Euphorie trotz Niederlage: VfB Oldenburg will jetzt den ersten Sieg

Der VfB Oldenburg pocht auf seine ersten drei Punkte. Das letzte Spiel gegen 1860 München soll dem Aufsteiger Rückenwind geben – obwohl es bei den Löwen eine Niederlage setzte.

Kann gegen Elversberg wohl wieder mitmischen: VfB-Kapitän Max Wegner.

Kann gegen Elversberg wohl wieder mitmischen: VfB-Kapitän Max Wegner.

IMAGO/Eibner

Selbst die Fans des TSV 1860 München würdigten die Leistung der Niedersachsen an der Grünwalder Straße am Samstagnachmittag mit Applaus und erhobenen Daumen. Lange hatte der Aufsteiger dem Favoriten aus Giesing Paroli geboten, ehe Löwen-Verteidiger Jesper Verlaat dem VfB mit seinem Treffer doch noch den Zahn zog.

Oldenburg in der 3. Liga

Dementsprechend feierten auch die 400 mitgereisten Fans aus Oldenburg ihre Mannschaft nach dem 0:1 gegen 1860 München. Mit frenetischem Beifall machte der Gästeanhang auf sich aufmerksam. Ein großes Banner mit der Aufschrift “Ey, ab in den Süden, dem VfB hinterher” hatte die Gästekurve bereits während des Spiels verziert.

VfB hofft im Aufsteiger-Duell auf Fans und Rückkehr seines Kapitäns

Das Team von Dario Fossi hofft nun erneut auf die Unterstützung der Anhänger, wenn der VfB zum Auftakt des 3. Spieltags Mitaufsteiger Elversberg empfängt (Dienstag, 19 Uhr, LIVE! bei kicker). Dort will Oldenburg dann seinen ersten Sieg in dieser Spielzeit einfahren, nachdem man auch am ersten Spieltag schon nicht über ein 1:1 gegen den SV Meppen hinausgekommen war.

Bei dem Vorhaben, die ersten drei Punkte einzutüten, soll gegen die SVE Kapitän Max Wegner mithelfen. Der 33-Jährige fehlte am Samstag in München wegen muskulärer Probleme, soll am Dienstagabend aber wieder mit an Bord sein.

Aufsteiger Oldenburg: Der kleinste aller Underdogs?

Nach 25 Jahren ist der VfB Oldenburg zurück im Profifußball. Damit es aber kein kurzer Ausflug wird, muss diese Saison viel stimmen. Von kalten Duschen und Hoffnungsträgern.

Die Freude kannte kein Halten mehr: Die Oldenburger feiern Max Wegners Treffer im Hinspiel der Aufstiegsspiele.

Die Freude kannte kein Halten mehr: Die Oldenburger feiern Max Wegners Treffer im Hinspiel der Aufstiegsspiele.

Getty Images for DFB

“Nie mehr vierte Liga”: Nach dem Schlusspfiff stürmten die VfB-Fans den Rasen des Marschwegstadions. Die Freude bei den Anhängern war grenzenlos, war es doch in den vergangenen Minuten noch einmal spannend geworden. Das Hinspiel in den Aufstiegsspielen zur 3. Liga hatten die Oldenburger 2:0 gegen den Ost-Vertreter BFC Dynamo gewonnen, nun hatte es lange nach einem 1:1 und damit dem Aufstieg in die 3. Liga ausgesehen. Doch Andor Bolyki hatte mit dem Treffer zum 2:1 in der Nachspielzeit fast die Party der Niedersachsen gecrasht – zur Erleichterung für den VfB pfiff der Unparteiische wenig später ab.

Die ersten VfB-Spiele in Liga 3

“Wir sind hochverdient in die 3. Liga aufgestiegen”, erklärte VfB-Trainer Dario Fossi am NDR-Mikrofon. 25 Jahre lang hatte es keinen Profifußball mehr in Oldenburg gegeben. Der VfB war 1997 aus der 2. Bundesliga abgestiegen und hatte seitdem mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Knapp drei Jahre später musste der Verein sogar Insolvenz anmelden und wurde unter anderem dank Benefizspielen gegen den HSV, Bremen sowie Schalke gerettet. Sportlich versank Oldenburg aber immer weiter in der Bedeutungslosigkeit, bis der VfB 2015/16 immerhin die Vizemeisterschaft in der Regionalliga Nord feierte.

Wir sind gerade bei der Vorspeise, da sollte man nicht über den Nachtisch reden.

Dario Fossi in der Hinrunde über einen möglichen Aufstieg

Fossi übernahm die Mannschaft vor zwei Jahren. Wie aufsteigen geht, weiß der 41-Jährige: Er kam vom ehemaligen Stadtrivalen und Ligakonkurrenten VfL Oldenburg, mit dem er vor vier Jahren in die Regionalliga aufgestiegen war. “Sehr vieles von dem, was ich dort erlebt habe, habe ich meiner Mannschaft erzählt”, so der Trainer im kicker-Interview. Doch mit dem Aufstieg des VfB hatten wohl im Vergleich zu den Mitaufsteigern aus Bayreuth, Essen und Elversberg nur die wenigsten gerechnet. Die Favoritenrolle hatte Oldenburg zu Saisonbeginn lange nicht inne, Fossi wehrte sich nach fünf gewonnen Ligaspielen in Serie noch, über den Aufstieg zu sprechen: “Wir sind gerade bei der Vorspeise, da sollte man nicht über den Nachtisch reden.”


