“Bundesliga wird sexy”: Was für einen echten Titelkampf spricht

“Was geht, Bundesliga?” – Endlich wieder Spannung 02.02.2023

“Bundesliga wird sexy”: Was für einen echten Titelkampf spricht

2:06Zur Saisonhalbzeit trennten die ersten sechs Mannschaften nur fünf Punkte. Die Bundesliga ist drauf und dran, wieder einen spannenden Titelkampf zu bekommen. Warum auch Vereine wie Freiburg oder Union Berlin zu Recht oben dran sind, das erklärt Sebastian Kneissl.

Salihamidzic: “Es hat Bayern immer ausgezeichnet, dass wir solche Situationen überleben”

Solange der FC Bayern nicht gewinnt, wird alles hinterfragt. Nach drei Remis im Jahr 2023 ging die Suche nach den Gründen für die Ergebniskrise auch vor dem Spiel in Mainz weiter – diesmal mit Hasan Salihamidzic.

Fordert die volle Konzentration auf Erfolg: Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic

Fordert die volle Konzentration auf Erfolg: Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic

IMAGO/Thomas Frey

Von Bayerns Erfolgstrainer Otmar Hitzfeld ist das Bonmot überliefert, wonach du als Trainer in München das beste Leben hast, wenn du jedes Spiel gewinnst, denn dann hast du Ruhe. Insofern müsste Julian Nagelsmann nach dem dreimaligen 1:1 zum Re-Start das genaue Gegenteil von Ruhe spüren, zumindest aber eine gehörige Portion Anspannung  vor dem Pokalspiel in Mainz. Es heißt hier siegen oder rausfliegen.

Nagelsmanns Lernprozess

Doch von vermuteter Anspannung ist beim 35-jährigen Bayern-Coach laut Sportvorstand Hasan Salihamidzic “überhaupt nichts” zu sehen, wie er vor dem Mittwochsspiel der ARD sagte. Vielmehr erlebe er Nagelsmann “sehr klar”, vor allem “sehr klar zur Mannschaft”. Dass ohne Siege Druck vorherrscht beim Rekordmeister und Rekordpokalsieger, ist klar – Salihamidzic beschreibt die aktuelle Lage so: “Druck haben wir alle.”

Vor allem attestiert Salihamidzic seinem Coach einen Lernprozess in seiner Münchner Zeit. “Julian hat das (den Erfolgsdruck, Anm. d. Red.) in den vergangenen eineinhalb Jahren sehr gut angenommen, er hat hier unterschiedliche Situationen erlebt.”

In den vergangenen Tagen war Nagelsmanns Lernkurve wieder etwas steiler nach oben gegangen, schließlich kamen einige Dinge zusammen: Tapalovic-Entlassung, Gnabrys Paris-Ausflug (“amateurhaft”) und das eben alles vor dem Hintergrund der ungewohnten Erfolglosigkeit. “Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun”, versucht Salihamidzic klarzustellen, der dann doch noch einmal auf die leidige Modenschau-Thematik angesprochen wird.

Es wird nicht besser in Paris bei der Modenschau.

Hasan Salihamidzic

“Wir verlangen Leistung, und wir wollen alles, aber wirklich alles unterordnen, um wieder zu siegen. Deswegen ist jeder dazu verpflichtet, alles für den Erfolg zu tun”, so der Münchner Sportvorstand. “Und wenn wir einen freien Tag haben und wir ein oder zwei Spiele nicht gewonnen haben, dann muss er dafür arbeiten, dass wir wieder besser werden”, erklärt der Sportvorstand, “denn es wird nicht besser in Paris bei der Modenschau”.

“Geredet wie Männer – zwischen Serge und mir ist nichts mehr”

Der Vorwurf, er habe sich mit Gnabry und dessen Freizeitaktivitäten ein Opfer ausgesucht, weist Salihamdizic weit von sich. “Ich habe doch keinen rausgepickt, Serge hat das angenommen und wir haben darüber geredet wie Männer und am nächsten Tag war das für mich erledigt –  zwischen mir und Serge ist da nichts mehr”, sagt Salihamidzic.

Auch wenn es mal unruhig ist in München, verweist Salihamidzic auf eine ureigene Stärke des Rekordmeisters: “Es hat immer den FC Bayern ausgezeichnet, dass wir solche Situationen überleben und es wieder in die andere Richtung zu lenken.”

