Alle möglichst bequem und gleich gestellt – das erzeugt keine Energie

Enttäuschung pur, aber kam dieses erneute frühzeitige Aus der deutschen Nationalelf wirklich überraschend? Die WM-Kolumne von Welt- und Europameister Andreas Möller.

WM-Kolumne von Weltmeister Andreas Möller.

WM-Kolumne von Weltmeister Andreas Möller.

kicker

Die Probleme der Nationalmannschaft sind nicht erst seit heute bekannt. Deutschland verkörpert seit acht Jahren nicht mehr Weltklasse, steht heute eher schon für 1 C statt 1 A. 2018 und 2022 WM-Aus in der Gruppenphase, 2021 im EM-Achtelfinale gescheitert, und über das Abschneiden in der Nations League erübrigen sich die Worte.

Bis zum Eröffnungsspiel der EURO am 14. Juni 2024 in München liegen 18 harte Monate vor uns, ohne Pflichtspiele, da als Gastgeber automatisch dabei. Doch Freundschaftsspiele können meiner Meinung nach einen Wettbewerb nicht ersetzen.

Wettbewerb ist mein Stichwort.

Jeder Wettbewerb ist für die Orientierung das A und O. Denn nur dort herrschen Drucksituationen, lassen sich Ziele formulieren und wird Mentalität gefördert! Wir wollen den Druck von unseren Talenten, von den Jugendlichen nehmen, den Meisterschaftswettbewerb reformieren, um es allen möglichst recht zu machen. Der Blick auf die Tabelle ist ein Zeugnis für das Geleistete. Fußball ist ein Ergebnissport, daran orientieren sich von den Fans bis zu den Spielern alle. Das Ergebnis ist die Grundlage für jedes Gespräch über den Fußball.

Deshalb muss schon im Jugendbereich der Wettbewerb im Vordergrund stehen. Sieg, Niederlage, Freude, Enttäuschung und natürlich die Tabelle müssen im Mittelpunkt stehen. Die individuelle Ausbildung ist da immer mit inbegriffen.

Schweinsteiger war im Mittelfeld der letzte große Leader

DFB-Spiele bei der WM in Katar

Die Erfolge früherer Generationen bis hin zu den Weltmeistern von 2014 beruhen auch auf diesen Erfahrungen aus der Jugendzeit. Von Gerd Müller, Uwe Seeler, Rudi Völler, Jürgen Klinsmann bis zu Miro Klose, um nur einige große Namen zu erwähnen, haben sich unsere Stürmer förmlich zerrissen.

Und Abwehrspieler wie Berti Vogts, Jürgen Kohler, Karlheinz Förster, Andreas Brehme, Peter Briegel, Per Mertesacker oder Jerome Boateng und viele mehr waren echte Spezialisten, schonten weder sich, geschweige denn den Gegner.

Und im Mittelfeld war Bastian Schweinsteiger unser letzter große Leader. Der deutsche Fußball muss wieder diese Spezialisten ausbilden. Von allem etwas zu können, mal in der Abwehr, mal im Mittelfeld, mal rechts, mal links reicht eben nicht für die internationale Spitze jedes Einzelnen und der Mannschaft.

Warum nicht ein 3-5-2 in Erwägung ziehen?

Spiele werden in der Defensive gewonnen. An dieser alten These ist viel dran. Sicherheit und Stabilität im Abwehrverbund strahlen auf die ganze Mannschaft ab. Wir haben diese WM zu allererst durch unser Abwehrverhalten in den Sand gesetzt, wir waren nicht kompakt, nicht richtig abgestimmt und dazu kamen individuelle Fehler. Und in der Offensive, bei der unbestrittenen Qualität mehrerer Spieler, fehlte der letzte Tick Entschlossenheit, das “unbedingt das Tor machen wollen”. Hier sind wir beim Thema Gier und Galligkeit.

Natürlich sollte auch die Systemfrage diskutiert und analysiert werden. Wenn wir schon keine großen Defensivspezialisten auf den Außenpositionen haben, hätte man im Vorfeld der WM ein anderes System, zum Beispiel ein 3-5-2, in Erwägung ziehen können …

Wir strapazieren bei dieser Auswahlmannschaft schon seit geraumer Zeit den Begriff Teamspirit. Alle möglichst bequem und gleich gestellt, das erzeugt keine Energie und Reize, was durchaus hilfreich sein kann. Jede Mannschaft braucht eine erkennbare Hierarchie – die sehe ich in der Nationalmannschaft selbst bei ganz wohlwollender Betrachtung im Moment nicht ausgeprägt genug.

