Terzic: “Wir sind bereit, ein erstes Ausrufezeichen zu setzen”

Voller Vorfreude geht Edin Terzic in die letzten Tage vor dem Liga-Auftakt gegen Bayer Leverkusen. Erstmals wird der 39-Jährige vor einem ausverkauften Haus coachen.

Auf ihn wartet die erste vollbesetzte "Süd": Dortmunds Trainer Edin Terzic.

Auf ihn wartet die erste vollbesetzte “Süd”: Dortmunds Trainer Edin Terzic.

IMAGO/Team 2

Die offizielle Saisoneröffnung von Borussia Dortmund lieferte am vergangenen Sonntag bereits einen Vorgeschmack darauf, wie emotional es am Samstag (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker), wenn Bayer Leverkusen zum Start der Bundesliga-Saison im Signal Iduna Park zu Gast sein wird, zugehen dürfte.

Erstmals wird BVB-Trainer Edin Terzic seine Mannschaft dann vor ausverkauften Tribünen in Dortmund betreuen – in seiner Zeit als Interimscoach mussten die Fans pandemiebedingt draußen bleiben. Und auch für die Neuzugänge Nico Schlotterbeck, Karim Adeyemi und Salih Özcan, der in den Kader rücken könnte, dürfte es ein besonderer Moment werden, erstmals die “Gelbe Wand”, wie die 25.000 Fans auf der Südtribüne weltweit bezeichnet werden, auf seiner Seite zu wissen.

“Ich freue mich sehr darauf, aber es geht nicht um mich, es geht um meine Mannschaft und um den Gegner”, sagt Terzic zwei Tage vor seiner späten Premiere. “Niemand wird darauf Rücksicht nehmen, wo ich geboren wurde. Es geht darum, dass wir eine gute Leistung zeigen.”

Terzic und das Streben nach Konstanz

Auftakt in Pokal und Bundesliga

Terzic und sein Team fühlen sich bereit dazu. Nicht nur wegen des klaren 3:0-Erfolgs bei 1860 München in der ersten DFB-Pokalrunde, sondern auch, weil in den vergangenen Wochen trotz des Schocks um die Tumor-Erkrankung Sebastien Hallers intensiv daran gearbeitet wurde, das BVB-Spiel wieder besser aussehen zu lassen als in der meist mediokren Vorsaison. “Wir haben in München viele Dinge sehen können, die wir immer sehen wollen. Es war nicht konstant genug, gerade in der zweiten Hälfte. Aber es war ein sehr guter Start in die Saison. Wir sind bereit dazu, am Samstag ein erstes Ausrufezeichen zu setzen”, sagt Terzic, der jedoch eine Bedingung dafür nennt: “Es geht jetzt darum, die Dinge, die sehr positiv waren, konstant zu zeigen gegen einen Gegner, der sich dagegen wehren wird.”

Noch allzu gut haben sie in Dortmund in schlechter Erinnerung, wie die Werkself den BVB bei ihrem letzten Gastspiel in Dortmund auseinanderspielen konnte. Das damalige 2:5 war ein schwerer Schlag für die Schwarz-Gelben, die damals noch von Marco Rose trainiert wurden.

Zu einer Wiederholung der Ereignisse soll es diesmal nicht kommen. Das damalige Spiel diente Terzic und seinem Trainerteam in den vergangenen Tagen ebenso als Anschauungsmaterial wie die Tests der Leverkusen in dieser Vorbereitung – und das jüngste Pokalaus in Elversberg, das Terzic allerdings nicht überbewerten will. Die Mannschaft der Leverkusener sei im Vergleich zur Vorsaison nahezu komplett geblieben, sie sei sehr eingespielt – und sie verfüge über “einige” gefährliche Waffen, etwa – aber längst nicht nur – im Konterspiel. “Aber über die verfügen wir auch”, sagt Terzic, der erwartungsgemäß offenließ, ob er seine Elf erneut in einer Grundformation mit klarem Mittelstürmer oder aber mit einer Zwei-Spitzen-Formation aufs Feld schicken werde.

