Lieberknecht: “Ein Punkt, der uns Stärke geben muss”

Auch im 16. Spiel hintereinander bleibt der SV Darmstadt 98 ohne Sieg. Trotzdem ist der Tabellenletzte weit davon entfernt aufzugeben. Trainer Torsten Lieberknecht setzt weiter auf das Erreichen der Relegation.

Aufgeben ist keine Option für den Tabellenletzten: Darmstadts Trainer Torsten Lieberknecht zeigt sich kämpferisch.

Aufgeben ist keine Option für den Tabellenletzten: Darmstadts Trainer Torsten Lieberknecht zeigt sich kämpferisch.

IMAGO/Eibner

Nach zwei aberkannten Toren in einer vogelwilden der Schlussphase fühlte sich das 1:1 bei Werder Bremen für den SV Darmstadt 98 eher wie eine Niederlage an. “Dass es nicht zu einem Dreier gereicht hat, lag an Millimeter-Entscheidungen”, konstatierte Trainer Torsten Lieberknecht.

Nicht infrage stellte der Coach dabei, dass die beiden Treffer von Tim Skarke nach VAR-Intervention zu Recht zurückgekommen wurden. Beim ersten Tor war Skarke eine Schuhlänge im Abseits, beim zweiten Treffer schoss ihm der Werder Keeper den Ball an die Hand, wobei es laut Regel keine Rolle spielte, dass diese angelegt war.

Hoffen auf die Belohnung

Das Bremen-Spiel war ein Spiegel der vergangenen Wochen, in denen der SV Darmstadt 98 nie schlecht spielte, aber auch nie gewann. Nach dem frühen Rückstand durch ein Eigentor zeigte das Team in Bremen Moral, erzielte den Ausgleich und hatte zur Pause sogar ein deutliches Plus an Torschüssen.

“Das ist ein Punkt, der uns Stärke geben muss”, sagte Lieberknecht, der das Spiel in Bremen wegen der vierten Gelben Karte von der Tribüne aus verfolgen musste. Die Partie habe gezeigt, wie widerstandsfähig sein Team sei. “Irgendwann muss die Mannschaft eine Belohnung bekommen für das, was sie einstecken muss.”

Gegen Augsburg gab es den letzten Sieg

Sollte die Mannschaft jedoch nicht bald eine Belohnung bekommen, wird es immer schwieriger, das Minimalziel Relegation zu erreichen. Konkurrent Köln punktete gerade beim VfB Stuttgart, gegen den die Lilien eine Woche zuvor zu Hause noch 1:2 verloren hatten.

Nun kommt als nächster Gegner der FC Augsburg ans Böllenfalltor (Samstag, 15.30 Uhr, LIVE! bei kicker. Neben Bremen sind die Schwaben das einzige Team, gegen das die Lilien gewinnen konnten. In der Hinrunde siegte man Anfang Oktober 2:1 in Augsburg. Seither ist das Lieberknecht-Team ohne Dreier.

SV Darmstadt 98: Die nächsten gegner

Bangen um Mehlem

Ob die Lilien im Abstiegskampf dabei auf Mittelfeldmann Marvin Mehlem bauen können, steht in den Sternen. Der Kreativspieler, der gerade erst von einem Wadenbeinbruch genesen ist, musste in der Schlussphase vom Platz – erneut mit Verdacht auf einen Bruch des Wadenbeins. Eine Diagnose wird nach einem MRT am Montag erwartet.

Bereits vor seiner Verletzung hatte Mehlem in Bremen auch in einer anderen Situation Pech: Kurz nach der Pause jagte er nach einer schönen Kombination frei vor dem Tor den Ball weit über den Kasten.

Hoffen auf Justvan und Holtmann

Ein anderer kreativer Mittelfeldspieler entpuppt sich dagegen immer mehr als Gewinn für die Lilien: Julian Justvan, Winterleihgabe aus Hoffenheim, erzielte nicht nur den wichtigen Ausgleich, sondern setzte vor allem im ersten Durchgang auch einige positive Akzente.

Mit Gerrit Holtmann, der im Winter ebenfalls als Leihgabe geholt worden war und in Bremen nach seiner Oberschenkelverletzung noch geschont wurde, hat Darmstadt zudem einen weiteren Spieler, der im offensiven Mittelfeld für Überraschungsmomente sorgen kann. Damit würde ein möglicher Ausfall Mehlems – anders als in der Hinrunde – zumindest etwas besser kompensiert werden können.

