Torschützenkönig-Check: Wer wird Lewandowski-Nachfolger?

kicker.tv Hintergrund 08.08.2022

Torschützenkönig-Check: Wer wird Lewandowski-Nachfolger?

5:50Nach dem Wechsel von Anthony Modeste zu Borussia Dortmund ist ein Thema noch spannender geworden, das ohnehin schon heiß diskutiert wurde: Das Erbe Robert Lewandowskis als Dauer-Torschützenkönig der Bundesliga. In unserem Goalgetter-Check schauen wir auf das ziemlich große Kandidatenfeld.

Adeyemi schmerzt der linke Fuß – Schlotterbecks Schulter-Problemchen

Borussia Dortmunds Sorgen in der Offensive könnten sich weiter vergrößern: Karim Adeyemi (20) musste gegen Leverkusen früh runter. Nico Schlotterbeck hatte ein Schulter-Thema.

Musste gegen Leverkusen früh runter: BVB-Stürmer Karim Adeyemi.

Musste gegen Leverkusen früh runter: BVB-Stürmer Karim Adeyemi.

IMAGO/Team 2

Karim Adeyemi erwischte eigentlich einen starken Start am Samstagabend im Topspiel gegen Bayer 04 Leverkusen. Nachdem der anfängliche Schwung der Gäste abgeebbt war, wurden die Borussen in der Offensive immer dominanter und hatten auch dank des BVB-Neuzugangs erste gute Szenen vor dem Bayer-Tor.

Bundesliga, 1. Spieltag

So auch in der 9. Minute, als Marco Reus die Führung für den BVB markierte, an der Adeyemi großen Anteil hatte. Nach einem Zuspiel von Youssoufa Moukoko hatte er Leverkusens Keeper Lukas Hradecky schon fast überwunden – der Ball tänzelte auf der Linie, ehe Reus entscheidend zum 1:0 nachstocherte.

Bitterer Zweikampf und Gesänge zur Aufmunterung

So weit so gut für den deutschen Jung-Nationalspieler. Doch in der 23. Minute war der Auftritt des 20-jährigen Offensivspielers beendet, da er im Zweikampf mit Piero Hincapie am linken Fuß verletzt wurde. Mehrfach setzte sich Adeyemi hin, zog den Schuh aus, zog ihn wieder an – um dann schlussendlich doch den Wunsch nach Auswechslung zur BVB-Bank zu signalisieren.

Mit Kopfschütteln und sichtlicher Frustration humpelte er nach draußen, Thorgan Hazard wurde für ihn eingewechselt. Die Dortmunder Fans bewiesen ein feines Gespür und verabschiedeten den Neu-Dortmunder mit entsprechenden Gesängen in den Kabinentrakt.

Sollte Adeyemi eine schlimmere Blessur erlitten haben, vergrößern sich die Sorgen der Dortmunder in der Offensive massiv. Mittelstürmer Sebastien Haller muss sich nach einem Hodenkrebs-Befund einer Chemotherapie unterziehen und fällt mehrere Monate aus.

Schlotterbeck und die Schulter: “Sie ist wieder drin”

Ein kleines Verletzungsproblemchen hatte auch Nico Schlotterbeck. Bei einer harmlosen Zweikampfszene in der zweiten Halbzeit drehte sich der stark aufspielende Innenverteidiger mit schmerzverzerrtem Gesicht weg und fasste sich an den rechten Arm. Danach schlich er vom Feld und bekam die Schulter im Spielertunnel wohl wieder eingerenkt. “Der Doc sagte, sie ist wieder drin. Dann hat er mit der Freigabe gegeben, um zurück auf den Platz zu gehen”, so der Ex-Freiburger.

Für den 22-jährigen BVB-Neuzugang ist mit dem Heimspiel vor ausverkauftem Haus ein Traum in Erfüllung gegangen ist. “Ich habe so lange hingefiebert auf dieses Spiel”, sagte Schlotterbeck, der dieses Erlebnis wegen der mutmaßlich herausgesprungenen Schulter keinesfalls früher beenden wollte. “Ich bin Innenverteidiger, da muss ich etwas härter sein.”

