Fast 900 Millionen Euro Verlust: Barça zieht La Liga runter

La Liga hat vermeldet, in der Corona-Saison 2020/21 beinahe eine Milliarde Euro Verlust gemacht zu haben. Das lag vor allem am FC Barcelona.

Das Camp Nou, Stadion des FC Barcelona.

Das Camp Nou, Stadion des FC Barcelona.

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Auch am spanischen Fußball ist die Corona-Pandemie nicht spurlos vorbeigegangen. Erstmals seit 2012 machte La Liga Verlust, wie sie am Dienstag verkündete. Das Gesamt-Minus von 892 Millionen Euro ist dabei zu 56 Prozent – klar mehr als die Hälfte – dem finanziell schwer angeschlagenen FC Barcelona zuzuschreiben.

In erster Linie lag es an den vielen Geisterspielen, dass der Umsatz in La Liga um 24,1 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro sank – was aber erst einmal keine Sorgenfalten hervorruft. “Die hohe finanzielle Solvenz und das Verantwortungsbewusstsein der meisten Klubs hat dem spanischen Fußball geholfen, diese Krise zu überstehen”, heißt es in der Verlautbarung. “Eine starke Erholung wird in der Saison 2021/22 erwartet, ehe 2023/24 wieder die vollständige Normalität erreicht werden sollte.”

Camp Nou wird umgebaut: 2023/24 spielt Barça im Olympiastadion

Dem Umbau des Camp Nou steht so gut wie nichts mehr im Wege. Bereits nach Saisonende sollen die Arbeiten am Stadion des FC Barcelona beginnen.

Das Camp Nou wird modernisiert.

Das Camp Nou wird modernisiert.

Wie der FC Barcelona am Donnerstag mitteilte, habe der Stadtrat die Genehmigung erteilt, unmittelbar nach Saisonende mit den Bauarbeiten zu beginnen. Der Schwerpunkt liege zunächst auf dem ersten und zweiten Zuschauerrang. Außerdem gebe es weitere Modernisierungsschritte, die Technologie, Stadionverkleidung und Stadionumgebung wie beispielsweise Park- und Grünanlagen betreffen.

Wie Barça ergänzte, könne in der kommenden Saison die Zuschauerkapazität im Camp Nou nahezu voll ausgelastet werden. Im Sommer 2023 folgen der Abriss und die Modernisierung des dritten Zuschauerrangs, weshalb die Katalanen zur Saison 2023/24 im Olympiastadion Lluis Companys auflaufen werden.

In der Spielzeit 2024/25 könne Barça ins Camp Nou zurückkehren, aufgrund der Bauarbeiten sei aber nur eine Zuschauerkapazität von 50 Prozent möglich. Die Arbeiten sollen voraussichtlich in der Saison 2025/26 abgeschlossen werden.

Das Camp Nou steht im Mittelpunkt des Milliarden-Projekts “Espai Barça” (katalanisch für “Platz Barça”), dem Ausbau der Vereinsanlage des 26-maligen spanischen Meisters. Der hochverschuldete Traditionsklub ist dafür auf externe Geldgeber angewiesen.

“Wütend und enttäuscht”: Unrühmlicher Rekord für Xavi

Beim lange Zeit so souveränen FC Barcelona ist aktuell der Wurm drin. Das 0:1 gegen Rayo brachte Xavi einen unrühmlichen Rekord. Dementsprechend niedergeschlagen war der Coach auch.

Dritte Heimniederlage in Folge: Bei Xavi & Co. ist Sand im Getriebe.

Dritte Heimniederlage in Folge: Bei Xavi & Co. ist Sand im Getriebe.

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Vor dem Duell im Europa-League-Viertelfinale mit Eintracht Frankfurt war Barcelona hervorragend in Form, verlor 15 Mal in Serie nicht. Die Katalanen waren gegen die Hessen auch der klare Favorit – und verloren nach einem 1:1 im Hinspiel zu Hause mit 2:3 gegen einen wie entfesselt aufspielenden Bundesligisten.

