Potter über Ziyech-Chaos: “Er wird ein wichtiger Spieler für uns sein”

Nach geplatztem PSG-Wechse 03.02.2023

Potter über Ziyech-Chaos: “Er wird ein wichtiger Spieler für uns sein”

0:22Nach den turbulenten letzten Stunden des Transferfensters steht Hakim Ziyech doch wieder bei Chelsea auf dem Trainingsplatz, der Wechsel zu PSG ist geplatzt. Chelsea-Coach Graham Potter macht sich keine Sorgen um den Spieler.

Rui Costas harte Abschiedsworte für Fernandez

Benfica muss Enzo Fernandez schon nach einem halben Jahr ziehen lassen. Klubpräsident Rui Costa wählte kühle Abschiedsworte – demnach schlug der Weltmeister auch eine Kompromisslösung aus.

Arbeiten nicht mehr gemeinsam für Benfica: Rui Costa und Enzo Fernandez (re.).

Arbeiten nicht mehr gemeinsam für Benfica: Rui Costa und Enzo Fernandez (re.).

imago images/Getty Images

Während sein neuer Trainer Graham Potter gerade Enzo Fernandez‘ “große Persönlichkeit” hervorhob, stellte der Boss seines alten Klubs genau die indirekt infrage: Rui Costa, Präsident von Benfica Lissabon, verabschiedete den argentinischen Weltmeister mit harten statt warmen Worten.

“Ich werde keinem Spieler hinterhertrauern, der nicht bleiben will”, sagte der ehemalige Top-Mittelfeldspieler laut portugiesischen und englischen Medien am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung. “Als Chelsea aufgetaucht ist, war es absolut unmöglich, seine Meinung zu ändern.”

Angeblich war Chelsea zu einem Sommertransfer bereit – Fernandez aber nicht

Die Blues einigten sich mit Benfica auf die britische Rekord-Ablösesumme von 121 Millionen Euro, um Fernandez, der erst im Sommer von River Plate nach Lissabon gewechselt war, sofort zu bekommen. Dabei hatte es laut Rui Costa noch eine andere Möglichkeit gegeben.

“Wir haben eine Lösung für Enzo geschaffen, bis zum Ende der Saison hier zu bleiben, ohne Geld zu verlieren”, berichtete Rui Costa. Doch während Chelsea sich auf ein solches Modell offenbar eingelassen hätte, habe Fernandez daran kein Interesse gehabt. “Enzo wollte unbedingt gehen und war da kompromisslos.”

An diesem Punkt sei der Fall klar gewesen, so Rui Costa weiter. “Da habe ich gesagt: Er kann nicht mehr für Benfica spielen, keine Chance. So ein Spieler kann die Umkleidekabine nie mehr betreten.” Er habe alles versucht, Fernandez zum Bleiben zu bewegen, versicherte der Präsident. “Ich habe ein reines Gewissen und bin so traurig wie jeder Benfica-Fan.” Aber nach der Entwicklung “wollte ich diesen Spieler als Fan nicht mehr – und als Präsident auch nicht”.

Wiedersehen mit Benfica in der Champions League noch möglich

Dafür freut sich nun Potter auf den “Kämpfer” Fernandez und dessen Persönlichkeit, bei der man denke: “Oh, um ihn mache ich mir keine Sorgen.” Der 22-jährige Sechser hat beim Premier-League-Zehnten bis Sommer 2031 unterschrieben – und könnte theoretisch dieses Jahr noch mal auf Benfica treffen: Sein alter Klub steht wie sein neuer im Champions-League-Achtelfinale. Benfica trifft auf Club Brügge, Chelsea auf Borussia Dortmund.

Von 0 bis 3000000000: Sieben Zahlen zum Transfer-Irrsinn der Premier League

Enzo Fernandez am “Deadline Day” zum FC Chelsea, Ausgaben in Rekordhöhe und eine 0: Zahlen zum Transfer-Irrsinn der Premier-League-Klubs, die in der Winterpause mal wieder in eine neue Dimension vorgestoßen sind.

Für ihn bezahlt der FC Chelsea die vierthöchste Summe der Fußball-Geschichte: Enzo Fernandez.

Für ihn bezahlt der FC Chelsea die vierthöchste Summe der Fußball-Geschichte: Enzo Fernandez.