Adeyemi schmerzt der große Zeh – Schlotterbecks Schulter-Problemchen

Borussia Dortmunds Sorgen in der Offensive könnten sich weiter vergrößern: Karim Adeyemi (20) musste gegen Leverkusen früh runter. Nico Schlotterbeck hatte ein Schulter-Thema.

Musste gegen Leverkusen früh runter: BVB-Stürmer Karim Adeyemi.

Musste gegen Leverkusen früh runter: BVB-Stürmer Karim Adeyemi.

IMAGO/Team 2

Karim Adeyemi erwischte eigentlich einen starken Start am Samstagabend im Topspiel gegen Bayer 04 Leverkusen. Nachdem der anfängliche Schwung der Gäste abgeebbt war, wurden die Borussen in der Offensive immer dominanter und hatten auch dank des BVB-Neuzugangs erste gute Szenen vor dem Bayer-Tor.

Bundesliga, 1. Spieltag

So auch in der 9. Minute, als Marco Reus die Führung für den BVB markierte, an der Adeyemi großen Anteil hatte. Nach einem Zuspiel von Youssoufa Moukoko hatte er Leverkusens Keeper Lukas Hradecky schon fast überwunden – der Ball tänzelte auf der Linie, ehe Reus entscheidend zum 1:0 nachstocherte.

Zehenverletzung und Gesänge zur Aufmunterung

So weit so gut für den deutschen Jung-Nationalspieler. Doch in der 23. Minute war der Auftritt des 20-jährigen Offensivspielers beendet, da er im Zweikampf mit Piero Hincapie am linken Fuß verletzt wurde. Mehrfach setzte sich Adeyemi hin, zog den Schuh aus, zog ihn wieder an – um dann schlussendlich doch den Wunsch nach Auswechslung zur BVB-Bank zu signalisieren.

Mit Kopfschütteln und sichtlicher Frustration humpelte er nach draußen, Thorgan Hazard wurde für ihn eingewechselt. Die Dortmunder Fans bewiesen ein feines Gespür und verabschiedeten den Neu-Dortmunder mit entsprechenden Gesängen in den Kabinentrakt.

Richtig schlimm dürfte die Blessur bei Adeyemi aber wohl nicht sein. “Es geht schon wieder besser”, so Adeyemi nach der Partie. Probleme hat der 20-Jährige an der großen Zehe des linken Fußes, “eine Überdehnung der Sehne oder etwas an der Kapsel” mutmaßte er. Klar ist, ein wie auch immer gearteter Ausfall von Adeyemi würde die BVB-Offensive weiter schwächen, denn Mittelstürmer Sebastien Haller muss sich nach einem Hodenkrebs-Befund einer Chemotherapie unterziehen und fällt mehrere Monate aus.

Schlotterbeck und die Schulter: “Sie ist wieder drin”

Ein kleines Verletzungsproblemchen hatte auch Nico Schlotterbeck. Bei einer harmlosen Zweikampfszene in der zweiten Halbzeit drehte sich der stark aufspielende Innenverteidiger mit schmerzverzerrtem Gesicht weg und fasste sich an den rechten Arm. Danach schlich er vom Feld und bekam die Schulter im Spielertunnel wohl wieder eingerenkt. “Der Doc sagte, sie ist wieder drin. Dann hat er mir die Freigabe gegeben, um zurück auf den Platz zu gehen”, so der Ex-Freiburger.

Für den 22-jährigen BVB-Neuzugang ist mit dem Heimspiel vor ausverkauftem Haus ein Traum in Erfüllung gegangen ist. “Ich habe so lange hingefiebert auf dieses Spiel”, sagte Schlotterbeck, der dieses Erlebnis wegen der mutmaßlich herausgesprungenen Schulter keinesfalls früher beenden wollte. “Ich bin Innenverteidiger, da muss ich etwas härter sein.”

Dortmunds Stürmersorgen: Adeyemi muss früh runter

Borussia Dortmunds Sorgen in der Offensive könnten sich weiter vergrößern: Karim Adeyemi (20) musste im Spiel gegen Leverkusen am Samstagabend früh runter.

Musste gegen Leverkusen früh runter: BVB-Stürmer Karim Adeyemi.

Musste gegen Leverkusen früh runter: BVB-Stürmer Karim Adeyemi.

