Golden Shoe: Haaland schon Zweiter, Nkunku Fünfter

Das erste Saisondrittel gehört traditionell den Torjägern der Ligen, die mit Kalenderjahr abschließen. Auch im November 2022 führt ein Goalgetter aus der norwegischen Liga. Doch ManCitys Haaland ist dem Spitzenreiter schon auf den Fersen.

Mister Nimmersatt: Erling Haaland liegt im Golden-Shoe-Ranking bereits auf Rang zwei.

Mister Nimmersatt: Erling Haaland liegt im Golden-Shoe-Ranking bereits auf Rang zwei.

IMAGO/Shutterstock

Die Nummer eins im ersten Golden-Shoe-Ranking im Dezember 2022 ist ein Norweger: Amahl Pellegrino hat für den amtierenden Meister FK Bodö/Glimt 25 Tore erzielt. Bei einem Quotienten von 1,5 ergibt dies eine Punktzahl von 37,5. Mehr werden auch nicht mehr hinzukommen, denn die norwegische Eliteserien hat ihren Spielbetrieb für die Saison 2022 bereits eingestellt.

Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis Pellegrino von der Spitze verdrängt wird – aller Voraussicht nach wird ihn ein Landsmann vom Platz an der Sonne verdrängen. Denn der niemals satte Erling Haaland hat für Manchester City in der Premier League bereits sagenhaft 18 Tore erzielt – ergibt für den Ex-Dortmunder bei einem Faktor von 2 eine Punktzahl von 36. Beim nächsten Treffer, der frühestens am zweiten Weihnachtsfeiertag am traditionellen Boxing Day fallen könnte, würde Haaland die Spitze des Rankings übernehmen.

Lewandowski hat zehn Zähler Rückstand auf Haaland – Nkunku ist Fünfter

Haaland ist nicht der einzige Torjäger aus den europäischen Topligen, die zu diesem frühen Zeitpunkt schon oben mitmischen. Denn gleichauf mit dem Usbeken Boban Abdikholikov vom belarussischen Verein FK Energetik-BGU Minsk (26 Tore, 26 Punkte) liegt Barcelonas Robert Lewandowski bereits auf Rang drei. Seine 13 Tore ergeben eine Punktzahl von 26, bereits zehn Zähler fehlen damit auf Haaland.

Auf den geteilten fünften Rang folgt dann auch der erste Bundesligaprofi: Leipzigs Christopher Nkunku erzielte bisher zwölf Tore, was eine Punktzahl von 24 ergibt. Der Franzose, der wegen einer Verletzung nicht an der Mission Titelverteidigung Frankreichs bei der WM 2022 in Katar teilnehmen kann, befindet sich in guter Gesellschaft. Denn auch sein Landsmann Kylian Mbappé (PSG) sowie der Engländer Harry Kane (Tottenham) weisen mit zwölf Toren 24 Zähler auf.

Messi und Cristiano Ronaldo fehlen noch

Nkunku ist der einzige Angreifer aus der Bundesliga, der in den Top Ten zu finden ist. WM-Teilnehmer Niclas Füllkrug (Werder Bremen) belegt wie Frankreichs Marcus Thuram (Gladbach) mit zehn Toren und zwanzig Punkten einen geteilten 19. Rang. Jamal Musiala (FC Bayern) und Vincenzo Grifo (9, 18) liegen auf einem geteilten 30. Rang.

Interessant: Im aktuellen Tableau fehlen noch die Namen von Lionel Messi (PSG) und Cristiano Ronaldo (vereinslos), die in den vergangenen 14 Jahren zusammen zehnmal die Trophäe als bester Torjäger Europas einheimsten: Der Portugiese viermal, der Argentinier sechsmal.