Mit der Europa League war dann auch die letzte Titelchance in diesem Jahr futsch. Eine Niederlage, die nachhaltig Spuren hinterlassen sollte, wie sich aktuell zeigt. Neben einem 1:0 in San Sebastian gab es nämlich zwei 0:1-Heimniederlagen gegen Cadiz (Platz 17) und Rayo Vallecano (Platz 11). Drei Heimpleiten im altehrwürdigen Camp Nou in einer Saison in Serie wie nun unter Xavi, das hatte es noch nie gegeben.

“Xavi schreibt Geschichte”, hieß es im Madrider Sportblatt AS, allerdings “gegen seinen Willen”. Wie ein “Desaster” war die jüngste Heimpleite am Sonntag gegen Rayo, titelte das katalanische Blatt Sport. Der Wind rund um den FC Barcelona hat sich also binnen weniger Tage gedreht. “Wir sind auf dem Boden der Tatsachen gelandet”, stellte auch Xavi nach wochenlangem Höhenflug fest.

“Noch fünf Endspiele” für Barcelona

“Ich bin wütend und enttäuscht, weil wir eine goldene Gelegenheit hatten”, legte der ehemalige Weltklasse-Mittelfeldmann nach. Mit diesem Patzer legte Barça dem Rivalen Real Madrid den Matchball auf, denn die Königlichen können am Samstag gegen Espanyol Barcelona spanischer Meister werden, ein Remis würde bei aktuell 15 Punkten Vorsprung schon genügen.

Und was ist mit den Katalanen? “Wir haben die Lage verkompliziert”, sagte Xavi. Die Katalanen haben “noch fünf Endspiele” im Kampf um die Champions League. Allerdings sieht die Ausgangsposition dort recht komfortabel aus, denn fünf Spieltage vor Saisonende hat Barcelona sechs Punkte und zehn Tore Vorsprung auf Platz fünf. “Wir müssen uns motivieren und vieles verbessern”, weiß Xavi. Klar ist natürlich auch, dass die Qualifikation für die Champions League das absolute Minimalziel ist. Schon jetzt ist die Saison ohne Titel für den stolzen FC Barcelona verkorkst. “Wenn du gewinnst, ist alles wunderbar. Aber es sind diese Momente, in denen sich Persönlichkeit zeigt”, nimmt der Trainer nun auch die Mannschaft in die Pflicht.

“Wir haben keine Wahl”: Laporta greift wegen Eintracht-Fans durch

Der Auftritt der Eintracht-Fans im Camp Nou hat Konsequenzen: Der FC Barcelona will künftig im Europapokal nur noch personalisierte Tickets verkaufen.

Auswärts zuhause: Eintracht-Fans am Donnerstagabend in Barcelona.

Auswärts zuhause: Eintracht-Fans am Donnerstagabend in Barcelona.

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Dass Eintracht Frankfurt am Donnerstag mit rund 25.000 statt 5000 Fans im Camp Nou Präsenz zeigte, hat Folgen für die nächsten Europapokal-Gegner des FC Barcelona. Präsident Joan Laporta kündigte am Freitag an, dass die Tickets in Zukunft personalisiert sein werden.

Mit Tricks und Kreativität war es Eintracht-Fans gelungen, fürs Europa-League-Viertelfinalrückspiel in Barcelona deutlich mehr Eintrittskarten zu erwerben, als von der UEFA für Gästefans vorgesehen. Das brachte die Verantwortlichen der Katalanen in Erklärungsnot.

Eintracht-Fans seien “regelwidrig” an Tickets gelangt

Den Klub treffe jedoch keine Schuld, beteuerte Laporta beim katalanischen Fernsehsender TV3. Die Analyse habe ergeben, dass von den 79.468 verkauften Tickets 37.746 an Dauerkarteninhaber, 34.440 an die Öffentlichkeit und nur 5000 an die Eintracht-Fans verkauft worden seien.