IMAGO/NurPhoto

Knapp 3 Milliarden Euro: Das ist die kolportierte Summe, die die 20 Premier-League-Klubs im Sommer- und Winter-Transferfenster für neue Spieler ausgegeben haben – eine Summe, mit der die Vereine ihre bisherige Höchstsumme beinahe verdoppelt haben. Schon mit ihren Investitionen vor einem halben Jahr in Höhe von rund zwei Milliarden Euro hatte die Premier League ihren vorherigen Rekord übertroffen. 

830 Millionen Euro: Das ist jene Summe, die die Klubs dem Vernehmen nach alleine in der Winter-Transferphase in die Hand genommen haben, um ihre Kader aufzurüsten. 

79 Prozent: So groß ist der Anteil, den die Premier League in diesem Winter an den Gesamtausgaben der fünf größten Ligen hat. 

0: Als einziger Premier-League-Klub hat der abstiegsbedrohte FC Everton in Sean Dyche zwar einen neuen Trainer für den glücklosen Frank Lampard geholt, im Winter aber keinen einzigen Euro ausgegeben. Im Gegenteil: Die Toffees haben Anthony Gordon zu Newcastle United verkauft und für den 21-jährigen Engländer 45,6 Millionen erhalten. 

2: Nur zwei Vereine haben auf dem Winter-Markt ein Transfer-Plus erzielt. Everton – und Brighton, das Yasin Ayari (vier Millionen Euro) und Facundo Buonanotte (sechs Millionen) verpflichtet und Leandro Trossard (24 Millionen) an den FC Arsenal abgegeben hat. 

Knapp 330 Millionen Euro: So viel Geld investierte alleine der FC Chelsea, um sich für den Rest der Saison und die nächsten Jahre aufzustellen. Die Summe übersteigt jene, auf die die Bundesliga, La Liga, die Serie A und die Ligue 1 zusammen kommen. 

121 Millionen Euro: Am letzten Tag der Transferperiode hat Chelsea mal eben den viertteuersten Transfer der Fußball-Geschichte getätigt. Für Weltmeister Enzo Fernandez sollen die Blues nicht weniger als 121 Millionen Euro an Benfica Lissabon überweisen. 

Von 0 bis 3.000.000.000: Sieben Zahlen zum Transfer-Irrsinn der Premier League

Enzo Fernandez am “Deadline Day” zum FC Chelsea, Ausgaben in Rekordhöhe und eine 0: Zahlen zum Transfer-Irrsinn der Premier-League-Klubs, die in der Winterpause mal wieder in eine neue Dimension vorgestoßen sind.

Für ihn bezahlt der FC Chelsea die vierthöchste Summe der Fußball-Geschichte: Enzo Fernandez.

Für ihn bezahlt der FC Chelsea die vierthöchste Summe der Fußball-Geschichte: Enzo Fernandez.

IMAGO/NurPhoto

Knapp 3 Milliarden Euro: Das ist die kolportierte Summe, die die 20 Premier-League-Klubs im Sommer- und Winter-Transferfenster für neue Spieler ausgegeben haben – eine Summe, mit der die Vereine ihre bisherige Höchstsumme beinahe verdoppelt haben. Schon mit ihren Investitionen vor einem halben Jahr in Höhe von rund zwei Milliarden Euro hatte die Premier League ihren vorherigen Rekord übertroffen. 

924 Millionen Euro: Das ist jene Summe, die die Klubs dem Vernehmen nach alleine in der Winter-Transferphase in die Hand genommen haben, um ihre Kader aufzurüsten. 

79 Prozent: So groß ist der Anteil, den die Premier League in diesem Winter an den Gesamtausgaben der fünf größten Ligen hat. 

0: Als einziger Premier-League-Klub hat der abstiegsbedrohte FC Everton in Sean Dyche zwar einen neuen Trainer für den glücklosen Frank Lampard geholt, im Winter aber keinen einzigen Euro ausgegeben. Im Gegenteil: Die Toffees haben Anthony Gordon zu Newcastle United verkauft und für den 21-jährigen Engländer 45,6 Millionen erhalten. 

2: Nur zwei Vereine haben auf dem Winter-Markt ein Transfer-Plus erzielt. Everton – und Brighton, das Yasin Ayari (vier Millionen Euro) und Facundo Buonanotte (sechs Millionen) verpflichtet und Leandro Trossard (24 Millionen) an den FC Arsenal abgegeben hat. 

330 Millionen Euro: So viel Geld investierte alleine der FC Chelsea, um sich für den Rest der Saison und die nächsten Jahre aufzustellen. Die Summe übersteigt jene, auf die die Bundesliga, La Liga, die Serie A und die Ligue 1 zusammen kommen. 