Golden Shoe 2022/23 (Stand: 02.12.2022)

Platz Spieler Verein Tore Faktor Punktzahl

1 Amahl Pellegrino FK Bodö/Glimt 25 1,5 37,5

2 Erling Haaland Manchester City 18 2 36

3 Bobur Abdikholikov FK Energetik-BGU Minsk 26 1 26

Robert Lewandowski FC Barcelona 13 2 26

5 Harry Kane Tottenham Hotspur 12 2 24

Kylian Mbappé Paris Saint-Germain 12 2 24

Christopher Nkunku RB Leipzig 12 2 24

Hugo Vetlesen FK Bodö/Glimt 16 1,5 24

Raimonds Krollis Valmiera FC 24 1 24

10 David Fofana FK Molde 15 1,5 22,5

Tobias Heintz Sarpsborg 08 15 1,5 22,5

Casper Tengstedt Rosenborg BK 15 1,5 22,5

13 Alexander Jeremejeff BK Häcken 22 1 22

Neymar Paris Saint-Germain 11 2 22

15 Zakaria Beglarishvili FCI Levadia Tallinn 21 1 21

Quincy Promes Spartak Moskau 14 1,5 21

Ole Christian Saeter Rosenborg BK 14 1,5 21

Vladimir Sychevoi FC Orenburg 14 1,5 21

19 Niclas Füllkrug Werder Bremen 10 2 20

Marcus Antonsson IFK Värnamo 20 1 20

Terem Moffi FC Lorient 10 2 20

Marcus Thuram Bor. Mönchengladbach 10 2 20

Ivan Toney Brentford FC 10 2 20

Sölvi Vatnhamar Víkingur Gota 20 1 20

Tammy Abraham AS Rom 17 2 34

26 Eric Kitolano Tromsö IL 13 1,5 19,5

Ebere Paul Onuachu KRC Genk 13 1,5 19,5

Enner Valencia Fenerbahce SK 13 1,5 19,5

29 Flamarion Dinamo Batumi 19 1 19

30 Jamal Musiala FC Bayern München 9 2 18

Vincenzo Grifo SC Freiburg 9 2 18

Alexandre Lacazette Olympique Lyon 9 2 18

Aleksandar Mitrovic Fulham FC 9 2 18

Victor Osimhen SSC Napoli 9 2 18

Jonathan David Lille OSC 9 2 18

Rodrigo Leeds United 9 2 18

Runar Espejord FC Bodö/Glimt 12 1,5 18

Pedro Miguel Eugénio FK Astana 18 1 18

Aidan Keena Sligo Rovers 18 1 18

Pall Klettskard KI Klaksvík 18 1 18

Malcom Zenit St. Petersburg 12 1,5 18

Mohamed Ofkir Sandefjord Fotball 12 1,5 18

Markus Pink Austria Klagenfurt 12 1,5 18

44 Joannes Bjartalid KI Klaksvík 17 1 17

Renan Oliveira Zalgiris Vilnius 17 1 17

Nökkvi Thorisson KA Akureyri 17 1 17

Bierhoff erklärt die Flick-Entscheidung gegen Füllkrug und für Rechtsverteidiger Kimmich

Deutschland braucht gegen Costa Rica einen Sieg, im schlimmsten Fall sogar einen sehr deutlichen. Dennoch hat Bundestrainer Hansi Flick auf Senkrechtstarter Niclas Füllkrug vorerst verzichtet. DFB-Direktor Oliver Bierhoff erklärt, wieso.

Sitzt vorerst wieder auf der Bank: Niclas Füllkrug.

Sitzt vorerst wieder auf der Bank: Niclas Füllkrug.

IMAGO/Ulmer/Teamfoto

Obwohl Niclas Füllkrug sowohl beim finalen WM-Test gegen den Oman (1:0) und bei seiner Einwechslung beim 1:1 gegen Spanien getroffen und ihn viele Fans sicherlich gern in der Startelf beim entscheidenden Gruppenspiel gegen Costa Rica gesehen hätten, hat sich Bundestrainer Hansi Flick gegen den Werder-Profi entschieden. Der 29-Jährige steht erneut als Joker parat.

Dafür spielt Thomas Müllerweiterhin  im Angriffszentrum der deutschen Auswahl. Warum? Das hat Oliver Bierhoff kurz nach Bekanntwerden der Aufstellung im Gespräch mit der ARD erklärt: “Für die Trainer war es schon eine schwere Entscheidung, weil Niclas einen tollen Einstand hatte. Thomas Müller ist aber ein unglaublich erfahrener Spieler, der die Mannschaft führt.” Deswegen sei der Routinier eben die erste Wahl gewesen – das hat auch Flick selbst klargemacht: “Die Entscheidung war lange offen, doch Thomas ist jemand, der die Mannschaft immer pusht und extrem wichtig für die Mannschaft ist.”