Trainer Dario Fossi

Erhielt nach den gewonnen Aufstiegsspielen eine Bierdusche: Trainer Dario Fossi (Mitte).
IMAGO/Nordphoto

Topscorer als Hoffnungsträger

Doch die Siegesserie hielt an: Mit jeweils nur einer Niederlage in der Gruppe Süd der Nord-Staffel und der folgenden Meisterrunde stieß der VfB das Tor zu den Aufstiegsspielen weit auf – der Rest ist Geschichte. Auch dort kam Oldenburg vor allem über mannschaftliche Geschlossenheit und Charakter, herausragende Torschützen wie Christian Beck (23 Tore) aufseiten des Gegners sucht man vergeblich. Adyodele Adetula (10 Treffer), Rafael Brand (9 Tore) und Marten-Heiko Schmidt (9 Tore) waren in der abgelaufenen Saison am treffsichersten.

Zu den Hoffnungsträgern in der neuen Saison zählt vor allem Adetula, der allerdings erst einmal mit Außenbandriss ausfällt. Der 21-Jährige feierte in der vergangenen Saison seinen Durchbruch, legte neben seinen 10 Treffern auch noch 15 Tore auf. Der Offensivmann hat seinen Vertrag verlängert und probiert es nun zum zweiten Mal in der 3. Liga: 2018/19 konnte er bereits einen Einsatz im Trikot von Eintracht Braunschweig sammeln. Auch Kapitän Max Wegner (33) soll weiterhin eine wichtige Stütze sein.

Sprung in den Profifußball bleibt groß

Mit Mittelfeldspieler Manfred Starke (31, ablösefrei aus Zwickau), Torhüter Sebastian Mielitz (32, ablösefrei vom dänischen Zweitligisten FC Helsingör) und Verteidiger Oliver Steurer (27, ablösefrei aus Duisburg) kommen erfahrene Drittligaakteure. Mit Kebba Badjie wurde ein 22-jähriger Stürmer verpflichtet, der zuletzt von Werder Bremen an den Halleschen FC verliehen war (15 Spiele). Fossi kennt den Gambier noch aus seiner Zeit beim Lokalrivalen.

Trotzdem muss wohl viel passieren, um mit einem der kleinsten Etats die Liga zu halten. Der Sprung in die 3. Liga ist groß, das weiß auch Präsident Wolfgang Sidka und denkt an Vereine wie Dresden: “Die haben ein großes Stadion, die sind unglaublich im Vorteil. Wir müssen Auflagen erfüllen, die auch sehr viel Geld kosten. Und der Etat ist natürlich kleiner als bei so großen Traditionsvereinen.”

Kalte Duschen im Marschwegstadion

Rasenheizung und Flutlicht müssen im Marschwegstadion nachgerüstet werden. Auch die Duschen bleiben vorerst kalt: Zur Energieersparnis stellte die Stadt Oldenburg während der Sommerferien kein warmes Wasser in Sportstätten zur Verfügung. Zudem dürfen späte Spiele aufgrund von Lärmschutz nicht mehr ausgetragen werden. Dafür weicht der Aufsteiger nun ins 130 Kilometer entfernte Hannover aus, hat aber weiterhin die Absicht, möglichst viele Spiele im Marschwegstadion zu absolvieren.

Trotz fehlender Infrastruktur: Im Marschwegstadion hat die Aufstiegsmannschaft schon Oldenburger Geschichte geschrieben. Doch auf Fossi und Co. wartet noch ein hartes Stück Arbeit, damit zu Saisonende wieder ertönen kann: “Nie mehr vierte Liga.”

Annika Fröhlich

Oldenburgs Fossi: “Dass es Meppen ist, gibt uns ein wenig Sicherheit”

Am Samstag (14 Uhr, LIVE! bei kicker) beginnt für den VfB Oldenburg das Drittliga-Abenteur. Die Generalprobe ist geglückt, dem Start blicken die Verantwortlichen gespannt entgegen.

Wohin führt die Reise des VfB Oldenburg in der 3. Liga? Cheftrainer Dario Fossi und sein Team treffen am 1. Spieltag auf Meppen.

Wohin führt die Reise des VfB Oldenburg in der 3. Liga? Cheftrainer Dario Fossi und sein Team treffen am 1. Spieltag auf Meppen.

IMAGO/Eibner

Für den VfB Oldenburg ist es das erste Spiel in der eingleisigen 3. Liga. “Jetzt spielen wir auf einem Terrain, das wir so noch nicht kennen“, sagt Cheftrainer Dario Fossi. Immerhin kommt zum Auftakt ein alter Bekannter, gegen den die Norddeutschen schon 39 Pflichtspiele bestritten haben. “Dass es Meppen ist, gibt uns ein wenig Sicherheit, weil wir sie am besten kennen.”

Die Generalprobe gegen den SSV Jeddeloh II (1:0) glückte. Das einzige Tor des Tages erzielte Ivan Strelnyk. Beim VfB standen unter anderem die Neuzugänge Sebastian Mielitz und Manfred Starke in der Startelf. Zum Einsatz kam auch Probespieler Lucas Falcao. Der Offensivmann, der insbesondere zum Start der vergangenen Saison bei Aufsteiger Viktoria Berlin für Furore gesorgt hatte, stellt sich aktuell beim VfB vor – doch kommt es zur Verpflichtung? “Dieser eine Transfer muss einfach sitzen”, so Fossi. In den kommenden Tagen soll eine Entscheidung getroffen werden.

“Katastrophe”: Adetula fällt länger aus

Beim Auftakt gegen Meppen wird derweil Ayodele Adetula schmerzlich vermisst werden. Der Außenbahnspieler hat sich einen Außenbandriss zugezogen und fällt bis zu acht Wochen aus. Ein herber Verlust. “Wir sprechen hier von einem Spieler, der in der vergangenen Saison an 25 Toren beteiligt war”, sagt Fossi. Kapitän Max Wegner bezeichnete Adetulas Fehlen gar als “Katastrophe”.