Salihamidzic: “Solche Situationen hat Bayern immer überlebt”

Solange der FC Bayern nicht gewinnt, wird alles hinterfragt. Nach drei Remis im Jahr 2023 ging die Suche nach den Gründen für die Ergebniskrise auch vor dem Spiel in Mainz weiter – diesmal mit Hasan Salihamidzic.

Fordert die volle Konzentration auf Erfolg: Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic

Fordert die volle Konzentration auf Erfolg: Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic

IMAGO/Thomas Frey

Von Bayerns Erfolgstrainer Otmar Hitzfeld ist das Bonmot überliefert, wonach du als Trainer in München das beste Leben hast, wenn du jedes Spiel gewinnst, denn dann hast du Ruhe. Insofern müsste Julian Nagelsmann nach dem dreimaligen 1:1 zum Re-Start das genaue Gegenteil von Ruhe spüren, zumindest aber eine gehörige Portion Anspannung  vor dem Pokalspiel in Mainz. Es heißt hier siegen oder rausfliegen.

Nagelsmanns Lernprozess

Doch von vermuteter Anspannung ist beim 35-jährigen Bayern-Coach laut Sportvorstand Hasan Salihamidzic “überhaupt nichts” zu sehen, wie er vor dem Mittwochsspiel der ARD sagte. Vielmehr erlebe er Nagelsmann “sehr klar”, vor allem “sehr klar zur Mannschaft”. Dass ohne Siege Druck vorherrscht beim Rekordmeister und Rekordpokalsieger, ist klar – Salihamidzic beschreibt die aktuelle Lage so: “Druck haben wir alle.”

Vor allem attestiert Salihamidzic seinem Coach einen Lernprozess in seiner Münchner Zeit. “Julian hat das (den Erfolgsdruck, Anm. d. Red.) in den vergangenen eineinhalb Jahren sehr gut angenommen, er hat hier unterschiedliche Situationen erlebt.”

In den vergangenen Tagen war Nagelsmanns Lernkurve wieder etwas steiler nach oben gegangen, schließlich kamen einige Dinge zusammen: Tapalovic-Entlassung, Gnabrys Paris-Ausflug (“amateurhaft”) und das eben alles vor dem Hintergrund der ungewohnten Erfolglosigkeit. “Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun”, versucht Salihamidzic klarzustellen, der dann doch noch einmal auf die leidige Modenschau-Thematik angesprochen wird.

Es wird nicht besser in Paris bei der Modenschau.

Hasan Salihamidzic

“Wir verlangen Leistung, und wir wollen alles, aber wirklich alles unterordnen, um wieder zu siegen. Deswegen ist jeder dazu verpflichtet, alles für den Erfolg zu tun”, so der Münchner Sportvorstand. “Und wenn wir einen freien Tag haben und wir ein oder zwei Spiele nicht gewonnen haben, dann muss er dafür arbeiten, dass wir wieder besser werden”, erklärt der Sportvorstand, “denn es wird nicht besser in Paris bei der Modenschau”.

“Geredet wie Männer – zwischen Serge und mir ist nichts mehr”

Der Vorwurf, er habe sich mit Gnabry und dessen Freizeitaktivitäten ein Opfer ausgesucht, weist Salihamdizic weit von sich. “Ich habe doch keinen rausgepickt, Serge hat das angenommen und wir haben darüber geredet wie Männer und am nächsten Tag war das für mich erledigt –  zwischen mir und Serge ist da nichts mehr”, sagt Salihamidzic.

Auch wenn es mal unruhig ist in München, verweist Salihamidzic auf eine ureigene Stärke des Rekordmeisters: “Es hat den FC Bayern immer ausgezeichnet, dass wir solche Situationen überleben und es wieder in die andere Richtung zu lenken.”

Hoeneß’ Schnapsidee mit Lerby: “Heutzutage unvorstellbar”

Sören Lerby wird am Mittwoch 65 Jahre alt. Beim FC Bayern bleibt der Däne für seine heruntergelassenen Stutzen in Erinnerung – und für einen Stunt, den Uli Hoeneß sogar wiederholte.

Voller Tatendrang: Uli Hoeneß (li.) und Sören Lerby im Jahr 1985.