Was ebenfalls geändert worden ist: Bayern-Profi Joshua Kimmich bekleidet die Rechtsverteidigerposition und schafft damit im aufbauenden Mittelfeld Platz für das Duo Leon Goretzka und Ilkay Gündogan. Zusätzlich sehen die DFB-Verantwortlichen laut Bierhoff noch einen weiteren Vorteil in dieser Maßnahme: “Joe spielt auf der rechten Seite – und wir versuchen, so auf der rechten Seite noch mehr spielerische Akzente anzubringen. Denn wir wollen dieses Spiel unbedingt gewinnen.”

Dabei helfen soll auch der Münchner Leroy Sané. “Leroy wird auch von Anfang an spielen”, so Bierhoff. “Mit seiner Schnelligkeit kann er uns immer helfen – das hat er schon beim Spiel gegen Spanien gezeigt.”

Flick: “Wegen so etwas hat man das Hobby einmal angefangen”

Apropos Gewinnen: Einen Sieg braucht die DFB-Elf auf jeden Fall, muss allerdings auch auf Schützenhilfe hoffen. Gewinnt nämlich Spanien im Parallelspiel gegen Japan nicht, dann muss der Sieg höher ausfallen. Bei einem Unentschieden im Parallelspiel muss Deutschland etwa mindestens mit zwei Treffern Unterschied gewinnen, im Falle eines japanischen Triumphs sogar noch weit höher.

In erster Linie zählt aber nur das eigene Spiel, das hat Bierhoff klargemacht: “Wir schauen nicht nach Spanien oder Japan, wir müssen unsere Hausaufgaben machen. Und das Gute ist: Der Trainer hat genug Alternativen – nicht nur mit Niclas auf der Bank -, um Einfluss auf das Spiel zu nehmen.” Und so im Falle von noch mehr geforderten Toren reagieren zu können. Für den Notfall, also wenn aufgrund eines japanischen Sieges über Spanien ein hoher Sieg über Costa Rica gebraucht wird, “haben wir außerdem die kurze Kommunikation. In den ersten Minuten und in der ersten Hälfte gilt es aber: erst einmal an uns denken und unseren Job machen.”

Wir wissen, dass in Deutschland die Fans mitfiebern.

Oliver Bierhoff

Nervosität komme dabei nicht auf – weil die Mannschaft zusammenstehe, wie Bierhoff zu guter Letzt noch unterstrichen hat: “Die Stimmung in der Mannschaft war immer gut, in den Tagen und ist sie seit dem Spanien-Spiel aber noch besser – gerade mit der Unterstützung aus der Heimat. Wir wissen, dass in Deutschland die Fans mitfiebern. Viele Spieler haben auch Nachrichten von Freunden und Familie bekommen mit positiven Botschaften.” Das helfe schon sehr.

Nervös hat sich auch Flick nicht gezeigt – und dies selbst im Vorfeld bestätigt: “Ich freue mich auf diese Spiele, eine Weltmeisterschaft ist einfach schön. Wegen so etwas hat man das Hobby einmal angefangen. Und wir haben heute die Chance, noch weiterzukommen.”

Zum Thema: Kommentar zur Aufstellung gegen Costa Rica – Flicks Entscheidung gegen Volkes Stimme

Ohne Füllkrug, aber mit allen Bayern: Flicks Entscheidung gegen Volkes Stimme

Hansi Flick änderte die deutsche Startformation im Vergleich zum Spanien-Spiel nur auf einer Position. Es kam nicht, wie vielfach erwartet. Ein Kommentar von kicker-Chefreporter Oliver Hartmann.

Joshua Kimmich, einer von sieben Bayern in der Startelf und auf neuer Position.

Joshua Kimmich, einer von sieben Bayern in der Startelf und auf neuer Position.

Visionhaus/Getty Images

Beinahe ganz Fußball-Deutschland wünschte sich Niclas Füllkrug in die deutsche Startelf gegen Costa Rica, doch Hansi Flick verweigerte dem Bremer Torjäger die Beförderung. Wie schon gegen Japan und Spanien hat der Bundestrainer für den wuchtigen Mittelstürmer die Rolle des Jokers vorgesehen. Er soll wie schon gegen Spanien als Trumpf stechen, wenn alle Asse ausgespielt sind und dennoch nicht das gewünschte Ergebnis bewirkt wurde.  

