Rostocks Kolke über seinen Fauxpas: “Ist ein schönes Kacktor”

Es war die Szene beim 4:0-Sieg Darmstadts gegen Rostocks. Hansa-Keeper Markus Kolke leistete sich einen haarsträubenden und irgendwie auch unerklärlichen Patzer. Der Schlussmann nahm es mit Humor.

Zum Haare raufen: Rostocks Keeper Markus Kolke nach seinem Fauxpas in Darmstadt.

Zum Haare raufen: Rostocks Keeper Markus Kolke nach seinem Fauxpas in Darmstadt.

“Ich hab ihn einfach nicht gesehen”, sagte Kolke nach der Partie bei “Sky” über die kuriose Situation in der 3. Minute beim Gastspiel in Darmstadt, die wohl in keinem Sportrückblick am Ende des Jahres fehlen wird. Der FCH-Keeper legte sich im eigenen Strafraum den Ball in aller Seelenruhe vor, ließ dann den Blick über das Spielfeld schweifen, um Anspielstationen zu checken. Von der halblinken Seite schlich sich in dieser Zeit Darmstadts Philipp Tietz heran, stibitzte Kolke den Ball weg und diesen zur Lilien-Führung ins Tor.

Wir haben relativ schnell das zweite Gegentor bekommen, da konnte ich mich darüber aufregen und das erste war vergessen.

Markus Kolke

“Das ist ein schönes Kacktor”, sagte Kolke hinterher über seinen kapitalen Bock. Mit seinen 31 Jahren ist der Schlussmann erfahren genug, um zu wissen, was nun auf ihn zukommt: “Ich freue mich schon auf die Überschriften und die ganzen Nachrichten, die kommen.” Er selbst werde sich noch “zwei Stunden oder zwei Tage darüber ärgern, dann ist die Sache abgehakt”.

Kolke: “Wenn das 0:1 nicht fällt, wer weiß, was dann hier passiert?”

Während des Spiels habe er den Ärger über seinen kuriosen Fehler schnell hinunterschlucken können. “Im Spiel geht das relativ schnell”, sagte er. “Du musst das ausschalten, sonst spielst du 80 Minuten Katastrophe.” Kolke ist sich aber bewusst, dass er durch seine Slapstick-Einlage großen Einfluss auf die Partie genommen hat: “Wenn das 0:1 nicht so früh fällt, wer weiß, was dann hier passiert?”

“Ja, ich war selbst ein bisschen perplex”, gab auch Darmstadts Nutznießer Phillip Tietz bei “Sport1” zu: “Ich dachte, der Torwart blickt nur einmal kurz rüber. Dann bin ich kurz angelaufen und sehe: ‘Ah, der blickt die ganze Zeit dahin'”, beschrieb Tietz die Szene. “Dann hab ich bisschen angezogen und wurde zum Glück belohnt.”

Für den Torschütze war diese ungewöhnliche Szene zugleich das erste Saisontor, damit war das Eis für seine Farben gebrochen. In der zweiten Hälfte ließ Tietz dann noch gleich seinen zweiten Treffer folgen (54.). Und wusste nach der Partie und dem 4:0, was sich gehört. “Ich bin nach dem Spiel zu ihm gegangen und habe gesagt: ‘Danke für den Assist'”, sagte Tietz mit einem Augenzwinkern.

Härtel: “Im Moment spielt niemand gerne gegen Darmstadt”

Hansa Rostock hat einen stabilen Saisonstart hingelegt und vor allem durch die Siege gegen den HSV und Bielefeld Selbstvertrauen getankt. Nun kommt mit Darmstadt 98 ein weiteres Schwergewicht.

Jens Härtel führte Rostock in die 2. Liga und in diesem Jahr zum Klassenerhalt.

Jens Härtel führte Rostock in die 2. Liga und in diesem Jahr zum Klassenerhalt.

IMAGO/Fotostand

Nur knapp sind die Lilien in der vergangenen Saison an der Relegation vorbeigeschrammt – auch weil Hansa Rostock am letzten Spieltag gegen den HSV im heimischen Ostseestadion keinen Punkt holte (2:3) und die Hamburger damit punktgleich, aber dank der besseren Tordifferenz auf Rang drei blieben, wie Kogge-Coach Jens Härtel am Donnerstag erinnerte. Dass mit Darmstadt allerdings auch in dieser Saison zu rechnen ist, machte der Routinier deutlich. “Da kommt eine richtig schwierige Aufgabe auf uns zu. Wenn man die Videos, die wir uns von Darmstadt angeguckt haben, sieht, wissen alle, dass wir bei 100 Prozent sein müssen. Sonst wird es nicht reichen”, warnte er.

Wenn wir unsere Leistung bringen, sind wir unangenehm zu bespielen.

Jens Härtel

Den Gegner bezeichnete er als “unangenehm. Im Moment spielt niemand gerne gegen Darmstadt, glaube ich”. Die Stärken der Hessen haben die Ostseestädter klar analysiert, vor allem das Zentrum soll gegen die spielfreudigen Gastgeber dicht gemacht werden. “Trotzdem haben sie mit Holland und Bader zwei Jungs auf den Flügeln, die auch mit Eingaben auf Tietz wichtig sind. Die Flügel darf man also nicht ganz vernachlässigen”, warnt Härtel.

Rostock gehe als klarer Underdog ins Rennen, “in der Rolle fühlen wir uns wohl”, macht er allerdings deutlich. “Wenn wir unsere Leistung bringen, sind wir unangenehm zu bespielen.” Hoffnung machte neben den jüngsten Ergebnissen auch das erste Standard-Tor der Saison, das Damian Roßbach spät gegen Bielefeld nach einer Ecke erzielte. Ein Potenzial, das Härtel weiter ausschöpfen will: “Auch heute gab es den Schwerpunkt Standard. Jede Woche gibt es eine Einheit dazu.”