Dass von den 34.440 öffentlichen Tickets so viele in die Hände von Eintracht-Fans gelangten, bezeichnete Laporta als “regelwidrig”. Gäste-Anhängern war es gelungen, die Restriktionen – kein Erwerb mit deutschen Kreditkarten oder IP-Adressen – zu umgehen. Außerdem seien zahlreiche Dauerkartentickets an Eintracht-Fans weitergegeben worden.

Die Konsequenz: “Was ich schon jetzt verkünden kann, ist, dass die Tickets in Europapokalwettbewerben in Zukunft personalisiert sein werden”, so Laporta. Das betreffe dann zwar auch unbescholtene Fans und damit “die große Mehrheit”, “aber wir haben keine Wahl. Wir wollen nicht, dass so etwas in diesem Stadion noch einmal passiert.”

Muskelriss: Pedri fällt wochenlang aus

Pedri hat seinen Einsatz im Spiel gegen Eintracht Frankfurt doppelt bezahlt: Zum Aus in der Europa League kam für den Jungstar des FC Barcelona noch eine schwere Muskelverletzung hinzu.

Duell mit Kostic: Pedri.

Duell mit Kostic: Pedri.

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Pedri hat sich bei der 2:3-Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt einen Riss im linken Oberschenkelmuskel zugezogen und wird für längere Zeit nicht spielen können. “Er fällt aus und sein Einsatz hängt von der Entwicklung ab”, teilte der FC Barcelona am Freitag mit. Der 19-Jährige war bei dem Spiel im Camp Nou nach der ersten Spielhälfte ausgewechselt worden. Für ihn kam Frenkie de Jong.

Aktuelle Spiele

“Mundo Deportivo” geht davon aus, dass Pedri für die restlichen acht Spiele der Blaugrana in der laufenden Saison, die am 22. Mai endet, nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Die Auszeit könne damit gut eineinhalb Monate dauern.

Comeback in der Selección?

Damit könnte der Mittelfeldspieler eventuell wieder für die spanische Nationalmannschaft zur Verfügung stehen, wenn sie Anfang Juni Spiele in der Nations League gegen Portugal (2.6.), Tschechien (5.6.) und die Schweiz (9.6.) bestreitet.

Barça-Präsident Laporta schämt und entschuldigt sich: “Wir haben Informationen”

Weil schätzungsweise 25.000 Frankfurter im Camp Nou waren, kam es beim FC Barcelona am Donnerstagabend sogar zu einem Fan-Protest. Präsident Joan Laporta will sich erklären.

In Erklärungsnot: Barcelonas Präsident Joan Laporta.

In Erklärungsnot: Barcelonas Präsident Joan Laporta.

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Im Camp Nou ein gefühltes Auswärtsspiel zu haben, das hat der FC Barcelona so wahrscheinlich auch noch nicht erlebt. Und doch ist es am Donnerstagabend so passiert, als Eintracht Frankfurt die großen Katalanen im Europa-League-Viertelfinale spektakulär aus dem Wettbewerb warf.

Was dabei auf den Rängen geschehen war, scheint in Barcelona nun sogar noch größere Wellen zu schlagen als die Geschehnisse auf dem Rasen. “Es ist absolut unzulässig, dass das Camp Nou zu einem Dampfdrucktopf wird – aber zugunsten der gegnerischen Mannschaft”, wütete die vereinsnahe Zeitung “Sport” – FCB-Präsident Joan Laporta geriet in Erklärungsnot.

Spekulationen: Einige Barcelona-Fans haben ihre Tickets weiterverkauft

Nach der sportlich verdienten 2:3-Niederlage entschuldigte sich der 59-Jährige zunächst bei den eigenen Fans. “Es ist empörend und beschämend, ich schäme und entschuldige mich”, so Laporta. 5000 Tickets seien laut einer Mitteilung des Klubs an Frankfurter Fans verkauft worden – gemäß der UEFA-Vorgaben. Nicht nur spanische Medien spekulieren, dass viele Barcelona-Fans ihre Eintrittskarten jedoch weiterverkauft haben – an Anhänger der SGE.

