Assist inklusive: Gressel debütiert für die USA

Julian Gressel hat sein erstes Länderspiel für die USA gemacht. Einen Sieg gab es beim 1:2 gegen Serbien zwar nicht, aber einen persönlichen Erfolg. 

Erstmals für die USA am Ball: Julian Gressel (Nummer 2).

Erstmals für die USA am Ball: Julian Gressel (Nummer 2).

IMAGO/ZUMA Wire

Der gebürtige Deutsche Julian Gressel kam in der Nacht auf den Donnerstag erstmals für die USA zum Einsatz. Der 29-Jährige hat seit vergangenem November die amerikanische Staatsbürgerschaft und stand beim Testspiel gegen die Serben direkt in der Startelf. 

Einen Sieg durfte Gressel zwar nicht bejubeln, aber er kam zu einem persönlichen Erfolg, denn der Rechtsverteidiger bereitete die Führung durch Brandon Vazquez vor (29.). Anschließend drehten dann die Serben durch Tore von Luka Ilic (43.) und Veljko Simic (46.) die Partie. 

Gressel stammt aus dem fränkischen Neustadt an der Aisch und wechselte 2013 in die USA, wo er zunächst College-Fußball spielte. Seit 2017 spielt er in der Major League Soccer, aktuell für die Vancouver Whitecaps. 2018 heiratete er eine US-Amerikanerin. 

Der WM-Achtelfinalist von Katar testet mit Hinblick auf die Heim-WM 2026 im traditionellen Wintercamp neue Spieler. Am 29. Januar findet noch ein Länderspiel gegen Kolumbien statt. Nationalspieler, die in Europa unter Vertrag stehen, wurden nicht nominiert, da es keine offizielle FIFA-Abstellungsperiode gibt.

Milosavljev bärenstark: Serbien entzaubert die Niederländer

Zum Abschluss der Hauptrunde bei der Handball-WM trafen in der “deutschen” Gruppe Serbien und Niederlande aufeinander. Dabei kassierte der deutsche Nachbar seine zweite Niederlage in Folge.

Die Niederländer erwischten einen guten Start und setzten sich über 2:0 (2.) auf 6:3 (8.) ab. Der Vorsprung hätte durchaus noch höher ausfallen können, wenn bei den Serben nicht Dejan Milosavljev von Anfang an seine Klasse unter Beweis gestellt hatte. Der Keeper der Füchse Berlin parierte in den ersten 30 Minuten mehrere Großchancen, darunter zwei Siebenmeter.

So war der Rückstand der Serben nie größer als vier Tore, wobei beispielsweise der niederländische Kreisläufer Samir Benghanem durchaus die Chance gehabt hätte, auf 8:5 zu stellen. Doch Milosavljev fischte seinen Heber aus der Luft und mit zwei schnellen Treffern kämpften sich die Serben wieder heran (5:7, 12.).

Nach 19 Minuten gab es jedoch einen personellen Rückschlag: Mijajlo Marsenic und Milos Orbovic versuchten, Luc Steins bei einem schnellen Gegenangriff zu stoppen; der Niederländer ging zu Boden. Die tschechischen Schiedsrichter Horacek/Novotny griffen auf den Videobeweis zurück und entschieden sich nach Ansicht der Bilder für eine Disqualifikation von Marsenic. Serbien-Coach Antonio Gerona schlug fassungslos die Hände über dem Kopf zusammen.

Neuformierter Mittelblock bei den Serben

Mit einem neuformierten Mittelblock auf Ilija Abutovic und Dragan Pechmalbec hielt Serbien das Spiel offen – und kam kurz vor der Pause sogar zum Ausgleich: Petar Dor?ic erzielte das 15:15 (29.). Die Niederlande konterten mit ihrem Tempospiel und warfen sich so einen 17:15-Halbzeitvorsprung heraus. Das schnelle Spiel der Niederländer war durchaus beeindruckend; mit zunehmender Spieldauer hatten sich die Serben allerdings besser darauf eingestellt.