Stephan Köhnlein

“Skandal, dass das Tor nicht zählt”: Lieberknecht hadert mit Handspielregel

Die Partie zwischen Werder Bremen und Darmstadt 98 hätte beinahe in letzter Sekunde einen Sieger gefunden. Doch ein vermeintlicher Treffer des Aufsteigers zählte nicht – was hinterher heiß diskutiert wurde.

Redebedarf: Tim Skarke (li.) im Gespräch mit dem Unparteiischen-Gespann in Bremen.

Redebedarf: Tim Skarke (li.) im Gespräch mit dem Unparteiischen-Gespann in Bremen.

picture alliance/dpa

“Es ist ein Skandal, dass das Tor nicht zählt. Den, der diese Regel erfunden hat, würde ich gerne mal kennenlernen. Und am besten heute noch”, meinte ein aufgewühlter Torsten Lieberknecht, bei Sky nach dem Spiel in Bremen, bei dem er selbst aufgrund einer Gelbsperre auf der Bank von Co-Trainer Ovid Hajou vertreten worden war. “Wir haben jetzt in den letzten Spielen drei Tore erzielt, die nicht gezählt haben. Das ist natürlich bitter”, so der Darmstädter Coach weiter. 

Die Szene der Partie, die anschließend reichlich Gesprächsstoff lieferte, ereignete sich tief in der Nachspielzeit fast mit dem Abpfiff: Nach einem Befreiungsschlag der Darmstädter vom eigenen Strafraum aus, köpfte Bremens Pascal Groß an der Mittellinie zurück zu Torhüter Michael Zetterer, der den Ball gegen den nahenden Tim Skarke nach vorne schlagen wollte. Doch der schlecht platzierte Schlag nach vorne prallte von Skarkes vor dem Bauch angelegtem Arm an seinen Oberschenkel und dann Richtung Tor. Das anschließende Laufduell gegen Zetterer gewann der Offensivakteur und drückte den Ball über die Torlinie. Nach Check durch VAR Patrick Hanslbauer wurde der Treffer aufgrund des Kontakts mit dem Arm indes schnell revidiert. 

DFB-Regeln: Absicht nicht entscheidend

In seinen “Fußball-Regeln 2023/24” lässt der DFB in Sachen Handspiel in “Regel 12 – Fouls und sonstige Vergehen” den Schiedsrichtern hierbei keinen Spielraum. So heißt es: “Ein Vergehen liegt vor, wenn ein Spieler ins gegnerische Tor trifft, unmittelbar nachdem er den Ball mit der Hand/dem Arm berührt hat (ob absichtlich oder nicht).”

Die Regel dürfte da nie Anwendung finden. Gäbe es dafür Elfmeter? Wahrscheinlich nicht, weil die Hand angelegt ist.

Torsten Lieberknecht

Zu eben jener Regel hat Lieberknecht derweil seine eigene Sicht: “Die Regel dürfte da nie Anwendung finden. Gäbe es dafür Elfmeter? Wahrscheinlich nicht, weil die Hand angelegt ist. Und das ist dann das, warum man da emotional am Rad dreht.”

Fritz: “Für die Darmstädter sehr unglücklich”

Auch von Bremer Seite war man sich einig, in der Szene nach Zetterers Fauxpas gut weggekommen zu sein. “Ein bisschen Glück gehabt”, meinte etwa Sportchef Clemens Fritz. “Glück gehabt”, meinte auch Marvin Ducksch. Da hatten wir “definitiv Glück”, erklärte auch Anthony Jung. “Das hätte uns sehr auch geärgert, wenn es für uns so passiert wäre”, fügte der Defensivspieler an. Verständnis für den Ärger der Darmstädter zeigte auch Fritz. “Wenn es die Regel ist, dann ist es richtig. Aber man muss schon sagen: Für die Darmstädter, da bin ich schon ehrlich, ist das schon sehr unglücklich.”

