Unliebsamer Besuch in Turin: Monza erwischt Juventus eiskalt

Serie A – Highlights by DAZN 29.01.2023

Unliebsamer Besuch in Turin: Monza erwischt Juventus eiskalt

5:36Als wäre das Gerichtsurteil von 15 Serie-A-Punkten Abzug nicht schon heftig genug, kommt Juventus seither auch sportlich nicht mehr wirklich auf die Beine. Einem 3:3 beim Duell mit Atalanta Bergamo ist nun ein arg enttäuschendes 0:2 vor heimischer Kulisse gegen Aufsteiger Monza gefolgt. Das triste Mittelfeld ist die Realität.

15 Punkte Abzug! Hartes Gerichtsurteil gegen Juventus

Aufgrund des Vorwurfs der Bilanzfälschung war seit geraumer Zeit gegen Juventus Turin ermittelt worden – mit nun drastischen Folgen. Das zuständige Fußballverbandsgericht verhängte am Freitag 15 Punkte Abzug – plus drakonische Strafen gegen die ehemaligen Bosse der Bianconeri.

Drakonisch vom italienischen Fußballverbandsgericht bestraft: Rekordmeister Juventus Turin.

Drakonisch vom italienischen Fußballverbandsgericht bestraft: Rekordmeister Juventus Turin.

IMAGO/Nicolo Campo

Noch vor einer Woche hätte Juventus den Meisterschaftskampf beim Gastspiel in Neapel wieder richtig spannend machen können – und bekam vom Spitzenreiter ein sattes 5:1 eingeschenkt. Nur wenige Tage später musste die Alte Dame einen noch härteren Schlag ins Kontor einstecken.

Dem italienischen Rekordmeister (36 Titel), gegen den zuletzt wegen Finanzbetrug und Bilanzfälschung ermittelt worden war (auch die UEFA schaltete sich ein), wurden an diesem Freitagabend satte 15 Punkte abgezogen. Der Chefankläger des italienischen Verbandes (FIGC), Giuseppe Chinè, hatte vor dem Verbandssportgericht in Rom noch gefordert, dass Juve neun Zähler in der aktuell laufenden Meisterschaft abgezogen bekommen solle – am Ende packte das Gericht sogar noch sechs Zähler drauf.

Schwarzgeld durchs Hintertürchen

Konkret ging es in diesem Fall um fingierte Spielerbewertungen. Den Turinern wurde zur Last gelegt, einigen ihrer Profis in der Vergangenheit bewusst falsche Marktwerte zugeschrieben zu haben – allein in den Jahren 2018, 2019 und 2020 soll die Vereinsbilanz so um 115 Millionen Euro geschönt worden sein.

Das Sportgericht hatte Juve und andere Vereine wegen dieser Vorwürfe allerdings schon einmal freigesprochen – durch neue Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren aber neu aufgerollt.

Doch nicht nur das: Dem ehemaligen Serienmeister (neun Scudetti zwischen 2012 und 2020) war zudem vorgeworfen worden, während der Coronavirus-Pandemie Schwarzgeld ausbezahlt respektive zugesichert zu haben.

Der genaue Vorwurf lautete: Die Beschuldigten hätten 23 Profis, die einem coronabedingten Gehaltsverzicht in Höhe von insgesamt 90 Millionen Euro zugestimmt hatten, einen Teil ihres Salärs doch noch gewährt – allerdings illegal durchs Hintertürchen.

Insgesamt sollen dem Vernehmen nach drei von vier Monatsgehältern “schwarz” überwiesen worden sein – und tauchten dann nicht in der Bilanz auf. Während des Prozesses hatten sowohl Juventus als auch die damals verantwortlichen Personen um die zwischenzeitlich zurückgetretenen Ex-Bosse Andrea Agnelli (Präsident), Pavel Nedved (Vize) und Maurizio Arrivabene (Geschäftsführer) ihre Unschuld beteuert.

Siebenmal Freispruch – und das harte Juventus-Urteil


Andrea Agnelli

Darf für zwei Jahre kein sportliches Amt bekleiden: der ehemalige Juve-Präsident Andrea Agnelli.
IMAGO/Marco Canoniero

Das Trio wurde nun gemeinsam mit acht weiteren Mitgliedern der früheren Vereinsführung ebenfalls bestraft. Agnelli und Arrivabene dürfen zum Beispiel für zwei Jahre kein sportliches Amt bekleiden, Nedved für acht Monate.