Ein Teil des katalanischen Anhangs war aus Protest gegen das ungewöhnliche Szenario zu Beginn der zweiten Hälfte seinen Plätzen ferngeblieben, später aber wieder zurückgekehrt. Akustisch blieben die Blaugrana über weite Strecken in der Minderheit.

“So etwas wird nie wieder passieren”, versprach Präsident Laporta, der bereits genauere Informationen zum Hergang der Kartenkonstellation habe, sich vorerst aber nicht weiter dazu äußerte. Noch nicht. “Wir werden handeln und das erklären.”

Hellmann sieht keine Schuld beim FCB

Eintrachts Vorstandssprecher Axel Hellmann sah diese Not übrigens nicht gegeben: “Es war nicht vorhersehbar, dass so viele Frankfurter Fans im Stadion waren. Den FC Barcelona trifft da überhaupt keine Schuld, unsere Fans haben sich über alle möglichen Wege und Kanäle Tickets besorgt. Das kannst du als Verein nicht kontrollieren.”

Xavis Lehre aus dem Hinspiel: “Darunter haben wir gelitten”

Der FC Barcelona will sich im Viertelfinale der Europa League gegen Eintracht Frankfurt unbedingt durchsetzen. Wie das gehen soll, und was für eine Rolle die Fans einnehmen, erklärte Coach Xavi.

Barcelonas Coach Xavi möchte Frankfurt unbedingt besiegen - und die Europa League gewinnen.

Barcelonas Coach Xavi möchte Frankfurt unbedingt besiegen – und die Europa League gewinnen.

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Direkt zu Beginn der Pressekonferenz stellte Barcelonas Trainer Xavi eines klar: “Wir sind Barcelona und wir brauchen den Ball.” Diesen wie im Hinspiel (1:1) häufig zu verlieren, sei alles andere als optimal. Zudem müsse sein Team “Konter verhindern und die Intensität steigern. Es wird für uns in vielen Situationen schwierig, aber unserem starken Gegner müssen wir es selbst schwer machen.”

Das im Hinspiel häufig stattgefundene Umschaltspiel der Frankfurter soll also zunichte gemacht werden. “Wir dürfen den Ball nicht erneut so oft verlieren, so unnötig. Das darf auf diesem Niveau nicht passieren”, hielt der ehemalige Weltklasse-Mittelfeldspieler des Öfteren gebetsmühlenartig fest. Er zeigte sich aus mehreren Gründen jedoch zuversichtlich.

Besserer Platz? Zumindest werden die Fans “ein Schlüssel” sein

Zum einen sei der Platz in Frankfurt “nicht gut” gewesen. “Unserer ist es aber. Daher wird das Spiel mit dem Ball denke ich besser funktionieren”, hielt Xavi fest. Ein weiterer Faktor sei generell das Spiel vor dem eigenen Publikum. “Es wird ein Schlüssel in diesem Spiel, dass wir Zuhause spielen mit diesen Fans. Ich weiß, wie außergewöhnlich sie sind, wir brauchen sie und die Atmosphäre, damit sie uns antreiben.”

Wir sind Barça und stehen immer unter Zugzwang, zu gewinnen – und das auf eine schöne Weise. Wir müssen immer exzellent sein.

Was Xavi von seinen Schützlingen erwartet und wie die Fans dabei helfen könnten, ist also klar. Genauso sollte es klar sein, dass Barça die Europa League unbedingt gewinnen möchte. Im “anspruchsvollsten Verein der Welt” müsse immer alles erfolgreich gestaltet werden. “Wir sind Barça und stehen immer unter Zugzwang zu gewinnen – und das auf eine schöne Weise. Wir müssen immer exzellent sein “, meinte der Coach. Erneut in der Champions League nur zuzuschauen, was “schmerzhaft” sei, wäre dagegen alles andere als gut. Immerhin ist der Sieg der Europa League ein Weg zur Qualifikation für die Königsklasse – und “es ist immer noch ein europäischer Titel. Das Team ist moviert und bereit.”

