Onguené im Interview: “Frankfurt will den gleichen Fußball wie Salzburg spielen”

Jerome Onguené ist nach einer unglücklichen Herbstsaison bei Eintracht Frankfurt vorübergehend zu Red Bull Salzburg zurückgekehrt. Im kicker-Interview spricht der 25-Jährige über seine Startschwierigkeiten in Hessen, den geplatzten WM-Traum und seine Erwartungshaltung für die kommenden Monate.

Herr Onguené, Sie hatten während der Herbstsaison mit einer Oberschenkelzerrung und einer Adduktorenverletzung zu kämpfen. Daher eine etwas ungewöhnliche Einstiegsfrage für ein Interview: Wie geht es Ihnen?

Aktuell fühle ich mich wirklich gut. Ich habe die Verletzungen überstanden und fühle mich sowohl mental als auch körperlich bereit.

Sie haben für Eintracht Frankfurt noch kein Pflichtspiel bestritten. Wie sieht Ihr Fazit nach den ersten Monaten in Hessen aus?

Ich habe in Frankfurt sehr tolle Monate mit der Mannschaft und dem Trainerstab erlebt. Es hat alles sehr gut gepasst. Ich hatte nur das Pech mit den Verletzungen, die verhinderten, dass ich spielen konnte.

Der Erfolg von Frankfurt ist auch auf Trainer Oliver Glasner zurückzuführen. Was zeichnet ihn aus?

Ich habe einige Monate mit ihm zusammengearbeitet und muss sagen, dass er ein sehr guter Trainer ist. Das zeigen auch die Resultate. Er hat in der vergangenen Saison die Europa League gewonnen und auch aktuell ist die Mannschaft in der Liga sehr gut platziert. Zudem haben wir in der Champions League das Achtelfinale erreicht. Er ist aber nicht nur ein guter Trainer, sondern auch ein sehr guter Mensch. Er denkt viel nach und spricht mit uns. Somit hilft er seinen Spielern. Er nimmt auch selbst immer wieder aktiv am Training teil. Daher können wir leichter verstehen, was er von uns will.

Sie haben die gute Herbstsaison bereits angesprochen. Was macht das Team so stark?

Es ist eine Mischung aus vielen Dingen. An erster Stelle ist die Qualität der Spieler und des Trainerteams zu nennen. Wir arbeiten während der Trainingseinheiten sehr diszipliniert und verstehen uns darüber hinaus gut. Wir lachen viel in der Umkleide. Das macht in meinen Augen die Stärke dieser Mannschaft aus – und das zeigt sich auf dem Platz! Man sieht dort, dass sich die Spieler gut verstehen und gemeinsam gewinnen wollen. Daher funktioniert das auch auf dem Spielfeld so gut.

Jeder Fußballer hat den Traum, einmal bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein. (…) Die Dinge sind aber nicht so gelaufen, wie ich mir das gewünscht hätte.

Jerome Onguené

Sie persönlich sind seit Ende Oktober wieder fit. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür, dass Glasner Ihnen auch danach keine Chance gab?

Das liegt einzig und allein an den Nachwehen der Verletzung. Ich weiß aber, dass meine Zeit in Frankfurt kommen wird. Ich werde dort gute Dinge machen und dafür 100 Prozent geben, natürlich auch jetzt bei Red Bull Salzburg

Aufgrund der mangelnden Spielpraxis standen Sie auch nicht im WM-Kader von Kamerun. Einer der bittersten Momente Ihrer Karriere?

Jeder Fußballer hat den Traum, einmal bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein. Das gilt auch für mich. Die Dinge sind aber nicht so gelaufen, wie ich mir das gewünscht hätte. So ist das Leben. Jeder erlebt irgendwann schwierigere Zeiten.

Waren Sie überrascht, dass Sie nicht berücksichtigt wurden?

Nein, überrascht war ich nicht. Ich habe ja schon seit dem Afrika-Cup nicht mehr für Kamerun gespielt. Ich wusste daher bereits früh, dass ich nicht bei der Weltmeisterschaft dabei sein werde. In erster Linie bin ich ein Fan der kamerunischen Nationalmannschaft. Ich werde dieses Team weiterhin unterstützen – egal, ob ich dabei bin oder nicht.

Kamerun schied in Gruppe G mit Brasilien, der Schweiz und Serbien als Dritter aus. Wie haben Sie die Leistungen der Mannschaft gesehen?