121 Millionen Euro: Am letzten Tag der Transferperiode hat Chelsea mal eben den viertteuersten Transfer der Fußball-Geschichte getätigt. Für Weltmeister Enzo Fernandez sollen die Blues nicht weniger als 121 Millionen Euro an Benfica Lissabon überweisen. 

Chelsea schickte Dokumente offenbar mehrmals falsch: Ziyech darf nicht zu PSG

Hakim Ziyech (29) hätte am Mittwochmorgen Spieler von Paris Saint-Germain sein sollen. Dass der Marokkaner immer noch im Chelsea-Kader steht, hängt offenbar mit einem Versäumnis der Blues in der Transfer-Abwicklung zusammen.

Deal geplatzt: Hakim Ziyech wollte in diesem Winter zu PSG wechseln.

Deal geplatzt: Hakim Ziyech wollte in diesem Winter zu PSG wechseln.

imago images

Es bestand eine Einigung zwischen den Vereinen, den Medizincheck hatte Hakim Ziyech bereits bestanden, auch Verträge waren unterschrieben. Doch der marokkanische WM-Fahrer darf sich – zumindest in diesem Winter – nicht ins Starensemble um Lionel Messi, Neymar und Kylian Mbappé bei Paris St. Germain einreihen.

Hintergrund: Nach übereinstimmenden französischen Medienberichten schickte Chelsea am Dienstagabend wiederholt “das gleiche falsche Dokument”, wie “L’Equipe” berichtet. Ziyech sollte erst auf Leihbasis ohne Kaufoption zu PSG wechseln. Doch die Verantwortlichen bei Chelsea wollten offenbar noch eine Option aufnehmen, durch die der amtierende französische Meister Ziyech im Anschluss an die Leihe fest verpflichten könnte. Der Transfer verzögerte sich – und scheiterte.

“Zirkus erster Güte”

Die Wechselfrist war abgelaufen, der französische Ligaverband LFP lehnte Ziyech als neuen PSG-Profi ab. Ein Umstand, den der Champions-League-Gegner des FC Bayern München nicht auf sich sitzen lassen wollte. Am Mittwochmorgen traf sich der Rechtsausschuss der LFP, um die Genehmigung von Ziyechs Leihe zu prüfen. Anschließend folgte die offizielle Absage an Paris und Ziyech. Der “zu späte Download der für diesen Transfer notwendigen Dokumente” macht einen Wechsel unmöglich.

Eine PSG-Quelle, die wegen ihrer Beziehungen zum Verein nicht namentlich genannt werden wollte, sprach bei “The Athletic” von einem “Zirkus erster Güte”, den Chelsea abgezogen habe. Auch am “Deadline Day” ging es beim Premier-League-Zehnten drunter und drüber, kurz vor Schluss kam noch Weltmeister Enzo Fernandez für 121 Millionen Euro.

Ziyech, der bei Chelsea noch bis 30. Juni 2025 unter Vertrag steht, kam in dieser Saison zehnmal in der Premier League zum Zug und bereitete einen Treffer vor. Dabei stand der Linksfuß nur viermal in der Startelf und wurde sechsmal nur eingewechselt. Durch die Transferflut bei den Blues im Winter haben sich die Einsatzchancen Ziyechs nicht gesteigert. 

In Paris hätte er in den wichtigen Spielen wohl auch maximal eine Jokerrolle eingenommen, aber in Liga und Pokal die Optionen von Trainer Christophe Galtier erhöht. Ziyech wäre der einzige Wintertransfer des Hauptstadtklubs gewesen – der nun auch offiziell geplatzt ist.

Wie geht das? Fragen und Antworten zu Chelseas Winter-Transferphase

Der FC Chelsea hat im Winter-Transferfenster ganz Fußball-Europa in den Schatten gestellt. Wie ist das möglich? Was haben die Blues vor? Wie reagiert die UEFA? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Joao Felix (li.) und Enzo Fernandez (re.) sind zwei von acht Neuzugängen, die Chelsea um Boss Todd Boehly im Winter verpflichtete.

Joao Felix (li.) und Enzo Fernandez (re.) sind zwei von acht Neuzugängen, die Chelsea um Boss Todd Boehly im Winter verpflichtete.

imago images (3)

Wen hat Chelsea im Januar alles verpflichtet?