Die Verteidigung muss besser werden

Bereit dürfte jedoch auch Frankfurt am Donnerstagabend (21 Uhr, LIVE! bei kicker) sein. Von der Eintracht erwartet Xaxi erneut ein gutes Spiel mit hoher Intensität. Gegen das gute Umschaltspiel helfe nur Barcelona-Ballsicherheit und daran habe der 42-jährige Spanier mit seiner Mannschaft hart gearbeitet. “Sie haben uns oft ausgekontert, darunter haben wir gelitten und deshalb müssen wir besser verteidigen, auch mit dem Ball, als im Hinspiel.” Trotz der langen Ungeschlagen-Serie (mit elf Siegen aus 15 Partien) müsse dafür besser gespielt werden, als gegen Levante und in Frankfurt, “das war beides nicht sehr gut”.

Es liegt also an Barcelona selbst, das hielt schon Verteidiger Eric Garcia zuvor fest. Von den rund 30.000 erwarteten Anhängern der Eintracht möchte sich außerdem niemand beeindrucken lassen. “Es ist normal, dass so viele Fans anreisen. Das könnte eines der größten Spiele ihrer Geschichte werden, sie werden extra motiviert sein, darauf sind wir vorbereitet. Die Fans werden laut sein und wir werden eine großartige Atmosphäre erleben. Es wird klasse für alle”, so Xavi, der sich nicht noch einmal von Frankfurts hohen Einsatz überraschen lassen möchte. “Wir müssen Präsenz zeigen.”

Xavi ordnet Frankfurt-Atmosphäre ein – und freut sich auf Rasen im Rückspiel

Zufrieden sei er mit dem Ergebnis gewesen, nicht aber mit der Leistung seiner Mannschaft, verriet Barça-Trainer Xavi. Im Rückspiel will er Eintracht Frankfurt in einem Punkt kopieren.

Ihm gefiel, was er sah - auf der Anzeigetafel: Barcelonas Trainer Xavi.

Ihm gefiel, was er sah – auf der Anzeigetafel: Barcelonas Trainer Xavi.

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Auch auf ihrer nächsten Reise durch Europa scheint die Eintracht aus Frankfurt deutsche Fußballfans mehr mitzunehmen, als das anderen Bundesliga-Vertretern in den vergangenen Jahren gelungen ist. Ihre Fans sollten sich allerdings nicht allzu viel darauf einbilden, findet Barça-Trainer Xavi.

Bis zum Platzverweis war Barça gut bedient

“Die Atmosphäre hat uns nicht beeinträchtigt”, erklärte die Spielerlegende nach dem 1:1 im Europa-League-Viertelfinal-Hinspiel in Hessen. “Dass wir nicht so gut waren wie in den vergangenen Spielen, lag nicht daran. Denn in der Türkei (Barça spielte im Achtelfinale gegen Galatasaray, Anm. d. Red.) ist die Atmosphäre sogar noch stärker gewesen.” Und woran lag es dann, dass die Katalanen bis zur Gelb-Roten-Karte für Frankfurts Tuta in der 78. Minute mit dem Remis noch relativ gut bedient waren?

“Defensiv haben sie sehr gut gespielt, sie waren heute besonders motiviert. Wir wussten nicht, wie wir attackieren sollten”, lobte Xavi die Frankfurter. Tatsächlich war sein Mittelstürmer Pierre-Emerick Aubameyang, der wie kein anderer für Barcelonas sportliche Wiedergeburt steht und in den vergangenen Monaten beinahe nach Belieben getroffen hatte, weitgehend von seinen Mitspielern abgeschnitten.

In Barcelona rollen die Bälle anders

Außerdem habe der große FC Barcelona vor der SGE “großen Respekt gehabt”, so Xavi – in Frankfurt. Zu Hause, im Camp Nou, werde das “anders sein”. Was übrigens auch für den Platz im Deutsche-Bank-Park gilt, mit dem der 42-Jährige beim Gastspiel – wie schon ab und an als Spieler – nicht ganz einverstanden gewesen war. “Ich glaube, dass der Platz im Camp Nou besser für uns sein wird. Heute konnten wir den Ball nicht so gut laufen lassen.”

