Hasta siempre, Diego

Mit einem außergewöhnlichen Tor hat Lionel Messi seinen Mentor Diego Maradona gewürdigt – und das nicht zum ersten Mal. Nicht nur das Trikot, sondern auch der Torjubel stellte sich als Hommage an Maradona heraus.

Mach's gut, Diego. Lionel Messi imitierte Maradona.

Mach’s gut, Diego. Lionel Messi imitierte Maradona. imago images

Es gibt einen Treffer von Diego Maradona, da nimmt er das Leder 20 Meter vor dem Tor an, geht noch ein paar Schritte und befördert es dann aus 16 Metern in den Torwinkel. Geschossen hat er es 1993 im Trikot der Newell’s Old Boys.

Und es gibt ein Tor von Lionel Messi, da nimmt er das Leder 20 Meter vor dem Tor an, geht noch ein paar Schritte und befördert es dann aus 16 Metern in den Torwinkel. Geschossen hat er es 2020 – im Trikot der Newell’s Old Boys.

Schon bei der Trauerminute für Maradona, der von 1982 bis 1984 für Barcelona gespielt hatte, waren vor dem Spiel gegen Osasuna (4:0) alle Augen auf Messi gerichtet. Seine eigenen richtete der 33-Jährige starr auf den Boden, als er aufblickte, waren sie feucht. Als einen “traurigen Tag für alle Argentinier und den Fußball” hatte Messi den Mittwoch bezeichnet, als der “Pibe de Oro”, der Goldjunge, im Alter von 60 Jahren verstorben war. “Er geht, aber er verlässt uns nicht ganz. Diego ist unsterblich.”

Und tatsächlich: In der 73. Minute gelang Messi die Reinkarnation. Maradona kehrte zurück nach Barcelona.

Auch die Hände zum Himmel sind eine Hommage an Maradona

Für Messi sicherlich eine schweißtreibende Angelegenheit. Denn unter dem Barça-Shirt trug er während der ganzen Partie eines der Newell’s Old Boys, sowohl Maradona als auch er hatten einst für den argentinischen Klub gespielt. Nach dem Treffer kam es zum Vorschein, dazu schickte Messi mit erhobenen Armen Grüße in den Himmel. Via Instagram postete er später ein geteiltes Bild dieses Jubels. Links Messi mit den Händen zum Himmel im Newell’s-Trikot. Rechts in gleicher Pose und gleichem Trikot Maradona.

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Griezmanns Granate – Messi holt Maradona zurück

Messi selbst wollte nicht über seine Hommage sprechen, Trainer Ronald Koeman schon. “Das war ein großer Moment”, sagte der Niederländer, der kürzlich erzählt hatte, er habe bei einem Spiel gegen Maradona einmal “mehr Zeit damit verbracht, ihm beim Aufwärmen zuzuschauen als mich selbst aufzuwärmen”. Messis Trikotaktion sei “eine große Geste gegenüber Maradona” gewesen. “Jeder hier dachte daran. Wir wissen, welche Bedeutung er für Argentinien hat. Ihm mit einem solchen Tor zu huldigen, ist eine große Sache.”

Messi hatte Maradona schon 2007 ein Tor gewidmet

Es war nicht das erste Tor, das Messi Maradona gewidmet hat. 2007 hatte “La Pulga” nach einem spektakulären Solo gegen Getafe ein Tor erzielt, das Maradonas legendärem Treffer gegen England bei der WM 1986 ähnelte. Maradona lag damals wegen einer Hepatitis-Erkrankung im Krankenhaus. “Ich widme dieses Tor Diego”, sagte Messi damals. “Ganz Argentinien braucht ihn.”

13 Jahre später musste sich Messi nun doch von seinem Idol verabschieden. Dem Foto auf Instagram fügte er nur drei Worte bei.

Hasta siempre, Diego.

Christoph Laskowski

Maradona im kicker-Interview 1988: “Ich bin fußballsüchtig”

Nach der Karriere werde er wohl dick werden – aber niemals Trainer: Diego Maradona sprach 1988 im kicker-Interview über seine Zukunft, sein Image und Doping.