Mit Wiederanpfiff nahm das Spiel noch einmal neuen Drive auf, denn Serbien stellte mit zwei schnellen Treffern den Ausgleich her (17:17, 33.). Nun ging es munter hin und her. Erst legte Stefan Dodic für Serbien vor (18:19, 35.), dann traf Rutger ten Velde zum 20:19 (39.). Die folgenden zehn Minuten lagen mal die Serben und mal die Niederländer vorne. Als Staffan Olsson seine erste Auszeit zog, lag sein Team gerade wieder hinten (27:28, 50.).

Überragender Mann bei den Serben – neben Milosavljev – war Marko Milosavljevic. Er erzielte im zweiten Durchgang acht Treffer und hatte damit großen Anteil an der Führung. Doch auch der Keeper zeichnete sich aus: Beim stand von 31:29 (57.) aus serbischer Sicht parierte er einen Strafwurf.

Nachdem Jasper Adams noch eine Zeitstrafe kassiert hatte, lagen alle Trümpfe bei den Serben. Diese konnten den Matchball nicht verwandeln; allerdings verloren die Niederlande im Gegenzug ebenfalls den Ball. So liefen die Sekunden für Serbien von der Uhr, die schließlich durch Pechmalbech für die endgültige Entscheidung sorgten.

Serbien – Niederlande 32:30 (15:17)

Serbien: Cupara, Milosavljev – Milosavljevic 9, Pechmalbec 6, N. Ilic 4/3, Orbovic 3, Radivojevic 2, Vorkapic 2, Borzas 1, Dodic 1, Dordic 1, V. Ilic 1/1, Kukic 1, Marsenic 1, Abutovic, Popovic
Niederlande: Ravensbergen 1, A. Versteijnen – Baijens 7, Smits 6/2, Schagen 3, Stavast 3, L. Steins 3, Ten Velde 3/1, Benghanem 1, Boomhouwer 1, Schoenaker 1, Sluijters 1, Adams, Jansen, Kooijman, Versteijnen
Schiedsrichter: Vaclav Horacek (Tschechien)/Jiri Novotny (Tschechien)
Zuschauer: 3100
Strafminuten: 10 / 18
Disqualifikation: Marsenic (19.) / Benghanem (51./3. Zeitstrafe)

Serbien beweist längeren Atem und erhält sich die Minimalchance

Serbien hat seinen ersten Sieg in der Hauptrunde der Handball-WM gefeiert und so zumindest die theoretische Chance auf einen Einzug ins Viertelfinale gewahrt.

Erleichterung: Serbien gewann erstmals in der Hauptrunde gegen Argentinien.

Erleichterung: Serbien gewann erstmals in der Hauptrunde gegen Argentinien.

imago images

Gegen Argentinien gewann das Team von Trainer Toni Gerona mit 28:22 (12:10). Bester Werfer war wieder einmal Rechtsaußen Bogdan Radivojevic (6), für Argentinien traf Francisco Lombardi starke neunmal. Zum Abschluss der Hauptrunde trifft Serbien am Montag (18 Uhr) auf die Niederlande, Argentinien peilt bereits ab 15.30 Uhr seinen ersten Hauptrundensieg gegen Katar an.

Nach einem ausgeglichenen Start (3:3, 8.) schien das Spiel aus Sicht der Serben nach Plan zu verlaufen: Vukasin Vorkapic netzte zum 5:3 (11.) ein, Radivojevic stellte kurz darauf auf 7:5 (17.). Eine Zeitstrafe gegen Mijajlo Marsenic stellte jedoch einen Wendepunkt dar: Beim 9:8 lag Argentinien auf einmal in Front, Diego Simonet krönte mit seinem Treffer den 4:1-Lauf (23.).

Es wurde hitziger – und eskalierte kurz vor der Pause: Uros Borzas wurde im Durchbruch auf Pablo Simonet geschoben und landete unsanft. Marsenic mischte sich ein, sodass es zu einer Rudelbildung kam. Die algerischen Schiedsrichter Belkhiri/Hamidi zogen den Videobeweis zu Rate und stellten neben Marsenic auch die Simonet-Brüder für zwei Minuten vom Platz.

