Flicks Aufstellung: Überraschend, aber nachvollziehbar

Mit Kai Havertz und Thomas Müller, ohne Thilo Kehrer und Leon Goretzka: Die erste deutsche Startelf bei der WM 2022 ist überraschend und doch stimmig. Ein Kommentar von kicker-Chefreporter Oliver Hartmann.

Gegen Japan nicht in der Startelf: Leon Goretzka.

Gegen Japan nicht in der Startelf: Leon Goretzka.

IMAGO/ULMER Pressebildagentur

Selten war eine Aufstellung für ein WM-Eröffnungsspiel der deutschen Nationalmannschaft mit so viel Spannung erwartet worden wie diesmal. Der Grund liegt vor allem darin, dass Joachim Löw vor seinen sechs WM-Teilnahmen als Bundestrainer stets ein Testspiel als Generalprobe nutzte, das ihm weitgehend zum Einspielen für seine geplante WM-Startformation diente.

Sein Nachfolger Hansi Flick hatte in der Vorwoche in Maskat beim einzigen WM-Test gegen den Oman (1:0) nichts dergleichen im Sinn, sein Hauptaugenmerk lag auf der Belastungssteuerung. Und so war es nicht verwunderlich, dass aus der Oman-Startelf gerade mal vier Spieler auch gegen Japan den Weg in die Anfangsformation fanden: Manuel Neuer, David Raum, Ilkay Gündogan und Kai Havertz.

Flicks Aufstellung bietet einige Überraschungen, aber jede Entscheidung für sich ist nachvollziehbar. Dass er die Abwehr ohne Thilo Kehrer bildet, verwundert angesichts der Tatsache, dass der Profi von West Ham United von allen Spielern die meisten Einsatzminuten in der Flick-Ära aufweist. Doch Kehrers Leistungen in den jüngsten Länderspielen gegen Ungarn, Italien und den Oman waren keine Werbung in eigener Sache, die Nichtberücksichtigung deshalb nachvollziehbar.

Stattdessen setzt Flick auf Niklas Süle als Rechtsverteidiger, der gelernte Innenverteidiger hat diese Aushilfsrolle zuletzt in Dortmund sehr ordentlich ausgefüllt. Dass Nico Schlotterbeck von Süles Versetzung mit der Berufung ins Abwehrzentrum profitierte und sich gegen Matthias Ginter durchsetzte, ist die logische Konsequenz.

Das ist keine Turnier-Entscheidung gegen Goretzka

Auf der Doppelsechs entschied sich Flick bei der Wahl zwischen Ilkay Gündogan und Leon Goretzka als Nebenmann von Joshua Kimmich für den spielstarken Kapitän von Manchester City. Auch dies kommt nicht überraschend angesichts der Tatsache, dass Gündogan die letzten elf Länderspiele bestritt, davon neun in der Startelf. Das ist keine Turnier-Entscheidung gegen Goretzka, sondern erst einmal ein speziell auf dieses Spiel ausgerichtetes Votum pro Gündogan. Der 32-Jährige scheint mit seiner Passsicherheit und seinen strategischen Fähigkeiten das geeignete Mittel gegen die vermutlich früh attackierenden Japaner.

In der Offensive setzt Flick auf Thomas Müller, obwohl der Münchner verletzungsbedingt sechs Wochen ohne richtige Wettkampfpraxis war. Das mag den Außenstehenden verwundern, aber Flick wird in den geheimen Trainingseinheiten ausreichend positive Erkenntnisse gewonnen haben für diese Entscheidung. Es liegt nun am Weltmeister, diese Trainingseindrücke im Ernstfall zu bestätigen.

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Ein Satz heiße Ohren: Nico Schlotterbeck im DFB-Training.

Ein Satz heiße Ohren: Nico Schlotterbeck im DFB-Training.

IMAGO/Ulmer/Teamfoto

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Stärken, Schwächen und ein “japanischer Messi”: Der DFB-Gegner im Check

Deutschlands Auftaktgegner Japan tritt mit geballter Bundesligaerfahrung an, Stuttgarts Wataru Endo bereitet noch leichte Sorgen. Frankfurts Daichi Kamada hingegen ist in Topform. Japan im kicker-WM-Check.