Im Dezember 1988 war Diego Maradona schon Weltmeister und italienischer Double-Gewinner und sollte bald UEFA-Cup-Sieger werden, an das Karriereende verschwendete er mit 28 Jahren noch keinen Gedanken. Was er damals für die Zeit danach plante, verriet er im großen Interview mit dem kicker, das am 12. Dezember 1988 erschien. Auch mit 60 Jahren wollte er eigentlich noch Fußball spielen. Ein Auszug.

(…) Sie sind Weltmeister, italienischer Meister: Was wollen Sie noch gewinnen?

Das nächste Spiel.

Keine Probleme mit der Motivation?

Nein, überhaupt nicht, der Fußball bereitet mir nach wie vor unheimlich viel Freude, mir macht selbst das kleinste Spielchen im Training Spaß. Ich brauche keine Siege, um Freude zu haben, mich motiviert das Spiel, die Atmosphäre, das volle Stadion. Ich bin fußballsüchtig.

Der, der immer am Ball bleibt: Ausschnitt des kicker-Interviews mit Diego Maradona am 12. Dezember 1988.

Der, der immer am Ball bleibt: Ausschnitt des kicker-Interviews mit Diego Maradona am 12. Dezember 1988. kicker

Was kommt nach dem Fußball?

Ich weiß es nicht. Bis 1993 spiele ich in Napoli, dann würde ich gerne in ein Land gehen, wo der Stress nicht so groß ist wie in Italien.

Nun, ich werde wohl ziemlich dick sein, weil ich zu viel esse. Ich werde dennoch so oft wie möglich Fußball spielen.

Diego Maradona über sein Leben mit 50, 60 Jahren

Und den Trainer Maradona werden wir nicht erleben? Beckenbauer und Platini sind diesen Weg ja auch gegangen.

Nein, das kommt für mich überhaupt nie in Frage, denn ich würde immer wie ein Spieler denken, und das ginge nicht gut.

Jeder Star hat ein Image. Das Bild, das sich die Öffentlichkeit macht, stimmt nur zum Teil. Was stört Maradona am Image, das Maradona hat?

kicker.tv Hintergrund

Diego Maradona – Erinnerungen an den Größten

Das, was man mir wegen der Frauen nachsagt (lacht) … nein, im Ernst: Eigentlich nicht viel. Für einen Fußballer ist es wichtig, dass er ein gutes Image hat, das gehört zu seinem Beruf. Ich gebe mir Mühe, meinen Teil dazu beizutragen, indem ich ehrlich bin und indem ich mir auch von niemandem verbieten lasse, meine ehrliche Meinung zu äußern.

Was soll man von Diego Maradona sagen, wenn seine Karriere einmal zu Ende ist?

Dass er ein guter Spieler war, dass er immer alles gegeben hat, dass er kein einziges Spiel verpasst hat ohne einen gravierenden Grund.

Wie lebt Maradona mit 50, 60 Jahren?

Nun, ich werde wohl ziemlich dick sein, weil ich zu viel esse. Ich werde dennoch so oft wie möglich Fußball spielen. Ich werde in Buenos Aires in einer Villa leben, die einen Fußballplatz haben muss, ich werde viel Zeit verbringen mit meiner Familie, meinen Kindern, meinen Freunden.

Ich möchte die Kraft behalten, die ich heute habe, aber das wird leider nicht möglich sein.

Diego Maradona

Gibt es einen unerfüllbaren Traum, auch für einen Superstar, der sich die halbe Welt kaufen könnte?

Ich möchte die Kraft behalten, die ich heute habe, aber das wird leider nicht möglich sein.

Sie sind 28 Jahre alt. Spürt man da bereits Verschleißerscheinungen?

Ja, die spürt man, es geht vieles nicht mehr so leicht wie mit 18, nur die Lust, Fußball zu spielen, die ist immer noch die gleiche.

In den letzten Jahren haben Sie erstaunlich wenig Verletzungen gehabt. Ist das nur Glück oder auch eine Folge der großen Erfahrung?

Das weiß ich nicht, jedenfalls danke ich jeden Tag Gott dafür, dass er mich schützt, denn es ist unglaublich, wie oft man Schläge erhält, ob im Training oder im Spiel. Dazu kommen noch die ehrgeizigen jungen Spieler, die mit allen Mitteln, ob fair oder nicht, Maradona ausschalten wollen, wobei ich diesen allein nicht den Vorwurf mache, denn es liegt doch vor allem an den Trainern, die Spieler so zu erziehen, dass sie die Gesundheit des anderen respektieren.