Acht Neuzugänge vermeldete Chelsea im Winter-Transferfenster, der Königstransfer war der letzte: Weltmeister Enzo Fernandez kam am “Deadline Day” für 121 Millionen Euro von Benfica Lissabon. Zuvor hatten die Blues bereits Mykhaylo Mudryk (Donezk), Joao Felix (Atletico, Leihe), Benoit Badiashile (Monaco), Noni Madueke (Eindhoven), Andrey Santos (Vasco da Gama), David Datro Fofana (Molde) sowie Malo Gusto verpflichtet, wobei Letzterer direkt zurück an Lyon verliehen wurde.

Wie viel Geld gab Chelsea aus – auch im Vergleich zur Konkurrenz?

Fast 350 Millionen Euro investierten die Blues allein an Ablösesummen im Januar. Das ist nicht nur mehr, als Bundesliga, La Liga, Serie A und Ligue 1 zusammen ausgaben, sondern auch im Vergleich zur englischen Konkurrenz klarer Spitzenwert. Von den Winter-Ausgaben der Premier-League-Klubs – etwa 920 Millionen Euro – tätigte Chelsea mehr als ein Drittel. Schon im Sommer hatten die Londoner mit Ausgaben von rund 300 Millionen Euro einen neuen englischen Rekord aufgestellt.

Wie lauten die Financial-Fairplay-Regeln von Premier League und UEFA?

In der Premier League dürfen Klubs über einen Zeitraum von drei Jahren maximal ein Minus von umgerechnet 119 Millionen Euro ausweisen. Die UEFA-Regeln sind strenger: Bis vergangenen Sommer lag diese Grenze bei 30 Millionen Euro, seitdem bei 60 Millionen Euro, jeweils über drei Jahre. Außerdem wird der Anteil, den Ausgaben für Gehälter, Ablösesummen und Beraterhonorare am Umsatz haben dürfen, von 2023/24 bis 2025/26 schrittweise von 90 auf 70 Prozent gesenkt. Aktuell gibt es eine solche Kaderkostenregel noch nicht.

Wie kann Chelsea diese Financial-Fairplay-Regeln erfüllen?

Das ist die große Frage, die sich etwa auch Liverpool-Trainer Jürgen Klopp schon stellte. Chelsea macht sich offenbar verschiedene Bausteine zunutze, um das Minus im Geschäftsjahr in Grenzen zu halten. Zunächst einmal verzeichneten die Blues im Sommer und Winter auch Transfereinnahmen von rund 70 Millionen Euro (u.a. für Timo Werner), die den Vorteil haben, sofort in Gänze verbucht werden zu können. Ausgaben dagegen können über mehrere Jahre gestreckt werden – entscheidend dabei ist auch die Vertragslaufzeit.

Chelsea stattete seine Sommer- und Winterneuzugänge ausnahmslos mit extrem langen Verträgen aus. Mudryk und Fernandez, die beiden Teuersten, unterschrieben gar bis Sommer 2031. Das bietet den Blues die Möglichkeit, ihre Ablösesummen über diesen Zeitraum aufzusplitten. Statt also die 70 Millionen Euro, die Mudryk kostete, sofort als Minus verbuchen zu müssen, kann Chelsea in den nächsten Jahren jeweils rund neun Millionen Euro an Ausgaben angeben, auch wenn Mudryk dann schon nicht mehr da sein sollte.

Dazu kommt, dass Chelsea mutmaßlich bei einigen Transfers Ratenzahlungen vereinbart hat. Deswegen soll es den Londonern auch so wichtig gewesen sein, bei Fernandez nicht die 120 Millionen Euro schwere Ausstiegsklausel ziehen zu müssen; lieber legten sie noch eine Million drauf, um im Gegenzug ein Zahlungsmodell zu vereinbaren, das die sofortigen Ausgaben in Grenzen hält.

Und natürlich profitiert Chelsea wie alle Premier-League-Klubs von den nationalen und internationalen TV-Verträgen der Liga, die viele Ausgaben ausgleichen können und ihnen allein dadurch riesige Vorteile gegenüber der europäischen Konkurrenz verschaffen.

Ist das Vorgehen der Chelsea-Bosse nicht hochriskant?

Allerdings. Wenn es schlecht läuft und Chelsea etwa über Jahre die Champions League verpassen sollte, sind die Bücher dennoch über Jahre mit “alten” Ausgaben schwer belastet. Auch wenn sich einer der Neuzugänge als Flop erweisen sollte, sind Chelseas Optionen durch die langen Vertragslaufzeiten beschränkt. Der Spieler könnte auf seinen Verbleib pochen. Das Vorgehen erinnert ein wenig an die großen US-Profi-Ligen, in denen das Salary Cap gerne damit ausgetrickst wird, indem größere Teile der Gehälter auf spätere Vertragsjahre geschoben werden. Auch dabei gilt natürlich: Irgendwann holt es einen wieder ein.