Die Unterzahl mussten die Argentinier teuer bezahlen: Serbien gelang in der verbleibenden Zeit vor der Pause zunächst der Ausgleich zum 10:10 (28.), anschließend eroberten sie mit zwei schnellen Treffern noch eine 12:10-Pausenführung.

Theoretisches Konstrukt mit zwei deutschen Niederlagen

Nach Wiederanpfiff baute Serbien seinen Vorsprung aus und setzte sich über 15:10 (33.) auf 19:13 (42.) ab. Die Argentinier mühten sich zwar, fanden aber keine Lösungen gegen die kompakte serbische Abwehr. So hatte die Differenz Bestand, am Ende siegte Serbien verdient mit 28:22 und wahrte damit die theoretische Chance.

Nun muss Serbien darauf hoffen, dass Deutschland gegen die Niederlande und Norwegen verliert und zudem selbst die Niederlande schlagen. In diesem Fall käme es nämlich hinter dem Gruppenersten Norwegen zu einem Dreiervergleich zwischen Deutschland, den Niederlanden und Serbien mit jeweils 6:4 Punkten. Da Serbien gegen Deutschland nur mit einem Tor verloren hat, müsste es nur höher gegen die Niederlande gewinnen als die Niederlande gegen Deutschland und wäre damit weiter.

Serbien – Argentinien 28:22 (12:10)

Serbien: Cupara, Milosavljev – Radivojevic 6/5, Orbovic 4, V. Ilic 3, Milosavljevic 3, Borzas 2, N. Ilic 2, Kukic 2, Pechmalbec 2, Vorkapic 2, Dodic 1, Marsenic 1, Abutovic, Dordic, Popovic
Argentinien: Bar 1, Maciel – Lombardi 9/2, Martínez 5/2, D. Simonet 4, Martinez Cami 1, Moscariello 1, Parker 1, Barcelo Garcia, Bonanno, Cangiani, Casanova, Castro, F. Pizarro, P. Simonet, Vainstein
Schiedsrichter: Youcef Belkhiri (Algerien)/Sid Ali Hamidi (Algerien)
Zuschauer: 2550
Strafminuten: 10 / 10
Disqualifikation: – / –

Steigerung nach der Pause: Norwegen wendet Überraschung ab

Zum Auftakt der Hauptrunde bei der Handball-WM 2023 bahnte sich die erste Überraschung in der “deutschen” Gruppe an: Favorit Norwegen lag zur Pause gegen Serbien hinten, steigerte sich dann aber und gewann 31:28.

Zog mit Norwegen noch den Kopf aus der Schlinge: Sander Sagosen.

Zog mit Norwegen noch den Kopf aus der Schlinge: Sander Sagosen.

IMAGO/NTB

Serbien brauchte gegen Norwegen unbedingt einen Sieg, um sich seine Chance auf das Viertelfinale zu erhalten. Entsprechend motiviert legte das Team von Antonio Gerona los und setzte sich nicht zuletzt dank starker Paraden von Dejan Milosavljev über 2:0 (4.) auf 9:6 (15.) ab.

Die Norweger taten sich sowohl offensiv als auch defensiv extrem schwer, kamen nicht in ihr Spiel und liefen dem Rückstand hinterher. Nach einer überragenden Parade von Milosavljev, der einen Gegenstoß abwehrte, stellte Bogdan Radivojevic auf 12:9 (20.).

Mit ihrem guten Rückzug nahmen die Serben den Norwegern ihr Tempospiel. Kurz vor der Pause hatte das Gerona-Team sogar die Chance, auf fünf Tore wegzuziehen, doch ein Fehlpass spielte Norwegn in die Hände. Magnus Röd tankte sich zum 13:16 (28.) durch.