Ich habe mir die WM natürlich angesehen und finde, dass Kamerun sehr gut gespielt hat. Aber nicht nur Kamerun, sondern viele afrikanische Teams. Sie haben gezeigt, dass sie gegen starke europäische und südamerikanische Mannschaften mithalten können. Der Fußball erlebt bei uns dadurch einen großen Aufschwung. Kamerun und die anderen afrikanischen Teams müssen jetzt genauso weitermachen. Dann können sie bei Weltmeisterschaften große Dinge erreichen.

Kommen wir zu Ihrer Leihe. Bei Ihrer Antrittspressekonferenz in Frankfurt haben Sie gesagt, dass in puncto Trainingsintensität kein großer Unterschied zu jener in Salzburg bestehe. Nach sechs Monaten bei der Eintracht: Was sind aus Ihrer Sicht die größten Unterschiede zwischen den beiden Mannschaften?

Ich sage noch einmal das Gleiche. Es gibt keinen großen Unterschied zwischen diesen beiden Teams – weder in der Qualität noch in den Trainingseinheiten. Das ist quasi auf einem Niveau. Meiner Meinung nach will Frankfurt den gleichen Fußball wie Red Bull Salzburg spielen. Die Trainingseinheiten ähneln sich sehr, es gibt nur kleine Unterschiede. Die Intensität ist jedenfalls die gleiche.

Bei Ihrem Abschied aus Salzburg im Sommer 2022 sagten Sie, dass Sie sich mehr Spielzeit gewünscht hätten. Warum haben Sie sich dennoch für eine Rückkehr entschieden?

Ich habe mich für eine Rückkehr nach Salzburg entschieden, weil ich mich hier zu Hause fühle. Ich habe hier sehr schöne Jahre verbracht und immer noch zahlreiche Freunde. Zudem kenne ich die Ziele und Philosophie des Klubs. Das macht es für mich einfacher, Spielpraxis zu sammeln und mich sofort zu integrieren.

Während Glasner in der Abwehr bevorzugt auf eine Dreierkette setzt, präferiert Matthias Jaissle die Viererkette. Welche Unterschiede erwarten Sie dadurch?

Es stimmt, dass es da einen Unterschied gibt. Ich fühle mich in der Viererkette wohler, aber wenn ich in der Dreierkette im Zentrum spiele, passt das für mich auch. Außen spiele ich hingegen nicht so gerne.

Mit Strahinja Pavlovic, Oumar Solet, Bernardo und Samson Baidoo verfügt Jaissle in der Innenverteidigung über einige Möglichkeiten. Welche Rolle spielte dieser Umstand in Ihren Überlegungen?

Ich weiß, dass es dort viele gute Spieler gibt. Ich habe vor ihnen allesamt sehr viel Respekt. Ich kenne viele von ihnen und habe mit einigen auch schon zusammengespielt. Für mich ist der Konkurrenzkampf kein Problem. Am Ende muss man die Entscheidungen des Trainers ohnehin respektieren. Ich persönlich werde mich nur durch Zeit auf dem Feld weiterentwickeln. Dafür werde ich bis zum Saisonende alles geben.

Ich respektiere jedes Team. Egal, ob das Bayern, Dortmund oder eine österreichische Mannschaft ist.

Jerome Onguené

Anders als bei der Eintracht werden Sie mit Salzburg in jedem Spiel auf nationaler Ebene Favorit sein. Inwiefern ändert sich für Sie dadurch etwas in der Herangehensweise?

Es ändert sich gar nichts. Ich respektiere jedes Team. Egal, ob das Bayern, Dortmund oder eine österreichische Mannschaft ist. Ich werde – auch unabhängig vom Wettbewerb – immer die gleiche Energie auf den Platz bringen.

Das erste Match im Frühjahr wird Salzburg im Cup-Viertelfinale gegen Sturm Graz absolvieren. Wie schwierig ist es, nach einer derart langen Pause direkt mit einem K.-o.-Spiel zu starten?

Das ist für uns natürlich eine große Herausforderung. Das Spiel gegen Sturm wird für uns sicher schwierig werden. Vor allem für mich persönlich, weil ich lange kein Pflichtspiel mehr absolviert habe. Wir werden uns aber gut darauf vorbereiten, um für dieses Match bereit zu sein.

Im Sommer werden Sie nach Frankfurt zurückkehren, Ihr Vertrag dort läuft bis 2027. Planen Sie, diesen zu erfüllen?

Daran besteht für mich kein Zweifel. Ich werde im Sommer nach Frankfurt zurückkehren und weiß, dass meine Zeit dort dann erst so richtig beginnt.

Interview: Nikolaus Fink