Wie reagiert die UEFA auf Chelseas Transferpolitik?

Das bleibt noch abzuwarten. Es sickerte aber bereits durch, dass der Verband die Möglichkeit, Transferausgaben über lange Vertragslaufzeiten zu strecken, einschränken will. Demnach soll das ab der kommenden Saison nur noch über fünf Jahre erlaubt sein – unabhängig davon, wie lange ein Vertrag läuft. Rückwirkend würde das allerdings keine Folgen mehr für Chelsea haben.

Warum hat Chelsea überhaupt so viele Spieler geholt?

Die Blues befinden sich seit dem Ende der Abramovich-Ära in einem großen Umbruch. Die neuen Eigner um Klubboss Todd Boehly verfolgen eine neue, langfristige Strategie, die auf vornehmlich junge und innovative Mitarbeiter auf dem Platz und daneben setzt. Geld ist dabei genug vorhanden. Allein Boehlys Vermögen wird auf rund fünf Milliarden Euro geschätzt. Die horrenden Winter-Investitionen haben auch damit zu tun, dass Chelsea in der Hinrunde von einer massiven Verletzungswelle verfolgt wurde.

Was bedeuten die vielen Neuzugängen für Trainer Graham Potter?

Der Nachfolger von Thomas Tuchel ist nicht zu beneiden. Nachdem am “Deadline Day” nur Jorginho (Arsenal) noch abgegeben wurde, während die Wechsel von Conor Gallagher (u.a. Everton) und Hakim Ziyech (PSG) platzten, hat er nun zwar einen hochwertigen, aber auch extrem aufgeblähten Kader zu moderieren. Weil Chelsea bereits aus beiden nationalen Pokalwettbewerben ausgeschieden ist, bleiben nur Premier und Champions League, um den Spielern Spielpraxis zu geben.

Welche Folgen hat Chelseas Einkaufstour für den BVB?

Borussia Dortmund empfängt die Blues am 15. Februar zum Hinspiel im Champions-League-Achtelfinale und bekommt es nun mit einem noch stärkeren Gegner zu tun, als man es bei der Auslosung im Herbst erwarten konnte. Immerhin: Die UEFA verbietet den Europapokal-Teilnehmern die Registrierung von mehr als drei Neuzugängen. Das kommt dem BVB zugute. Für Potter ist es eine weitere heikle Aufgabe – schließlich muss er nicht nur einige Neue außen vor lassen, sondern für neu angemeldete Spieler auch andere streichen.

Auf welchem Platz steht Chelsea eigentlich in der Premier League?

Auf dem zehnten. Die Champions-League-Ränge sind bereits zehn Punkte entfernt. Gut möglich also, dass Chelseas teurer Kader in der neuen Saison europäisch kleinere Brötchen backen muss – oder sogar gar keine.

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Jörn Petersen

Chelsea schickte Dokumente offenbar mehrmals falsch: Kriegt PSG Ziyech noch?

Hakim Ziyech (29) hätte am Mittwochmorgen Spieler von Paris Saint-Germain sein sollen. Dass der Marokkaner immer noch im Chelsea-Kader steht, hängt offenbar mit einem Versäumnis der Blues in der Transfer-Abwicklung zusammen.

Kriegt er noch seinen Willen? Hakim Ziyech wollte in diesem Winter zu PSG wechseln.

Kriegt er noch seinen Willen? Hakim Ziyech wollte in diesem Winter zu PSG wechseln.

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Es bestand eine Einigung zwischen den Vereinen, den Medizincheck hatte Hakim Ziyech bereits bestanden, auch Verträge waren unterschrieben. Doch Stand Mittwochmorgen darf sich der marokkanische WM-Fahrer nicht ins Starensemble um Lionel Messi, Neymar und Kylian Mbappé bei Paris St. Germain einreihen.

Hintergrund: Nach übereinstimmenden französischen Medienberichten schickte Chelsea am Dienstagabend wiederholt “das gleiche falsche Dokument”, wie “L’Equipe” berichtet. Ziyech sollte erst auf Leihbasis ohne Kaufoption zu PSG wechseln. Doch die Verantwortlichen bei Chelsea wollten offenbar noch eine Option aufnehmen, durch die der amtierende französische Meister Ziyech im Anschluss an die Leihe fest verpflichten könnte. Der Transfer verzögerte sich – und scheiterte.