Schock für Serbien kurz vor der Pause

Kurz vor der Pause gab es einen erneuten Schock für Serbien: Vier Tage nach der Verletzung von Predag Vejin humpelte auch der für ihn nachnominierte Jovica Nikolic auf zwei Mitspieler gestützt vom Feld. Ein Buzzer-Beater von Milos Orbovic bedeutet kurz darauf den 17:14-Halbzeitstand.

Der zweite Durchgang gehörte Norwegen. Die Skandinavier kamen mit frischem Schwung aus der Kabine und glichen nach gut zehn Minuten zum ersten Mal seit der Anfangsphase wieder aus. Nach einem Steal von Magnus Gullerud kam der Ball zu Sander Sagosen. Serbien wollte den Angriff-Abwehr-Wechsel der Norweger für einen eigenen Tausch nutzen, doch Sagosen sah die dadurch entstehende Lücke und brach zum 22:22 (43.) durch.

Gerona reagierte mit einer Auszeit und brachte wenig später kurzzeitig Vladimir Cupara für Milosavljev (47.). Norwegen war jedoch nicht mehr zu stoppen. Alexandre Blonz legte mit drei Toren innerhalb kürzester Zeit den Grundstein für den Sieg (26:24, 48.). Die Norwegen behaupteten den Vorsprung souverän und feierten einen 31:28-Sieg.

Norwegen – Serbien 31:28 (14:17)

Norwegen: Bergerud, Säveras – Barthold 5/3, Sagosen 5, Blonz 4, Gullerud 4, Röd 3, Överby 3, Björnsen 2, Johannessen 2, O¦Sullivan 2, Reinkind 1, Aga Eck, Gulliksen, Thorsteinsen Toft, Överjordet
Serbien: Cupara, Milosavljev – Dordic 5, Orbovic 5, Radivojevic 5/2, N. Ilic 3/3, Kukic 2, Marsenic 2, Nikolic 2, Pechmalbec 2, Milosavljevic 1, Vorkapic 1, Abutovic, Borzas, Dodic, V. Ilic Schiedsrichter: Arthur Brunner (Schweiz)/Morad Salah (Schweiz)
Zuschauer: 3500
Strafminuten: 6 / 8
Disqualifikation: – / –

Krimi in Kattowitz: Mertens und Birlehm hieven DHB-Team in die Hauptrunde

Die deutsche Nationalmannschaft hat bei der Handball-WM 2023 beste Chancen, mit der maximalen Ausbeute in die Hauptrunde einzuziehen. Am Sonntagabend gewann die DHB-Auswahl auch ihr zweites Vorrundenspiel mit 34:33 (19:17) gegen Serbien.

Garanten für den Sieg am Sonntagabend: Lukas Mertens (li.) und Joel Birlehm.

Garanten für den Sieg am Sonntagabend: Lukas Mertens (li.) und Joel Birlehm.

imago images (2)

Über die Bedeutung des Spiels gegen das zum Auftakt ebenfalls siegreiche Serbien war im Vorfeld ausreichend gesprochen worden. Es verwunderte daher nicht, dass der angeschlagene Keeper Andreas Wolff auf die Zähne biss und von Beginn an zwischen den Pfosten stand. Daneben begannen auch Lukas Mertens, Philipp Weber, Juri Knorr, Kai Häfner, Patrick Groetzki und Kapitän Johannes Golla.

Das DHB-Team, das nicht nur von kicker-Kolumnist Bob Hanning für seine Wechselhaftigkeit im ersten Spiel gegen Katar getadelt worden war, präsentierte sich im zweiten Vorrundenspiel in der ersten Viertelstunde hocheffizient. Weber, Groetzki, Häfner, Golla, Häfner, Mertens, Mertens, Häfner, Golla, Mertens: Die ersten zehn Würfe des Europameisters von 2016 fanden allesamt ihr Ziel. Beim 9:6 nach elf Minuten war die erste Drei-Tore-Führung hergestellt.