Zwei Spieler von großer Bedeutung für Japan: Wataru Endo (li.) und Daichi Kamada.

Zwei Spieler von großer Bedeutung für Japan: Wataru Endo (li.) und Daichi Kamada.

IMAGO/AFLOSPORT

Der Trainer: Eine besondere Vergangenheit mit Katar

Die Samurai Blue stehen unter der Leitung von Nationaltrainer Hajime Moriyasu. Der 54-jährige ehemalige Profi und 35-malige Nationalspieler holte in seinen ersten fünf Jahren als Trainer bei Sanfrecce Hiroshima drei Meistertitel (2012, 2013, 2015), bevor er nach seiner Entlassung 2017 neuer Coach der japanischen U 23 – mit der er bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio bis ins Halbfinale kam – wurde.

Schon im Jahr darauf übernahm er das A-Nationalteam von Akira Nishino, als dessen Co-Trainer er bei der WM-Endrunde 2018 schon fungiert hatte. Bei den Fans ist Moriyasu allerdings nicht sehr beliebt, er hat den Ruf, ein wenig stur zu sein und an seinen Lieblingen festzuhalten, auch wenn sie keine Leistung bringen.

Den Trainer verbindet übrigens eine besondere Vergangenheit mit Katar: Vor 29 Jahren verpasste er mit Japan hier dramatisch die erste WM-Teilnahme für Japan in der Nachspielzeit gegen den Irak. Schon alleine deshalb möchte er nun am gleichen Ort eine positive Geschichte schreiben.

Die Stärken: Ein nicht zu unterschätzender Vorteil

WM 2O22 IN KATAR

Japan verfügt, wie schon in den Turnieren zuvor, über ein gutes Kurzpassspiel und schnelle, technisch versierte Spieler, die zumeist auf mehreren Positionen agieren können. Das hohe Pressing erzwingt beim Gegner oft Fehlpässe, die dem Angriff Chancen eröffnen. Wenn die Elf als Kollektiv auftritt, ist ihre Defensive nur schwer zu knacken. Durch die große internationale Erfahrung des Kaders, neben acht Deutschland-Legionären finden sich auch Spieler aus Spanien, England, Portugal, Schottland, Belgien und Frankreich, ist Japan ein ernstzunehmender Gegner.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen: Japan kennt die klimatischen Bedingungen in der Region aus der WM-Qualifikation, dürfte also weniger von den Temperaturen überrumpelt sein als beispielsweise Deutschland.

Die Schwächen: Kein Vollstrecker erkennbar

Offensiv liegt die größte Schwäche der japanischen Elf darin, dass einfach zu viele Chancen benötigt werden, um Tore zu erzielen. Es fehlt die Durchschlagskraft und ein richtiger Vollstrecker im Sturmzentrum. Dieser ist im WM-Kader nicht zu erkennen.

In der Defensive ist Japan zwar stark, aber ein wenig dünn besetzt. Da gibt die Verletzungsanfälligkeit von Takehiro Tomiyasu (Arsenal) und des Ex-Hannoveraners Hiroki Sakai (Urawa Red Diamonds) Anlass zur Sorge, auch wenn mit Innenverteidiger Ko Itakura ein potenzieller und starker Ersatz nach seiner Langzeitverletzung wieder zur Verfügung steht. Zudem bereitet die Doppelsechs wegen der Gehirnerschütterung Wataru Endos (VfB Stuttgart) und den muskulären Problemen Hidemasa Moritas trotz deren Einsatzfähigkeit ein wenig Sorgen. 

Standardsituationen sind ebenfalls ein Faktor, der Japan größere Probleme bereitet. Nicht zuletzt im Spiel gegen Kanada offenbarte die Defensivreihe gegen große Spieler Schwächen vor allem bei Eckbällen.

