kicker-User mit klarem Votum für Sané – Gündogan wackelt

Geht es nach den kicker-Usern, sollen nach dem Spanien-Spiel Veränderungen in der deutschen Startelf her. Nicht nur Niclas Füllkrug steht hoch im Kurs.

Wer beginnt gegen Spanien? Leroy Sané (li.) war zuletzt Joker, Ilkay Gündogan stand zweimal in der Startelf.

Wer beginnt gegen Spanien? Leroy Sané (li.) war zuletzt Joker, Ilkay Gündogan stand zweimal in der Startelf.

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Gegen Japan und Spanien wurde Ilkay Gündogan jeweils als erster deutscher Spieler ausgewechselt. Geht es nach der Mehrheit der kicker-User, sollte der Mittelfeldstratege gegen Costa Rica gar nicht erst in der Startelf auftauchen.

Obwohl er gerade gegen Japan gezeigt hatte, wie wertvoll seine Manchester-City-typische Passsicherheit gegen tiefstehende Gegner ist und Costa Rica der deutschen Nationalelf am Donnerstag (20 Uhr, LIVE! bei kicker) wohl ähnlich defensiv entgegentreten wird, setzen nur 46 Prozent der kicker-Leser beim Erstellen ihrer Wunschelf auf Gündogan. Vor dem Spanien-Spiel hatten ihn noch 57 Prozent in ihrer Startformation gesehen.

Gnabrys Werte sinken weiter

Um seinen Platz bangen muss – so das User-Votum – auch Serge Gnabry. Vor dem Auftaktspiel gegen Japan (1:2) hatten noch 76 Prozent auf ihn gesetzt, vor dem Spanien-Spiel 64 – jetzt sind es “nur” noch 49. Deutlich höher sind weiterhin die Werte für Joshua Kimmich (90 Prozent), Jamal Musiala (91), Leon Goretzka (77) und auch Leroy Sané (77).

Der Linksfuß stand schon vor den ersten beiden deutschen WM-Auftritten in den meisten Wunsch-Aufstellungen, Bundestrainer Hansi Flick musste aber natürlich auch dessen gesundheitliche Situation berücksichtigen: Gegen Japan fehlte Sané mit Knieproblemen, gegen Spanien hätte er trotz seiner Trainingspause womöglich als Stürmer begonnen, wenn bei einem Remis oder einer Niederlage bereits das WM-Aus gedroht hätte.

Über 90 Prozent für Füllkrug – Klostermann pirscht sich heran

Nach seinem ansprechenden Joker-Einsatz winkt ihm am Donnerstag nun ein Startelfeinsatz – nicht nur virtuell. Im Sturmzentrum gibt es für die kicker-User allerdings nur eine Wahl: Niclas Füllkrug, dessen Einsatz sie schon gegen Spanien gefordert hatten, würden 89 Prozent von ihnen gegen Costa Rica aufstellen. Der Werder-Torjäger steigerte seinen Wert um satte 33 Prozentpunkte.

Und in der Abwehr? Hier spielt Nico Schlotterbeck nach seinem “Absturz” vor dem Spanien-Spiel (von 39 auf 12 Prozent) weiterhin keine Rolle mehr für die kicker-Leser (11 Prozent), dafür schafft es Niklas Süle nun sogar in 78 (statt 55) Prozent der Start-Aufstellungen. Neben den gesetzten Antonio Rüdiger (98 Prozent) und David Raum (79) gehört aktuelle Thilo Kehrer – mit großem Abstand – zu den vier meistgewählten Abwehrspielern (36 Prozent). Doch Lukas Klostermann (32) pirscht sich heran. Er könnte bereits der dritte Rechtsverteidiger im dritten deutschen WM-Spiel werden.

Gündogan: “Die Zeit der Politik ist vorbei”

Der deutsche WM-Start wurde stark von der Debatte um das Verbot der “One Love”-Binde überschattet. Nun aber soll das Sportliche wieder in den Vordergrund rücken, wie Ilkay Gündogan verriet.

Sein Blick richtet sich auf den Ball: Ilkay Gündogan.

Sein Blick richtet sich auf den Ball: Ilkay Gündogan.