IMAGO/Team 2

Karim Adeyemi erwischte eigentlich einen starken Start am Samstagabend im Topspiel gegen Bayer 04 Leverkusen. Nachdem der anfängliche Schwung der Gäste abgeebbt war, wurden die Borussen in der Offensive immer dominanter und hatten auch dank des BVB-Neuzugangs erste gute Szenen vor dem Bayer-Tor.

So auch in der 9. Minute, als Marco Reus die Führung für den BVB markierte, an der Adeyemi großen Anteil hatte. Nach einem Zuspiel von Youssoufa Moukoko hatte er Leverkusens Keeper Lukas Hradecky schon fast überwunden – der Ball tänzelte auf der Linie, ehe Reus entscheidend zum 1:0 nachstocherte.

So weit so gut für den deutschen Jung-Nationalspieler. Doch in der 23. Minute war der Auftritt des 20-jährigen Offensivspielers beendet, da er im Zweikampf mit Piero Hincapie am linken Fuß verletzt wurde. Mehrfach setzte sich Adeyemi hin, zog den Schuh aus, zog ihn wieder an – um dann schlussendlich doch den Wunsch nach Auswechslung zur BVB-Bank zu signalisieren.

Mit Kopfschütteln und sichtlicher Frustration humpelte er nach draußen, Thorgan Hazard wurde für ihn eingewechselt.

Sollte Adeyemi eine schlimmere Blessur erlitten haben, vergrößern sich die Sorgen der Dortmunder in der Offensive massiv. Mittelstürmer Sebastien Haller muss sich nach einem Hodenkrebs-Befund einer Chemotherapie unterziehen und fällt mehrere Monate aus.

Hier geht’s zum LIVE!-Ticker: Borussia Dortmund – Bayer 04 Leverkusen

Dortmunds Variabilität soll “Kopfzerbrechen” bereiten

Auch ohne Niklas Süle und Sebastien Haller bieten sich BVB-Trainer Edin Terzic vor dem Liga-Auftakt gegen Leverkusen mehrere Aufstellungs-Optionen für Angriff und Abwehr. Ein Überblick.

Youssoufa Moukoko ist eine Option für Dortmunds Startelf.

Youssoufa Moukoko ist eine Option für Dortmunds Startelf.

IMAGO/Team 2

BVB-Trainer Edin Terzic ist ein Freund davon, seiner Mannschaft in den Vorbereitungstestspielen bestimmte Aufgaben mit auf den Weg zu geben. Vor dem Bundesliga-Auftakt gegen Bayer Leverkusen am Samstag (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) muss nun der Gegner welche lösen: Lässt Terzic seine Mannschaft, die das Spiel nach Wunsch ihres Trainers immer dominieren soll, im Topspiel mit einem Mittelstürmer spielen oder setzt er auf eine Doppelspitze? Baut er auf eine Viererkette oder schickt er gegen die Werkself eine Dreier-Abwehrreihe aufs Feld? Dortmunds Variabilität ist hoch – und das ist gewünscht. “Es soll dem Gegner Kopfzerbrechen bereiten”, sagt der BVB-Trainer. Doch welche Optionen bieten sich ihm? Der kicker gibt einen Überblick.

Defensive

Durch den Ausfall von Niklas Süle (Muskelverletzung) scheint auf den ersten Blick vieles für eine Viererkette zu sprechen. Auf diese setzte Terzic beim Pokalauftakt bei 1860 München (3:0), sie gilt als seine präferierte Defensivvariante. In Neuzugang Nico Schlotterbeck und dem formstarken Routinier Mats Hummels stehen auch ohne Süle noch zwei hochkarätige Innenverteidiger zur Verfügung. Aber auch eine Dreierkette ist denkbar: Etwa mit dem Defensivallrounder Emre Can neben Hummels/Schlotterbeck oder mit dem Youngster Soumaila Coulibaly. “Ich hätte keine Sorge, sie einzusetzen”, sagt Terzic.