Es ist eine nachvollziehbare Entscheidung, mit der Flick vor allem eines beweist: Er lässt sich nicht vom Mainstream treiben, sondern vertraut unbeirrt seiner Linie und seinen Stammkräften. In dieses Bild passt, dass Flick auch gegen Costa Rica eisern an Thomas Müller festhält, obwohl der Weltmeister und Routinier im bisherigen Turnierverlauf enttäuschte und keinerlei Torgefahr ausstrahlte.

Kimmich auf rechts – ein überraschendes Novum

Die eigentliche Überraschung aber ist, dass Flick Joshua Kimmich offensichtlich aus dem Mittelfeld abzieht und auf dem rechten Flügel einplant. Das hat er während seiner 16-monatigen Amtszeit nie gemacht, es könnte zu einer Richtungsentscheidung fürs ganze Turnier werden – vorausgesetzt, Leon Goretzka und Ilkay Gündogan harmonieren auf der Doppelsechs.

Musiala als Zehner und alle Bayern-Spieler dabei

Jamal Musiala dürfte auf der Zehn beginnen, dort, wo er am besten aufgehoben ist und von Serge Gnabry und Leroy Sané flankiert wird. Damit setzt Flick auf alle sieben Bayern-Spieler in seinem Kader, auf seine Hausmacht, mit der er sieben Titel auf Vereinsebene gewann. Heute geht es erstmal darum, im Titelrennen zu bleiben.

kicker-User mit klarem Votum für Sané – Gündogan wackelt

Geht es nach den kicker-Usern, sollen nach dem Spanien-Spiel Veränderungen in der deutschen Startelf her. Nicht nur Niclas Füllkrug steht hoch im Kurs.

Wer beginnt gegen Spanien? Leroy Sané (li.) war zuletzt Joker, Ilkay Gündogan stand zweimal in der Startelf.

Wer beginnt gegen Spanien? Leroy Sané (li.) war zuletzt Joker, Ilkay Gündogan stand zweimal in der Startelf.

imago images (2)

Gegen Japan und Spanien wurde Ilkay Gündogan jeweils als erster deutscher Spieler ausgewechselt. Geht es nach der Mehrheit der kicker-User, sollte der Mittelfeldstratege gegen Costa Rica gar nicht erst in der Startelf auftauchen.

Obwohl er gerade gegen Japan gezeigt hatte, wie wertvoll seine Manchester-City-typische Passsicherheit gegen tiefstehende Gegner ist und Costa Rica der deutschen Nationalelf am Donnerstag (20 Uhr, LIVE! bei kicker) wohl ähnlich defensiv entgegentreten wird, setzen nur 46 Prozent der kicker-Leser beim Erstellen ihrer Wunschelf auf Gündogan. Vor dem Spanien-Spiel hatten ihn noch 57 Prozent in ihrer Startformation gesehen.

Gnabrys Werte sinken weiter

Um seinen Platz bangen muss – so das User-Votum – auch Serge Gnabry. Vor dem Auftaktspiel gegen Japan (1:2) hatten noch 76 Prozent auf ihn gesetzt, vor dem Spanien-Spiel 64 – jetzt sind es “nur” noch 49. Deutlich höher sind weiterhin die Werte für Joshua Kimmich (90 Prozent), Jamal Musiala (91), Leon Goretzka (77) und auch Leroy Sané (77).

Der Linksfuß stand schon vor den ersten beiden deutschen WM-Auftritten in den meisten Wunsch-Aufstellungen, Bundestrainer Hansi Flick musste aber natürlich auch dessen gesundheitliche Situation berücksichtigen: Gegen Japan fehlte Sané mit Knieproblemen, gegen Spanien hätte er trotz seiner Trainingspause womöglich als Stürmer begonnen, wenn bei einem Remis oder einer Niederlage bereits das WM-Aus gedroht hätte.

Über 90 Prozent für Füllkrug – Klostermann pirscht sich heran

Nach seinem ansprechenden Joker-Einsatz winkt ihm am Donnerstag nun ein Startelfeinsatz – nicht nur virtuell. Im Sturmzentrum gibt es für die kicker-User allerdings nur eine Wahl: Niclas Füllkrug, dessen Einsatz sie schon gegen Spanien gefordert hatten, würden 89 Prozent von ihnen gegen Costa Rica aufstellen. Der Werder-Torjäger steigerte seinen Wert um satte 33 Prozentpunkte.