Voller Tatendrang: Uli Hoeneß (li.) und Sören Lerby im Jahr 1985.

imago images (2)

Man wird Uli Hoeneß wohl nicht viele “verrückte Gedanken” vorwerfen können und ihm damit ein ehrliches Schmunzeln abverlangen. In diesem Fall, der inzwischen bald 38 Jahre zurückliegt, dürfte es allerdings so sein. Auch Sören Lerby erinnert sich immer wieder gerne.

“Als mich Uli damals mit dieser Idee konfrontierte, fühlte ich mich wirklich begehrt und sah mich als Sportler herausgefordert”, erzählte der damalige Mittelfeldspieler des FC Bayern einmal bei “11 Freunde”. Und die Idee war folgende.

Hoeneß reist mit nach Dublin

Lerby, in München Leistungsträger, sollte bei Bayerns DFB-Pokal-Achtelfinale beim VfL Bochum unbedingt auf dem Platz stehen – obwohl er an diesem 13. November 1985 mit der dänischen Nationalmannschaft ein wichtiges WM-Qualifikationsspiel in Irland vor der Brust hatte. Dafür hatte Hoeneß natürlich auch Verständnis – und so bot der damalige Manager seinem Spieler an, einfach beide Spiele zu machen.

“Ich war im besten Fußballeralter, hatte gute Beine”, erinnerte sich der geschmeichelte Linksfuß – und sagte zu. Die frühe Anstoßzeit in Dublin machte den Plan erst möglich, auch Dänemarks deutscher Trainer Sepp Piontek erklärte sich bereit, Lerby bei aussichtsreichem Spielstand vorzeitig auszuwechseln. Doch zur Pause hieß es 1:1, da wollte Piontek Lerby noch nicht entbehren. Hoeneß, nach Dublin mitgereist, scharrte am Spielfeldrand mit den Hufen.

So schnell geduscht habe ich nie wieder.

Sören Lerby

In der 57. Minute fiel schließlich das 3:1 für Dänemark – und Michael Laudrup, Preben Elkjaer Larsen und die anderen konnten auch ohne Lerby weiterspielen, der “so schnell duschte wie nie wieder” und “mit nassem Haar zum Uli ins Auto” sprang. Ab zum Flieger nach Düsseldorf – eskortiert von der irischen Polizei – und schließlich mit dem Porsche über die Autobahn nach Bochum. Auch die Zeitverschiebung half.

Die letzten Kilometer muss Lerby rennen

Doch dann der Schock. “Vor dem Ruhrstadion gerieten wir in einen Stau. Es ging nicht mehr vor, nicht zurück, nichts”, so Lerby. “Ich bin wahnsinnig geworden in der Karre.” Also stieg er aus, “sagte ‘Tschüss’ zum Uli” und rannte die letzten zwei Kilometer zum Stadion – “ich wollte von Beginn an spielen”.

Das allerdings klappte nicht mehr. Als Lerby ankam, standen die Mannschaften bereits im Spielertunnel und wollten aufs Feld. So brachte Bayern-Trainer Udo Lattek seinen Antreiber eben erst nach der Pause, als immer noch genug von “120 Minuten Pokaldramatik” übrig war, wie tags darauf im kicker stand. Endstand 1:1.


Uli Hoeneß, Hermann Gerland, Sören Lerby

Als Trainer gab Sören Lerby, hier mit Uli Hoeneß und Hermann Gerland, 1991/92 keine glückliche Figur ab.
imago images

Um ein Haar wäre Hoeneß’ Plan noch zum ganz großen Coup geworden, doch Lothar Matthäus, der in diesem Spiel von einer Verletzung zurückkehrte, versiebte auf Zuspiel von Lerby die Chance zum 2:1. So gab es 1985 ein Wiederholungsspiel, das die Bayern mit 2:0 für sich entschieden. Lerby, diesmal ausgeruht, schoss den zweiten Treffer selbst.

Zwei Jahre später wiederholt Hoeneß den Stunt

“Wer kann schon von sich behaupten, innerhalb von sechs Stunden in zwei Ländern für zwei Teams auf dem Platz gestanden zu haben? Heutzutage ist so etwas unvorstellbar”, glaubt der nun 65-jährige Jubilar, der als Übergangs-Trainer in München 1991/92 weniger Erfolg hatte.

Damals war das halt noch anders. So dachte auch Uli Hoeneß und ließ nur zwei Jahre später auch den Waliser Mark Hughes nach einem Länderspiel noch am gleichen Tag für den FC Bayern auflaufen.