“Ernsthaftigkeit in der Torverteidigung verbessern”

Sonderheft

Unabhängig vom Personal ist es ein Hauptanliegen der Schwarz-Gelben, in dieser Saison defensivstärker zu agieren als in den Vorjahren. “Wir wollen die Bereitschaft gegen den Ball und die Ernsthaftigkeit in der Torverteidigung verbessern”, sagt Terzic und betont dabei, “dass das nicht allein dadurch geht, indem wir zwei Jungs dazuholen.” Die ganze Mannschaft ist hierbei gefordert, “aggressiver zu Werke zu gehen”. Terzic arbeitete daran mit seinem Team in der Vorbereitung. “Ich hoffe, dass wir das am Samstag auch zeigen können.”

Offensive

Ohne den erkrankten Sebastien Haller fehlt dem BVB ein Zielstürmer fürs Angriffszentrum. Der BVB fahndet nach einer Ersatzlösung, die das Profil des Neuzugangs erfüllt und will im Idealfall in den nächsten Tagen Vollzug melden, gegen Leverkusen aber muss Terzic definitiv noch mit dem vorhandenen Personal arbeiten.

“Youssoufa wirkt sehr fit”

Youssoufa Moukoko, der Haller in München vertrat, ist ein anderer Spielertyp als der Nationalstürmer der Elfenbeinküste. Ihm fehlen im Vergleich Präsenz und Kopfballstärke, dafür ist er wuseliger und wendiger. Das Talent muss daher anders in Szene gesetzt werden, das verändert die Statik des Spiels. Auch muss er noch an Zweikampfstärke zulegen, um sich in der Bundesliga regelmäßig gegen die ihm körperlich oft überlegenen Verteidiger durchzusetzen. “Youssoufa wirkt sehr fit, wir hoffen, dass er zünden kann und sich mit Toren belohnt”, sagt Terzic vor dem Liga-Auftakt – eine Einsatzgarantie ist das jedoch nicht.

Denkbar ist schließlich auch, dass Donyell Malen – einer der Gewinner dieser Vorbereitung – und Neuzugang Karim Adeyemi eine Doppelspitze bilden, die mit viel Tempo und Tiefe Leverkusen gefährdet. So wie es Terzic in der Vorbereitung gegen Villarreal testete (0:2). In München agierten beide in einem 4-2-3-1, das oft eher einem 4-3-3 glich, als offensive Außen an der Seite Moukokos. Auch diese Variante ist gegen Leverkusen vorstellbar, ebenso – zumindest theoretisch – eine Kombination aus Moukoko und Malen bzw. Adeyemi.

Matthias Dersch

Adeyemi, Malen, Moukoko und andere Fragen für Terzic

Vor dem Pflichtspielauftakt ist die Zusammensetzung der Mannschaft bei Borussia Dortmund alles andere als sicher. Trainer Edin Terzic muss sich auch für eine Grundordnung entscheiden.

Lässt er ihn ran? Oder entscheidet sich Trainer Edin Terzic (rechts) im Pokal gegen 1860 München gegen einen Startelfpatz für Yousouffa Moukoko?

Lässt er ihn ran? Oder entscheidet sich Trainer Edin Terzic (rechts) im Pokal gegen 1860 München gegen einen Startelfpatz für Yousouffa Moukoko?

IMAGO/MIS

Die Aufgabe ist knackig: Statt eines denkbaren Erstrunden-Loses mit einem lockeren Aufgalopp bei einem Vier- oder Fünftligisten tritt Borussia Dortmund beim ambitionierten Drittliga-Spitzenklub 1860 München an, an einem Freitagabend im engen und lauten Stadion an der Grünwalder Straße. Nach einer vergleichsweise kurzen Vorbereitung, in der die vielen Nationalspieler erst spät einstiegen, wartet auf den neuen Coach Edin Terzic direkt der erste Härtetest. “Natürlich ist da auch eine Portion Neugier, wie weit wir sind”, sagt er selbst.

Gegen den Ex-Bundesligist, der bei seinem Ligastart in Dresden (4:3) in einem 4-1-4-1-System auflief, hat der Trainer einige Möglichkeiten, angefangen bei der Grundordnung und auch bei der Besetzung der einzelnen Positionen. Salih Özcan, Tom Rothe und Felix Passlack fehlen ebenso wie natürlich der schwer erkrankte Sebastien Haller. Den längerfristigen Ausfall des Ivorers zunächst intern aufzufangen, wird eine der großen Herausforderungen am Freitag sein.