Und in der Abwehr? Hier spielt Nico Schlotterbeck nach seinem “Absturz” vor dem Spanien-Spiel (von 39 auf 12 Prozent) weiterhin keine Rolle mehr für die kicker-Leser (11 Prozent), dafür schafft es Niklas Süle nun sogar in 78 (statt 55) Prozent der Start-Aufstellungen. Neben den gesetzten Antonio Rüdiger (98 Prozent) und David Raum (79) gehört aktuelle Thilo Kehrer – mit großem Abstand – zu den vier meistgewählten Abwehrspielern (36 Prozent). Doch Lukas Klostermann (32) pirscht sich heran. Er könnte bereits der dritte Rechtsverteidiger im dritten deutschen WM-Spiel werden.

Klinsmann schwärmt von Füllkrug: “Eine Wiederbelebung der Nummer 9”

Seine Kritik an der Spielweise des Iran hat heftigen Gegenwind ausgelöst. Inzwischen hat Jürgen Klinsmann mit dem iranischen Nationaltrainer Carlos Queiroz im Dialog alles ausgeräumt. Der kicker traf den Ex-Bundestrainer und Weltmeister von 1990 am Rande seiner sechsten Turnierteilnahme, die sich jedoch wesentlich unterscheidet von den bisherigen.

"Hat eine gute Präsenz": Niclas Füllkrug.

“Hat eine gute Präsenz”: Niclas Füllkrug.

Getty Images

Drei Weltmeisterschaften erlebte und prägte Klinsmann als Spieler, zwei Mal, für Deutschland und die USA, saß er als Coach auf der Bank – in Katar nun gehört der 58-Jährige zur technischen Studiengruppe der FIFA, sieht und analysiert täglich zwei Spiele. Zwei Mal gesehen hat er auch die deutsche Elf und gesteht: “Ich war richtig erleichtert, als ich am Sonntag nach dem 1:1 gegen Spanien aus dem Stadion bin.”

Weil er vor dem Duell mit Costa Rica am Donnerstag (20 Uhr, LIVE! bei kicker) vom Weiterkommen überzeugt ist: “Natürlich ist jetzt Druck da! Aber die Drucksituation vor dem Spanien-Spiel war viel größer.” Die Begründung: “Mit einem Hochkaräter wie Spanien in der Gruppe ist ein Ausrutscher wie gegen Japan eigentlich fatal, weil er dich mit dem Rücken an die Wand drängt. Der Umgang der Mannschaft mit dieser Situation hat mich beeindruckt. Die Mannschaft wirkt total intakt.”

Dass den wichtigen Punktgewinn mit Niclas Füllkrug ein echter Mittelstürmer gesichert hat, freut den früheren Torjäger besonders. “Mir als ehemaligem Stürmer geht das Herz auf, wenn es mit einem echten Neuner funktioniert.” Klinsmann macht kein Hehl daraus, dass dieser Typus für ihn auch im modernen Fußball unverzichtbar ist. “Es geht gar nicht nur um Tore. Ein präsenter Neuner schafft immer Entlastung, wenn er die Bälle festmachen kann und verteilt, dadurch ein Spiel auch beruhigen kann. Niclas Füllkrug kann das, er hat eine gute Präsenz, ist gut am Ball, das Gefühl und das Näschen für die Situationen vor dem Tor hat er sowieso.”


Trafen sich am Rande der WM 2022: kicker-Reporter Sebastian Wolff und Jürgen Klinsmann.

Trafen sich am Rande der WM 2022: kicker-Reporter Sebastian Wolff und Jürgen Klinsmann.
kicker

Klinsmann sagt deshalb in Bezug auf den Spätberufenen: “Für mich ist es eine Wiederbelebung der Nummer 9, die hier stattfindet.”

Das komplette Interview, was Klinsmann der deutschen Mannschaft zutraut und wer seine WM-Favoriten sind, lesen Sie ab Donnerstag im kicker – oder schon heute Abend als eMagazine.

Sebastian Wolff

Lahm kritisiert Flick und den DFB

In einem Interview spricht Philipp Lahm über die deutschen Defizite bei der WM 2022, kritisiert den DFB – und sagt, warum Jamal Musiala so schnell kein Weltstar werden wird.

