Herausragender Höler: Ein Sinnbild für die Freiburger Schule

Herausragender Höler: Ein Sinnbild für die Freiburger Schule

Von eins auf acht Torchancen. Gegenüber dem 0:0 in Mainz steigerte der SC Freiburg seine Offensivleistung beim 3:0 gegen Augsburg erheblich. Gründe dafür: Vier Personalwechsel und ein über lange Zeit unterschätzter Arbeiter mit seiner bisher besten Leistung für die Breisgauer.

Unumstritten beim SC Freiburg: Lucas Höler.

Unumstritten beim SC Freiburg: Lucas Höler.

imago images/Beautiful Sports

Christian Streich veränderte seine Startelf auf vier Positionen für das letzte reguläre Bundesligaspiel in der altehrwürdigen Kultstätte Dreisamstadion. Für Kevin Schade und Roland Sallai rückten Vincenzo Grifo und Woo-Yeong Jeong in den Dreierangriff, für Janik Haberer und Yannik Keitel begannen die wiedergenesene Stammkraft Nicolas Höfler und Sommerzugang Maximilian Eggestein auf der Doppelsechs.

Mit allen vier Wechseln lag der Trainer rückblickend richtig. Grifo sorgte über die angestammte linke Seite für Schwung, leitete das 2:0 ein und verwandelte den Handelfmeter zum 3:0. Stratege Höfler verlieh dem SC-Spiel dank seiner Ballsicherheit Ruhe und Struktur, war per Kopf zweimal torgefährlich und leitete mit einem Chipball in den Strafraum eine frühe Chance von Lucas Höler ein. Sein Partner Eggestein ergänzte ihn im Zentrum gut und verbuchte durch seinen bestens getimten Pass vor Hölers 2:0 einen Assist. Jeong fiel gegenüber den genannten Kollegen zwar ein wenig ab, vor allem, weil er einen Hochkaräter (64. Minute) vergab, bewies jedoch durch seine Umtriebigkeit mit und gegen den Ball in vorderster Linie auch seinen Wert.

Die Vorlage zu Jeongs Großchance hatte übrigens der bereits mehrmals erwähnte Höler gegeben – womit wir beim Spieler des Spiels angekommen wären. Höler brachte zwar den nicht einfach zu nehmenden, aufspringenden Ball von Höfler nicht im Tor unter – überragte an diesem Sonntagabend aber insgesamt alle anderen mit seiner Leistung. Dass er, wie auch gegen Augsburg gezeigt, durch sein unnachgiebiges, taktisch cleveres Anlaufen und seine Zweikampfstärke (10 von 13 Duellen gewonnen) unangenehm für gegnerische Verteidiger agiert, ist inzwischen bekannt. Dieses Level bringt Höler konstant und ist unter anderem dadurch bisher in dieser Saison bei Streich gesetzt.

Mit seinen technisch herausragenden Beiträgen zu den beiden ersten Treffen gegen den FCA hat Höler allerdings nicht wenige Beobachter verblüfft. Zunächst verschaffte er Christian Günter mit einem wohl temperierten Steilpass in den Lauf einen freien Abschluss – Lukas Kübler verwandelte den Nachschuss. Und dann brillierte Höler nach Eggesteins Service in den Strafraum mit perfekter Ballan- und -mitnahme sowie einem überlegten Chipball am herausstürzenden Rafal Gikiewicz vorbei ins Netz.

Wertvoll – unabhängig von Scorerpunkten

Gerade zu seiner Anfangszeit in Freiburg nach seinem Wechsel von Zweiligist Sandhausen im Januar 2018 hätte man Höler mit solchen Aktionen nicht in Verbindung gebracht. Ein fleißiger Arbeiter war der 1,84-Meter-Mann schon damals, wies aber etwa noch erhebliche technische Mängel auf. Ob er einmal Bundesligatauglichkeit konstant würde nachweisen können? Damals bestanden große Zweifel. Inzwischen sind sie verschwunden, wenngleich Hölers Quote von 19 Treffern in 113 Bundesligaeinsätzen immer noch deutlich ausbaufähig ist. Wertvoll ist er für das SC-Spiel mittlerweile aber fast in jedem seiner Einsätze – unabhängig von Scorerpunkten. “Lucas Höler hilft uns brutal”, hatte ihn Streich Ende August mal wieder mit einem fetten Extralob bedacht.

Höler erreicht unvermutete Qualitätsstufe

Gegen den FCA hat der sehr präsente und durch geschicktes Zurückfallenlassen gut mitspielende Höler nun seine mit Abstand beste Leistung im Freiburger Trikot gezeigt – und dafür erstmals die kicker-Note 1,0 erhalten. Hölers Entwicklung über nun fast vier Jahre steht sinnbildlich für die Freiburger Schule, in der unter Anleitung von Streich und dessen Trainerkollegen regelmäßig weithin unterschätzte Spieler unvermutete Qualitätsstufen erreichen.

Carsten Schröter-Lorenz