Schreck via Videotext: Als Bayern letztmals so schlecht in ein Jahr startete

Vor 16 Jahren blieb der FC Bayern letztmals in den ersten drei Bundesligaspielen eines Jahres sieglos. Erinnerungen an Puderzucker, unwirkliche kicker-Schlagzeilen – und eine verlorene Trainer-Wette.

Rückendeckung mit kurzer Haltbarkeit: Uli Hoeneß (li.) und Felix Magath im Dezember 2006.

Rückendeckung mit kurzer Haltbarkeit: Uli Hoeneß (li.) und Felix Magath im Dezember 2006.

picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Die ersten drei Spiele des Jahres 2007 sollte der FC Bayern nicht gewinnen, doch eigentlich hatte alles mit einem Sieg begonnen. Jan Schlaudraff (“Ich werde nicht den Lehrling spielen”), den die Bundesliga-Kollegen in der kicker-Spielerumfrage gerade vor Diego und Mario Gomez zum “Aufsteiger der Saison” gewählt hatten, gab seine Zusage, im Sommer nach München zu wechseln und nicht nach Bremen.

Manager Uli Hoeneß sprach von einer “Genugtuung” im “Muskelspiel” mit Werder, was damals noch keineswegs albern klang. Die Bremer waren punktgleich mit Schalke als Herbstmeister in die Winterpause gegangen, während der doppelte Double-Titelverteidiger FCB drei Punkte dahinter nur Dritter war. “Meister – warum nicht Schalke?”, lautete am 11. Januar die kicker-Schlagzeile, die im Laufe der Rückrunde zusätzliche Substanz erhalten sollte. In München dagegen herrschte Unruhe.

Hoeneß’ harte Worte für Schweinsteiger – Magath wettet im kicker

Schon nach der Vorsaison hätte Trainer Felix Magath ob der ständigen Kritik an seiner Arbeit beinahe hingeworfen – um dann, durch Hoeneß vom Weitermachen überzeugt, doch bis 2008 zu verlängern. Doch dem Rekordmeister waren die Abschiede von Michael Ballack und Zé Roberto anzumerken, kurz vor Weihnachten folgte auch noch das DFB-Pokal-Aus bei Schlaudraff in Aachen.

Bayerns Start ins Jahr 2007

“Ich sage nicht, dass wir über Felix Magath diskutieren, wenn wir nicht Meister werden”, versuchte sich Hoeneß im Winter ungewohnt umständlich in weiterer Rückendeckung für den Trainer, während die Spieler um Jungprofi Bastian Schweinsteiger (“Ihm wurde Puderzucker in den Hintern geblasen, den puste ich wieder raus”) Saures zu hören bekamen.

Sebastian Deislers überraschendes Karriereende mit 27 störte den Versuch, Aufbruchstimmung zu erzeugen, jäh. Trotzdem wettete Magath am 22. Januar im kicker, “dass der FC Bayern wieder deutscher Meister wird” (während VfB-Manager Horst Heldt ärgerlicherweise lieber auf den Pokalsieg wettete). Einen Härtetest gegen den HSV hatte er schließlich mit 2:0 gewonnen, und sogar Schweinsteiger hatte dabei überzeugt.

Der turbulente Tag nach dem Bochum-Spiel: “Meine Familie ist schon aufgebracht”

Doch zum Rückrundenauftakt verloren “alarmierend schlechte Münchner” (kicker) dann nach 2:1-Pausenführung 2:3 beim BVB, der Trainer Jürgen Röber ein Traumdebüt bescherte. Schalke und Bremen zogen auf je sechs Punkte davon. Vier Tage später – die Bundesliga kam wie 2023 mit einer englischen Woche zurück – wollte Magath gegen Bochum eine Mannschaft sehen, die “zeigt, dass sie Meister werden will”. Stattdessen zeigte sie Magath die Tür.

Am Tag nach dem schalen 0:0, einem Mittwoch, leitete der Trainer noch die Einheit mit den Reservisten und verabschiedete sich bis zum Abschlusstraining am Donnerstag vor dem Freitagsspiel in Nürnberg. Doch beide Termine fanden ohne ihn statt. Am Nachmittag erfuhr Magath von seinem Aus, immerhin nicht via Videotext, wie es der Frau und den Kindern von Seppo Eichkorn ergangen war. “Meine Familie ist schon aufgebracht”, schimpfte Magaths Co-Trainer, der ebenfalls gehen musste.