DFB reiht sich in große WM-Fehlerkette ein

Auf Trainerteam und Management der Nationalmannschaft kommen ungemütlich Zeiten zu. Haben sie dafür ein dickes Fell? Der DFB hat kein gutes Bild hinterlassen und politische Themen auf die Mannschaft übertragen. Die Mannschaft wurde zum Spielball deutscher Politik und Medien. Die Zeichen, die man in Katar zu setzen versucht hat, hätten zwölf Jahre lang gesendet werden können seit der Vergabe dieser WM. Die Spieler mit dem Start in das Turnier – bei aller Kritik an FIFA und dem Ausrichter – quasi in das Obligo zu nehmen, reiht sich nahtlos in die große Fehlerkette bei dieser WM in Katar ein.

Andreas Möller (55) bestritt insgesamt 85 Länderspiele, wurde mit der deutschen Nationalmannschaft 1990 Weltmeister und 1996 Europameister. In der Bundesliga absolvierte er 429 Spiele für Frankfurt, Dortmund und Schalke, zudem stand er bei Juventus Turin unter Vertrag. Mit Dortmund war er zweimal Deutscher Meister, größter internationaler Erfolg auf Vereinsebene war der Gewinn der Champions League mit dem BVB im Jahr 1997.

3D-Technik fehlt: Hintergründe zum strittigen Japan-Tor

Dass Japan im WM-Achtelfinale steht, hat es auch einer Millimeter-Entscheidung gegen Spanien zu verdanken. Regelexperte Lutz Wagner ordnet die Szene ein.

Der Blick von oben fehlt: Ist dieser Ball vollständig im Toraus?

Der Blick von oben fehlt: Ist dieser Ball vollständig im Toraus?

AFP via Getty Images

Wenn die Entscheider beim DFB in den nächsten Tagen untersuchen, warum die deutsche Nationalmannschaft schon wieder bei einem großen Turnier früh gescheitert ist, sollten sie wahrlich genug Ansatzpunkte finden. Und trotzdem gehört zur Wahrheit nach einem turbulenten WM-Donnerstagabend: Es waren am Ende auch Millimeter, die das deutsche Aus in der Gruppenphase besiegelten.

Japan hatte schließlich im Parallelspiel gegen Spanien den 4:2-Erfolg der DFB-Auswahl gegen Costa Rica wertlos gemacht – mit einem 2:1-Sieg, dessen entscheidendes Tor durch den Düsseldorfer Ao Tanaka Gegenstand von Diskussionen und zahlreich erstellten Screenshots wurde. Die große Frage: Hatte der Ball die Torauslinie bereits vollständig überschritten, bevor ihn Vorbereiter Kaoru Mitoma nach innen schlug?

Weil den Schiedsrichtern und Video-Assistenten anders als bei der Torlinien- und Abseitstechnologie in solchen Fällen keine 3D-Darstellungen zur Verfügung stehen, gibt es keine 100-prozentige Gewissheit in dieser Frage – wobei einige Aufnahmen zumindest nahelegen, dass der Ball in seinem Durchmesser nicht gänzlich über der Linie war.

Wagner: Schiedsrichter-Team entschied nicht auf Toraus

Unklar war zunächst auch, ob Schiedsrichter Victor Miguel Gomes den Treffer zunächst aberkannt hatte oder nicht. Laut ARD-Regelexperte Lutz Wagner jedoch entschied das Schiedsrichter-Team um den Südafrikaner auf dem Rasen nicht auf Toraus und somit Abstoß für Spanien. Die Referees hätten lediglich den obligatorischen Tor-Check des VAR-Teams abgewartet. “Der VAR konnte anhand der Bilder nicht zweifelsfrei belegen, dass der Ball im Aus war. Somit blieb die Entscheidung auf dem Feld bestehen und das Tor zählte”, so Wagner.