Stichwort Gesundheit: Es fällt schwer zu glauben, dass ausgerechnet der Fußball als einziger Sport sauber und frei von Doping sein soll.

Ich kann dazu nur sagen, dass ich nie Erfahrungen mit Doping gemacht habe und dass ich auch bei unseren Spielern nichts davon gemerkt habe. (…)

Wann haben Sie das erste Mal gemerkt, dass Sie das Talent haben, das Millionen andere nicht haben?

Daran will ich mich nicht erinnern, denn ich will auf dem Teppich bleiben, ich will bescheiden sein, so, wie mich meine Eltern erzogen haben. Ich fühle mich auch nicht als etwas Besonderes, ich bin ein Mensch wie jeder andere auch.

kicker.tv Trainerstimme

Streich emotional: “Liebe zu Fußball ist Liebe zu Maradona”

Sie leben seit vielen Jahren mit Claudia zusammen, ihr habt ein Töchterchen, Dalma (damals eineinhalb Jahre alt), ihr seid katholisch und Südamerikaner, aber ihr heiratet nicht – warum eigentlich?

Ich glaube nicht, dass die Liebe durch eine Heirat größer wird, und Claudia glaubt das auch nicht. Wozu brauchen wir das Papier? Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass wir sofort heiraten würden, wenn uns Dalma einmal darum bitten sollte.

Mal ganz ehrlich: Wer befiehlt im Hause Maradona?

Dalma, ausschließlich Dalma. Seit sie da ist, haben Claudia und Diego nichts mehr zu sagen.

Eine letzte Frage: Was wünschen Sie sich für die nahe Zukunft?

Dass unser nächstes Kind ein Junge wird.

(1989 kam Tochter Giannina zur Welt, wenige Monate später heiratete Maradona seine Freundin Claudia. Die Ehe wurde 2004 geschieden.)

Interview: Matthias Erne

“Göttlich” mit Hand und Fuß: Die Karriere von Diego Maradona

Auf ewig

Diego Armando Maradona wurde nur 60 Jahre alt, doch er hatte ein bewegendes Leben – eine Legende, die immer wieder aufstand.

Hat er wirklich gesagt. Man kann ja von Diego Armando Maradona halten, was man will. Aber auf die Zunge hat er sich nie gebissen und aus seinem Herzen hat er auch nie eine Mördergrube gemacht. Also: “Ohne die Drogenprobleme hätte ich viel mehr erreichen können”, gab er 2010 in einer Dokumentation zu. “Was für ein Spieler wäre aus mir geworden, wenn es das Kokain nicht gegeben hätte.” Die ureigene Antwort des einstigen “Goldjungen”: “Mein Leben war nicht das, was ich mir gewünscht habe. Ich könnte viel mehr sein als das, was ich heute bin.” Maradona sagte das bereits 2010. Damals war er 50 und gerade als argentinischer Nationaltrainer gescheitert.

Wobei: Dabei hatte er als solcher 2008 nach seiner Amtseinführung zunächst die Albiceleste mitgerissen, allein durch seine Präsenz. Wenn Maradona sprach oder es mitunter auch nur versuchte angesichts all der Spuren, die der jahrzehntelange Raubbau an seinem Körper hinterlassen hatte, dann klebten sie in Argentinien immer an seinen Lippen.

Gegen Deutschland erleidet er “die größte Niederlage meiner Karriere”

Doch Maradonas Präsenz hatte sich dann auch im Kreise der Nationalmannschaft doch eher schnell abgenutzt. In Extremis schaffte er es mit seinen “Muchachos” zur WM 2010. Maradonas Reaktion darauf? Unflätiges Beschimpfen der Journalisten. Beim Turnier in Südafrika endete die Mission des Rosenkranzbeters dann im taktischen Desaster und einem 0:4 im Viertelfinale gegen Deutschland. Es war, so Maradona, “die größte Niederlage meiner Karriere”.

Erst vor wenigen Wochen war Diego Armando Maradona, als Spieler für viele ein vermeintlicher “Gott”, 60 Jahre alt geworden. Auch in seinem sechsten Lebensjahrzehnt hatte er seit 2010 das geschafft, was er immer in seinen gefühlt zig Leben stets geschaffte hatte: Er kam zurück. Wenn auch nur als eine Art Trainer-Botschafter-Maskottchen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, nun gut.