Neben Süle fehlen auch Rothe und Passlack

Auch eine Dreierkette ist grundsätzlich eine Option. Zwar muss Terzic auf den am Muskel verletzten Neuzugang Niklas Süle verzichten, der inzwischen zwar beschwerdefrei ist, aber noch nicht wieder mit dem Team trainiert. In Emre Can aber steht eine erprobte Alternative zur Verfügung, auch Youngster Soumaila Coulibaly ist ein Dreierketten-Verteidiger.

Neben Süle und Haller muss der BVB zum Saisonstart auch auf die Außenverteidiger Tom Rothe und Felix Passlack verzichten, die Probleme am Hüftbeuger bzw. der Hüfte haben. Neuzugang Salih Özcan könnte dagegen erstmals im Kader stehen. Er hat seine Fußprellung überstanden, wurde zu Wochenbeginn teilintegriert und soll bis zum Samstag weiter aufgebaut werden.

Matthias Dersch

Vor Ligastart: Süle fehlt dem BVB zwei bis drei Wochen

BVB-Verteidiger Niklas Süle musste im DFB-Pokalspiel bei 1860 München zur Halbzeit ausgewechselt werden. Der Neuzugang fehlt zum Ligastart.

Verpasst den Bundesliga-Start: Niklas Süle.

Verpasst den Bundesliga-Start: Niklas Süle.

IMAGO/Kirchner-Media

Bereits in der ersten Halbzeit war dem 26-Jährigen anzusehen, dass er nicht mehr ganz rund läuft, beim ohnehin klaren Spielstand von 3:0 ging Süle zur Pause dann vom Platz und wurde durch Mats Hummels ersetzt. “Niklas hat etwas am vorderen Oberschenkel gespürt”, erklärte Trainer Edin Terzic anschließend. Nach kicker-Informationen wird der Neuzugang zwei bis drei Wochen ausfallen und damit auch beim Ligastart gegen Bayer Leverkusen am kommenden Samstag (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) fehlen. “Sky” hatte am Wochenende zuerst über die leichte Muskelverletzung berichtet.

Große Sorgen sollte das dem BVB aber nicht bereiten: Hummels schloss am Freitag nahtlos an die souveräne Vorstellung von Süle an und bildete mit Nico Schlotterbeck die Innenverteidigung, die in Zusammenarbeit mit der restlichen Mannschaft nur einen einzigen Torschuss des ambitionierten Drittligisten zuließ. Hummels habe “ein hervorragendes Spiel gemacht”, fand Terzic: “Mats war sofort da. Er war sehr präsent, zweikampfstark und klar im Passspiel. So stellen wir uns das vor.” Denn: “Eine gute Mannschaft zeigt sich nicht nur dadurch, welche Spieler auf dem Platz stehen, sondern auch, wie stark die Bank ist.”

Egal in welcher Kombination, die Defensive funktionierte beim Pflichtspielauftakt. Nach dem Experiment mit Dreierkette entschied sich Terzic für die bewährte Viererkette, “weil wir uns darin sehr wohlfühlen”. Der einzige Nachteil: “Allerdings musst du dich als Trainer dann dafür entscheiden, wer von deinen Innenverteidigern nicht startet.” Am Freitag traf es eben Hummels, nun aus Verletzungsgründen zunächst Süle.

Patrick Kleinmann

KMD #132 - Julian Brandt

24. Mai 202201:58:05 Stunden

KMD #132 – Julian Brandt

Da das Beste bekanntlich zum Schluss kommt, haut die KMD-Crew in der letzten Folge vor der langen Sommerpause noch mal ein XXL-Brett raus! Zu Gast ist zum großen Saisonabschluss Dortmunds Nationalspieler Julian Brandt, der unter anderem ausführlich über sein Kindheitsidol Ronaldinho, zu wenig Leichtigkeit im Profi-Fußball, den Schock nach dem Abgang von Marco Rose beim BVB und Musicals plaudert. Dazu steigen Benni und Alex ins aktuell komplett freidrehende Trainerkarussell ein, analysieren die Finalspiele in der Europa League und im DFB-Pokal und nehmen euch als Krönung auch noch hautnah mit zum Relegationsrückspiel im Hamburger Volkspark. Mehr geht nun wirklich nicht!