Kritischer Beobachter: Philipp Lahm (re.).

Kritischer Beobachter: Philipp Lahm (re.).

imago images (2)

Was genau er der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2022 zutraut, sagt Philipp Lahm nicht, doch allzu optimistisch scheint der ehemalige DFB-Kapitän nicht zu sein – auch wenn beim 1:1-Remis gegen Spanien eine positive Tendenz auszumachen war.

“Der Mannschaft fehlt Reife”, analysiert Lahm im “Zeit”-Interview. “Sie hatte keine Vorbereitung, erst im Laufe des Spiels gegen Spanien hat sich etwas entwickelt. Man sieht jetzt ein Gerüst. Süle und Rüdiger müssen aber strategischer verteidigen. Die gesamte Mannschaft kann sich noch deutlich darin verbessern, den Gegner vom Tor wegzuhalten. Kimmich im zentralen Mittelfeld ist dabei besonders gefragt.”

Im Sextett um Torwart Manuel Neuer, die Innenverteidiger Niklas Süle und Antonio Rüdiger sowie Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Ilkay Gündogan im Mittelfeld sieht Lahm “die deutsche Achse”. Doch etwa auf den Außenverteidigerpositionen erkennt der ehemalige Rechtsverteidiger Luft nach oben: “Thilo Kehrer und David Raum sind schnell, sie haben das gut gemacht. Aber sie spielen bisher noch nicht auf Topniveau, daher sind sie abhängig von dem Gesamtgefüge.”

Lahm über den “Bruch” gegen Japan – und wie Füllkrug das Spiel vereinfacht

Dass Deutschland mit einer 1:2-Niederlage gegen Japan ins Turnier startete, kreidet Lahm auch dem Bundestrainer an, der Gündogan und Thomas Müller kurz vor Japans Ausgleichstreffer ausgewechselt hatte. “Hansi Flick sollte auf Spieler mit großer internationaler Erfahrung setzen”, fordert Lahm. “Er hat es im Verlauf des Spiels dann nicht getan, und es kam zum Bruch. Im zweiten Spiel lief es besser.”

Genau wegen dieser internationalen Erfahrung würde der 39-Jährige auch nicht zwingend auf Niclas Füllkrug in der Startelf setzen. “Er vereinfacht das Spiel der Mannschaft, weil er ein klarer Neuner ist, ein Mittelstürmer. Ich mag seine Unbekümmertheit, ihn kann man immer bringen”, sagt Lahm zwar. “Grundsätzlich halte ich es aber für das beste Rezept, auf Spieler von Chelsea, Real Madrid, Manchester City und vom FC Bayern zu setzen, die in der Champions League schon etwas erreicht haben.”

Lahm: “Die FIFA war gewiefter als der DFB”

So wie Jamal Musiala, dem trotz seiner 19 Jahre mancher schon in Katar den Aufstieg zum Weltstar zutraut. Lahm jedoch nicht: “Er ist ein großartiger Techniker, der den Ball sehr gut behauptet. Im letzten Drittel des Spielfelds ist er unberechenbar. Ich verstehe, dass die Fans ihn lieben. Ein Weltstar allerdings muss mindestens fünf Jahre lang auf hohem Niveau Leistung zeigen. Er sollte verantwortlich sein für die Erfolge seiner Mannschaften. Diese Kriterien kann Musiala noch nicht erfüllen”, erklärt er.

Eine unglückliche Figur attestiert der Turnierdirektor der EM 2024 in Deutschland derweil dem DFB in der Debatte um die “One Love”-Kapitänsbinde. “Die Aktion mit der Binde hätte vor dem Turnier geklärt werden müssen”, findet Lahm. “Die FIFA war aber gewiefter als der DFB, sie hat ihn auflaufen lassen. Sie hat aber auch einen Punkt: Die Binde ist ein Ausrüstungsgegenstand, der nach dem Reglement vom Veranstalter gestellt wird. Wäre es wirklich wünschenswert, wenn jedes Land seine eigene Botschaft damit sendet?”

Flicks Planspiele auf rechts: Dritte Variante im dritten Spiel?

Die dritte Partie in der Gruppe E muss die deutsche Mannschaft in jedem Fall gewinnen, um sich die Aussicht auf Platz zwei zu sichern. Wen wird Bundestrainer Hansi Flick losschicken?