“Zirkus erster Güte”

Die Wechselfrist war abgelaufen, der französische Ligaverband LFP lehnte Ziyech als neuen PSG-Profi ab. Ein Umstand, den der Champions-League-Gegner des FC Bayern München nicht auf sich sitzen lassen wollte. Am Mittwochmorgen traf sich der Rechtsausschuss der LFP, um die Genehmigung von Ziyechs Leihe zu prüfen.

Eine PSG-Quelle, die wegen ihrer Beziehungen zum Verein nicht namentlich genannt werden wollte, sprach bei “The Athletic” von einem “Zirkus erster Güte”, den Chelsea abgezogen habe. Auch am “Deadline Day” ging es beim Premier-League-Zehnten drunter und drüber, kurz vor Schluss kam noch Weltmeister Enzo Fernandez für 121 Millionen Euro.

Ziyech, der bei Chelsea noch bis 30. Juni 2025 unter Vertrag steht, kam in dieser Saison zehnmal in der Premier League zum Zug und bereitete einen Treffer vor. Dabei stand der Linksfuß nur viermal in der Startelf und wurde sechsmal nur eingewechselt. Durch die Transferflut bei den Blues im Winter haben sich die Einsatzchancen Ziyechs nicht gesteigert. 

In Paris hätte er in den wichtigen Spielen wohl auch maximal eine Jokerrolle, würde aber in Liga und Pokal die Optionen von Trainer Christophe Galtier erhöhen. Ziyech wäre zudem der einzige Wintertransfer des Hauptstadtklubs – wenn er denn noch kommen darf.

Chelseas “wilde” Transferflut: Eine Regel hilft dem BVB

Auch Sebastian Kehl findet Chelseas Transferpolitik “sehr wild”. Auf Borussia Dortmund wartet im Champions-League-Achtelfinale dennoch kein völlig neuer Gegner. Eine UEFA-Regel hilft dabei.

Mykhaylo Mudryk, Enzo Fernandez und Joao Felix (v.li.) sind drei von acht Chelsea-Neuzugängen. Rechts BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl.

Mykhaylo Mudryk, Enzo Fernandez und Joao Felix (v.li.) sind drei von acht Chelsea-Neuzugängen. Rechts BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl.

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Mit Ausgaben von mehr als 900 Millionen Euro – davon über 300 Millionen Euro allein am “Deadline Day” – haben die Premier-League-Klubs den alten Rekord für eine Winter-Transferphase pulverisiert. Noch wahnwitziger liest sich aber eine andere Zahl: Der FC Chelsea, der schon im Sommer rund 300 Millionen Euro investiert hatte, steckte im Januar fast 350 Millionen Euro in Neuzugänge – und gab damit mehr aus als Bundesliga, La Liga, Serie A und Ligue 1 zusammen.

“Die fahren ihr eigenes Rennen”, sagte Borussia Dortmunds Sportdirektor Sebastian Kehl am Dienstag bei “Sky”, und da hatte Chelsea den größten Transfer des Tages noch gar nicht getätigt. Als achter und letzter Neuer kam für die britische Rekordsumme von 121 Millionen Euro noch Weltmeister Enzo Fernandez von Benfica Lissabon.

Kehl: “Geld spielt dort keine Rolle”

“Natürlich habe ich verfolgt, was Chelsea in den letzten Wochen und Monaten angestellt hat”, sagte Kehl und drückte seine Verwunderung über die Politik des Dortmunder Gegners im Champions-League-Achtelfinale aus. “Sehr wild” nannte er sie, “das muss man einfach sagen. Geld spielt dort keine Rolle.”

Beim BVB gilt das wie bei der großen Mehrheit der europäischen Klubs nicht. “Wir müssen unser Geld hier auf eine andere Art und Weise verdienen. Daher sind wir auch nicht in der Lage, solche Transfers umzusetzen”, sagte Kehl. Die Akquise werde für alle anderen nicht leichter. “Wir müssen gegebenenfalls noch schneller sein, das macht es herausfordernd, aber wir schaffen es trotzdem.”

Nur drei Neuzugänge darf Chelsea in der Champions League einsetzen

Auf einen völlig veränderten Gegner wird die Borussia am 15. Februar (21 Uhr, LIVE! bei kicker) trotzdem nicht treffen, wenn Chelsea zum Hinspiel nach Dortmund kommt. Denn: Die UEFA verbietet es Europapokal-Teilnehmern, mehr als drei Winterneuzugänge zu registrieren. Ob diese in der Gruppenphase schon für einen anderen Klub aus dem Wettbewerb aufgelaufen sind, spielt dabei seit Jahren keine Rolle mehr.