Die “Player to watch”: “Japanischer Messi” und ein Superjoker

Drei Spieler sollte man auf jeden Fall im Blick behalten. Daichi Kamada ist nicht zuletzt aufgrund seiner starken Leistungen für Eintracht Frankfurt einer der Schlüsselspieler für die Samurai Blue, der die Offensive auf der Zehnerposition führen soll. Dabei ist auch das Zusammenspiel mit Takefusa Kubo, dem einst als “japanischer Messi” titulierten Youngster, auf dem Flügel von Bedeutung. Der 21-Jährige kann links, rechts und auch im Zentrum agieren und strahlt stets Torgefahr aus. Man darf gespannt sein, wie sich der Mann von Real Sociedad bei seinem ersten großen Turnier schlägt.

Kaoru Mitoma wird vorerst zwar nur eine Jokerrolle ausfüllen, ist aber so etwas wie Japans Superjoker. Der 25-Jährige ist schnell, wendig und kann mit seinem Zug zum Tor in kurzer Zeit den Unterschied machen. 

Die Prognose: Gesetztes Ziel denkbar

Die japanische Elf ist ein nicht zu unterschätzender Gegner, dürfte aber gegen Deutschland und Spanien – sollten die Favoriten der Gruppe nicht patzen – nur geringe Chancen auf ein Weiterkommen haben. Gelingt jedoch ein Coup im Auftaktspiel gegen Deutschland, ist ein Achtelfinaleinzug und sogar ein Erreichen des gesetzten Zieles “Viertelfinale” durchaus denkbar. 

Kim Dämpfling

Flick und das Ende der Löw'schen Tradition

An diesem Mittwoch geht es für die deutsche Mannschaft los bei der WM 2022. Wie wird die Aufstellung aussehen? Ein Aus- und ein Rückblick.

2014 gemeinsam Weltmeister: Hansi Flick (li.) und Joachim Löw.

2014 gemeinsam Weltmeister: Hansi Flick (li.) und Joachim Löw.

imago images/Eventpress

Aus Katar berichtet Karlheinz Wild

Es ist die große Frage vor jedem Spiel und ganz besonders vor dem Auftakt eines Turniers: Welche Startelf schickt der Bundestrainer los? Hansi Flick (57) verriet am Tag vor der ersten Partie dieser Weltmeisterschaft 2022 nur so viel: “Im Tor wird Manuel Neuer spielen.” Und da Joshua Kimmich bei der abschließenden internationalen Pressekonferenz als Vertreter der Mannschaft sprach, ergänzte der Coach mit einem Grinsen, er gehe davon aus, “dass Jo in die Startelf findet”. Wer sonst? Sichere Kandidaten sind Antonio Rüdiger, Niklas Süle, Jamal Musiala, Serge Gnabry, Thilo Kehrer. Wer außerdem?

Der Rückblick auf den letzten und einzigen WM-Test im Oman (1:0-Sieg) verspricht keine erhellenden Antworten, da der Bundestrainer diese zähen 90 Minuten zur Akklimatisierung an Temperaturen und Luftfeuchtigkeit am Persischen Golf nutzte. Lukas Klostermann, Matthias Ginter oder Youssoufa Moukoko werden für die Anfangsformation eher nicht infrage kommen. Mit der sonstigen Hinführung auf ein Turnier, ob WM oder EM, seien die Umstände vor dieser Wintertour durch Katar nicht zu vergleichen, sagt der DFB-Chefcoach.

Wie lief die jeweilige Vorbereitung unter seinem Vorgänger Joachim Löw (62), der bei der Heim-WM 2006 dem damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann zur Seite stand und sich nach dem Turnier Flick als Assistenten holte? Deren Kooperation endete 2014 mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft.

Die letzten Tests vor einer WM seit 2006:

Vor 2006 waren es binnen sieben Tagen drei Spiele: gegen Luxemburg gab es einen 7:0-Sieg, gegen Japan ein 2:2-Remis, gegen Kolumbien ein 3:0. Im ersten WM-Spiel spielten gegenüber dem letzten Test zehn der elf Startelfspieler mit, lediglich Michael Ballack wurde durch Tim Borowski ersetzt gegen Costa Rica (4:2), also ein Spieler getauscht.

Vor 2010 waren es binnen sechs Tagen zwei Spiele: gegen Ungarn ein 3:0, gegen Bosnien-Herzegowina ein 3:1. Gegenüber dem letzten Test gegen Bosnien-Herzegowina wurde allein Piotr Trochowski von Thomas Müller ersetzt im Startspiel gegen Australien (4:0), also ein Spieler.