KMD #131

16.05.2022

KMD #130 – Konrad Laimer

09.05.2022

KMD #129 – Mario Götze

02.05.2022

KMD #128 – Bo Svensson

25.04.2022

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“Ich glaube, dass de Ligt in Turin kaum einer nachweint”

Wie gut hat sich der FC Bayern auf dem Transfermarkt verstärkt? War der Transfer von Matthijs de Ligt notwendig? Sandro Wagner und Michael Ballack sind skeptisch.

Wie gut ist er wirklich? Sandro Wagner (re.) ist bei Matthijs de Ligt skeptisch.

Wie gut ist er wirklich? Sandro Wagner (re.) ist bei Matthijs de Ligt skeptisch.

Getty Images/DAZN

Ab der kommenden Saison ist Sandro Wagner nicht mehr der einzige Ex-Bayern-Profi am Mikrofon von DAZN, Michael Ballack gesellt sich als Kommentator und Experte bei Champions-League- und Bundesliga-Spielen dazu. Ganz genau im Auge haben beide ihren Ex-Verein in München. Und was sie so sagen, klingt deutlich weniger euphorisch als zuletzt aus dem Lager des deutschen Serienmeisters.

Dass die Bayern durch zahlreiche und namhafte Neuzugänge für neue Impulse innerhalb der Mannschaft sorgen, begrüßt Wagner im Gespräch. “Durch die neue Konkurrenzsituation schaffst du wieder einen ganz anderen Spirit.” Aber: “Wenn man sich die einzelnen Transfers anschaut, muss es sich allerdings zeigen, ob jeder Transfer Sinn ergibt?” Zum Beispiel: “Macht es Sinn, de Ligt für 70 Millionen Euro zu holen, wenn du vorher Niklas Süle hattest? Zumindest wenn es stimmt, dass er für ein bisschen mehr Gehalt geblieben wäre.” Aber trotzdem, so erfuhr es der kicker, nach dem ersten Gespräch mit allen Verantwortlichen unbedingt zu Borussia Dortmund wechseln wollte.

Wagner findet Mazraoui-Transfer “herausragend” – Skepsis bei de Ligt

Den ablösefreien Transfer von Noussair Mazraoui bewertet Wagner als “herausragend”, weil auf der rechten Abwehrseite, die bislang Benjamin Pavard beackert hatte, der Offensivdrang gefehlt habe. Und Sadio Mané, der schillerndste Neuzugang? “Das ist natürlich ein großer Name, ein toller Spieler für die Bundesliga, aber auf der Dribbler-Position hatten die Bayern eigentlich nicht den ganz großen Bedarf.” Durch den Abschied von Robert Lewandowski jedoch schon. “Wenn du das System umstellen willst ohne Stoßstürmer, dann ergibt das durchaus Sinn”, findet Wagner.

Skeptisch bleiben sowohl er als auch Ballack bei de Ligt, dem mit einer Sockelablöse von 67 Millionen Euro zweitteuersten Neuzugang der Vereinsgeschichte. Mit Lucas Hernandez, dem teuersten Neuzugang der Vereinsgeschichte, soll der 22-jährige Niederländer demnächst die Innenverteidigung besetzen. “Er war bei Juventus nicht unumstritten”, erinnert Ballack. “Von den Leistungen ist er noch nicht der Spieler, der das Weltklasse-Prädikat mitbringt. Da wäre ich vorsichtig.”


DAZN-Experten Michael Ballack und Sandro Wagner im Pressegespräch.

DAZN-Experten Michael Ballack und Sandro Wagner im Pressegespräch.
picture alliance/dpa

Auch Wagner fällt vorerst ein kritisches Urteil: “Die Bewertung war nicht positiv, wenn ich mich bei meinen Serie-A-Freunden umhöre.” Dort sei “niemand traurig” gewesen, wenn de Ligt mal nicht gespielt habe. “Juve hat ja offenbar auch nicht großartig gezockt, sie haben stattdessen den Bremer geholt vom Stadtrivalen aus Turin. Ich glaube, dass de Ligt in Turin kaum einer nachweint, wobei von außen betrachtet auch schwer zu bewerten ist, warum es dort nicht so gepasst hat.”