Heißt auch: Hätte Gomes zunächst auf “kein Tor” entschieden, hätte der Videoassistent beweisen müssen, dass der Ball noch im Spiel war, um die Entscheidung zu revidieren.

Es war eine der längsten Überprüfungen bei dieser WM – mit späteren Folgen für drei Mannschaften: für Japan, das nun im Achtelfinale steht; für Spanien, das den Gruppensieg verpasste; und für Deutschland, das ausgeschieden ist. Wobei natürlich niemand weiß, ob Japan gegen Spanien nicht auch dann noch gewonnen hätte, wenn Tanakas Tor aberkannt worden wäre. Es lief schließlich erst die 51. Spielminute.

Neuendorf kündigt Krisen-Treffen mit Flick und Bierhoff an – Watzke entscheidet mit

Oliver Bierhoff hat seinen Rücktritt ausgeschlossen und Bundestrainer Hansi Flick das Vertrauen ausgesprochen. Ob DFB-Präsident Bernd Neuendorf einen Weiter-so-Kurs mitträgt, scheint indes fraglich.

Wie geht es personell beim DFB weiter? Oliver Bierhoff (li.) und Hansi Flick.

Wie geht es personell beim DFB weiter? Oliver Bierhoff (li.) und Hansi Flick.

picture alliance / Hasan Bratic

Aus Katar berichten Matthias Dersch und Oliver Hartmann

Nach dem Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft in Katar will DFB-Präsident Bernd Neuendorf in der kommenden Woche Hansi Flick und Oliver Bierhoff zu einer Lagebesprechung treffen. Dies kündigte Neuendorf am Freitag vor dem Abflug der Lufthansa-Sondermaschine LH 343 nach Frankfurt an. “Sie können sich vorstellen, dass der Verlauf des gestrigen Tages für uns eine herbe Enttäuschung ist. Das Ausscheiden schmerzt außerordentlich. Wir müssen trotzdem den Blick nach vorne richten. Wir werden deshalb ein geordnetes Verfahren einleiten, wie wir mit dieser Situation umgehen”, sagte Neuendorf.

Eine schnelle Entscheidung über das weitere Vorgehen bereits an diesem Wochenende werde es daher nicht geben, so Neuendorf. Bei dem anberaumten Treffen wird neben Flick und Bierhoff auch Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke anwesend sein, der zugleich DFB-Vizepräsident ist. Watzke will Neuendorf als engen Vertrauten an seiner Seite haben, wenn es darum geht, über personelle Konsequenzen des Scheiterns zu entscheiden.

“Meine Erwartung an die sportliche Leitung ist, dass sie bei diesem Treffen eine erste sportliche Analyse dieses Turnier vornimmt, dass sie aber auch Perspektiven entwickelt für die Zeit nach dem Turnier mit dem Blick auf die Europameisterschaft 2024 im eigenen Land”, fuhr Neuendorf fort: “Diese Analyse muss auch die Entwicklung der Nationalmannschaft und unseres Fußballs seit 2018 umfassen. Das ist eine Anforderung und ein Anspruch, den wir haben als Verbandsleitung an die sportliche Leitung in dieser Situation.” Auf Grundlage des ersten Treffens werde er “weitere Gespräche führen”. Er sei ein Anhänger von “klaren Verfahren”, dies habe man jetzt eingeleitet.

Bierhoff: Kein Rücktritt, Festhalten an Flick

Ins Zentrum der öffentlichen Kritik rückt bei der Aufarbeitung der als DFB-Direktor für Nationalmannschaften und Akademie fungierende Bierhoff, der nach der WM 2018, dem Achtelfinal-K.-o. bei der EM 2021 und jetzt der Katar-WM die dritte große Turnier-Enttäuschung in Folge in sportlich verantwortlicher Position zu verantworten hat. “Ich bin jetzt 18 Jahre dabei. Natürlich weiß ich auch, dass der Mechanismus jetzt losgeht, dass die Diskussion stattfindet”, sagte Bierhoff nach dem Ausscheiden im am späten Donnerstagabend in der Mixed-Zone des Stadions Al-Bayth und kündigte an: “Ich werde jetzt meine Verantwortung tragen, und dann haben andere zu entscheiden, ob es weitergeht.”