Rückkehrer Hitzfeld vergisst den VfB und startet desaströs

Magaths Nachfolger war sein Vorgänger: Ottmar Hitzfeld (“Damit hatte ich nie und nimmer gerechnet”) düste aus der Schweiz nach München und begann mit der Arbeit, noch bevor sich Magath von den Spielern verabschieden konnte. “Diese zwei Teams müssen straucheln”, sagte Hitzfeld über Bremen und Schalke und vergaß Stuttgart, das sich inzwischen auch vor die Bayern geschoben hatte.

Während Hitzfeld bei seiner Ankunft noch vom Titel sprach, wollten seine Bosse in erster Linie verhindern, dass sich ihr Klub erstmals seit zehn Jahren nicht für die Champions League qualifiziert, wofür mindestens der dritte Platz hermusste. Das war spätestens nach Hitzfelds Debüt ein würdiges Saisonziel: 0:3 in Nürnberg. Der schlechtester Rückrundenstart seit 1974/75 war perfekt.

Und besser wurde es nicht: nicht für die Bayern, die nur Vierter wurden; nicht für Schalke, die im “irren Finale” (kicker) dem VfB die Schale überlassen mussten; und auch nicht für Schlaudraff, der zwar im Sommer nach München kam, Franck Ribery, Miroslav Klose, Luca Toni, Hamit Altintop und Rückkehrer Zé Roberto allerdings auch.

Jörn Petersen

Offiziell: FC Bayern leiht Joao Cancelo von Manchester City aus

Der spektakuläre Last-Minute-Transfer ist perfekt: Der FC Bayern leiht Joao Cancelo von Manchester City aus und besitzt anschließend eine satte Kaufoption.

Vom englischen zum deutschen Meister: Joao Cancelo.

Vom englischen zum deutschen Meister: Joao Cancelo.

imago images

Am Montag hatte der Transfer Fahrt aufgenommen, am Dienstag wurde er perfekt: Der FC Bayern hat die Verpflichtung von Joao Cancelo am “Deadline Day” perfekt gemacht. Der flexible Außenverteidiger kommt zunächst bis zum Saisonende von Manchester City, danach können ihn die Münchner aber fest verpflichten – dem Vernehmen nach für 70 Millionen Euro.

Der Entschluss, den portugiesischen Nationalspieler kurzfristig nach Deutschland zu lotsen, fiel nach dem 1:1 gegen Frankfurt, dem dritten Remis in Folge. Gegen die Eintracht hatte Eigengewächs Josip Stanisic den formschwachen und (im Sommer) wechselwilligen Benjamin Pavard ersetzt, schon beim DFB-Pokalspiel in Mainz am Mittwoch (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker) könnte Cancelo auf der rechten Abwehrseite beginnen.

“Der FC Bayern ist ein großartiger Verein, einer der besten Vereine der Welt”

“Wir sind sehr froh, dass Joao Cancelo ab sofort für den FC Bayern spielen wird”, wird Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic in der Klubmitteilung zitiert. “Wir haben ihn jetzt ausgeliehen und im Sommer die Möglichkeit, ihn fest zu verpflichten. Joao ist einer der Spieler, über den wir schon eine ganze Weile immer wieder nachgedacht haben, weil wir seine Qualitäten sehr schätzen. Er passt mit seiner offensiven Spielweise und seiner Dynamik optimal in unser System und mit seiner Mentalität und Erfahrung auch sehr gut zu unserer Mannschaft. Ich bin überzeugt, dass Joao uns helfen wird in den kommenden Wochen und Monaten, in denen wir Titel gewinnen wollen.”

Hintergrund

Cancelo selbst sagt: “Der FC Bayern ist ein großartiger Verein, einer der besten Vereine der Welt, und es ist für mich eine enorme Motivation, nun gemeinsam mit diesen außergewöhnlichen Spielern in einem Team zu stehen. Ich weiß, dass dieser Klub, diese Mannschaft für Titel lebt und jedes Jahr Titel gewinnt. Auch mich treibt der Hunger nach Erfolg an – ich werde mein Bestes für den FC Bayern geben.”