Vor 2014 waren es binnen fünf Tagen zwei Spiele: gegen Kamerun endete die Partie 2:2, gegen Armenien 6:1. Gegenüber dem letzten Test gegen Armenien wurden zum 4:0-Start gegen Portugal die Torhüter (Neuer für Roman Weidenfeller) getauscht, Mesut Özil ersetzte den verletzten Marco Reus. Es wurden also zwei Spieler getauscht.

Vor 2018 waren es binnen sechs Tagen zwei Spiele: in Österreich wurde 1:2 verloren, gegen Saudi-Arabien folgte ein 2:1-Sieg. Gegenüber dem letzten Test gegen Saudi-Arabien wurden im Vergleich zum 0:1-Start gegen Mexiko zwei Spieler ausgetauscht: Marvin Plattenhardt spielte für Jonas Hector, Özil für Reus.

Fazit: Vor den vergangenen vier Weltmeisterschaften bildete im letzten Test vor dem Turnier größtenteils die anschließende Startelf die Mannschaft: zweimal wurden zwei Akteure ausgetauscht, zweimal nur einer.

Die letzten Tests vor einer EM seit 2008:

Vor der EM 2008 waren es zwei Testspiele: gegen Belarus 2:2 (27.05.), gegen Serbien 2:1 (31.05.). Gegenüber dem letzten Test gegen Serbien wurden im Startspiel gegen Polen (2:0) Bastian Schweinsteiger und Kevin Kuranyi von Lukas Podolski und Miroslav Klose ersetzt, also zwei Spieler.

Vor 2012 waren es zwei Testspiele: gegen die Schweiz wurde mit 3:5 verloren (26.05.), gegen Israel folgte ein 2:0-Sieg (31.05.). Gegenüber dem letzten Test gegen Israel wurde im Startspiel gegen Portugal (1:0) Toni Kroos von Schweinsteiger ersetzt, Per Mertesacker von Mats Hummels, also zwei Spieler.

Vor 2016 waren es zwei Testspiele: gegen die Slowakei wurde 1:3 verloren (29.05.), gegen Ungarn 2:0 gewonnen. Gegenüber dem letzten Test gegen Ungarn wurde im Startspiel gegen die Ukraine (2:0) Antonio Rüdiger von Shkodran Mustafi ersetzt, also ein Spieler.

Vor 2021 waren es zwischen dem 2.6. und 7.6. zwei Spiele: gegen Dänemark 1:1, gegen Lettland 7:1. Gegenüber dem letzten Test gegen Lettland ging dieselbe Elf ins Startspiel gegen Frankreich (0:1). Kein Spieler wurde ausgetauscht.

Fazit: Unter Löw wurden vor vier Europameisterschaften zweimal zwei Spieler nach der Generalprobe ausgetauscht, einmal einer, einmal keiner. Löw tauschte also vor einem Turnier nie mehr als zwei Spieler aus nach dem letzten Test und vor dem Startspiel. Bei Flick werden es an diesem Mittwoch gegen Japan sicher mehr sein, die die WM-Tour beginnen, im Vergleich zu jener Elf, die vor einer Woche gegen den Oman in Maskat bei Anpfiff auf dem Platz stand. Die Tradition, die Löw mit seinen sparsamen Personalwechseln zwischen letzten Tests und Turnierstart pflegte, wird Flick also nicht fortsetzen.

Statement von Müller: “Kann Kritik nachvollziehen, teile diese Ansicht aber nicht”

Im Streit um die “One Love”-Binde kritisiert Thomas Müller die FIFA, nimmt seine Mitspieler in Schutz und wirbt um Verständnis und Unterstützung.

Thomas Müller.

Thomas Müller.