Wagner lobt “Sensationstransfers” des BVB

Deutlich positiver blickt Wagner stattdessen auf den Ex-Münchner Süle in Dortmund. “Schlotterbeck, Süle und Hummels bilden das beste Innenverteidiger-Trio oder -Duo der Bundesliga, die sehe ich vor de Ligt, Hernandez und Upamecano.” Generell lobt er die “Sensationstransfers” des BVB: “Wenn Haller nicht allzu lange ausfällt und sie in Bestbesetzung antreten können, sind sie absolut dazu in der Lage, Bayern gefährlich zu werden. Dann sehe ich sie sogar auf Augenhöhe. Und wenn ich die Wahl gehabt hätte zwischen Adeyemi und Haller oder nur Haaland, hätte ich jedes Mal Adeyemi und Haller genommen – sofort.”

Mario Krischel

Transfercheck, Teil 4: Bayern, Bayer, BVB und Leipzig im Fokus

kicker.tv-Serie Transfercheck 25.07.2022

Transfercheck, Teil 4: Bayern, Bayer, BVB und Leipzig im Fokus

5:46Im vierten und letzten Teil der Serie “Transfercheck” nehmen wir die Kader vom FC Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer 04 Leverkusen und RB Leipzig unter die Lupe. Ist der BVB nach seiner Transfer-Offensive dieses Jahr wirklich gut genug für die Meisterschaft? Und: Haben die Bayern trotz des Abgangs von Robert Lewandowski sogar einen besseren Kader als in der Vorsaison?

BVB-Option Dreierkette: “Wir möchten uns auf alles vorbereiten”

In seiner ersten Amtszeit setzte Edin Terzic nur selten auf eine Dreierkette – das könnte sich nun ändern.

Künftig öfter gemeinsam auf dem Platz? Niklas Süle, Mats Hummels und Nico Schlotterbeck.

Künftig öfter gemeinsam auf dem Platz? Niklas Süle, Mats Hummels und Nico Schlotterbeck.

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Der Blick auf den Aufstellungsbogen barg eine Überraschung: Zwei des Dortmunder Innenverteidiger-Triumverats aus Niklas Süle, Nico Schlotterbeck und Mats Hummels waren erwartet worden, gegen den FC Villarreal standen alle drei in der Startelf – in einer Reihe.

Eine Option, die Trainer Edin Terzic und sein Team unbedingt mal in der Praxis testen wollten. “Die Dreierkette ist grundsätzlich eine Idee gewesen”, verriet der Coach hinterher: “Wir haben drei sehr gute Innenverteidiger, die es gewohnt sind, in der Dreierkette zu spielen, in der Nationalmannschaft und auch in der Vergangenheit.” Nur eben noch nicht zusammen: “Dennoch ändern sich ein paar Abläufe, deswegen war es wichtig für uns, das Ganze nicht nur im Training zu testen, sondern gegen einen guten internationalen Gegner.”

Der Praxistest fiel trotz des unnötigen Gegentreffers kurz vor Pausenpfiff gelungen aus, sowohl im Spielaufbau als auch im Defensivverhalten. “In der ersten Halbzeit haben wir den Gegner mit Ball immer wieder vor Aufgaben gestellt, konnten es da aus der Position heraus gut spielen”, befand Terzic, schränkte aber ein: “Das war alles gut bis zum letzten Drittel, da wurde alles viel zu eng und wir zu kompliziert. Wir wollten dann die sexy Lösung suchen statt der effektiven Lösung. Das ist etwas, was mir nicht gefallen hat.” In ihrer Kernaufgabe allerdings überzeugten die drei ihren Trainer: “Ansonsten haben wir in der Dreierkette sehr wenig zugelassen. Es gab eine Halbchance und das Gegentor, ansonsten standen wir da sehr stabil.”

Vor- und Nachteil der Variante

Der Vorteil der Lösung: Gerade Süle (rechts) und Schlotterbeck (links) auf den Halbpositionen können ihre Stärken im Andribbeln ausspielen, ohne bei einem Ballverlust zu wenig Absicherung zu haben. Gegen Villarreal schaltete sich immer wieder einer der drei Verteidiger hoch in den Spielaufbau ein, wenn nicht sogar alle gegen den tiefstehenden Gegner in der gegnerischen Hälfte zu finden waren. Gut möglich also, dass dieses System mit zwei offensiveren Außenverteidigern ebenfalls in den Pflichtspielen zum Einsatz kommt – auch Linksverteidiger Raphael Guerreiro mit seinen Stärken im Vorwärtsgang käme das womöglich entgegen.