IMAGO/Matthias Koch

Groß war die Aufregung, als die FIFA dem DFB-Team und anderen Nationen unter Androhung von Strafen untersagte, die “One-Love”-Binde zu tragen. Die deutsche Mannschaft protestierte dagegen, indem alle Spieler beim Mannschaftsfoto beim WM-Auftakt gegen Japan (1:2) die Hand vor den Mund hielten. Im zweiten Spiel gegen Spanien (1:1) gab es dann keine weitere Protestaktion.

Nach dem Spanien-Spiel verriet Gündogan “The Athletic”, dass “einige Spieler sauer waren”, nachdem die FIFA das Tragen der Binde untersagt hatte. “Einige Spieler waren enttäuscht und frustriert”, gab der 32-Jährige einen kleinen Einblick in das Innenleben der deutschen Mannschaft und verriet, dass man als Team über das weitere Vorgehen diskutiert habe. “Und am Ende wurde entschieden, dass wir diese Geste gegen die FIFA machen.”

Nun aber sei die Zeit der politischen Themen Gündogan zufolge vorbei. “Jetzt geht es nur um Fußball, um genießen und feiern, das ist das Wichtigste”, erklärte der 32-Jährige und dachte dabei wohl schon an das entscheidende Gruppenspiel gegen Costa Rica am kommenden Donnerstag (LIVE! ab 20 Uhr bei kicker), das die Nationalelf zwingend gewinnen muss, soll am Ende nicht wie schon vier Jahre zuvor in Russland das Gruppenaus stehen.

Die muslimische Gemeinschaft ist stolz.

Ilkay Gündogan

Abgesehen von der Debatte um die Menschenrechtslage in Katar, die “One Love”-Binde, den Protest gegen die FIFA und die sportlichen Leistungen auf dem Rasen, sprach Gündogan aber auch über die Bedeutung des Turniers für die muslimische Welt im Allgemeinen. “Katar ist sehr stolz darauf, die Weltmeisterschaft auszurichten – als erstes muslimisches Land”, so der Nationalspieler, der betonte, dass er selbst “aus einer muslimischen Familie” stamme. Dadurch kenne er auch eine andere Perspektive – und die sei eindeutig: “Die muslimische Gemeinschaft ist stolz.”

Wo Deutschland mit Spanien mithält – und eine Schwäche, die langsam Tradition hat

Niederlage gegen Japan, Kantersieg gegen Costa Rica: Was Deutschland und Spanien trotz der so unterschiedlichen WM-Auftaktspiele gemein haben – und was die DFB-Elf statistisch von Topteams trennt.

Zwei Gesichter: Die DFB-Elf erspielt sich viele Chancen, lässt aber diverse Möglichkeiten zu.

Zwei Gesichter: Die DFB-Elf erspielt sich viele Chancen, lässt aber diverse Möglichkeiten zu.

Getty Images

Schon bei den ersten Interviews nach dem Abpfiff der 1:2-Niederlage gegen Japan hatten die deutschen Spieler etliche Ideen zu Gründen für die “aberwitzige” Niederlage, wie sie Thomas Müller nannte: Die Effizienz vor dem Tor fehlte, nicht jeder wollte den Ball haben, und in der Abwehr wurden haarsträubende Fehler gemacht. Das erste Gefühl bestätigen auch die Zahlen. Aus vielen Chancen wurde wenig gemacht; und defensiv viel zu viel zugelassen.

Deutschlands beispielloser Chancenwucher

Zumindest in der Chancenerstellung treffen die beiden Schwergewichte des ersten WM-Spieltags aufeinander. Einzig Spanien und Deutschland gelang es in ihren Partien, mindestens zehn Chancen herauszuspielen. Die Iberer erspielten sich beim 7:0 gegen Costa Rica zehn Möglichkeiten, die DFB-Elf hingegen verwandelte nur eine der insgesamt sogar elf Chancen gegen Japan – und das per Strafstoß. Seit Beginn der Chancenerfassung im Jahr 2002 hat Deutschland nur in einer Gruppenphasenpartie mehr Chancen herausgespielt als gegen Japan: Beim 1:0 gegen Polen bei der WM 2006 waren es zwölf Stück.