“Ich denke, beide Seiten haben recht”, meinte der Bremer Coach über die unterschiedlichen Sichtweisen in Sachen Handspiel vor Torerzielung. Einerseits sei “die Regel ist nicht gerade geil, weil für die, die Fußballspielen, ist es schon so, dass man mit Absicht oder nicht Absicht deutlich mehr anfangen kann. Andererseits ist es halt die Regel und wir haben es dieses Jahr auch schon erlebt, dass das eine Rolle gespielt hat. Das Thema Handspiel wird sicher noch bis zum Ende aller Tage diskutiert werden”. 

Wieder das Wadenbein: Lieberknecht bangt um Mehlem

In der Pressekonferenz hatte sich Lieberknecht wieder ein wenig beruhigt. Kennenlernen wolle er “den Erfinder der Regel” zwar noch immer, aber “nicht heute”. Bangen muss der 50-Jährige derweil um Marvin Mehlem, der erst Anfang Dezember mit einem Wadenbeinbruch lange ausgefallen war. 

Mehlem spielte in Bremen zwar durch, hatte aber wieder Probleme mit dem Wadenbein. “Er hatte ein ungutes Gefühl, weil es wieder dieselbe Stelle war”, erklärte Lieberknecht, der anfügte: “Wenigstens da hoffen wir, dass wir bei einer Millimeter-Entscheidung um den Wadenbeinbruch herumkommen.”

Lieberknecht: “Vielleicht haben wir jetzt mal ein richtig schlechtes Spiel”

Personell hat sich die Lage bei Schlusslicht SV Darmstadt 98 entspannt. Nur auf der Trainerbank wird es beim Auswärtsspiel gegen Bremen eine Lücke geben. Doch die Gelbsperre für Torsten Lieberknecht muss nicht zum Nachteil werden.

Fehlt gesperrt: Trainer Torsten Lieberknecht.

Fehlt gesperrt: Trainer Torsten Lieberknecht.

Getty Images

Im Training gibt es für Torsten Lieberknecht keine Hinweise darauf, dass die Mannschaft Schlusslicht ist. Da werde mit viel Energie und Akribie trainiert, die Mannschaft richte sich immer wieder neu aus und auf. Moral und Stimmung seien intakt, von Auflösungserscheinungen keine Spur. Doch nach mehr als vier Monaten ohne Sieg braucht das Team endlich wieder Erfolgserlebnisse, um die Chance auf den Klassenerhalt zu wahren.

“Vielleicht haben wir ja jetzt mal ein richtig schlechtes Spiel und gewinnen trotzdem 1:0”, sagte Lieberknecht. “Das würde der Mannschaft einfach einen großen Push geben.” Der anstehende Gegner Werder Bremen habe genau von so einem unerwarteten Sieg profitiert und Schwung bekommen. “Das 1:0 gegen Bayern München war für Bremen ein kompletter Brustlöser.”

“Es wäre schöner, wenn ich dabei wäre”

Dabei kann Lieberknecht sein Team allerdings nicht von der Bank aus unterstützen. Er sah gegen Stuttgart (1:2) seine vierte Gelbe Karte in der laufenden Saison und hat damit Innenraumverbot. Auf die Frage, ob das Auswirkungen auf die Partie haben werde, sagte er: “Es wäre schöner, wenn ich dabei wäre. Aber ich glaube nicht.”

Lieberknecht ist Wiederholungstäter. Bei seiner letzten Gelbsperre vor knapp zwei Jahren hatte er das Zweitliga-Auswärtsspiel gegen den FC St. Pauli von der Tribüne aus verfolgen müssen. Auf der Bank wurde er federführend von Co-Trainer Ovid Hajou ersetzt, daneben Videoanalyst Kai Peter Schmitz und Torwarttrainer Dimo Wache sowie Athletiktrainer Christopher Busse im Hintergrund. Vor dem Spiel und in der Halbzeit durfte Lieberknecht aber in der Kabine selbst vor die Mannschaft treten und diese einstimmen.

Ohne Lieberknecht noch ungeschlagen

Statistisch war die Abwesenheit von Lieberknecht bislang nicht zum Nachteil des SV Darmstadt 98. Ohne den Chefcoach gewannen die Lilien bei St. Pauli 2:1. Auch als der Coach im vergangenen Herbst wegen des Schlaganfalls seiner Frau Simone nicht bei der Partie gegen Mainz auf der Bank saß, gab es ein 0:0. Co-Trainer Hajou ist damit noch unbesiegt, wenn er der Hauptverantwortliche war.