Bierhoff selbst sieht augenscheinlich keinen Grund, nach drei Turnier-Enttäuschungen in Folge eigene Konsequenzen zu ziehen: “Es liegt nicht an mir zu überlegen, ob es weitergeht oder nicht.” Zugleich betonte Bierhoff, an Flick festhalten zu wollen: “Hansi hat einen Vertrag bis 2024, und ich gehe davon aus, dass er den erfüllt.” Flick selbst, der mit unverständlichen Personalentscheidungen und missglückten Matchplänen zum sportlichen Debakel beigetragen hatte, äußerte sich am Freitag nicht mehr. Am Donnerstag hatte er bekräftigt, weitermachen zu wollen.

Auch Flick sah keinen Anlass für grundlegende Reformen

Weiter so, das war zuletzt meistens Bierhoffs Motto in der Krise. Nach dem WM-Debakel 2018 in Russland hatte er gegen alle öffentliche Kritik und internen Bedenken seine schützende Hand über Joachim Löw gehalten, obwohl der Bundestrainer da schon einen abgenutzten und mitunter entrückten Eindruck hinterlassen hatte und mit taktischen und personellen Fehlern maßgeblich zum Ausscheiden beigetragen hatte. Dass dieses Festhalten ein Fehler war, offenbarte sich drei Jahre später bei der erneut kläglich verlaufenen EM.

Danach hatte sich Bierhoff den aus vielen Richtungen erhobenen Forderungen nach grundsätzlichen Reformen im DFB verschlossen und lediglich den Bundestrainer ausgetauscht. Mit Flick, der gerade seine Erfolgs-Ära beim FC Bayern beendet hatte, war der scheinbar ideale Mann auf dem Markt. Wie Bierhoff sah auch Flick, der als Löws Co-Trainer und später als Sportdirektor die heutigen Strukturen mit aufgebaut hatte, keinen Anlass für grundlegende Reformen.

Sicherheitskräfte verweigern Neuendorf-Medienrunde zunächst

Ob Neuendorf einen Weiter-so-Kurs mittragen wird, scheint indes fraglich. Neuendorfs Statement vor dem Rückflug gingen etliche Widrigkeiten und Diskussionen am Internationalen Flughafen von Doha voraus, wohin der DFB die Medienvertreter am Donnerstag bestellt hatte. Örtliche Sicherheitskräfte und Bedienstete hatten zunächst ihre Zustimmung zu dieser spontan einberufenen und von der FIFA genehmigten Pressekonferenz vor dem Check-In-Schalter der Lufthansa verweigert. Erst nach vielen Diskussionen und halbstündiger Verspätung durfte Neuendorf in Jeans und schwarzem Hemd vor die knapp 20 Kameras und rund 50 Medienvertreter treten. Rückfragen waren nicht zugelassen. Viele Fragen werden in den nächsten Tagen folgen.

Umfrage: Soll der DFB mit Flick als Bundestrainer weitermachen?

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich am Donnerstagabend bereits nach der Gruppenphase von der Winter-WM in Katar verabschiedet. Was passiert nun mit Bundestrainer Hansi Flick?

Er steht in der Kritik: Bundestrainer Hansi Flick.

Er steht in der Kritik: Bundestrainer Hansi Flick.

imago images

Der “Worst Case” ist eingetreten. Die deutsche Nationalmannschaft muss bereits nach drei Gruppenspielen die Heimreise antreten. In Gruppe E landete die DFB-Elf mit vier Punkten lediglich vor Costa Rica. Japan (6 Zähler) und Spanien (4, aber das um fünf Treffer bessere Torverhältnis) stehen im WM-Achtelfinale. Ein “Weiter so” darf es nicht geben. Doch was bedeutet das frühe WM-Aus für Hansi Flick?

Wie würden Sie als DFB-Verantwortlicher entscheiden?

Vielen Dank für Ihre Teilnahme!

DFB knackt WM-Rekordquote, aber nicht das EM-Finale der Frauen

Knapp 17,5 Millionen TV-Zuschauer verfolgten das deutsche WM-Aus am Donnerstagabend – eine Rekordquote bei dieser WM.

Seelischer Beistand: Ein Kameramann beim Spiel Costa Rica gegen Deutschland.