Insgesamt gab Deutschland 26 Torschüsse ab – ein Wert, der seit Beginn der Torschusserfassung in 2014 nur in vier Gruppenphasenpartien erreicht wurde. Neben Argentinien beim Duell gegen Island 2018 (1:1, 27 Torschüsse) kam Deutschland dreimal auf mehr als 25 Torschüsse in einer Gruppenphasenpartie: 2018 gegen Südkorea (28, 0:2) und Mexiko (2018, 26, 0:1); 2022 nun gegen Japan (26). Die Chancenverschwendung hat also langsam Tradition.


Abgegebene Torschusse

Daran liegt es nicht: Deutschland weist bei den Torchancen Top-Werte auf.
kicker

Defensiv in einer Reihe mit Saudi-Arabien und Costa Rica

Doch während auf der Gegenseite Spanien nicht einmal einen einzigen Torschuss Costa Ricas zuließ, kam Japan sogar zu sieben Chancen. Mehr hatten im laufenden Turnier bislang lediglich Frankreich (acht Chancen, 4:1 gegen Australien), England (acht Chancen, 6:2 gegen Iran), Spanien und Deutschland.

Dass Deutschland zu viele Chancen und Torschüsse zulässt, ist ein zentraler Punkt, der das Team von Topteams unterscheidet. Schon 2018 ließ die DFB-Elf gegen Südkorea (12) und Mexiko (13) zu viele Torschüsse zu – jetzt waren es gegen Japan wieder zwölf. Nimmt man die Gruppenphasenpartien aus 2018 und 2022 zusammen, gibt es nur acht Nationen, die in mindestens drei Partien zwölf oder mehr Torschüsse zugelassen haben. In einer Reihe mit dem Iran, Saudi-Arabien, Südkorea oder Costa Rica zu stehen ist aber sicherlich kein Kompliment für die DFB-Elf.


Grafik über zugelassene Torschüsse.

In schlechter Gesellschaft: Deutschland lässt zu viele Torschüsse zu.
kicker

Dabei war Deutschland gegen Japan lange auf einem guten Weg, die defensive Schwäche zu bezwingen. Von den zwölf zugelassenen Torschüssen gaben sieben die Einwechselspieler Asano (5), Minamino (1) und Doan (1) ab – und zwei von ihnen landeten im Tor. Dieses Mal gilt es also, die defensive Kontrolle länger durchzuhalten.

Dass es zu so vielen Chancen kommen konnte, lag mit Sicherheit auch an der Zweikampfschwäche der deutschen Defensive – mit Ausnahme von Antonio Rüdiger. Jeden seiner sieben Zweikämpfe gewann er; von allen Innenverteidigern mit mindestens so vielen Zweikämpfen blieb nur Frankreichs Ibrahima Konaté makellos (ebenfalls sieben von sieben). Rüdigers Kollege in der Innenverteidigung, Nico Schlotterbeck, gewann hingegen nur zwei seiner insgesamt sechs Zweikämpfe.

Spaniens Fabelspiel gegen Costa Rica

Gemein haben Spanien und Deutschland hingegen den Fokus auf Ballbesitz. Beide Teams hatten seit Erfassung der detaillierten Daten in 2014 in jeder WM-Partie mehr Ballbesitz als der Gegner – das wird sich an diesem Sonntag ändern müssen. Nicht nur das bislang letzte Duell Deutschlands und Spaniens, das die Iberer im November 2020 mit 70 Prozent Ballbesitz 6:0 gewannen, spricht dafür, dass Spanien den Ton angeben wird.

In zahlreichen Kategorien waren die Statistiken gegen Costa Rica herausragend: 82 Prozent Ballbesitz und eine Passquote von 94 Prozent hatte seit 2014 kein anderes Team; 1045 gespielte Pässe sind zudem in dem Zeitraum mit großem Abstand der höchste gemessene Gruppenphasenwert vor England beim diesjährigen Duell mit dem Iran (797). Deutschlands Partie gegen Japan folgt hier auf Platz 4 mit 717 Pässen. Während England und Spanien aber Kantersiege einfuhren, war Deutschlands Ausbeute weniger zufriedenstellend.