Noch besser ist die Statistik von Schmitz, der ebenfalls noch ohne Niederlage ist, wenn er in der Chef-Coach-Verantwortung stand. Neben den beiden Spielen mit Hajou war er vor ziemlich genau fünf Jahren nach der Freistellung von Dirk Schuster für ein Spiel Interimstrainer. Damals siegte die Mannschaft 2:0 gegen. Vor zwei Jahren übernahm Schmitz erneut die Aufgabe des Trainers im Spiel bei Hannover 96, weil Lieberknecht und Hajou in Corona-Quarantäne waren. Damals gab es ein 2:2.

Nur die Langzeitverletzten fehlen noch im Training

Was die Spieler auf dem Platz angeht, so hat sich die Lage beim SV Darmstadt 98 deutlich entspannt. Bis auf die beiden Langzeitverletzten Fraser Hornby (Sprunggelenk-Operation) und Clemens Riedel (Knöchelbruch) standen zuletzt alle Spieler wieder im Training. Bei Braydon Manu, der kurz nach Saisonbeginn ausfiel, werde es aber noch eine Weile dauern, bis er wieder eine Option für die Mannschaft sei, sagte Lieberknecht.

Stephan Köhnlein

Karic: “Du kannst dir niemals sicher sein”

Mit dem SV Darmstadt 98 bestreitet Emir Karic seine erste Bundesliga-Saison. Dabei hat er vor allem gelernt, wie schnell Fehler bestraft werden. Die Kritik an der Qualität seiner Flanken kann er allerdings nicht nachvollziehen.

In Schräglage: Emir Karic und Aufsteiger Darmstadt 98 befinden sich nach 22 Spieltagen in akuter Abstiegsgefahr.

In Schräglage: Emir Karic und Aufsteiger Darmstadt 98 befinden sich nach 22 Spieltagen in akuter Abstiegsgefahr.

IMAGO/HMB-Media

In den vergangenen drei Partien stand Emir Karic jeweils in der Startformation des SV Darmstadt 98. Ob das jedoch auch im anstehenden Auswärtsspiel bei Werder Bremen (Samstag, 15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) der Fall sein wird, ist offen. Trainer Torsten Lieberknecht bewerte Woche für Woche sehr stark nach Trainingseindrücken. “Deswegen kannst du dir niemals sicher sein. Selbst wenn du in der Partie davor top warst, kann es sein, dass du das nächste Spiel nicht spielst”, sagt der 26 Jahre alte Österreicher.

Starke Konkurrenz auf der Stammposition

Karic bevorzugte Position ist die linke Außenbahn. Da hat er in Fabian Nürnberger und Winterneuzugang Gerrit Holtmann zwei spielstarke Konkurrenten, die allerdings zuletzt von Verletzungen zurückgeworfen wurden. Mit seiner Wucht und Dynamik setzt Karic immer wieder Ausrufezeichen. Die Qualität seiner Flanken sorgt jedoch immer wieder für Diskussionen, auch wenn er selbst das nicht so recht nachvollziehen kann.

Natürlich kämen nicht alle seine Flanken an, aber das sei ja bei jedem Außenbahnspieler so. “Es gibt Leute, die fangen mit solchen Sachen an, dann springen andere auf den Zug und das zieht sich so durch. Wenn dann mal von fünf Flanken eine nicht ankommt, dann wird eben nur über diese eine gesprochen”, moniert er.

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Neue Optionen mit Polter

Mit der Verpflichtung von Sebastian Polter als kopfballstarken Strafraumstürmer habe man neue Optionen vor dem gegnerischen Tor. Das Spiel der Lilien sei jedoch ohnehin nicht so sehr darauf ausgelegt, dass die Außenspieler von der Grundlinie flankten. Und auch Luca Pfeiffer habe das vorher im Angriff nicht schlecht gemacht. Das Thema Kopfballspiel wird aus Sicht von Karic in diesem Zusammenhang etwas übermäßig strapaziert.

Was Karic in der Bundesliga nach eigener Aussage gelernt hat, ist die Tatsache, dass schon sehr kleine Fehler – etwa, wenn man den Raum nicht schließe – sehr schnell ausgenutzt würden und häufig auch zum Tor führten, wie Karic selbst im Spiel gegen Dortmund beim ersten Treffer der Gäste schmerzlich erfahren musste.