Bei der WM 2018 in Russland machte er als augenscheinlich von Sinnen agierender Anhänger Argentiniens negative Schlagzeilen – und war sich direkt im Anschluss an das Turnier nicht zu schade, im autokratischen Belarus in einem panzerartigen Gefährt vorzufahren und eine Position als Ehrenpräsident von Dinamo Brest anzunehmen. Immerhin: Gesehen hatte man ihn dort seither nicht mehr.

In Neapel träumen sie noch heute von ihm, manchmal sind es Albträume

So war das mit Maradona: heute hier und morgen da. In Mexiko kriegte er Ende 2018 erneut die Kurve, brachte den Zweitligisten Dorados de Sinaloa in die Spur, als ein als “Trainer” bezeichneter Motivator. Wie gesagt, mitreißen kann er, zumindest anfangs. Seit gut einem Jahr war das ewige Stehaufmännchen wieder in seiner Heimat tätig, bei Gimnasia La Plata unweit von Buenos Aires entfernt. Doch auch da: Mal war der vermeintliche Cheftrainer da, mal nicht. Die eigentliche Arbeit verrichteten seine Adjutanten. Dem Abstieg entging Gimnasia einzig, weil es wegen der Corona-Pandemie keine Absteiger gab.

kicker.tv Hintergrund

Maradona am Bratwurststand in Meppen

So oder so wäre Maradona kein Absteiger für seine Fans. Vielmehr ist er für viele, nicht nur in Argentinien, “El Mas Grande”: der Allergrößte. Noch vor Pelé. Sei’s drum. Fakt ist: Maradona wurde 1986 Weltmeister, zudem in seiner Karriere fünfmal Torschützenkönig Argentiniens, es ist noch immer ein Rekord. Zweimal, 1987 und 1990, wird er Meister in Italien mit Napoli, das vorher ein Provinzklub war und noch heute von Maradona träumt, manchmal freilich sind es auch Albträume angesichts des sich einst im Drogen- und Camorra-Wirrwar auflösenden Engagements. Die gemeinsamen Jahre waren Himmel und Hölle zugleich, 70.000 Fans feierten allein schon bei “Diegos” Präsentation; ein UEFA-Cup-Sieg gegen den VfB Stuttgart 1989 sprang auch noch raus, aber es waren eben auch Jahre der Exzesse, auf und neben dem Spielfeld.

In Argentinien beten sie das Vater Diego – das hat er Messi voraus

Vor allem aber war Maradona Zeit seines Lebens bereits eine lebende Legende, eine Ikone, als einstiger Wunderfußballer praktisch unsterblich. Sogar eine Kirche ist nach ihm benannt. Seine Jünger beten das Vater Diego. Seine Bedeutung geht in der Heimat weit über den Fußball hinaus, als Spiegelbild der einstigen, auch wirtschaftlichen Weltspitze des Landes. Das hat er Lionel Messi voraus. “Maradona wird in Argentinien immer der Größte bleiben. Da ist er ein Highlander, der niemals stirbt”, sagte einst der Ex-Stuttgarter José Basualdo.

Aufgewachsen ist Maradona in den Sechzigern im Armenviertel Villa Fiorito in den Außenbezirken von Buenos Aires. Schon als Bubi schafft er es dank seiner Kabinettstückchen ins Fernsehen. Zehn Tage vor seinem 16. Geburtstag gibt er 1976 für seinen Stammverein Argentinos Juniors sein Debüt in Argentiniens erster Liga. Mit 16 wird er Nationalspieler, mit 17 Torschützenkönig, mit 18 U-20-Weltmeister unter seinem Mentor Cesar Luis Menotti.

“Göttlich” mit Hand und Fuß: Die Karriere von Diego Maradona

Da ist er bereits das erste Mal zurückgekommen – nach der Enttäuschung, dass ihn eben dieser Nationaltrainer Menotti, der auch für die A-Nationalmannschaft verantwortlich ist, nicht für die “richtige” WM nominiert hatte, die 1978 in Argentinien. Ohne den Goldjungen holte Argentinien damals seinen ersten WM-Titel. Maradona zaubert derweil für Argentinos Juniors.