Im direkten Duell zwischen Deutschland und Spanien wird sich nun zeigen, wie die beiden Teams auf der großen Bühne mit einem Gegner mit – zumindest in Hinblick auf die Chancenerstellung und den Ballbesitzfokus – ähnlichem Ansatz umgehen.

Björn Rohwer

“Wie eine Schildkröte”: kicker-Reporter debattieren über die Lage beim DFB-Team

Was schief lief und jetzt passieren muss 25.11.2022

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15:26Der deutschen Nationalelf droht gegen Spanien das frühe WM-Aus. Die kicker-Reporter Matthias Dersch und Oliver Hartmann diskutieren über die Probleme, die PK-Aussagen von Havertz und Brandt – und die Aussichten gegen spielstarke Spanier.

“Keine Pässe mit Aussage”: Warum Deutschland gegen Japan den Faden verlor

Der Auftakt in die Weltmeisterschaft ist der deutschen Nationalmannschaft misslungen. Trotz Führung verlor das DFB-Team in der zweiten Halbzeit den Faden.

Niederlage zum Auftakt: Manuel Neuer & Co. waren nach dem Abpfiff bedient.

Niederlage zum Auftakt: Manuel Neuer & Co. waren nach dem Abpfiff bedient.

IMAGO/Xinhua

“Es war eigentlich kein gefährdetes Spiel für uns”, sagte Manuel Neuer am ARD-Mikrofon über den WM-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft, der am Mittwoch gegen Japan dennoch überhaupt nicht nach Plan verlief. Dabei hatte Deutschland eigentlich alles unter Kontrolle, in der ersten Halbzeit knapp 80 Prozent Ballbesitz und dank Ilkay Gündogans verwandeltem Foulelfmeter eine Führung im Rücken.

Japan wurde bis dato nur bei Kontern gefährlich, Neuer musste aber nicht einmal wirklich eingreifen. Der Ostasienmeister zog Lehren aus der harmlosen ersten Halbzeit, stellte durch die Einwechslung von Takehiro Tomiyasu taktisch auf eine Dreierkette um und Deutschland dadurch plötzlich vor Probleme. “Japan hat ein bisschen mehr Druck gemacht, hat uns im Eins-gegen-eins angelaufen und uns höher gepresst”, erkannte Neuer.

Zunächst schien das DFB-Team weiterhin Lösungen zu haben, weitere große Chancen blieben aber ungenutzt. “Vorne hatten wir teilweise unfassbare Möglichkeiten, haben das zweite Tor aber nicht erzielt”, ärgerte sich Gündogan, der nach einer Stunde selbst den rechten Pfosten traf und von Hansi Flick bestätigt wurde. “In der zweiten Halbzeit hatten wir in einer Phase, wo wir überlegen waren, viele Torchancen, die wir aber nicht gemacht haben.”

Und dennoch wirkte das deutsche Spiel nicht mehr so dominant und souverän wie noch in Halbzeit eins, was Gündogan vor allem mit dem eigenen Spielaufbau begründete. “Uns fehlen vielleicht auch die Möglichkeiten, von hinten herauszuspielen. Es fehlt die Überzeugung mit dem Ball. Dass man den Ball hält, dass man sich bewegt, dass man sich anbietet. Man hatte das Gefühl, dass nicht jeder den Ball haben wollte”, so Deutschlands einziger Torschütze, der es ähnlich sah wie Neuer: “Wir haben den Gegner stark gemacht. Wenn man keine Pässe mit Aussage nach vorne spielt, kommt die Retourkutsche”, kritisierte der Schlussmann.

Doan und Asano bestrafen Deutschland

Und wie diese kam: Japan war weiter im Spiel, legte von der Bank mit den Bundesliga-Legionären Ritsu Doan (Freiburg) und Takuma Asano (Bochum) schnelles Personal nach und tauchte plötzlich häufiger am deutschen Strafraum auf. Nach 73 Minuten verhinderte Neuer gegen Junya Ito noch bärenstark den Ausgleich, musste kurz darauf aber hinter sich greifen – Doan versenkte einen Abpraller aus sechs Metern.