SV Darmstadt: Die nächsten Gegner

Zukunft im Sommer ist offen

Mit 26 befindet er sich im besten Fußballeralter. Beim Thema Nationalmannschaft habe es im vergangenen Sommer Kontakte gegeben. Doch im Moment gebe es nichts Konkretes mit Blick auf die Europameisterschaft im Sommer. “Vielleicht ja, wenn die Flanken noch besser werden”, sagt er lachend.

Ebenfalls im Sommer läuft nach drei Jahren sein Vertrag bei den Lilien aus. Wie es dann weitergeht, steht noch in den Sternen. “Es gibt jetzt wichtigere Sachen”, sagt er. Wenn ein neuer Sportchef da sei, werde der sich darum kümmern müssen. Im Moment liege der Fokus darauf, dass man am Samstag drei Punkte in Bremen hole.

Stephan Köhnlein

Darmstadts Nachteil, den richtigen Trainer zu haben

Im Abstiegskampf verzichtet der SV Darmstadt 98 aus gutem Grund auf ein beliebtes Instrument: den Trainerwechsel. Das kommende Spiel in Bremen steigt dennoch ohne Torsten Lieberknecht.

Darf am Samstag nicht auf der Bank sitzen: Lilien-Coach Torsten Lieberknecht

Darf am Samstag nicht auf der Bank sitzen: Lilien-Coach Torsten Lieberknecht

IMAGO/Ulrich Hufnagel

Steht ein Klub tief im Tabellenkeller, muss der Trainer früher oder später gehen. Dieses Fußballgesetz gilt von der Bundesliga bis in die C-Klasse, von Flensburg bis Berchtesgaden. In aller Regel, versteht sich. Darmstadt ist eine der Ausnahmen, wohlgemerkt aus gutem Grund.

Es gibt keinerlei Anlass zu glauben, dass es ohne Torsten Lieberknecht bei den Lilien besser laufen würde. Im Gegenteil: Der 50-Jährige macht mit seiner Mannschaft konstant kleine Fortschritte. Gewissermaßen ist der Vorteil, den passenden Trainer schon zu haben, aber auch ein Nachteil.

Stichwort Trainerwechsel-Effekt. Der Konkurrent aus Mainz profitierte schon zweimal, dort hat jeder Wechsel in dieser Saison im folgenden Spiel drei Punkte gebracht. Die könnten die Lilien nach 15 sieglosen Spielen dringend gebrauchen – und haben daher, wenn auch unfreiwillig, eine Lösung gefunden.

Interims-Duo mit guter Bilanz

Lieberknechts Gelbe Karte am Samstag war die vierte in dieser Saison, heißt: Am Samstag in Bremen (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) dürfen sich die Co-Trainer Ovid Hajou und Kai-Peter Schmitz als Interims-Duo versuchen; ihr vierter Einsatz in dieser Funktion. Mit ihrem speziellen Trainerwechsel-Effekt haben sie in Darmstadt bisher nur gute Erfahrungen gemacht: Am 22. Spieltag der Saison 2021/22 fehlte Lieberknecht wegen COVID-19 beim 2:2 in Hannover sowie am 31. Spieltag gelbgesperrt beim 2:1 auf St. Pauli. Am elften Spieltag dieser Saison verpasste Lieberknecht aus privaten Gründen das Spiel gegen Mainz (0:0).

Die Bewertung der Lage am Böllenfalltor wird derweil immer diffiziler. Die spielerischen Fortschritte in der Offensive sind unverkennbar. Gegen den VfB bewies das Team einmal mehr, was Lieberknecht danach betonte: “Uns nur darauf zu reduzieren, dass wir nur kämpfen und darauf aus sind, Spiele zu zerstören, ist falsch.” Auch die Zahl der individuellen Fehler in der Defensive geht klar zurück. “Seit der Rückrunde haben wir eine reifere Art”, ergänzt der Cheftrainer.

Sollen wir jetzt die Tasche packen und sagen, wir treten nicht mehr an?