Seelischer Beistand: Ein Kameramann beim Spiel Costa Rica gegen Deutschland.

imago images

Als die FIFA am Donnerstag vor dem Deutschland-Spiel gegen Costa Rica weltweite TV-Rekorde aufgezählt hatte, fehlten – wohl ganz bewusst – die Zahlen aus dem Land des Weltmeisters von 2014. Der Weltverband berichtete beispielsweise, dass in Portugal das Gruppenspiel gegen Uruguay (2:0) so viele TV-Zuschauer wie noch nie zuvor bei einem WM-Spiel angelockt hatte (insgesamt 5,35 Millionen).

Das erste Spiel der DFB-Elf hatte im Schnitt weniger als zehn Millionen Interessierte an die Fernseher gelockt: Bei der 1:2-Pleite gegen Japan am frühen Mittwochnachmittag hatten 9,23 Millionen Zuschauer die ARD eingeschaltet – bei einem Marktanteil von 59,7 Prozent. Beim 1:1 gegen Spanien hatte das ZDF am vergangenen Sonntag dann eine neue Rekordquote im Verlauf des Turniers verzeichnet: 17,05 Millionen Fans verfolgten das Remis gegen den Weltmeister von 2014 – der Marktanteil betrug 49,3 Prozent.

Das entscheidende Gruppenspiel gegen Costa Rica am Donnerstagabend übertraf dann beide Werte – in puncto TV-Zuschauer und auch in puncto Marktanteil. Die ARD verzeichnete 17,43 Millionen Zuschauer beim 4:2-Erfolg gegen die Zentralamerikaner. Eine Rekordquote während der Winter-WM in Katar, aber keine Jahresbestmarke.

Wembley-Krimi hatte noch mehr TV-Zuschauer

Diese wurde im vergangenen Sommer aufgestellt: Das EM-Finale der deutschen Frauen-Nationalmannschaft in Wembley gegen Gastgeber England (1:2 n.V.) hatten in Deutschland 17,9 Millionen Zuschauer vor dem Fernseher verfolgt – das ergab damals einen Marktanteil von 64,8 Prozent. Der am Donnerstag gegen Costa Rica belief sich auf 53,7 Prozent.

Die zweite Partie, die am Donnerstag im Öffentlich-Rechtlichen übertragen wurde, war das entscheidende Spiel in Gruppe F zwischen Belgien und Kroatien. Die Nullnummer, die für das WM-Aus der Roten Teufel sorgte, schauten 3,64 Millionen Zuschauer – bei einem Marktanteil von 26,9 Prozent.

Jetzt hören! Alles zum DFB-Aus bei “kicker meets DAZN”

Schon wieder ereilt das DFB-Team ein frühes Aus bei einer Weltmeisterschaft. Wie konnte das passieren? Wie geht es weiter? “kicker meets DAZN” liefert Antworten.

Jetzt hören! Die neue Folge "kicker meets DAZN".

Jetzt hören! Die neue Folge “kicker meets DAZN”.

imago images / ActionPictures

Es ist wieder passiert! Die deutsche Nationalmannschaft fliegt bei der zweiten Weltmeisterschaft in Folge in der Gruppenphase raus. Alex Schlüter und Benni Zander versuchen in der neuen Folge “kicker meets DAZN”, diesen Schock zu verarbeiten – und erhalten dabei Unterstützung von gleich zwei Gästen.

kicker-Chefreporter Oliver Hartmann, bei allen deutschen WM-Spielen im Stadion, meldet sich aus Katar, um über grundsätzlich notwendige Veränderungen beim DFB und die größten Probleme der Flick-Elf bei dieser WM zu sprechen. Außerdem schaut Schiedsrichter Patrick Ittrich vorbei, um das zweite Tor der Japaner beim für Deutschland verhängnisvollen Sieg gegen Spanien zu beleuchten. War der Ball nun im Aus oder nicht?

Der letztlich wertlose Sieg der deutschen Elf gegen Costa Rica wird im Podcast natürlich ebenfalls ausführlich analysiert. Darüber hinaus wird es zu später Stunde noch tiefgründig: Benni und Alex philosophieren über die Zukunft des deutschen Fußballs.