Cancelo wurde bei Benfica Lissabon ausgebildet, über Valencia und Inter Mailand ging es 2018 zu Juventus Turin, das ihn nur ein Jahr später für kolportierte 65 Millionen Euro an Manchester City verkaufte. Bei den Skyblues entwickelte er sich zu einem der besten Außenverteidiger der Premier League, meist links, immer wieder aber auch rechts. Doch zuletzt fiel Cancelo, der erst vor einem Jahr bis 2027 verlängert und seine Lieblingsrückennummer sieben erhalten hatte, bei Trainer Pep Guardiola in Ungnade.

Guardiola setzte in den vergangenen Wochen immer häufiger auf Kyle Walker, John Stones, Nathan Aké oder Youngster Rico Lewis auf der defensiven Außenbahn, was Cancelo, von den Premier-League-Profis zuletzt zweimal hintereinander in die “Elf der Saison” gewählt, gar nicht schmeckte. Nach 98 Premier-League-Spielen (fünf Treffer, elf Vorlagen) verlässt er England nun vorerst wieder, um seinen Offensivdrang in München zu demonstrieren. 

Joao Cancelo winkt Bayern-Debüt schon in Mainz – Ulreichs Trainingssturz

Joao Cancelo (28) wird mit dem FC Bayern zum DFB-Pokalspiel nach Mainz reisen – und in der Startelf stehen?

Neue Außenverteidiger-Option für Julian Nagelsmann: Joao Cancelo (li.).

Neue Außenverteidiger-Option für Julian Nagelsmann: Joao Cancelo (li.).

imago images (2)

Der FC Bayern hat den Transfer von Joao Cancelo am Dienstagmittag nicht nur offiziell verkündet, sondern die Leihgabe von Manchester City auch direkt auf der Pressekonferenz vor dem DFB-Pokal-Achtelfinale in Mainz am Mittwoch (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker) vorgestellt. Anschließend sprach Trainer Julian Nagelsmann über seinen neuen Außenverteidiger – und die Frage, ob er direkt in die Startelf rücken könnte.

“Es ist es eine sehr sinnvolle Verstärkung, die wir sehr spontan noch gekriegt haben”, sagte Nagelsmann. “Er ist fit und rein theoretisch in der Lage, morgen zu spielen. Ich bin mir mit der gesamten Aufstellung noch nicht sicher. Wir haben sehr viele fitte Spieler, was gut ist.” Zuvor hatte Cancelo selbst betont: “Ich fühle mich absolut startbereit.”

Nur einen Tag nach seiner ersten Einheit winkt Cancelo in Mainz also bereits der erste Startelfeinsatz, weil Benjamin Pavard zuletzt enttäuschte und Josip Stanisic über eine Backup-Rolle eher nicht hinauskommt. Verlassen soll das Eigengewächs die Bayern in diesem Transferfenster aber trotzdem nicht mehr. Über Pavard sagte Nagelsmann am Dienstag: “Er wird jetzt sicher noch mehr innen spielen.”

Sommer, Kimmich & Co. einsatzbereit – Ulreich droht auszufallen

Während Yann Sommer nach Problemen im Adduktorenbereich, Leon Goretzka nach seinen Oberschenkelproblemen, Joshua Kimmich nach dem Zusammenprall mit Frankfurts Sebastian Rode am Samstag und auch Dayot Upamecano, der am Montag nicht trainieren konnte, in Mainz voraussichtlich zur Verfügung stehen, droht Ersatzkeeper Sven Ulreich auszufallen. “Ulle ist im Training auf die Faust gefallen, hat eine Prellung an der Rippe im Übergang zum Knorpel”, berichtet Nagelsmann. Der Routinier fahre zwar mit, doch es sehe “aktuell nicht so aus, dass er zur Verfügung stehen könnte”.

Für die Bayern geht es in Mainz darum, nach dem Fehlstart ins neue Kalenderjahr mit drei 1:1-Unentschieden hintereinander das frühzeitige Pokal-Aus zu verhindern. In den vergangenen beiden Spielzeiten war der Rekord-Titelträger jeweils schon in der zweiten Runde ausgeschieden.

Warum ManCity Joao Cancelo ziehen lässt – und was er Bayern bringt

Joao Cancelo (28) wird von Manchester City zum FC Bayern wechseln. Wie es dazu kam und was die Münchner erwartet. Eine Analyse.

Ein möglicher Weltklassespieler für den FC Bayern: Joao Cancelo von ManCity.