Tempo und Dynamik statt Physis und Flanken

Klar ist: Einen zweiten Typen wie den hochgewachsenen Mittelstürmer hat Terzic nicht im Kader, das möglicherweise bevorzugte 4-3-3 mit einer wuchtigen Spitze wird er nicht 1:1 spielen können. Statt Physis und Flanken dürfte der 39-Jährige ganz vorne auf Tempo und Dynamik setzen – aller Voraussicht nach mit einer breit aufgestellten Doppelspitze Donyell Malen/Karim Adeyemi, eine Option dafür ist auch Youssoufa Moukoko. “Wir müssen bereit sein, Lösungen zu finden”, fordert Terzic: “Wir haben bewusst die Doppelspitze ausprobiert. Wir haben in Moukoko einer der talentiertesten Spieler auf dieser Position, wir haben auch Malen und Adeyemi, die auf dieser Position spielen können.”

Im abschließenden Test des Trainingslagers gegen den FC Villarreal (0:2) startete der BVB im 3-5-2, in dem vor einer Dreierkette mit zwei offensiven Außenverteidigern Jude Bellingham zentral auflief und Julian Brandt zwischen der Sechs und einer höheren Position neben Marco Reus pendelte. Das könnte ein Fingerzeig für den Auftakt in München sein – muss es aber nicht.

Fällt ein Top-Innenverteidiger aus der Startelf?

Sonderheft

Ebenso denkbar ist ein 4-4-2, entweder mit einer Doppel-Sechs und zwei Achtern oder sogar in der Raute, in der Reus auf der Zehn spielen könnte. Dann müsste sich Terzic ganz hinten allerdings für zwei seiner der drei Top-Innenverteidiger Mats Hummels, Nico Schlotterbeck und Niklas Süle entscheiden.

Wichtiger als die Grundordnung auf der Taktiktafel wird aber sein, die beiden schnellen Stürmer gegen einen vermutlich eher tiefstehenden Gegner in Szene zu setzen. Gegen Villarreal gelang das trotz der mangelhaften Chancenverwertung gut, weil Malen und Adeyemi zwischen den Innenverteidigern und dem jeweiligen Außenverteidiger die Lücken fanden und so im Zehnerraum auch genug Platz für die nachstoßenden Reus, Brandt oder den aufrückenden Bellingham blieb, die allesamt sehr wahrscheinlich auch bei den Löwen starten werden.

Patrick Kleinmann

Ein Ausfall, zwei Plätze, drei Kandidaten: Dortmunds Überlegungen für den Pokalauftakt

Noch ist unklar, wie lange Sebastien Haller ausfällt. Im Pokalspiel bei 1860 München muss Dortmund definitiv ohne ihn auskommen. Wie will BVB-Trainer Edin Terzic dies kompensieren?

Will sich weiter aus dem Haaland-Schatten lösen: Dortmunds Stürmer Donyell Malen.

Will sich weiter aus dem Haaland-Schatten lösen: Dortmunds Stürmer Donyell Malen.

IMAGO/Kirchner-Media

Edin Terzic gilt eigentlich als Freund einer Angriffsformation mit einem klaren Zentrumsstürmer und zwei offensiven Außenbahnspielern. Doch der Ausfall von Sebastien Haller, bei dem in der vergangenen Woche ein Hodentumor entdeckt worden war, zwingt den BVB-Trainer zumindest temporär zum Umdenken. Noch wartet Haller auf seine finale Diagnose, noch ist daher auch keine Aussage darüber zu treffen, wie lange der 28-Jährige der Borussia fehlen wird. Klar ist derzeit nur, dass die nächsten Spiele in jedem Fall ohne den Ivorer stattfinden werden, Terzic daher kurzfristig in jedem Fall umdisponieren muss – und dabei auch ein Zwei-Spitzen-System im Kopf hat.