Das Berufungsgericht bestätigte unterdessen die Freisprüche für die anderen acht beschuldigten Vereine (Sampdoria, Pro Vercelli, Genua, Parma, Pisa, Empoli, Novara und Pescara) sowie für deren jeweilige Geschäftsführer und Manager. Insgesamt 52 Funktionäre waren beschuldigt worden. Im vergangenen Mai waren zunächst wie bereits oben angedeutet alle neun Klubs – darunter auch Juventus – freigesprochen worden. Die FIGC hatte dagegen jedoch Einspruch eingelegt – mit den nun dratischen Konsequenzen für Juve.

Juventus hat in der laufenden Saison bislang 37 Punkte erspielt. Der Abzug würde den Sturz von Rang drei auf den elften Tabellenplatz bedeuten. Rein sportlich bedeutet das: Im Serie-A-Tableau rutschen die Bianconeri von Tabellenplatz 3 ins Mittelfeld auf Rang 10 ab. 

Ob es dazu kommt, bleibt noch abzuwarten, denn Juve kann bei Italiens Olympischem Komitee CONI noch Berufung gegen das Urteil einlegen.

Strafverfolger fordern neun Punkte Abzug für Juve

In dem am Freitag begonnenen Berufungsprozess um gefälschte Finanzberichte von insgesamt neun italienischen Profivereinen haben die Strafverfolger des nationalen Fußballverbandes FIGC für Juventus Turin den Abzug von neun Punkten beantragt.

Juventus Turin muss mit Konsequenzen rechnen.

Juventus Turin muss mit Konsequenzen rechnen.

PantherMedia / Valerio Rosati

Für den inzwischen zurückgetretenen Klubchef Andrea Agnelli wurde zudem eine 16-monatige Berufssperre gefordert.

Insgesamt 52 Manager sind in den Skandal verwickelt. Die neun Klubs waren erstinstanzlich im vergangenen Mai freigesprochen worden. Die FIGC hatte dagegen jedoch Einspruch eingereicht.

Den Vereinen wurden betrügerische Verfälschungen ihrer Bilanzen vorgeworfen. Die Klubs, so die Anklage, hätten in ihren Haushaltsberichten durch die Ansetzung von Fantasiewerten für Spieler deutlich höhere Kapitalgewinne und Leistungsansprüche ausgewiesen als in Wirklichkeit vorhanden gewesen seien.

“Die Lawine Neapel” sorgt für den puren Juventus-Horror

Kann die SSC Neapel Jahrzehnte nach den glorreichen Jahren mit Legende Diego Maradona den ersehnten dritten Scudetto gewinnen? Nach der Gala gegen Juve am Freitag stehen die dafür gut.

Pure Ekstase: Victor Osimhen hat mit einer furiosen Napoli-Mannschaft ein großes Zeichen gesetzt.

Pure Ekstase: Victor Osimhen hat mit einer furiosen Napoli-Mannschaft ein großes Zeichen gesetzt.

IMAGO/Insidefoto

Ein Tor und drei Vorlagen von Wirbelwind Khvicha Kvaratskhelia, ein Doppelpack und ein Assist von Victor Osimhen: Allein die beiden Offensivaushängeschilder der Neapolitaner zeigten dem italienischen Rekordmeister Juventus am Freitag die Grenzen beim deutlichen 5:1 auf, das Ergebnis kann auch als Kampfansage in Sachen Scudetto gewertet werden. Dieses Jahr geht der Titel in Italien nur über Napoli.

Die Abwehr der Turiner um Innenverteidiger Bremer wirkte in Phasen schlicht überfordert, während die Offensive des Teams von Trainer Massimiliano Allegri zu wenig zustandebrachte – und dabei auch Pech hatte. Ein 2:2 wäre für den argentinischen Weltmeister Angel di Maria & Co. durchaus möglich gewesen, spätestens nach dem Seitenwechsel war aber Schicht im Schacht.

“Wir können nach Jahren endlich auf den Titel hoffen”

Oder in den Worten von “Tuttosport”, die allen voran den Auftritt des  Tabellenzweiten kritisierte: “Ein Horrorabend für Juve, die Lawine Neapel überrollt eine schüchterne und unkonzentrierte Mannschaft, die jegliche Ambition verloren hat.” Die “Gazzetta dello Sport” schwärmte dagegen eher vom Siegerteam – und vom “Hurrikan Napoli”, der über Juventus hinweggefegt war.

Fünf Gegentore in der Serie A hatte die Alte Dame ganz nebenbei letztmals im Mai 1993 kassiert, damals hatte es gegen Pescara ebenfalls ein 1:5 gesetzt – kurioserweise war der jetzige Juve-Coach damals einer der Torschützen für Pescara gewesen.

