Sprints und Pressing: Wo die Eintracht ein Spitzenteam ist

Sprints und Pressing: Wo die Eintracht ein Spitzenteam ist

Frankfurts enttäuschender Start weckt Befürchtungen. Doch es gibt handfeste Ansatzpunkte, die Hoffnung machen.

Er haut sich voll rein: Eintracht-Torjäger Rafael Santos Borré.

Er haut sich voll rein: Eintracht-Torjäger Rafael Santos Borré.

imago images

Beispiele von Mannschaften, die in einem Jahr (erfolgreich) um den europäischen Wettbewerb mitspielten, und sich in der Saison danach völlig unerwartet im Abstiegskampf wiederfanden, hat die jüngere Liga-Geschichte gleich mehrfach zu bieten. Der 1. FC Köln stürzte 2017/18 als Europa-League-Starter in die Zweitklassigkeit ab. Dem VfB Stuttgart widerfuhr 2018/19 dasselbe nach einem vorangegangenen siebten Platz. Und Werder Bremen musste 2019/20 in die Relegation statt wie erhofft den achten Rang der Vorsaison als Sprungbrett ins internationale Geschäft zu nutzen.

Gewiss mahnende Schicksale für die Frankfurter Eintracht nach nur fünf Zählern aus sechs Partien und angesichts der kaum lösbaren Aufgabe beim FC Bayern vor der Brust. Allerdings: Mag die Punkteausbeute auch eine Parallele zu den genannten damaligen Kellerkindern sein – es gibt ebenso deutliche Unterschiede.

Keiner gewinnt mehr Bälle im vorderen Drittel

Nicht zuletzt physisch waren die Überraschungsabsteiger der Vergangenheit in der Regel nicht wettbewerbsfähig. Das sieht bei der Mannschaft von Trainer Oliver Glasner aktuell ganz anders aus. Pro Partie haben die Frankfurter bislang durchschnittlich 117,9 Kilometer zurückgelegt. Davon 20,9 Kilometer joggend, 25,6 Kilometer in intensiven Läufen und 7,8 Kilometer im Sprint.

Im Ligaranking liegt die Eintracht in jeder einzelnen dieser Kategorien auf Rang zwei. Auch die Zahl von 252 Sprints pro 90 Minuten wird nur von einem einzigen Konkurrenten knapp übertroffen: Dem Branchenprimus und kommenden Liga-Gegner FC Bayern (254). Absolute Top-Werte verzeichnen Filip Kostic und Kollegen gar beim hohen Pressing: 8,7 Balleroberungen pro Partie im vorderen Spielfeld-Drittel und 32,3 Balleroberungen im mittleren Drittel bedeuten jeweils Ligaspitze.

Nur Schlusslicht Fürth dribbelt noch schlechter

Im Umkehrschluss bedeutet das freilich: Mit dem Ball wissen die Eintracht-Profis bislang viel zu wenig anzufangen. Mangelhaftes Entscheidungsverhalten, von Glasner und Sportvorstand Markus Krösche zuletzt offen eingeräumt und moniert, wird von den statistischen Werten belegt. Die Passquote von 75,5 Prozent ist im Ligavergleich immerhin noch mittelmäßig. Die Quote der langen Bälle (43,2 Prozent) entspricht hingegen nur Platz 15. Und: Die Quote erfolgreicher Dribblings von 47,8 Prozent wird nur von Aufsteiger und Schlusslicht SpVgg. Greuther Fürth (44,2 Prozent) unterboten.

Hinzu kommt: Lediglich 27 Prozent aller Abschlussversuche gehen überhaupt aufs gegnerische Tor, ganze 6,8 Prozent finden dann tatsächlich ihr Ziel – Platz 15 beziehungsweise 16. Im Gesamtkontext ebenfalls eher beunruhigend: Obwohl Glasner seine Profis kürzlich augenzwinkernd als “Messdiener” titulierte, hat die Eintracht mit 15 Gelben Karten die zweitmeisten der Liga kassiert. Spitzenreiter in dieser Kategorie ist Bayer Leverkusen mit 17 Verwarnungen – hat als Tabellenzweiter aber auch schon acht Punkte mehr eingefahren.

Das Fazit mit Blick auf die Eintracht liegt auf der Hand: Die Intensität lässt nicht zu wünschen übrig und wird von den Verantwortlichen nachvollziehbar als erfolgversprechende Basis eingeschätzt. Der Nachweis, dass sich die Effektivität tatsächlich steigert, muss aber zwingend noch erbracht werden. Damit sich Europa-League-Starter Frankfurt nicht doch einreiht in die Liste der jäh Abgestürzten.

Thiemo Müller