Malen und Adeyemi als Doppelspitze

Im Testspiel gegen den FC Villarreal (0:2) testete der neue BVB-Coach bereits eine Formation mit drei Innenverteidigern und zwei Stürmern – Donyell Malen und Karim Adeyemi. Das Duo könnte auch am Freitagabend, wenn der BVB im DFB-Pokalspiel bei 1860 München in die Pflichtspielsaison startet, wieder zum Zuge kommen, um Hallers Ausfall aufzufangen. Beide Spieler punkten mit ihrer Schnelligkeit, beide wissen prinzipiell auch, wo das Tor steht – auch wenn sie in dieser Vorbereitung ohne Treffer geblieben sind. Alternativ stünde auch Youngster Youssoufa Moukoko zur Verfügung, der in der Vorbereitung ordentliche Ansätze zeigte und beim 5:0-Testspielerfolg in Verl doppelt traf.

Bereit, die schwere Aufgabe anzunehmen, scheinen alle drei zu sein. Auch Malen, der Teile der Vorbereitung angeschlagen verpasste, gegen Villarreal aber ein Sonderlob von Terzic bekam: “Donny hat sich sehr gut bewegt, obwohl er ein bisschen was verpasst hat. Das war ärgerlich, denn in den 14 Tagen vorher hat er richtig hart und gut gearbeitet”, sagte der BVB-Trainer.

Malen überzeugte vor allem ohne Haaland

Die gute körperlicher Verfassung war Malen im Trainingslager in Bad Ragaz (Schweiz) anzusehen. Er wirkte wesentlich fitter und frischer als noch ein Jahr zuvor, als er nach seinem Wechsel aus Eindhoven nach Dortmund mit starken Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Die sind inzwischen überwunden, auch wenn es Malen in seiner Premierensaison beim BVB nie recht gelingen sollte, aus dem Schatten von Erling Haaland zu treten. Doch der Norweger spielt inzwischen bei Manchester City – und Malen war in der Vorsaison immer dann besonders gut, wenn an seiner Seite nicht der alles auf sich konzentrierende Haaland spielte

Mit der Anpassung muss derzeit eher Adeyemi umgehen, der in diesem Sommer aus Salzburg kam und sich erst noch einfinden muss in die Dortmunder Spielweise. Noch fehlt es dem deutschen Nationalstürmer im BVB-Dress an Effektivität in seinen Aktionen, das Bemühen aber ist ihm nicht abzusprechen.

Haller-Ausfall: BVB spielt alle Szenarien durch

Ob die drei Angreifer auch dann genügen, sollte Haller langfristig ausfallen, steht wiederum auf einem anderen Blatt. In Dortmund werden derzeit mehrere Szenarien durchgespielt. Darunter auch eins, das bei einem längeren Ausfall ein Leihgeschäft eines klaren Zielstürmers beinhaltet. Doch bevor es bei Haller, der langfristig an den Klub gebunden ist, keine finale Diagnose gibt, wird beim BVB auch keine Entscheidung über einen möglichen externen Vertreter gefällt. Aus betriebswirtschaftlicher Vernunft. Vor allem aber auch aus Respekt vor dem Menschen Sebastien Haller.

Matthias Dersch

Adeyemi über BVB und Haaland: “Ich würde nicht sagen, dass ich Druck verspüre”

Nationalspieler Karim Adeyemi kehrt nach erfolgreichen Jahren bei RB Salzburg nach Deutschland zurück. Am Mittwochnachmittag hat der 20-jährige Stürmer seinen Schritt zu Borussia Dortmund ausführlich erklärt – kuriose Feststellung bezüglich Erling Haaland inklusive.

Dreimal in Folge österreichischer Meister und dreimal in Folge Cupsieger: Karim Adeyemis Zeit bei RB Salzburg ist von Erfolgen übersät – auch von ganz persönlichen. Das 2018 von der SpVgg Unterhaching geholte Talent hat sich binnen kurzer Zeit zu einem gestandenen Profi mit Zug zum Tor entwickelt – über 30 Ligatore sowie über 20 Vorlagen in fast 100 Spielen im österreichischen Oberhaus zeugen davon, genauso vier Champions-League-Treffer. Das hat dem 20-jährigen gebürtigen Münchner nicht nur einen Platz in der deutschen Nationalmannschaft beschert, sondern nun auch einen langfristigen Vertrag bei Borussia Dortmund (bis 2027).