Erhalten sie ihre Chance gegen Costa Rica von Beginn an? Niclas Füllkrug und Lukas Klostermann.

Erhalten sie ihre Chance gegen Costa Rica von Beginn an? Niclas Füllkrug und Lukas Klostermann.

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Aus Katar berichtet Karlheinz Wild

Nach der Teambesprechung und dem Mittagessen wird sich Bundestrainer Hansi Flick (57) an diesem Mittwoch im 100 Kilometer fernen Zulal Wellness Resort an der Nordspitze Katars auf den Weg machen, um zur abschließenden Pressekonferenz ins WM-Medienzentrum nach Doha zu erscheinen (13.30 Uhr MEZ).

Nachdem er vor der Partie gegen Spanien am vergangenen Samstag alleine gekommen war, obwohl die Präsenz eines Spielers vorgeschrieben ist, hatte die FIFA den DFB zu einer Geldstrafe von 10.000 Schweizer Franken verurteilt. Vor der Begegnung mit Costa Rica ist Lukas Klostermann (26) vom Weltverband als Gesprächspartner angekündigt.

Flicks großes Vertrauen in Klostermann

Der Leipziger Rechtsverteidiger war nach seiner Einwechslung gegen Spanien ursächlich am 1:1-Ausgleich beteiligt, er genießt beim Bundestrainer viel Vertrauen, wie seine Nominierung trotz zuvor dreieinhalbmonatiger Pause (Syndesmoseriss) beweist. Für die letzte Gruppenpartie gegen Costa Rica ist er in jedem Fall ein Kandidat, da Thilo Kehrer gegen Spanien nicht überzeugen konnte und Niklas Süle innen bleiben wird, anders als gegen Japan. Klostermann würde defensive und offensive Kompetenz importieren.

Spannende Fragen zur Startelf, die Flick bei solchen Terminen ohnehin nie preisgibt, beziehen sich auf die Besetzung der Positionen in der Sturmmitte, auf der Nummer 10, rechts und links auf dem Flügel sowie die Mittelfeldzentrale. Stellt der Bundestrainer Niclas Füllkrug nach seinen zwei Treffern in drei Länderspielen erstmals von Anfang an auf die Position 9? Oder schickt er ihn später los? Dann wäre Thomas Müller ein Mann für die vorderste Linie oder Kai Havertz, der gegen Spanien wegen einer Erkältung nicht berücksichtigt wurde.

Müller aggressiv, Havertz elegant – keiner von beiden bisher effizient

Müller wäre die aggressive Option, Havertz die elegante, die effiziente konnten bislang beide nicht bieten. Serge Gnabry, bislang noch nicht im Turnier angekommen, ist ebenfalls ein Angreifer, dessen Können und Torgefährlichkeit Flick grundsätzlich schätzt. Aber der Münchner muss endlich liefern.

Eine weitere heikle Entscheidung muss der Chefcoach mit seinem Trainerteam im 6-6-10-Dreieck des mittleren Mittelfeldes fällen. Die Formation Kimmich-Goretzka-Gündogan hat sich gegen Spanien bewährt, es erfüllte die Abschirmdienste in den bedrohten Räumen, leistete zudem aggressive Gegenwehr und sorgte für offensiven sowie kreativen Input.

DFB-Spiele bei der WM 2022

Dieses Trio ist befähigt, die deutsche Zentrale bei dieser WM zu bilden. Dann könnte allerdings Jamal Musiala nicht auf die 10 rücken und müsste weiterhin aus der linken Grundposition loslegen. Aber ein Turnier kann – im Optimalfall – lange dauern.

Stimmung besser, aber Vorsicht bleibt geboten

Damit es für die deutsche Mannschaft so kommt, muss sie zunächst gegen Costa Rica gewinnen. Müller hat die taktischen Verhaltensweisen dafür schon präzise beschrieben, vermittelte aber wie Niclas Füllkrug den Eindruck, dass das 1:1-Remis gegen Spanien die Stimmung zwar verbessert und die Psyche gestärkt hat, dass aber weiterhin Vorsicht die Befindlichkeit im deutschen Lager dominiert.