Ich weiß nicht, ob bei einer Weltmeisterschaft jemals ein einfacheres Tor geschossen wurde. Das darf nicht passieren.

Ilkay Gündogan

Es war die durchaus gerechte Strafe für Deutschland, das vor allem in der Defensive nun völlig den Faden verlor und ein zweites Gegentor kassierte, das für großes Unverständnis sorgen sollte. Nach einem langen Ball von Gladbachs Ko Itakura war Asano plötzlich frei durch und von Nico Schlotterbeck nicht mehr zu halten. Mit einem Schuss unter die Latte zog der Bochumer das Spiel auf Seiten der Japaner.

“Ich weiß nicht, ob bei einer Weltmeisterschaft jemals ein einfacheres Tor geschossen wurde. Das darf nicht passieren”, so Gündogan über den Treffer zum 1:2, der von Niklas Süle – als ballferner Verteidiger hob er das das Abseits auf – erst möglich gemacht wurde. “Wenn wir die Linie halten, ist er im Abseits, da muss Niklas einfach aufpassen. Das sind individuelle Fehler, die wir heute büßen mussten”, so Flick.

Zum zweiten Mal in Folge startet Deutschland somit mit einer Niederlage in eine Weltmeisterschaft, 2018 in Russland sollte das kein gutes Omen sein. “Wir werden keine schöne Heimreise haben, weil jeder das im Kopf hat”, weiß Flick um den mentalen Zustand seiner Spieler. Am Sonntag (20 Uhr, LIVE! bei kicker) droht gegen Spanien bereits das vorzeitige Ausscheiden, daran will der Bundestrainer aber natürlich nicht denken, sieht sich und sein Team in der Pflicht. “Wir haben einiges gutzumachen. Trotzdem haben wir die Qualität, um Spanien schlagen zu können.”

Trotz Führung: DFB-Elf verpatzt WM-Auftakt erneut

Wie 2018 gegen Mexiko verlor die deutsche Mannschaft auch bei der WM 2022 in Katar ihr erstes Spiel: Trotz Führung und guter Chancen musste sich die DFB-Elf Japan mit 1:2 geschlagen geben. 

Freude auf der einen, ratlose Gesichter auf der anderen Seite: Japan besiegte Deutschland.

Freude auf der einen, ratlose Gesichter auf der anderen Seite: Japan besiegte Deutschland.

Getty Images

Im letzten Testspiel vor der Weltmeisterschaft hatte sich die deutsche Mannschaft zu einem 1:0-Sieg gegen den Oman gemüht. Vor dem ersten WM-Spiel gegen Japan gab es in Sachen Aufstellung noch die eine oder andere offene Stelle. DFB-Coach Hansi Flick vertraute unter anderem Schlotterbeck, der den Vorzug vor Kehrer bekam, Süle verteidigte auf der rechten Seite. Neben Kimmich startete Gündogan statt Goretzka, zudem entschied sich der Bundestrainer für Müller und Havertz.

Japans Coach Hajime Moriyasu dürfte mächtig aufgeatmet haben, dass mit Stuttgarts Endo einer der wichtigsten Spieler nach seiner Gehirnerschütterung zur Verfügung stand, er spielte auf der Sechs neben Düsseldorfs Tanaka. Die Innenverteidigung bildeten mit Itakura (Gladbach) und Yoshida (Schalke) zwei in Deutschland bestens bekannte Spieler. In der Offensive sollte Frankfurts Kamada dirigieren und das Spiel an sich reißen. 

Das erste Zeichen setzte die deutsche Mannschaft direkt vor dem Spiel, als sich Neuer & Co. nach den Hymnen im Khalifa International Stadium beim Mannschaftsfoto demonstrativ den Mund zuhielten. “Ihr könnt uns nicht den Mund verbieten”, sollte diese Geste in Richtung der FIFA bedeuten

Maedas Tor zählt nicht – Gündogan eiskalt vom Punkt

Anschließend ging es auf dem Rasen zur Sache – und auf den ersten Schreckmoment des Turniers aus deutscher Sicht musste man nicht lange warten: Nach Gündogans Ballverlust ging es bei den Japanern schnell, Maeda traf am Ende zum vermeintlichen 1:0, doch er stand klar im Abseits (8.). Ansonsten diktierte die DFB-Elf das Geschehen, hatte im ersten Durchgang satte 81 Prozent Ballbesitz. Die ersten Chancen folgten auf dem Fuß: Rüdiger köpfte knapp rechts vorbei (16.), Kimmichs wuchtigen Schuss parierte Japans Keeper Gonda (20.).