Sebastian Polter

Auch in puncto Einsatzbereitschaft kratzen die Spieler trotz fortwährender Rückschläge weiter am Maximum. “Sollen wir jetzt die Tasche packen und sagen, wir treten nicht mehr an? Nein, wir können sehr stolz auf uns sein – mit den kleinen Mankerl, dass wir die Tore nicht gemacht haben. Wir können aber jede Woche in den Spiegel schauen und wissen, dass wir alles auf dem Platz gelassen haben. Wir werden den Platz umpflügen bis zum Ende der Saison und mit diesem Stolz weiterspielen”, betont Sebastian Polter nach dem 1:2 gegen den VfB Stuttgart. Das Problem: Unterm Strich macht sich das alles (noch) nicht in den Ergebnissen bemerkbar.

Glaubhafter Optimismus

Das Team schießt einfach zu wenige Tore, in fünf Rückrundenspielen erst drei. Dabei wird die Strafraumbesetzung immer besser, die Zahl der Chancen steigt, Stoßstürmer Polter ergänzt das Team gut und die Abläufe werden besser. Doch wenn man weiter so verschwenderisch mit den Gelegenheiten umgeht, hilft alles nichts. Als Aaron Seydel in der Nachspielzeit gegen den VfB den Ball nach einer tollen Kombination mit Polter und Oscar Vilhelmsson in den Winkel zirkelte und die Torflaute beendete, war das nur noch Ergebniskosmetik.

Alle diese Aspekte sorgen aber zumindest dafür, dass es an Mutmachern nicht mangelt. “Wir bleiben glaubhaft optimistisch, nicht gespielt”, sagte Lieberknecht überzeugend. Er ist und bleibt eben der richtige Mann.

Moritz Kreilinger

Lieberknecht will “glaubwürdig optimistisch” bleiben

Nur drei Tore hat Bundesliga-Schlusslicht SV Darmstadt 98 in der Rückrunde erzielt. Das ist im Kampf um den Klassenerhalt eindeutig zu wenig. Trotz der düsteren Lage gibt es aber noch immer ein paar Dinge, die den Lilien Hoffnung machen.

Torsten Lieberknecht hat den Relegationsplatz als Ziel für Darmstadt 98 ausgerufen.

Torsten Lieberknecht hat den Relegationsplatz als Ziel für Darmstadt 98 ausgerufen.

IMAGO/Schüler

Reifer sei seine Mannschaft seit der Winterpause geworden, befand Trainer Torsten Lieberknecht nach dem 1:2 gegen den VfB Stuttgart. Damit hat der Coach des SV Darmstadt 98 zwar recht. Das Problem ist jedoch, dass sich die Reife bislang nicht in Ergebnissen niederschlägt. Sechs Pflichtspiele hat seine Mannschaft im Jahr 2024 bislang bestritten, daraus zwei magere Pünktchen geholt.

Während die lange Zeit schwächelnde Konkurrenz im Tabellenkeller mittlerweile punktet, kommen die Lilien mit Blick auf das Punktekonto nicht wirklich von der Stelle, sondern rutschen immer mehr Richtung Abstieg.

Relegationsplatz noch in Reichweite

Lieberknecht selbst spricht mittlerweile vom vornehmlichen Ziel Relegationsplatz. Das leuchtet ein, denn der Abstand auf Platz 15 beträgt mittlerweile schon zehn Punkte. Der Tabellen-16. Köln liegt mit vier Punkten Vorsprung dagegen noch in Reichweite. Doch auch dafür müssen die Lilien endlich punkten.

“Bleiben wir dran, nicht gespielt optimistisch, sondern glaubhaft optimistisch, dann bin ich überzeugt davon, dass wir auch mal den Moment auf unsere Seite bekommen”, sagte Lieberknecht nach dem Stuttgart-Spiel. Der Moment fehlte jedoch auch gegen den VfB, obwohl die Lilien insgesamt ordentlich spielten und mehr als eine Halbzeit sogar in Überzahl waren.

Nur der eigentlich ausgemusterte Seydel trifft

Das Manko ist, dass die Mannschaft kaum Tore schießt. Gerade drei sind es in der Rückrunde. Im Vergleich zum Hinrundenzeitraum wird dann auch der Unterschied deutlich: Da waren der Mannschaft im gleichen Zeitraum doppelt so viele Tore gelungen.