Es schien also mehrere Gründe zu geben, warum Eintracht Frankfurt am Donnerstagabend laut Xavi “besser gespielt hat” als der FC Barcelona, die beim Rückspiel am kommenden Donnerstag (21 Uhr, LIVE! bei kicker) aber eben auszuhebeln seien. Zumindest wenn diesmal das Stadion zum Faktor wird. “Das Camp Nou wird brodeln müssen, so wie es hier der Fall war”, fordert Xavi. Hat die Atmosphäre wohl doch Eindruck hinterlassen.

Internationale Pressestimmen: “Barça zunächst überfahren” – “Eintracht-Fans Wahnsinn”

Der Schüler auf dem Weg zum Meister: Barças Aufstieg unter Xavi

Der FC Barcelona ist aktuell in absoluter Ausnahmeform. Trainer Xavi hat das europäische Schwergewicht wieder wachgeküsst. Aber wie hat er das geschafft? 

Gibt den Takt in Barcelona vor: Xavi.

Gibt den Takt in Barcelona vor: Xavi.

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Ende Oktober letzten Jahres hatte Barcelonas Präsident Joan Laporta genug. Er zog die Reißleine, trennte sich von Trainer Ronald Koeman. Der Coach hatte auch zuvor schon immer wieder in der Kritik gestanden, doch das 0:1 bei Rayo Vallecano am 11. Spieltag war zu viel. Es war früh in der Saison bereits Barças dritte Niederlage, die Katalanen dümpelten auf Platz 9 herum. Es musste also eine Veränderung her.

Nur: Wen holen? Es wurde am Ende der Wunschkandidat: Xavi. Eine absolute Barça-Legende als Spieler. Laportas Entscheidung war durchaus mutig, hatte der Spanier zuvor als Trainer doch nur zwei Jahre in Katar bei Al-Sadd Doha gearbeitet. Doch die Entscheidung sollte sich als goldrichtig herausstellen. 

Xavier Hernandez i Creus, wie Xavi mit vollem Namen heißt, hat Barcelona neues Leben eingehaucht. Zu Beginn lief es zwar noch etwas unrund, auch das Aus in der Champions League konnte der 42-Jährige nicht abwenden, doch nach einigen Wochen fanden Spieler und Trainer immer besser zusammen. In den letzten 14 Ligaspielen gab es zehn Siege und vier Remis. In der Europa League steht Barcelona im Viertelfinale und trifft dort nun diesen und nächsten Donnerstag (jeweils 21 Uhr, LIVE! bei kicker) auf Eintracht Frankfurt. 

Zur Wahrheit gehört auch: Der Kader wurde klar besser

In der Liga steht Barcelona mittlerweile auf dem zweiten Platz und ist plötzlich schärfster Verfolger von Real Madrid, wenngleich der Rückstand satte zwölf Punkte beträgt (bei einem Spiel weniger). Stellt sich die Frage: Wie hat Xavi das nur hinbekommen? Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass der ehemalige Weltklasse-Mittelfeldspieler einen wesentlich besseren Kader zur Verfügung hat als Vorgänger Koeman. 

Im Winter akquirierte Barcelona Geld, das zuvor nicht da war. Der 38-jährige Dani Alves kam mit dazu. Er wurde zwar schon früher verpflichtet, durfte aber erst ab Januar spielen. Für 55 Millionen Euro holte Barça Ferran Torres von Manchester City. Außerdem wurde Adama Traoré von Wolverhampton ausgeliehen und Pierre-Emerick Aubameyang vom FC Arsenal losgeeist. Wie die Katalanen das finanziell stemmen, steht auf einem anderen Blatt, Fakt ist aber: Die neuen Spieler helfen dem Team enorm weiter. 