Ein möglicher Weltklassespieler für den FC Bayern: Joao Cancelo von ManCity.

IMAGO/Sportimage

Morgen, am Mittwoch, ist es genau ein Jahr her. Damals, am 1. Februar 2022, verlängerte Joao Cancelo seinen Vertrag bei Manchester City bis Juni 2027. Seit Wochenbeginn wissen wir: Er wird ihn nicht erfüllen. Darauf wäre ehrlicherweise noch vor einem Monat niemand gekommen. Erst zu Saisonbeginn hatte der portugiesische Außenverteidiger die Trikotnummer 7 erhalten. Seine Lieblingsziffer war frei geworden, nachdem Raheem Sterling zum FC Chelsea gewechselt war. Joao Cancelo wurde damit eine Freude gemacht, nach außen war es aber auch das letzte Signal an die Fußballwelt, dass Cristiano Ronaldo kein Thema mehr für die Skyblues war.

Kein Verteidiger im klassischen Sinne

Wenn man einen Verteidiger im klassischen Sinne verpflichten will, sollte man Joao Cancelo nicht verpflichten. Denn er denkt nicht primär defensiv. Seine große Stärke ist es, Andreas Brehme würde sagen, “links wie rechts” zu agieren. Und zwar tatsächlich aktiv. Das Spiel mit anzukurbeln, zu gestalten. Zudem kann der 28-Jährige auch als Sechser spielen. Das ist zwar nicht seine originäre Position, doch weil unter dem Trainer Pep Guardiola der ballferne oder manchmal auch beide Außenverteidiger neben den etatmäßigen Sechser Rodrigo rücken, hat auch Joao Cancelo diese Rolle mit ausgefüllt. Und zwar richtig gut.

Die Frage, ob es in Europa einen Spieler gibt, der auf beiden Seiten gleichermaßen so stark verteidigt wie Joao Cancelo, muss verneint werden. Der 41-malige Nationalspieler hat in den allermeisten Spielen richtig gut performt, auch in der laufenden Saison. Zwei Tore und eine Vorlage in 17 Premier-League-Partien sind zwar nicht seine Bestwerte, doch vier Assists in sechs Champions-League-Partien auf dem Weg zum Gruppensieg eine Hausnummer.

Cancelo muss sein Spiel umstellen – oder Bayern bekommt ein neues Element 

Insgesamt hat Joao Cancelo, seit er 2019 für 65 Millionen Euro von Juventus Turin zu den Cityzens wechselte, in 154 Pflichtspielen neun Treffer erzielt und 22 Vorlagen geliefert. Das ist viel für einen Klub wie City, bei dem die Außenverteidiger wie erwähnt in der Regel nicht bis zur Grundlinie vorlaufen, um dann in den Rücken der Abwehr zu passen – das ist den durchstartenden Achtern oder den “Wingern” vorbehalten. Nein, Joao Cancelo und seine Außenverteidigerkollegen agieren eher aus dem Halbfeld. Er wird seine Spielweise bei Bayern also entweder umstellen – oder er bringt ein neues Element in die zuletzt ideenlosen und zuweilen ausrechenbaren Angriffsbemühungen der Münchner ein, belebt und verändert sie vielleicht.

Benjamin Pavard hatte schon die WM für Frankreich auf der Bank verbracht und sein Formtief wieder mit nach München gebracht, zuletzt außerdem öffentlich Wechselwünsche geäußert. Vertreter des 26-Jährigen haben – der kicker berichtete – bereits Kontakt mit dem FC Barcelona aufgenommen. Pavards Wunsch, dauerhaft als Innenverteidiger aufzulaufen, wird ihm in München nicht erfüllt werden.

Rechte Defensivseite als Dauerbaustelle – Cancelo kein Kind von Traurigkeit

Weil Noussair Mazraoui wegen einer Entzündung des Herzbeutels noch mehrere Wochen ausfallen wird, war sich Pavard seines Platzes rechts hinten wohl etwas zu sicher, Impulse brachte er kaum noch und erhielt zuletzt gegen Frankfurt einen Denkzettel. Eigengewächs Josip Stanisic durfte ran, konnte aber auch nicht wirklich Eigenwerbung betreiben.