Chelsea kann in der restlichen Champions-League-Saison also nur mit maximal drei Winterneuzugängen planen. Aus der Gruppe um Fernandez, Mykhaylo Mudryk (kam aus Donezk), Joao Felix (Atletico), Benoit Badiashile (Monaco), Noni Madueke (Eindhoven), Andrey Santos (Vasco da Gama) und David Datro Fofana (Molde) darf Trainer Graham Potter ein Quartett bis zum Saisonende nur in der Premier League einsetzen. Malo Gusto, der achte Winterneuzugang, wurde ohnehin bis zum Sommer an Lyon zurückverliehen.

Bis Donnerstagabend muss Chelsea der UEFA die Änderungen am Kader mitgeteilt haben. Klar ist, dass Chelsea für die drei neu registrierten Spieler dann auch andere streichen muss, wobei die Blues im Sommer einen Platz im Aufgebot, das maximal 25 Spieler umfassen darf, freigelassen haben. Dass die Blues am “Deadline Day” abgesehen von Jorginho (Arsenal) keinen Spieler mehr loswurden, beschert ihnen einen aufgeblähten und potenziell unzufriedenen Kader. Auch das könnte eine kleine Chance für den BVB sein.

Für 121 Millionen Euro: Chelsea holt Weltmeister Fernandez

Der FC Chelsea hat seine denkwürdige Winter-Transferphase mit dem erhofften Kracher beendet: Weltmeister Enzo Fernandez kommt für eine Rekordsumme von Benfica.

Schneller Abschied von Benfica: Enzo Fernandez.

Schneller Abschied von Benfica: Enzo Fernandez.

AFP via Getty Images

Zahlreiche Spieler haben die WM-Bühne genutzt, um im Winter-Transferfenster andere Klubs auf sich aufmerksam zu machen. Doch für keinen hatte das Turnier in Katar spektakulärere Folgen als für Enzo Fernandez.

Als Weltmeister kehrte der erst 22-jährige Argentinier zu Benfica Lissabon zurück – um nun für 121 Millionen Euro zum FC Chelsea zu wechseln. Die prinzipielle Einigung beider Vereine gaben die Portugiesen in der Nacht auf Mittwoch raus. Am Ende zahlte Chelsea sogar etwas mehr als die Ausstiegsklausel in Höhe von 120 Millionen Euro, weil Benfica dem Vernehmen nach im Gegenzug davon abrückte, die Summe auf einen Schlag zu fordern. Die Ablösesumme stellt zugleich einen neuen britischen Rekord auf. Der Mittelfeldmann unterschrieb einen Vertrag bis 30. Juni 2031. 

Es ist der letzte und spektakulärste Coup der Blues, die mit ihren Transferaktivitäten im Januar ganz Fußball-Europa in den Schatten gestellt haben: Sie gaben insgesamt fast 350 Millionen Euro allein für Ablösesummen aus.

Doch auch für Benfica ist es ein erstaunlicher Deal. Erst vor sieben Monaten hatte der Tabellenführer der ersten portugiesischen Liga Fernandez für 14 Millionen Euro von River Plate, das im Übrigen 25 Prozent der Transfersumme bekommen wird, verpflichtet und streicht nun einen enormen Gewinn ein, auch wenn der anhaltendende Poker in den vergangenen Wochen auch zu Misstönen geführt hatte. Trainer Roger Schmidt bezeichnete das Verhalten der Blues zwischenzeitlich als “respektlos”.

Jorginho bringt Chelsea notwendige Einnahmen

Bei Chelsea wird Fernandez nicht mehr auf Jorginho treffen, der wie er im defensiven Mittelfeld heimisch ist. Der 31 Jahre alte Italiener wechselte am “Deadline Day” ein halbes Jahr vor Ablauf seines Vertrags für kolportierte 13,6 Millionen Euro zu Premier-League-Spitzenreiter Arsenal und verschaffte den Londonern damit auch dringend benötigte Transfereinnahmen. Bei den Gunners unterschrieb der italienische Europameister einen Vertrag bis Juni 2024.