Stuttgart-Leihgabe Luca Pfeiffer mühte sich gegen den VfB redlich, kam auch in Abschlusssituationen, doch der Angreifer bekommt die Bälle derzeit einfach nicht ins Tor. Auch Sebastian Polter, Winterneuzugang vom FC Schalke 04, ist in seinen drei Einsätzen bislang noch ohne Tor. “Das ist nicht nur Luca. Das bin nicht nur ich. Das sind wir als komplette Mannschaft, die die Bälle über die Linie drücken müssen”, stellte Polter klar.

“Das Entscheidende ist, dass ich an meine Spieler glaube und sie weiter unterstütze”, sagte Lieberknecht zur Flaute seiner Angreifer. Am Ende war es dann der eingewechselte Aaron Seydel, der in der Nachspielzeit den einzigen Treffer für die Lilien erzielte. Der verletzungsanfällige Angreifer, dem der Verein zu Saisonbeginn noch einen Wechsel nahegelegt hatte, traf sehenswert nach einer gelungenen Kombination – und offenbarte damit auch den Tordrang, der seinen Mitspielern abging.

Lieberknecht im nächsten Spiel gesperrt

Für Diskussionen sorgte der nach VAR-Intervention aberkannte Treffer von Marvin Mehlem in der 16. Minute. In der Entstehung hatte Polter den Ball unstrittig mit der Hand gespielt. Inwieweit das tatsächlich zu ahnden war, sahen die Protagonisten jedoch unterschiedlich. Polter selbst erklärte, er habe gar keine Chance gehabt, den Arm wegzuziehen.

Lieberknecht verwies auf ein anderes Handspiel in der Hinrunden-Partie gegen Leipzig, bei dem das daraus resultierende Tor von Gästeangreifer Lois Openda gezählt hatte. Ohnehin war Lieberknecht mit der Spielleitung von Schiedsrichter Tobias Welt nicht besonders zufrieden, bescheinigte dem Unparteiischen “unglückliche Entscheidungen”. Wegen fortwährenden Reklamierens sah der Coach in der Schlussphase die vierte Gelbe Karte und ist beim Auswärtsspiel gegen Werder Bremen gesperrt.

Was Hoffnung spendet

Auch wenn es für die Lilien aktuell ziemlich düster aussieht, spendet die Statistik tatsächlich sogar noch ein wenig Hoffnung. In der Hinrunde hatte die Mannschaft zum gleichen Zeitpunkt nämlich mehr als doppelt so viele Tore kassiert und noch einen Punkt weniger auf dem Konto.

Und auch die Tatsache, dass Lieberknecht wegen seiner Sperre in Bremen durch Kai Peter Schmitz und Ovid Hajou vertreten wird, muss nicht negativ sein. Denn die beiden Lieberknecht-Assistenten sind noch unbesiegt, wenn sie bei einem Lilien-Spiel als Chefs in der Verantwortung waren.

Stephan Köhnlein

Lieberknecht zu Undav: “Über Meppen zum Nationalspieler, das wünsche ich ihm”

“Hat unter mir sein erstes Profispiel gemacht” 15.02.2024

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1:46Torsten Lieberknecht lobt den VfB Stuttgart und seinen ehemaligen Spieler Deniz Undav. Der Lilien-Coach ist optimistisch für das Heimspiel, bei dem er weiterhin auf viele Spieler verzichten muss.

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Gelb-Sperren schmerzen Lieberknecht – Holtmann fehlt weiter

Personell ist die Lage beim SV Darmstadt 98 bereits wegen Krankheiten und Verletzungen angespannt. Für die Partie gegen Stuttgart fallen nun auch noch zwei wichtige Spieler wegen Gelb-Sperren aus.

Darmstadts Coach Torsten Lieberknecht hat gegen Stuttgart etliche Ausfälle zu beklagen.

Darmstadts Coach Torsten Lieberknecht hat gegen Stuttgart etliche Ausfälle zu beklagen.

picture alliance / U. Hufnagel

Einmal mehr muss Trainer Torsten Lieberknecht die Abwehr des SV Darmstadt 98 umbauen: Am Samstag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker)  gegen den VfB Stuttgart fehlt Matej Maglica wegen der 5. Gelben Karte. Für den kroatischen Abwehrspieler ist das besonders bitter, weil er damit auch die zweite Partie gegen seinen Ex-Verein wegen einer fragwürdigen Karte verpasst.