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Die serbische Abwehr bekam von seinen beiden Torhütern kaum Unterstützung. Das Team von Trainer Toni Gerona musste wie bereits zum WM-Start auf seinen besten, aber noch immer verletzten Keeper verzichten: Dejan Milosavljev bekam von den Füchsen Berlin nach seiner Bänderverletzung noch keine Freigabe.

Kukic bricht mehrmals durch

Mittelmann Lazar Kukic brach allerdings immer wieder durch, die Kombination aus Rückraum-Power und durchsetzungsfähigen Kreisläufern hielt Serbien im Spiel. Bundestrainer Alfred Gislason wirkte genervt, weswegen er nach 16 Minuten auf eine 3:2:1-Deckung mit Youngster Julian Köster auf der Spitze umstellte. Ohne großen Erfolg.

Ein vom agilen Christoph Steinert verwandelter Kempa (13:10, 18.) sowie ein Doppelschlag von Spielmacher Knorr (15:11, 22.) hielt die vielen deutschen Fans in Kattowitz bei Laune. Doch Serbien blieb der erwartet hartnäckige Gegner, zur Pause führte die DHB-Auswahl lediglich mit zwei Treffern (19:17). Daran konnte auch der Torwartwechsel auf Joel Birlehm, der den glücklosen Wolff nach 25 Minuten ersetzte, nichts ändern.

Knorr und Kohlbacher harmonieren – Birlehm ein Faktor

Mit der Parade von Birlehm und dem Tor von Golla in Unterzahl kam die DHB-Auswahl gut aus der Kabine, offenbarte in der Folge aber weiter Schwächen in der Deckung (20:19). Erst durch eine Überzahlsituation, in der Spielmacher Knorr und Kreisläufer Kohlbacher (beide bei den Rhein-Neckar Löwen unter Vertrag) toll harmonierten, beruhigte sich das Nervenkostüm der deutschen Fans.

Gislasons Schützlinge legten einen Zwischenspurt hin, beim 25:21 erzielte der überragend aufgelegte Mertens sein sechstes Tor im sechsten Versuch. Als Golla mit dem Rücken zum Tor die erste Fünf-Tore-Führung herstellte und gleichzeitig eine Zwei-Minuten-Strafe erzwang, kochte die Stimmung in Kattowitz. 

Doch dem, was Ilija Abutovic vor der Partie versprochen hatte, ließ Serbien Taten folgen: Der EM-Zweite von 2012 steckte nicht auf und war beim 27:29 in Überzahl wieder voll da (45.). Speziell Kukic war kaum einzufangen, machte beim 29:31 sein siebtes Tor im achten Versuch. Auf der Gegenseite übernahm Köster Verantwortung und erzielte drei Tore in Folge. Dazu kam Keeper Birlehm immer besser ins Spiel, parierte auch erstmals einen Siebenmeter. 

Weil Deutschland aber zu viele klare Chancen leichtfertig liegen ließ und unnötige Abspielfehler produzierte, wurde es eine echte Zitterpartie. Diese wurde letztlich auch mit der nötigen Portion Glück mit 34:33 gewonnen.

Das Hauptrunden-Ticket hat das DHB-Team damit in der Tasche. Gut möglich, dass es in die zweite Turnierphase 4:0 Punkte mitnimmt. Denn: Scheidet Deutschlands letzter Gruppengegner Algerien (Dienstag, 18 Uhr) aus, wäre dieses Ergebnis bedeutungslos.

Ein Sieg gegen Deutschland ist für Serbien fast Pflicht

Im zweiten Vorrundenspiel steht die DHB-Auswahl bereits vor einem richtungsweisenden. Mit Recht spricht Deutschlands Co-Trainer Erik Wudtke im Vorfeld von einer “knackigen Aufgabe”.

Kreisläufer und Abwehrchefs unter sich: Mijajlo Marsenic (li.) und Johannes Golla.

Kreisläufer und Abwehrchefs unter sich: Mijajlo Marsenic (li.) und Johannes Golla.