Jener Max Allegri jedenfalls gratulierte Neapel und seinem Gegenüber Luciano Spalletti nach dieser Pleite fair: “Die Niederlage ist verdient.” Er ergänzte aber direkt, dass diese Spielzeit (20 Partien stehen aus) noch lange nicht vorüber sei: “Jetzt müssen wir einfach wieder auf die Beine kommen, Energie tanken und weiterarbeiten. Es gibt schließlich noch viele Punkte zu holen.”

Doch reicht die Zeit, um die bärenstarken Neapolitaner (erst eine Niederlage in der Liga) am Ende tatsächlich noch einzufangen? Aktuell sieht es für Frankfurts kommenden Achtelfinal-Gegner in der Champions League gut aus, der Vorsprung auf Juve beträgt satte zehn Punkte und neun auf Titelverteidiger AC Mailan (2:2 gegen Aufsteiger Lecce). “Wir können nach Jahren endlich auf den Titel hoffen”, gibt sich Trainer Luciano Spalletti durchaus hoffnungsfroh.

Wird Maradonas Erbe angetreten?

Für den Coach, in der Vergangenheit mit seinem offensiven Ansatz schon phasenweise bei der Roma (zwei Pokalsiege), Zenit St. Petersburg (zwei Meisterschaften, darunter ein Double) un Inter erfolgreich gearbeitet hat, wäre der Scudetto auch die Bestätigung seiner Philosophie.

Und für die Stadt Neapel nach den beiden Meisterschaften 1987 und 1990, die mit Klub-Ikone Diego Armando Maradona geholt wurden und nach dessen Tod das Stadion von Sao Paulo umbenannt wurde, käme das einer Erlösung gleich.

In der wirtschaftlich teils abgehängten Region ist die Sehnsucht nach einem Erfolg gewaltig – und die Euphorie bereits jetzt riesig. Das zeigt allein die Tatsache, dass nach dem 5:1-Triumph Tausende Tofosi die neapolitanischen Straßen mit Fahnen und Trikots in himmelblau erstrahlen ließen, den Vereinsfarben der SSC Neapel. 

Zehn Geschichten: Darum lohnt sich ein Blick auf Inter vs. Juventus

Wenn sich Inter Mailand und Juventus Turin an diesem Mittwochabend (21 Uhr, LIVE! bei kicker) im Finale der Coppa Italia gegenüberstehen, dann steht neben dem Titel auch Prestige auf dem Spiel. Und dazu individuelle Dinge.

Jubeltraube: Verteidigt Juventus beim Klassiker gegen Inter den Titel in der Coppa Italia?

Jubeltraube: Verteidigt Juventus beim Klassiker gegen Inter den Titel in der Coppa Italia?

picture alliance / AA

1. Der Klassiker: Inter und Juventus sind die beiden erfolgreichsten italienischen Klubs der Geschichte – und folglich seit langer, langer Zeit Rivalen. Seit den 60er Jahren hat sich der heute bekannte Zusatz “Derby d’Italia” etabliert, zumal sich die Mailänder und Turiner insgesamt schon weit über 200-mal in Pflichtspielen duelliert haben. Allein in der Serie A sind es 178 Partien (85 Juve-Siege, 45 Remis, 48 Inter-Erfolge).

2. Titelsammler: Die Alte Dame hat gegenüber den Nerazzurri aber deutlich mehr Titel gewonnen. Sind es in der Serie A schon ganze 36 Scudetti (Inter hat 19), gibt es an diesem Abend die Chance der Coppa-Titelverteidigung – und damit die Chance auf Erfolg Nummer 15. Für die Mailänder stehen im Pokal bis dato “nur” sieben Triumphe zu Buche, damit liegt der Traditionsklub auf Rang drei hinter der Roma (9).

3. Die Dirigenten: Auch in Sachen Trainer haben die Turiner statistisch die Nase vorn. Massimiliano Allegri hat mit Juventus schon fünf Scudetti sowie vier Pokalsiege gesammelt und zweimal das Champions-League-Finale erreicht (gegen Barcelona und Real verloren). Für Gegenüber Simone Inzaghi, der vor dieser Saison als Nachfolger von Antonio Conte zu Inter gekommen ist, steht mit Ex-Klub Lazio dagegen ein Coppa-Sieg zu Buche (2018/19).