Bei seiner Abschiedspressekonferenz in Salzburg an diesem Mittwochnachmittag hat der neue Hoffnungsträger der Schwarz-Gelben nun nochmals ausführlich über seine Zeit bei RB, seinen Entschluss pro BVB und über weitere Dinge gesprochen.

Adeyemi über …

… die letzten intensiven Stunden mit der Reise nach Dortmund, der Unterschrift unter seinen Vertrag beim BVB und der anschließend schnellen Rückreise nach Salzburg samt Abschiedspressekonferenz zwei Spiele vor Saisonende: “Ich hätte gedacht, ich wäre etwas nervöser bei der Vertragsunterschrift. Es war aber ok. Ich denke, die Nervosität kommt dann erst bei der Begegnung mit der Mannschaft.”

… den Abschied aus Salzburg: “Es wird schwierig und emotional, weil es die letzten Jahre hier so erfolgreich und harmonisch war. Abschiede sind nicht so meins.”

… das erneut errungene Double mit RB Salzburg: “Das war das Ziel – und das haben wir geschafft. Ich bin sehr froh.”

… die besonderen Momente in Salzburg: “Da kann ich gar keine speziellen Sachen herauspicken, es gab so viele. Salzburg ist einfach auch eine schöne Stadt, hier gab es so viele Spieler und Menschen, die einem immer geholfen haben. Hier gibt es keine Menschen, die einem etwas Schlechtes wünschen. Da kann ich keinen Speziellen hervorheben, da kann ich einfach nur noch einmal ‘Danke’ sagen.”

Ich bin ein anderer Spielertyp. Das kann man nicht vergleichen.

Karim Adeyemi über die Fußstapfen von Erling Haaland

… die Bedeutung dieser Entscheidung, den nächsten Karriere-Step in der deutschen Bundesliga zu gehen: “Es ist schwierig, da die richtigen Worte zu fassen. Ich hatte sehr schöne Jahre hier in Salzburg und bin allen sehr dankbar, die mich hier die ganzen Jahre begleitet haben. Ich bin dennoch jetzt froh, diesen nächsten Schritt zu gehen. Es ist glaube ich auch ein guter Schritt für mich und meine Zukunft.”

… die Entscheidung pro Dortmund: “Ich habe mich schon länger mit dem Verein auseinandergesetzt – und ich denke einfach, dass das der nächste und richtige Schritt in meiner Karriere für mich ist. Ich habe mich einfach mit meiner Familie bei den Gesprächen immer wohl gefühlt. Und so ist es dann auch eine einfache Entscheidung gewesen.”

… die Atmosphäre in Dortmund: “Na klar freue ich mich total auf die Fans – und auch auf die Mannschaft. Das ist einfach großartig. Wie man Dortmund einfach kennt, hat der Verein einfach ein super Stadion und super Fans. Ich freue mich einfach auf die Zeit dort.”

… die erste Anfrage aus Dortmund und das weitere Vorgehen bis zur Vertragsunterschrift: “Kontakt gab es schon länger, ganz genau weiß ich das nicht. Ich war auf jeden Fall geehrt, ein Angebot von so einer Mannschaft bekommen zu haben. Ich habe Dortmund öfters verfolgt in der Bundesliga. Über die Zeit hat es sich dann ergeben, dass immer mehr Kontakt entstanden ist – bis hin zum Vertrag jetzt.”

… seine Einstellung bezüglich Vertragsgesprächen im Allgemeinen: “Ich muss bei so etwas immer ein gutes Gefühl bei der ganzen Sache haben. Es muss einfach harmonieren mit dem Verein, auch mit der Stadt und dem Umfeld. So muss das sein bei mir ganz persönlich – und es war dann auch mit Dortmund der Fall.”

… Marco Rose: “Ich habe mit dem Trainer geredet, das ist denke ich auch sehr wichtig, um zu erfahren, was er für eine Vorstellung hat. Die Gespräche mit ihm waren gut, ich verstehe mich auch sehr gut mit ihm. Wir haben einfach ein offenes Gespräch geführt, das war schon vor ein paar Monaten. Da hat der Trainer gesagt, dass er mich gern in Dortmund haben würde. Deswegen kann ich da auch mit einem guten Gefühl hingehen. Über die genaue Spielweise kann ich aber noch nichts sagen.”

