trainingslager von Marbella ist es wahrscheinlicher geworden, dass der Stürmer auch dann mit von der Partie ist, wenn es in knapp zwei Wochen bei einem Heimspiel gegen den FC Augsburg erstmals in diesem Jahr um Bundesliga-Punkte geht. “Natürlich”, sagte Haller an diesem Dienstag auf eine entsprechende Reporterfrage, “es ist möglich.” 

Viel Applaus und viele Gespräche: Haller ist überrascht

In den vergangenen Wochen hat der ehemalige Frankfurter große Fortschritte gemacht, er weiß allerdings auch: “Dabei zu sein, ist das eine – der Mannschaft zu helfen, ist aber das andere.” Sollte Haller gegen den FCA also im Kader stehen, so hieße das: Edin Terzic sieht eine Bereicherung in seiner Nominierung. 

Klar ist schon jetzt: Das Spiel gegen Düsseldorf war ein weiterer Schritt. Mit seiner positiven Art hatte Haller auch den BVB auf seinem Weg zum Comeback in die Verantwortung genommen – hinterher prasselte derart vieles auf ihn ein, dass er ziemlich überrascht war. “Ich habe viel Applaus bekommen, viele Nachrichten, viele Gespräche mit meinen Mit- und meinen Gegenspielern geführt”, sagte Haller und verriet dann noch mit Blick auf das, was er auf dem Platz empfunden hatte: “Dieses Gefühl hat in den letzten Monaten gefehlt.”

“Katastrophe”: Karaman legt Finger in die Wunde

Fünf von sechs Tests in dieser Wintervorbereitung sind absolviert, Schalke 04 hat noch keinen einzigen gewonnen. Nach dem 0:1 in Belek gegen Nürnberg äußerte auch Stürmer Kenan Karaman deutliche Kritik – an sich und dem Team. Er verwendete sogar das Wort “Katastrophe”.

Schalkes Angreifer Kenan Karaman analysiert schonungslos.

Schalkes Angreifer Kenan Karaman analysiert schonungslos.

IMAGO/RHR-Foto

Aus Schalkes Trainingslager in Belek (Türkei) berichtet Toni Lieto

Der extreme Wetterumschwung in Belek passt zur Gemütslage der Schalker. Nach sonnigen Tagen ist ein heftiger Sturm aufgezogen, die Wellen des Mittelmeeres schlagen hoch. Auch die Schalker sind aufgewühlt, Grund ist der Test zum Abschluss des Türkei-Trainingslagers gegen den 1. FC Nürnberg. Eigentlich wollte der Tabellenletzte in der Bundesliga zur Aufholjagd blasen, Vorstellungen wie am Mittwoch gegen den Club (0:1) lassen aber Schlimmes befürchten.

Kenan Karaman äußerte deutliche Kritik. Der Angreifer, nach dem Saisonaus von Sebastian Polter zur Pause als Mittelstürmer eingesetzt, verwendete gar das Wort “Katastrophe”. Er bezog sich bei seiner harschen Analyse ausdrücklich auf die Teamleistung nach dem Seitenwechsel, daher nahm der Null-Tore-Stürmer auch sich selbst in die Pflicht.

“Wir tauschen elf Spieler und zeigen danach ein komplett anderes Gesicht. Das kann nicht sein, ich bin darüber sehr sauer und schließe mich da auch mit ein”, sagte er. “Wir trainieren hier hart, jeder kennt die Abläufe, auch, wie wir von hinten rausspielen wollen.” Die Mannschaft missachtete jedoch die Vorgaben des Trainers, agierte kopflos.

Karaman zählte auf: “Beim Elfmeter verteidigen wir nicht clever und sind leichtsinnig”, offensiv sei die Mannschaft “kaum nach vorne gekommen”. Man habe die Nürnberger “ins Spiel kommen lassen, sie gewinnen dann auch mehr Zweikämpfe”.

“Das geht nicht!”

Auch der Trainer hatte kurz nach dem Abpfiff über die Leistung in der zweiten Hälfte geschimpft. “Jeder hat den Anspruch, im ersten Pflichtspiel auf dem Platz zu stehen”, geriet Reis in Rage, aber “so kann man sich nicht präsentieren. Das geht nicht!”

Im Laufe des Mittwochs treten die Schalker nach neun Tagen Türkei-Trainingslager die Rückreise in den Ruhrpott an. Vor der Generalprobe am Samstag in Gelsenkirchen gegen Werder Bremen könnte die Stimmungslage beim Tabellenletzten zweifellos besser sein. Aktuell muss man befürchten, dass die geplante Aufholjagd der Königsblauen nach hinten los geht.