KMD - WM-Spezial #3

02. Dezember 202201:17:47 Stunden

KMD – WM-Spezial #3

Es ist wieder passiert! Die deutsche Nationalmannschaft fliegt bei der zweiten Weltmeisterschaft in Folge in der Vorrunde raus! Diesen Schock versuchen Alex und Benni gemeinsam mit euch und gleich zwei Gästen zu verarbeiten. Oliver Hartmann meldet sich aus Katar, um über grundsätzlich notwendige Veränderungen beim DFB und die größten Probleme der Flick-Elf bei dieser WM zu sprechen. Außerdem schaut Schiri Patrick Ittrich vorbei, um das zweite Tor der Japaner – war der Ball nun im Aus oder nicht? – aus Schiedsrichter-Sicht zu beleuchten. Und rings herum analysieren eure beiden Lieblings-Podcaster diesen Sieg ohne Wert gegen Costa Rica und philosophieren über die Zukunft des deutschen Fußballs.

Diese KMD-Folge wird unter anderem präsentiert von der neuen Adidas-Kampagne “Family Reunion”! Mehr Infos findet ihr unter www.adidas.de/fussball!

KMD – WM-Spezial #2

28.11.2022

KMD – WM-Spezial #1

23.11.2022

KMD #148 – Lutz Michael Fröhlich

14.11.2022

KMD #147

10.11.2022

weitere Podcasts

Der Podcast ist über die Website und die Apps des kicker, die Portale der DAZN Group sowie über alle gängigen Podcast-Plattformen abrufbar, darunter SpotifyApple PodcastsGoogle PodcastsAmazon MusicDeezer und Podimo

Flick widerspricht Schweinsteiger: “Absoluter Quatsch”

Hansi Flick ordnete Deutschlands WM-Aus selbstkritisch ein – widersprach TV-Experte Bastian Schweinsteiger in einem Punkt aber vehement.

Bei der Analyse in einem Punkt uneins: Hansi Flick (li.) und Bastian Schweinsteiger (hier im Interview vor dem Spiel).

Bei der Analyse in einem Punkt uneins: Hansi Flick (li.) und Bastian Schweinsteiger (hier im Interview vor dem Spiel).

picture alliance

18 Tage nach dem Abflug aus der Heimat muss die deutsche Nationalmannschaft an diesem Freitag schon wieder den Heimweg antreten. Und Hansi Flick dürfte mit Trainerteam und Verband einiges aufzuarbeiten haben. Als er nach dem wertlosen 4:2-Sieg gegen Costa Rica vors Mikrofon trat, zeigte sich der Bundestrainer selbstkritisch, wollte einen Vorwurf aber nicht akzeptieren: dass sein Team bei der WM 2022 nicht “gebrannt” habe.

ARD-Experte Bastian Schweinsteiger hatte am Donnerstagabend erklärt, dass seiner Ansicht nach andere Mannschaften bei dem Turnier mehr “gebrannt” hätten als die deutsche. “Nein”, antwortete Flick vehement auf die Frage, ob er dem Weltmeister von 2014 Recht gebe. Begründung: “Weil es absoluter Quatsch ist.”

Schweinsteiger erklärt Kritik: “Der Funke ist nicht übergesprungen”

Schweinsteiger, von Flick direkt gefragt, woran er das denn fest mache, hielt an seiner Position aber fest. “Es gibt Situationen, wo ich von außen merke: Da fehlen jetzt die fünf Prozent Konzentration – wie heute beim 1:1, als Campbell völlig frei in der Mitte steht”, führte der 38-Jährige aus. “Brennen heißt ja nicht nur immer attackieren, sondern auch, im Kopf mitdenken und dabei sein.”

Die DFB-Elf habe gegen Japan und Costa Rica “zu oft den Gegenspieler teilweise freigelassen und nicht zugestellt und die Umschaltmöglichkeiten unterbrochen. Da habe ich mir viel mehr erwartet. Das meine ich mit brennen. Das habe ich bei anderen Spielen viel deutlicher gesehen. Gegen Spanien haben wir es gut gemacht, da sind wir hingegangen. Aber gegen Japan und heute war mir das zu wenig. Da ist bei mir nicht der Funke übergesprungen. Toni Rüdiger macht das ja normalerweise. Aber die anderen? Da fehlt mir einfach was”, so Schweinsteiger weiter.