Der Nachteil: Sollte einer der drei etatmäßigen Innenverteidiger ausfallen, stehen bei einem mutmaßlichen Abgang von Manuel Akanji als einigermaßen gelernte Kräfte einzig der aktuell angeschlagene Defensivallrounder Emre Can und die unerfahrene Nachwuchshoffnung Soumaila Coulibaly als Ersatz parat. Dennoch: “Eine Dreierkette ist definitiv ein Thema. Wir möchten uns auf alles vorbereiten”, sagt Terzic. In seiner ersten Amtszeit griff er von Beginn an nur einmal darauf zurück, auswärts beim FC Bayern – in den anderen 22 Partien startete er mit einer Viererkette.

Schlotterbeck: “Mir ist das egal”

Seine Spieler kennen alle beides. “Mir ist das egal”, sagt Nico Schlotterbeck: “Wir haben in Freiburg viel Dreierkette und viel Viererkette gespielt, in Berlin hab ich nur Dreierkette gespielt. Aber ich hab da kein gewünschtes System.” Er übernehme “im Spielaufbau gerne Verantwortung. Wenn du den Ball verlierst, sind zwar in der Dreierkette noch zwei hinter dir, aber man probiert ja, nicht den Ball zu verlieren.” Und das sollte nach den Gegentoren im Anschluss an Ballverluste in der vergangenen Saison ohnehin wichtiger sein als die Grundordnung.

Patrick Kleinmann

Süle: “Alleine vom Reden hast du keinen Erfolg”

Niklas Süle geht optimistisch in seine erste Saison mit Borussia Dortmund – und will beim BVB voranmarschieren.

"Harte Arbeit": Niklas Süle sieht sich und den BVB gut gerüstet.

“Harte Arbeit”: Niklas Süle sieht sich und den BVB gut gerüstet.

IMAGO/Kirchner-Media

Aus dem Trainingslager des BVB in Bad Ragaz/Schweiz berichtet Patrick Kleinmann

Während sich Nico Schlotterbeck beim Gang auf den sonnigen Trainingsplatz noch die Oberarme eincremte kam sein künftiger Nebenmann Niklas direkt mit Langarm-Shirt aufs Feld – bei über 30 Grad Außentemperatur im schweizerischen Bad Ragaz. “Ich habe da einen kleinen Tick”, verriet er danach: “Selbst bei -10 Grad spiele ich mit kurzen Ärmeln, aber im Training habe ich immer Langarm an.”

Im übertragenen Sinn muss er derzeit wie seine neuen Mitspieler die Ärmel hochkrempeln, im Training ist ordentlich Zug – kein Wunder bei nur drei Wochen Vorbereitung für die später eingestiegenen Nationalspieler. Knapp eineinhalb Wochen ist Süle nun beim BVB, entsprechend vorsichtig ist er noch mit Wertungen und Einschätzungen. Aber: Seine Erwartungen bei der frühen Entscheidung für Dortmund als erster Neuzugang Anfang Februar sind schon in Erfüllung gegangen. “Ich wurde in den Gesprächen sehr mitgenommen, was der Verein vorhat. Ich habe schon damit gerechnet, dass ein gewisser Umbruch stattfinden wird und bin sehr zufrieden, wie der Kader aussieht.”

Ich bin nicht gekommen, weil ich nicht daran glaube, dass wir Meister werden können.

Niklas Süle

Denn der Schritt nach Dortmund war wohl überlegt. “Ich habe mir Gedanken gemacht, was ich in meiner Zukunft noch möchte und relativ früh erkannt, dass ich noch etwas anderes machen möchte”, blickt er zurück: “Die Gespräche mit Dortmund haben mich überzeugt, dass es der richtige Schritt sein kann. Ich bin bis jetzt sehr zufrieden, eine Top-Mannschaft mit Top-Jungs, wir wollen viel erreichen.” Und das bedeutet auch der Blick nach ganz oben: “Ich bin nicht gekommen, weil ich nicht daran glaube, dass wir Meister werden können. Ich glaube fest daran, dass wir das schaffen können.” Fünfmal erreichte er den Titel mit dem FC Bayern, nun soll es auch in Schwarz-Gelb der Fall sein.