Den Lohn für den Aufwand holte sich die DFB-Elf in der 33. Minute ab: Gündogan verwandelte einen Elfmeter sicher, nachdem Raum von Gonda im Strafraum zu Fall gebracht worden war. Eine insgesamt hochverdiente Führung. Defensiv agierte die DFB-Elf zwar nicht fehlerfrei, doch die Japaner konnten das in Durchgang eins nicht nutzen. Kurz vor der Pause hatte der Außenseiter Glück, als Havertz’ Treffer nicht zählte, da der Torschütze im Abseits stand (45.+4). Somit ging es mit dem 1:0 in die Kabinen.

DFB-Elf lässt 2:0 liegen – und kassiert den Ausgleich

Auch nach der Pause diktierte der Weltmeister von 2014 das Geschehen. Gnabry verzog (47.), und Musiala verpasste es, eine tolle Einzelleitung zu krönen (51.). Die Japaner waren zwar etwas mutiger als im ersten Durchgang, taten sich offensiv allerdings schwer, klare Chancen zu erspielen – während Gündogans Abschluss am Außenpfosten landete (60.).

Chancen waren für die DFB-Elf genug da, doch der eingewechselte Hofmann scheiterte nach tollem Spielzug an Gonda (70.) und auch Gnabry kam in zwei Anläufen nicht am Schlussmann vorbei (71.). Die Flick-Elf musste sich also vorwerfen lassen, die Partie nicht frühzeitig klarer gestaltet zu haben. Und das sollte sich rächen. Neuer war bei Asanos Top-Chance zwar noch auf dem Posten – Sakai setzte den Nachschuss drüber – (73.), aber wenig später belohnten sich nun stärker werdenden Japaner: Eine Hereingabe von links wehrte Neuer nach vorne ab, dort stand der vier Minuten zuvor eingewechselte Freiburger Doan und traf zum Ausgleich (75.). Dem deutschen Kapitän konnte aber kein Vorwurf gemacht werden.

Asano trifft die Deutschen ins Mark

Flick reagierte und brachte mit Götze und Füllkrug für Musiala und Havertz zwei frische Offensivkräfte für die Schlussphase. Aber es half nichts, es kam sogar noch dicker für Deutschland: Schlotterbeck kam bei einem weiten Ball gegen Asano nicht in den Zweikampf, und der wie Doan eingewechselte Bochumer knallte den Ball hoch aus spitzem Winkel ins Tor (83.). Die Deutschen waren nun gefordert, rannten an – und bekamen acht Minuten Nachspielzeit. Eine gute Ausgleichschance für das 2:2 gab es noch, doch Goretzka setzte die Kugel knapp links vorbei (90.+5). Somit blieb es beim überraschenden 2:1 für Japan, dessen personelle Wechsel saßen. 

Weiter geht es für die DFB-Elf, die nun natürlich direkt gehörig unter Druck steht, am Sonntag mit dem zweiten Gruppenspiel gegen Spanien (20 Uhr). Japan ist bereits um 11 Uhr gegen Costa Rica gefordert.

Vom Bolzplatz zur WM: Ilkay Gündogan – wie alles begann

kicker.tv Serie 23.11.2022

Vom Bolzplatz zur WM: Ilkay Gündogan – wie alles begann

5:45Heute ist er Kapitän des englischen Meisters Manchester City und eine feste Stütze der deutschen Nationalmannschaft. Vor 29 Jahren begann die Karriere von Ilkay Gündogan in einem kleinen Stadtteil Gelsenkirchens: beim SC Hessler 06. Sein Heimatverein drückt dem Mittelfeldstrategen bei dessen erster WM die Daumen – auch aus eigennützigen Gründen.