In der Hinrunde war der 25-Jährige nach einer umstrittenen VAR-Entscheidung wegen eines Handspiels im Strafraum vom Platz geflogen. Nun muss er wegen einer Verwarnung nach einem vermeintlichen Foulspiel pausieren, obwohl sein Gladbacher Gegenspieler Patrick Herrmann beim Schiedsrichter noch interveniert hatte, weil aus Herrmanns Sicht keine Regelwidrigkeit vorlag.

In der Abwehr hat Lieberknecht allerdings eine Reihe von Optionen für Maglica. Da wäre zunächst Christoph Klarer, außerdem Jannik Müller und auch Thomas Isherwood, der zwar wie Maglica Linksfuß ist, allerdings zuletzt Mitte Dezember zum Einsatz gekommen war.

Polter und Pfeiffer im Duett?

Noch etwas schmerzhafter ist der Ausfall von Tim Skarke, immerhin bester Torschütze der Lilien, der ebenfalls die fünfte Gelbe Karte sah. Dessen Energie sei sehr wichtig für das Spiel der Lilien, sagte Lieberknecht am Donnerstag bei der Pressekonferenz vor der Partie gegen Stuttgart.

Sollte der Coach sich für einen Zweier-Sturm entscheiden, wäre Luca Pfeiffer ein Kandidat für den Platz neben Sebastian Polter. Grundsätzlich sei Polter ein ähnlicher Spielertyp wie Phillip Tietz, mit dem Pfeiffer vor zwei Spielzeiten in Darmstadt so großartig harmoniert hatte, wie Lieberknecht bestätigte.

Pfeiffer, der aus Stuttgart ausgeliehen ist, war gegen Gladbach erstmals in der laufenden Saison nicht zum Einsatz gekommen. Das seien rein taktische Überlegungen gewesen, sagte Lieberknecht. Eigentlich habe er Pfeiffer noch einwechseln wollen, aber dann habe Christoph Zimmermann Gelb gesehen und er habe den Abwehrspieler zur Sicherheit vom Feld genommen.

Holtmann mit muskulären Problemen

Neben den beiden Gesperrten muss Lieberknecht auch eine Reihe von verletzten und kranken Spielern ersetzen. Winterneuzugang Gerrit Holtmann laboriert weiter an muskulären Problemen, die er sich bei seinem Debüt rund zwei Wochen zuvor gegen Leverkusen zugezogen hatte. Man hoffe, ihn bis zum Bremen-Spiel kommende Woche wieder fit zu bekommen.

Ebenfalls nicht dabei ist Mittelfeldroutinier Tobias Kempe, der nach einem Infekt noch individuell trainiert. Auch die erhoffte Rückkehr von Mathias Honsak (Muskelfaserriss in der Wade) und Braydon Manu (Sprunggelenkprobleme) ins Mannschaftstraining wird sich laut Lieberknecht auf voraussichtlich kommende Woche verschieben.

Kleinere Fragezeichen stehen noch hinter den angeschlagenen Müller und Bartol Franjic, wobei sich Lieberknecht zuversichtlich mit Blick auf einen Einsatz gegen den VfB zeigte. Nicht mehr in dieser Saison zurückkehren werden Clemens Riedel (Knöchelbruch) und Fraser Hornby (Sprunggelenk-Operation). Beide machten jedoch Fortschritte. “Die Reha-Verläufe sind ordentlich”, sagte der Coach.

Lieberknecht lobt Straßenfußballer Undav

Ein Wiedersehen gibt es für Lieberknecht mit einem alten Bekannten. Dennis Undav kam einst vom TSV Havelse zur 2. Mannschaft von Eintracht Braunschweig, als Lieberknecht dort die Profis trainierte. Weil er dort immer wieder für Tore sorgte, habe man ihn zur 1. Mannschaft hochgezogen.

Über Meppen, Belgien und England kam Undav zu Saisonbeginn zum VfB Stuttgart, wo er bislang 14 Tore erzielte und mittlerweile auf dem Sprung in die deutsche Nationalmannschaft ist. “Das wünsche ich ihm, weil er dafür einfach auch die Leistung bringt”, sagte Lieberknecht. Undav habe sich richtig gut entwickelt, weil er immer an sich geglaubt habe und über eine gewisse Straßenfußballer-Mentalität verfüge, sagte Lieberknecht.

Stephan Köhnlein