IMAGO/Ulmer/Teamfoto

Die Entscheidung der FIFA, der deutschen und anderen europäischen Nationalmannschaften das Tragen der “One Love”-Binde unter Androhung sportlicher Konsequenzen zu verbieten, hat für einen großen Aufschrei und viel Entrüstung gesorgt. Kritik gab es in diesem Zusammenhang aber nicht nur an der FIFA, sondern auch unter anderem am Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Die Frage lautet: Ist dieser vor dem Weltverband eingeknickt? Mediendirektor Steffen Simon rechtfertigte sich und sprach von “Erpressung”, ungeachtet dessen zog ein erster Sponsor des DFB bereits Konsequenzen. Derweil zeigte sich Joshua Kimmich auf der Pressekonferenz am Dienstag vor dem ersten Spiel gegen Japan verwundert über das Echo im Hinblick auf den Verzicht der Binde. Kimmich war aber nicht der einzige Münchner, der sich zu dem Thema äußerte. 

“Ich kann die Kritik nachvollziehen und akzeptieren, teile diese Ansicht aber nicht!”, schrieb Thomas Müller in einem ausführlichen Statement am Dienstagabend. Der 33-Jährige fand dabei auch kritische Worte für die FIFA, sprach von “befremdlichen Aktionen und Äußerungen” des Weltverbandes. Sowohl der Standpunkt der FIFA als auch die Art und Weise der Kommunikation zum Bindenverbot seien “für uns in keiner Weise zu verstehen.”

Andererseits warb er aber auch für Verständnis für die Spieler. “Wer von uns Fußballern erwartet, dass wir unseren Pfad als Sportler komplett verlassen und unsere sportlichen Träume, für die wir ein Fußballerleben lang gearbeitet haben, aufgeben, um uns politisch noch deutlicher zu positionieren, der wird enttäuscht sein”, schrieb Müller.

Der Routinier hofft auf eine differenzierte Sichtweise und Unterstützung für das Team. “Wir wollen euch zeigen, dass wir mit Teamgeist, Geschlossenheit und Fußballfinesse unsere deutsche Fußballnation begeistern können. Am besten schon gegen Japan.”

Das Statement von Thomas Müller im Wortlaut:

“Morgen geht’s endlich los mit dem ersten Gruppenspiel. Wir haben uns akribisch auf diesen Moment vorbereitet und freuen uns, dass morgen der Ball rollt.

Ich will außerdem vor unserem ersten Spiel meinen Standpunkt klar machen und die Dinge, die in den letzten Tagen und Wochen abseits des Platzes passiert sind, einordnen.

Die Unruhe rund um die Begebenheiten im Vorfeld des WM Turniers in Katar, das Verbot der “One Love”-Binde und weitere befremdliche Aktionen und Äußerungen der FIFA beschäftigen uns Spieler und das gesamte Team. Der Standpunkt der FIFA, als auch die Art und Weise der Kommunikation zum Bindenverbot, ist für uns in keiner Weise zu verstehen.

Aufgrund der Entscheidung aller betroffenen Fußballverbände, die Binde bei den Spielen nicht zu tragen, stehen auch der DFB und wir Spieler in der Kritik. Ich kann die Kritik nachvollziehen und akzeptieren, teile diese Ansicht aber nicht!

Der DFB hat Stellung bezogen und seine Haltung gegen die FIFA deutlich zum Ausdruck gebracht. Der Verband und wir Spieler engagieren uns seit Jahren weit über den grünen Rasen hinaus. Viele Nationalspieler haben eigene Stiftungen oder unterstützen seit Jahren mit großem Einsatz unterschiedliche soziale Einrichtungen. Mit unserer Mannschafts-Stiftung haben wir diverse Initiativen nicht nur im Zusammenhang mit dem Turnier in Katar, sondern auch in ganz Deutschland auf den Weg gebracht.

Wer von uns Fußballern erwartet, dass wir unseren Pfad als Sportler komplett verlassen und unsere sportlichen Träume, für die wir ein Fußballerleben lang gearbeitet haben, aufgeben, um uns politisch noch deutlicher zu positionieren, der wird enttäuscht sein.

Wer die ganze Situation differenziert betrachten kann, der wird uns hoffentlich in den nächsten Wochen voll unterstützen und uns den Rücken stärken. Wir wollen euch zeigen, dass wir mit Teamgeist, Geschlossenheit und Fußballfinesse unsere deutsche Fußballnation begeistern können. Am besten schon morgen gegen Japan.”