Leistungsdruck als positives Zeichen

Die Voraussetzungen seien gut, findet der 26-Jährige. “Ich bin sehr froh über die Konstellation hier. Mit dem Umbruch habe ich schon das Gefühl, dass wir auf jeder Position sehr gut besetzt sind und sich keiner sicher sein kann, zu spielen. Dadurch entsteht ein gewisser Leistungsdruck. Das ist sehr positiv”, sagt Süle, weiß aber auch: “Ich glaube, wir haben schon Großes vor dieses Jahr. Wir sind in drei Wettbewerben, wo wir natürlich vorne mitspielen und das Bestmögliche erreichen wollen. Wir werden sehr, sehr viel dafür tun – aber allein vom Reden hast du keinen Erfolg.”

Es geht also um Arbeiten, in Bad Ragaz und danach. “Dass sich die Mannschaft finden muss, ist ja ganz normal”, sagt Süle: “Ich sehe jeden Tag im Training, wie sich jeder reinhängt. Wir sind sehr gut gerüstet, arbeiten sehr hart und gehen topfit in die ersten Spiele.” Und überhaupt: “Dortmund hat fußballerisch die Qualität und mit Edin Terzic einen Trainer, der eine gewisse Spielidee verkörpert.”

Hoeneß zu Lewandowski: “Es geht nur um Kohle, um sonst gar nichts”

Am Rande der Meisterfeier auf dem Münchner Marienplatz bezog Ehrenpräsident Uli Hoeneß Stellung zu Robert Lewandowski, Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn, Julian Nagelsmann und Niklas Süle.

Klartext vom Ehrenpräsidenten: Uli Hoeneß nimmt zu allen brisanten Themen Stellen.

Klartext vom Ehrenpräsidenten: Uli Hoeneß nimmt zu allen brisanten Themen Stellen.

imago images/Future Image

… über sein Gefühl auf dem Rathausbalkon: “Ich bin hier mit einem zufriedenen Gefühl, weil ich der Meinung bin, wir haben keine sehr gute, aber eine gute Saison gespielt. Für eine sehr gute hätten wir in der Champions League und im Pokal etwas weiter kommen können. Aber das, was der FC Bayern als Mindestziel für eine Saison vorgibt, haben wir ganz klar erreicht.”

… was passieren muss, damit in der kommenden Saison ambitioniertere Ziele erreicht werden können: “In diesem Jahr haben zwei Minuten gegen Villareal gefehlt, es war ziemlich naiv, wie wir da in der 88. Minute ein Tor kassiert haben. Wenn wir in die Verlängerung gekommen wären, würden wir jetzt wahrscheinlich nicht nur über eine ordentliche Saison reden. Wir müssen aufpassen auf die Nuancen. Tatsache ist, dass wir die Spieler mehr in die Pflicht nehmen müssen. Bei uns wird immer nur der Trainer oder der Sportdirektor in die Pflicht genommen, aber die Transferpolitik hat meiner Meinung nach überhaupt keine Rolle gespielt. Tatsache ist auch, dass wir seit Weihnachten einige Spieler dabei hatten, die im Großen und Ganzen nicht mehr gut gespielt haben. Das muss analysiert werden, und die Spieler, die man meint, müssen mehr unter Druck gesetzt werden. Die Spieler, die verantwortlich für die Leistungen sind, kommen in den Medien zu gut weg.”


Robert Lewandowski

Seine letzte Schale? Robert Lewandowski.
picture alliance/dpa

… woran es lag, dass die Spieler nicht mehr gut waren: “Fragen Sie sie selber, ich bin kein Hellseher.”

… zu Robert Lewandowski: “Zu diesem Thema ist alles gesagt worden. Was ich höre und meine Meinung ist: Man gibt ihn nicht ab. Das Theater ist am 2. September vorbei, damit können wir gut leben. Ich habe Robert immer als Super-Profi kennengelernt. Er hat auch in Dortmund ein Jahr lang vorher gewusst, dass er zum FC Bayern geht und damals eine überragende Saison gespielt. Deshalb bin ich hundertprozentig sicher, dass Robert nächstes Jahr bei uns sehr gut spielen wird.”