4. Fragezeichen: Die Juve-Mannschaft hat in dieser Spielzeit viele Täler durchlaufen müssen (schwacher Serie-A-Start, verfrühtes CL-Aus). Immerhin ist zuletzt die erneute Qualifikation für die Königsklasse – das absolute Mindestziel – gelungen. Allegri befindet sich mit seinem Team inmitten eines Umbruchs, der mit dem Abgang von Cristiano Ronaldo kurz nach Saisonstart endgültig begonnen hat. Der Trainer dazu: “Es ist doch klar, dass es schwierig war, als Ronaldo nur drei Tage vor Ende des Sommertransferfensters gegangen ist. Federico Chiesa haben wir dann auch noch verloren (Kreuzband; Anm. d. Red.). Wir haben uns vielen Problemen stellen müssen. Wir haben mit der Champions-League-Qualifikation aber ein wichtiges Ziel erreicht und versuchen nun einfach weiter, uns zu verbessern.”

5. Abschied I: Eines der Juve-Probleme ist auch wieder einmal Paulo Dybala (28) gewesen. Der 2015 aus Palermo gekommene Argentinier, über dessen fußballerische Qualitäten es keine Zweifel gibt (u.a. zehn Serie-A-Tore, fünf Vorlagen in dieser Saison), hat einmal mehr oft verletzt oder angeschlagen gefehlt. Das hat nach langen Diskussionen am Ende nicht zu einer Vertragsverlängerung geführt. So hat “La Joya” nach fünf errungenen Meisterschaften und vier Pokalsiegen mit diesem Coppa-Finale nur noch diese letzte Chance auf einen Titel mit Juve.


Paulo Dybala

Zwei Geschichten und eine Gewissheit: Der spielerisch starke und oft verletzte Paulo Dybala verlässt die Juve.

6. Offenes Ziel: Apropos! Wohin es Dybala in der neuen Saison ziehen wird, ist noch gänzlich offen. Einer der großen Interessenten soll aber Inter, also der heutige Gegner, sein. Sollte es wirklich dazu kommen, könnte der Argentinier seinem baldigen Arbeitgeber im Stadio Olimpico mit einer an diesem Abend starken Leistung gehörig in die Suppe spucken.

7. Abschied II: Gibt es darüber hinaus noch ein weiteres Juve-Ciao? Der seit 2004 für die Alte Dame auflaufende Giorgio Chiellini, der zuletzt schon sein Karriereende in der Nationalmannschaft offiziell gemacht hat, will sich in den nächsten Tagen äußern. Und es könnte laut italienischen Medien durchaus sein, dass der 37-jährige Routinier und Europameister von 2021 einen Schlussstrich unter seine erfolgreiche Juve-Zeit (u.a. neun Scudetti) ziehen wird.

8. Der DFB-Legionär: Auch aus deutscher Sicht lohnt sich ein Blick auf dieses Pokalfinale zwischen diesen beiden Giganten des italienischen Fußballs. Der im Winter von Atalanta Bergamo zum FC Internazionale gestoßene DFB-Nationalspieler Robin Gosens, der wegen einer Oberschenkelverletzung mit einem Handicap zum Team gekommen ist und seither Jokereinsätze ansammelt (sechs Serie-A-Einwechslungen), kann nun seinen ersten großen Titel seiner steilen Profikarriere eintüten.

9. Die Kampfansage: Nach zwischenzeitlich neun Meisterschaften in Serie hat Inter dem großen Konkurrenten aus Turin zuletzt den Rang abgelaufen. In der Serie A können die Nerazzurri einerseits nach dem Scudetto 2021 den Titel in diesem Jahr direkt verteidigen (Duell mit Milan) – und in der Coppa eben den Rivalen beim direkten Vergleich entthronen. Sportchef Beppe Marotta, früher viele Jahre für Juventus im Management tätig, führt dazu gegenüber “Sky Sport Italia” aus: “Die Spieler haben das Ziel klar vor Augen und sind besonders motiviert. Sie und wir wollen den Fans ein ganz besonders Geschenk mit einem Sieg über Juve machen.”

10. Die Stars: Auch ohne ein Fanherz für den italienischen Fußball lohnt ein Blick auf dieses Spiel an diesem Mittwochabend (21 Uhr, LIVE! bei kicker im Ticker und im Stream bei DAZN). Es treffen zwei taktisch hervorragend trainierte Mannschaften aufeinander, die sich seit vielen Jahrzehnten intensive Duelle liefern und auch in diesem Jahr reihenweise Top-Spieler auffahren. Während bei Inter etwa Akteure wie Milan Skriniar, Stefan de Vrij, Nicolo Barella, Hakan Calhanoglu, Lautaro Martinez oder Routinier Edin Dzeko auflaufen, schicken sich die Bianconeri etwa mit Alex Sandro, Juan Cuadrado, Top-Wintereinkauf Dusan Vlahovic und eben auch Paulo Dybala Richtung Titel an.