Fritz über Füllkrug-Hype: “Bleiben komplett gelassen”

Seitdem Niclas Füllkrug mit seinem Treffer die WM-Chancen der deutschen Nationalmannschaft aufrechterhalten hat, ist die Aufmerksamkeit rund um den Angreifer eine andere, größere. Bei seinem Klub, dem SV Werder Bremen, geht man jedoch unaufgeregt damit um. Auch mit Blick auf den Transfermarkt.

Clemens Fritz will Niclas Füllkrug nicht gehen lassen.

Clemens Fritz will Niclas Füllkrug nicht gehen lassen.

IMAGO/kolbert-press

Wenn Niclas Füllkrug bis vor kurzem ein Tor erzielte, hatte das vor allem eine regionale Bedeutung, in Bremen, im weitesten Sinne auch in anderen Teilen im hohen Norden Deutschlands. Seit der Nominierung für die Nationalmannschaft und die Weltmeisterschaft in Katar war bereits klar, dass er sich nun auch im nationalen Blickfeld befinden würde – doch nach seinem Treffer zum 1:1 gegen Spanien wurde der Fokus nun gar auf internationale Umfänge erweitert. Weil es eben der Stürmer des SV Werder Bremen war, der damit die Chancen der deutschen Mannschaft aufs Weiterkommen wesentlich erhöhte.

Die Entwicklung des 29-Jährigen vom zunächst unglücklichen Zweitliga-Profi zum aktuell besten deutschen Torschützen in der Bundesliga und zu so etwas wie dem neuen Liebling der Nation verfolgen sie in Bremen einerseits mit großer Freude, andererseits auch mit der nötigen Gelassenheit, zumindest was ein etwaiges künftiges Interesse von anderen Vereinen an einer Verpflichtung des Mannes anbelangt, der seinen Vertrag erst vor der Saison bis 2025 verlängert hatte.

Füllkrug und Werder: Wechselseitige Wertschätzung

Dass etwaige Themen im Kreis der Nationalmannschaft aufkommen, hält Werders Leiter Profifußball Clemens Fritz für “ganz normal”. Der “Sportbuzzer” will nun in Erfahrung gebracht haben, dass sich bereits die Verantwortlichen des FC Bayern Gedanken über Füllkrug gemacht hätten. “Davon lassen wir uns wirklich nicht beeinflussen”, sagt Fritz. Dass in jenem Bericht weiter darüber spekuliert wird, dass man ihm wegen seiner Verdienste keine Steine in den Weg legen würde, ist jedoch stark zu bezweifeln. Füllkrug ist bester Angreifer des Klubs, dazu eine enorme Identifikationsfigur. Und diese große Wertschätzung besteht wechselseitig – der Angreifer verlängerte seinen Vertrag nicht umsonst mit Gehaltseinbußen.

Wir wissen schon um seine Bedeutung für uns, deswegen spielt das in unseren Gedanken keine Rolle, ihn gehen zu lassen.

Clemens Fritz

Zwar muss sich der finanziell bekanntlich nicht gerade auf Rosen gebettete Aufsteiger “grundsätzlich” mit jedem Angebot beschäftigen, das ein anderer Verein für einen Bremer Profi abgibt, erklärt Fritz – er betont jedoch deutlich: “Wir haben überhaupt kein Interesse daran, Niclas irgendwie abzugeben. Wir wissen schon um seine Bedeutung für uns, deswegen spielt das in unseren Gedanken keine Rolle, ihn gehen zu lassen. Wir planen ganz normal mit ihm.”

Fritz über Füllkrug: “Man sieht, wie wichtig er sein kann”

Beim in den vergangenen Tagen entstandenen Hype um Füllkrug bleibe der 41-Jährige “komplett gelassen”, wie er ausführt: “Wir freuen uns, dass es so gut für Niclas läuft. Er hat ein unglaublich wichtiges Tor für Deutschland erzielt, worauf wir alle stolz sein können.” Schon vor der WM hatte Fritz prognostiziert, dass der physisch starke Mittelstürmer dem DFB-Team weiterhelfen könnte. “Ich finde es schön, dass er sich auch in der Nationalmannschaft in der Verfassung präsentiert, die er bei uns im letzten Jahr hatte. Man sieht, wie wichtig er für die Mannschaft sein kann, mit seiner Präsenz und der Überzeugung vor dem Tor.”

Tim Lüddecke