“Wir haben Fehler gemacht”, stimmte Flick zwar zu, “aber dass die Mannschaft nicht brennt, sehe ich nicht. Sie hat heute gewollt.” Das WM-Aus sei nicht gegen Costa Rica entschieden worden, sondern in “20 Minuten” gegen Japan und der Schlussphase gegen Spanien, in der noch der 2:1-Siegtreffer drin gewesen wäre.

Rüdiger stützt Schweinsteiger-These: “Dieses etwas Dreckige fehlt uns”

Der von Schweinsteiger genannte Rüdiger unterstützte dessen These dagegen indirekt. “Die letzte Gier, dieses etwas Dreckige – das fehlt uns”, analysierte der Abwehrchef, ohne explizit auf Schweinsteigers Analyse Bezug zu nehmen. “Viel Talent, alles schön und gut. Aber da gehört mehr dazu als einfach nur Talent, da spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Da müssen wir uns verbessern, ansonsten kommen wir nicht weiter.”

DFB-Elf landet am frühen Freitagabend in Frankfurt

Die deutsche Nationalelf wird nach dem WM-Scheitern am Freitag um 14.30 Uhr Ortszeit (12.30 Uhr/MEZ) von Doha aus nach Frankfurt zurückfliegen.

Die DFB-Elf wird am Freitagabend in Frankfurt zurückerwartet.

Die DFB-Elf wird am Freitagabend in Frankfurt zurückerwartet.

IMAGO/HMB-Media

Das teilte der DFB wenige Stunden nach dem Gruppen-K.o. in Katar mit. Die Ankunft in Deutschland wird am frühen Abend erwartet.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf wird vor dem Abflug noch zur Mannschaft sprechen und vor Medienvertretern ein Statement abgeben. Es wird damit gerechnet, dass sich der 61-Jährige auch zur Zukunft von Bundestrainer Hansi Flick und DFB-Direktor Oliver Bierhoff äußert.

Konkrete Personalentscheidungen zeichneten sich in der Nacht nach dem 4:2 gegen Costa Rica, das nicht zum Einzug ins Achtelfinale gereicht hatte, nicht ab.

Flick: “Wir brauchen die Basics”

Trotz des 4:2-Sieges gegen Costa Rica muss die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2022 bereits nach der Gruppenphase die Heimreise antreten. Bundestrainer Hansi Flick auf der Pressekonferenz über …

Bundestrainer Hanis Flick

Bundestrainer Hanis Flick

picture alliance / SvenSimon

…. die Stimmung in der Kabine: “Ich habe noch keine Worte an die Mannschaft gerichtet, aber ich war in der Kabine. Wie sich alle vorstellen können, ist die Enttäuschung riesengroß.”

… die Dinge, die gegen Costa Rica nicht funktioniert haben: “Ich glaube, in der ersten Hälfte haben wir versäumt, ein klares Ergebnis zu erzielen. Wir hatten viele Chancen – 16 Chancen über das gesamte Spiel. Es waren viele dabei, die wir ausgelassen haben. Gerade in der ersten Hälfte war genügend Potenzial vorhanden, um drei oder vier Tore zu erzielen. Damit hättest du Druck auf das andere Spiel gemacht. Das ist uns leider nicht gelungen.”

… über das, was ihn am meisten ärgert: Die eigene Niederlage zum Gruppenstart gegen Japan oder die Niederlage der Spanier gegen Japan “Ich habe noch nie auf andere Mannschaften geschaut. Die Summe der Spiele hat dazu beitragen, dass wir ausgeschieden sind. Da sind wir selbst schuld. Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Ich bin überzeugt, dass wir genügend Torchancen hatten, um gegen Japan oder auch zum Schluss gegen Spanien andere Voraussetzungen zu schaffen. Da musst du die Dinger reinmachen. Heute kannst du das Spiel sehr schnell in eine positive Richtung bringen. Durch Nachlässigkeiten und Fehler haben wir den Gegner stark gemacht. Das sind die Dinge, die mich sauer gemacht haben. Ich war richtig sauer in der ersten Hälfte. Das habe ich der Mannschaft auch so mitgeteilt. Was man positiv herausziehen kann, ist, dass wir in der zweiten Hälfte noch mal zurückgekommen sind. Wir konnten das Spiel drehen. So fahren wir zumindest mit einem Sieg nach Hause.