… die großen Fußstapfen in Dortmund nach dem Abgang von Erling Haaland, der wie schon in Salzburg vor Adeyemis Ankunft weitergezogen ist: “Es ist ähnlich wie hier in Salzburg, wo ich in die Mannschaft gekommen bin. Es war hier zufälligerweise wieder Erling Haaland, dem ich gefolgt bin. Ich bin aber denke ich ein anderer Spielertyp als Erling. Das kann man nicht vergleichen. Ich würde allgemein auch nicht sagen, dass ich Druck verspüre. Ich will der Mannschaft einfach helfen und freue mich auf die Aufgabe in Dortmund.”


Karim Adeyemi

Hat am Dienstag seinen BVB-Vertrag mit einer Laufzeit bis zum 30. Juni 2027 unterzeichnet: Karim Adeyemi.
IMAGO/RHR-Foto

… seine spielerischen Ziele in den nächsten Jahren: “Es gibt viele Sachen, die ich noch verbessern kann. Ich kann aber jetzt nicht alle aufzählen … das sind schon noch viele. Was am wichtigsten ist, ist, dass ich mich verbessern will. Wichtig ist, immer zu reflektieren.”

… seine bereits erreichten Ziele: “Es ist noch nicht so, wie ich es will. Es geht immer noch besser, ich bin glaube ich auch einfach nie zufrieden. Deswegen ist es schwierig, hier jetzt etwas zu sagen. Das größere Ziel ist jetzt erst einmal noch, Torschützenkönig zu werden und vor allem die Zahl 2 noch davorzubekommen (aktuell Führender der Torschützenliste mit 19; Anm. d. Red.).”

Von konkreten Gesprächen weiß ich jetzt nichts.

Karim Adeyemi über ein Interesse vom FC Bayern

… den FC Bayern und ein etwaiges Interesse vom deutschen Rekordmeister: “Von konkreten Gesprächen weiß ich jetzt nichts. Ich sag mal so: Ich habe mich mit Dortmund die letzten Jahre mehr zusammengesetzt oder den Klub auch mehr verfolgt. Es hat hier einfach immer gut harmoniert.”

… seine Vorbilder: “Das kann ich nicht sagen, ich habe im Fußball jetzt direkt kein Vorbild. Ich sehe persönlich meinen Vater und meine Eltern als Vorbild.”

… die deutsche Meisterschaft: “Was der Klub für Ziele hat, müssen sie den Klub fragen. Mein Ziel ist jetzt erst einmal, in der Mannschaft klarzukommen und dort zunächst einmal Stammspieler werden.”

“Publikumsliebling in Dortmund”

Während der Pressekonferenz an diesem Mittwoch hat sich auch noch RB-Sportdirektor Christoph Freund (44) zu seinem 2018 aus Unterhaching und zunächst an den FC Liefering ausgeliehenen Schützling geäußert – und dabei nochmals Einblicke in seine Salzburger Zeit gegeben: “Diese Zeit ist extrem schnell vergangen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Karim mit seinen Eltern vor viereinhalb Jahren das erste Mal bei uns war. Dann ist alles sehr, sehr schnell gegangen. Innerhalb von Stunden ist die Entscheidung gefallen, dass er zu Salzburg wechselt. Er war damals schon ein junger, witziger Bursche und auch etwas nervös, das erste Mal von daheim, von München wegzugehen. Es war eine große Entscheidung, doch auch eine richtige. Wie er sich seither entwickelt hat, ist außergewöhnlich. Er hat für Furore gesorgt und unglaubliche Spiele auch in der Champions League abgeliefert. Er ist auch menschlich gewachsen und extrem beliebt.”

Und: “Es ist nicht verwunderlich, was er für einen Weg gegangen ist und noch geht. Er ist ein toller Mensch. Wie er Fußball spielt, ist einfach spektakulär. Da sind wir gespannt auf das, was wir in Zukunft noch von ihm hören und sehen werden. Er wird denke ich auch Publikumsliebling in Dortmund werden, er wird immer wieder für Raunen vor der Gelben Wand in Dortmund sorgen. Da bin ich sicher.”