… ob es eine Schmerzgrenze bei Lewandowski gibt: “Das würde nur dann in Frage kommen, wenn für das Geld ein Spieler zu haben wäre, der ihn ersetzen kann, den sehe ich weit und breit nicht. Wenn man ein Jahr lang Zeit hat, seinen Nachfolger zu suchen, ist die Ausgangslage für den FC Bayern viel einfacher. Abgesehen davon ist nicht sicher, dass er in einem Jahr noch weg will, wenn er jetzt bleibt. Mit 35 weiß er, was er am FC Bayern hat. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir mit Robert Lewandowski eine gute Saison haben werden. Klar ist auch: Es geht nur um Kohle, um sonst gar nichts. Mit einem Abendessen am Tegernsee kann man das Problem nicht lösen.”

Mit einem Abendessen am Tegernsee kann man das Problem nicht lösen.

Uli Hoeneß

… Pfiffe gegen Hasan Salihamidzic bei der Meisterfeier am Samstag: “Wenn man jeden Tag die Bild-Zeitung liest, braucht man sich nicht wundern. Das ist eine Hetzjagd. Für die Transferpolitik ist der ganze Verein verantwortlich, der Vorstand und der Aufsichtsrat. Es wird immer nur einer rausgepickt. Als wir sechs Titel gewonnen haben, habe ich keinen gehört, der ‘Hasan, Hasan’ gerufen hat. Jetzt soll er allein verantwortlich sein, dass wir die Champions League nicht gewonnen haben. Das kann nicht sein.”

… wie Salihamidzic und Vorstands-Boss Oliver Kahn ihre Arbeit machen: “Gut!”

… wie zufrieden er mit Julian Nagelsmann ist: “Er hat alle möglichen Schwierigkeiten gehabt, die Pandemie, die Geschichte mit Joshua Kimmich und seiner Impferei. Er hatte auch viel Arbeit in der Außenpolitik des FC Bayern. Dafür hat er es alles gut gemacht. Letzteres wird sich in den nächsten Jahren ändern müssen, weil es nicht sein kann, dass der Trainer das übernimmt.”

… zu Niklas Süle, der nicht mehr mit zum letzten Spiel nach Wolfsburg wollte: “Das spricht nicht gerade für den Spieler. Wenn er von Wertschätzung spricht, dann würde ich sagen, hat er dem Verein keine entgegengebracht. Eine katastrophale Aktion. Es ist ein Märchen, dass er in Dortmund weniger verdient als in München.”

Aufgezeichnet von Georg Holzner und Frank Linkesch

Der Fall Süle: So beschädigt Nagelsmann sich selbst

Niklas Süle (24) erhielt von seinem Trainer Julian Nagelsmann dienstfrei, weil der Profi nicht mit zum Spiel nach Wolfsburg wollte. Ein Kommentar von kicker-Chefreporter Karlheinz Wild.

Niklas Süle stand ihm am Sonntag in Wolfsburg nicht zur Verfügung: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann.

Niklas Süle stand ihm am Sonntag in Wolfsburg nicht zur Verfügung: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann.

Getty Images

Es ist ein höchst bemerkenswerter, eigentlich schon ungeheuerlicher Vorgang, der sich da beim FC Bayern in der Vorbereitung des letzten Saisonspiels zugetragen hat. Da fragte Julian Nagelsmann, der Trainer, Niklas Süle, den Spieler, ob der mit zur letzten Partie nach Wolfsburg mitreisen wolle. Der Verteidiger “war dann im Abschlusstraining nicht mehr so von seiner Gemütslage”, berichtete Nagelsmann – frei übersetzt dürften diese Worte heißen: Süle hatte keine große Lust mehr gehabt beim gemeinsamen Üben vor dem Saisonfinale. Der Coach brach an dieser Stelle seine Ausführung ab und gab Süles ehrliche Antwort auf die eigentliche Frage wieder: “‘Eher nicht’, weil er sich jetzt nicht darauf vorbereitet hatte.” Daraufhin gestattete der Chefcoach dem Profi, zu Hause zu bleiben.