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Eine erste Kampfansage in Richtung Deutschland hatte Serbiens spanischer Trainer Toni Gerona bereits vor Turnierbeginn gesendet. Der EM-Zweite von 2012 könne am Leistungsmaximum durchaus mit Nationen wie dem Europameister von 2016 mithalten. Im ersten Gruppenspiel gab sich Serbien dann auch keine Blöße und wies Algerien nach anfänglichen Problemen klar in die Schranken (36:27). Anschließend richtete sich der Fokus direkt auf das DHB-Team, das viele serbische Spieler bestens kennen.

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Während kein einziger Profi aus dem 19-köpfigen WM-Kader von Serbien im Heimatland unter Vertrag steht, sind drei Bundesliga-Legionäre am Start: Kreisläufer Mijajlo Marsenic – gerade mit dem 100. Länderspiel -, Torhüter Dejan Milosavljev (beide Füchse Berlin) und Rückraumspieler Jovica Nikolic (HSG Wetzlar). Darüber hinaus kennen viele Serben die Bundesliga bestens, Rechtsaußen Bogdan Radivojevic (vier Jahre Flensburg, zwei Jahre Löwen) und Petar Djordjic (neun Jahre Bundesliga) sind prominente Beispiele. Ilja Abutovic, zwischen 2018 und 2022 bei den Rhein-Neckar Löwen, gab erst am Samstag ein Versprechen ab.

“Unser oberstes Ziel ist das Viertelfinale, damit wir uns auch einen Platz bei den Olympischen Spielen sichern können”, unterstrich Coach Gerona die hohen Ambitionen: “Vor zwei Jahren haben wir uns die Olympiateilnahme zum Ziel gesetzt und es ist der Traum von uns allen, dort dabei zu sein.” Um ein Ticket für die Runde der letzten Acht zu lösen, ist ein Sieg gegen Deutschland fast Pflicht.

Langer Weg ins Viertelfinale

Denn: Nur bei einem Erfolg gegen das DHB-Team und einem Triumph über Katar, was alles andere als ein Selbstläufer werden dürfte, nähme Serbien bei einem Ausscheiden Algeriens 4:0 Punkte mit in die Hauptrunde. In dieser warten drei Partien gegen Gegner aus Gruppe F, also Norwegen, Niederlande, Argentinien und Nordmazedonien. Nur die beiden besten Teams der Sechsergruppe ziehen ins Viertelfinale ein.

Eine beachtliche Ansage nach der großen Enttäuschung im Vorjahr: Serbien gelang bei der EM 2022 nur gegen die Ukraine ein Sieg (31:23). Nach der Vorrunde war bereits Schluss, Rang 14 stand in der Endabrechnung. Die letzten beiden Härtetests vor der WM machten aber Hoffnung: Gegen Co-Gastgeber Schweden gab es ein 30:28 und ein 34:35.

“Wenn man solche Ergebnisse gegen Europameister Schweden einfährt, ist das keine schlechte Leistung”, weiß auch Deutschlands Co-Trainer Wudtke: “Das wird eine knackige Aufgabe für uns. Serbien ist eine Mannschaft, die einen echten Brocken darstellt, viele Spieler sind in europäischen Wettbewerben unterwegs, viele Spieler haben Champions-League- und European-League-Erfahrung.” 

Rückraumtore eindämmen – aber Marsenic nicht vergessen


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Alle Infos zur Handball-WM bei handball.net

Wudtke sieht in Serbien eine “individuell wirklich sehr starke Mannschaft mit einer absolut abgezockten Spielweise und einer unglaublich breiten Bank mit vielen Wechselmöglichkeiten”. Vom Faktor Milosavljev im Tor haben die Füchse Berlin in der jüngeren Vergangenheit oft profitiert. Kreisläufer Marsenic organisiert die Abwehr, warf zum Auftakt allerdings auch neun Tore.