Dembelé plötzlich wieder wichtig


Ousmane Dembelé

Plötzlich wieder wichtig: Ousmane Dembelé.
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Traoré schlug vor allem zu Beginn ein, Aubameyang traf in acht Ligaspielen schon siebenmal und auch Ferran Torres hat seine Qualitäten mit vier Ligatreffern unter Beweis gestellt. Apropos Aubameyang: Nach dessen Ankunft läuft es auch plötzlich bei Ousmane Dembelé wieder gut. Der Franzose sollte den Verein im Winter sofort verlassen, das wurde klar kommuniziert. Ein Abnehmer fand sich allerdings nicht – und so blieb der ehemalige BVB-Profi. Bei Xavi gab es in der Folge ein merkwürdiges Umdenken, und plötzlich ist Dembelé wieder wichtig für das Team. Der Franzose ist aktuell gesetzt, zahlt das mit Leistung zurück. Besonders die Symbiose mit Aubameyang, mit dem er sich schon zu BVB-Zeiten blendend verstand, ist auffällig.

Xavi hat es offenbar geschafft, auch mit dem durchaus schwierigen Charakter Dembelés richtig umzugehen. Und so greift momentan ein Rädchen ins andere. Die Maschinerie läuft samt Spielen wie dem beeindruckenden 4:0 im Bernabeu bei Rivale Real. Auch das jüngste 1:0 gegen den vorherigen Tabellenzweiten Sevilla zeigt die neue Stärke der Katalanen. 

Eine neue Ära bahnt sich an

Xavi soll eine neue Ära in Katalonien prägen – und er ist auf dem besten Weg dahin. In Barcelona erhofft man sich selbiges wie bei einem Johan Cruyff oder Pep Guardiola, die selbst jahrelang Spieler bei Barça waren und später eine Trainer-Ära prägten. Xavi spielte kurz noch mit Guardiola zusammen und dann viele Jahre als Spieler unter dem Fußballfachmann. Es war unbestritten eine der besten Barça-Mannschaften, die es je gegeben hat. Mit dem berühmt berüchtigten “Tiki-Tika” dominierten die Katalanen über Jahre den europäischen Fußball. 

Xavi war als Spieler einer der wichtigsten Teile des Systems von Guardiola, auf dem Feld der verlängerte Arm des Trainers. Zusammen mit Andres Iniesta zog er im Mittelfeld die Strippen und wusste die genialen Offensivspieler um Lionel Messi, Samuel Eto’o oder Thierry Henry immer bestens einzusetzen. Xavi hat unter dem akribischen Arbeiter viel gelernt, vieles mitgenommen für seine jetzige noch junge Trainerlaufbahn.

Xavi legt wie sein “Lehrmeister” viel Wert auf Ballbesitz, aber nicht ganz so extrem wie Guardiola es bis heute bei Manchester City praktiziert. Das Xavi-Barcelona hat viele Teile des Guardiola-Barcelona, aber eben auch Unterschiede. Es geht auch mal über die Flügel mit Flanken oder es wird aus der Distanz geschossen. In der “Tiki-Taka”-Zeit wurde der Ball gefühlt jedes Mal ins Tor getragen.

Pedri könnte den Xavi geben

Xavi schafft es aktuell erfolgreich, eine Mischung aus Vergangenheit und dem modernen Fußball zusammenzuführen. Der Erfolg gibt ihm bis dato Recht. Das Barcelona unter Koeman, Quique Setien oder Ernesto Valverde hatte oft nicht viel Ballbesitz, das hat sich nun unter Xavi geändert. Doch natürlich braucht das neue System auch Zeit. Und es braucht Gesichter.

Genau diese hat der FC Barcelona wieder. Die Mannschaft hat viele junge Talente, denen die Zukunft gehört. Eines der größten Juwele im Kader ist Mittelfeldregisseur Pedri, der jüngst mit seinen Traumtoren bei Galatasaray und gegen Sevilla verzückte. Der erst 19-Jährige ist ein ganz feiner Fußballer, genau wie es Xavi früher war. Aber auch Talenten wie Ronald Araujo, Gavi, Nico oder Ansu Fati gehört die Zukunft. 

Und mit Xavi haben sie einen Trainer, der diese jungen Talente formen kann. Der ehemalige Guardiola-Schüler, der aktuell auf dem Weg zum Meister ist.

Wer überträgt? Frankfurt gegen Barcelona heute live in TV und Stream

Mirko Strässer