Sowohl Pavard als auch Stanisic geht jene spielmacherische Qualität ab, die ein nach Startproblemen solider Mazraoui einbrachte. Immer wieder war der Marrokaner mit ins Zentrum neben Joshua Kimmich gerückt und hatte so das Offensivspiel bereichert. Ähnlich, wie es jetzt auch Joao Cancelo tun dürfte.

Bayerns Termine in Pokal, Liga und CL

Defensiv erledigt der Neuzugang, der bereits am Mittwoch in Mainz beginnen könnte, seine Aufgaben nicht spektakulär, aber zumeist zuverlässig und schlau, allerdings zeugen 29 Gelbe und zwei Rote Karten in dreieinhalb Jahren auch davon, dass er kein Kind von Traurigkeit ist, er also auch die nötige Aggressivität mitbringt, ohne unfair zu sein.

Warum also, fragt sich der geneigte Fan, lässt Guardiola einen solchen Spieler ziehen? Offensichtlich verfolgt der Coach andere Pläne, in denen Joao Cancelo keine Rolle mehr spielt. Zuletzt war er dreimal in Folge ohne Einsatz im Kader, in teils sehr wichtigen Partien wie zuletzt beim 1:0 im FA Cup gegen Arsenal. Guardiola setzte rechts auf den aufstrebenden Rico Lewis oder den routinierten Kyle Walker, links zog er Nathan Aké vor, der nach der Rückkehr von Ruben Dias im Zentrum nun öfter links zu erwarten sein dürfte.


Joao Cancelo und Pep Guardiola

Erkaltete Liebe: Joao Cancelo und Pep Guardiola.
IMAGO/PA Images

Guardiola mag Joao Cancelo wohl nicht mehr, der “Mirror” will von einem Streit zwischen dem Trainer und dem Profi erfahren haben, sodass Guardiola atmosphärische Störungen gefürchtet hätte, wenn Joao Cancelo geblieben wäre. Die Vermutung ist naheliegend, aus sportlicher Sicht lässt man einen solchen Spieler nicht gehen.

Neustart in München 

Bayerns Neuzugang hofft also in München auf einen Neustart, nachdem es zuletzt bei City nicht lief und er überraschenderweise auch bei der WM nur in der Gruppenphase über dreimal 90 Minuten ran durfte, im Achtelfinale gegen die Schweiz jedoch gar nicht dabei und beim Viertelfinal-Aus gegen Marokko nur kurz nach der Pause eingewechselt worden war.

Knüpft er an seine Form der vergangenen Jahre an, darf der FC Bayern sich auf einen Weltklassespieler freuen. Je nachdem, wie schnell er aus dem Loch krabbelt, in das er in seinen letzten Wochen bei City gefallen ist.

Thomas Böker/Mario Krischel

Leihe mit Kaufoption: Cancelo in München angekommen

Joao Cancelo (28) steht unmittelbar vor der Unterschrift beim FC Bayern. Inzwischen ist der Portugiese in München angekommen.

Auf nach München: Joao Cancelo.

Auf nach München: Joao Cancelo.

IMAGO/Shutterstock

Kurz vor der Schließung des winterlichen Transferfensters wird der FC Bayern nun also doch nochmal aktiv auf dem Markt und setzt ein dickes Ausrufzeichen. Joao Cancelo kommt auf Leihbasis von Englands Meister Manchester City, anschließend besitzen die Münchner eine Kaufoption.

Der Entschluss, den Portugiesen kurzfristig nach Deutschland zu lotsen, fiel nach dem 1:1 gegen Frankfurt, dem dritten Remis in Folge. Gegen die Eintracht hatte Eigengewächs Josip Stanisic den formschwachen und (im Sommer) wechselwilligen Benjamin Pavard ersetzt, schon beim Pokalspiel in Mainz am Mittwoch könnte Cancelo auf der rechten Abwehrseite beginnen.

Am Montagabend ist der WM-Fahrer in München gelandet, nach den medizinischen Untersuchungen soll er morgen das Abschlusstraining mitmachen und dann die Reise nach Rheinland-Pfalz antreten.

Bei ManCity und Pep Guardiola war Cancelo, 2019 für 65 Millionen Euro von Juventus verpflichtet, in Ungnade gefallen, zuletzt kam er zweimal in der Liga sowie am Freitagabend im FA Cup gegen Arsenal (1:0) gar nicht zum Einsatz. Zuvor hatte er fast jedes Spiel über die gesamte Dauer absolviert, meistens als Linksverteidiger.

Mario Krischel