Wie viele Arbeitnehmer sind hin und wieder “eher nicht” so motiviert, wenn sie um 5 Uhr morgens zur Früh- oder um 22 Uhr nachts zu ihrer Spätschicht antreten müssen? Oder wenn sie am Sonntag ihren Job machen müssen? Sie gehen trotzdem zur Arbeit und erhalten dafür eine weitaus geringere Entlohnung als die rund acht Millionen Euro, die der Fußballprofi Süle im Jahr bekommt. Und dieses Gehalt zahlt der Arbeitgeber FC Bayern seinem Angestellten Süle sicherlich, bis dessen Arbeitsvertrag zum 30. Juni 2022 endet und er anschließend zu Borussia Dortmund weiterwandert.

Mehr zum FC Bayern:

Großzügige und empathische Chefs sind gewiss allseits beliebter als Vorgesetzte, mit denen nicht zu reden ist. Aber der Cheftrainer Nagelsmann muss aufpassen, dass er mit einem derartigen Entgegenkommen die Professionalität in seiner Belegschaft und seine eigene Autorität nicht beschädigt. Mit Blick auf die neue Saison hat er sich damit keinen Gefallen getan.

Nagelsmann: Süle wollte nicht mit nach Wolfsburg

Niklas Süle fehlte dem FC Bayern am Samstag in Wolfsburg – er wollte kurzfristig nicht für Marcel Sabitzer einspringen.

Stand in Wolfsburg nicht im Bayern-Kader: Niklas Süle.

Stand in Wolfsburg nicht im Bayern-Kader: Niklas Süle.

IMAGO/Ulrich Wagner

Nur 19 Spieler standen am Samstag im Kader des FC Bayern beim Auswärtsspiel in Wolfsburg. Den 20. Platz hätte Niklas Süle haben können – wollte ihn aber offenbar nicht. Diese bemerkenswerte Entscheidung verriet Trainer Julian Nagelsmann bemerkenswert gleichgültig nach dem 2:2-Remis am letzten Spieltag.

“Wir hatten eigentlich geplant, den Kader komplett voll zu machen und nur Spieler mitzunehmen, die auch nächstes Jahr noch da sind”, erklärte der Bayern-Trainer auf der Pressekonferenz. Dann aber habe sich Marcel Sabitzer im Abschlusstraining mit muskulären Problemen abgemeldet und Süle wieder ins Spiel gebracht.

Doch “Niki war dann im Abschlusstraining nicht mehr so von seiner Gefühlslage …”, sagte Nagelsmann über den Bald-Dortmunder. “Wir haben ihn gefragt, ob er noch mitwill, da hat er ‘eher nicht’ gesagt, weil er sich jetzt nicht darauf vorbereitet hatte. Und deswegen haben wir ihn dann zuhause gelassen.”

Nagelsmann: Süle wollte nicht mit nach Wolfsburg

Niklas Süle fehlte dem FC Bayern am Samstag in Wolfsburg – er wollte kurzfristig nicht für Marcel Sabitzer einspringen.

Stand in Wolfsburg nicht im Bayern-Kader: Niklas Süle.

Stand in Wolfsburg nicht im Bayern-Kader: Niklas Süle.

IMAGO/Ulrich Wagner

Nur 19 Spieler standen am Samstag im Kader des FC Bayern beim Auswärtsspiel in Wolfsburg. Den 20. Platz hätte Niklas Süle haben können – wollte ihn aber offenbar nicht. Diese bemerkenswerte Entscheidung verriet Trainer Julian Nagelsmann bemerkenswert gleichgültig nach dem 2:2-Remis am letzten Spieltag.

“Wir hatten eigentlich geplant, den Kader komplett voll zu machen und nur Spieler mitzunehmen, die auch nächstes Jahr noch da sind”, erklärte der Bayern-Trainer auf der Pressekonferenz. Dann aber habe sich Marcel Sabitzer im Abschlusstraining mit muskulären Problemen abgemeldet und Süle wieder ins Spiel gebracht.

Doch “Niki war dann im Abschlusstraining nicht mehr so von seiner Gefühlslage …”, sagte Nagelsmann über den Bald-Dortmunder. “Wir haben ihn gefragt, ob er noch mitwill, da hat er ‘eher nicht’ gesagt, weil er sich jetzt nicht darauf vorbereitet hatte. Und deswegen haben wir ihn dann zuhause gelassen.”