Pfiffe, Buhrufe, abgeschmetterte Anträge – und “Hainer-raus”-Rufe

Pfiffe, Buhrufe, abgeschmetterte Anträge – und “Hainer-raus”-Rufe

Das gab es so noch nie. Am Ende einer Jahreshauptversammlung schimpften die Mitglieder auf die Bayern-Bosse. Lautstark. Und deutlich. Im Mittelpunkt: Präsident Herbert Hainer. Und Anträge von Fan Michael Ott.

Im Fokus der Kritik: Bayern-Präsident Herbert Hainer (Mitte).

Im Fokus der Kritik: Bayern-Präsident Herbert Hainer (Mitte).

imago images/ActionPictures

In einer anfangs harmonischen Jahreshauptversammlung mit vielen Pokalen und Lobeshymnen wurde es am Ende doch noch richtig hitzig. Und kritisch. Unter Punkt 9 der Tagesordnung kam es zu den Anträgen von Mitgliedern. Darunter Michael Ott, der sich seit Wochen deutlich gegen das Katar-Sponsoring beim FC Bayern positioniert. Am Donnerstagabend trat der Bayern-Fan dann ans Rednerpult und präsentierte seinen Antrag.

Weil das Gericht eine einstweilige Verfügung gegen den FC Bayern abgelehnt hatte, blieb Ott nur die Möglichkeit eines Spontanantrags, der eine 75-Prozent-Mehrheit bräuchte. Doch auch diesen Spontanantrag schmetterte das Präsidium, vertreten durch Vizepräsident Dr. Dieter Meyer, ab. Mit der Begründung: “Ich werde hier nicht zulassen, dass wir hier über rechtswidrige Anträge abstimmen. Das Landgericht München hat heute entschieden, dass die Mitgliederversammlung heute nicht zuständig ist.”

Außerdem seien die wegen der Pandemie nur 780 anwesenden Mitglieder (von insgesamt mehr als 290 000) nicht aussagekräftig genug. “Sie können gerne in einem Gerichtsverfahren angreifen, dass dieser Antrag heute nicht gelassen worden ist”, warf der Vizepräsident hinterher. Es folgten: Pfiffe. Buhrufe. Gejohle. Lautes Geschrei. Wieder Pfiffe. Und Buhrufe. Die Halle tobte.

Otts zweiter Antrag wirkt wie eine Trotz-Aktion

Nachdem Otts erster Antrag abgelehnt wurde, legte er einen zweiten nach. Diesmal wollte Ott eine Satzungsänderung, die besagt, dass der Verein weiterhin 75 Prozent statt 70 Prozent an der FC Bayern München AG halten soll, damit Investoren nicht zu viel Einfluss bekommen. Angesichts des zuvor abgebügelten Antrags bezüglich der Katar-Thematik wirkte dieser zweite Ott-Antrag für eine Satzungsänderung eher wie eine Trotz-Aktion als ein für den Verein zielorientierter Vorschlag.

Denn gerade in Pandemie-Zeiten, und das sagten die Bayern-Bosse zurecht, sind fünf Prozent Handlungsspielraum – für etwaige Imbalancen – womöglich substanziell. “Wir brauchen diese Möglichkeit”, appellierte Oliver Kahn, der CEO, an das Plenum: “Es gibt keine Gedanken darüber, dass wir diese fünf Prozent abgeben wollen. Wir suchen keine Investoren. Und wenn, wenn sowas überhaupt infrage kommt, sind das strategische Partner, die den Klub weiterbringen.”

Lesen Sie auch: “Schmerzhafte Umsatzeinbußen” – FC Bayern veröffentlicht Geschäftszahlen

Wenig später wurde darüber abgestimmt. Eine Zweidrittel-Mehrheit, wie sie Ott benötigt hätte, bekam er von den anwesenden Mitgliedern knapp nicht. Womit auch sein zweiter Antrag ohne Erfolg blieb. Was den Großteil der Mitglieder noch emotionaler werden ließ. Laute Zwischenrufe hallten durch den Audi-Dome. Bis zum Schluss. Und das Ende war unrühmlich – und eines, das dem FCB im Gedächtnis bleiben wird.

Mitglieder singen: “Wir sind Bayern – und ihr nicht”

Präsident Herbert Hainer beendete die Versammlung etwas abrupt, obwohl noch weitere Wortmeldungen angemeldet waren. Zum völligen Unverständnis der anwesenden Mitglieder, die dann beinahe auf die Barrikaden gegangen wären. Sie sangen: “Wir sind Bayern – und ihr nicht.” Und: “Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt.” Und zu guter Letzt, und das gab es noch nie, rief ein Großteil der Mitglieder: “Hainer raus! Hainer raus!”

Ehrenpräsident Uli Hoeneß, der diesmal als Gast in erster Reihe saß, beobachtete dieses Tohuwabohu sichtlich geschockt. Zum kicker sagte er: “Darüber muss ich erst einmal schlafen. Das war die schlimmste Veranstaltung, die ich je beim FC Bayern erlebt habe.”

Georg Holzner