Fernandez und all die anderen kostspieligen Neuzugänge sollen Chelsea dabei helfen, doch noch irgendwie die Qualifikation für die Champions League zu schaffen. Derzeit liegt Borussia Dortmunds Gegner im Achtelfinale der Königsklasse satte sechs Plätze und zehn Punkte hinter dem Tabellenvierten Manchester United – hat nach diesem Januar aber einen völlig neuen Kader.

Fünf mögliche Chelsea-Transfers am “Deadline Day”

Über 200 Millionen Euro hat der FC Chelsea in diesem Januar schon für Neuzugänge ausgegeben. Der größte folgt womöglich heute noch – und könnte Folgen haben.

Chelsea-Themen am “Deadline Day”: Enzo Fernandez, Conor Gallagher und Moises Caicedo (v.li.).

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Man kann es sich noch nicht richtig vorstellen, aber heute Nacht muss auch der FC Chelsea seine Transferaktivitäten beenden. Die finalen Stunden könnten es aber noch einmal in sich haben für die Blues, die im Januar bereits sieben Neuzugänge für insgesamt über 200 Millionen Euro Ablöse verpflichtet haben. Fünf Namen stehen am “Deadline Day” im Fokus.

Enzo Fernandez (22): Der seit Wochen umworbene Weltmeister könnte im letzten Moment doch noch bei Chelsea landen. Hatten die Londoner zunächst noch vergeblich versucht, den Mittelfeldspieler für weniger als die 120 Millionen Euro schwere Ausstiegsklausel von Benfica loszueisen, sollen sie jetzt sogar bereit sein, diese zu überbieten. Der Grund: Benfica pocht auf eine Sofortzahlung, Chelsea ist auf Raten angewiesen. Eine höhere, dafür gestreckte Summe könnte die Lösung sein – und den britischen Transferrekord brechen, den Jack Grealish im Sommer 2021 aufstellte (für 118 Millionen Euro von Villa zu ManCity). Die Portugiesen, deren Trainer Roger Schmidt Chelsea im Poker Respektlosigkeit vorgeworfen hatte, sollen sich bereits um Alternativen für Fernandez bemühen.

Bringt Gallagher Chelsea 50 Millionen Euro?

Conor Gallagher (22): Um die horrenden Winter-Ausgaben auch nur annähernd gegenfinanzieren zu können, ist Chelsea auch noch auf Last-Minute-Abgänge angewiesen. Die meisten Einnahmen könnte den Blues Mittelfeldspieler Gallagher bescheren, der erst im Sommer nach einer einjährigen Leihe zu Crystal Palace zu seinem Ausbildungsklub zurückgekehrt war. Palace soll nun wie Newcastle und Everton zum großen Kreis der Interessenten gehören, wobei Everton sich Medienberichten zufolge mit einem 50-Millionen-Euro-Angebot bereits aus der Deckung gewagt hat. Gallagher, viermaliger englischer Nationalspieler, soll aber nicht zu den abstiegsbedrohten Toffees wechseln wollen, die am Montag Defensivspezialist Sean Dyche als neuen Trainer verpflichteten.

Hakim Ziyech (29): Der marokkanische WM-Fahrer könnte Chelsea zumindest auf der Gehaltsliste entlasten. Wie zuerst “L’Equipe” berichtet, steht Paris St. Germain vor einer halbjährigen Leihe des Flügelstürmers, der bei Chelsea in dieser Saison nur sporadisch zum Einsatz kam.

Caicedo, Jorginho und Arsenals Rolle

Moises Caicedo (21): Es ist der wohl unrealistischste Transfer in dieser Fünfer-Liste; aber allein, dass er dem “Guardian” zufolge möglich erscheint, zeigt, dass Chelsea in diesem Januar wirklich alles zuzutrauen ist. Caicedo, ein zentraler Mittelfeldspieler von Brighton, wird eigentlich von Arsenal schwer umworben. Wollen die Blues dem Premier-League-Spitzenreiter wie unlängst bei Mykhaylo Mudryk im letzten Moment in die Quere kommen? Dass Brighton, das angeblich ein 75-Millionen-Euro-Rekordangebot für den Ecuadorianer abgelehnt hat, doch noch von seinem Veto abrückt, erscheint aber zunehmend unwahrscheinlich.

Jorginho (31): Auch der erfahrene Europameister könnte Chelsea noch verlassen – zumal Fernandez ein weiterer defensiver Mittelfeldspieler im Kader wäre. Unter anderem Arsenal soll Jorginho als Alternative auf dem Zettel haben, sollte Brighton Caicedo nicht ziehen lassen. Unter Trainer Potter war Jorginho zuletzt gesetzt.