Der Berliner profitierte dabei von Anspielen aus dem Rückraum. Gerade diese Achse gilt es für die deutsche Mannschaft in den Griff zu kriegen. “Sie haben mit Lazar Kukic, Petar Djordjic und Jovica Nikolic eine Rückraumreihe aus wurf- und spielstarken Spielern”, warnt Wudtke. Treten Johannes Golla & Co. aus der Abwehr heraus, um leichte Rückraumtore zu verhindern, muss der Raum dahinter abgesichert werden, um Marsenic nicht seine Kreise ziehen zu lassen.

Für Deutschland spricht definitiv die bisherige Bilanz gegen Serbien. Elfmal traf die Nationalmannschaft auf den WM-Fünften von 2005 (bestes Abschneiden), gewann dabei achtmal, teilte zweimal die Punkte und verlor lediglich ein Testspiel vor elf Jahren mit 31:33. Eine bemerkenswerte Pflichtspielserie, die aus Sicht der DHB-Auswahl bestenfalls am Sonntagabend in Kattowitz ausgebaut wird.

Maximilian Schmidt

Vor wegweisendem Spiel gegen Deutschland: Abutovics Versprechen

Serbien ist mit einem durchaus überzeugenden Sieg gegen Algerien in die WM gestartet – nun aber steht das vielleicht richtungsweisende Duell gegen Deutschland an. Der Respekt vor dem DHB-Team ist groß, aber auch der Glaube an sich selbst.

Er weiß um die Stärke der deutschen Handballer: Ilija Abutovic.

Er weiß um die Stärke der deutschen Handballer: Ilija Abutovic.

IMAGO/PanoramiC

“Deutschland verfügt über Spieler mit großem Selbstvertrauen”, sagte Serbiens Nationaltrainer Toni Gerona am Samstag und verriet, dass er ein sehr schweres Spiel erwartet, “aber wir sind bereit”. Man habe sich das Auftaktspiel der Deutschen gegen Katar und auch die Testspiele gegen Island angesehen. In der Videoanalyse habe man dabei ein besonderes Augenmerk auf die Offensivaktionen der Deutschen gelegt.

Der Spanier weiß aber auch um die eigenen Schwächen, die gegen Algerien (36:27) auch zum Vorschein traten, gerade zu Beginn hatten die “Adler” ihre liebe Mühe. Doch später lief alles doch noch nach Plan, wie auch Gerona anmerkte. “Am wichtigsten ist, dass alle Spieler ausreichend gespielt haben und ihren Aufgaben auch gerecht wurden.”

Abutovic fordert höheres Niveau

Dennoch weiß man, dass die DHB-Auswahl im Vergleich zu Algerien ein ganz anderes Kaliber ist. “Wir kennen Deutschland gut”, sagt Rückraumspieler Ilija Abutovic, der von 2018 bis 2022 bei den Rhein-Neckar Löwen spielte, und betonte: “Wir müssen auf einem höheren Niveau als gestern spielen und auf ein gutes Resultat hoffen.” Der Abwehrspezialist versprach aber auch, dass “wir nicht aufgeben und 60 Minuten kämpfen werden – egal, wie sich das Spiel auch entwickelt.”

Ähnlich kämpferisch äußerte sich auch Petar Djordic, der gegen Algerien mit acht Toren hinter dem Berliner Mijajlo Marsenic (neun Treffer) zweiterfolgreichster Werfer der Serben war. “Wir sind eine echte Mannschaft, die bis zum Schluss kämpft”, erklärte der 32-Jährige und fasste zusammen, was die Adler seiner Meinung nach ausmacht: “Teamgeist, Kampf und der Glaube an uns selbst.”

Pechmalbec setzt mit Training aus

Wie auch bei der DHB-Auswahl, bei der man sich Sorgen um Torhüter Andreas Wolff macht, sind auch die Serben nicht frei von Personalsorgen. So verletzte sich Kreisläufer Dragan Pechmalbec gegen Algerien und setzte deshalb am Samstag mit dem Training aus, doch der gebürtige Franzose soll nach Angaben des serbischen Verbandes für das Deutschland-Spiel wieder bereit sein.