“Ich bin kein Verbrecher” beteuerte der 32-Jahrige vor Gericht. Im Profiradsport wurden Leistungen verlangt werden, die normal nicht mehr moglich seien, fugte er hinzu. Er habe nach seiner Knieverletzung mit dem Doping begonnen. “Ich wollte mit dem Doping meine Leistung erhalten, weil das mit der Knieverletzung normal nicht mehr moglich war”, sagte Denifl.

Schaden von 580.000 Euro

Die Teams wussten daruber Bescheid, ohne Doping hatte er nach einer Knieverletzung nie einen Vertrag erhalten, sagte Denifl. Viele der Athleten seien gedopt. “Im Radsport wird zu 90 Prozent gedopt, den supersauberen Sportler gibt es nicht”, sagte der Rechtsanwalt Denifls. Sein Mandant hatte jedenfalls keinen Schadigungsvorsatz, betonte der Verteidiger. Laut Anklagebehorde sei durch die Auszahlung von Pramieren und Teamentgelt an Denifl ein Schaden von rund 580.000 Euro entstanden. Ihm drohen damit ein bis zehn Jahre Haft.

Auch Fuglsang im Visier

In Danemark berichtete wahrenddessen die Tageszeitung “Politiken”, dass Arzt Michele Ferrari, Spitzname “Dottore Epo”, Beziehungen zum Astana-Team unterhalten und 2019 Top-Fahrer Jakob Fuglsang (Danemark) betreut haben soll. Das Blatt verweist dabei auf einen vertraulichen 24-seitigen Bericht der unabhangigen Anti-Doping-Kommission CADF. Demnach soll Ferrari das Astana-Team bei der Katalonien-Rundfahrt im Marz begleitet haben. In Nizza/Monaco sei es zu einem Treffen mit Fuglsang gekommen, bei dem auch dessen kasachischer Teamkollege Alexej Luzenko anwesend gewesen sei, heisst es angeblich in dem Bericht.

Der 66-jahrige Ferrari, der als eine der Schlusselfiguren in Lance Armstrongs Dopingsystem galt, dementierte alle Vorwurfe. “Leider sehe ich mich einmal mehr dazu gezwungen, den jungsten Schwindel der Medien zu dementieren”, hiess es in einer Stellungnahme auf seiner Webseite. Unter anderem erklarte Ferrari, seit einem Jahrzehnt in keiner Beziehung zu Astana-Fahrern zu stehen und in 20 Jahren bei keinem Radrennen mehr gewesen zu sein.

Astana aussert sich

Auch das Astana-Team ausserte sich. Die Equipe sei dem Anti-Doping-Kampf verschrieben und verlange von ihren Fahrern die Einhaltung aller entsprechenden Regeln. Auch der Kontakt zu gesperrten Medizinern sei untersagt. Das Aufsuchen teamexterner Arzte bei Fragen, die in Zusammenhang mit der Leistungsfahigkeit stehen, sei nicht erlaubt. Zudem verwies Astana auf die fur das Jahr 2020 erneuerte Lizenz als Beleg fur die Einhaltung aller Verpflichtungen. Man stehe in Kontakt mit der CADF und dem Weltverband UCI. “Bislang wurden keine Massnahmen gegen einen Fahrer eingeleitet”, hiess es in der Stellungnahme. Der 34-jahrige Fuglsang fuhr 2019 eine seiner starksten Saisons. Er gewann den Klassiker Luttich-Bastogne-Luttich und das Tour-Vorbereitungsrennen Criterium du Dauphine. Bei der Vuelta in Spanien gewann Fuglsang eine Etappe.

red, sid, dpa
|
Stand: 03.02.2020, 17:46