Lattek macht ihm das Leben schwer, die “Hand Gottes” erfindet er selbst

1981 wird er dann bei Boca Juniors zum Helden auf alle Zeit, 1982 folgt der sagenumwobene Wechsel von Boca zu Barça. Doch in Barcelona wird er nicht glücklich, Trainer Udo Lattek macht ihm das Leben schwer. 1983 tritt ihn Bilbao-Verteidiger Andoni Goikoetxea um, es sieht fürchterlich aus, drei Monate später aber spielt Maradona wieder. Ein Stehaufmännchen. Das war sein Leben. Oft am Boden – und doch nicht (gänzlich) kaputt. Immer wieder stand er auf. Und tanzte alle aus, zumindest auf dem Platz.

"Mitreißen kann er, zumindest anfangs": Diego Armando Maradona, hier im März 2020 als Trainer von Gimnasia La Plata.

“Mitreißen konnte er, zumindest anfangs”: Diego Armando Maradona, hier im März 2020 als Trainer von Gimnasia La Plata. Getty Images

1986 der Höhepunkt: erst die zwei Tore gegen England im Viertelfinale, zunächst das mit der “Hand Gottes” – Maradona selbst erfindet den Begriff -, dann folgt sein Jahrhundertsolo. Im Halbfinale trifft er doppelt zum Sieg gegen Belgien, im Endspiel gegen Deutschland bereitet sein Traumpass das 3:2 von Jorge Burruchaga vor.

Sie haben mir die Beine abgeschnitten.

Diego Maradona nach seinem Ausschluss von der WM 1994

1994 der Ausschluss von der WM in den USA wegen der Einnahme verbotener Substanzen. “Sie haben mir die Beine abgeschnitten”, es wird Maradonas legendärster Satz. Fortan beginnt sein vermeintlich lebenslanger Kampf gegen die FIFA – irgendwann war der aber auch wieder passé. Zuletzt konnte er wieder mit dem Weltverband. Nicht selten dribbelte sich der einstige Wunderdribbler selbst aus.

1997 das Karriereende, wie es sich gehört für einen Argentinier nach einem Superclasico zwischen Boca und River. Bei seinem Abschiedsspiel sein anderer Satz, der ihn überdauern wird: “Der Ball lässt sich nicht beschmutzen.” Es ist, unter Tränen und in der proppenvollen Bombonera, (s)ein Eingeständnis aller Verfehlungen. Fast wie bei einem Gebet hat er dabei die Hände auf die Brust gelegt.

Fidel Castro, Magenverkleinerung, TV-Show

Zum Millenniumswechsel hätte sich Maradona dann tatsächlich fast physisch verabschiedet: Überdosis, Herzprobleme, Maradona entrinnt nur knapp dem Tod. Es folgt die Flucht nach Kuba zu Kumpel Fidel Castro, jahrelang bleibt er dort, lässt sich das Haar färben, posiert aber schon bald wieder mit dicker Zigarre. 2004 wieder eine lebensbedrohliche Situation, Maradona steht wieder auf, und wie.

2005 zeigt sich der Ex-Spieler in einer eigens für ihn aufgelegten TV-Show als Moderator: charmant, rank und schlank. Fast sieht er nach einer Magenverkleinerung besser aus denn je. Die “Noche del 10”, die Nacht der 10, wird ein Quotenhit, gleich in der ersten Sendung ist Pelé Studiogast. Kein Streit darüber, wer der Größere ist. Man scherzt, tanzt und zaubert gemeinsam. Hach, hätte es doch nur immer so sein können. Hasta siempre, Diego.

Dieser Text erschein erstmals anlässlich des 60. Geburtstags von Maradona am 30. Oktober 2020.

Jörg Wolfrum

“Göttlich” mit Hand und Fuß: Die Karriere von Diego Maradona

Nur “kleiner” Weltmeister

In seiner Heimat wurde der 1,66 Meter kleine Linksfuß als absolutes Ausnahmetalent gefeiert, Argentiniens Nationaltrainer Cesar Luis Menotti wollte Maradona allerdings nicht verheizen. Die Albiceleste wurde 1978 ohne den damals 17-Jährigen Weltmeister im eigenen Land – ein Jahr später, er war längst A-Nationalspieler, führte die überragende Nummer zehn eben Argentiniens U 20 zum WM-Titel. Maradonas Durchbruch als (kommender) Weltstar des Fußballs. imago images