… die fehlende Effektivität vor dem gegnerischen Tor: “Ich will nicht so sehr nach Ausreden suchen. Wir haben es gegen Spanien richtig gut gemacht. Wir haben das Spiel sehr eng und kompakt gehalten. Man benötigt Automatismen, die muss man trainieren. Da hatten wir wenig Zeit. Aber daran hat es jetzt nicht gelegen. Standard wäre das Spiel gegen Spanien gewesen. Was Intensität, was Kompaktheit und was Laufbereitschaft betrifft. Das wäre es gewesen. Und dann muss man sich zum Schluss auch mal dafür belohnen. Das wäre ein guter Fingerzeig gewesen von der Mannschaft. Das haben wir leider nicht getan. Heute haben wir unsere Pflichtaufgabe erfüllt. Aber damit können wir nicht zufrieden sein. Wir hätten heute das Ergebnis durchaus höher ausfallen lassen können.”

… über die Nachbereitung der WM: “Wer mich kennt, der weiß, dass wir das sehr, sehr schnell aufarbeiten werden. Dass wir da auch gucken, was die Zukunft betrifft. Das ist wichtig und entscheidend, wie wir das umsetzen und unsere Ideen angehen wollen. Gerade auch, was die EURO 2024 betrifft. Es gilt jetzt, diese WM aufzubereiten und die Dinge in die richtige Richtung zu stoßen. Das sind jetzt die nächsten Schritte, die wir machen. Und dir werden wir sehr zeitnah machen.”

Flick: “Für die Zukunft des deutschen Fußballs wichtig, dass man in der Ausbildung Dinge anders angeht”

… den Leistungstand der Nationalmannschaft: “Wir haben Spieler, die bei Topvereinen spielen. Es ist aber auch für die Zukunft des deutschen Fußballs wichtig, dass man in der Ausbildung Dinge anders angeht. Wir reden seit Jahren über Neuner, den wir brauchen. Über spielstarke Außenverteidiger. Über viele Dinge. Was uns immer ausgezeichnet hat im deutschen Fußball, war, dass wir immer verteidigen konnten. Das sind so Elemente, die wir im Nachwuchsbereich brauchen. Wir brauchen die Basics. Eine Mannschaft wie Spanien, auch wenn sie heute verloren hat, hat das drauf. Sie haben eine gute Ausbildung, sie sind taktisch gut geschult, ballsicher. Das wird für die nächsten zehn Jahre enorm wichtig sein, dass wir da die richtigen Schritte machen.”

… über Jamal Musiala: “Es ist schwierig, nach so einem Spiel jemanden herauszuheben. Aber man muss sagen, dass es echt schade ist, dass ein Spieler wie Jamal bei dieser WM nicht mehr spielen darf. Er ist einfach fantastisch. Seine Fähigkeiten, die er hat, im Eins-gegen-eins, sind richtig gut. Wir haben schon in den nächsten Jahren richtig gute Talente. Da muss ich sagen, geht es in die richtige Richtung. Aber wir müssen schauen, was danach kommt. In der Ausbildung. Jamal ist nicht in Deutschland ausgebildet. Er ist in England ausgebildet. Kai Havertz hat heute gezeigt, was er kann. Wir haben auch den einen oder anderen jungen Spieler, der nachkommt. Wir müssen schauen, dass wir die richtigen Schlüsse ziehen.”

… seine Fehler in den vergangenen Wochen: “Das ist eine Sache, die wir intern besprechen in unserer Analyse. Ich sage einfach: Wir haben gegen Spanien gut gespielt. Gegen Japan hatten wir mit Sicherheit eine Phase, nach 60 bis 70 Minuten, wo wir den Gegner ins Spiel kommen lassen. Wenn man Ilkay Gündogan auswechselt und Leon Goretzka einwechselt, dann darf kein Bruch stattfinden. Das sind zwei Spieler, die auf sehr hohem Niveau in ihren Vereinen spielen. Das waren letztendlich auch wieder, was das Defensivverhalten angeht, einige Dinge, die wir nicht gut gemacht haben. Ich bin immer einer, der sehr kritisch ist.”

aufgezeichnet nach Matthias Dersch