Mit Thomas Meißner und Felix Ruschke sind derweil zwei Akteure wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Fraglich für die Partie am Samstagabend (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker) ist John-Patrick Strauß, der nach Krankheit nur Lauftraining absolvierte. Keine Option ist neben den Langzeitverletzten Frederic Ananou, der sich eine schwerwiegende Muskelverletzung zugezogen hat und etwa sechs Wochen pausieren muss.

Wegen hoher Geldstrafe: DFB verhandelt Rostocks Einspruch am 19. August

Fankurve des FC Hansa Rostock, hier beim Heimspiel gegen Bielefeld.

Fankurve des FC Hansa Rostock, hier beim Heimspiel gegen Bielefeld.

IMAGO/Fotostand

 Dies teilte der DFB am Dienstag mit.

Das Sportgericht hatte den Zweitligisten wegen sieben Fällen von ungebührlichen Verhaltens seiner Anhänger mit zwei Geldstrafen von insgesamt 137.925 Euro belegt.

Die Ostseestädter könnten davon bis zu 45.900 Euro für sicherheitstechnische, infrastrukturelle oder gewaltpräventive Maßnahmen verwenden, hieß es in der Mitteilung.

Satte Geldstrafe für Hansa Rostock

Das DFB-Sportgericht hat den FC Hansa Rostock wegen des Verhaltens einiger Fans mit einer sechsstelligen Summe zur Kasse gebeten. 

Teile der Fans kommen Hansa teuer zu stehen.

Teile der Fans kommen Hansa teuer zu stehen.

IMAGO/Fotostand

Das Fehlverhalten einiger Anhänger kommt Hansa Rostock teuer zu stehen. Wegen “sieben Fällen eines unsportlichen Verhaltens” der Fans hat das Sportgericht des DFB die Hanseaten mit zwei Geldstrafen in Gesamthöhe von 137.925 Euro belegt.

Hansa darf hiervon einen Betrag in Höhe von bis zu 45.900 Euro für “sicherheitstechnische, infrastrukturelle oder gewaltpräventive Maßnahmen” verwenden, was bis zum 31. Dezember nachzuweisen wäre.

Der DFB listet wie folgt auf: “Im Spiel gegen den FC St. Pauli am 2. April 2022 (1:0) warf ein Rostocker Zuschauer eine leere Getränkedose in Richtung der Ersatzspieler der Kiez-Kicker. Der Täter konnte identifiziert werden. Darüber hinaus zündeten Rostocker Anhänger im Spielverlauf 14 Blinker und 14 Bengalische Fackeln.

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Zudem kam es in der Halbzeitpause zu starken Auseinandersetzungen im Stadionumlauf zwischen den Heim- und Gästefans. Dabei beschossen und bewarfen Rostocker Anhänger zunächst die Gästefans mit Pyrotechnik. Hierbei landeten und explodierten etliche Böller, Knallkörper und Bengalische Feuer in dem mit zahlreichen Gästefans besetzten Umlauf an und vor Kiosken und Toilettenanlagen. Dies wurde von den Gästefans erwidert. Die Lage konnte erst durch starke Polizeipräsenz auf beiden Seiten befriedet werden. In der Abreisephase wiederholte sich diese Situation.

Bei der Partie gegen den Hamburger SV (2:3) am 15. Mai 2022 warfen Rostocker Zuschauer fünf Papierrollen auf das Spielfeld. Das Spiel musste für eine Minute unterbrochen werden. Zudem zündeten Rostocker Zuschauer während des Spiels drei pyrotechnische Gegenstände.

Saison 2001/02: Seuchen- oder Traumsaison?

01. August 202251:48 Minuten

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Zum Abschluss der ersten Serie biegt “kicker History” ins 21. Jahrhundert ab, in dem der FC St. Pauli sein Jahrhundertspiel womöglich schon ziemlich zeitig spielte. Und einen wahren Verkaufsschlager auf den Markt brachte. Eine noch mal deutlich spektakulärere Saison legte Bayer 04 Leverkusen hin, wie sich Jens Nowotny erinnert. Doch das Ende einer außergewöhnlichen Spielzeit war bittersüß – von einem solchen kann auch Jürgen Kohler berichten.

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Darüber hinaus kam es während der Halbzeitpause im Stadionumlauf zu erheblichen Auseinandersetzungen zwischen Heim- und Gästezuschauern. Hierbei wurden Hamburger Zuschauer mit Pyrotechnik beworfen und beschossen und erwiderten diesen Beschuss. Die Lage konnte erst durch starke Polizeikräfte unter Einsatz von Pfefferspray beruhigt werden. Die Polizeikräfte wurden durch Rostocker Zuschauer unter anderem mit einem Metallschrank, Feuerlöschern und Mülleimern beworfen. Mindestens drei Polizisten wurden hierbei leicht verletzt.

Des Weiteren stiegen mehrere Rostocker Zuschauer in der 76. Minute in einen unbesetzten Pufferblock und zündeten mit Bengalischen Feuern eine große blau-weiße Fahne an. Diese brannte mit offener Flamme und starker Rauchentwicklung fast vollständig ab, ehe sie vom Ordnungsdienst gelöscht wurde. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel für zwei Minuten.”

Der FC Hansa empfängt am Samstagabend (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker) Bundesliga-Absteiger Arminia Bielefeld.